Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 08.02.2012 D-1562/2010

8. Februar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,293 Wörter·~11 min·2

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 8. Februar 2010

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­1562/2010 Urteil   v om   8 .   Februar   2012 Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz), Richter Walter Stöckli, Richter Yanick Felley;   Gerichtsschreiberin Kathrin Mangold Horni. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka,   vertreten durch lic. iur. Nicole Hohl, Advokatin,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 8. Februar 2010.

D­1562/2010 Sachverhalt: A.  A.a Der Beschwerdeführer  suchte  am  28. Mai  2008  im Empfangs­  und  Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ um Asyl nach. Dort wurde er am 5.  Juni 2008 zu seinen Personalien, zu seinem Reiseweg und – summarisch  – zu seinen Asylgründen befragt. Für den Aufenthalt während der Dauer  des  Asylverfahrens  wurde  er  dem  Kanton  C._______  zugewiesen.  Am  27.  August  2008  wurde  er  von  einer  Mitarbeiterin  des  BFM  in  Bern­ Wabern gestützt auf Art. 29 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998  (AsylG, SR 142.31) eingehend zu seinen Asylgründen angehört.  A.b  Anlässlich  der  Befragungen  machte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen geltend, er sei sri­lankischer Staatsangehöriger tamilischer  Ethnie  und  stamme aus D._______  (Distrikt  Jaffna, Nordprovinz). Nach  Ende seiner 12­jährigen Schulzeit habe er als Tagelöhner gearbeitet. Von 2002 bis 2005, während der Zeit des Friedensabkommens, habe er  die  "Liberation  Tigers  of  Tamil  Eelam"  (LTTE)  unterstützt.  Er  habe  an  verschiedenen  Anlässen  und  Demonstrationen  teilgenommen  und  an  tamilischen Feiertagen mitgeholfen, Strassen zu dekorieren und Bühnen  aufzubauen. Zudem habe er Waffen bei sich zu Hause versteckt, Essen  für LTTE­Kämpfer gekocht und deren Kleider gewaschen. Überdies habe  er den LTTE Informationen über Truppenbewegungen der sri­lankischen  Armee weitergegeben.  Ab Dezember 2005 habe er an keinen öffentlichen Veranstaltungen mehr  teilgenommen,  seine  Aktivitäten  als  Informant  der  LTTE  jedoch  fortgesetzt.  Nach  der  definitiven  Auflösung  des  Friedensabkommens  habe die sri­lankische Armee mit Racheaktionen begonnen. Im Juli 2006  sei  sein  Kollege  S.  erschossen  worden.  Ausserdem  hätten  Angehörige  des  sri­lankischen  Geheimdienstes  begonnen,  Dorfbewohnern  die  während  der  Zeit  des  Friedensabkommens  an  Demonstrationen  gemachten  Fotos  zu  zeigen.  Da  auf  einigen  der  Bilder  auch  er  –  der  Beschwerdeführer – zu sehen gewesen sei, hätten Soldaten in der Folge  auch  nach  ihm  gesucht.  Er  habe  sich  daher  entschlossen,  sein  Heimatland zu verlassen.  Zwecks  Ausstellung  eines  Reisepasses  sei  er  auf  dem  Landweg  nach  Colombo  gereist.  Nach  Erhalt  des  Passes  habe  er  diesen  einem  Schlepper  übergeben  und  sei  nach  D._______  zurückgekehrt,  um  auf  eine Ausreisemöglichkeit ins Ausland zu warten. Im Dezember 2006 habe 

