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Bundesverwaltungsgericht 24.02.2012 D-162/2012

24. Februar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,483 Wörter·~7 min·1

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 7. Dezember 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­162/2012 Urteil   v om   2 4 .   Februar   2012 Besetzung Einzelrichter Fulvio Haefeli, mit Zustimmung von Richterin Jenny de Coulon Scuntaro;   Gerichtsschreiberin Karin Schnidrig. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, alias B._______, Geburtsdatum unbekannt, Indien, alias C._______, geboren (…), Sri Lanka, alias D._______, Geburtsdatum unbekannt, Staat unbekannt, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 7. Dezember 2011 / N _______.

D­162/2012 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass  der  Beschwerdeführer  –  ein  sri­lankischer  Staatsangehöriger  tamilischer Ethnie – seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 10.  Mai 2009 mit einem Fischerboot  in Richtung E._______ verliess und am 17. August 2009 via (…), F._______, G._______ und H._______ illegal in  die  Schweiz  einreiste,  wo  er  gleichentags  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum I._______ um Asyl nachsuchte, dass er anlässlich der Befragung zur Person vom 20. August 2009 und  der Anhörung zu den Asylgründen vom 25. August 2009 zur Begründung  seines Asylgesuchs  insbesondere  geltend machte,  er  stamme aus  dem  Jaffna­Distrikt, wo er auch geboren worden sei, dass  er  dort  bis  zum  Jahr  1990  mit  seiner  Familie  in  J._______,  K._______ gelebt habe, dass er sich anschliessend an diversen anderen Orten  im Jaffna­Distrikt  aufgehalten habe und im Jahr 2006 mit seinen Eltern und seinen beiden  Brüdern wieder nach J._______ zurückgekehrt sei, dass er Mitglied des Studentenflügels gewesen sei, als er von 2001 bis  2003  für  das  A­Level  und  von  2007  bis  Oktober  2008  am  (…)  studiert  habe,  wobei  er  an  verschiedenen  vom  Studentenflügel  organisierten  Demonstrationen und Protesten teilgenommen und während der Zeit am  (…) auch selber Kundgebungen organisiert habe, dass  er  im  Jahr  2001  von  Soldaten  festgenommen  und  dank  der  Intervention des Schulleiters am selben Tag wieder  freigelassen worden  sei, dass die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) im Jahr 2006 Mitglieder  des  Studentenflügels  trainiert  habe,  er  jedoch  kein  solches  Training  absolviert habe, dass  er  im  Oktober  2006  daheim  von  Soldaten  verhaftet  und  während  26 Tagen in deren Camp in K._______ festgehalten worden sei, dass in jener Zeit viele Personen festgenommen worden seien,

D­162/2012 dass man  ihn  verhaftet  habe, weil  viele Mitglieder  des Studentenflügels  bei  der  LTTE  ein  Training  absolviert  hätten  und  er  am  Heldentag  teilgenommen habe, dass  er  während  der  Gefangenschaft  auch  zu  diesen  Themen  befragt  worden sei, man ihn geschlagen habe, er indessen mithilfe eines Offiziers  nach 26 Tagen wieder freigekommen sei, dass  am  16.  Oktober  2008  Soldaten  zuhause  in  seiner  Abwesenheit  vorgesprochen und nach ihm gefragt hätten, dass viele Studenten des (…) erschossen worden seien, weshalb er sich  in der Folge aus Angst bis zur Ausreise in L._______ (Jaffna­Distrikt) bei  seinem Onkel versteckt habe, dass  danach  durchschnittlich  einmal  pro Monat Soldaten  zuhause  nach  ihm gefragt hätten, dass Soldaten seinen Bruder mitgenommen und sich bei diesem über ihn  erkundigt  hätten,  als  es  Ende  Januar  2009  in  M._______  zu  einer  Bombenexplosion gekommen sei, dass der Bruder gleichentags wieder freigelassen worden sei, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  7.  Dezember  2011  –  eröffnet  am 10.  Dezember  2011  –  feststellte,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  sein  Asylgesuch  vom  17.  August  2009  ablehnte  und  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Wegweisungsvollzug anordnete, dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  ausführte,  die  vom  Beschwerdeführer geschilderten Vorfälle aus den Jahren 2001 und 2006  hätten  im  Zeitpunkt  seiner  Ausreise  acht  beziehungsweise  zweieinhalb  Jahre  zurückgelegen,  weshalb  sowohl  ein  zeitlicher  als  auch  ein  sachlicher  Kausalzusammenhang  zwischen  diesen  Ereignissen  und  der  Ausreise klar zu verneinen seien, dass  der  Krieg  zwischen  der  sri­lankischen  Regierung  und  den  separatistischen  LTTE  im  Mai  2009  mit  deren  Niederlage  zu  Ende  gegangen sei,

