Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 29.12.2011 D-1321/2008

29. Dezember 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,738 Wörter·~19 min·2

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 30. Januar 2008

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­1321/2008 law/mah Urteil   v om   2 9 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter Kurt Gysi,  Richterin Contessina Theis, Gerichtsschreiberin Sarah Mathys. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, und ihr Sohn B._______, geboren am (…), beide vertreten durch lic. iur. Daniel Habte,  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 30. Januar 2008 / N (…).

D­1321/2008 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdeführerin,  eine  nach  eigenen  Angaben  in  Addis  Abeba  geborene  Staatsangehörige  Eritreas,  reiste  am  17. Oktober  2003  von  Johannesburg  herkommend  mit  einem  gefälschten  Reisepass  in  die  Schweiz  ein  und  stellte  gleichentags  am  Flughafen  Zürich­Kloten  ein  Asylgesuch. B.  Mit Verfügung vom 17. Oktober 2003 verweigerte das damals zuständige  Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF,  heute  BFM)  der  Beschwerdeführerin  vorläufig  die  Einreise  in  die  Schweiz  und  wies  ihr  für  die  Dauer  des  Asylverfahrens  bis  maximal  31. Oktober  2003  den  Transitbereich  des  Flughafens Zürich­Kloten als Aufenthaltsort zu. C.  Am  26. Oktober  2003  erhob  das  BFF  im  Flughafen  Zürich­Kloten  die  Personalien  der  Beschwerdeführerin  und  befragte  sie  summarisch  zum  Reiseweg und zu den Gründen für das Verlassen des Herkunftslandes. D.  Am  27. Oktober  2003  bewilligte  das  BFF  der  Beschwerdeführerin  die  Einreise in die Schweiz zur Prüfung ihres Asylgesuchs. E.  Am  31. Oktober  2003  erhob  das  BFF  an  der  Empfangsstelle  (heute  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  [EVZ])  Kreuzlingen  nochmals  die  Personalien  und  befragte  die  Beschwerdeführerin  summarisch  zum  Reiseweg und zu den Gründen  für  das Verlassen des Herkunftslandes.  Am  4. März  2004  hörte  sie  das  kantonale  (…)  einlässlich  zu  den  Asylgründen an. Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte sie im Wesentlichen geltend,  ihre Mutter sei gestorben, als sie noch ein Kind gewesen sei.  Im Herbst  1999 seien ihr Vater,  ihre Schwester und eine Tante väterlicherseits von  Äthiopien  nach  Eritrea  deportiert  worden,  weil  die  Familie  ihres  Vaters  eritreischer Herkunft sei. Sie sei einige Tage danach festgenommen und  für  drei  Monate  inhaftiert  worden.  Bei  den  Befragungen  sei  sie  der  Kollaboration  mit  Eritrea  beschuldigt,  geschlagen  und  drei  Mal  vergewaltigt  worden.  Mit  Hilfe  ihres  Onkels  sei  sie  freigekommen  und  habe fortan bei ihm gelebt. Von 2000 bis 2001 habe sie in einem Kaffee 

D­1321/2008 als  Kassiererin  gearbeitet.  Sie  sei  immer  wieder  vorgeladen  worden,  weshalb sie am 15. Oktober 2003 Äthiopien verlassen habe. F.  Am  14. Februar  2005  wurde  die  Beschwerdeführerin  vom  BFM  ergänzend zu ihren Asylgründen von einem Frauenteam angehört. G.  Mit  Verfügung  vom  17. Februar  2005  stellte  das  BFM  fest,  die  Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte ihr  Asylgesuch  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung  der  Beschwerdeführerin  aus  der  Schweiz  und  ordnete  den  Vollzug  der  Wegweisung an. H.  Auf die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 8. März 2005  trat die damals zuständige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK)  wegen  Nichtbezahlens  des  Kostenvorschusses  mit  Urteil  vom  26. April  2005 nicht ein. Das Bundesamt setzte der Beschwerdeführerin daraufhin  eine neue Frist bis zum 27. Juni 2005 zum Verlassen der Schweiz an. I.  Mit  Eingabe  ihres  Rechtsvertreters  vom  27. Dezember  2006  liess  die  Beschwerdeführerin beim BFM für sich und  ihren  inzwischen geborenen  Sohn  ein  zweites  Asylgesuch  einreichen  und  beantragen,  es  sei  widererwägungsweise  festzustellen,  dass  sie  die  Flüchtlingseigenschaft  erfülle,  und  es  sei  ihr  Asyl  zu  gewähren,  eventualiter  sei  wiedererwägungsweise  die  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und  Unmöglichkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung  festzustellen  und  ihr  als  Folge davon von Amtes wegen die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  liess  sie  zudem  beantragen,  es  sei  dem  vorliegenden  Gesuch  die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen  und  der  Vollzug  der  Wegweisung  und  die  Durchführung  von  Vorbereitungshandlungen  seien  im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  zu  sistieren,  bis  über  die  aufschiebende  Wirkung  dieses  vorliegenden Gesuches entschieden sei. Zur  Begründung  wurde  im  Wesentlichen  geltend  gemacht,  eritreische  Staatsbürger, welche sich länger im Ausland aufgehalten hätten, würden  unter  den Generalverdacht  gestellt,  sie  hätten  sich  subversiv  gegen die  jetzige  Regierung  betätigt.  Die  Beschwerdeführerin  sei  seit  Erlass  der 

D­1321/2008 ersten Verfügung  inzwischen noch  länger aus Eritrea abwesend. Als sie  Äthiopien kurz vor einer Deportation nach Eritrea verlassen habe, sei sie  im militärpflichtigen Alter gewesen und sei es heute noch.  Ihr drohe bei  einer  Rückkehr  nebst  einer  unverhältnismässigen  Bestrafung  auch  der  Einzug  in  einen  illegalen,  zeitlich  unbegrenzten  Militärdienst.  In  der  Wahrnehmung der eritreischen Militärdiktatur werde das Ersuchen eines  anderen  Staates  um  Schutz  einem  Landesverrat  gleichgesetzt.  Die  flüchtlingsrechtliche  Relevanz  der  Militärdienstverweigerung  sei  vorliegend  vom  BFM  nicht  hinreichend  geprüft  worden.  In  der  Zwischenzeit  sei  es  ihr  gelungen,  ihren  äthiopischen  Ausländerausweis  für  Eritreer  erhältlich  zu  machen.  Sie  habe  berechtigte  Angst,  von  Äthiopien  nach  Eritrea  deportiert  zu  werden.  Personen  eritreischer  Abstammung  würden  mit  Geburt  die  eritreische  Staatsangehörigkeit  erwerben,  auch wenn  sie  auf  dem  heutigen Gebiet  Äthiopiens  geboren  worden  seien.  Aus  dem Ausweis  gehe  hervor,  dass  sie  die  äthiopische  Staatsbürgerschaft  verloren  habe,  wenn  sie  im  Besitze  derselben  gewesen  sei.  Die  Möglichkeit  einer  eritreisch­äthiopischen  Doppelbürgerschaft  sei  in Äthiopien nicht vorgesehen. Sie sei  somit nur  im Besitze der eritreischen Staatsbürgerschaft.  Insgesamt würden diese  Tatsachen  eine  erhebliche  Bedrohung  für  die  Beschwerdeführerin  darstellen und gäben ihr begründete Furcht vor asylrelevanter Verfolgung  im Falle einer Rückkehr nach Eritrea. Der  Eingabe  lagen  ein  oranger  Ausweis  mit  Foto  und  eine  Rede  des  äthiopischen Premier, Meles Zenawi, vom 27. Oktober 2006 bei. J.  Das  BFM  ersuchte  am  22. Juni  2007  die  schweizerische  Vertretung  in  Addis Abeba  um Abklärungen  bezüglich  der Echtheit  des  eingereichten  Ausweises  und  der  äthiopischen  Adressangaben  der  Beschwerdeführerin. K.  Mit Schreiben vom 24. August 2007  reichte die Schweizer Botschaft ein  Bericht  eines  Vertrauensanwalts  vom  22. August  2007  mit  den  Abklärungsergebnissen ein. L.  Am  18. Dezember  2007  hörte  das  BFM  die  Beschwerdeführerin  nochmals  an  und  gab  ihr  die  Möglichkeit  zu  den  Ergebnissen  der  Abklärungen der Schweizer Botschaft Stellung zu nehmen.