D­1562/2010 er  dank  der  Bezahlung  von  Bestechungsgeldern  eine  amtliche  Reisegenehmigung  ("clearance")  erhalten,  worauf  er  am  30.  Dezember  2006 auf  dem Luftweg nach Colombo gereist  sei. Bereits  am 9.  Januar  2007 sei er anlässlich einer Razzia des Militärs und der Polizei  in seiner  Lodge  in  E._______/Colombo  festgenommen  und  in  ein  Gefängnis  im  Distrikt F._______ (Südprovinz) gebracht worden. In der Haft sei er vom  "Internationalen Komitee vom Roten Kreuz" (IKRK) besucht und registriert  worden. Dank der Bezahlung von Bestechungsgeldern durch seine Tante  an das "Criminal Investigation Department" (CID) sei er am 7. März 2007  freigelassen worden.  Nach  seiner  Freilassung  sei  er  –  wie  die  Behörden  von  ihm  verlangt  hätten  –  nach D._______  zurückgekehrt.  Am 25. März  2007,  fünf  Tage  nach  seiner  Rückkehr  in  den  Norden  des  Landes,  seien  Armeeangehörige  zu  ihm  nach  Hause  gekommen  und  hätten  ihn  aufgefordert,  sich  fortan  regelmässig  im  Camp  von  D._______  zu  melden.  Nachdem  er  rund  einen  Monat  lang  dieser  Meldepflicht  nachgekommen  sei,  habe  er  D._______  verlassen  und  sich  bei  Bekannten  im  Nachbardorf  G._______  versteckt  gehalten.  Obwohl  Sicherheitsbeamte  fünfzig­  bis  hundertmal  bei  seinen  Bekannten  nach  ihm  gesucht  hätten,  habe  er  sich  einer  erneuten  Festnahme  stets  entziehen können. Während seines Aufenthalts in G._______ seien auch  Angehörige der LTTE in sein Elternhaus nach D._______ gekommen und  hätten  ihn  zu  seinen  in  der Gefangenschaft  gemachten  Aussagen  über  LTTE­Mitglieder befragen wollen.  Am  15.  Mai  2008  sei  er  mittels  einer  weiteren  durch  Bestechungsgeld  erlangten "clearance" in Begleitung seiner Tante nach Colombo geflogen,  von wo  aus  er  am 23. Mai  2008  auf  dem Luftweg  via Katar  nach Rom  gereist  sei.  Am  27.  Mai  2008  sei  er  von  Italien  her  in  einem  Personenwagen  unter  Umgehung  der  Grenzkontrolle  in  die  Schweiz  gefahren worden. Wie er nach seiner Einreise  in die Schweiz anlässlich  eines  Telefongesprächs  mit  seiner  Familie  erfahren  habe,  müsse  sich  nun sein Vater an seiner Stelle regelmässig zur Unterschrift im Camp von  D._______ melden. Für  den  weiteren  Inhalt  der  Aussagen  wird  auf  die  Protokolle  bei  den  Akten verwiesen.  A.c  Im  Verlaufe  des  vorinstanzlichen  Verfahrens  gab  der  Beschwerdeführer  seine  Geburtsurkunde  samt  englischer  Übersetzung, 

D­1562/2010 eine Bestätigung  des  IKRK  und  ein Schulzeugnis  im Original  sowie  ein  Dokument  des  Verkehrsamtes  in  Kopie  zu  den  Akten.  Seine  Identitätskarte  und  den  (gefälschten)  Pass,  mit  dem  er  Sri  Lanka  verlassen habe, habe er dem Schlepper abgeben müssen.  B.  Mit  Verfügung  vom  8.  Februar  2010  –  eröffnet  am  10.  Februar  2010 –  lehnte das BFM das Asylgesuch mit der Begründung ab, die Vorbringen  des  Beschwerdeführers  hielten  weder  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  noch  denjenigen  an  die Asylrelevanz  stand. Gleichzeitig  ordnete es die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz an  und stellte fest, der Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar und  möglich.  Insbesondere  könne  der  aus  dem  Norden  Sri  Lankas  stammende  Beschwerdeführer  gestützt  auf  die  mit  seiner  Staatsangehörigkeit verbundene Niederlassungsfreiheit in einem anderen  Teil  seines  Heimatlandes  –  beispielsweise  im Grossraum Colombo,  wo  von  der  Vertrautheit  und  Verbundenheit  mit  den  dortigen  Verhältnissen  sowie  von  einem  sozialen  Beziehungsnetz  auszugehen  sei  – Wohnsitz  nehmen. C.  Der Beschwerdeführer  beantragte  durch  seine Rechtsvertreterin mit  auf  den  11.  März  2009  datierter  Eingabe  (Poststempel:  12.  März  2010) –  unter Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung vom 8. Februar 2010 –  die Gewährung  des Asyls,  eventualiter  die Rückweisung  der Sache  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz.  Subeventualiter  sei  die  angeordnete  Wegweisung aufzuheben, und er sei in der Folge in der Schweiz vorläufig  aufzunehmen.  In  prozessrechtlicher  Hinsicht  sei  ihm  die  unentgeltliche  Prozessführung  inklusive  die  unentgeltliche  Rechtsverbeiständung  zu  bewilligen  und  es  sei  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten. Schliesslich sei die zuständige kantonale Behörde "umgehend  anzuweisen,  von  jeglichen  Wegweisungs­  und  Vollzugsmassnahmen  abzusehen",  und  dem  Beschwerdeführer  sei  Gelegenheit  einzuräumen,  sich zu allfälligen Stellungnahmen der Vorinstanz zu äussern. Zur Untermauerung der Anträge – auf deren Begründung, soweit für den  Entscheid  wesentlich,  in  den  nachfolgenden  Erwägungen  eingegangen  wird – gab der Beschwerdeführer eine sri­lankische  Identitätskarte, eine  am  25.  Juli  2008  ausgestellte  Bestätigung  der  "H._______"  sowie  je  einen  Bericht  der  "Schweizerischen  Flüchtlingshilfe"  (SFH)  und  des 

