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Bundesverwaltungsgericht 29.12.2011 D-115/2008

29. Dezember 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,914 Wörter·~15 min·1

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 7. Dezember 2007

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­115/2008/sps Urteil   v om   2 9 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Bendicht Tellenbach;   Gerichtsschreiber Christoph Basler. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka,   vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 7. Dezember 2007 / N (…).

D­115/2008 Sachverhalt: A.  A.a. Der Beschwerdeführer,  ein ethnischer Tamile mit  letztem Wohnsitz  in  B._______,  verliess  Sri  Lanka  eigenen  Angaben  gemäss  Ende  April  2007 und reiste am 21. Mai 2007 in die Schweiz ein, wo er gleichentags  um Asyl nachsuchte. A.b.  Bei  der  Erstbefragung  vom  29.  Mai  2007  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum Basel sagte der Beschwerdeführer aus, sein Vater sei  Dorfvorsteher  gewesen  und  erschossen  worden,  als  er  zweijährig  gewesen sei. Seine Mutter lebe seit Januar 2007 bei Verwandten. Am 4.  Mai 2006 sei er von einem Mann angesprochen worden, der ihm gesagt  habe, er müsse mit ihm reden. Dieser habe ihm eine Pistole gezeigt und  ihn  in  ein  Haus  geführt,  in  dem  sich  zwei  weitere  Männer  aufgehalten  hätten.  Sie  hätten  gesagt,  sie  gehörten  der  Karuna­Gruppe  an,  und  hätten seine Personalien aufgenommen. Am folgenden Morgen hätten sie  ihn mit  einem Kleinbus  in  ein Camp  gefahren.  Einen  Tag  später  sei  er  zusammen mit  anderen Leuten auf einen Platz gebracht worden, wo er  ein  Training  hätte  absolvieren  sollen.  Der  Mann,  der  "für  ihn  zuständig  gewesen sei", habe sich an ihm sexuell vergangen. Er habe am 10. Juni  2006 die Flucht ergriffen und seine Mutter angerufen. Diese habe ihn zu  einer  Freundin  gebracht  und  am  folgenden Tag  erzählt, man  habe  sich  telefonisch  nach  ihm  erkundigt.  Einige  Tage  später  habe  die  Karuna­ Gruppe  das  Haus  seiner  Familie  durchsucht.  Man  habe  seiner  Mutter  gesagt, sie solle mit ihm bei der Karuna­Gruppe vorbeikommen. Er habe  einen  Brief  an  die  schweizerische  Botschaft  in  Colombo  (nachfolgend:  Botschaft) geschrieben, aber keine Antwort erhalten. Falls die Armee die  Gegend,  in der er  sich aufgehalten habe,  kontrolliert  hätte, wäre er  von  dieser  an  die  Karuna­Gruppe  übergeben  worden.  Ende  Januar  2007  habe  die  Karuna­Gruppe  seine  Mutter  ultimativ  aufgefordert,  ihn  zu  übergeben. Seine Mutter  habe daraufhin  das Haus  verlassen und  ihren  älteren Bruder gebeten,  ihm zu helfen. Sein Onkel  habe einen Agenten  kontaktiert, der die Ausreise organisiert habe. Er (der Beschwerdeführer)  werde von der Armee, der LTTE und der Karuna gesucht. Zur Stützung  seiner  Vorbringen  gab  er  Kopien  mehrerer  Beweismittel  zu  den  Akten  (act. A1 Ziffn. 1 bis 7). A.c.  Am  9.  November  2007  wurde  der  Beschwerdeführer  von  der  zuständigen  kantonalen  Behörde  zu  seinen  Asylgründen  angehört.  Er  machte  im  Wesentlichen  geltend,  im  Camp  habe  man  ihm  gesagt,  er 

D­115/2008 müsse  ein  Trainingslager  absolvieren.  Man  habe  einen  Mann  gerufen,  der  ihm gesagt habe, er müsse alle seine  Instruktionen befolgen. Da er  überzeugt  gewesen  sei,  dass man  ihn  nicht  nach  Hause  gehen  lassen  werde, habe er beschlossen, zu fliehen. Er habe den Auftrag gehabt, die  Buchhaltung  zu  machen;  sein  "Arbeitsplatz"  sei  in  einer  kleinen  Hütte  gewesen. Dort sei er vom Mann, der für  ihn verantwortlich gewesen sei,  mehrmals  sexuell  belästigt  und  vergewaltigt  worden.  Er  habe  simuliert,  krank  zu  sein,  und  vermehrt  die  Toilette  aufgesucht.  Diese  habe  sich  hinter  Gebüsch  befunden  und  am  10.  Juni  2006  sei  ihm  die  Flucht  gelungen. Er habe telefonischen Kontakt mit seiner Mutter gehabt, die zu  ihm  gekommen  sei.  Seine  Mutter  habe  ihn  nach  und  nach  in  verschiedenen Häusern untergebracht und ihm gesagt, Leute der Karuna  hätten sich bei ihr nach ihm erkundigt. Er habe die Botschaft kontaktiert,  die ihm geantwortet und vieles habe wissen wollen. Während dieser Zeit  habe sich die Kriegsgefahr zugespitzt. Die Armee habe überall Kontrollen  durchgeführt  und  von  der  Armee  Festgenommene  würden  der  Karuna  übergeben.  Die  Karuna  habe  seiner  Mutter  gedroht,  sie  werde  festgenommen, falls er sich nicht ergebe. Sein Onkel habe schliesslich für  ihn einen Schlepper organisiert. B.  Mit  Verfügung  vom  7.  Dezember  2007  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das  Asylgesuch ab. Zugleich verfügte es seine Wegweisung aus der Schweiz  und den Vollzug. C.  Der Beschwerdeführer liess durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe an  das  Bundesverwaltungsgericht  vom  7.  Januar  2008  beantragen,  es  sei  ihm  vollständige  Einsicht  in  die  gesamten  Asylakten  zu  gewähren.  Zusätzlich sei  ihm Einsicht  in die Akten N (…) zu gewähren. Verbunden  damit  sei  ihm  eine  angemessene  Frist  zur  Einreichung  einer  Beschwerdeergänzung  anzusetzen.  Die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben  und  die  Sache  sei  zur  Feststellung  des  vollständigen  und  richtigen  rechtserheblichen  Sachverhalts  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen.  Eventuell  sei  die  Verfügung  aufzuheben  und  es  sei  seine Flüchtlingseigenschaft  festzustellen. Es sei  ihm Asyl zu gewähren.  Eventuell  seien  die  Ziffern  4  und  5  des Dispositivs  aufzuheben  und  die  Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  festzustellen. Seinem Anwalt  sei  vor  Gutheissung  der  Beschwerde  eine  angemessene  Frist  zur  Einreichung einer Kostennote einzuräumen.

