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Bundesverwaltungsgericht 08.02.2012 D-2021/2009

8. Februar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,810 Wörter·~19 min·1

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 4. März 2009

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­2021/2009 Urteil   v om   8 .   Februar   2012 Besetzung Richter Thomas Wespi (Vorsitz), Richterin Emilia Antonioni, Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Gerichtsschreiber Stefan Weber. Parteien A._______, geboren (...), B._______, geboren (...), C._______, geboren (...), D._______, geboren (...), Syrien, alle vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 4. März 2009 / N_______.

D­2021/2009 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdeführer,  aus  E._______  stammende  syrische  Staatsangehörige  kurdischer  Volkszugehörigkeit,  verliessen  ihren  Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 25. September 2008 auf dem  Landweg und gelangten über F._______ und weitere,  ihnen unbekannte  Länder  am  3. Oktober  2008  unter  Umgehung  der Grenzkontrolle  in  die  Schweiz.  Gleichentags  suchten  sie  im  G._______  um  Asyl  nach.  Dort  wurden  die  Beschwerdeführer  am  8. Oktober  2008  summarisch  befragt  und  am  14.  Oktober  2008  vom  BFM  zu  ihren  Asylgründen  direkt  angehört. Mit  Entscheid  des  BFM  vom  16.  Oktober  2008  wurden  die  Beschwerdeführer für die Dauer des Verfahrens dem Kanton H._______  zugewiesen. Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  brachte  der  Beschwerdeführer  anlässlich der Befragung im G._______ und der Anhörung beim BFM im  Wesentlichen  vor,  er  sei  Befürworter  respektive  Mitglied  der  I._______  und habe  für diese Handzettel an bestimmte Personen verteilt, habe an  kurdischen  Volksfesten  für  Sicherheit  und  Ordnung  gesorgt  und  Angehörigen der Partei mit verschiedenen Hilfsdiensten geholfen. Am 9.  Januar 2008 hätten sie von Parteiangehörigen der  I._______  respektive  der  J._______  erfahren,  dass  sein  Bruder,  der  in  den  Reihen  der  J._______ gedient habe, vor (...) Jahren gefallen sei. Daraufhin hätten sie  eine Trauerfeier organisiert und ein Zelt vor dem Hauseingang aufgebaut,  um die Gäste darin empfangen zu können. In der Folge seien Angehörige  der Regierung gekommen und hätten seinen Vater aufgefordert, das Zelt  wieder  abzubauen. Dieser  habe  sich  jedoch  geweigert,  das  zu  tun.  Am  (...)  sei  der  Sicherheitsdienst  mit  drei  Jeeps  erschienen  und  habe  sie  erneut aufgefordert, das Zelt wieder abzubauen. Gleichzeitig hätten sich  diese auch nach seinem verstorbenen Bruder erkundigt und ebenso nach  ihm gefragt. Er habe sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Markt befunden  und  sei  durch  einen  Onkel  und  Parteimitglieder  telefonisch  über  die  Suche nach seiner Person informiert worden. Danach sei er zu einem in  E._______  wohnhaften  Freund  geflüchtet  und  habe  sich  in  der  Folge  während  (...)  beziehungsweise  bis  im  (...)  bei  verschiedenen  Parteimitgliedern  versteckt  gehalten.  Sein  Vater  sei  am  (...)  vom  Sicherheitsdienst mitgenommen und befragt worden. Danach habe man  ihn  wieder  freigelassen.  Überdies  habe  sich  seine  Frau  am  (...)  aus 

D­2021/2009 Sicherheitsgründen  zu  ihren  Angehörigen  begeben.  Während  seines  Untertauchens  hätten  die  Behörden  immer  wieder  nach  seinem  Aufenthaltsort gefragt. Man habe ihn in Abwesenheit wegen „Störung der  inneren  Sicherheit“  zu  einer  Strafe  von  (Nennung  Strafe)  verurteilt.  Er  vermute,  dass  die  Behörden  die  Weigerung,  das  Zelt  abzubauen,  als  Vorwand  benutzt  hätten,  um  ihn  wegen  seiner  Verbindungen  zur  I._______ zu bestrafen. Die Beschwerdeführerin führte ihrerseits zur Begründung an, sie habe mit  Politik  nichts  zu  tun  gehabt,  sei  jedoch  wegen  der  Probleme  ihres  Mannes von behördlichen Massnahmen betroffen gewesen. Sie sei zwei  bis  drei Mal  auf  den  Polizeiposten  gebracht  und  dort  über  ihren Mann,  dessen möglichen Aufenthaltsort und dessen Beziehungen zur I._______  verhört worden. Sie habe aber den Behörden keinerlei Auskünfte geben  können,  da  sie  selber  über  diese Sachen  nichts  gewusst  habe.  Sie  sei  insgesamt drei Mal von den Sicherheitskräften mitgenommen und befragt  worden.  Erstmals  habe  man  sie  am  (...)  bei  ihren  Eltern  in  K._______  abgeholt  und  zur  Befragung  abgeführt.  Das  zweite  Mal  sei  eineinhalb  Monate  später  geschehen. Beim dritten Verhör  –  einen weiteren Monat  später – habe man ihr dann unverhüllt mit Misshandlungen gedroht, wenn  sie keine Auskünfte preisgeben wolle. Sie sei jedes Mal etwa ein bis zwei  Stunden  auf  dem  Polizeiposten  festgehalten  worden  und man  habe  ihr  jeweils in Aussicht gestellt, dass es ein weiteres Verhör geben werde. Ihr  Vater  habe  dann  seine  Beziehungen  spielen  lassen  und  durch  Bestechungen ihren Schutz erkauft. Für  die  weiteren  Aussagen  der  Beschwerdeführer  wird  auf  die  Akten  verwiesen. A.a. Die Vorinstanz ersuchte am 3. November 2008 die Schweizerische  Vertretung  in  Damaskus  um  Abklärungen  vor  Ort.  Gemäss  dem  Abklärungsergebnis  der  Botschaft  vom  25.  Januar  2009  besässen  die  Beschwerdeführer  auf  ihren  Namen  in  E._______  ausgestellte  Reisepässe,  mit  welchen  der  Beschwerdeführer  am  (...)  und  die  Beschwerdeführerin sowie ihr Kind C._______ am (...)  jeweils  legal über  den  Flughafen  in  M._______  nach  L._______  ausgereist  seien.  Ferner  würden die Beschwerdeführer in Syrien nicht gesucht. A.b.  Mit  Schreiben  des  BFM  vom  3.  Februar  2009  wurde  den  Beschwerdeführern  die  Botschaftsanfrage  und  der  entsprechende 

D­2021/2009 Botschaftsbericht unter Abdeckung der geheim zu haltenden Stellen zur  Stellungnahme unterbreitet. A.c. Mit Eingabe vom 13. Februar 2009 zeigte der am 12. Februar 2009  beauftragte  Rechtsvertreter  die  Mandatsübernahme  an  und  ersuchte  gleichzeitig um Erstreckung der Frist zur Stellungnahme um 14 Tage. A.d.  Mit  Schreiben  vom  17.  Februar  2009  erstreckte  das  BFM  den  Beschwerdeführern  die  Frist  zur  Stellungnahme  zu  den  Botschaftsabklärungen  bis  zum  23.  Februar  2009.  In  ihrem  Schreiben  vom  20.  Februar  2009  nahmen  die  Beschwerdeführer  zu  den  im  Schreiben  vom  3.  Februar  2009  aufgeführten  Feststellungen  des  BFM  Stellung. B.  Mit Verfügung vom 4. März 2009 – eröffnet am 5. März 2009 – lehnte das  BFM die Asylbegehren der Beschwerdeführer ab und ordnete gleichzeitig  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  den  Vollzug  an.  Die  Vorinstanz  begründete  ihre  Verfügung  im  Wesentlichen  damit,  dass  die  Schilderungen  der  Beschwerdeführer  die  Anforderungen  von Art.  7  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  an  die  Glaubhaftigkeit  nicht  erfüllten.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  sei  als  zulässig, zumutbar und möglich zu erachten. C.  Die  Beschwerdeführer  erhoben mit  Eingabe  vom  27. März  2009  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und  beantragten,  es  sei  der  angefochtene  Entscheid  der  Vorinstanz  vollumfänglich  aufzuheben,  es  sei  ihre  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und  ihnen  Asyl  zu  gewähren,  eventualiter  sei  die  Unzulässigkeit  oder  zumindest  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  In  formeller Hinsicht  sei die unentgeltliche Rechtspflege  im  Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zu gewähren,  auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und eine Kopie  des im Original eingereichten Gerichtsurteils aus Syrien zuzustellen. Ihrer Beschwerdeschrift legten die Beschwerdeführer unter anderem eine  in der Zeitschrift „Asyl“ 3/08 publizierte Abhandlung der Schweizerischen 

