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Bundesverwaltungsgericht 01.11.2011 D-1954/2011

1. November 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,472 Wörter·~12 min·1

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 1. März 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­1954/2011 Urteil   v om   1 .   No v embe r   2011 Besetzung Robert Galliker (Vorsitz), Richterin Nina Spälti Giannakitsas,  Richter Daniele Cattaneo; Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…),  und dessen Ehefrau  B._______, geboren (…),  China (Volksrepublik),  (…), Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 1. März 2011 / N (…).

D­1954/2011 Sachverhalt: A.  A.a Der Beschwerdeführer reichte am 9. Februar 2009 im Empfangs­ und  Verfahrenszentrum  (EVZ) C._______ ein Asylgesuch ein, wo er  am 12.  Februar  2009  befragt  wurde.  Die  Beschwerdeführerin  reichte  am  16.  März  2009  am  selben Ort  ein  Asylgesuch  ein,  wo man  sie  am  3.  April  2009  befragte.  Am  9.  Juli  2009  wurden  die  Beschwerdeführenden  in  D._______ zu ihren Asylgründen angehört.  A.b  Anlässlich  der  Befragung  und  der  Anhörung  machte  der  Beschwerdeführer  im Wesentlichen geltend, er stamme aus der Provinz  E._______  (Innere  Mongolei,  China)  und  sei  burajatischer  Ethnie.  Seit  dem Jahre 2005 sei er Mitglied der Gruppe "F._______", die von seinem  Bruder im gleichen Jahr gegründet worden sei. Die Gruppe gehöre zu der  in der Inneren Mongolei existierenden Volkspartei, die zum Ziel habe, die  Inneren  Mongolen,  die  Tibeter  und  die  Uiguren  von  den  Chinesen  zu  befreien.  Er  sei  in  der  Gruppe  "F._______"  als  Geheimkurier  tätig  gewesen  und  habe  ausserdem  Propaganda  bei  den  Nomaden  der  Inneren Mongolei gemacht. Am 15. März 2008 sei er in seiner Wohnung  von der Polizei verhaftet und in einem Gefängnis inhaftiert worden, da sie  von der Existenz der Gruppe erfahren habe. Dort  sei  er  oft  verhört  und  misshandelt  worden,  da  man  von  ihm  die  Namen  der  übrigen  Gruppenmitglieder habe erfahren wollen. Man habe ihm vorgeworfen, ein  Staatsfeind zu sein. Am 17. Juli beziehungsweise August 2008 hätten ihn  Mitglieder der Volkspartei aus dem Gefängnis befreien können, nachdem  sie  die  Gefängnisbehörden  beziehungsweise  hochrangige  Beamte  bestochen  hätten.  In  der  Folge  habe  er  sich  bei  einer  Nomadenfamilie  versteckt.  Nach  seiner  Flucht  habe  die  Polizei  mittels  eines  Fahndungsblattes  nach  ihm  gesucht.  Mit  der  Unterstützung  seines  Bruders und eines anderen Mitgliedes der Volkspartei habe er im Januar  2009  unter  Verwendung  eines  gefälschten  mongolischen  Passes  zusammen  mit  seiner  Frau  in  die  Mongolei  flüchten  können.  Während  seine  Frau  in  Ulaanbaatar  habe  zurückbleiben  müssen,  da  ihre  Dokumente  noch  nicht  fertig  gewesen  seien,  sei  er  per  Auto  beziehungsweise  LKW via Moskau  unter Umgehung  der Grenzkontrolle  in  die  Schweiz  gelangt.  Für  die  übrigen  Aussagen  wird  auf  die  Akten  verwiesen. A.c  Anlässlich  der  Befragung  und  der  Anhörung  machte  die  Beschwerdeführerin  im  Wesentlichen  geltend,  sie  stamme  aus  der 