D­115/2008 D.  Mit Zwischenverfügung vom 10. Januar 2008 hiess der Instruktionsrichter  das Gesuch um Gewährung der Einsicht  in sämtliche Asylakten insofern  gut,  als  dem  Beschwerdeführer  weitere  Akten  zugestellt  wurden.  Zur  Einreichung  einer  Stellungnahme  wurde  ihm  Frist  gesetzt.  Ihm  wurde  zudem Gelegenheit geboten, eine Vollmacht seiner Mutter betreffend die  Einsicht  in  deren  Verfahrensakten  beizubringen.  Er  wurde  zur  Leistung  eines Kostenvorschusses aufgefordert. E.  In seiner Eingabe vom 18. Januar 2008 ersuchte der Beschwerdeführer  darum, sein an die Botschaft gerichtetes Schreiben vom 14. August 2006  sei  zu  edieren.  Zudem  ersuchte  er  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  von  Verfahrenskosten und um Erlass des erhobenen Kostenvorschusses. Der  Eingabe  lag eine Ermächtigung der Mutter des Beschwerdeführers  vom  11.  Januar  2008  zur  Gewährung  der  Akteneinsicht  in  deren  Verfahrensakten  und  eine  Bestätigung  seiner  Mittellosigkeit  vom  14.  Januar 2008 bei.  F.  Der Instruktionsrichter verzichtete mit Zwischenverfügung vom 22. Januar  2008  auf  den  erhobenen  Kostenvorschuss  und  teilte  dem  Beschwerdeführer  mit,  über  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  werde  im  Endentscheid  befunden.  Zur  Einreichung  des  in  Aussicht gestellten ärztlichen Berichts wurde Frist gesetzt. Dem Gesuch  um Gewährung von Einsicht  in die Verfahrensakten seiner Mutter wurde  entsprochen. Es wurde  ihm eine Kopie seiner Eingabe an die Botschaft  vom  14. August  2006  zugestellt  und  ihm  Gelegenheit  zur  Einreichung  einer Stellungnahme gewährt. G.  Am 21.  Februar  2008  bezog  der  Beschwerdeführer  ergänzend Stellung  und  ersuchte  um  Erstreckung  der  Frist  zur  Einreichung  eines  Arztberichts. Des weiteren beantragte er, es seien sämtliche sich bei der  Botschaft  befindliche  Akten  beizuziehen  und  ihm  Akteneinsicht  zu  gewähren sowie eine Frist zur Stellungnahme anzusetzen. H.  Mit  Zwischenverfügung  vom  4.  März  2008  übermittelte  der 

D­115/2008 Instruktionsrichter  dem  Beschwerdeführer  Kopien  aus  den  Botschaftsakten. Es wurde  ihm unter Hinweis  auf Art.  32 Abs.  2 VwVG  Gelegenheit zur Einreichung ergänzender Ausführungen gewährt. I.  Am 20. März  2008  äusserte  sich  der  Beschwerdeführer  hinsichtlich  der  ihm gewährten  ergänzenden Akteneinsicht. Mit  Schreiben  vom 15. April  2008  übermittelte  er  einen  Bericht  des  Psychiatrischen  Diensts  C._______ vom 31. März 2008.  J.  Der  Instruktionsrichter  übermittelte  die  Akten  am  17.  April  2008  zur  Vernehmlassung an das BFM. K.  Das  BFM  zog  seine  Verfügung  vom  7.  Dezember  2007  mit  Verfügung  vom 25. April 2008 teilweise in Wiedererwägung. Die Ziffern 4 und 5 des  Dispositivs  wurden  zufolge  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  zugunsten einer vorläufigen Aufnahme aufgehoben. L.  Mit Zwischenverfügung vom 28. April 2008 wurde der Beschwerdeführer  vom Instruktionsrichter aufgefordert, sich innerhalb angesetzter Frist dazu  zu äussern, ob er an der Beschwerde festhalten oder diese zurückziehen  wolle. Ebenso wurde  ihm Gelegenheit zur Einreichung einer Kostennote  gewährt. M.  Der Beschwerdeführer  liess  am  14. Mai  2008 mitteilen,  er  halte  an  der  Beschwerde fest. N.  Am 16. Mai 2008 wurden die Akten zur ergänzenden Vernehmlassung an  das BFM überwiesen. O.  Das  BFM  beantragte  in  seiner  Vernehmlassung  vom  20.  Mai  2008  die  Abweisung der Beschwerde. P.  In seiner Stellungnahme vom 5. Juni 2008 hielt der Beschwerdeführer an  seinen Anträgen fest.

D­115/2008 Q.  Mit  Eingabe  vom  15.  Juni  2011  übermittelte  der  Beschwerdeführer  weitere Beweismittel und äusserte sich zur aktuellen Gefährdungslage. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  und  Art. 108  Abs. 1  AsylG,  Art.  37  VGG  i.V.m.  Art. 48  Abs. 1  sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 