D­2021/2009 Flüchtlingshilfe  (SFH) betreffend  „Country­of­origin­information­standards  als Qualitätskriterium im Schweizer Asylverfahren“ bei. D.  Mit  Verfügung  des  Instruktionsrichters  vom  6.  April  2009  wurde  den  Beschwerdeführern mitgeteilt,  dass  sie  den Ausgang  des  Verfahrens  in  der Schweiz abwarten könnten. Sie wurden aufgefordert, innert 30 Tagen  nach Erhalt der Zwischenverfügung das in Aussicht gestellte Beweismittel  – soweit möglich – im Original nachzureichen, wobei im Unterlassungsfall  aufgrund  der  Akten  entschieden  werde.  Gleichzeitig  wurde  die  Behandlung  des  Gesuchs  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im Sinne  von Art.  65 Abs.  1 VwVG auf  einen  späteren  Zeitpunkt  verwiesen,  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  abgewiesen  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  verzichtet.  Den  Beschwerdeführern  wurde  antragsgemäss  eine  Kopie  des  von  ihnen  im  Original  eingereichten  Gerichtsurteils und der Übersetzung zugestellt. E.  Mit  Eingaben  vom  6.  und  12.  Mai  2010  sowie  vom  3.  November  2010  legten  die  Beschwerdeführer  Beweismittel  zum  exilpolitischen  Engagement  des  Beschwerdeführers  A._______  in  der  Schweiz  ins  Recht. F.  Am (...) gebar die Beschwerdeführerin die Tochter D._______. G.  Mit  Verfügung  vom  30.  August  2011  hob  das  BFM  im  Rahmen  des  Schriftenwechsels  seine  Verfügung  vom  4.  März  2009  bezüglich  der  Dispositivziffern  1,  4  und  5  auf,  stellte  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  A._______  gemäss  Art.  3  Abs.  1  AsylG  fest,  verneinte  die  Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführerin  und  des  gemeinsamen Kindes gestützt auf Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG, anerkannte  die  Beschwerdeführerin  und  das  gemeinsame  Kind  jedoch  gestützt  auf  den Grundsatz der Einheit der Familie als Flüchtlinge und gewährte den  Beschwerdeführern wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs die  vorläufige Aufnahme in der Schweiz. H.  Mit  Verfügung  vom  5.  September  2011  wurde  festgestellt,  dass  die 

D­2021/2009 Beschwerde vom 27. März 2009 durch den Entscheid der Vorinstanz vom  30.  August  2011,  soweit  die  Anerkennung  der  Beschwerdeführer  als  Flüchtlinge und den Vollzug der Wegweisung betreffend, gegenstandslos  geworden  sei.  Gleichzeitig  wurden  die  Beschwerdeführer  ersucht,  bis  zum  20.  September  2011  mitzuteilen,  ob  sie  ihre  Beschwerde  vom  27. März  2009  zurückziehen,  soweit  diese  nicht  gegenstandslos  geworden sei. Bei ungenutzter Frist werde von einem Festhalten an den  Rechtsbegehren ausgegangen. I.  Mit Schreiben vom 20. September 2011 teilten die Beschwerdeführer mit,  dass sie an  ihrer Beschwerde  im Asylpunkt  festhalten. Weiter  legten sie  ihrem Schreiben die Kostennote ihrer Rechtsvertretung bei. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art.  33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG  liegt  in  casu  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  demnach endgültig. 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführer  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m.  Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde  ist einzutreten.

D­2021/2009 1.3.  In  Berücksichtigung  der  Aktenlage  (vgl.  Bst.  G)  ist  vorliegend  zu  prüfen,  ob  die  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  wegen  der  geltend gemachten Vorfluchtgründe erfüllen und ihnen deswegen Asyl zu  gewähren  ist.  Im Anschluss daran  ist  zu prüfen, ob die Wegweisung zu  Recht angeordnet wurde. 1.4. Die  am  (...)  geborene  Tochter  D._______  wird  in  das  vorliegende  Beschwerdeverfahren  einbezogen,  soweit  es  um  die  Prüfung  des  in  E.  1.3 dargelegten Prozessgegenstandes geht. 1.5. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.  2.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen  (Art. 3 AsylG). 2.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7  AsylG). 3.  3.1.  Die  Vorinstanz  hielt  zur  Begründung  des  ablehnenden  Asylentscheides  im  Wesentlichen  fest,  die  Abklärungen  der  Botschaft  hätten  ergeben,  dass  die  Beschwerdeführer  Pässe  aus  dem  Jahr  (...)  besitzen würden und  für  ihr Kind  im Jahr  (...) ein Reisedokument hätten 

D­2021/2009 ausstellen lassen. Die Beschwerdeführerin sei mit ihrem Kind am (...), der  Beschwerdeführer am (...) legal über den Flughafen von M._______ nach  L._______  ausgereist.  In  ihrer  Stellungnahme  zu  diesen  Abklärungsresultaten  würden  die  Beschwerdeführer  anführen,  dass  die  syrischen  Sicherheitsleute  ihre  Reisepässe  konfisziert  und  gleichzeitig  eine Ausreisesperre verhängt hätten. Aus diesem Grund seien sie illegal  ausgereist.  Diese  nachgeschobenen  Erklärungen  vermöchten  nicht  zu  überzeugen  und  müssten  als  Schutzbehauptungen  gewertet  werden.  Somit könnten die geltend gemachten Umstände der Ausreise aus Syrien  nicht geglaubt werden. Die Tatsache, dass die Beschwerdeführer gültige  Reisepässe besässen und legal hätten ausreisen können, sei ein starkes  Indiz dafür, dass sie  in Syrien nicht gesucht würden. Zudem würden die  Falschaussagen  bezüglich  der  Ausreise  die  Glaubwürdigkeit  der  Beschwerdeführer beeinträchtigen. Weiter  habe  sich der Beschwerdeführer  in wesentlichen Punkten  seiner  Asylbegründung  in  Widersprüche  verstrickt,  so  hinsichtlich  seiner  Mitgliedschaft  zur  I._______, des Datums der Festnahme seines Vaters  und des Zeitpunktes, wann die Behörden letztmals zu Hause nach seiner  Person  gefragt  hätten.  Ausserdem  sei  der  Beschwerdeführer  nicht  imstande  gewesen,  den  kompletten Namen  seiner  Partei  zu  benennen,  was jedoch auch von einem blossen Befürworter derselben hätte erwartet  werden dürfen. Zudem habe der Beschwerdeführer geltend gemacht, dass Mitglieder der  I._______  ihn über den Tod seines Bruders, der  in F._______  in einem  Kampf  gefallen  sei,  informiert  hätten.  Dieser  Vorfall  habe  sich  vor  (...)  Jahren ereignet. Es sei aber nicht nachvollziehbar, dass die Familie des  Beschwerdeführers erst (...) Jahre später über den Tod informiert worden  sei.  Ausserdem  wisse  der  Beschwerdeführer  kaum  etwas  über  die  Umstände des Todes seines Bruders  zu erzählen und sei auch nicht  in  der  Lage,  genau  zu  erklären,  wie  denn  die  I._______  vom  Tod  seines  Bruders  erfahren  habe.  Ferner  habe  der Beschwerdeführer  angegeben,  dass  die Behörden während  der  Trauerfeier  zweimal  nach  ihm  gesucht  hätten.  Es  wirke  konstruiert,  dass  der  Beschwerdeführer  immer  gerade  dann  nicht  zu  Hause  gewesen  sein  soll,  als  die  Behörden  nach  ihm  gefragt  haben  sollen.  Beim  ersten  Mal  sei  er  für  zwei  Stunden  weggegangen, das zweite Mal sei er auf dem Markt gewesen. Weiter sei  es als  realitätsfremd zu erachten, dass der Beschwerdeführer – ohne  je  verhört  worden  zu  sein  –  zu  einer  (Nennung  Strafe)  habe  verurteilt  werden  können.  Ausserdem  sei  der  Beschwerdeführer,  wie  oben 