D­1321/2008 M.  Mit  Verfügung  vom  30. Januar  2008  –  eröffnet  am  1. Februar  2008 –  stellte  das  BFM  fest,  die  Beschwerdeführenden  würden  die  Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, und  lehnte deren Asylgesuche vom  27. Dezember  2006  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  aus  der  Schweiz  und  forderte  sie  –  unter  Androhung  von  Zwangsmitteln  im  Unterlassungsfall  –  auf,  die  Schweiz  bis  zum  26. März  2008  zu  verlassen.  Ferner  stellte  es  fest,  dass  eine  Wegweisung  nach  Eritrea  nicht  zumutbar  sei.  Zu  Lasten  der  Beschwerdeführerin  erhob  das  BFM  zudem  Verfahrenskosten  von  Fr. 1'200.–. N.  Mit  Eingabe  vom  28. Februar  2008  (Datum  Poststempel)  liessen  die  Beschwerdeführenden  gegen  diese  Verfügung  beim  Bundesverwaltungsgericht  handelnd  durch  ihren  Rechtsvertreter  Beschwerde erheben und beantragen, der Entscheid der Vorinstanz sei  aufzuheben,  es  sei  die  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und  ihnen  Asyl  zu  gewähren.  Eventualiter  sei  die  vorläufige  Aufnahme  wegen  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  oder  Unmöglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  anzuordnen  (vgl.  Beschwerde  S. 9  ff.).  In  verfahrensrechtlicher Hinsicht  liessen  sie  zudem beantragen,  es  sei  der  vorliegenden  Beschwerde  die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen,  es  seien  der  Vollzug  der  Wegweisung  und  die  Durchführung  von  Vorbereitungshandlungen  im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  zu  sistieren,  es  sei  die  unentgeltliche  Prozessführung  und  ­vertretung  zu  gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Der  Beschwerde  wurde  eine  Kopie  einer  Verfügung  vom  1. November  2007  betreffend  das  Verfahren  E­7237/2007  und  ein  Lohnblatt  vom  Dezember 2007 beigelegt. O.  Mit Verfügung vom 7. März 2008 stellte die  Instruktionsrichterin  fest, die  Beschwerdeführenden  könnten  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz abwarten. Gleichzeitig hiess sie das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  gut,  verzichtete  auf  die 

D­1321/2008 Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  räumte  dem BFM Gelegenheit  zur Einreichung einer Vernehmlassung ein. P.  In der Vernehmlassung vom 18. März 2008 hielt das BFM fest, dass die  Beschwerdeschrift keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel  enthalte, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen würde,  weshalb es die Abweisung der Beschwerde beantrage. Q.  Mit  Verfügung  vom  19. März  2008  gab  die  Instruktionsrichterin  den  Beschwerdeführenden  Gelegenheit,  zur  Vernehmlassung  Stellung  zu  nehmen. R.  Die  Beschwerdeführenden  reichten  am  31. März  2008  durch  ihren  Rechtsvertreter eine Replik ein. S.  Am 20. Mai 2010 erteilte das BFM seine Zustimmung zur Erteilung einer  Aufenthaltsbewilligung im Sinne von Art. 14 Abs. 2 des Asylgesetzes vom  26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) für die Beschwerdeführenden. T.  Mit Verfügung vom 31. Mai 2010 stellte die  Instruktionsrichterin  fest, die  Beschwerde  sei  betreffend  Wegweisung  und  den  Vollzug  der  Wegweisung  infolge  der  erteilten Aufenthaltsbewilligung gegenstandslos  geworden,  und  fragte  die  Beschwerdeführenden  an,  ob  sie  an  der  Beschwerde  hinsichtlich  der  Begehren  betreffend  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft und Asylgewährung festhalten oder diese allenfalls  zurückziehen. U.  Mit  Schreiben  vom  12. Juni  2010  gaben  die  Beschwerdeführenden  handelnd  durch  ihren  Rechtsvertreter  bekannt,  an  der  Beschwerde  festzuhalten. V.  Am  18. März  2011  heiratete  die  Beschwerdeführerin  den  äthiopischen  Staatsangehörigen und Vater ihres Sohnes C._______ (N […]).

D­1321/2008 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht  (Art. 108  Abs. 1  AsylG; Art. 105 AsylG i. V. m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die  Beschwerdeführenden sind durch die angefochtene Verfügung besonders  berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  und  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 3.  Verheiraten  sich  zwei  Asylsuchende  in  der  Schweiz,  die  unabhängig  voneinander  ein  Asylgesuch  gestellt  haben,  kann  die  Frage  der  Flüchtlingseigenschaft  des  einen  nicht  losgelöst  von  derjenigen  des  anderen Ehegatten geprüft werden (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1999 Nr. 1 E. 2a­d  S. 5  f.).  Das  Gleiche  gilt  grundsätzlich  für  die  Frage  des  Wegweisungsvollzugs,  da  der  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie  einen  nicht  gleichzeitigen  Vollzug  der  Wegweisung  von  Ehegatten  verbietet 

D­1321/2008 (vgl.  EMARK  1999  Nr. 1  E. 4  S. 6 f.).  Das  vorliegende  Beschwerdeverfahren  ist  deshalb  mit  demjenigen  des  Ehemanns  und  Vaters (D­2120/2008) koordiniert zu behandeln. 4.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 5.  5.1. Das Bundesamt  lehnte das  zweite Asylgesuch mit  der Begründung  ab,  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  würden  einerseits  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art. 7  AsylG  nicht  standhalten und andererseits der Asylrelevanz entbehren. Im  Einzelnen  führte  es  aus,  dass  an  der  von  der  Beschwerdeführerin  angegebenen Wohnadresse in Addis Abeba Personen lebten, welche die  Beschwerdeführerin  nicht  kennen  würden.  In  der  Folge  hätten  Abklärungen  der  Botschaft  bezüglich  der  Bewohner  an  der  in  der  Aufenthaltsbewilligung  angegebenen  Adresse  ergeben,  dass  dort  ihr  Vater,  die  Mutter  und  ihre  Geschwister  lebten.  Somit  stünden  die  Abklärungen  der  Botschaft  im  Widerspruch  zu  den  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  anlässlich  des  ersten  Asylgesuchs,  wo  sie  angegeben  habe,  ihre  Mutter  sei  verstorben,  als  sie  noch  ein  Kind  gewesen sei und  ihr Vater und  ihre Schwester seien  im Jahr 1999 nach  Eritrea  verschleppt  worden.  Im  Rahmen  des  rechtlichen  Gehörs  anlässlich  der  Anhörung  vom  18. Dezember  2007  habe  sie  die  Botschaftsabklärung  in  Abrede  gestellt  und  angegeben,  ihr  Onkel  und  seine  Familie  seien  in  diesem  Haus  wohnhaft.  Die  Antwort  der  Beschwerdeführerin  zur  anschliessenden  Frage,  wie  viele  Kinder  der  Onkel habe und wie diese hiessen, stünden ebenfalls im Widerspruch zu  den  Abklärungen  der  Botschaft.  Die  Beschwerdeführerin  habe  nämlich 