D­115/2008 werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1.  Das  BFM  begründete  seine  Verfügung  damit,  dass  die  vom  Beschwerdeführer  eingereichten  Beweismittel  teilweise  seinen  Vorbringen  widersprächen.  Bei  der  Erstbefragung  habe  er  angegeben,  am 10. Juni 2006 vom Karuna­Camp geflüchtet zu sein. Dem Schreiben  der  "Laity Commission"  von D._______  sei  zu  entnehmen,  dies  sei  am  11.  Juni  2006  der  Fall  gewesen.  Im  selben  Schreiben  sei  festgehalten  worden, er sei von mehreren Personen entführt worden, während er bei  der  Erstbefragung  von  einer  Entführung  durch  eine  Person  gesprochen  habe. Weiter habe er dort ausgesagt, er habe nach der Flucht aus dem  Camp  zuerst  telefonisch  mit  seiner  Mutter  gesprochen  und  diese  dann  persönlich getroffen. Der Vermisstenanzeige bei der Polizei in B._______  vom 18. August 2006 sei zu entnehmen, dass er am 30. Juni 2006 wieder  heimgekehrt  sei.  Der  Beschwerdeführer  habe  auf  mehrfache  sexuelle  Handlungen durch einen Aufseher während seines Aufenthalts  im Camp  hingewiesen.  Seine  diesbezüglichen  Aussagen  seien  indessen  nur  allgemein  ausgefallen,  womit  die  behauptete  mehrfache  sexuelle  Misshandlung  nicht  glaubwürdig  dargelegt  worden  sei.  Diese  Schlussfolgerung  verstärke  die  Zweifel  an  der  Glaubhaftigkeit  seines  Aufenthalts  in  besagtem  Camp.  Seine  weiteren  Aussagen  über  dieses  Camp seien wenig überzeugend und nicht umfassend dargelegt worden.  Die  Flucht  aus  dem  Camp  habe  er  wenig  logisch  und  überzeugend  geschildert.  Wäre  die  Flucht  tatsächlich  so  einfach  wie  von  ihm  beschrieben möglich gewesen, hätte er das Camp wohl bereits viel früher  verlassen.  Entsprechende  Möglichkeiten  hätte  er  jederzeit  nutzen  können.  Es  sei  nicht  nachvollziehbar,  dass  er  am  4.  Mai  2006  einer  unbekannten  Person  gefolgt  sei  und  sich  habe  überrumpeln  lassen.  Bereits  damals  hätte  er  die Möglichkeit  gehabt,  dieser  Person  nicht  zu 

D­115/2008 folgen oder ihr zu entfliehen. Es sei darauf hinzuweisen, dass die von ihm  eingereichten  Dokumente  mehrheitlich  nach  seiner  Flucht  ausgestellt  worden  seien.  Es  bestehe  der  Verdacht,  dass  diese  Dokumente  in  Auftrag  gegeben  worden  seien,  um  damit  eine  fiktive  Verfolgungsgeschichte  zu  stützen.  Den  Dokumenten  lasse  sich  nicht  entnehmen,  ob  die  ausstellenden  Behörden  und  Organisationen  irgendwelche  Nachforschungen  unternommen  hätten,  um  die  darin  aufgestellten Behauptungen zu überprüfen. 4.2.  In  der  Beschwerde  wird  geltend  gemacht,  das  BFM  habe  dem  unterzeichnenden Anwalt keine Akteneinsicht gewährt, womit das Recht  des  Beschwerdeführers  auf  Akteneinsicht  als  Bestandteil  seines  Anspruchs  auf  rechtliches  Gehör  verletzt  worden  sei.  In  der  angefochtenen  Verfügung  werde  nicht  erwähnt,  dass  er  zusammen mit  seiner Mutter  in  die  Schweiz  eingereist  sei,  die  vorläufig  aufgenommen  worden sei. Da deren Aussagen denselben Sachverhalt beträfen, sei ein  Aktenbeizug  notwendig.  Die  Aussagen  der  Mutter  stellten  in  seinem  Verfahren Beweismittel dar, die seine Glaubwürdigkeit belegen könnten.  Die  Akten  der  Mutter  seien  ihm  deshalb  ebenfalls  zur  Einsichtnahme  zuzustellen.  Bei  der  Beurteilung,  ob  seine  Aussagen  tatsächlich  widersprüchlich  seien,  seien  auch  die  Aussagen  seiner  Mutter  zu  berücksichtigen.  Gerade  bei  der  Kontaktnahme  mit  der  Botschaft  habe  diese  eine  wichtige  Rolle  gespielt.  Aus  dieser  Situation  könne  sich  die  Notwendigkeit ergeben, dass die Mutter  in seinem Verfahren als Zeugin  hätte angehört werden müssen. Das BFM habe die von ihm eingereichten  Beweismittel  als  nicht  relevant  bezeichnet,  ohne  sich mit  diesen  vertieft  zu  beschäftigen.  Es  sei  diesbezüglich  auch  keine  Botschaftsabklärung  durchgeführt worden, die sich angesichts der von ihm geltend gemachten  Bedrohungslage  aufgedrängt  hätte.  Im  angefochtenen  Entscheid  werde  erklärt,  der  Beschwerdeführer  habe  unter  erheblichen  gesundheitlichen  Problemen  gelitten.  Er  befinde  sich  auch  in  der  Schweiz  in  ärztlicher  Behandlung und es seien  in diesem Zusammenhang keine zusätzlichen  Abklärungen  getätigt worden. Es  ergebe  sich  bereits  bei  oberflächlicher  Betrachtung  der  vorliegenden  Angelegenheit,  dass  das  BFM  den  Sachverhalt weder vollständig noch richtig abgeklärt habe. 4.3.  In  der  Eingabe  vom  18.  Januar  2008  wird  ausgeführt,  der  Beschwerdeführer  habe  bezüglich  der  erlittenen  Übergriffe  ein  emotionales  Verhalten  an  den  Tag  gelegt.  Dieses  stimme  mit  seinen  Vorbringen  betreffend  der  erlittenen  sexuellen Übergriffe  überein.  Seine  Ausführungen  wiesen  unzählige  Realitätsmerkmale  auf.  Beispielhaft  sei 