D­1954/2011 Provinz  E._______  (Innere Mongolei)  und  sei  seit  dem  Jahre  1992 mit  dem  Beschwerdeführer  verheiratet.  Sie  sei  wegen  der  Probleme  ihres  Mannes  geflüchtet  und  habe  selber  keine  eigenen  Asylgründe.  Mitte  August  2008  habe  sie  von  der  Flucht  ihres  Ehemannes  aus  dem  Gefängnis erfahren. Anfang September 2008 sei die Polizei zweimal bei  ihr  zu  Hause  vorbeigekommen  und  habe  sich  in  ihrer  Wohnung  umgeschaut respektive sie gefragt, welche Personen sie besucht hätten.  Nachdem  sie  das  ihr  und  ihrem Mann  gehörende Vieh  verkauft  gehabt  habe, sei sie im Januar 2009 zusammen mit ihrem Mann mit gefälschten  Papieren  nach  Ulaanbaatar  gereist,  wo  sie  bis  am  10.  März  2009  geblieben sei, während ihr Mann schon früher in die Schweiz gereist sei.  In der Folge sei sie per Zug und Auto via Moskau unter Umgehung der  Grenzkontrolle in die Schweiz gelangt. Für die übrigen Aussagen wird auf  die Akten verwiesen. B.  Eine  vom BFM  (Fachstelle  "Lingua")  beauftragte  Expertenperson  führte  am 27. Februar sowie 14. April 2009 in Form von Telefongesprächen mit  den  Beschwerdeführenden  eine  landeskundlich­kulturelle  und  linguistische Analyse zur Verifizierung ihres Sozialisierungsortes ("area of  sociali­sation") durch. In den Berichten vom 6. und 27. Mai 2009 hielt der  Experte  im  Ergebnis  fest,  dass  die  von  den  Beschwerdeführenden  geltend  gemachte  Herkunft  und  ethnische  Zugehörigkeit  zu  bestätigen  seien. C.  Das BFM stellte mit Verfügung vom 1. März 2011 – eröffnet am 4. März  2011 – fest, die Beschwerdeführenden würden die Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllen,  lehnte  die  Asylgesuche  ab  und  ordnete  die Wegweisung  aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Es  begründete  seinen  ablehnenden  Entscheid  im  Wesentlichen  damit,  der  Beschwerdeführer  bringe  vor,  er  sei  innerhalb  einer  politischen  Bewegung gegen das chinesische Regime tätig gewesen und deswegen  verfolgt  worden.  Obwohl  er  im  Verlaufe  der  Anhörung  mehrfach  aufgefordert  worden  sei,  seine  geltend  gemachte  Propagandatätigkeit  konkret  zu  schildern,  sei  es  ihm  nicht  gelungen,  über  allgemeine  Aussagen  zur  Situation  der  Mongolen  in  der  Inneren  Mongolei  und  generelle  Vorgehensweisen  von  geheimen  Organisationen  hinaus  konkrete  und  in  diesem  Zusammenhang  persönlich  erlebte  Ereignisse  differenziert  darzustellen.  Der  Beschwerdeführer  habe  sich  zu  seiner 

D­1954/2011 politischen Tätigkeit zudem widersprüchlich geäussert. So habe er in der  Befragung erklärt, seine Bewegung habe für Januar 2008 einen Aufstand  geplant.  Die  Polizei  habe  aber  davon  erfahren,  weswegen  die  Aktion  dann  nicht  stattgefunden  habe.  In  der  Anhörung  habe  er  aber  geltend  gemacht, man habe zwar einen Aufstand geplant, aber wann dieser hätte  stattfinden sollen, sei nicht  festgelegt worden. Was den Zusammenhang  der Bewegung  "F._______" mit  der Volkspartei  anbelange,  so habe der  Beschwerdeführer  in  der  Befragung  lediglich  erwähnt,  Anhänger  der  Volkspartei, die seine Bewegung unterstützt hätten, hätten ihm zur Flucht  verholfen.  In  der  Anhörung  hingegen  habe  er  die  Volkspartei  als  die  Mutterpartei  dargestellt,  die  der  Zweigstelle  "F._______"  Anweisungen  und Aufträge erteilt habe. Als  tatsächlich seit mehreren Jahren für diese  Bewegung  in  wichtiger  Funktion  tätige  Person  hätte  der  Beschwerdeführer  aber  bereits  in  der  Befragung  seine  Bewegung  als  Untergruppe  der  Volkspartei  dargestellt  und  jene  als  massgebende  Gruppe  bezeichnet.  Demnach  sei  die  genannte  politische  Aktivität  des  Beschwerdeführers  und  die  damit  verbundene,  geltend  gemachte  Gefährdung  sehr  zu  bezweifeln.  Überdies  habe  sich  der  Beschwerdeführer auch zu seiner Flucht  realitätsfremd und unrealistisch  geäussert. Er habe geltend gemacht, Anhänger der Volkspartei hätten die  Gefängnisverwaltung und hochrangige Beamte bestochen und  ihn unter  dem  Vorwand,  er  werde  verlegt,  aus  dem  Gefängnis  gebracht.  Leute  seiner  Partei  seien  dabei  als  Polizisten,  Befrager  und  Dolmetscher  aufgetreten.  Angesichts  der  bekanntlich  strengen  Sicherheitsvorkehrungen  in  chinesischen  Gefängnissen  und  auch  der  behördlichen Einstufung des Beschwerdeführers als Staatsfeind, sei eine  derartige  Vorgehensweise  realitätsfremd.  Die  Erklärung  des  Beschwerdeführers, die Gefängnisbehörden seien auch Innere Mongolen  und hätten vielleicht deswegen seinen Kollegen geholfen, vermöge nicht  zu  überzeugen.  Denn  sowohl  die  Parteianhänger  als  auch  die  bestochenen Beamten wären  ein  überaus  grosses Risiko  eingegangen,  als Staatsfeinde und als Verräter entlarvt zu werden. Schliesslich bringe  der  Beschwerdeführer  vor,  man  habe  ihn  nach  seiner  Flucht  zur  Fahndung  ausgeschrieben  und  ein  Fahndungsblatt  mit  seinem  Bild  verteilt.  Zum  einen  sei  es  nicht  nachvollziehbar,  dass  der  Beschwerdeführer ein Vorbringen dieser Tragweite erst  in der Anhörung  und nicht bereits im Rahmen der Befragung erwähnt habe. Zum anderen  mache  der  Beschwerdeführer  geltend,  er  und  seine  Frau  seien  über  einen  offiziellen  Grenzübergang  aus  China  ausgereist.  Angesichts  des  grossen Risikos,  von  den Grenzbeamten  aufgrund  des  Fahndungsfotos  erkannt  zu  werden,  sei  die  dargelegte  Vorgehensweise  nicht  plausibel 