D­162/2012 dass  sich  das  gesamte  Land  seither  wieder  unter  Regierungskontrolle  befinde  und  es  zu  keinen  terroristischen  Aktivitäten  der  LTTE  mehr  gekommen sei; diese Organisation gelte als zerschlagen, dass  der  Staat  viel  daran  setze,  ein  Wiedererstarken  der  LTTE  zu  verhindern  und  aktiv  nach  ehemaligen  Mitgliedern  der  oppositionellen  Organisation suche, dass sich die Sicherheits­ und Menschenrechtslage in weiten Teilen des  Landes  verbessert  habe  und  auch  die  Anzahl  von  Gewaltereignissen  erheblich zurückgegangen sei, dass in casu allein aus der Tatsache, wonach sich die Soldaten ab dem  16.  Oktober  2008  bis  im  Sommer  2009  fast  jeden  Monat  nach  dem  Beschwerdeführer  erkundigt  hätten,  angesichts  der  veränderten  politischen  Situation  in  Sri  Lanka  und  seines  apolitischen  Profils  nicht  davon  auszugehen  sei,  er  habe  heute  objektiv  begründete  Furcht  vor  zukünftiger asylrelevanter Verfolgung, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers somit den Anforderungen an  die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht  standhielten,  weshalb  sein  Asylgesuch  abzulehnen sei, dass der Vollzug der Wegweisung zulässig, zumutbar und möglich sei, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  9.  Januar  2012  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und beantragen liess, die angefochtene Verfügung sei wegen Verletzung  formellen Rechts aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an das  BFM zurückzuweisen, dass eventualiter die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache  zur  Feststellung  des  vollständigen  und  richtigen  rechtserheblichen  Sachverhalts und zur Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen sei, dass  eventualiter  die  angefochtene  Verfügung  aufzuheben,  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  festzustellen  und  ihm  in  der Schweiz Asyl zu gewähren sei,

D­162/2012 dass eventualiter die angefochtene Verfügung betreffend die Ziffern 4 und  5  aufzuheben  und  die  Unzulässigkeit  und  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs festzustellen sei, dass  eventualiter  das  BFM  im  Rahmen  des  Beschwerdeverfahrens  anzuweisen  sei,  sämtliche  Herkunftsländerinformationen,  auf  welche  es  seinen  Entscheid  stütze,  in  geeigneter  Weise  offenzulegen;  dem  Beschwerdeführer  sei  eine  angemessene  Frist  einzuräumen,  um  zu  diesen Informationen Stellung zu nehmen, dass vor Gutheissung der Verwaltungsbeschwerde dem unterzeichneten  Anwalt  eine  angemessene  Frist  zur  Einreichung  einer  detaillierten  Kostennote zur Bestimmung der Parteientschädigung anzusetzen sei, dass zur Untermauerung der Vorbringen die Beweismittel Nr. 3 – 28 (vgl.  Beschwerde S. 32 ff.) ins Recht gelegt wurden, dass auf die Beschwerdebegründung – soweit entscheidrelevant – in den  nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  eine  solche  Ausnahme  in  casu  nicht  vorliegt,  weshalb  das  Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

D­162/2012 dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und  Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),  dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  in  casu  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  das  Ersuchen  um  Mitteilung,  welcher  Bundesverwaltungsrichter  oder  welche  Bundesverwaltungsrichterin  und  welcher  Gerichtsschreiber  oder  welche  Gerichtsschreiberin  mit  der  Instruktion  im  vorliegenden  Verfahren  betraut  ist  und  welche  Richter  an  einem  Entscheid  weiter  mitwirken  werden,  unter  Hinweis  auf  das  dem  Rechtsvertreter  bereits  bekannte  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­7798/2010  E.  4  abzuweisen ist, dass der Beschwerdeführer seit seiner letzten Befragung (Anhörung vom  25.  August  2009)  keine  aktuellen  Ereignisse  zu  Handen  des  BFM  zu  vermelden  hatte,  weshalb  das  Bundesamt  zu  Recht  keine  weiteren  Abklärungen vornahm, dass  vor  diesem  Hintergrund  darauf  verzichtet  werden  kann,  den  Beschwerdeführer nochmals anzuhören beziehungsweise ihn zu weiteren  schriftlichen Eingaben aufzufordern, dass  die  Vorinstanz  weder  das  rechtliche  Gehör  beziehungsweise  ihre  Begründungspflicht  verletzt  noch  den  Sachverhalt  unvollständig  oder  unrichtig abgeklärt hat, dass  allgemein  zugängliche  Informationen  offensichtlich  nicht  der  Akteneinsicht  nach  Art.  26  Abs. 1  VwVG  unterliegen,  weshalb  die 