D­1321/2008 angegeben,  der  Onkel  habe  zwei  Kinder,  welche  dort  leben  würden,  während  die  Botschaftsabklärung  ergeben  habe,  dass  sich  an  der  besagten  Adresse  drei  Kinder  aufhielten.  Zudem  stimmten  die  Namen,  welche  die Beschwerdeführerin  angegeben  habe,  nicht  überein mit  den  Namen,  welche  im  Schreiben  der  Botschaft  aufgeführt  seien.  Somit  müsse  davon  ausgegangen  werden,  dass  die  Beschwerdeführerin  im  Asylverfahren  unwahre  Angaben  zu  ihrer  Familie  gemacht  habe.  Aufgrund des Umstandes,  dass sich der Vater  noch  immer  in Äthiopien  aufhalte,  könne  auch  die  Aussage  der  Beschwerdeführerin  zur  Deportation  nach  Eritrea,  wie  dies  aufgrund  der  widersprüchlichen  Aussagen  bereits  im  Entscheid  vom  17. Februar  2005  festgehalten  wurde,  nicht  geglaubt werden. Bezüglich  der  geltend  gemachten Furcht  vor  Bestrafung  wegen  Wehrdienstverweigerung  in  Eritrea  sei  festzuhalten, dass sie noch nie in Eritrea gelebt habe. Sie sei deshalb in  Eritrea weder zum Militärdienst aufgeboten worden, noch habe sie einen  solchen  geleistet  und  nach  Desertation  das  Land  verlassen.  Bei  einer  Einreise  in Eritrea  bestehe  für  sie  deshalb  keine  begründete Furcht  vor  asylbeachtlichen  Massnahmen  der  eritreischen  Behörden  wegen  Dienstverweigerung und Desertation. Die Beschwerdeführerin sei Mutter  eines  Sohnes. Gemäss  Erkenntnissen  des  BFM  seien  in  Eritrea Mütter  generell vom Militärdienst befreit. Sie müsse daher auch nicht befürchten,  in  Zukunft  zum Militärdienst  aufgeboten  zu  werden.  In  der  Folge  seien  diese  Vorbringen  nicht  asylrelevant.  Im  Weiteren  mache  sie  geltend,  aufgrund  ihres  langjährigen  Auslandaufenthalts  von  der  eritreischen  Regierung verdächtigt zu werden, sich subversiv verhalten zu haben. Im  vorliegenden Fall habe sie keine gegen den Staat gerichtete oder andere  Aktivitäten  ausgeübt,  die  zu  ernsthaften  Nachteilen  im  Sinne  des  Asylgesetzes  führen  könnten. Folglich  ist  die blosse Tatsache,  dass  sie  sich  im Ausland  aufgehalten  habe,  nicht  asylbeachtlich.  Die  Vorbringen  hielten  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  nicht  stand.  Demzufolge  würden  die  Beschwerdeführenden  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllen,  so  dass  die  Asylgesuche  abzulehnen seien. 5.2.  In  der  Beschwerde  wird  demgegenüber  an  der  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  festgehalten  und  ausgeführt,  sie  habe  auf  alle  ihr  gestellten  Fragen  genau  und  ausführlich  geantwortet.  Überdies  habe  sie  den  Nachweis  bezüglich  ihrer  eritreischen  Abstammung  erbracht.  Abklärungen  der  Schweizer  Botschaft  in  Addis  Abeba,  welche  sich  auf  Angaben  von  Personen  oder  Behörden  in  Äthiopien stützen würden, seien von geringem Beweiswert. Aufgrund des 

D­1321/2008 nach wie vor angespannten Klimas zwischen Äthiopien und Eritrea könne  davon  ausgegangen  werden,  dass  äthiopische  Staatsbürger  –  egal  ob  dies  aus  Angst  oder  aus  Kalkül  erfolge  –  falsche  Angaben  bezüglich  eritreischer  Staatsbürger  machen  würden.  In  diesem  Sinne  werde  auf  zwei ähnlich gelagerte Fälle (N […] und N […]) verwiesen, bei denen sich  die  Botschaftsabklärung  als  tatsachenwidrig  erwiesen  habe.  Nur  der  Onkel der Beschwerdeführerin lebe in Addis Abeba und sei bereit, sich zu  seiner Nichte befragen zu  lassen. Warum dies vom BFM nicht gemacht  worden  sei,  sei  nicht  nachvollziehbar.  Ihre  Angaben  bezüglich  Namen  und  Anzahl  der  Kinder  ihres Onkels  bezögen  sich  auf  ihren Onkel  und  nicht  auf  die  von  der  Botschaft  angeblich  ausfindig  gemachte  Familie.  Auch  wenn  das  Familienoberhaupt  angeblich  den  Namen  "(…)"  trage,  könne  nicht  ohne  weiteres  darauf  geschlossen  werden,  dass  diese  Person  der Vater  der Beschwerdeführerin  sei. Der Name  "(…)"  (anders  geschrieben: […], […], […], etc.) komme in Äthiopien sehr häufig vor. Das  Verwandtschaftsverhältnis  der  vorgefundenen  Familie  zur  Beschwerdeführerin werde bestritten. Der Vater sei deportiert worden und  die Mutter sei  tot. Wenn sie etwas zu verheimlichen gehabt hätte, hätte  sie  nicht  den  äthiopischen  Aufenthaltsausweis  für  eritreische  Staatsbürger,  in  welchem  die  Adresse  aufgeführt  sei,  eingereicht.  Die  Behauptung  des  BFM,  wonach  Mütter  von  kleinen  Kindern  vom  Militärdienst  in  Eritrea  befreit  seien,  sei  tatsachenwidrig,  da  dies  nur  stillende Mütter betreffe. Sie sei keine stillende Mutter mehr. Im Rahmen  der  allgemeinen  Mobilmachung  bestehe  die  Vermutung,  dass  sich  die  militärdienstpflichtige  Beschwerdeführerin  in  der  Wahrnehmung  des  eritreischen  Regimes  ihrer  Dienstpflicht  durch  Flucht  beziehungsweise  durch  Verweilen  im  Ausland  entzogen  habe.  Die  Schweizer  Flüchtlingshilfe  (SFH)  halte  an  ihrer  Position  vom  28. März  2007  fest,  wonach für das eritreische Regime die blosse Flucht ins Ausland und die  Stellung  eines  Asylantrags  als  eindeutiger  Beleg  einer  staatsfeindlicher  Haltung  gelte.  Eritreische  Asylsuchende  würden  bei  ihrer  Ankunft  in  Eritrea  festgenommen und  in Geheimgefängnissen erfasst. Der Ausweis  belege  ausserdem,  dass  sie  Eritreerin  sei  und  als  solche  nur  einen  Ausländerstatus  in  Äthiopien  gehabt  habe.  Äthiopien  könne  daher  nicht  als  ihr  Heimatstaat  gemäss  Art. 3  AsylG  beziehungsweise  Art. 1A  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR 0.142.30)  gelten.  Eine  allfällige  Möglichkeit  sich  in  Äthiopien  einbürgern zu lassen, vermöge an dieser Einschätzung nichts zu ändern.  Aus  der  Formulierung  von  Art. 1A  Abs. 2  FK  sowie  in  Verbindung  mit  Art. 1C  Ziff. 1  und  5  FK  werde  mit  dem  Begriff  "Heimatstaat"  beziehungsweise "Heimatland" klarerweise das Land bezeichnet, dessen 