D­1954/2011 und  widerspreche  dem  Verhalten  einer  tatsächlich  verfolgten  Person.  Demnach  könnten  die  dargelegte  politische  Tätigkeit  sowie  die  damit  verbundene behördliche Verfolgung nicht geglaubt werden.  Die  Beschwerdeführerin  mache  geltend,  sie  sei  wegen  der  Probleme  ihres  Mannes  aus  ihrer  Heimat  ausgereist  und  deswegen  bei  einer  Rückkehr ebenfalls gefährdet. Da die geltend gemachte Verfolgung des  Mannes  nicht  glaubhaft  sei,  könnten  auch  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  nicht  geglaubt  werden.  Diese  Einschätzung  werde  durch  eine widersprüchliche Aussage  der  Beschwerdeführerin  bestätigt.  Sie habe nämlich in der Befragung vorgebracht, die Polizei habe nach der  Flucht  ihres Mannes  aus  dem Gefängnis  im  September  2008  ihr  Haus  aufgesucht.  Die  Polizisten  hätten  dabei  eine  Hausdurchsuchung  durchgeführt.  In  der  Anhörung  habe  sie  jedoch  erklärt,  die  Polizisten  seien nur kurz  in die Wohnung gekommen und hätten sie darauf wieder  verlassen.  Die  von  der  Beschwerdeführerin  vorgebrachte  Verfolgung  ihres  Mannes  und  die  dabei  verbundenen  möglichen  zukünftigen  Benachteiligungen  ihrerseits seien daher nicht glaubhaft. Die Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  hielten  daher  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  (AsylG, SR 142.31) nicht  stand,  so dass  ihre Asylrelevanz nicht  geprüft  werden müsse. Überdies  sei  der  Vollzug  der Wegweisung  als  zulässig,  zumutbar und möglich zu bezeichnen. Für die weitere Begründung wird  auf die vorinstanzliche Verfügung verwiesen.  D.  Am  22.  März  2011  wurde  eine  Fürsorgebestätigung  betreffend  die  Beschwerdeführenden zu den Akten gereicht.  E.  Mit  Beschwerde  vom  31.  März  2011  (Poststempel)  an  das  Bundesverwaltungsgericht beantragten die Beschwerdeführenden, es sei  die  angefochtene  Verfügung  aufzuheben,  die  Flüchtlingseigenschaft  anzuerkennen und Asyl zu gewähren. Zudem sei  festzustellen, dass der  Vollzug  der Wegweisung  unzulässig,  unzumutbar  und  unmöglich  sowie  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen  sei.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege,  um Beiordnung einer amtlichen Rechtsvertretung sowie um Verzicht auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Eventualiter  sei  die  aufschiebende Wirkung wiederherzustellen  und  die  zuständige Behörde  vorsorglich  anzuweisen,  die  Kontaktaufnahme  mit  den  Behörden  des 