D­1562/2010 "United  Nations  High  Commissioner  for  Refugees"  (UNHCR)  zu  den  Akten.  D.  Mit  Zwischenverfügung  vom  19.  März  2010  teilte  das  Bundesverwaltungsgericht  der Rechtsvertreterin  des Beschwerdeführers  vorab mit,  ihr Mandant könne den Ausgang des Verfahrens gestützt auf  Art. 42 AsylG in der Schweiz abwarten. Sodann wurden die Gesuche um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  inklusive  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  (Art. 65  Abs.  1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR  172.021])  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  (Art.  63  Abs.  4  VwVG)  mit  der  Begründung  abgelehnt,  die  angeblich  bestehende  Bedürftigkeit  werde  durch keine entsprechende Bestätigung belegt, überdies fehle es an der  Komplexität  der  in  Frage  stehenden  Materie,  so  dass  die  sachliche  Notwendigkeit  einer  anwaltlichen  Vertretung  nicht  gegeben  sei.  Gleichzeitig  wurde  der  Beschwerdeführer  aufgefordert,  bis  zum  6.  April  2010  eine  Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung  einzureichen  oder  einen  Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.— zu bezahlen, andernfalls auf  die Beschwerde nicht eingetreten werde. Der Kostenvorschuss wurde fristgerecht am 29. März 2010 bezahlt.  E.  Am   7.  Oktober  2010  (Poststempel:  8.  Oktober  2010)  reichte  der  Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin  je eine Bestätigung der  Gemeinde  I._______  vom  24.  Februar  2010  und  des  "J._______  Hospital"  in D._______  vom 24. März  2010  im Original  sowie  drei  dem  Internet entnommene Artikel betreffend Vorfälle in der Nordprovinz ein. F.  Das BFM beantragte mit Vernehmlassung  vom 29. November  2011 die  Abweisung  der  Beschwerde,  da  diese  keinen  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel  enthalte,  welche  eine  Änderung  seines  Standpunktes  rechtfertigen  könnten.  In  Bezug  auf  die  Frage  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  wurde  auf  ein  zur  Publikation  vorgesehenes  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  27.  Oktober  2011  hingewiesen  und  gleichzeitig  festgestellt,  die  zusammen  mit  der 

D­1562/2010 Beschwerdeschrift   eingereichten  Berichte  der  SFH  und  des  UNHCR  entsprächen nicht der aktuellen Situation in Sri Lanka.  Die Vernehmlassung wurde der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers  am 2. Dezember 2011 zur Kenntnisnahme zugestellt.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 VwV. Das BFM gehört zu den Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  im  Bereich  des  Asylrechts  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  eines  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 AsylG  i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.3.  Indem es die Vernehmlassung der Vorinstanz der Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers  am  2.  Dezember  2011  ohne  Ansetzung  einer  Frist  zur  Stellungnahme  zustellte,  wies  das  Bundesverwaltungsgericht  das  in  der  Rechtsmitteleingabe  (vgl.  S.  11)  enthaltene  Begehren  um  Gewährung  des  Replikrechts  (gehörige  Äusserung  zu  allfälligen  Stellungnahmen der Vorinstanz) sinngemäss ab.  2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