D­115/2008 auf  seine  Angaben  zum  Ablauf  der  Entführung  zu  verweisen.  In  Kombination  mit  seinem  Verhalten,  wenn  es  um  die  Schilderung  der  sexuellen  Übergriffe  gegangen  sei,  hätte  sein  Gesundheitszustand  im  Rahmen einer psychiatrischen Untersuchung abgeklärt werden müssen.  Die Mutter des Beschwerdeführers habe bei der Polizeistation absichtlich  gesagt, er sei am 30. Juni 2006 zurückgekehrt, weil sie nicht habe sagen  wollen,  dass  er  schon  am Tag  nach  seiner  Freilassung  erschienen  sei.  Da  die  Polizei  mit  der  Karuna­Gruppe  zusammenarbeite,  wäre  diese  anschliessend  (noch vermehrt) bei  ihm zuhause gewesen. Seine Mutter  habe  bei  der  "Laity  Commission"  erklärt,  er  sei  am  11.  Juni  2006  geflohen. Er habe seiner Mutter gesagt, er sei durch eine Person entführt  und durch mehrere Personen festgehalten worden. Seine Mutter habe in  ihrem  Bericht  an  die  "Laity  Commission"  den  Sachverhalt  verkürzt  dargelegt,  indem  sie  angegeben  habe,  er  sei  durch mehrere  Personen  entführt worden. 4.4.  In  der  Stellungnahme  vom  21.  Februar  2008  wird  darauf  hingewiesen,  der  Beschwerdeführer  sei  in  keiner  Anhörung  durch  eine  Männerrunde  angehört  worden.  Die  Erstbefragung  sei  unter  Verstoss  gegen  Art.  6  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) zustande gekommen, da sie von  einer Frau durchgeführt worden sei. Dieser Mangel sei bei der kantonalen  Anhörung  bezüglich  des  Befragers  behoben  worden.  Es  sei  aber  eine  Hilfswerksvertreterin  zugegen  gewesen.  Durch  die  gewählte  Vorgehensweise  würden  praktisch  sämtliche  "Unglaubhaftigkeitselemente"  hinfällig  werden.  Der  Beschwerdeführer  habe bisher in keiner Befragung seine Vorbringen angemessen vortragen  können.  Die  Argumentation  des  BFM  zu  den Widersprüchen  sowie  zur  "Unsubstanziiertheit"  sei  nicht  stichhaltig.  Die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  zeichneten  sich  durch  eine  Fülle  von  Realkennzeichen  aus.  Es  sei  zu  berücksichtigen,  dass  bei  einer  psychisch  belasteten  Person  vordergründige  "Unglaubhaftigkeitselemente"  nicht  aussagekräftig  seien.  Das  Aussageverhalten  von  solchen  Personen  sei  insbesondere  hinsichtlich  der  traumatisierenden  Ereignisse  beispielsweise  von  chronologischen  Sprüngen geprägt. Seine Mutter sei zwei Monate nach ihm in die Schweiz  gereist. Sie habe nach seiner Ausreise aus Sri Lanka im Mai 2007 nicht  mehr  mit  ihm  gesprochen,  weshalb  keine  Absprache  mit  ihm  habe  stattfinden  können.  (In  der  Folge  wird  auf  übereinstimmende  Angaben  des  Beschwerdeführers  und  seiner  Mutter  verwiesen.)  Die  Protokolle  ergänzten sich zudem auf eindrückliche Art und Weise. Bereits in seinem 

D­115/2008 Schreiben  an  die  Botschaft  vom  14.  August  2006  habe  der  Beschwerdeführer detailliert geschildert, wie er am 10. August 2006 das  Lager habe verlassen können und was anschliessend geschehen sei. Es  erscheine realitätsfremd, dass ihm vorgehalten werde, er habe sich nicht  zum  "Lichteinfall"  während  der  Vergewaltigung  geäussert  und  nicht  detailliert  dargestellt,  wie  diese  "Schritt  für  Schritt"  abgelaufen  sei.  In  Anbetracht  der  kantonalen  Anhörung  und  seines  Schreibens  an  die  Botschaft  vom  14. August  2006  ergebe  sich  ein  nachvollziehbares  Bild,  wie  ihm die Flucht  aus  dem Lager  gelungen  sei. Er  habe diese  logisch  und detailreich geschildert.  4.5.  In  der  Eingabe  vom  20.  März  2008  wird  geltend  gemacht,  das  Schreiben des Beschwerdeführers an die Botschaft vom 14. August 2006  enthalte  wichtige  Hinweise  betreffend  die  Glaubhaftigkeit  seiner  Vorbringen.  Mit  Schreiben  vom  6.  September  2006  habe  er  zahlreiche  Beweismittel  zu  den  Akten  gereicht  und  Ausführungen  zu  seiner  psychischen Verfassung gemacht. Er habe bereits damals gespürt, dass  es sinnvoll gewesen wäre, einen Arzt aufzusuchen. Da er sich geschämt  habe,  habe  er  darauf  verzichtet.  Er  habe  sich  auch  nicht  in  der  Lage  gefühlt,  seine  Mutter  über  das  Geschehene  zu  informieren.  Das  Schreiben  bilde  somit  einen  wichtigen  Beweis  für  seine  psychische  Erkrankung  und  einen  wichtigen  Hinweis  für  die  Glaubhaftigkeit  seiner  späteren  Aussagen.  Dass  er  nicht  in  der  Lage  gewesen  sei,  die  eigentliche  Bedrohungslage  sachlicher  und  detaillierter  zu  formulieren,  unterstreiche  seine  Glaubwürdigkeit  zusätzlich.  Im  Schreiben  vom  8. November  2006  habe  er  der  Botschaft  mitgeteilt,  dass  sein  psychisches  Leiden  seinen  Höhepunkt  erreicht  habe.  Er  habe  die  Ambivalenz seiner Gefühle beschrieben, als er in einer Zeitung vom Tod  eines Jungen erfahren habe, der mit  ihm  im Lager der Karuna gewesen  sei.  Er  habe  beschrieben,  wie  er  in  seinem  Versteck  zunehmend  Zerfallserscheinungen  und  Schmerz  wahrgenommen  habe.  Seinem  Schreiben  an  die  Botschaft  vom  7.  Dezember  2006  sei  seine  zunehmende  Verzweiflung  zu  entnehmen.  Die  Familie,  bei  der  er  sich  versteckt habe, habe  ihm zu verstehen gegeben, dass er die Unterkunft  verlassen  solle,  da  sich  die  allgemeine  Lage  zugespitzt  habe.  Bei  der  Anhörung  habe  er  seine  Briefe  präzise  einordnen  können,  was  die  Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen unterstreiche. Er habe auch seinen sich  verschlechternden  Gesundheitszustand  geschildert.  In  einer  Beilage  zu  diesem Schreiben bestätige der "Justice of Peace" von B._______, dass  er den Beschwerdeführer aufgesucht und in einem geschlossenen Raum  vorgefunden  habe.  Der  schlechte  Gesundheitszustand  des 