D­1954/2011 Heimat­  oder  Herkunftsstaates  sowie  jegliche  Datenweitergabe  an  dieselben  zu  unterlassen.  Eventuell  seien  sie  bei  bereits  erfolgter  Datenweitergabe  darüber  in  einer  separaten  Verfügung  zu  informieren.  Auf  die  Begründung  der  Beschwerde  wird,  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. Mit  der  Rechtsmittelschrift  wurde  die  bereits  eingereichte  Fürsorgebestätigung  vom  22.  März  2011  (in  Kopie)  zu  den  Akten  gereicht.  F.  Mit  Zwischenverfügung  des  Instruktionsrichters  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  5.  April  2011  wurde  den  Beschwerdeführenden mitgeteilt,  dass  sie  den Ausgang des Verfahrens  in der Schweiz abwarten könnten. Gleichzeitig wies der Instruktionsrichter  die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  sowie  um  Erlass  des Kostenvorschusses ab und verfügte, dass die Beschwerdeführenden  einen Kostenvorschuss von Fr. 600.– bis zum 20. April 2011 zu bezahlen  haben.  Der  Kostenvorschuss  ging  am  18.  April  2011  bei  der  Gerichtskasse ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art.  33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).

D­1954/2011 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1  AsylG,  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  52  VwVG).  Die  Beschwerdeführenden sind durch die angefochtene Verfügung besonders  berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  Beschwerde  ist  somit  –  unter  Vorbehalt  der  nachfolgenden Erwägungen – einzutreten. 1.4.  Der  Beschwerde  kommt  die  aufschiebende  Wirkung  zu  (Art.  55  Abs. 1  VwVG)  und  die  Vorinstanz  hat  in  der  angefochtenen  Verfügung  einer  allfälligen  Beschwerde  die  aufschiebende Wirkung  nicht  entzogen  (Art.  55  Abs.  2  VwVG).  Daher  ist  auf  das  Eventualbegehren,  die  aufschiebende  Wirkung  sei  wiederherzustellen,  mangels  Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten (vgl. auch Art. 42 AsylG). 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Die  Abteilungen  des  Bundesverwaltungsgerichts  entscheiden  in  der  Regel  in  der  Besetzung  mit  drei  Richtern  oder  Richterinnen  (Spruchkörper;  vgl. Art.  21 Abs.  1 VGG). Gestützt  auf Art.  111a Abs.  1  AsylG kann das Bundesverwaltungsgericht auch in solchen Fällen auf die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichten. 4.  4.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt, wenn  sie  in  ihrem Heimatstaat  oder  im  Land, wo  sie  zuletzt  wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer  bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit  sowie 

D­1954/2011 Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den  frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7  AsylG). 5.  Die Vorinstanz hat die von den Beschwerdeführenden geltend gemachte  politische  Tätigkeit  des  Beschwerdeführers,  dessen  damit  zusammenhängende Verfolgung und Inhaftierung durch die chinesischen  Behörden  sowie  dessen  spätere  Flucht  aus  dem  Gefängnis  als  unglaubhaft beurteilt. Nachfolgend ist daher zu prüfen, ob die Vorinstanz  diesen Vorbringen zu Recht gestützt auf Art. 7 AsylG die Glaubhaftigkeit  abgesprochen hat.  6.  6.1.  Grundsätzlich  sind  Vorbringen  dann  glaubhaft  gemacht,  wenn  sie  genügend substanziiert,  in  sich  schlüssig und plausibel  sind. Sie dürfen  sich  nicht  in  vagen Schilderungen  erschöpfen,  in wesentlichen  Punkten  nicht  widersprüchlich  sein,  der  inneren  Logik  entbehren  oder  den  Tatsachen  oder  der  allgemeinen  Erfahrung  widersprechen.  Darüber  hinaus muss der Gesuchsteller  persönlich  glaubwürdig  erscheinen, was  insbesondere  dann  nicht  der  Fall  ist,  wenn  er  wichtige  Tatsachen  unterdrückt  oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die  nötige Mitwirkung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet  ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass  und  lässt  durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und  Zweifel  an  den  Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  sprechen,  überwiegen  oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art.  7  AsylG;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.).