D­1562/2010 3.  3.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen  (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7  AsylG). 4.  4.1.  Das  BFM  stellte  in  seiner  angefochtenen  Verfügung  fest,  die  Vorbringen des Beschwerdeführers hielten in verschiedener Hinsicht den  Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht stand.  4.1.1. Wie  die  Vorinstanz  zutreffend  bemerkte,  sind  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers zu seinen Aktivitäten für die LTTE zwischen 2002 und  2005  sowie  zu  der  aufgrund  dieser  Aktivitäten  durch  die  sri­lankische  Armee  Mitte  des  Jahres  2006  gegen  ihn  eingeleiteten  Fahndung  stereotyp und unsubstanziiert ausgefallen. So  erscheint  es  zwar  durchaus  denkbar,  dass  der  Beschwerdeführer –  wie  zahlreiche  andere  Tamilen  auch  –  während  der  Zeit  des  Friedensabkommens den LTTE geholfen hat, Strassen zu dekorieren und  Bühnen aufzustellen. Indessen ergeben sich aus dem Umstand, dass der  Beschwerdeführer  auch  auf  entsprechende  Nachfrage  hin  nicht  in  der  Lage  war,  genauer  anzugeben,  wie  er  zu  Informationen  über  Truppenbewegungen  der  sri­lankischen  Armee  gekommen  sei  und  an  wen er diese Informationen weitergeleitet habe (vgl. Vorakten A10 S. 10­

D­1562/2010 12), und er im Weiteren – ebenfalls trotz wiederholter Nachfrage – keine  Angaben dazu machen konnte, wann und bei welchen Anlässen er  von  der sri­lankischen Armee  fotografiert worden sei oder wie die gegen  ihn  gerichteten  Suchanstrengungen  abgelaufen  seien  (vgl.  A10  S.  10  f.),  bereits  gewichtige  Zweifel  an  der  Glaubhaftigkeit  der  entsprechenden  Vorbringen. 4.1.2.    Die  Zweifel  an  der  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  werden  dadurch  erhärtet,  dass  diese  im  verschiedenen  Punkten  auch  der  allgemeinen  Erfahrung  und  der  Logik  des Handelns widersprechen.  Vorab  ist  festzuhalten, dass die  vom Beschwerdeführer behauptete und  durch eine entsprechende Bestätigung des IKRK belegte Inhaftierung im  "K._______"  im  Distrikt  F._______  auch  vom  BFM  nicht  in  Zweifel  gezogen  wird.  Ständige  Kontrollen  und  Razzien  sowie  willkürliche  Festnahmen  und  Inhaftierungen  von  Angehörigen  der  tamilischen  Bevölkerungsgruppe waren nach Wiederaufflammen des Bürgerkriegs im  Jahre  2006  insbesondere  auch  im  Grossraum  Colombo  sehr  verbreitet  und  lassen  noch  nicht  auf  politische  Aktivitäten  der  Kontrollierten  und  Festgenommenen oder auf ein besonderes Verfolgungsinteresse der sri­ lankischen Behörden an jenen schliessen. Die  Behauptung  des  Beschwerdeführers,  von  den  sri­lankischen  Sicherheitskräften  in  Colombo  aufgrund  von  "Auskünften",  dass  er  ein  "Tiger"  sei  (vgl.  A10  S.  16  f.),  aktiv  gesucht  und  dann  festgenommen  worden zu sein, kann nicht geglaubt werden. Wäre der Beschwerdeführer  tatsächlich  seit Mitte des Jahres 2006 vom sri­lankischen Geheimdienst  CID  auch  mit  seinem  Foto  (vgl.  A1  S.  5  und  A10  S.  10  f.)  wegen  mutmasslicher Verbindungen zu den LTTE gesucht worden, so wäre es  ihm  – wie  in  der  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  bemerkt  wurde –  nicht  gelungen,  über  den  streng  bewachten  Flughafen  von  Jaffna  nach  Colombo zu  reisen. Entgegen der  in der Rechtsmitteleingabe  (vgl. S. 6)  vertretenen  Auffassung  hätte  daran  der  Besitz  einer  (erkauften)  "clearance"  nichts  geändert,  zumal  der  Beschwerdeführer  für  die  Reise  nach Colombo auch seine (echte) Identitätskarte auf sich getragen hat. Sodann  kann  auch  der  Auffassung  der  Vorinstanz  gefolgt  werden,  der  Beschwerdeführer wäre – hätten ihn die Sicherheitsbehörden tatsächlich  für  einen  LTTE­Aktivisten  gehalten,  der  ihnen  wichtige  Informationen  geliefert und den Namen eines wichtigen LTTE­Kämpfers genannt habe – 