D­1321/2008 Staatsangehörigkeit  der  Flüchtling  besitze  und  nicht  etwa  das  Land,  dessen  Staatsangehörigkeit  sie  erwerben  könne.  Das  äthiopische  Regime betreibe gegenüber Eritreern und binationalen Bürgern eine sehr  repressive  Politik.  Nach  wie  vor  bestehe  die  Gefahr  von  willkürlicher  Verhaftung  und  Belästigungen  durch  die  Sicherheitskräfte  und  Kettenabschiebung  nach  Eritrea.  Vor  diesem  Hintergrund  könne  nicht  davon ausgegangen werden, dass ihre Aufenthaltsbewilligung verlängert  werde und  ihr  seitens der  äthiopischen Behörden  keine Verfolgung und  Diskriminierung drohe. Dieser Umstand als auch die Tatsache, dass der  Sohn der Beschwerdeführerin keine Aufenthaltsbewilligung  für Äthiopien  verfüge  und  auch  keinen  Rechtsanspruch  –  ebenso  wenig  die  Beschwerdeführerin  –  auf  eine  solche  hat,  bleibe  von  der  Vorinstanz  gänzlich  ungewürdigt  und  ungeprüft,  was  gemäss  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts D­1923/2007 vom 5. Juli 2007 unzulässig sei. 5.3. In der Vernehmlassung vom 18. März 2008 hält das BFM fest, dass  es Sache der Beschwerdeführerin  sei,  ihren Sohn bei  den äthiopischen  Behörden  zu  registrieren  und  die  dafür  benötigten  Dokumente  einzureichen.  Bei  einer  Rückkehr  nach  Äthiopien  könne  sie  die  notwendigen Schritte  unternehmen,  um den Aufenthalt  ihres Sohnes  zu  legalisieren.  Aus  den  Akten  seien  nämlich  keine  Indizien  ersichtlich,  wonach der Sohn nicht nach Äthiopien  reisen und dort  via seine Mutter  eine  Aufenthaltsbewilligung  oder  die  äthiopische  Staatsangehörigkeit  erlangen könnte. 5.4.  In  der  Replik  vom  31. März  2008  werden  diese  Ausführungen  des  BFM bestritten. 6.  6.1.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 6.2. Das BFM erachtete  in  seiner Verfügung  vom 17. Februar  2005  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  betreffend  die  Vorladungen  nach  ihrer Haftentlassung bis zur Ausreise im Herbst 2003 als nicht glaubhaft. 

D­1321/2008 Hinsichtlich  der  Vorbringen  –  ihr  Vater,  ihre  Schwester  und  eine  Tante  seien  nach  Eritrea  deportiert  worden  und  sie  selber  sei  drei  Monate  inhaftiert, befragt und dabei geschlagen und sexuell misshandelt worden  – äusserte  das  BFM  jedoch  keine  Zweifel.  Es  hielt  hingegen  fest,  der  Grenzkonflikt  zwischen  Äthiopien  und  Eritrea  habe  zu  zahlreichen  Übergriffen und Diskriminierungen geführt.  Insbesondere  in der Zeit von  Mitte 1998 bis Ende 2000 seien etwa 70'000 Äthiopier und Äthiopierinnen  eritreischer  Herkunft  verschleppt  worden.  Die  von  der  Beschwerdeführerin  geltend  gemachte  Deportation  ihrer  Angehörigen  und  ihre  persönlichen  Erlebnisse  würden  offensichtlich  auf  der  angespannten Lage und den schwierigen Lebensbedingungen als Folge  der bewaffneten Auseinandersetzungen der beiden Ländern beruhen. Die  Situation in Äthiopien habe sich jedoch inzwischen wesentlich verbessert.  Eritrea  und  Äthiopien  befänden  sich  in  einer  Phase  der  Stabilisierung.  Zurzeit  würden  nur  diejenigen  eritreischen  Staatsangehörigen  oder  Personen eritreischer Herkunft nach Eritrea zurückgeführt, für die aus der  Sicht  der  äthiopischen  Behörden  Grund  zur  Annahme  bestehe,  sie  würden die öffentliche Ruhe und Ordnung stören – Überlegungen, die für  die  Beschwerdeführerin  nicht  zutreffen  würden.  Zudem  führe  das  IKRK  seit  Juni  2000  auf  freiwilliger  Basis  Rückführungen  durch,  was  die  Rückkehr  von  42'000  äthiopischen  und  5'500  eritreischen  Staatsangehörigen  ermöglicht  habe.  Diese  Entwicklung  halte  an.  Die  Situation  der  Beschwerdeführerin  habe  sich  aufgrund  der  neusten  Entwicklungen in Äthiopien grundsätzlich verändert, so dass auch dieses  Vorbringen  der  Asylrelevanz  entbehre.  Entgegen  der Darstellung  in  der  angefochtenen Verfügung trifft es in Anbetracht dieser Erwägungen nicht  zu, dass das BFM die Aussagen der Beschwerdeführerin betreffend die  Deportation  ihrer  Angehörigen  nach  Eritrea  aufgrund  widersprüchlicher  Angaben  bereits  im  Entscheid  vom  17. Februar  2005  als  unglaubhaft  bezeichnet hat. 6.3.  Soweit  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  aufgrund  der  Ergebnisse einer Botschaftsanfrage die Angaben der Beschwerdeführerin  zu  ihrer  Familie  und  der  Deportation  als  unglaubhaft  erachtet,  ist  festzuhalten, dass die Vorinstanz einerseits der Schweizer Vertretung  in  Addis Abeba hinsichtlich der Wohnadresse der Beschwerdeführerin keine  korrekten  Angaben  machte  und  andererseits  aus  den  Abklärungsergebnissen  unzutreffende  Rückschlüsse  gezogen  hat.  Das  BFM teilte der Schweizer Botschaft mit:  "The applicant has explained  to  have lived her whole life in Addis Abeba at the following adress: (…)." Die  Beschwerdeführerin hat aber an keiner Befragung oder Anhörung geltend 

