Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 05.08.2011 D-1923/2011

5. August 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,243 Wörter·~6 min·2

Zusammenfassung

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 11. Februar 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­1923/2011 law/rep Urteil   v om   5 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richter Pietro Angeli­Busi; Gerichtsschreiber Philipp Reimann. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, c/o schweizerische Vertretung in Colombo, Beschwerdeführerin, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 11. Februar 2011 / N (…).

D­1923/2011 Sachverhalt: A.  Mit  Schreiben  vom  19. Mai  2009  stellte  die  Mutter  der  Beschwerdeführerin  für  diese  bei  der  Schweizer  Botschaft  in  Colombo  (Eingang bei der Botschaft: 26. Mai 2009) ein Asylgesuch, worin sie unter  anderem  darauf  hinwies,  dass  ihre  Tochter  wegen  des  Verdachts,  in  terroristische Machenschaften verstrickt zu sein, am (…) inhaftiert worden  sei und sich nach wie vor in behördlichem Gewahrsam befinde. B.  Am 27. Mai 2009 beantwortete die Schweizer Botschaft die Eingabe der  Mutter  der  Beschwerdeführerin  dahingehend,  eine  Behandlung  des  anhängig  gemachten  Asylverfahrens  aus  dem  Ausland  werde  erst  möglich,  wenn  die  Beschwerdeführerin  aus  der  Haft  entlassen  worden  sei.  Es  sei  der  Beschwerdeführerin  indessen  unbenommen,  eine  Weiterbehandlung  ihres  Asylgesuches  zu  beantragen,  sobald  sie  aus  dem  Gefängnis  entlassen  worden  sei.  Diesfalls  werde  darum  ersucht,  dass  die  Beschwerdeführer  der  Schweizer  Botschaft  Kopien  sämtlicher  Gerichtsunterlagen inklusive englische Übersetzungen zukommen lasse. C.  Am  7. Dezember  2009  teilte  die  Beschwerdeführerin  der  Schweizer  Botschaft unter Bezugnahme auf deren Schreiben vom 27. Mai 2009 mit,  dass  sie  am  (…)  aus  der  Haft  entlassen  worden  sei  und  ersuchte  um  Wiederaufnahme ihres Asylverfahrens. D.  Mit Schreiben  vom 5. Januar 2010  forderte die Schweizer Botschaft  die  Beschwerdeführerin  auf,  bis  zum 20. Februar  2010  ihre Ausreisegründe  detailliert  darzulegen,  diese  –  soweit  möglich  –  mit  Beweismitteln  zu  unterlegen  und  überdies  Kopien  persönlicher  Identitätspapiere  wie  Geburtsregisterauszug, Identitätskarte und Reisepass inklusive englische  Übersetzungen  einzureichen,  ansonsten  davon  ausgegangen  werde,  dass sie auf eine Fortführung ihres Asylverfahrens verzichte. E.  Mit  Eingabe  vom  12. Januar  2010  führte  die  Beschwerdeführerin  ihre  Ausreisegründe weiter aus.