D­2021/2009 dargelegt, mit seiner Familie bereits im (...) aus Syrien ausgereist. Somit  sei  nicht möglich,  dass  ihm das Urteil  am  (...)  von  seinem Anwalt  hätte  gezeigt werden können. Aufgrund  der  dargelegten  Ungereimtheiten  könnten  dem  Beschwerdeführer weder sein politisches Profil noch Verfolgung durch die  syrischen Behörden geglaubt werden. Unter diesen Umständen erstaune  es  nicht,  dass  gemäss  Abklärungen  der  Schweizer  Vertretung  in  Damaskus  bei  den  syrischen  Behörden  nichts  gegen  die  Beschwerdeführer  vorliege.  Sie  würden  in  ihrer  Heimat  auch  nicht  gesucht.  Angesichts  dieser  Unglaubhaftigkeitselemente  werde  darauf  verzichtet,  die  zu  den  Akten  gereichten  Beweismittel  einer  materiellen  Prüfung zu unterziehen. Es sei allgemein bekannt, dass  im Heimatstaat  des Beschwerdeführers solche Dokumente ohne weiteres unrechtmässig  erworben  werden  könnten,  weshalb  ihr  Beweiswert  als  äusserst  gering  eingestuft  werden  müsse.  Ausserdem  sei  lediglich  eine  Faxkopie  des  (Nennung Beweismittel) vorhanden, dem kein Beweiswert zukomme. Die  Vorbringen  der  Beschwerdeführer  würden  somit  den  Anforderungen  an  die Glaubhaftigkeit gemäss Art.  7 AsylG nicht  standhalten,  so dass  ihre  Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. 3.2.  Demgegenüber  wenden  die  Beschwerdeführer  in  ihrer  Rechtsmitteleingabe im Wesentlichen ein, sie hätten gemeinsam am (...)  Syrien  in Richtung F._______ verlassen. Bezüglich der anderslautenden  Botschaftsabklärung sei Folgendes anzuführen: Für die Beschaffung von  Country of Origin Information (COI) im Herkunftsland seien grundsätzlich  die  Schweizer  Botschaften  verantwortlich.  Auch  bezüglich  der  Abklärungsergebnisse  der  Botschaft  sollten  aber  die  gemeinhin  anerkannten Standards  für COI, namentlich Waffengleichheit, öffentliche  Verfügbarkeit, Objektivität, Unparteilichkeit  und Neutralität, Datenschutz,  Relevanz,  Evaluierung  und  Validierung,  Zulässigkeit  und  Ausgewogenheit,  Genauigkeit,  Richtigkeit  und  Aktualität,  Transparenz  und  Nachvollziehbarkeit  angewendet  werden.  Vorliegend  erscheine  es  zweifelhaft,  ob  das  Prinzip  der  Waffengleichheit  durch  die  Botschaftsabklärung  und  deren  Würdigung  gewahrt  sei.  Nur  öffentlich  zugängliche  Herkunftsländerinformationen  könnten  durch  alle  Akteure  unabhängig  geprüft  werden.  Fehler  in  der  COI  könnten  wegen  der  Beschränkung  des  Zugangs  zu  derselben  nicht  erkannt  werden.  Die  Abklärungsergebnisse  würden  nicht  öffentlich  zugänglich  gemacht,  sondern  durch  die  Schweizer  Vertretung  lediglich  inhaltlich  zusammengefasst, wobei weder die Quelle der  Information noch die Art 

D­2021/2009 der  Quelle  preisgegeben  werde.  Die  Abklärungsergebnisse  würden  als  einzig wahre,  verlässliche Quelle hingenommen, nicht  kritisch gewürdigt  und von der Vorinstanz einseitig ausgelegt. Es seien keine Abklärungen  bei  der  I._______  oder  der  J._______  angestrengt  und  das  (Nennung  Beweismittel)  der  I._______  wie  auch  das  Gerichtsurteil  nicht  angemessen  gewürdigt  worden.  Gerade  hinsichtlich  des  Gerichtsurteils  wäre  eine  genauere  Abklärung  angezeigt  gewesen.  Sodann  sei  das  erwähnte  Urteil  der  Vorinstanz  mit  Referenznummern  und  Datum  vorgelegen,  was  eine  Verifizierung  massgeblich  erleichtere.  Es  sei  insgesamt festzuhalten, dass den Botschaftsabklärungen generell nur ein  geringer Beweiswert beigemessen werden könne. Dem  Beweiswert  respektive  dem  Ergebnis  der  Abklärungen  durch  die  Botschaft  stehe  ferner  das  Gerichtsurteil  der  Verurteilung  vom  (...),  gemäss  welchem  der  Beschwerdeführer  zu  (Nennung  Strafe)  verurteilt  worden sei,  entgegen. Sämtliche Ergebnisse der Botschaftsabklärungen  – auch dass sie Pässe aus dem Jahre (...) besitzen würden und ihr Kind  im Jahre (...) ein Reisedokument ausgestellt erhalten habe – seien daher  mit Vorbehalt zu würdigen. Dem  Vorhalt  widersprüchlicher  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  betreffend den Passbesitz sei zu entgegnen, dass ihr Reisepass zirka im  Jahre (...) abgelaufen sei und nicht mehr benutzt werden dürfe. Auch aus  diesem Grund  habe  sie  den  Pass  nicht  mit  sich  geführt.  Sie  habe  das  Dokument  in  Syrien  zurückgelassen,  was  sie  an  der  BFM­Anhörung  korrekt  zu  Protokoll  gegeben  habe.  Lediglich  das  Nichtwissen  zum  Verbleib  des Passes  vermöge  noch  keinen Widerspruch  zu  begründen.  Auch  die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  zu  seinem  Reisepass  seien  nicht  widersprüchlich,  zumal  die  Beamten  die  im  Haus  zurückgelassenen Dokumente  im (...)  in seinem Haus konfisziert hätten,  nachdem er das Gebäude verlassen gehabt habe. Weiter sei dem Vorhalt  widersprüchlicher  Angaben  betreffend  Mitgliedschaft  zur  I._______  entgegenzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  seit  dem  Jahre  (...)  die  I._______ unterstützt und für die Partei Aufgaben übernommen habe. Er  sei zu einem vollwertigen Mitglied der  I._______ geworden. Er habe die  Frage anlässlich der BFM­Anhörung dahingehend verstanden, ob er eine  Kaderfunktion innegehabt habe. Aus diesem Grund habe er verneint, ein  Mitglied  dieser  Partei  zu  sein,  und  ausgeführt,  dass  es  unter  den  Mitgliedern  Kompetentere  gegeben  habe,  welche  Kaderfunktionen  übernommen hätten. Seine Unkenntnis hinsichtlich des Buchstabens (...)  in der Parteibezeichnung sei nachvollziehbar. So habe er den englischen 