D­115/2008 Beschwerdeführers  komme  in  den  erwähnten  Schreiben  deutlich  zum  Ausdruck.  Die  Briefe  läsen  sich  beispielhaft  als  Schilderung  des  Innenlebens  einer  zutiefst  traumatisierten  Person,  die  sich  darum  bemühe,  ihre  Situation  nach  aussen  zu  schildern.  Die  Briefe  an  die  Botschaft  belegten  seine  Asylvorbringen  eindrücklich.  Er  habe  seine  damalige Situation  detailliert  und ausdrücklich geschildert, was nur  eine  Person vermöge, die eine solche Isolierung und Angst im Versteck erlebt  habe.  Der  Beschwerdeführer  habe  bereits  bei  der  Erstbefragung  ausgeführt, seine Mutter habe bei Verwandten gewohnt, nachdem ihr von  der  Karuna  Frist  zu  seiner  Übergabe  gesetzt  worden  sei.  Somit  stehe  fest, dass die Schreiben der Botschaft vom 16. März 2007 (Einladung zur  Anhörung) und 4. April 2007 (rechtliches Gehör zum Nichterscheinen)  in  eine  Zeit  fielen,  in  der  sich  weder  seine  Mutter  noch  er  zu  Hause  aufgehalten hätten.  4.6. Dem ärztlichen Bericht vom 31. März 2008  ist  zu entnehmen, dass  der  Beschwerdeführer  unter  einer  posttraumatischen  Belastungsstörung  (PTBS)  leide. Er benötige bis auf Weiteres eine  intensive psychiatrische  und  medikamentöse  Behandlung,  die  zwingend  in  der  Schweiz  durchzuführen sei. Er sei nicht reisefähig. 4.7. Das BFM führt  in seiner Vernehmlassung vom 20. Mai 2008 aus,  in  EMARK 2003/2 sei  festgehalten worden, dass eine Verfolgung  im Sinne  von  AsylV  1  "geschlechtsspezifisch"  sei,  wenn  sie  in  Form  sexueller  Gewalt stattfinde oder die sexuelle  Identität des Opfers treffen solle. Die  Vorschrift,  wonach  bei  Vorliegen  konkreter  Hinweise  auf  geschlechtsspezifische  Verfolgung  der  Asylsuchende  von  einer  Person  gleichen  Geschlechts  befragt  werden müsse,  sei  von  Amtes  wegen  zu  beachten.  Die  Anhörung  zu  den  Asylgründen  sei  von  einem  Mann  durchgeführt  worden.  Der  Beschwerdeführer  habe  die  Gelegenheit  gehabt, seine Vorbringen  frei zu erzählen und er habe sich  im späteren  Verlauf  der  Befragung  auch  frei  zu  den  sexuellen  Übergriffen  äussern  können. Er habe die Vollständigkeit und Richtigkeit seiner Aussagen nach  erfolgter  Rückübersetzung  unterschriftlich  bestätigt  und  müsse  sich  darauf  behaften  lassen.  Das  anwesende  Hilfswerk  habe  keine  Beanstandungen  gegen  die  Qualität  der  Befragung  vorgebracht.  Aufgrund  dieser  Ausführungen  gehe  der  Einwand,  wonach  im  erstinstanzlichen Verfahren ein Verfahrensmangel gemäss Art. 6 AsylV 1  bestanden habe, fehl. Die Vorbringen des Beschwerdeführers zu seinem  Aufenthalt  im  Karuna­Camp  und  der  dabei  erlittenen  Misshandlungen  seien  jedoch  widersprüchlich  und  wenig  detailliert  ausgefallen.  Diese 

D­115/2008 Ungereimtheiten  seien  in  den  bisherigen  Eingaben  nicht  widerlegt  worden.  4.8.  In  der  Stellungnahme  vom  5.  Juni  2008  wird  entgegnet,  bei  der  Argumentation  in  der  Vernehmlassung  handle  es  sich  um  eine  eigenwillige  Weiterentwicklung  und  Präzisierung  des  Grundsatzurteils  durch das BFM. Der Anspruch auf Berücksichtigung  von Art.  6 AsylV 1  habe  zwingenden  und  absoluten  Charakter.  Eine  Verletzung  der  Norm  führe  zwingend  zur  Kassation  der  angefochtenen  Verfügung.  Auf  den  Anspruch  der  Befragung  durch  eine  Männerrunde  könne  nicht  rechtsgültig  verzichtet  werden.  Der  Beschwerdeführer  habe  weder  ausdrücklich  noch  implizit  auf  die  Berücksichtigung  von  Art.  6  AsylV  1  verzichtet. Er habe vielmehr gesagt, er habe Mühe, über das Erlittene zu  sprechen.  4.9.  In  der  Eingabe  vom  15.  Juni  2011  wird  geltend  gemacht,  der  Beschwerdeführer  habe  von  seinem  in  Sri  Lanka  lebenden  Bruder  erfahren,  dass  dieser  seit  Beginn  des  Jahres  2011  Probleme  mit  der  Karuna­Gruppe habe, weshalb er mehrfach seinen Wohnort  gewechselt  habe. Sein Bruder  sei  eingeschüchtert  und bedroht worden, die Karuna  habe wissen wollen, wo sich seine Mutter und sein Bruder befänden. Vor  zwei Monaten sei  sein Bruder mitgenommen worden. Seine Festnahme  habe Proteste der Universität ausgelöst und er sei gegen Bezahlung von  rund  Fr.  3'000  freigelassen  worden.  Sein  Bruder  wisse,  dass  er  die  Heimat nicht verlassen könne, da er bei der Karuna registriert sei. Dieser  habe darauf aufmerksam gemacht, dass sich seit Jahresbeginn innerhalb  der  Karuna  Fraktionskämpfe  ereigneten.  Dies  habe  zu  gewalttätigen  Auseinandersetzungen  und  zu  einem  Emporkommen  alter  Geschichten  und  Verdachtsmomente  geführt.  In  diesem  Zusammenhang  sei  die  Geschichte  des Beschwerdeführers wieder  ins Bewusstsein  der Karuna  gekommen.  Der  Beschwerdeführer  sei  überzeugt,  dass  er  aufgrund  seiner Vorgeschichte ins Visier der Karuna geriete und es zu Übergriffen  auf  ihn  käme. Er  gelte  als  politischer Gegner  der  Karuna  und wäre  bei  einer  Rückkehr  nach  Sri  Lanka  von  asylrechtlich  relevanter  Verfolgung  bedroht. Der Beschwerdeführer sei zu den neuen Gefährdungsmomenten  zwingend anzuhören. 5.  5.1.  Gemäss  Art. 6  AsylV 1  wird  eine  asylsuchende  Person  von  einer  Person  gleichen  Geschlechts  angehört,  wenn  konkrete  Hinweise  auf  geschlechtsspezifische  Verfolgung  vorliegen  oder  die  Situation  im 