D­1923/2011 F.  Am 9. Februar 2010 befragte sie eine Mitarbeiterin der Botschaft zu ihren  Asylgründen. G.  Mit Eingaben  vom 30. Juni,  4. Oktober  und 9. Dezember  2010 ergänzte  die  Beschwerdeführerin  ihre  Asylvorbringen  und  ersuchte  um  beförderliche Behandlung ihres Gesuchs um Einreise in die Schweiz. H.  Die  Beschwerdeführerin  –  eine  Tamilin  aus  B._______,  C._______,  Jaffna – machte  in  ihren schriftlichen Eingaben vom 7. Dezember 2009,  12. Januar, 30. Juni, 4. Oktober und 9. Dezember 2010 sowie anlässlich  ihrer Befragung durch die Botschaft am 9. Februar 2010 im Wesentlichen  geltend,  sie  habe  vom  Jahre  2005  an  etwa  ein  Jahr  lang  in  einem  D._______  in  Jaffna  gearbeitet,  diese  Arbeitsstelle  indessen  gekündigt,  nachdem  sich Unbekannte  dort  in  ihrer Abwesenheit  nach  ihr  erkundigt  hätten. Anschliessend habe  sie  sich  im März  2006 auf  der Suche nach  einem  neuen  Job  zu  ihrer  in  E._______  im  Vanni­Gebiet  wohnhaften  Tante  begeben,  wo  sie  drei  Tage  lang  auf  einem  Bauernhof  der  LTTE  (Liberation Tigers of Tamil Eelam) gearbeitet habe, bis sie ob der harten  Arbeit krank geworden sei.  Im Vanni­Gebiet sei sie  in Kontakt zu LTTE­ Leuten gekommen,  da auch die Kinder  ihrer Tante Mitglieder  der  LTTE  gewesen seien.  Im April 2006 sei sie nach einem Monat zu  ihren Eltern  nach  Jaffna  zurückgekehrt.  Von  nun  an  habe  sie  die  LTTE  insofern  unterstützt,  als  ihre  Familie  zwei  LTTE­Frauen,  welche  in  ihrer  Nähe  untergebracht  gewesen  seien,  jeweils  zum  Essen  eingeladen  habe.  Im  Juni 2006 seien in ihrer Abwesenheit unbekannte Leute in einem weissen  Van  an  ihrem  damaligen  Wohnort  in  Jaffna  vorgefahren,  wobei  sie  vermute, dass man sie habe entführen wollen, zumal ein Junge aus der  Nachbarschaft  an  diesem  Abend  entführt  worden  sei.  Von  diesem  Moment  an  habe  sie  sich  in  Jaffna  bei  verschiedenen  Verwandten  aufgehalten.  Im März 2007 sei sie nach Vavuniya gegangen, wo sie bei  Freunden gelebt habe. Später habe sie sich nach Colombo begeben und  dort ein Visum für Indien besorgt. Während ihres Aufenthalts in Colombo  habe sie bei einer Freundin gelebt.  Im Februar 2008 sei sie nach Indien  gereist, wo sie bei Bekannten gelebt habe.  Im Januar 2009 sei sie nach  Sri Lanka zurückgekehrt, weil sie ihre Eltern habe sehen wollen. Am (…)  sei  sie  auf  dem  internationalen  Flughaften  Katunayake  (Colombo)  kurz  vor  ihrem  Rückflug  nach  Indien  von  Angehörigen  des  Terrorist  Investigation  Departement  (TID)  unter  dem  Verdacht  der  LTTE­

D­1923/2011 Mitgliedschaft  festgenommen  und  erst  am  (…)  auf  gerichtliche  Veranlassung hin wieder freigelassen worden. Während ihrer Haft sei sie  weder geschlagen noch sexuell  belästigt,  jedoch verbal bedroht worden  (vgl.  Botschaftsanhörung  vom  9.  Februar  2010  S.  8).  Nach  ihrer  Freilassung habe sie Angst gehabt, nach Jaffna zurückzukehren, da dort  bekanntgeworden  sei,  dass  sie  in  Haft  gewesen  sei:  So  hätten  sich  beispielsweise  Unbekannte  bei  ihren  in  Jaffna  lebenden  Verwandten  verschiedentlich  nach  ihr  erkundigt.  Nach  ihrer  Freilassung  hätten  ihr  überdies dreimal Polizisten in Colombo angerufen und ihr erklärt, ihr Fall  sei  noch  nicht  abgeschlossen  und  man  könne  sie  jederzeit  für  weitere  Untersuchungen  wieder  vorladen.  Am  8. Januar  2010  hätten  zwei  Personen  in  Zivil,  die  sich  als  Angehörige  des  TID  ausgegeben  hätten,  ihre Sachen durchsucht und sexuelle Anspielungen gemacht. Sie selber  glaube  indessen  nicht,  dass  es  sich  tatsächlich  um  Leute  des  TID  gehandelt  habe.  Zehn  Tage  später  seien  die  besagten  Leute  nach  Aussagen ihrer Hausbesitzer nochmals erschienen und hätten sich nach  ihr erkundigt. Seither lebe sie bei einer Verwandten in Colombo und finde  sich nur noch zu den Essenszeiten bei ihren früheren Gastgebern ein. Im  Herbst 2010 habe sie einmal bemerkt, dass ihr ein Polizist, der sie früher  verhört  habe,  gefolgt  sei.  Am  6. Dezember  2010  habe  sich  dieser  in  Begleitung zweier weiterer Person ihre aktuelle Wohnadresse notiert. Sie  befürchte  nun,  abermals  behördlichen  Verfolgungsmassnahmen  ausgesetzt  zu  sein  und  ersuche  die  Schweiz  daher  um  Schutz.  Ausserdem sei ihr persönlicher Ruf ruiniert, seit weitere Kreise sowohl in  Colombo  als  auch  in  Jaffna  wüssten,  dass  sie  wegen  mutmasslicher  Kontakte zu den  LTTE inhaftiert gewesen sei. Die  Beschwerdeführerin  reichte  im  Verlaufe  des  erstinstanzlichen  Verfahrens  unter  anderem  nebst  Kopien  ihres  Reisepasses,  ihrer  Identitätskarte  und  ihres  Geburtsregisterauszuges  diverse  ihre  Inhaftierung  und  Freilassung  im  Jahre  2009  dokumentierende Gerichts­  und Polizeiurkunden zu den Akten. I.  Mit  via  Schweizer  Botschaft  am  22. Februar  2011  an  die  Beschwerdeführerin  versandter  Verfügung  vom  11. Februar  2011  verweigerte das BFM der Beschwerdeführerin die Einreise in die Schweiz  und lehnte ihr Asylgesuch ab. J.  Mit dem BFM erst am 17. Februar 2011 zugegangenem Schreiben vom 