D­2021/2009 und den arabischen Namen gekannt, wobei in beiden Fällen das (...) und  die Bezeichnung (...) nicht vorkomme. Zum Vorhalt der widersprüchlichen  Aussagen  betreffend  den  Zeitpunkt  der  Festnahme  des  Vaters  des  Beschwerdeführers sei anzuführen, dass die Beamten ihr Haus ein erstes  Mal  am  (...)  aufgesucht  und  eine  mündliche  Warnung  ausgesprochen  hätten.  Zwei  Tage  später  seien  die  Beamten  wieder  gekommen  und  dieses Mal sei sein Vater mitgenommen worden; seine Aussagen würden  diesen Ereignissen entsprechen. Sodann  sei  der  Beschwerdeführer  entgegen  der  vorinstanzlichen  Annahme  von  einem  Mitglied  der  J._______  über  den  Tod  seines  Bruders  informiert  worden.  Dass  die  J._______  über  den  Tod  eines  eigenen Kämpfers  informiere,  sei  logisch und nachvollziehbar. Auch  sei  die angeführte Dauer von (...) Jahren bis zur Kenntnisnahme des Todes  angesichts  der  im  Untergrund  operierenden  Organisation  und  der  politischen  Situation  zwar  tragisch,  aber  verständlich.  Weiter  sei  seine  Verurteilung  gemäss  dem  eingereichten  Urteil  in  Abwesenheit  geschehen,  weshalb  der  Vorwurf,  die  Verurteilung,  ohne  je  verhört  worden zu sein, sei unglaubhaft, nicht gehört werden könne, zumal  ihm  als  Angeklagten  in  einem  politischen  Verfahren  Verfahrensrechte  verweigert  worden  seien,  weshalb  es  nicht  erstaune,  dass  die  Verurteilung  ohne  eine  einzige  Einvernahme  geschehen  sei.  Vielmehr  spreche  dieser  Umstand  für  eine  politische  Verfolgung.  Es  sei  zudem  keineswegs  unglaubhaft,  dass  das  Urteil  durch  den  Anwalt  am  (...)  ausgehändigt worden sei, da sie Syrien erst am (...) verlassen hätten. Der  Beschwerdeführer  habe  sich  bewusst  selten  im  Hause  der  Familie  aufgehalten  und  habe  so  glücklicherweise  einer  Verhaftung  durch  die  syrischen Behörden entgehen können, weshalb darin kein Anzeichen für  die  Unglaubhaftigkeit  des  entsprechenden  Vorbringens  erkannt  werden  könne,  nur weil  der Beschwerdeführer  bei  beiden Hausdurchsuchungen  nicht zugegen gewesen sei. Gesamthaft betrachtet sei festzuhalten, dass  sie  die  geltend  gemachten  Vorbringen  tatsächlich  erlebt  hätten.  Die  vorinstanzliche  Einschätzung  stütze  sich  durchwegs  auf  unhaltbare  Argumente  oder  Behauptungen.  Dies  genüge  jedoch  nicht,  um  ihre  Asylvorbringen als unglaubhaft zu qualifizieren. Was ihnen die Behörden  als  Argumente  entgegenhalten  würden,  müsse  nämlich  auf  besseren  Gründen beruhen und objektiv näher an der Wahrheit sein und es müsse  möglichen Gegenargumenten Rechnung getragen werden. Sodann habe  sich  die  Vorinstanz  mit  der  Asylrelevanz  ihrer  Asylgründe  gar  nicht  auseinandergesetzt, welche aber zweifelsfrei gegeben sei. Die drohende  Verfolgung sei politisch sowie ethnisch motiviert und gefährde sie konkret 

D­2021/2009 an  Leib  und  Leben,  was  angesichts  der  notorischen  Menschenrechtsverletzungen  der  syrischen  Geheimdienste  nicht  zu  bezweifeln  sei.  Die  Beschwerdeführerin  habe  aufgrund  des  politischen  Hintergrundes  ihres  Ehemannes  mit  Reflexverfolgung  zu  rechnen.  Letztlich bestehe für sie auch keine innerstaatliche Fluchtalternative. 4.  Das  Bundesverwaltungsgericht  gelangt  nach  Prüfung  der  Akten  zum  Schluss,  dass  das  BFM  im  Rahmen  der  Prüfung  der  Asylvorbringen  aufgrund der ausgeführten einzelnen Aspekte zu Recht erkannt hat, dem  von  den  Beschwerdeführern  in  der  vorgebrachten  Form  geltend  gemachten  Sachverhalt  könne  keine  Grundlage  zuerkannt  werden,  welche  die  Voraussetzungen  der  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  AsylG erfüllen könnte. Die Entgegnungen in der Rechtsmitteleingabe und  die eingereichten Beweismittel vermögen  in entscheidrelevanter Hinsicht  nicht gegen die angefochtene Verfügung durchzudringen. 4.1.  Vorweg  ist  die  sinngemäss  Rüge  der  unvollständigen  Sachverhaltsfeststellung  zu  prüfen,  da  ein  allenfalls  ungenügend  abgeklärter  Sachverhalt  eine  materielle  Beurteilung  verunmöglichen  würde. So habe die Vorinstanz keine Abklärungen bei der I._______ oder  der  J._______  angestrengt.  In  Bezug  auf  das Gerichtsurteil  wären  eine  detailliertere  Anfrage  und  weitere  Recherchen  angezeigt  gewesen.  Im  Weiteren  habe  das  BFM  die  Begründungspflicht  verletzt,  weil  im  angefochtenen  Entscheid  das  (Nennung  Beweismittel)  der  I._______  sowie  das  Gerichtsurteil  nicht  angemessen  gewürdigt  worden  seien.  Zudem  habe  sich  die  Vorinstanz mit  der  Asylrelevanz  ihrer  Asylgründe  nicht auseinandergesetzt. 4.1.1.  Der  Untersuchungsgrundsatz  gehört  zu  den  allgemeinen  Grundsätzen des Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG).  Demnach  hat  die  Behörde  von  Amtes  wegen  für  die  richtige  und  vollständige  Abklärung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  zu  sorgen.  Sie  muss  die  für  das  Verfahren  notwendigen  Sachverhaltsunterlagen  beschaffen  und  die  rechtlich  relevanten  Umstände  abklären  sowie  ordnungsgemäss  darüber  Beweis  führen  (beispielsweise  durch  die  Einholung  eines  Gutachtens).  Dieser  Grundsatz  gilt  indessen  nicht  uneingeschränkt,  er  findet  sein  Korrelat  in  der  Mitwirkungspflicht  des  Asylsuchenden (vgl. Art. 13 VwVG und Art. 8 Abs. 1 AsylG). Vorliegend  ist die Vorinstanz aufgrund der Parteiauskünfte (vgl. Art. 12 Bst. b VwVG)  und  der  weiteren  Abklärungen  über  die  Schweizer  Vertretung  in 

D­2021/2009 Damaskus (vgl. Art. 41 AsylG; Art. 12 Bst. c VwVG) offensichtlich davon  ausgegangen,  dass  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  als  erstellt  gelten  könne und keine weiteren Beweismassnahmen zu ergreifen seien. So gilt  ein  Sachverhalt  erst  dann  als  unvollständig  festgestellt,  wenn  in  der  Begründung  des  Entscheides  ein  rechtswesentlicher  Sachumstand  übergangen  beziehungsweise  überhaupt  nicht  beachtet  wird  (vgl.  FRITZ  GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 286). In casu ist festzustellen, dass die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid  die  Asylgründe  der  Beschwerdeführer  einlässlich  würdigte.  Angesichts  der  Unglaubhaftigkeit  des  vorgetragenen  Sachverhaltes  konnte  darauf  verzichtet werden, Abklärungen bei der I._______ und der J._______ und  betreffend  das  eingereichte  Gerichtsurteil  vorzunehmen.  Von  einer  Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes  im Rahmen einer unrichtigen  oder  unvollständigen  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  kann  demnach  nicht  ausgegangen  werden.  Die  Vorinstanz  kam  ferner  nach Würdigung der Parteivorbringen respektive der aktuellen Situation in  der Heimat der Beschwerdeführer  zu einem anderen Schluss als diese,  was  noch  keine  Verletzung  des  Untersuchungsgrundsatzes  darstellt.  Dementsprechend  drängten  sich  auch  keine  weitergehenden  Abklärungen des Sachverhaltes auf. 4.1.2.  Der  Grundsatz  des  rechtlichen  Gehörs  (Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999 [BV, SR 101], Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass  die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört,  sorgfältig und ernsthaft prüft und  in der Entscheidfindung berücksichtigt,  was sich entsprechend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss  (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG sowie die weiterhin zutreffende Praxis der ARK  in  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 38 E. 6.3). Die Begründung soll  es  dem  Betroffenen  ermöglichen,  den  Entscheid  gegebenenfalls  sachgerecht  anzufechten,  was  nur  möglich  ist,  wenn  sich  sowohl  der  Betroffene  als  auch  die  Rechtsmittelinstanz  über  die  Tragweite  des  Entscheides ein Bild machen können (BGE 129 I 232 E. 3.2). Dabei muss  sich die verfügende Behörde nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen  Behauptung  und  jedem  rechtlichen  Einwand  auseinander  setzen,  sondern  darf  sich  auf  die  wesentlichen  Gesichtspunkte  beschränken  (BGE  126  I  97  E.  2b).  Die  Begründungsdichte  richtet  sich  nach  dem  Verfügungsgegenstand,  den  Verfahrensumständen  und  den  Interessen  des  Betroffenen,  wobei  die  bundesgerichtliche  Rechtsprechung  bei 