D­1562/2010 auch mit der Bezahlung von Bestechungsgeldern durch eine Tante nicht  nach  wenigen  Wochen  –  und  lediglich  mit  der  Auflage,  in  seinen  Heimatort  D._______  zurückzukehren  –  wieder  aus  der  Haft  entlassen  worden.  Im Übrigen  fällt  auf,  dass  der Beschwerdeführer  anlässlich  der  Anhörungen  nur  sehr  unsubstanziierte  Angaben  zu  den  Umständen  seiner  Freilassung  machen  und  insbesondere  nicht  nachvollziehbar  erklären konnte, wie seine Tante den Ort seiner Inhaftierung erfahren und  wo beziehungsweise wem sie die Bestechungsgelder bezahlt habe  (vgl.  A10 S.  19).  In Bezug auf  das eingereichte Schreiben des  IKRK vom 8.  März 2007 ist im Übrigen festzuhalten, dass dieses offenbar nachträglich  auf  Wunsch  des  Beschwerdeführers  im  Hauptbüro  in  Colombo  ausgestellt worden ist (vgl. A10 S. 19) und lediglich bestätigt, dass jener  eine  gewisse  Zeit  im  "K._______"  inhaftiert  und  dabei  von  IKRK­ Mitarbeitern besucht worden war. Schliesslich  sind  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  hinsichtlich  der  Ereignisse  nach  der  angeblichen  Rückkehr  nach  D._______  im  März  2007 als realitätsfremd zu qualifizieren. So ist es zwar denkbar, dass der  Beschwerdeführer  nach  der  Ankunft  in  seinem  Heimatort  einer  Meldepflicht unterstellt worden ist. Der Beschwerdeführer vermag jedoch  – wie das BFM zutreffend bemerkte  –  keine nachvollziehbare Erklärung  zu  seiner  Entscheidung,  sich  nach  einigen  Wochen  nicht  mehr  im  Armeecamp zu melden, abzugeben (vgl. A10 S. 20 f.), und es erscheint  auch  nicht  glaubhaft,  dass  die  Sicherheitskräfte  den  Beschwerdeführer  zwar in der Grossstadt Colombo sofort gefunden hätten, ihn in G.______,  einem  kleinen  Nachbardorf  von  D._______,  jedoch  trotz  unzähliger  Versuche  nie  hätten  festnehmen  können.  Angesichts  der  bereits  erwähnten  strengen  Kontrollen  auf  den  Flughäfen  erscheint  die  Behauptung des Beschwerdeführers, am 15. Mai 2008 erneut von Jaffna  aus  auf  dem  Luftweg  nach  Colombo  und  anschliessend  weiter  nach  Europa gereist zu sein und dabei stets auch seine eigene Identitätskarte  (die er – wie auch den ihm nicht zustehenden Reisepass – erst in Italien  seinem Schlepper habe aushändigen müssen [vgl. A10 S. 3 f.]) auf sich  getragen zu haben, vollends unglaubhaft.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       4.1.3.  Indem  in  der  Beschwerdeschrift  im  Wesentlichen  auf  die  allgemeine Situation der Angehörigen der tamilischen Volksgruppe in Sri  Lanka  hingewiesen  und  –  unter  Hinweis  auf  eine  entsprechende  Bemerkung  des  an  der  Bundesanhörung  anwesenden  Hilfswerksvertreters  (vgl.  A10  S.  25)  –  am  Wahrheitsgehalt  des  vom  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Befragungen  geschilderten 