D­1923/2011 17. Januar 2011 hielt die Beschwerdeführerin ergänzend fest, sie sei am  22. Dezember  2010  zu  ihren  Eltern  nach  Jaffna  gereist,  da  ihr  Vater  ernsthaft  erkrankt  sei.  Am  26. Dezember  2010  sei  sie  nach  Colombo  zurückgekehrt. Wie sie von ihrer Mutter in der Folge erfahren habe, seien  am 28. Dezember 2010 um acht Uhr abends unbekannte Leute bei ihren  Eltern  erschienen  und  hätten  sich  nach  ihr  erkundigt,  weshalb  die  Vermutung  naheliege,  dass  jemand  diese  Leute  über  ihren  Besuch  in  Jaffna informiert habe. Ihre Mutter habe die Unbekannten jedoch nicht ins  Haus  eintreten  lassen.  Sie  selbst  könne  von  Glück  reden,  dass  sie  damals  bereits  wieder  nach  Colombo  zurückgekehrt  sei.  Nun  habe  sie  freilich Angst davor, abermals nach Jaffna zu reisen, da sie mit Blick auf  das  Vorgefallene  nicht  wisse,  ob  sie  in  Jaffna  künftig  ernsthafteren  Problemen ausgesetzt sein könnte. K.  Mit  an  die  schweizerische  Vertretung  in  Colombo  gerichteter  und  am  16. März 2011 dort eingetroffener Eingabe vom 10. März 2011 beantragte  die  Beschwerdeführerin  sinngemäss,  die  Verfügung  des  BFM  vom  11. Februar  2011  sei  aufzuheben  und  ihr  Asyl  beziehungsweise  die  Einreise  in  die  Schweiz  zu  gewähren.  Mit  Eingabe  vom  18. April  2011  ergänzte die Beschwerdeführerin ihre Beschwerde vom 10. März 2011. Zur  Begründung  brachte  die  Beschwerdeführerin  im  Wesentlichen  vor,  die  Argumentation  der  Vorinstanz  in  der  angefochtenen  Verfügung,  wonach  ihr  keine  weitere  Verfolgung  wie  beispielsweise  eine  erneute  Festnahme drohe,  trage  ihren Angaben, wonach sie noch heute sowohl  an ihren früheren Wohnsitzen in Colombo als auch im Hause ihrer Eltern  in  Jaffna  von  unbekannten  Personen  gesucht  werde,  keine  Rechnung.  Entführungen  und  Tötungen  in  Sri  Lanka  existierten  nach wie  vor.  Das  Notstandsrecht sei in Sri Lanka immer noch gültig und könne mit Blick auf  ein mögliches Wiedererstarken militanter  Gruppierungen  auch weiterhin  verlängert  werden.  Zufolge  der  erlittenen  Haft  fürchte  sie  sich  verständlicherweise vor einer erneuten Inhaftierung. Ausserdem leide sie  noch heute mental unter ihren Erinnerungen an ihre frühere Haftzeit. Wie  sie  im  Weiteren  telefonisch  von  ihrer  Mutter  erfahren  habe,  seien  am  15. April 2011 um sechs Uhr abends abermals drei unbekannte Leute bei  ihren Eltern erschienen und hätten sich nach ihr erkundigt. Nachdem ihre  Mutter jeglichen Kontakt zu ihr verneint habe, seien die Leute schliesslich  wieder weggegangen.