D­1321/2008 gemacht,  ihr ganzes Leben  im Haus Nr. Z._______ verbracht zu haben.  Sie hat vielmehr angegeben, sie habe dort bis  ins Jahre 1999 mit  ihrem  Vater  gelebt. Danach habe sie bei  ihrem Onkel  im Haus Nr. Y._______  gewohnt  (vgl.  act. A4/24  S. 6  Ziff. 10,  A19/10  S. 2,  B10/7  S. 2).  Es  ist  deshalb  naheliegend,  dass  der  von  der  Schweizer  Botschaft  in  Addis  Abeba  beauftragte  Vertrauensanwalt  zwar  das  Haus  Nr. Z._______  gefunden hat, dessen Bewohner jedoch die Beschwerdeführerin nicht zu  kennen  angaben.  Ferner  stellte  der  Vertrauensanwalt  bei  seinen  Abklärungen fest, die Bewohner der Hausnummer Y._______ seien "Mr.  D._______ and M/s E._______ with their children F._______, G._______  and  H._______.  A._______  ([andere  Schreibweise  von  A._______])  is  registered in the file but the investigator was told that she was out of the  country."  Warum  im  beigelegten  Brief  der  Botschaft  an  das  BFM  dann  erwähnt wird,  dass der Vertrauensanwalt  habe  feststellen  können,  dass  die  ganze  Familie  der  Beschwerdeführerin  dort  lebe,  das  heisse,  ihr  Vater,  ihre  Mutter  und  ihre  drei  Geschwister,  ist  schleierhaft,  denn  der  Vertrauensanwalt  hat  in  seinen  am  22. August  2007  schriftlich  festgehaltenen  Erkenntnissen  nicht  erklärt,  bei  den  Bewohnern  der  Hausnummer  Y._______  handle  es  sich  um  den  Vater,  die Mutter  und  drei  Geschwister  der  Beschwerdeführerin.  Aufgrund  der  Botschaftsanfrage  bleibt  somit  unklar,  ob  die  vom  Vertrauensanwalt  vorgefundenen  Personen  im  Haus  Nr. Y._______  mit  der  Beschwerdeführerin  verwandt  sind  oder  es  sich,  wie  von  der  Beschwerdeführerin  vermutet,  um  Drittpersonen  handelt,  die  dort  zur  Untermiete wohnen würden.  Immerhin  liegen zwischen der Ausreise der  Beschwerdeführerin im Oktober 2003 bis zum Zeitpunkt der Abklärungen  durch den Vertrauensanwalt  im Sommer 2007 rund vier Jahre,  in denen  es  im Haus Nr. Y._______  in Bezug auf dessen Bewohner durchaus zu  Veränderungen  gekommen  sein  kann.  Die  Abklärungen  des  Vertrauensanwaltes können mithin durchaus zutreffend sein. Sie stehen  aber  nicht  zwingend  im  Widerspruch  zu  den  Aussagen  der  Beschwerdeführerin,  weshalb  aus  den  Erkenntnissen,  die  der  Vertrauensanwalt  bei  seinen  Abklärungen  gewonnen  hat,  bei  der  Beurteilung  der  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  der  Beschwerdeführen  nichts zu ihren Ungunsten abgeleitet werden kann. 6.4. Zusammenfassend ergibt  sich, dass die Erwägungen des BFM, mit  welchen es  begründet,  die Beschwerdeführerin  habe unwahre Angaben  zu ihrer Familie gemacht, weshalb ihre Angaben zur erfolgten Deportation  ihrer Angehörigen nach Eritrea im Jahre 1999 nicht glaubhaft seien, nicht  zu überzeugen vermögen. Das Bundesverwaltungsgericht ist indessen an 

D­1321/2008 die  Begründung  der  Vorinstanz  nicht  gebunden  (vgl.  Art. 62  Abs. 4  VwVG),  weshalb  es  die  Entscheidbegründung  des  BFM  durch  eine  andere  ersetzen  und  eine  Beschwerde  aus  andern  Überlegungen  als  jenen  des  BFM  abweisen  kann  (sog.  Motivsubstitution;  vgl.  MADELEINE  CAMPRUBI  in:  AUER/MÜLLER/SCHINDLER  [HRSG.],  VwVG,  Kommentar  zum  Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich/St. Gallen 2008, N  15  zu  Art.  62  VwVG;  ALFRED  KÖLZ/ISABELLE HÄNER,  Verwaltungsverfahren  und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl.,  Zürich 1998, S. 240,  Rz. 677).  7.  7.1.  Die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  erfüllt  eine  asylsuchende  Person  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  dann,  wenn  sie  Nachteile  von  bestimmter  Intensität  erlitten  hat  beziehungsweise  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  befürchten  muss,  welche  ihr  gezielt  und  aufgrund  bestimmter  Verfolgungsmotive  durch  Organe  des  Heimatstaates  oder  durch  nichtstaatliche  Akteure  zugefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl.  BVGE  2008/4  E. 5.2  S. 37).  Aufgrund  der  Subsidiarität  des  flüchtlingsrechtlichen  Schutzes  setzt  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person  in  ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz  finden kann (vgl. BVGE  2008/12  E. 7.2.6.2  S. 174  f.,  BVGE  2008/4  E. 5.2  S. 37 f.).  Ausgangspunkt  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  ist  die  Frage nach der  im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder  begründeten  Furcht  vor  einer  solchen.  Die  Situation  im  Zeitpunkt  des  Asylentscheides  ist  jedoch  im  Rahmen  der  Prüfung  nach  der  Aktualität  der  Verfolgungsfurcht  ebenfalls  wesentlich.  Veränderungen  der  objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid  sind  deshalb  zugunsten  und  zulasten  der  das  Asylgesuch  stellenden  Person  zu  berücksichtigen  (vgl.  BVGE  2008/4  E. 5.4  S. 38 f.,  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, Basel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18). 7.2. Die Beschwerdeführerin macht  einerseits  geltend,  in  Eritrea wegen  Militärdienstverweigerung und Desertation unverhältnismässig bestraft zu  werden.  In  diesem  Zusammenhang  ist  vorweg  festzuhalten,  dass  das  BFM die eritreische Abstammung der Beschwerdeführerin  aufgrund des  als authentisch erachteten Ausweises nicht bezweifelt hat. Es hat jedoch  zu  Recht  festgestellt,  dass  die  Befürchtung  der  Beschwerdeführerin,  in  Eritrea  in den Militärdienst eingezogen oder wegen Desertation  inhaftiert 