D­1562/2010 Sachverhaltes festgehalten wird, lassen sich die vorstehend festgestellten  Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen nicht beseitigen. Dasselbe gilt  für die auf Beschwerdeebene eingereichten, angeblich von  der  Mutter  des  Beschwerdeführers  auf  nicht  bekanntem  Weg  in  die  Schweiz  geschickten  Dokumente.  Nebst  fünf  Berichten  betreffend  die  allgemeine  Lage  und  betreffend  einzelne  Vorfälle  in  Sri  Lanka  wurden  eine  sri­lankische  Identitätskarte,  eine  Bestätigung  des  "J._______  Hospital"  in  D.________  sowie  je  ein  Schreiben  der  "H.________"  und  der  Gemeinde  I._______  zu  den  Akten  gegeben.  Die  Identität  des  Beschwerdeführer wurde indessen auch vom BFM nicht in Frage gestellt,  und die  fünf Berichte  (je  ein Positionspapier  des SFH und des UNHCR  sowie drei dem Internet entnommene Artikel von "Lankasri News") stehen  inhaltlich  in  keinem  direkten  Zusammenhang  mit  den  Vorbringen  des  Beschwerdeführers. Das "J._______ Hospital" hält sodann  lediglich  fest,  der  Beschwerdeführer  sei  am  25.  März  2007  wegen  Bauchschmerzen  behandelt  worden.  Die  Gemeinde  I._______  bestätigt  ferner,  M.  T.  sei  eine Einwohnerin von D.________ und habe angegeben,  ihr Sohn – der  Beschwerdeführer  –  habe  das  Land wegen  der  unsicheren  Lage  am 9.  Juli  2006  verlassen  und  lebe  jetzt  in  der  Schweiz,  welche  Aussage  indessen in klarem Widerspruch zu den Angaben des Beschwerdeführers  steht, D._______ letztmals am 15. Mai 2008 verlassen zu haben und am  23. Mai  2008  von Colombo aus  in Richtung Europa  gereist  zu  sein.  Im  Schreiben der "H._______" wird schliesslich in sehr unbestimmter Art und  Weise bemerkt, der Beschwerdeführer habe sein Land verlassen, weil er  unter  dem  Verdacht  der  LTTE­Unterstützung  wiederholt  gesucht  und  auch festgenommen worden sei.  4.2.  Im  Weiteren  vermögen  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  ­  ungeachtet  der  Frage  ihrer  Glaubhaftigkeit  –  teilweise  auch  den  Anforderungen an die Asylrelevanz nicht zu genügen.  4.2.1.  So  ist  die  zwei  Monate  dauernde  Inhaftierung  in  F._______  anfangs  des  Jahres  2007  angesichts  der  damals  in  Sri  Lanka  herrschenden  Bürgerkriegssituation  als  Teil  legitimer  Untersuchungsmassnahmen  zu  werten,  zumal  sich  die  in  diesem  Zusammenhang vorgebrachten Verfolgungsmassnahmen – wie das BFM  zu  Recht  bemerkte  –  als  zu  wenig  intensiv  darstellen,  als  dass  ihnen  Verfolgungscharakter im Sinne des Asylgesetzes zukommen könnte.

D­1562/2010 4.2.2.  In Bezug auf die  in der direkten Bundesanhörung  (vgl. A10 S. 10  Mitte) erwähnten Nachstellungen durch die LTTE ist darauf hinzuweisen,  dass der Krieg zwischen der sri­lankischen Regierung und den LTTE im  Mai 2009 zu Ende gegangen ist; die LTTE wurden zerschlagen und das  ganze  Land  befindet  sich wieder  unter  Regierungskontrolle.  Seither  hat  sich die Sicherheitslage in Sri Lanka deutlich stabilisiert; insbesondere ist  es  zu  keinen  terroristischen  Aktivitäten  der  LTTE  oder  ihnen  nahe  stehenden Gruppierungen mehr gekommen.  Trotz dieser Verbesserung der allgemeinen Lage sind gewisse Personen  auch  nach  Kriegsende  noch  einer  erhöhten  Verfolgungsgefahr  ausgesetzt. Dies betrifft insbesondere Personen, die enger Verbindungen  zu  den  LTTE  verdächtigt  werden,  politische  Dissidenten  und  Oppositionspolitiker,  kritisch  auftretende  Journalisten  und  Medienschaffende  oder Personen,  die  als Opfer  oder  Zeugen  schwerer  Menschenrechtsverstösse entsprechende juristische Schritte einleiteten. Wie  oben  (vgl.  E.4.1.  vorstehend)  aufgezeigt  wurde,  vermochte  der  Beschwerdeführer  jedoch nicht  glaubhaft  zu machen,  dass er  die  LTTE  mit Informationen über Truppenverschiebungen der sri­lankischen Armee  versorgt  hatte  oder  aus  anderen Gründen  den  sri­lankischen  Behörden  als massgeblicher LTTE­Aktivist aufgefallen wäre. An dieser Feststellung  vermag  auch  die  nunmehr  fünf  Jahre  zurückliegende  Inhaftierung  in  F._______ nichts zu ändern. Es bestehen daher – entgegen der in der in  der  Rechtsmitteleingabe  (vgl.  S.  8)  vertretenen  Ansicht  –  keine  Anhaltspunkte  dafür,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Falle  seiner  Rückkehr  nach  Sri  Lanka  im  jetzigen  Zeitpunkt  eine  begründete  Furcht  vor asylbeachtlicher Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG hat.  4.3.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  weder  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  noch  denjenigen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  standhalten.  Es  kann  darauf verzichtet werden, auf die übrigen Erwägungen der Vorinstanz und  auf  die  weiteren  Darlegungen  in  der  Beschwerdeschrift  näher  einzugehen. Das Asylgesuch wurde vom Bundesamt nach dem Gesagten  zu Recht abgewiesen.  Nachdem der  entscheidwesentliche Sachverhalt  ausreichend  erstellt  ist,  besteht  keine Veranlassung,  den Beschwerdeführer  "unter Beizug  einer  psychiatrisch  geschulten  Fachperson"  erneut  zu  befragen  (vgl.  Beschwerde  S.  8  f.)  oder  gar  die  Sache  zur  Neubeurteilung  an  die 