D­162/2012 Vorinstanz  die  in  casu  verwendeten  Herkunftsländerinformationen  zu  Recht nicht offenlegte, dass  das  Bundesamt  infolgedessen  auch  nicht  anzuweisen  ist,  diese  Informationen nachträglich offenzulegen, dass  es  sich  somit  erübrigt,  dem  Beschwerdeführer  zwecks  entsprechender Stellungnahme Frist anzusetzen, dass  die Begründung  der  vorinstanzlichen Verfügung  die Überlegungen  nennt, von denen sich die Behörde  leiten  liess und auf welche sie  ihren  Entscheid  stützte  (vgl.  LORENZ  KNEUBÜHLER,  in:  Christoph  Auer/ Markus  Müller/Benjamin  Schindler  [Hrsg.],  Kommentar  zum  Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], Zürich/St. Gallen  2008, Art.  35  N  6),  weshalb  in  casu  von  einer  Verletzung  der  Begründungspflicht keine Rede sein kann, dass  es  sich  nach  dem  Gesagten  erübrigt,  den  vorinstanzlichen  Entscheid  zu  kassieren  und  zu  neuem  Entscheid  ans  Bundesamt  zurückzuweisen oder weitere Beweise zu erheben, dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl  gewährt  (Art. 2 Abs. 1  AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die  in  ihrem Heimatstaat oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft  gemacht werden muss (Art. 7 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft gemacht ist, wenn die Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält, dass  der Bürgerkrieg  in Sri  Lanka nunmehr  seit  geraumer Zeit  beendet  ist,  weshalb  nach  der  Praxisänderung  der  Vorinstanz  nun  auch  das  Bundesverwaltungsgericht bei der Beurteilung der Lage in Sri Lanka den  tatsächlichen  Verhältnissen  Rechnung  trägt  (vgl.  den  nachstehend  angeführten Grundsatzentscheid),

D­162/2012 dass die Gewährung von Asyl in erster Linie dem präventiven Schutz vor  Verfolgung  und  nicht  der  Kompensation  für  allfällige  Verfolgung  in  der  Vergangenheit dient, dass  sich  der  in  der  angefochtenen  Verfügung  erwähnte  Vorfall  vom 4. April 2005 zwar offensichtlich nicht auf den Beschwerdeführer bezieht,  dieses Versehen  jedoch  –  entgegen  anderslautender  Auffassung  in  der  Rechtsmitteleingabe – keinen Kassationsgrund darstellt, dass  in  Übereinstimmung  mit  dem  BFM  ein  zeitlicher  und  sachlicher  Kausalzusammenhang  zwischen  den  geltend  gemachten  Vorfällen  aus  den Jahren 2001 und 2006 und der erst im Jahr 2009 erfolgten Ausreise  klarerweise zu verneinen ist, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  auch  die  weiteren  Erwägungen  in  der vorinstanzlichen Verfügung  im Wesentlichen als zutreffend erachtet,  weshalb  zur  Vermeidung  von  Wiederholungen  darauf  sowie  auf  die  Ausführungen  im  Grundsatzurteil  BVGE  E­6220/2006  vom  27.  Oktober  2011 verwiesen werden kann, dass  die  vom  Beschwerdeführer  geschilderten  Vorfälle  allesamt  bereits  mehrere  Jahre  zurückliegen,  weshalb  nicht  ersichtlich  ist,  inwiefern  er  deswegen  bei  einer  Rückkehr  staatliche  Verfolgungsmassnahmen  zu  befürchten haben sollte, umso weniger, als aufgrund der Beendigung des  militärischen  Konflikts  im  Mai  2009  heute  von  der  LTTE  keine  Gefahr  mehr ausgeht, dass  das  BFM  zu  Recht  zum  Schluss  gelangte,  der  Beschwerdeführer  erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, dass  gestützt  auf  die  Aktenlage  keine  hinreichenden  Anhaltspunkte  erkennbar  sind,  wonach  der  Beschwerdeführer  im  Heimatstaat  in  absehbarer  Zukunft  und  mit  erheblicher  Wahrscheinlichkeit  ernsthaften  Nachteilen  aus  flüchtlingsrechtlich  relevanten  Motiven  ausgesetzt  sein  könnte,  weshalb  vor  diesem  Hintergrund  die  Beschwerde  unbegründet  erscheint, dass  es  dem  Beschwerdeführer  somit  nicht  gelingt,  die  Flüchtlingseigenschaft  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen,  weshalb  das  Bundesamt  das  Asylgesuch  zu  Recht  abgelehnt  hat,