D­1923/2011 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde;  es  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Partei  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. c Ziff. 1 und Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni  2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2.  Die  Beschwerde  ist  nicht  in  einer  Amtssprache  des  Bundes  abgefasst.  Auf  die  Ansetzung  einer  Frist  zur  Beschwerdeverbesserung  kann  indessen  verzichtet  werden,  da  der  in  Englisch  verfassten  Beschwerdeeingabe  genügend  klare,  sinngemäss  Rechtsbegehren  und  deren  Begründung  zu  entnehmen  sind  und  ohne  Weiteres  darüber  befunden werden kann. 1.3.  Die  Beschwerdeführerin  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt,  hat ein schutzwürdiges  Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung und  ist daher zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert. Auf  die  frist­  und  –  vom  sprachlichen  Mangel  abgesehen  –  formgerecht  eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105  AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

D­1923/2011 3.  Gestützt  auf  Art.  111a Abs.  1 AsylG wurde  auf  die Durchführung  eines  Schriftenwechsels verzichtet. 4.  4.1.  Das  Bundesamt  kann  ein  im  Ausland  gestelltes  Asylgesuch  ablehnen,  wenn  die  asylsuchende  Person  keine  Verfolgung  glaubhaft  machen  oder  ihr  die  Aufnahme  in  einem  Drittstaat  zugemutet  werden  kann  (Art. 3,  Art.  7  und  Art. 52  Abs. 2  AsylG).  Gemäss  Art. 20  Abs. 2  AsylG  bewilligt  das  BFM  einem  Asylsuchenden  die  Einreise  zur  Abklärung des Sachverhalts, wenn ihm nicht zugemutet werden kann, im  Wohnsitz  oder  Aufenthaltsstaat  zu  bleiben  oder  in  ein  anderes  Land  auszureisen. Gestützt auf Art. 20 Abs. 3 AsylG kann das Eidgenössische  Justiz­  und  Polizeidepartement  (EJPD)  schweizerische  Vertretungen  ermächtigen,  Asylsuchenden  die  Einreise  zu  bewilligen,  die  glaubhaft  machen, dass eine unmittelbare Gefahr  für Leib und Leben oder  für die  Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. 4.2.  Bei  diesem  Entscheid  gelten  restriktive  Voraussetzungen  für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im  Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  und  objektive  Zumutbarkeit zur anderweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl. BVGE E­8127/2008 vom 12. Mai 2011 E. 3.3, Entscheidungen und  Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2005  Nr. 19 E. 4 S. 174  ff., EMARK 2004 Nr. 21 E. 2 S. 136  f., EMARK 2004  Nr. 20 E. 3 S. 130 f., EMARK 1997 Nr. 15 E. 2f S. 131 f.).  5.  5.1. Die Beschwerdeführerin begründete  ihr Asylgesuch zunächst damit,  sie  sei Ende April  2009  von Angehörigen des TID  verhaftet  und wegen  mutmasslicher Kontakte zu den beziehungsweise Mitgliedschaft bei den  LTTE  beinahe  sieben Monate  lang  inhaftiert  gewesen.  Als  ehemaligem  Häftling  hafte  ihr  auch  privat  der  Ruf  an,  etwas  mit  den  LTTE  zu  tun  gehabt  zu  haben,  weshalb  sie  bis  heute  von  Unbekannten  gesucht  beziehungsweise verfolgt werde. Angesichts des Erlebten hege sie Angst 