D­1954/2011 6.2. Vorab ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden den Wortlaut  sämtlicher  Protokolle  mit  ihrer  Unterschrift  bestätigt  haben  und  sich  deshalb  ihre  Aussagen  grundsätzlich  entgegenhalten  lassen  müssen,  zumal  sie  die  übersetzenden  Personen  bei  den  Befragungen  beziehungsweise  Anhörungen  gut  verstanden  haben  wollen  (vgl.  Akten  BFM  A  1/8,  S.  6;  A  1/11,  S.  8;  A  18/10,  S.  2;  A  20/19,  S.  2).  Im  Weiteren  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  den  Aussagen  einer  asylsuchenden  Person  im  Empfangszentrum  zu  den  Asylgründen  angesichts  des  summarischen  Charakters der Befragung für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit nur ein  beschränkter Beweiswert  zukommt  (vgl. EMARK 2005 Nr.  7 E.  6.2.1 S.  66  und  dort  zitierte,  weiterhin  gültige  Praxis).  Widersprüche  dürfen  nur  dann herangezogen werden, wenn klare Aussagen im Empfangszentrum  in  wesentlichen  Punkten  der  Asylbegründung  von  den  späteren  Aussagen  in  der  Anhörung  beim  Kanton  oder  beim  BFM  diametral  abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche  später  als  zentrale  Asylgründe  genannt  werden,  nicht  bereits  bei  der  Befragung im Empfangszentrum zumindest ansatzweise erwähnt werden. Nach Prüfung der Akten durch das Gericht  ist –  in Übereinstimmung mit  der  Vorinstanz  –  festzustellen,  dass  die  geltend  gemachte  politische  Tätigkeit  des Beschwerdeführers und die damit  verbundene behördliche  Verfolgung  nicht  glaubhaft  ist.  So  erklärte  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Befragung,  seine  Gruppe  "F._______"  habe  für  Januar  2008  einen  Aufstand  geplant.  Die  Polizei  habe  aber  davon  erfahren,  weswegen die Aktion nicht stattgefunden habe (Akten BFM A 1/11, S. 5).  Bei  der  Anhörung  machte  er  demgegenüber  geltend,  es  sei  zwar  ein  Aufstand geplant gewesen. Sein Bruder, der Anführer der Gruppe, habe  jedoch noch nicht  festgelegt, wann dieser hätte stattfinden sollen, da er  zuerst  die  kleinen  Parteigruppen  habe  zusammenführen  wollen  (Akten  BFM A 20/19, S. 4). Überdies sagte der Beschwerdeführer anlässlich der  Anhörung  zuerst  aus,  der  Treffpunkt  der Gruppe  "F._______"  sei  seine  Wohnung gewesen (Akten BFM 20/19, S. 5), wohingegen er wenig später  in  der  Anhörung  geltend machte,  es  habe  bei  der Gruppe  "F._______"  keine Sitzungen der Mitglieder gegeben, weil dies sehr gefährlich für sie  gewesen sei, weswegen sie alle nur sehr diskret miteinander  in Kontakt  hätten treten können (Akten BFM 20/19, S. 8).  Im  Weiteren  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  bei  der  Anhörung auf Aufforderung hin nicht  in der Lage war,  seine behauptete  Propagandatätigkeit  für  die  Gruppe  "F._______"  konkret  und 