D­115/2008 Herkunftsland  auf  geschlechtsspezifische  Verfolgung  hindeutet.  Diese  Verfahrensvorschrift  ist  nicht  nur  dann anzuwenden, wenn dies  von der  betroffenen  asylsuchenden  Person  ausdrücklich  verlangt  wird;  vielmehr  verpflichtet sie die zuständige Behörde dazu, auf die darin vorgesehene  Weise vorzugehen, sobald entsprechende Hinweise vorliegen. Dies ergibt  sich aus der Tatsache, dass Art. 6 AsylV 1 auch eine Ausgestaltung des  rechtlichen  Gehörs  ist,  weil  diese  Bestimmung  als  Schutzvorschrift  bezweckt, Asylsuchenden zu ermöglichen,  ihre Vorbringen angemessen  vorzutragen, das heisst konkret erlittene Übergriffe möglichst frei und von  Schamgefühlen  oder  Angst  unbeeinträchtigt  zu  schildern.  Gleichzeitig  dient  die  Bestimmung  aber  auch  dazu,  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsabklärung  zu  gewährleisten.  Aus  diesen Gründen  ist  Art. 6  AsylV 1 grundsätzlich von Amtes wegen anzuwenden (vgl. EMARK 2003  Nr. 2 E. 5c S. 19 f.). 5.2.  5.2.1. Der Beschwerdeführer machte bereits anlässlich der Erstbefragung  im Empfangs­ und Verfahrenszentrum geltend, die Person, die für ihn (im  Camp)  zuständig  gewesen  sei,  habe  mit  ihm  "einige  sexuelle  Handlungen" gemacht. Mit dieser Formulierung wies er offensichtlich auf  erlittene  sexuelle  Gewalt  hin,  bei  der  es  sich  praxisgemäss  um  "geschlechtsspezifische Verfolgung"  im Sinne  von Art. 6 AsylV1  handelt  (vgl.  EMARK  2003  Nr. 2  E. 5b.cc  S. 18).  Aufgrund  des  genannten  Vorbringens bestanden bereits an der Erstbefragung genügend konkrete  Indizien, welche als "Hinweise auf geschlechtsspezifische Verfolgung" im  Sinne  der  genannten  Verfahrensvorschrift  zu  beachten  gewesen  wären  und – wie oben dargelegt – zwingend zu einer Anhörung in einem reinen  Männerteam  hätten  führen  müssen.  Dessen  ungeachtet  wurde  der  Beschwerdeführer  am  9. November  2007  im  Beisein  einer  Hilfswerksvertreterin  (vgl.  act.  A12/18  S. 1  und  18)  angehört.  An  dieser  Anhörung wies er erneut darauf hin, er sei sexuell belästigt worden (act.  A12/18  S.  5).  Trotz  dieses  erneuten  Hinweises  auf  erlittene  sexuelle  Gewalt, wurde der Beschwerdeführer nicht darauf hingewiesen, dass er  das  Recht  habe,  in  Anwesenheit  eines  männlichen  Hilfswerkvertreters  angehört  zu  werden.  Vielmehr  wurden  ihm  weitere  Fragen  zu  den  erlittenen sexuellen Belästigungen gestellt (act. A12/18 S. 9 f.). Auch als  er dem Befrager auf die Frage, was E._______ "mit ihm gemacht habe",  antwortete,  er  solle  bitte  nicht  solche  Sachen  fragen,  brach  dieser  die  Befragung nicht ab, sondern wies  ihn  lediglich darauf hin, er könne sich  umdrehen,  damit  er  das  Befragungsteam  nicht  anschauen  müsse.  Im  Protokoll  wurde  vermerkt,  der  Beschwerdeführer  habe  während  der 

D­115/2008 Erzählung  gegen  den  Boden  geschaut.  Die  Hilfswerksvertreterin  fragte  den Beschwerdeführer kurz vor dem Ende der Anhörung, ob E._______  ihn sexuell missbraucht habe, weil er das Training nicht absolviert habe  (vgl. act. A12/18 S. 14). 5.2.2.  Zu  den  geltend  gemachten  sexuellen  Handlungen,  die  der  Beschwerdeführer  durch  E._______  erlitten  habe,  wurden  ihm  bei  der  Erstbefragung keine weiteren Fragen gestellt. Bei der Anhörung wurde er  ausführlicher  dazu  befragt.  Aufgrund  obiger  Erwägungen  und  seines  Verhaltens  bei  der  Anhörung  ist  nicht  mit  hinreichender  Wahrscheinlichkeit  auszuschliessen,  dass  er  aufgrund  von  Schamgefühlen  wegen  der  bei  der  Anhörung  anwesenden  Hilfswerksvertreterin nicht in der Lage war, sich detailliert zu den geltend  gemachten Misshandlungen sexueller Art zu äussern (vgl. EMARK 2003  Nr. 2 E. 5.b.cc S. 18), auch wenn er dies während der Anhörung nicht von  sich aus äusserte. 5.2.3. Hinsichtlich  der  Frage,  ob  die  asylsuchende Person  allenfalls  auf  die ihr gemäss Art. 6 AsylV 1 zustehende Befragung durch Personen des  gleichen Geschlechts verzichten kann,  ist zu beachten, dass  im Hinblick  auf  den  Schutzzweck  der  Norm  blosses  Stillschweigen  allein  nicht  als  Verzicht  gedeutet  werden  kann,  und  ein  solcher  Verzicht  nur  dann  angenommen  werden  kann,  wenn  er  ausdrücklich  erklärt  wird  (vgl.  EMARK  2003  Nr. 2  E. 5c  S. 19 f.),  was  voraussetzt,  dass  die  asylsuchende  Person  über  ihre  diesbezüglichen  Rechte  hinreichend  aufgeklärt wurde. Die in der Stellungnahme vom 5. Juni 2008 vertretene  Auffassung,  es  könne  nicht  rechtsgültig  auf  den  Anspruch  auf  die  Befragung  durch  eine  reine  Männerrunde  verzichtet  werden,  würde  hingegen  zu  absurden  Ergebnissen  führen.  Äusserte  sich  der  Asylsuchende dahingehend, dass er die Anwesenheit einer Frau bei der  Befragung  begrüsse  beziehungsweise  die  Anwesenheit  von  Männern  ablehne  –  was  in  Konstellationen  wie  der  vorliegenden,  in  denen  die  sexuelle  Gewalt  von  einer  gleichgeschlechtlichen  Person  ausgeübt  worden  sei,  durchaus  vorstellbar  ist  –  wäre  es  widersinnig,  diesen  Wunsch  abzuschlagen.  Vornehmliches  Ziel  ist  schliesslich,  es  der  asylsuchenden  Person,  die  erlittene  sexuelle  Gewalt  geltend macht,  zu  ermöglichen, sich möglichst frei dazu äussern zu können. 5.2.4. Die in der Beschwerde erhobene Rüge, die Erstbefragung sei unter  Verstoss  gegen  Art.  6  AsylV 1  zustande  gekommen,  da  sie  von  einer  Frau durchgeführt worden sei, ist nicht nachvollziehbar. Aus dieser Norm 