D­1562/2010 Vorinstanz  zurückzuweisen.  Die  entsprechen  Begehren  sind  daher  abzuweisen.  5.  Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so  verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den  Vollzug an (Art. 441 Abs. 1 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch auf Erteilung einer  solchen. Die Wegweisung wurde daher  zu  Recht  angeordnet  (vgl.  BVGE  2008/34  E.9.2  S.  510  sowie  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 6.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht  möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs.  2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). 6.1. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den Heimat­, Herkunfts­ oder  in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83  Abs. 3 AuG).  6.1.1. So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).  Dieses flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot schützt nur Personen,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  respektive  Art. 1A FK erfüllen.  Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  das  in  Art. 5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Rückschiebungsverbots  vorliegend  nicht  zur  Anwendung  gelangen.  Der 

D­1562/2010 Vollzug der Wegweisung nach Sri Lanka  ist demnach unter dem Aspekt  von Art. 5 AsylG rechtmässig.  6.1.2. Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  in  einen  Staat  ausgeschafft  werden,  in  dem  ihm  Folter  oder  eine  andere  Art  unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung droht.  Weder  aus  den Aussagen  des Beschwerdeführers  noch  aus  den Akten  ergeben  sich  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofs  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­ Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefährdung ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im  Falle  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen würde  (vgl. EGMR  [Grosse Kammer], Saadi gegen  Italien, Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124­127,  mit  weiteren Hinweisen).  Dies  ist  vorliegend  nicht  der  Fall.  Es  besteht  kein  konkreter Anlass  zur Annahme, dem Beschwerdeführer würde bei einer  Rückkehr  in  sein  Heimatland  eine  menschenrechtswidrige  Behandlung  drohen,  zumal  es  ihm  –  wie  oben  unter  Ziff.  4  der  Erwägungen  festgehalten  wurde  –  nicht  gelungen  ist,  die  Zweifel  an  der  Glaubhaftigkeit seiner Verfolgungssituation zu beseitigen. 6.1.3. Der Vollzug der Wegweisung  ist damit  sowohl  im Sinne der asyl­  als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.  6.2. Gemäss Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  der Wegweisung  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind,  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren  (vgl. BVGE  2009/51  E. 5.5  S. 748,  BVGE  2009/41  E. 7.1  S. 576  f.;  Botschaft  zum 