D­1321/2008 zu werden, nicht begründet ist. Die Beschwerdeführerin ist im Jahre 1982  in Addis Abeba geboren worden. Sie hat sich nie  in Eritrea aufgehalten,  sondern hat bis zu ihrer Ausreise in Äthiopien gelebt. Nach ihrer Einreise  in die Schweiz  im Oktober 2003 bezeichnete  sie  sich vorerst  immer als  Staatsangehörige Äthiopiens, obwohl Eritrea bereits im Jahre 1993 seine  Unabhängigkeit  erlangt  hatte  (vgl.  act. A1/2,  A4/24  S. 2  und  4,  A9/2,  A12/7  S. 1).  Erst  bei  der  Einreichung  ihres  zweiten  Asylgesuchs  am  27. Dezember 2006 machte die Beschwerdeführerin – dies nachdem mit  EMARK  2006  Nr. 3  ein  Entscheid  betreffend  Deserteure  und  Dienstverweigerer  in Eritrea  publiziert wurde –  erstmals  geltend,  sie  sei  eritreische  Staatsangehörige.  Nach  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  handelt  es  sich  bei  dem  von  der  Beschwerdeführerin  mit  dem  Gesuch  eingereichten  orangefarbenen  Ausweis  –  im  Gegensatz  zum  blauen  Ausweis  –  nicht  um  eine  Aufenthaltsbewilligung,  sondern  lediglich  um  einen  äthiopischen  Identitätsausweis  für  eritreische  Staatsangehörige.  Die  Beschwerdeführerin  belegt  mit  diesem  Ausweis  zwar,  dass  die  äthiopischen  Behörden  sie  im  Jahre  2002  als  Eritreerin  erachteten.  Sie  verfügt  jedoch  über  keine  eritreischen  Identitätspapiere.  Aus  den  Akten  geht  im  Übrigen  auch  nicht  hervor,  dass  sie  jemals  die  eritreische  Staatsbürgerschaft  angenommen  oder  diese  zumindest  beantragt  hatte  (vgl.  act. A17/16  S. 3,  B10/7  S. 3).  Es  ist  deshalb  nicht  davon  auszugehen,  dass  die  Beschwerdeführerin  bei  den  Behörden  in  Eritrea  als  Staatsangehörige  registriert  ist.  Dementsprechend  bestehen  denn  auch – was  insofern auch nicht erstaunen kann – keine Hinweise, dass  sie von den eritreischen Behörden zum Militärdienst aufgeboten worden  wäre.  Gemäss  Praxis  gilt  die  Furcht  vor  einer  Bestrafung  wegen  Dienstverweigerung  oder  Desertion  indessen  nur  dann  als  begründet,  wenn  die  betroffene  Person  glaubhaft  machen  kann,  dass  die  mit  der  Durchsetzung  der  Dienstpflicht  betrauten  Organen  des  eritreischen  Staats mit  ihr  in  konkreten Kontakt  getreten  sind  und  erkennbar wurde,  dass sie rekrutiert werden sollte (vgl. EMARK 2006 Nr. 3 E. 4.10 und 4.11  S. 39 ff.).  Vorliegend  trifft  dies  auf  die Beschwerdeführerin  offensichtlich  nicht zu. Entgegen der Vermutung  in der Beschwerde besteht demnach  kein Grund für die Annahme, dass der Beschwerdeführerin in Eritrea eine  Strafe wegen Militärdienstverweigerung oder Desertation drohen könnte.  Allein  die Möglichkeit,  dass  die  Beschwerdeführerin  im  dienstpflichtigen  Alter  ist  und  als  nicht  stillende  Mutter  in  Eritrea  zum  Militärdienst  aufgeboten werden könnte,  ist asylrechtlich grundsätzlich nicht  relevant,  da  jeder  Staat  das  Recht  hat,  eine  Armee  zu  unterhalten  und  seine  Bürger  zum Dienst  in  dieser  Armee  zu  verpflichten.  Die  Einberufung  in 

D­1321/2008 den  Militärdienst  ist  daher  für  sich  genommen  flüchtlingsrechtlich  nicht  relevant,  solange  die  Rekrutierung  nicht  darauf  abzielt,  einem  Wehrpflichtigen  aus  einem  der  in  Art. 3  AsylG  genannten  Gründe  erhebliche  Nachteile  zuzufügen  oder  diesen  in  völkerrechtlich  verpönte  Handlungen  zu  verstricken  (vgl.  EMARK  2004  Nr. 2  E. 6.b.aa  S. 16 f.).  Aus  den  Akten  ist  jedoch  nicht  ersichtlich,  inwiefern  der  Beschwerdeführerin bei einer Rekrutierung erhebliche Nachteile im Sinne  von  Art. 3  AsylG  drohen  sollten.  Die  Beschwerdeführerin  muss  sich  demnach  in  Eritrea  nicht  vor  ernsthaften  Nachteilen  wegen  Dienstverweigerung  oder  Desertation  fürchten  und  es  ist  auch  nicht  ersichtlich,  dass  sie  im  Falle  der  Einberufung  in  den  Militärdienst  asylrechtlich erhebliche Nachteile in Kauf nehmen müsste. 7.3. Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend,  in Äthiopien bestehe  für  Eritreer  beziehungsweise  Eritreerinnen  die  Gefahr  von  willkürlicher  Verhaftung  und  Belästigungen  durch  die  Sicherheitskräfte  und  Kettenabschiebung nach Eritrea. Es müsse davon ausgegangen werden,  dass  ihr  seitens  der  äthiopischen  Behörden  eine  Verfolgung  und  Diskriminierung  drohe.  Diesbezüglich  ist  festzustellen,  dass  sich  die  Beschwerdeführerin  nach  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts heutzutage  in Äthiopien nicht mehr aufgrund  ihrer  eritreischen  Herkunft  vor  Diskriminierung,  willkürlicher  Verhaftung  oder einer Deportation nach Eritrea zu fürchten braucht. Der zweieinhalb  Jahre dauernde Grenzkrieg zwischen Äthiopien und Eritrea wurde im Juni  2000  beendet.  Die  staatlichen  Deportationen  haben  im  Jahre  2002  bereits  wieder  ein  Ende  gefunden  und  die  Situation  der  eritreisch­ stämmigen  Ausländer  in  Äthiopien  hat  sich  in  den  letzten  Jahren  im  Übrigen auch auf  rechtlicher Ebene erheblich  verbessert  (vgl. BVGE E­ 2097/2008  vom  7. Juli  2011  E. 5).  Der  Hinweis  in  der  Beschwerde  auf  eine Verfügung  des Bundesverwaltungsgerichts  vom 1. November  2007  in  welcher  festgestellt  wurde,  dass  die  Frage  der  Staatsangehörigkeit  zentral  sei,  um  festzustellen,  ob  einer  Person  bei  einer  allfälligen  Rückkehr  nach  Äthiopien  mangels  äthiopischer  Staatsangehörigkeit  aufgrund  der  eritreischer  Herkunft  Nachteile  drohen,  ist  deshalb  in  vorliegendem  Verfahren  aufgrund  der  veränderten  Situation  nicht  mehr  von  Bedeutung.  Eine  asylrechtlich  relevante  Verfolgung  im  Sinne  von  Art. 3 AsylG liegt auch insoweit nicht vor. 7.4.  7.4.1. Massgeblich  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  nach  Art. 3  AsylG  ist  sodann  nicht  die  Situation  im  Zeitpunkt  der  Ausreise, 

D­1321/2008 sondern die Situation  im Zeitpunkt des Asylentscheids. So  ist auch eine  asylsuchende  Person  als  Flüchtling  anzuerkennen,  die  aufgrund  subjektiver  Nachfluchtgründe  nach  Art. 54  AsylG,  das  heisst  erst  durch  die  unerlaubte  Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  oder  wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise, eine Verfolgung im Sinne von  Art. 3  AsylG  befürchten  muss.  In  diesen  Fällen  hat  jedoch,  trotz  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft,  ein  Ausschluss  vom  Asyl  zu  erfolgen.  Als  subjektive  Nachfluchtgründe  im  Sinne  von  Art. 54  AsylG  gelten  insbesondere  unerwünschte  exilpolitische  Betätigungen,  illegales  Verlassen  des Heimatlandes  (sog.  Republikflucht)  oder  die  Einreichung  eines  Asylgesuchs  im  Ausland,  wenn  sie  die  Gefahr  einer  zukünftigen  Verfolgung begründen (BVGE 2009/29 E. 5.1 S. 376 f.). 7.4.2.  Die  Beschwerdeführerin  befürchtet  aufgrund  ihrer  Flucht  ins  Ausland,  der  Asylgesuchstellung  in  der  Schweiz  und  des  langjährigen  Auslandaufenthalts  von  den  eritreischen  Behörden  verdächtigt  zu  werden,  sich  subversiv  verhalten  zu  haben  und  des  Landesverrats  beschuldigt  zu werden. Wie  bereits  ausgeführt  (vgl.  E. 7.2)  hat  sich  die  Beschwerdeführerin nie in Eritrea aufgehalten. Sie ist demnach nicht aus  Eritrea  geflüchtet  beziehungsweise  illegal  ausgereist.  Entgegen  der  Auffassung  in  der  Beschwerde  ist  auch  nicht  davon  auszugehen,  die  eritreischen Behörden würden automatisch aus der vermuteten  illegalen  Ausreise  schliessen,  sie  habe  sich  der  drohenden  Zwangsrekrutierung  durch  die  Militärpolizei  entzogen,  zumal  es,  wie  bereits  aufgezeigt,  vorliegend  an  jeglichem  Kontakt  mit  den  Militärbehörden  fehlte.  Ausserdem bestehen keine Hinweise, die darauf schliessen liessen, dass  die  eritreischen  Behörden  von  der  Einreichung  des  Asylgesuchs  der  Beschwerdeführerin in der Schweiz Kenntnis genommen haben könnten.  Bei  der  in  der  Beschwerde  vertretenen  Auffassung,  die  eritreischen  Behörden  würden  allein  aufgrund  des  Umstandes,  dass  sich  die  Beschwerdeführerin  ihr  ganzes  Leben  lang  ausserhalb  von  Eritrea  aufgehalten  habe,  den  Verdacht  hegen,  sie  hätte  sich  regimefeindlich  verhalten,  handelt  es  sich  daher  um  eine  Mutmassung.  Die  Beschwerdeführerin  hat  im  Ausland  nämlich  keine  gegen  den  Staat  gerichtete  oder  andere  Aktivitäten  ausgeübt,  weshalb  nicht  davon  auszugehen  ist,  die  eritreischen  Behörden  wären  auf  sie  aufmerksam  geworden.  Aus  diesen  Umständen  kann  nicht  geschlossen  werden,  sie  habe  deswegen  bei  der  Einreise  nach  Eritrea  mit  erheblicher  Wahrscheinlichkeit  in  absehbarer  Zukunft  mit  asylrechtlich  relevanten  Nachteilen zu rechnen. 