D­115/2008 kann keinesfalls abgeleitet werden, Asylsuchende wären bereits bei der  Erstbefragung  durch  ein  gleichgeschlechtliches  Team  zu  befragen.  Der  Beschwerdeführer wies in der Erstbefragung darauf hin, E._______ habe  "mit  ihm einige  sexuelle Handlungen gemacht".  Ihm wurden dazu  keine  weiteren Fragen gestellt, weshalb keineswegs zu beanstanden  ist, dass  die Erstbefragung weitergeführt wurde. 5.2.5.  In den Akten  finden sich  jedoch keine Hinweise darauf, dass das  BFM den Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung über sein von Art. 6  AsylV 1  garantiertes  Recht  auf  eine  Befragung  durch  ein  gleichgeschlechtliches  Team  informiert  hätte.  Eine  Verzichtserklärung  liegt weder ausdrücklich noch konkludent vor, da er nicht einmal gefragt  wurde,  ob  es  für  ihn  schwierig  sei,  in  Anwesenheit  einer  Frau  zu  den  geltend  gemachten  sexuellen  Übergriffen  befragt  zu  werden.  Die  Tatsache, dass er die ihm gestellten Fragen beantwortete, kann nicht als  rechtsgültige  Verzichtserklärung  auf  eine  Befragung  durch  ein  gleichgeschlechtliches  Team  gewertet  werden.  Eine  wirksame  Verzichtserklärung hätte bereits zu Beginn der Anhörung und in Kenntnis  der  Rechte  gemäss  Art. 6  AsylV 1  erfolgen  müssen  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts       D­5081/2010 vom 3. November 2011 E.  5.2.3).  Es  ist  auch  nicht  ersichtlich,  dass  das  BFM  das  mit  der  Beobachtung  der Anhörung  betraute Hilfswerk  aufgefordert  hätte,  einen  männlichen  Vertreter  für  die  Anhörung  zur  Verfügung  zu  stellen.  Der  Beschwerdeführer  hat  demnach  nicht  rechtsgültig  auf  eine  Anhörung  in  einem reinen Männerteam verzichtet. Das BFM hat folglich Art. 6 AsylV 1  und  den  damit  einhergehenden  Anspruch  des  Beschwerdeführers  auf  rechtliches  Gehör  verletzt,  indem  es  trotz  konkreter  Hinweise  auf  geschlechtsspezifische  Verfolgung  und  trotz  Fehlens  einer  rechtswirksamen  Verzichtserklärung  mit  ihm  keine  Anhörung  in  einem  reinen Männerteam durchgeführt hat. 6.  6.1. Wie  im Verwaltungsverfahren  allgemein,  gilt  auch  im Asylverfahren  der  Untersuchungsgrundsatz  und  die  Pflicht  zur  vollständigen  und  richtigen  Abklärung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  (Art. 6  AsylG  i.V.m. Art. 12 VwVG). Das BFM hat die  für das Verfahren erforderlichen  Sachverhaltsunterlagen  zu  beschaffen,  die  relevanten  Umstände  abzuklären  und  darüber  ordnungsgemäss  Beweis  zu  führen.  Gemäss  Art. 8 AsylG hat die asylsuchende Person demgegenüber die Pflicht und  unter dem Blickwinkel des rechtlichen Gehörs im Sinne von Art. 29 VwVG  und Art. 29 Abs. 2 BV das Recht,  an der Feststellung des Sachverhalts 

D­115/2008 mitzuwirken (vgl. BVGE 2009/50 E. 10.2.1 und E. 10.2.2 S. 734 f., BVGE  2008/24 E. 7.2  S. 356 f.)  Ferner  verlangt  der Grundsatz  des  rechtlichen  Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG), dass die  verfügende  Behörde  die  Vorbringen  des  Betroffenen  tatsächlich  hört,  sorgfältig und ernsthaft prüft und  in der Entscheidfindung berücksichtigt,  was sich entsprechend in der Entscheidbegründung niederschlagen muss  (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). Für das Asylverfahren wird der Anspruch auf  rechtliches Gehör  in  Art. 29  AsylG,  der  vorschreibt,  dass  Asylsuchende  zu  den  Asylgründen  mündlich  anzuhören  sind,  näher  konkretisiert.  Die  Anhörung  soll  Gewähr  bieten,  dass  die  asylsuchende  Person  ihre  Asylgründe  vollständig  darlegen  kann  und  diese  von  der  Asylbehörde  korrekt  erfasst  werden,  wobei  die  mündliche  Befragung  insbesondere  auch dazu dient, gezielte Rückfragen zur Erhebung des Sachverhalts zu  stellen  und  Missverständnisse  zu  klären  (BVGE  2007/30  E. 5.5.1  und  5.5.2  S. 365  f.;  WALTER  KÄLIN,  Grundriss  des  Asylverfahrens,  Basel/Frankfurt a.M.1990,  S. 256  f.).  Wie  bereits  erwähnt,  dient  auch  Art. 6  AsylV 1  dazu,  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsabklärung  zu  gewährleisten (vgl. EMARK 2003 Nr. 2 E. 5c S. 19 f.). 6.1.1. Aufgrund  obiger  Erwägungen  ist  im  Hinblick  auf  die  Feststellung  des rechtserheblichen Sachverhalts festzuhalten, dass die Richtigkeit der  Sachverhaltsabklärung  im  vorliegenden  Fall  aufgrund  des  Verstosses  gegen Art. 6 AsylV 1 nicht vollumfänglich gewährleistet ist.    6.2.  Nach  dem  Gesagten  ist  festzuhalten,  dass  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  bezüglich  der  Verfolgungsvorbringen  –  insbesondere  hinsichtlich  der  geltend  gemachten  sexuellen  Übergriffe  –  nicht  korrekt  erhoben  wurde.  Im  Rahmen  des  Beschwerdeverfahrens  wurde  diesbezüglich zudem berechtigterweise vorgebracht, der Sachverhalt sei  auch deshalb nicht  rechtsgenüglich erhoben worden, weil die Aussagen  der Mutter des Beschwerdeführers, die  ihr Heimatland aufgrund mit  ihm  in Zusammenhang stehenden Problemen verlassen habe, sowie die bei  der Botschaft liegenden Akten nicht berücksichtigt wurden. 6.3. Zusammenfassend ergibt sich, dass das BFM Art. 6 AsylV 1 und den  damit einhergehenden Anspruch des Beschwerdeführers auf  rechtliches  Gehör  verletzt  sowie  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  und  unvollständig  erhoben  hat.  Eine  Heilung  dieser  Mängel  auf  Beschwerdeebene  (vgl.  BVGE  2008/47  E. 3.3.4  S. 676 f.)  steht  schon  deshalb  nicht  zur  Debatte,  weil  es  nicht  Sache  des  Bundesverwaltungsgerichts  ist,  den  Sachverhalt  erstmals  vollständig  zu 