D­1562/2010 Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8. März  2002, BBl 2002 3818).  6.2.1. Das  Bundesverwaltungsgericht  nahm  im Urteil  BVGE  2008/2  zur  Frage  der  Zumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  nach Sri  Lanka  eine  Lageanalyse  vor.  Gemäss  der  damals  festgelegten  Praxis  war  bei  abgewiesenen  Asylsuchenden  tamilischer  Ethnie,  die  aus  dem  Grossraum  Colombo  oder  dessen  Umgebung  stammen,  grundsätzlich  von  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  in  diese  Gebiete  auszugehen  (vgl.  BVGE  2008/2  E. 7.6.1  S. 20).  In  die  Nord­  und  Ostprovinzen  war  der  Wegweisungsvollzug  hingegen  unzumutbar  (vgl.  BVGE 2008/2 E. 7.6.2 S. 21).  6.2.2. Im zur Publikation bestimmten Urteil E­6220/2006 vom 27. Oktober  2011 hat das Bundesverwaltungsgericht angesichts der veränderten Lage  nach  dem  Ende  des  sri­lankischen  Bürgerkriegs  im  Mai  2009  eine  erneute  Beurteilung  vorgenommen.  In  Bezug  auf  die  Frage  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  ist  es  dabei  zur  Einschätzung  gelangt, dass der Wegweisungsvollzug in das sogenannte "Vanni­Gebiet"  weiterhin  unzumutbar  ist.  Für  Personen,  die  aus  dem  übrigen  Staatsgebiet  stammen  und  dorthin  zurückkehren,  ist  der  Wegweisungsvollzug  hingegen  grundsätzlich  zumutbar  (vgl.  Urteil  E­ 6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E 13.2.2.3. und 13.3.). 6.2.3.  Der  Beschwerdeführer  stammt  aus  dem  Distrikt  Jaffna  in  der  Nordprovinz, wohin der Wegweisungsvollzug gemäss den Ausführungen  in Ziff. 6.2.2. der Erwägungen grundsätzlich zumutbar ist. Er ist noch jung  und alleinstehend und verfügt über eine zwölfjährige Schulbildung (zuletzt  am  L._______  College).  Auch  wenn  er  seinen  Lebensunterhalt  danach  als Tagelöhner bestreiten musste, so besitzt er dadurch sowie auch mit  der mittlerweile  fast dreijährigen Berufserfahrung  im Gastgewerbe  in der  Schweiz gute Voraussetzungen, um im Heimatland wieder beruflich Fuss  zu  fassen.  Des Weiteren  hat  er mit  seinen  nach  wie  vor  in  D._______  wohnhaften nächsten Angehörigen  (Eltern und Schwester;  vgl. A1 S. 3)  sowie  mit  verschiedenen  Verwandten  und  Bekannten  in  der  Region  Colombo  (vgl.  A1  S. 6  und  A10  S.  6)  ein  gutes  Beziehungsnetz  im  Heimatstaat.  Sodann  ergeben  sich  aus  den  Akten  auch  keine  Anhaltspunkte,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  aus  medizinischen  Gründen  nicht  zumutbar  sein  könnte.  In  der  eingereichten  Bestätigung  des "J._______ Hospital" in D._______ vom 24. März 2010 wird lediglich  festgehalten,  der  Beschwerdeführer  sei  am  25.  März  2007  wegen 

D­1562/2010 Bauchschmerzen  behandelt  worden,  ohne  aber  irgendwelche  Hinweise  auf aktuell bestehende Probleme zu geben.  Angesichts  dieser  Umstände  ist  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in seine Heimat nicht in eine seine  Existenz bedrohende Situation geraten wird.  6.2.4. Nach dem Gesagten kann der Vollzug der Wegweisung – entgegen  der  in  der  Rechtsmitteleingabe  vertretenen  Auffassung  –  in  genereller  und individueller Hinsicht als zumutbar bezeichnet werden.   6.3. Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, bei der Beschaffung  allenfalls  benötigter  Reisepapiere mitzuwirken  (Art. 8  Abs. 4  AsylG;  vgl.  dazu  auch  BVGE  2008/34  E. 12  S. 513  f.),  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).  6.4.  Der  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Wegweisungsvollzug  ist  zu  bestätigen.  Eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  des  Beschwerdeführers fällt damit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1­4 AuG).  7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist somit abzuweisen.  8.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  dessen  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  und  5  VwVG).  Sie  sind  auf  Fr. 600.–  festzusetzen  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  und mit  dem  am  29.  März 2010 in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen.  (Dispositiv nächste Seite)

D­1562/2010 . Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.—  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie  sind  durch  den  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss gedeckt und werden mit diesem verrechnet. 3. Dieses Urteil  geht an die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers, das  BFM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Martin Zoller Kathrin Mangold Horni Versand:

D-1562/2010 — Bundesverwaltungsgericht 08.02.2012 D-1562/2010 — Swissrulings