D­1954/2011 substanziiert zu schildern. Seine diesbezüglichen Vorbringen erschöpften  sich  im  Wesentlichen  in  allgemeinen  Aussagen  zur  Situation  in  der  Inneren  Mongolei  (Akten  BFM  A  20/19,  S.  7).  Es  spricht  gegen  die  Glaubhaftigkeit  der  geltend  gemachten  politischen  Tätigkeit  des  Beschwerdeführers,  wenn  dieser  anlässlich  der  Anhörung  zwar  in  der  Lage  war,  einlässliche  Ausführungen  zur  generellen  Situation  in  der  Inneren Mongolei zu machen, nicht  jedoch zu seinen eigenen Aufgaben  innerhalb  der  Gruppe  "F._______".  Aufgrund  seiner  langjährigen  Erfahrung  wäre  doch  zu  erwarten,  dass  er  weit  mehr,  besonders  über  seine politischen Tätigkeiten hätte Auskunft geben können. Insbesondere  zeigt die Schilderung betreffend seine Tätigkeit als Geheimkurier, wie er  Nachrichten erhalten und diese weitergeleitet hat (BFM Akten A 20/19, S.  7;  Antwort  F  24),  auf,  dass  er  diese  Tätigkeit  nicht  ausgeübt  hat,  weil  gewichtige Realkennzeichen fehlen, etwa welche Vorkehrungen getroffen  wurden, wie der "Reisende" sich zu erkennen gegeben hat und was unter  Geheimwort  konkret  zu  verstehen  ist,  zumal  die  geltend  gemachte  Tätigkeit  besondere  Vorkehren  erfordert,  weil  man  sonst  Gefahr  läuft,  infiltriert oder aufgedeckt zu werden. Die Verfolgungsvorbringen der Beschwerdeführenden sind auch deshalb  unglaubhaft,  da  es  dem  Beschwerdeführer  bei  der  Anhörung  nicht  möglich  war,  die  Namen  der  anderen  kleinen  Gruppen  zu  nennen,  die  sich  für die Befreiung von den Chinesen eingesetzt haben sollen, zumal  er schon seit dem Jahre 2005 an der Vereinigung dieser kleinen Gruppen  gearbeitet  haben  will  (Akten  BFM  A  20/19,  S.  8).  Hätte  sich  der  Beschwerdeführer  tatsächlich  –  wie  behauptet  –  in  der  Gruppe  "F._______" um die Vereinigung der Gruppen für die Befreiung von den  Chinesen  gekümmert,  hätte  er  mit  Sicherheit  deren  Namen  nennen  beziehungsweise konkretere Angaben machen können.  Zudem ist festzustellen, dass sich der Beschwerdeführer zu seiner Flucht  aus  dem Gefängnis  realitätsfremd  und  unrealistisch  geäussert  hat  (vgl.  Akten  BFM  A  20/19,  S.  5,  S.  12  f.).  Es  ist  angesichts  der  bekanntermassen strengen Sicherheitsvorkehrungen in den chinesischen  Gefängnissen  unwahrscheinlich,  dass  es  der  Volkspartei  gelungen  sein  soll,  mittels  Bestechung  der  Gefängnisbehörden  beziehungsweise  hochrangiger Beamter eigene Leute, die als Polizisten, Dolmetscher und  Befrager  aufgetreten  sein  sollen,  ins  Gefängnis  zu  schleusen,  um  den  Beschwerdeführer  unter  dem  Vorwand,  er  werde  verlegt,  von  dort  wegzubringen.  Zudem  ist  es  wenig  plausibel,  dass  es  der  Volkspartei  gelungen sein soll, hochrangige Beamte zu bestechen, da diese ein sehr 

D­1954/2011 grosses  Risiko  eingegangen  wären,  als  Verräter  entlarvt  zu  werden,  zumal  es  sich  beim  Beschwerdeführer  um  einen  Staatsfeind  gehandelt  haben soll.  Nicht  nachvollziehbar  ist  ausserdem,  dass  der  Beschwerdeführer  erst  anlässlich  der  Anhörung  geltend  machte,  nach  seiner  Flucht  aus  dem  Gefängnis  sei  mittels  eines  Fahndungsblattes  (inklusive  Bild)  nach  ihm  gesucht  worden  (Akten  BFM  A  20/19,  S.  9  f.).  Es  wäre  zu  erwarten  gewesen, dass der Beschwerdeführer ein Vorkommnis dieser Tragweite  bereits bei der Befragung zumindest ansatzweise erwähnt hätte.  Soweit  der  Beschwerdeführer  schliesslich  geltend  macht,  er  und  seine  Frau  hätten  China  mit  gefälschten  mongolischen  Pässen  über  einen  offiziellen chinesischen Grenzübergang verlassen (Akten BFM A 1/11, S.  7),  ist  festzustellen,  dass  dieses  Vorgehen  dem  Verhalten  einer  tatsächlich  verfolgten  beziehungsweise  gesuchten  Person  widerspricht,  zumal  das  Risiko,  von  den  chinesischen  Grenzbeamten  aufgrund  der  gefälschten  Pässe  festgehalten  beziehungsweise  wegen  des  Fahndungsblattes erkannt und verhaftet zu werden, viel zu hoch gewesen  wäre.  Gestützt auf das soeben Ausgeführte  ist zu schliessen, dass es sich bei  der  von  den  Beschwerdeführenden  geltend  gemachten  Verfolgungssituation  lediglich  um  ein  Konstrukt  handelt.  Die  Ausführungen  in  der  Beschwerde  sind  nicht  geeignet,  an  dieser  Einschätzung  etwas  zu  ändern,  zumal  sie  den  vorinstanzlichen  Erwägungen  nichts  Substanzielles  entgegenhalten.  Aufgrund  der  festgestellten  Unglaubhaftigkeitselemente  in  den  Asylvorbringen  kann  darauf  verzichtet  werden,  das  in  der  Rechtsmittelschrift  in  Aussicht  gestellte  Fahndungsblatt  abzuwarten,  zumal  der  Beweiswert  dieses  Beweismittels  ohnehin  als  gering  einzuschätzen  wäre  (antizipierte  Beweiswürdigung;  BVGE  2008/24  E.  7.2;  EMARK  2003  Nr. 13  S.  84;  FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 274). 6.3.  Im Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführenden  – entgegen  der  Behauptung  in  der  Rechtsmittelschrift  –  aufgrund  ihrer  Ausreise aus China bei einer Rückkehr in ihre Heimat keine asylrechtlich  relevanten Nachteile zu befürchten haben, zumal die behauptete illegale  Ausreise  nicht  feststeht  und  diese  mit  Blick  auf  die  unglaubhaften  Verfolgungsvorbringen  zu  bezweifeln  ist.  Insbesondere  erscheinen  die  Schilderungen  im  Zusammenhang  mit  der  Ausreise  aus  China  als 