D­2021/2009 schwerwiegenden Eingriffen  in  die  rechtlich  geschützten  Interessen  des  Betroffenen – und um solche geht es bei der Frage der Gewährung des  Asyls – eine sorgfältige Begründung verlangt (BGE 112 Ia 110).  In  Anbetracht  der  unglaubhaften  Asylvorbringen  durfte  sich  das  BFM  darauf  beschränken,  nur  eine  kurze  Würdigung  der  eingereichten  Dokumente  (Auflistung  Beweismittel)  vorzunehmen.  Den  Beschwerdeführern  war  es  dadurch  nicht  verunmöglicht,  die  vorinstanzliche  Verfügung  sachgerecht  anzufechten,  wie  sich  aus  der  eingehenden  Beschwerdebegründung  ergibt.  Gemäss  der  gesetzlichen  Konzeption  sind  Asylsuchende  verpflichtet,  die  Flüchtlingseigenschaft  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu machen  (vgl.  Art.  7  Abs.  1  AsylG).  Gelingt  es  Gesuchstellern  jedoch  nicht,  auch  nur  die  herabgesetzten  Beweisanforderungen  der  Glaubhaftmachung  der  Flüchtlingseigenschaft  zu  erfüllen,  so  ist  die  Vorinstanz  logischerweise  nicht  gehalten,  die  ohnehin  nicht  glaubhaften  Schilderungen  noch  zusätzlich auf ihre Asylrelevanz zu prüfen. 4.1.3.  Zusammenfassend  erweisen  sich  die  formellen  Rügen  der  Beschwerdeführer als unbegründet. 4.2.  4.2.1. Soweit die Beschwerdeführer  in materieller Hinsicht zunächst den  Beweiswert  der  Botschaftsabklärung  in  Frage  stellen  und  insbesondere  rügen,  dass  weder  die  Quelle  der  Information  noch  die  Art  der  Quelle  bekanntgegeben werde, ist Folgendes festzuhalten: Gemäss Art. 27 Abs.  1 Bst.  a  und b VwVG darf  die Behörde die Einsichtnahme  in  die Akten  verweigern,  wenn  wesentliche  öffentliche  oder  private  Interessen  die  Geheimhaltung  erfordern.  Die  Geheimhaltung  der  Quellen  von  Botschaftsauskünften  ist  demnach  offensichtlich  und  bedarf  keiner  weiteren Ausführungen. Sodann würde die Offenlegung der Arbeitsweise  beziehungsweise der Identität der beigezogenen Vertrauenspersonen die  Abklärungen  in  künftigen  Fällen  erschweren  beziehungsweise  verunmöglichen (vgl. EMARK 2004 Nr. 1 E. 4c S. 12). Es besteht somit  keine  Veranlassung,  die  Identität  der  Quelle  der  Schweizerischen  Botschaft offen zu legen. Auch gilt  festzuhalten, dass keine stichhaltigen  Gründe  ersichtlich  sind,  wonach  die  Abklärungen  der  Schweizer  Vertretung  in  Damaskus  nicht  zuverlässig  und  zutreffend  sein  sollten.  Vorliegend  beschränkten  sich  die  Abklärungen  zudem  –  wie  der  Botschaftsanfrage  und  ­antwort  entnommen  werden  kann  (welche  den  Beschwerdeführern  offen  gelegt  wurden)  –  darauf,  in  Erfahrung  zu 

D­2021/2009 bringen, ob die Beschwerdeführer  syrische Reisepässe besitzen, ob sie  Syrien  legal  verlassen haben,  ob und aus welchem Grund  sie  allenfalls  von den syrischen Behörden gesucht werden und ob die Authentizität des  eingereichten  Gerichtsurteils  geprüft  werden  könne.  Erfahrungsgemäss  sind denn auch die aus Abklärungen durch die schweizerische Botschaft  in  Damaskus  resultierenden  Ergebnisse  korrekt,  weshalb  ihnen  im  Rahmen  der  freien  Beweiswürdigung  (Art.  19  VwVG  i.V.m.  Art.  40  des  Bundesgesetzes  vom  4.  Dezember  1947  über  den  Bundeszivilprozess  [BZP,  SR  273])  ein  hoher  Beweiswert  zu  attestieren  ist  (vgl.  zur  Verwendung  der  COI­Standards  durch  das  Bundesverwaltungsgericht  BVGE 2010/54 E. 7.5.1 S. 798 f.). 4.2.2. Was  die  Ausreise  der  Beschwerdeführer  anbelangt,  so  bedeutet  das Abklärungsergebnis nichts anderes, als dass diese Syrien über den  internationalen  Flughafen  von  M._______  verlassen  haben.  Dies  wäre  indes – entgegen der in der Rechtsmitteleingabe vertretenen Auffassung  – offensichtlich  nicht  möglich  gewesen,  wenn  der  Beschwerdeführer  aufgrund  der  vorgebrachten  politischen  Aktivitäten  den  heimatlichen  Behörden,  insbesondere dem Geheimdienst,  bekannt  gewesen wäre.  In  diesem  Zusammenhang  ist  zu  berücksichtigen,  dass  syrische  Staatsangehörige,  um  in  den  Besitz  eines  Reisepasses  zu  gelangen,  zahlreiche  Bedingungen  erfüllen  müssen.  Sind  die  Formalitäten  einmal  erfüllt  und  liegen  die  Meinungen  der  verschiedenen  staatlichen  Stellen  vor, wird dem Gesuchsteller respektive der Gesuchstellerin ein regulärer  Reisepass  ausgehändigt.  Angesichts  der  diversen  Hürden  zum  Erhalt  eines Reisepasses und insbesondere der Abklärungen bei verschiedenen  Amtsstellen  ist  mit  an  Sicherheit  grenzender  Wahrscheinlichkeit  auszuschliessen,  dass  gegen  die  Beschwerdeführer  etwas  von  behördlichem  Interesse  vorgelegen  haben  könnte,  ansonsten  der  Beschwerdeführerin  und  ihrem Kind  die  Ausstellung  eines Reisepasses  im  Jahre  (...)  (der  Beschwerdeführer  habe  seinen  Reisepass  gemäss  eigenen Aussagen und der übereinstimmenden Auskunft  der Schweizer  Vertretung  bereits  im  Jahre  [...]  erhalten)  ganz  einfach  verweigert  und  mithin  die  legale  Ausreise  sämtlicher  Beschwerdeführer  verunmöglicht  worden wäre. 4.2.3. Die Beschwerdeführer wenden in diesem Zusammenhang ein, dem  Beweiswert  respektive  dem  Ergebnis  der  Abklärungen  durch  die  Botschaft  stehe  das  Gerichtsurteil  der  Verurteilung  vom  (...)  entgegen,  gemäss  welchem  der  Beschwerdeführer  zu  (Nennung  Strafe)  verurteilt  worden  sei.  Sämtliche  Ergebnisse  der  Botschaftsabklärungen  seien 