D­115/2008 erheben.  Die  Beschwerde  ist  demnach  gutzuheissen,  soweit  darin  die  Aufhebung der angefochtenen Verfügung beantragt wird, und die Sache  ist  zur  richtigen  und  vollständigen  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts und zur Neubeurteilung an das BFM zurückzuweisen. Das  BFM wird den Beschwerdeführer  in einer reinen Männerrunde erneut zu  befragen  haben,  wobei  auch  der  neu  vorgebrachte  Sachverhalt  (Probleme  des  Bruders,  die  mit  den  seinen  in  Zusammenhang  stehen  sollen) zu klären sein wird. 7.  Das  BFM  hat  die  angefochtene  Verfügung  vom  7.  Dezember  2007 mit  Verfügung vom 25. April 2008 hinsichtlich der Dispositivziffern 4 und 5 in  Wiedererwägung  gezogen  und  zufolge  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  die  vorläufige  Aufnahme  des  Beschwerdeführers  angeordnet. Damit ist die Beschwerde gegenstandslos geworden, soweit  sie den Vollzug der Wegweisung betraf. Im Rundschreiben des BFM vom  11. Februar  2088  zum Anhang  3  zu Weisung  III  /  6.3  wurde  vom BFM  festgehalten,  eine  zusammen  mit  dem  Bundesamt  für  Justiz  (BJ)  vorgenommene  Prüfung  der  Rechtslage  habe  ergeben,  dass  sich  die  Wirkungen  der  vorläufigen  Aufnahme  bereits  ab  erstinstanzlichem  Entscheid  entfalteten.  Nichts  anderes  kann  gelten,  wenn  die  vorläufige  Aufnahme  vom  BFM wiedererwägungsweise  angeordnet  wird.  Die  vom  BFM mit Verfügung vom 25. April 2008 angeordnete vorläufige Aufnahme  wird vom vorliegenden Rückweisungsurteil somit nicht berührt und bleibt  in Rechtskraft.  8.  8.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  und  2  VwVG).  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird deshalb  gegen­standslos. Dem Beschwerdeführer  ist  in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG eine  Parteientschädigung  für  die  ihm  erwachsenen  notwendigen  Vertretungskosten  zuzusprechen  (vgl.  Art. 7  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]).  In  der  Beschwerde  wurde  beantragt,  dem  unterzeichneten  Anwalt  sei  vor  der  Gutheissung  der Beschwerde Frist zur Einreichung einer Kostennote anzusetzen. Mit  Zwischenverfügung vom 28. April 2008 wurde dem Rechtsvertreter Frist  zur Einreichung einer Kostennote gesetzt. Anstelle die Gelegenheit dazu 

D­115/2008 wahrzunehmen,  teilte  dieser  dem  Gericht  in  seinem  Schreiben  vom  14. Mai  2008  mit,  ihm  sei  vor  einem  allfälligen  Entscheid  Frist  anzusetzen,  um  zur  Bestimmung  der  Parteientschädigung  eine  Kostennote  einreichen  zu  können.  Gemäss  Art. 14  VGKE  haben  die  Parteien,  die  Anspruch  auf  Parteientschädigung  erheben,  dem  Gericht  vor  dem Entscheid  eine detaillierte Kostennote  einzureichen,  ansonsten  das  Gericht  die  Entschädigung  aufgrund  der  Akten  festlegt.  Die  Präsidentenkonferenz  des Bundesverwaltungsgerichts  hat  im  Jahr  2009  beschlossen,  dass  bei  Anwältinnen  und  Anwälten  und  anderen  Rechtsvertreterinnen und ­vertretern, die  ihren Vertretungsaufwand nicht  unaufgefordert  und  rechtzeitig  ausweisen,  grundsätzlich  keine  Kostennote  eingeholt,  sondern  der  zu  entschädigende  Parteiaufwand  geschätzt  wird  (vgl.  den  auf  der  Homepage  des  Bundesverwaltungsgerichts  abgelegten  Geschäftsbericht  2009  S. 75).  Der  erneute  Antrag  auf  Ansetzen  einer  Frist  zur  Einreichung  einer  Kostennote  ist  abzuweisen,  da  dem  Rechtsvertreter  zuvor  ausdrücklich  dazu  Gelegenheit  gewährt  wurde  und  die  Partei  den  entstandenen  Aufwand  ohnehin  unaufgefordert  auszuweisen  hat.  Unter  Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren  (vgl. Art. 8  ff.  VGKE)  ist  die  Parteientschädigung  pauschal  auf  Fr. 2'500.–  (inkl.  Auslagen  und  Mehrwertsteuer)  festzusetzen  (Art. 14  Abs. 2  und  Art. 10  Abs. 2 VGKE). Das BFM ist anzuweisen, dem Beschwerdeführer diesen  Betrag  als  Parteientschädigung  für  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht auszurichten. (Dispositiv nächste Seite)

D­115/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen,  soweit  sie  nicht  gegenstandslos  geworden ist. 2.  Die  angefochtene  Verfügung wird  aufgehoben  und  die  Sache  im  Sinne  der Erwägungen zur Neubeurteilung an das BFM zurückgewiesen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  4.  Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung von Fr. 2'500.– auszurichten. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Hans Schürch Christoph Basler Versand:

D-115/2008 — Bundesverwaltungsgericht 29.12.2011 D-115/2008 — Swissrulings