D­1954/2011 realitätsfremd,  zumal  nicht  anzunehmen  ist,  die  Beschwerdeführenden  hätten  China  über  einen  offiziellen  Grenzübergang  verlassen,  wäre  tatsächlich  nach  dem  Beschwerdeführer  gefahndet  worden.  Selbst  für  den  Fall,  dass  die  Beschwerdeführenden  tatsächlich  illegal  ausgereist  sind  und  den  chinesischen  Behörden  ihre  Asylgesuchstellung  in  der  Schweiz bekannt geworden sein sollte, wobei nicht ersichtlich ist, wie die  chinesischen  Behörden  von  der  Asylgesuchstellung  Kenntnis  erhalten  sollten,  ist  nicht  davon  auszugehen,  dass  sie  bei  ihrer  Rückkehr  deswegen  mit  asylrechtlich  relevanten  Nachteilen  zu  rechnen  hätten,  zumal  nach  Kenntnis  des  Bundesverwaltungsgerichts  Personen  ohne  nennenswertes  politisches  Profil  nur  mit  einer  milden  Bestrafung  zu  rechnen  haben.  Soweit  die  Beschwerdeführenden  in  der  Rechtsmittelschrift geltend machen, die ethnischen Minderheiten würden  in  der  Inneren  Mongolei  von  den  Chinesen  unterdrückt,  ist  schliesslich  festzuhalten, dass allein die Zugehörigkeit der Beschwerdeführenden zu  einer mongolischen Ethnie die Flüchtlingseigenschaft nicht zu begründen  vermag. 6.4.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  das  es  den  Beschwerdeführenden nicht gelungen  ist, nachzuweisen oder zumindest  glaubhaft zu machen, dass sie in der Heimat ernsthafte Nachteile gemäss  Art.  3  AsylG  erlitten  oder  solche  bei  der  Ausreise  zu  befürchten  hatten  oder im Falle der Rückkehr nach China befürchten müssten. Sie erfüllen  somit  die  Voraussetzungen  zur  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  weshalb  die  Vorinstanz  die  Asylbegehren  zu  Recht  und  mit  zutreffender Begründung abgelehnt hat.  7.  7.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2.  Die  Beschwerdeführenden  verfügen  weder  über  eine  ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf  Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht  angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; BVGE 2008/34 E. 9.2). 8.  8.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 

D­1954/2011 den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser,  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 8.2.  8.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  in  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des  Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum Schutze  der Menschenrechte  und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.2.2.  Da  es  den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  das  in  Art.  5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  im vorliegenden Verfahren keine  Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden nach China  ist dem­nach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