D­162/2012 dass  es  sich  bei  dieser  Sachlage  erübrigt,  auf  weitere  Vorbringen  und  Beweismittel  näher  einzugehen  oder  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  unter  dem  Gesichtspunkt  von  Art.  7  AsylG  zu  würdigen, dass  gleichermassen  darauf  verzichtet  werden  kann,  eine  Frist  zur  Einreichung zusätzlicher Beweismittel anzusetzen wie auch das Dossier D­3042/2011  beizuziehen,  weshalb  die  entsprechenden  Gesuche  abzuweisen sind, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK] 2001 Nr. 21), weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen steht und demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet  wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungsvollzugshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Peter Uebersax/Beat Rudin/Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser [Hrsg.],  Ausländerrecht, Handbücher für die Anwaltspraxis, Band VIII, 2. Auflage,  Basel 2009, S. 568 Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG),

D­162/2012 dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement in casu keine Anwendung findet, dass  darüber  hinaus  auch  keine  Anhaltspunkte  für  eine  menschenrechtswidrige  Behandlung  im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999 (BV, SR 101), von Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutz  der  Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) ersichtlich sind,  die dem Beschwerdeführer im Heimatstaat droht, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  aufgrund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass weder die allgemeine Lage im Heimatstaat des Beschwerdeführers  noch  individuelle  Gründe  auf  eine  konkrete  Gefährdung  im  Falle  einer  Rückkehr schliessen lassen, dass  gemäss  der  aktuellen  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  (vgl.  BVGE  E­6220/2006  vom  27.  Oktober  2011)  der  Wegweisungsvollzug  hinsichtlich  des  gesamten  Gebiets  der  Ostprovinz  und  auch  hinsichtlich  der  Nordprovinz,  dort  allerdings  mit  Ausnahme  des  Vanni­Gebiets  (geografisch  definiert  in  E.  13.2.2.1),  grundsätzlich zumutbar ist, wobei namentlich bei Personen, deren letzter  Aufenthalt  in  der  Nordprovinz  längere  Zeit  zurückliegt,  die  aktuellen 

D­162/2012 Lebens­  und  Wohnverhältnisse  sorgfältig  abzuklären  und  auf  die  Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs hin zu überprüfen sind, dass  in diesem Zusammenhang  für das Gericht namentlich die Existenz  eines tragfähigen Beziehungsnetzes und die konkreten Möglichkeiten der  Sicherung  des  Existenzminimums  sowie  der  Wohnsituation  als  begünstigende Faktoren erscheinen, dass  aufgrund  der  persönlichen Verhältnisse  des Beschwerdeführers  in  casu  vom Vorhandensein  solcher  begünstigender Faktoren auszugehen  ist, dass  es  sich  zunächst  um  einen  jungen,  gemäss  den  Akten  gesunden  Mann  handelt,  der  über  eine  mehrjährige  Schulbildung  und  gute  Englischkenntnisse  verfügt  (vgl.  Befragungsprotokoll  vom  20.  August  2009, A1 S. 3), dass in Anbetracht dieser Sachlage davon ausgegangen werden kann, es  werde  ihm  bei  einer  Rückkehr  in  seinem  Heimatland  gelingen,  eine  Arbeitsstelle zu finden, um sich eine neue Existenz aufzubauen, dass  er  auch  die  Möglichkeit  hat,  sich  bei  allfälligen  finanziellen  Problemen  an  seinen  Vater  zu  wenden,  zumal  dieser  ihn  bereits  unterstützt haben soll (vgl. a.a.O.), dass  unbesehen  des  in  der  Beschwerde  behaupteten,  jedoch  nicht  belegten Wegzugs seiner Brüder ein  tragfähiges Beziehungsnetz  (Eltern  und weitere Verwandte, vgl. A1 S. 4)  im Jaffna­Distrikt besteht, bei dem  der  Beschwerdeführer  Unterkunft  finden  wird  und  welches  ihm  bei  der  Wiedereingliederung behilflich sein kann, dass  angesichts  dieser  Umstände  nicht  zu  erwarten  ist,  der  Beschwerdeführer  gerate  bei  einer  Rückkehr  nach  Sri  Lanka  in  eine  existenzbedrohende  Situation,  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung –  übereinstimmend mit dem BFM – auch als zumutbar zu bezeichnen ist, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen  (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es  ihm obliegt, bei der Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG,  dazu  auch  BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515),

D­162/2012 dass  der  vom  Bundesamt  verfügte  Wegweisungsvollzug  demnach  zu  bestätigen  ist  und  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht fällt (Art. 83 Abs. 1­4 AuG), dass  es  dem  Beschwerdeführer  somit  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass mangels Obsiegens der Antrag auf Fristansetzung zur Einreichung  einer  detaillierten  Kostennote  zwecks  Bestimmung  der  Parteientschädigung abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.–  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­162/2012 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Fulvio Haefeli Karin Schnidrig Versand:

D-162/2012 — Bundesverwaltungsgericht 24.02.2012 D-162/2012 — Swissrulings