D­2021/2009 daher mit  Vorbehalt  zu würdigen.  Die  Vorinstanz  verzichtete  vorliegend  auf eine materielle Prüfung des erwähnten Urteils und verwies angesichts  der diversen Unglaubhaftigkeitselemente im Sachverhaltsvortrag auf den  Umstand,  dass  in  Syrien  solche  Dokumente  unrechtmässig  erworben  werden  könnten.  Vorliegend  sind  zum  fraglichen  Urteil  folgende  Feststellungen  zu  machen:  Gemäss  der  Übersetzung  soll  ein  „Grundgericht/anfängliches Gericht  von Algerien“ mit  der  Sache  befasst  gewesen  sein,  was  als  befremdlich  erscheint.  Sollte  es  sich  bei  der  Länderbezeichnung  "Algerien"  um  einen  blossen  Übersetzungsfehler  handeln,  so  ist  weiter  zu  bemerken,  dass  beim  aufgeführten Vornamen  der  Mutter  ([...])  leichte  Abweichungen  zum  Namen,  den  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Befragung  im  G._______  zu  Protokoll  gab  ([...]),  bestehen.  Gemäss  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  beim  BFM sei ihnen das Urteil am (...) gezeigt worden (vgl. A11/12, S. 9), was  also  eine  direkte  Information  der  Beschwerdeführer  selber  darstellen  würde.  Der  Beschwerdeführer  gab  in  diesem  Zusammenhang  und  im  Widerspruch  zu  den  Ausführungen  der  Beschwerdeführerin  an,  der  Anwalt habe am (...) der Partei das gegen ihn ausgesprochene Strafmass  mitgeteilt  (vgl. A10/20, S. 8 oben). Weiter  ist  anzuführen, dass mit  dem  auf  dem  Urteil  erwähnten  Art.  307  des  syrischen  Strafgesetzbuches  konfessionelle  beziehungsweise  rassistische  Delikte  geahndet  werden  sollen, währenddem der Beschwerdeführer  in  der Bundesanhörung  den  Grund  der  Verurteilung  mit  „Störung  der  inneren  Sicherheit“  benannte  (vgl.  A10/20,  S.  17).  Angesichts  dieser  Ungereimtheiten  und  Abweichungen zwischen den Aussagen der Beschwerdeführer und dem  Inhalt  des  zu  prüfenden Urteils  kann  diesem Dokument  insgesamt  kein  rechtserheblicher  Beweiswert  beigemessen  werden;  es  ist  daher  auch  nicht  geeignet,  das  Ergebnis  der  Botschaft  zu  widerlegen.  Den  Beschwerdeführern  ist  es  somit  nicht  gelungen,  das  Resultat  der  Abklärungen vor Ort in Frage zu stellen. Demnach ist davon auszugehen,  dass die Beschwerdeführer Syrien nicht am (...)  illegal und mit dem PW  über  F._______  verliessen,  sondern  vielmehr  am  (...)  und  (...)  legal  im  Besitze von Reisepässen über den Flughafen von M._______ in Richtung  L._______  ausreisten.  Nachdem  die  Beschwerdeführer  offensichtlich  falsche  Angaben  zu  ihrer  Ausreise  gemacht  haben,  ist  auch  ihre  persönliche Glaubwürdigkeit ernsthaft in Frage gestellt. 4.2.4.  Diese  Einschätzung  wird  zudem  dadurch  gestützt,  dass  der  in  diesem  Zusammenhang  geäusserte  Einwand  der  Beschwerdeführer,  wonach die Ausführungen des Beschwerdeführers zu seinem Reisepass  nicht  widersprüchlich  seien,  zumal  die  Beamten  die  im  Haus 

D­2021/2009 zurückgelassenen Dokumente  im (...)  in seinem Haus konfisziert hätten,  nachdem  er  das  Gebäude  verlassen  gehabt  habe,  angesichts  der  eindeutigen Protokollwortlaute nicht zu überzeugen vermag. So wäre es  dem  Beschwerdeführer  bereits  im  Rahmen  der  Erstbefragung  im  G._______ – und nicht erst auf Vorhalt anlässlich der direkten Anhörung  beim  BFM  –  möglich  und  zumutbar  gewesen,  die  Beschlagnahmung  seines Reisepasses  zu erwähnen, wenn diese effektiv  so  stattgefunden  hätte.  Der  Beschwerdeführer  bestätigte  denn  auch  die  Korrektheit  und  Wahrheit  seiner  Ausführungen  am  Schluss  der  jeweiligen  Befragungen  mit  seiner  Unterschrift,  weshalb  er  sich  bei  seinen  diesbezüglich  Aussagen behaften lassen muss. 4.2.5. Weiter halten die Beschwerdeführer dem Vorhalt widersprüchlicher  Angaben  betreffend  Mitgliedschaft  zur  I._______  entgegen,  dass  der  Beschwerdeführer  seit  dem  Jahre  (...)  die  I._______  unterstützt  und  für  die  Partei  Aufgaben  übernommen  habe.  Er  sei  zu  einem  vollwertigen  Mitglied der I._______ geworden. Er habe die Frage anlässlich der BFM­ Anhörung dahingehend verstanden, ob er eine Kaderfunktion innegehabt  habe. Aus diesem Grund habe er verneint, ein Mitglied dieser Partei zu  sein,  und  ausgeführt,  dass  es  unter  den  Mitgliedern  Kompetentere  gegeben  habe,  welche  Kaderfunktionen  übernommen  hätten.  Diese  Entgegnungen der Beschwerdeführer können jedoch vorliegend nicht als  stichhaltig  erachtet  werden.  So  lassen  die  in  der  direkten  Anhörung  gestellten  Fragen  und  Antworten  zu  diesem  Thema  den  in  der  Rechtsmitteleingabe  ausgeführten  Schluss  nicht  zu,  zumal  der  Beschwerdeführer  dabei  ausdrücklich  gefragt  wurde,  warum  er  nie  Mitglied  geworden  sei.  Zudem wird  aus  den  vom  Beschwerdeführer  im  weiteren  Verlauf  gegebenen  Antworten  zu  diesem  Thema  in  keiner  Art  und  Weise  ersichtlich,  dass  er  gemeint  haben  soll,  er  werde  nach  Mitgliedern mit einer Kaderfunktion gefragt (vgl. A10/20, S. 8 f.). 4.2.6.  Auch  der  Hinweis  des  Beschwerdeführers,  wonach  seine  Unkenntnis  hinsichtlich  des  Buchstabens  (...)  in  der  Parteibezeichnung  nachvollziehbar sei, zumal er den englischen und den arabischen Namen  gekannt habe, wobei  in beiden Fällen das (...) und die Bezeichnung (...)  nicht  vorkomme,  ist  als  unbehelflich  zu  qualifizieren.  So  erstaunt  in  diesem  Zusammenhang,  dass  der  Beschwerdeführer  diesen  Umstand  (Kenntnis  des  englischen  und  arabischen  Namens  der  I._______)  anlässlich der Befragung nicht  vorbrachte,  zumal er auf  die Frage nach  der  Bedeutung  der  Buchstaben  des  Parteikürzels  ohne  weiteres  hätte  darauf hinweisen können, dass er lediglich den Namen auf Arabisch und 