D­1321/2008 8.  Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden keine  asylrelevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG durch die eritreischen  oder  äthiopischen  Behörden  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen  konnten  und  deshalb  nicht  als  Flüchtlinge  anerkannt  werden  können.  Das  BFM  hat  somit  zu  Recht  die  Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführenden verneint und deren Asylgesuche abgelehnt. 9.   9.1.  Gemäss  Art. 51  Abs. 1  AsylG  werden  Ehegatten,  eingetragene  Partnerinnen  oder  Partner  von  Flüchtlingen  und  ihre  minderjährigen  Kinder  als  Flüchtlinge  anerkannt  und  erhalten  Asyl,  wenn  keine  besonderen Umstände dagegen sprechen. 9.2. Die  Beschwerdeführerin  hat  am  18. März  2011  ihren  äthiopischen  Lebenspartner  C._______  (N […])  geheiratet.  Das  Bundesverwaltungsgericht hat mit Urteil D­2120/2008 vom 29. Dezember  2011  festgestellt,  dass  der  Ehemann  und  Vater  der  Beschwerdeführenden keine asylrechtlich relevante Verfolgung  im Sinne  von  Art. 3  AsylG  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft machen  konnte  und  auch die Voraussetzungen  für  die Anerkennung  als  Flüchtling  gestützt  auf  Art. 51  Abs. 1  AsylG  nicht  gegeben  sind.  Ein  Einbezug  der  Beschwerdeführenden in die Flüchtlingseigenschaft des Ehemannes und  Vaters im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG fällt somit nicht in Betracht. 10.   Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Beschwerdeführenden  keine  asylrechtlich relevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft machen  konnten  und  auch  die  Voraussetzungen  für  die  Anerkennung  als  Flüchtling  gestützt  auf  Art. 51  Abs. 1  AsylG  nicht  gegeben sind. Das BFM hat die Asylgesuche der Beschwerdeführenden demnach  zu Recht abgelehnt.  11.  11.1. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder  tritt es darauf nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der  Familie  (Art. 44  Abs. 1  AsylG).  Gemäss  Art. 32  Bst. a  der  Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR 142.311) wird die Wegweisung aus der Schweiz nicht verfügt, wenn 

D­1321/2008 die  asylsuchende  Person  im  Besitz  einer  gültigen  Aufenthalts­  oder  Niederlassungsbewilligung ist.  11.2.  Vorliegend  erteilte  der  Kanton  (…)  den  Beschwerdeführenden  gestützt  auf Art. 14 Abs. 2 AsylG mit  Zustimmung des BFM am 20. Mai  2010  eine  Aufenthaltsbewilligung.  Dadurch  ist  die  vom  BFM  verfügte  Wegweisung aus der Schweiz sowie die Anordnung des Vollzugs (Ziffern  3  bis  6  des  Dispositivs  der  Verfügung  vom  30. Januar  2008)  als  dahingefallen  zu  betrachten,  da  diese  Anordnungen  gegenüber  der  kantonalen  Aufenthaltsbewilligung  keinen  Bestand  haben  können  (vgl.  EMARK 2001 Nr. 21 E. 11c S. 178, EMARK 2000 Nr. 30 E. 4 S. 251). Die  Beschwerde  ist  demnach,  soweit  beantragt  wurde,  es  sei  wiedererwägungsweise  die  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und  Unmöglichkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung  festzustellen  und  ihr  als  Folge davon von Amtes wegen die vorläufige Aufnahme zu gewähren, als  gegenstandslos geworden abzuschreiben. 12.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Beschwerde  abzuweisen  ist,  soweit  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  von  Asyl  beantragt  werden.  Gleichzeitig  ist  sie  als  gegenstandslos  geworden  abzuschreiben,  soweit  beantragt  wird,  es  sei  die  vorläufige  Aufnahme  wegen  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  oder  Unmöglichkeit  des Wegweisungsvollzugs anzuordnen. 13.  In  der  Beschwerde  wird  neben  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  VwVG  auch  die  unentgeltliche  Prozessvertretung  beantragt,  über welche  bisher  nicht  befunden wurde.  Ausschlaggebend  für  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 2  VwVG  ist,  ob  die  Partei  zur  Wahrung  ihrer  Rechte  notwendigerweise  der  professionellen  juristischen  Hilfe  eines  Anwaltes  bedarf  (vgl.  dazu  BGE  122  I  49  E. 2c  S. 51 ff.,  BGE  120  Ia  43  E. 2a  S. 44 ff.).  Angesichts  dessen,  dass  Verfahren  –  wie  das  vorliegende  –  vom  Untersuchungsgrundsatz  beherrscht sind, rechtfertigt es, an die Voraussetzungen unter denen die  Bestellung  eines  unentgeltlichen  Rechtsbeistands  sachlich  geboten  ist,  einen strengen Massstab anzulegen (vgl. EMARK 2000 Nr. 6 sowie BGE  122  I  8 E. 2c S. 10). Da es  im asylrechtlichen Beschwerdeverfahren  im  Wesentlichen  um  die  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  geht,  sind  zur  wirksamen  Beschwerdeführung  besondere 