D­1954/2011 Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  der  Beschwerdeführenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  nach  China  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer nach Art.  3 EMRK oder Art.  1 FoK verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wären.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des UN­Anti­Folterausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihnen  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung drohen würde  (vgl. EGMR,  [Grosse Kammer], Saadi gegen  Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124­ 127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Dies  ist  ihnen  nach  den  vorstehenden  Erwägungen  nicht  gelungen.  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  China  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten  ist der Vollzug der Wegweisung sowohl  im Sinne der asyl­ als auch der  völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3.  8.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art.  83 Abs.  7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März  2002, BBl 2002 3818). 8.3.2. In Bezug auf die allgemeine Sicherheits­ und Menschenrechtslage  in China kommt das Bundesverwaltungsgericht  insgesamt zum Schluss,  dass  in  China  keine  Kriegs­  oder  Bürgerkriegssituation  und  auch  keine  Situation  allgemeiner Gewalt  herrscht  und  ein  Vollzug  der Wegweisung  grundsätzlich nicht unzumutbar erscheint.  8.3.3.  Vorliegend  sind  den  Akten  auch  keine  Anhaltspunkte  für  individuelle  Unzumutbarkeitsindizien  zu  entnehmen.  Die  –  soweit  den  Akten zu entnehmen ist – gesunden Beschwerdeführenden haben bis zu  ihrer Ausreise im Januar 2009 immer in der Inneren Mongolei gelebt, wo  der  Beschwerdeführer  auch  die  Schule  besucht  und  als  (…)  gearbeitet 

D­1954/2011 hat. Deshalb ist anzunehmen, die Beschwerdeführenden könnten sich in  ihrer Heimat wieder wirtschaftlich integrieren. Gemäss den Angaben des  Beschwerdeführers  leben seine Mutter  und sein Bruder nach wie  vor  in  der  Inneren  Mongolei.  Vor  diesem  Hintergrund  ist  davon  auszugehen,  dass  die  Beschwerdeführenden  in  ihrem  Heimatland  über  ein  soziales  Beziehungsnetz  verfügen,  welches  ihnen  eine  Reintegration  erleichtern  kann. Blosse soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten,  von denen die  ansässige Bevölkerung  im Allgemeinen betroffen  ist, genügen nicht, um  eine Gefahr  im Sinne  von  Art.  83  Abs.  4  AuG  darzustellen  (vgl.  BVGE  2008/34  E.  11.2.2,  EMARK  2005  Nr.  24  E.  10.1  S.  215).  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  somit  auch  als  zumutbar  zu  bezeichnen. 8.4.  Schliesslich  obliegt  es  den  Beschwerdeführenden,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG),  weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist  (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9.  Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Vollzug der Wegweisung  zu  bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  den  Vollzug  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung  der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1­4 AuG). 10.  Die  Beschwerdeführenden  beantragen  in  ihrer  Rechtsmitteleingabe,  die  Vollzugsbehörde  sei  vorsorglich  anzuweisen,  die  Kontaktaufnahme  mit  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  sowie  jeglichen  Datentransfer  zu  unterlassen,  um  im Fall  einer Rückkehr  keine Probleme  zu  bekommen.  Mit  vorliegendem Urteil  wird  die  Beschwerde  abgewiesen  und  damit  ist  das  Beschwerdeverfahren  abgeschlossen,  weshalb  sich  der  Antrag  auf  Anordnung vorsorglicher Massnahmen – solche sind ohnehin nur für die  Dauer des Beschwerdeverfahrens wirksam – als gegenstandslos erweist.  Im Übrigen  geht  aus  den  dem Gericht  vorliegenden Akten  nicht  hervor,  die Vorinstanz habe die Beschwerdeführenden betreffende Daten an den  Heimatstaat weitergegeben, weshalb auf das Eventualbegehren, es seien  bei bereits erfolgter Datenweitergabe die Beschwerdeführenden darüber  in  einer  separaten  Verfügung  zu  informieren,  mangels  Rechtsschutzinteresses  im Rahmen dieses Verfahrens nicht  einzutreten  ist.

D­1954/2011 11.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde  ist  nach  dem  Gesagten  abzuweisen,  soweit  darauf  eingetreten wird.  12.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  und  5  VwVG),  auf  insgesamt  Fr. 600.–  festzusetzen  (Art.  1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  und mit  dem  am  18.  April  2011  geleisteten  Kostenvorschuss  in  derselben  Höhe  zu  verrechnen. (Dispositiv nächste Seite)

D­1954/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.  2.  Die Verfahrenskosten  von Fr.  600.­­ werden  den Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  wird  mit  dem  am  18.  April  2011  von  den  Beschwerdeführenden zu Gunsten der Gerichtskasse in derselben Höhe  geleisteten Kostenvorschuss verrechnet.  3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand:

D-1954/2011 — Bundesverwaltungsgericht 01.11.2011 D-1954/2011 — Swissrulings