D­2021/2009 Englisch kenne  (vgl. A10/20, S. 8 unten). Hinzu kommt, dass er die ein  (...) enthaltende Abkürzung des Parteinamens selber in die Befragungen  einbrachte,  weshalb  hätte  erwartet  werden  dürfen,  dass  er  auch  die  Bedeutung dieser von ihm angeführten Abkürzung benennen kann. 4.2.7.  Zum  Vorhalt  der  widersprüchlichen  Aussagen  betreffend  den  Zeitpunkt  der Festnahme des Vaters des Beschwerdeführers  führen die  Beschwerdeführer an, dass die Beamten ihr Haus ein erstes Mal am (...)  aufgesucht  und  eine  mündliche  Warnung  ausgesprochen  hätten.  Zwei  Tage später seien die Beamten wieder gekommen und dieses Mal sei der  Vater des Beschwerdeführers mitgenommen worden; die Aussagen des  Beschwerdeführers  würden  diesen  Ereignissen  entsprechen.  Diese  Ausführungen  vermögen  jedoch  die  von  der  Vorinstanz  zu  Recht  als  widersprüchlich  erachteten  und  den  in  der  Rechtsmitteleingabe  angeführten  Version  nach  wie  vor  entgegenstehenden  Angaben  des  Beschwerdeführers  anlässlich  der  Bundesanhörung  nicht  als  glaubhaft  erscheinen  zu  lassen,  zumal  er  die  Korrektheit  und  Vollständigkeit  der  Befragungsprotolle  nach  Rückübersetzung  jeweils  unterschriftlich  bestätigte und sich deshalb bei diesen Aussagen behaften lassen muss. 4.2.8. Die  Beschwerdeführer  wenden  weiter  ein,  der  Beschwerdeführer  sei entgegen der vorinstanzlichen Annahme nicht von einem Mitglied der  I._______,  sondern  der  J._______  über  den  Tod  seines  Bruders  informiert  worden.  Dass  die  J._______  über  den  Tod  eines  eigenen  Kämpfers  informiert gewesen sei, sei  logisch und nachvollziehbar. Auch  sei  die  angeführte  Dauer  von  (...)  Jahren  bis  zur  Kenntnisnahme  des  Todes angesichts der  im Untergrund operierenden Organisation und der  politischen  Situation  zwar  tragisch,  aber  verständlich.  Diesen  Ausführungen  ist  jedoch  entgegenzuhalten,  das  sich  der  Beschwerdeführer  sowohl  anlässlich  der  Befragung  im  G._______als  auch  bei  der  direkten   Anhörung  zu  diesem  Punkt  in  dem  Sinne  unmissverständlich  äusserte,  dass  es  Angehörige  der  I._______  gewesen  seien,  die  die  Familie  über  den  Tod  des  Bruders  informiert  hätten  (vgl.  A1/11,  S.  5;  A10/20,  S.  12  f.).  Insbesondere  ist  aus  dem  Kontext der Bundesanhörung ersichtlich, dass der Beschwerdeführer von  einem  Mitglied  der  I._______  sprach,  wurde  er  doch  genauer  gefragt,  über  welche  Personen  die  Nachricht  an  die  Familie  gelangt  sei.  Dabei  erwähnte  der  Beschwerdeführer  die  Parteileitung  und  den  Namen  des  Parteimitgliedes, das die Nachricht überbracht haben soll (A10/20, S. 13).  Erst  im  späteren  Verlauf  der  Bundesanhörung  sprach  der  Beschwerdeführer  davon,  dass  die  Nachricht  über  den  Tod  seines 

D­2021/2009 Bruders  über  (offensichtlich)  mehrere  Parteimitglieder  der  J._______ –  und  nicht  der  I._______  –  an  sie  gelangt  sei,  obwohl  es  vorgängig  lediglich  ein  einzelnes Mitglied  der  I._______ gewesen  sei,  das  sich  zu  ihnen  nach  Hause  begeben  habe  (vgl.  A10/20,  S.  13  oben  und  S. 14  unten).  Zudem  ist  in  diesem  Zusammenhang  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  bei  der  Schilderung,  wie  die  Parteileitung  vom  Tod  seines  Bruders  erfahren  habe,  äusserst  vage  blieb  („Sie  stehen  alle  untereinander  in  Kontakt.  Das  Internet  ist  vorhanden...";  vgl.  A10/20,  S. 13 oben). Ausserdem erklärt diese Aussage umso weniger, warum es  (...) Jahre gedauert haben soll, bis die Nachricht vom Tod des Bruders bis  zur Familie gedrungen sei, wenn  "alle" effektiv untereinander  in Kontakt  gestanden  hätten,  und  vermag  den  Ausführungen  des  Beschwerdeführers nicht die nötige Plausibilität und Dichte zu verleihen,  um  die  entsprechende  vorinstanzliche  Einschätzung  in  diesem  Punkt  umzustossen. 4.2.9.  Weiter  bringen  die  Beschwerdeführer  vor,  die  Verurteilung  des  Beschwerdeführers gemäss dem eingereichten Urteil sei  in Abwesenheit  geschehen,  weshalb  der  Vorwurf,  wonach  eine  Verurteilung  ohne  jegliches Verhör des Beschuldigten unglaubhaft sei, nicht gehört werden  könne.  So  seien  dem  Beschwerdeführer  als  Angeklagten  in  einem  politischen  Verfahren  Verfahrensrechte  verweigert  worden,  weshalb  es  nicht  erstaune,  dass  die  Verurteilung  ohne  eine  einzige  Einvernahme  geschehen  sei.  Vielmehr  spreche  dieser  Umstand  für  eine  politische  Verfolgung. Wie in obenstehenden Ausführungen festgehalten wurde,  ist  das  in Frage stehende Urteil  als nicht  beweiserheblich  zu erachten und  vermag  die  Abklärungen  der  Botschaft,  wonach  gegen  den  Beschwerdeführer  nichts  vorliegt,  nicht  umzustossen,  weshalb  obige  Argumente  ebenfalls  als  nicht  stichhaltig  erachtet  werden  können.  Gleiches  hat  angesichts  des  Abklärungsergebnisses  der  Botschaft  und  des  Umstandes,  dass  das  Urteil  inhaltliche  Unstimmigkeiten  aufweist –  gerade  auch  mit  Bezug  auf  dessen  Eröffnung  –,  hinsichtlich  des  Vorbringens  der Beschwerdeführer, wonach  es  keineswegs  unglaubhaft  sei, dass das Urteil durch den Anwalt am (...) ausgehändigt worden sei,  da sie Syrien erst am (...) verlassen hätten, zu gelten. Der entsprechende  Einwand kann daher nicht gehört werden. 4.2.10.  Sodann  vermag  auch  das  im  vorinstanzlichen  Verfahren  eingereichte  (Nennung  Beweismittel)  der  I._______  an  obiger  Einschätzung  nichts  zu  ändern,  zumal  dieses  –  wie  die  Vorinstanz  in  zutreffender Weise festhielt – lediglich als Faxkopie in schlechter Qualität 

D­2021/2009 vorliegt,  weshalb  diesem  keinerlei  Beweiskraft  beigemessen  werden  kann. 4.2.11.  Die  Vorinstanz  nimmt  in  der  angefochtenen  Verfügung  keine  Beurteilung  der  von  der  Beschwerdeführerin  geltend  gemachten  Benachteiligungen  vor,  sondern  hält  lediglich  –  ausgehend  von  der  Unglaubhaftigkeit der vom Beschwerdeführer vorgebrachten Verfolgung –  zusammenfassend fest, die Vorbringen der Beschwerdeführer hielten den  Anforderungen  an  die Glaubhaftigkeit  gemäss Art.  7  AsylG  nicht  stand.  Dieses  Vorgehen  des  BFM  wird  auf  Beschwerdeebene  nicht  beanstandet.  In Bezug auf die Beschwerdeführerin wird  lediglich geltend  gemacht, aufgrund des politischen Hintergrundes ihres Ehemannes habe  sie mit Reflexverfolgung zu rechnen. Da – wie oben dargelegt – die vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Vorfluchtgründe  nicht  zumindest  glaubhaft  gemacht  wurden,  sind  auch  die  von  der  Beschwerdeführerin  vorgebrachten  Benachteiligungen,  die  eine  Folge  der  Verfolgung  ihres  Ehemannes seien, ebenso unglaubhaft. 4.3.  Nach  dem  Gesagten  ist  insgesamt  festzuhalten,  dass  die  Beschwerdeführer  für  die  Zeit  vor  dem  Verlassen  ihres  Heimatlandes  keine  begründete  Furcht  vor  Verfolgung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  glaubhaft darzulegen vermochten. Eine begründete Furcht liegt vor, wenn  konkreter Anlass zur Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus  der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit  und  in absehbarer Zeit  verwirklicht  beziehungsweise werde  sich – auch  aus  heutiger  Sicht  –  mit  ebensolcher  Wahrscheinlichkeit  in  absehbarer  Zukunft  verwirklichen.  Eine  bloss  entfernte  Möglichkeit  künftiger  Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete  Indizien vorliegen, welche  den Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten  Motive  erfolgenden  –  Benachteiligung  als  wahrscheinlich  und  dementsprechend  die  Furcht  davor  als  realistisch  und  nachvollziehbar  erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/44 E. 3.3 und 3.4 S. 620 f.). Die  Beschwerdeführer  konnten  keine  hinreichend  überzeugenden  und  glaubhaften  Indizien  vorbringen,  die  auf  eine  Vorverfolgung  schliessen  lassen  könnten.  Aus  ihren  Vorbringen  lassen  sich  entsprechend  auch  keine ausreichenden Hinweise auf eine begründete Furcht vor Verfolgung  ableiten, die zum Zeitpunkt der Ausreise aus Syrien zu bejahen gewesen  wäre.  Es  erübrigt  sich  daher,  auf  die  weiteren  Ausführungen  in  der  Rechtsmitteleingabe  näher  einzugehen,  da  sie  an  obiger  Einschätzung  nichts zu ändern vermögen.