D­1321/2008 Rechtskenntnisse  daher  im  Regelfall  nicht  unbedingt  erforderlich,  weshalb praxisgemäss die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Sinne  von Art. 65 Abs. 2 VwVG nur  in den besonderen Fällen gewährt wird,  in  welchen in rechtlicher oder tatsächlicher Hinsicht erhöhte Schwierigkeiten  bestehen.  Ein  dergestalt  in  tatsächlicher  oder  rechtlicher  Hinsicht  besonders komplexes Verfahren liegt im vorliegenden Fall nicht vor. Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  ist  deshalb  –  unabhängig  von  der  Frage  der  Bedürftigkeit  der  Beschwerdeführenden – abzuweisen.  14.  14.1.  Die  Beschwerdeführenden  sind  im  vorliegenden  Verfahren  unterlegen, soweit die Aufhebung der Verfügung des Bundesamtes vom  30. Januar  2008  und  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  sowie  die  Asylgewährung  beantragt  werden,  weshalb  sie  insoweit  kostenpflichtig  werden  (vgl.  Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Das  Bundesverwaltungsgericht veranschlagt im Asylbeschwerdeverfahren bei  Konstellationen  wie  der  vorliegenden  den  partiellen  Misserfolg  mit  der  Hälfte.  Dem  Ausgang  des  Verfahrens  entsprechend  wären  somit  grundsätzlich  die  um  die  Hälfte  zu  ermässigenden  Kosten  den  Beschwerdeführenden  zu  überbinden.  Nachdem  das  Gesuch  der  Beschwerdeführenden  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 7. März  2008  gutgeheissen  wurde,  sind  jedoch  keine  Verfahrenskosten  zu  erheben.  14.2.  14.2.1.  Sodann  sind  bei  einem  gegenstandslos  gewordenen  Verfahren  die  Kosten  jener  Partei  aufzuerlegen,  deren  Verhalten  die  Gegenstandslosigkeit  bewirkt  hat.  Ist  das  Verfahren  ohne  Zutun  der  Parteien gegenstandslos geworden, so werden die Kosten auf Grund der  Sachlage  vor  Eintritt  des  Erledigungsgrunds  festgelegt  (vgl.  Art. 5  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 14.2.2.  Die  Gegenstandslosigkeit  des  Verfahrens  hinsichtlich  der  Anordnung der Wegweisung und  ihres Vollzugs  ist  infolge der Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  an  die  Beschwerdeführenden  durch  den  Kanton (…) und somit ohne Zutun der Parteien eingetreten. Festzuhalten  bleibt,  dass  die  angefochtene  Verfügung  vom  30. Januar  2008  nicht  zu  beanstanden  gewesen  wäre,  soweit  darin  die  Wegweisung  der 

D­1321/2008 Beschwerdeführenden verfügt worden ist. Sie waren nicht im Besitz einer  Aufenthaltsbewilligung  und  verfügten  auch  über  keinen  Anspruch  auf  Erteilung einer solchen. Das BFM erachtete den Vollzug der Wegweisung  nach  Eritrea  als  unzumutbar,  kam  jedoch  zum  Schluss,  dass  die  Beschwerdeführenden  sich  wieder  in  Äthiopien  niederlassen  könnten.  Das Bundesverwaltungsgericht geht in konstanter Praxis davon aus, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Äthiopien  grundsätzlich  nicht  unzumutbar  ist  (vgl.  BVGE  E­2097/2008  E. 8.3­8.6).  Die  Beschwerdeführerin  war  im  Zeitpunkt  der  Erteilung  der  Aufenthaltsbewilligung am 20. Mai 2010 noch nicht verheiratet und  lebte  auch  nicht  mit  dem  Vater  des  gemeinsamen  Kindes  zusammen.  In  Anbetracht der schwierigen Situation alleinstehender Frauen in Äthiopien  (vgl.  zum  Ganzen  BVGE  E­2097/2008  E. 8.5)  und  da  die  Beschwerdeführerin  die  alleinige  Verantwortung  für  ihr  Kind  zu  tragen  gehabt hatte, dürfte sie trotz dem vorhandenen Beziehungsnetz in Addis  Abeba  im  Falle  der  Rückkehr  nach  Äthiopien  als  alleinstehende,  junge  Frau  mit  einem  Kleinkind  kaum  in  der  Lage  gewesen  sein,  einer  geregelten  Arbeit  nachzugehen  und  ein  die  Existenz  sicherndes  Einkommen  zu  erzielen.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  wäre  unter  diesen  Umständen  im  Zeitpunkt  vor  Erteilung  der  Aufenthaltsbewilligung  als  unzumutbar  zu  beurteilen  gewesen  (Art. 83  Abs. 4  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG,  SR 142.20]).  Die  Beschwerdeführenden  wären  somit  mit  ihren  auf  Feststellung  der  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  und  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  lautenden  Begehren  voraussichtlich  durchgedrungen. Der mit Verfügung vom 30. Januar 2008 angefochtene  Vollzug  der  Wegweisung  wäre  folglich  aufzuheben  und  das  BFM  anzuweisen  gewesen,  die  vorläufige  Aufnahme  der  Beschwerdeführenden  anzuordnen.  Den  Beschwerdeführenden  sind  demnach  keine  Kosten  aufzuerlegen,  soweit  das  Verfahren  als  gegenstandslos geworden abzuschreiben ist. 15.  Das  BFM  erhob  gemäss  Ziffer  6  des  Dispositivs  der  angefochtenen  Verfügung  vom 30. Januar  2008  für  das erstinstanzliche Verfahren eine  Gebühr  in  der Höhe  von  Fr. 1'200.–  (vgl.  Art. 17b  Abs. 4  AsylG).  Diese  Gebühr  ist  angesichts  dessen,  dass  die  Beschwerdeführenden  im  Vollzugspunkt  mit  ihrer  Beschwerde  durchgedrungen  wären,  nicht  im  vollem Umfang gerechtfertigt und praxisgemäss um die Hälfte zu kürzen.  Für den Fall, dass die Gebühr von den Beschwerdeführenden  in vollem 

D­1321/2008 Umfang  bezahlt  wurde,  ist  das  BFM  anzuweisen,  ihnen  Fr. 600.–  zurückzuerstatten. 16.  Bei  dieser  Sachlage  ist  den  Beschwerdeführenden  eine  Parteientschädigung für die Kosten der Vertretung sowie allfällige weitere  notwendige Auslagen (vgl. Art. 7, Art. 9 und Art. 13 VGKE) zuzusprechen  (vgl.  Art. 15  i. V. m.  Art. 5  VGKE).  Da  der  Rechtsvertreter  keine  Kostennote  eingereicht  hat,  ist  die  um  die  Hälfte  zu  kürzende  Parteientschädigung  (vgl.  Art. 7  Abs. 2  VGKE)  auf  Grund  der  Akten  (Art. 14  Abs. 2  VGKE)  auf  insgesamt  Fr. 630.–  (inklusive  Auslagen  und  Mehrwertsteuer)  zu bemessen  (Art. 14 Abs. 2 und Art. 8  ff. VGKE). Das  BFM  ist  anzuweisen,  den  Beschwerdeführenden  diesen  Betrag  als  Parteientschädigung zu entrichten.  (Dispositiv nächste Seite)

D­1321/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  abgewiesen,  soweit  sie  nicht  als  gegenstandslos  geworden abgeschrieben wird. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtsverbeiständung  wird abgewiesen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4.  Das BFM wird  angewiesen,  den Beschwerdeführenden  die  von  ihm mit  Verfügung  vom  30. Januar  2008  erhobene  Gebühr  von  Fr. 1200.–  im  Umfang  von  Fr. 600.–  zurückzuerstatten,  falls  sie  die  Gebühr  bezahlt  haben sollten. 5.  Das  BFM  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführenden  eine  Parteientschädigung von Fr. 630.– auszurichten. 6.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Sarah Mathys Versand:

D-1321/2008 — Bundesverwaltungsgericht 29.12.2011 D-1321/2008 — Swissrulings