D­1923/2011 vor  künftigen  behördlichen  respektive  von  Unbekannten  ausgehenden  Übergriffen. 5.2.  Es  ist  verständlich,  dass  die  Beschwerdeführerin  aufgrund  der  mehrmonatigen  Inhaftierung  im  Jahre  2009  persönlich  Ängste  vor  künftigen  behördlichen  Schikanen  hegt.  Im  Weiteren  kann  auch  nicht  gänzlich  ausgeschlossen  werden,  dass  ihr  Ruf  aufgrund  der  früheren  Verdachtsmomente, mit den LTTE Kontakte unterhalten zu haben, auch  im privaten Umfeld Schaden genommen hat. Nichtsdestotrotz  ist mit der  Vorinstanz  festzuhalten,  dass  objektiv  betrachtet  nichts  auf  eine  akute  Gefährdung der Beschwerdeführerin  hindeutet:  Zunächst  steht  aufgrund  der  Angaben  der  Beschwerdeführerin  sowie  der  von  ihr  eingereichten  Dokumente  fest,  dass  sie  am  (…)  auf  Veranlassung  des  F._______  mangels  Beweisen  freigesprochen  und  entlassen  worden  ist,  was  im  Ergebnis dagegen spricht, dass die srilankischen Behörden sie nach der  Freilassung  noch  ernsthaft  verdächtigt  haben,  in  terroristische  Machenschaften  verstrickt  gewesen  zu  sein.  Darüber  hinaus  ist  die  Beschwerdeführerin trotz der geltend gemachten Anrufe der Polizei nach  ihrer Freilassung, wonach man sie jederzeit zwecks weiterer Abklärungen  wieder zu einem Verhör vorladen könne, allem Anschein nach bis heute  in  keine  entsprechenden  weiteren  Ermittlungshandlungen   involviert  gewesen, was deutlich macht, dass sie aktuell nicht mehr im Brennpunkt  behördlichen Interesses steht. Diese Feststellung harmoniert im Ergebnis  auch mit ihrer Aussage, nie Mitglied bei den LTTE gewesen zu sein und  letztlich nur gemeinsam mit  ihrer  in Jaffna  lebenden Familie zwei LTTE­ Frauen  mit  Mahlzeiten  unterstützt  zu  haben  (vgl.  Botschaftsanhörung  vom 9. Februar 2008 S. 4 und 5). Hinzu tritt die Tatsache, dass der Krieg  zwischen  der  srilankischen  Regierung  und  den  separatistischen  Befreiungstigern  Mitte  Mai  2009  mit  einem  militärischen  Sieg  der  srilankischen Armee über die LTTE zu Ende gegangen ist, und die LTTE  heute  über  keine  handlungsfähigen  Strukturen  mehr  zu  verfügen  scheinen.  Entsprechend  haben  sich  auch  in  Colombo,  wo  die  Beschwerdeführerin eigenen Angaben zufolge seit ihrer Freilassung Ende  November 2009  lebt, die Kontrollstrukturen gelockert. Namentlich wurde  auch  die  Registrierungspflicht  für  Tamilen  am  30. Dezember  2009  aufgehoben.  Vor  diesem  Hintergrund  bestehen  keine  hinreichenden  Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin zufolge ihrer früheren  Inhaftierung wegen mutmasslicher  terroristischer Aktivitäten aktuell noch  irgendwelchen behördlichen Verdächtigungen und Übergriffen ausgesetzt  sein könnte. Dieselbe Folgerung drängt sich  im Ergebnis auch  in Bezug  auf das Interessenlage privater beziehungsweise unbekannter Personen, 

D­1923/2011 sie heute noch aufgrund  ihrer  Inhaftierung  im Jahre 2009 zu behelligen,  auf,  ist  doch  aufgrund  des  geringfügigen  politischen  Profils  der  Beschwerdeführerin nicht ersichtlich, weshalb Unbekannte aus einem  in  asylrechtlicher Hinsicht  relevanten Verfolgungsmotiv  im Sinne von Art. 3  Abs.  1  AsylG  noch  heute  ein  nachhaltiges  Interesse  an  ihrer  Person  haben  sollten.  So  besehen  mutet  auch  die  absolute  Behauptung  der  Beschwerdeführerin,  die  Inhaftierung  habe  ihren  guten  Ruf  und  ihre  Zukunft ruiniert, übertrieben an. 5.3. Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, sie  leide noch heute  unter  ihren  schrecklichen  Hafterlebnissen  (vgl.  Beschwerde  S.  2,  vorletzter Absatz), ist festzuhalten, dass die Asylgewährung grundsätzlich  nicht  dazu  dienen  kann,  einen  Ausgleich  für  vergangenes  Unrecht  zu  schaffen,  sondern  alleine  bezweckt,  Schutz  vor  künftiger  Verfolgung  zu  gewähren. Da im vorliegenden Fall indessen – wie unter E. 5.2 dargelegt  – keine  hinreichenden  Anhaltspunkte  für  eine  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  drohende Verfolgung  der  Beschwerdeführerin  bestehen,  sind  die  Voraussetzungen  für  die  Annahme einer aktuellen Verfolgungsfurcht vorliegend als nicht erfüllt zu  betrachten. 5.4. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es der Beschwerdeführerin  nicht gelungen  ist, eine Verfolgung  im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft  zu  machen.  Das  BFM  hat  ihr  demnach  zu  Recht  die  Einreise  in  die  Schweiz verweigert beziehungsweise ihr Asylgesuch abgelehnt. 6.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist demnach abzuweisen. 7.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich  der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Aus  verwaltungsökonomischen Gründen ist indessen in Anwendung von Art. 6  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR 173.320.2) auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten.

D­1923/2011 (Dispositiv nächste Seite)

D­1923/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Schweizer Vertretung in  Colombo und das BFM. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Philipp Reimann Versand:

D-1923/2011 — Bundesverwaltungsgericht 05.08.2011 D-1923/2011 — Swissrulings