D­2021/2009 4.4.  Soweit  die  Beschwerdeführer  in  ihren  Eingaben  auf  Beschwerdeebene  mit  Verweis  auf  die  politischen  Aktivitäten  des  Beschwerdeführers  A._______  in  der  Schweiz  subjektive  Nachfluchtgründe  geltend  machen,  ist  vorliegend  darauf  –  da  die  Beschwerdeführer  mit  Verfügung  des  BFM  vom  30.  August  2011  als  Flüchtlinge anerkannt wurden – nicht einzugehen. 4.5. Nach  dem  Gesagten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht  somit  insgesamt  zum  Schluss,  dass  in  Bezug  auf  die  geltend  gemachten  Vorfluchtgründe  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführer  den  Anforderungen  von  Art.  3  AsylG  an  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  zu  genügen vermögen. Das BFM hat  demnach  ihre Asylgesuche zu Recht  abgewiesen. 4.6. Den  Beschwerdeführern  ist  es  unbenommen,  nach  Abschluss  des  Beschwerdeverfahrens  gestützt  auf  Art.  51  Abs.  3  AsylG  bei  der  Vorinstanz  ein  Gesuch  um  Anerkennung  des  Kindes  D._______  als  Flüchtling einzureichen. 5.  Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so  verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den  Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie  (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Die  Beschwerdeführer  verfügen  weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, BVGE 2008/34 E. 9.2 S.  510,  Entscheidungen  und Mitteilungen  der  Schweizerischen Asylrekurs­ kommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 6.  6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus­ ländern  (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG,  SR  142.20]). 6.2.  Die  Beschwerdeführer  wurden  –  mit  Ausnahme  des  Kindes  D._______  –  vom  BFM  mit  Entscheid  vom  30.  August  2011 

D­2021/2009 wiedererwägungsweise  als  Flüchtlinge  anerkannt  und  wegen  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  vorläufig  in  der  Schweiz  aufgenommen.  Daher  erübrigt  sich  eine  Prüfung  der  Frage  der  Zumutbarkeit sowie der Frage der Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs  (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748, EMARK 2006 Nr. 6 E. 4 S. 54 f.). Die  Beschwerde  gegen  die  zunächst  verweigerte  Anerkennung  als  Flüchtlinge  sowie  gegen  den  ursprünglich  angeordneten  Wegweisungsvollzug  erweist  sich  demnach  als  gegenstandslos  und  ist  diesbezüglich abzuschreiben. 7.  Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung in  Bezug  auf  die  Verweigerung  von  Asyl  und  die  Anordnung  der  Wegweisung  Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde  ist  daher  abzuweisen,  soweit  sie  nicht  als  gegenstandslos geworden abzuschreiben ist. 8.  8.1. Bei  diesem  Verfahrensausgang  ist  von  einem  teilweisen  Obsiegen  der  Beschwerdeführer  auszugehen.  Demnach  wäre  ihnen  nach  dem  Grad  des Durchdringens  praxisgemäss  ein Drittel  der Verfahrenskosten  aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG; Art. 1­3 des Reglements vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Die  Beschwerdeführer  ersuchten  jedoch  in  ihrer  Beschwerdeschrift  um  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im  Sinne  von  Art.  65  Abs. 1 VwVG. Eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt,  wird  auf  Antrag  hin  von  der  Bezahlung  der  Verfahrenskosten  befreit,  sofern  ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint  (Art. 65 Abs. 1 VwVG).  Dabei verfügt eine Person dann nicht über die erforderlichen Mittel, wenn  sie  ohne  Beeinträchtigung  des  notwendigen  Lebensunterhaltes  die  Prozesskosten  nicht  zu  bestreiten  vermag.  Eine  Beschwerde  gilt  ferner  dann als aussichtslos, wenn die Gewinnaussichten beträchtlich geringer  sind als die Verlustgefahren und deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet  werden können (vgl. BGE 125 II 265 E. 4b S. 275). Es  ist  von  der  Bedürftigkeit  der  Beschwerdeführer  auszugehen.  Auch  können die Begehren der Beschwerde nicht als aussichtslos bezeichnet  werden. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

D­2021/2009 ist  somit  gutzuheissen,  weshalb  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen  sind. 8.2.  Bei  Gegenstandslosigkeit  des  Verfahrens  ist  der  beschwerdeführenden Partei eine Entschädigung für die ihr erwachsenen  notwendigen Kosten  zuzusprechen,  sofern  sie  die Gegenstandslosigkeit  nicht durch ihr eigenes Verhalten bewirkt hat (Art. 15 i.V.m. Art. 5 VGKE).  Diese  Voraussetzungen  sind  vorliegend  gegeben,  da  die  Gegenstandslosigkeit durch die wiedererwägungsweise Anerkennung der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  der  vorläufigen  Aufnahme  durch  das  BFM  herbeigeführt  wurde.  Den  teilweise  obsiegenden  und  vertretenen  Beschwerdeführern  ist  folglich  in  Anwendung  von  Art.  64  VwVG  und  Art.  7  Abs.  1  VGKE  eine  praxisgemäss  um  einen  Drittel  reduzierte  Entschädigung  für  die  ihnen  notwendigerweise  erwachsenen  Parteikosten  zuzusprechen.  Von  der  Rechtsvertretung  wurde  mit  der  Eingabe vom 20. September 2011 eine Kostennote eingereicht. Das darin  ausgewiesene  Honorar  (Stundenansatz  von  Fr. 200.–)  von  total  Fr.  2782.50  ist  auf  Fr.  1930.–  zu  kürzen,  da  nur  die  notwendigen,  im  Zusammenhang  mit  dem  Beschwerdeverfahren  entstandenen  Aufwendungen  zu  ersetzen  sind.  Die  in  der  Kostennote  enthaltenen  Aufwendungen  für  Leistungen,  die  vor  Ergehen  der  vorinstanzlichen  Verfügung  vom 4. März  2009  datieren,  für  nicht  im  Zusammenhang mit  dem  Beschwerdeverfahren  stehende  Eingaben  an  das  Zivilstandsamt  und  für  die  Erstellung  und  Einreichung  der  Honorarnote  –  der  diesbezügliche Aufwand  ist  im Stundenansatz bereits  enthalten, weil  es  sich  um  eine  Sekretariatsarbeit  handelt  –  sind  nicht  zu  entschädigen.  Entsprechend  sind  die  mit  diesen  Leistungen  in  Zusammenhang  stehenden Auslagen um Fr. 19.– zu kürzen. Gestützt auf die  in Betracht  zu  ziehenden Bemessungsfaktoren  (vgl.  Art.  7­14 VGKE)  sowie  auf  die  eingereichte  und  im  erwähnten Umfang  zu  kürzende Kostennote  ist  die  um  einen  Drittel  reduzierte  Parteientschädigung,  welche  vom  BFM  zu  entrichten ist, auf Fr. 1495.– (inkl. Auslagen und MWSt) festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite)

D­2021/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  abgewiesen,  soweit  sie  nicht  als  gegenstandslos  geworden abgeschrieben wird. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im  Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Das  BFM  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführern  eine  Parteientschädigung  in  der  Höhe  von  Fr.  1495.­  (inkl.  Auslagen  und  MWSt) zu entrichten. 5.  Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführer, das BFM und die zuständige  kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Thomas Wespi Stefan Weber Versand:

D-2021/2009 — Bundesverwaltungsgericht 08.02.2012 D-2021/2009 — Swissrulings