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Bundesverwaltungsgericht 04.11.2011 C-7820/2009

4. November 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,366 Wörter·~7 min·3

Zusammenfassung

Einreiseverbot | Einreiseverbot

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­7820/2009 und C­7821/2009 Urteil   v om   4 .   No v embe r   2011 Besetzung Richterin Marianne Teuscher (Vorsitz), Richterin Elena Avenati­Carpani, Richter Antonio Imoberdorf,    Gerichtsschreiber Daniel Brand. Parteien 1. S._______, 2. F._______, beide vertreten durch K._______, Zustelladresse: Ö._______, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Einreiseverbot.

C­7820/2009 und C­7821/2009 Sachverhalt: A.  Der  aus  der  Türkei  stammende  S._______  (geb.  1952,  nachfolgend:  Beschwerdeführer)  und  seine  türkische  Ehefrau  F._______  (geb.  1959,  nachfolgend: Beschwerdeführerin) hielten sich gemäss eigenen Angaben  seit  dem  11.  Dezember  2008  besuchshalber  bei  Verwandten  in  der  Bundesrepublik Deutschland auf. Am 6. Juni 2009 wurden sie von einem  Freund der Familie mit dem Auto nach Zürich gebracht. Anlässlich  ihrer  Ausreise stellte die Grenzkontrollbehörde am Flughafen Zürich fest, dass  sich  die  Beschwerdeführer  zu  lange  im  Schengenraum  aufgehalten  hatten. B.  Mit  Verfügung  vom  10.  Juli  2009  verhängte  die  Vorinstanz  über  den  Beschwerdeführer ein Einreiseverbot  für die Dauer von drei  Jahren und  entzog  einer  allfälligen  Beschwerde  die  aufschiebende  Wirkung.  Zur  Begründung  der  Massnahme  führte  sie  unter  Bezugnahme  auf  Art.  67  Abs. 1 Bst. a des Ausländergesetzes vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR  142.20;  zur  damaligen  Fassung  vgl.  AS  2007  5457)  aus,  der  Beschwerdeführer  haben  wegen  illegaler  Einreise  und  illegalen  Aufenthalts  von mehr als 50 Tagen  ("Overstayer")  gegen die öffentliche  Sicherheit und Ordnung verstossen. C.  Mit  Strafverfügungen  vom  21.  Juli  2009  wurden  die  Beschwerdeführer  vom Statthalteramt Bülach wegen widerrechtlichen Verweilens  im Lande  nach  Ablauf  des  bewilligten  Aufenthaltes  und  Missachtens  der  Meldepflicht  zu  je  einer  Busse  von  Fr.  400.­  verurteilt.  Beide  Strafverfügungen blieben unangefochten und erwuchsen in Rechtskraft. D.  Gestützt  auf  den  gleichen  Sachverhalt  verhängte  die  Vorinstanz  am  13. August  2009  auch  gegen  die  Beschwerdeführerin  ein  dreijähriges  Einreiseverbot  mit  der  Begründung,  diese  habe  wegen  illegalen  Aufenthalts  im  Schengenraum  von  mehr  als  30  Tagen  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  verstossen  (Art.  67  Abs.  1  Bst.  a  AuG).  Einer  allfälligen  Beschwerde  wurde  ebenfalls  die  aufschiebende  Wirkung entzogen. E.  Mit  einer  gemeinsamen  Rechtsmitteleingabe  an  das 

C­7820/2009 und C­7821/2009 Bundesverwaltungsgericht  vom  11.  Dezember  2009  beantragen  die  Beschwerdeführer  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügungen.  Im  Wesentlichen  lassen  sie  zur  Begründung  vorbringen,  als  "Beamtenrentner"  verfügten  sie  über  einen  sogenannten  "grünen  Reisepass",  mit  welchem  sie  visumsfrei  in  die  EU­Länder  einreisen  dürften. Sie  kämen  regelmässig  in die Bundesrepublik Deutschland, um  sich  gesundheitlich  untersuchen  zu  lassen  und  ihre  dort  lebenden  Familienangehörigen  zu  besuchen.  Im  Weitern  versichern  sie,  bei  erneuter Einreise die entsprechenden Vorschriften bezüglich Einreise und  Aufenthalt einzuhalten. F.  Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 19. März 2010 auf  Abweisung  der  Beschwerde  und  hält  ergänzend  fest,  als  Besitzer  von  türkischen  Dienstpässen  seien  die  Beschwerdeführer  zu  einer  visumsfreien  Einreise  sowie  einem  Aufenthalt  im  Schengenraum  bis  maximal  90 Tage pro Halbjahr  berechtigt  gewesen.  In  der  Folge  hätten  sie  sich  jedoch  über  den  bewilligungsfreien  Aufenthalt  hinaus  noch  während  fast  drei Monaten  in  der  Bundesrepublik  Deutschland  bzw.  im  Schengenraum  aufgehalten,  ohne  im  Besitze  der  dafür  erforderlichen  Visa respektive Aufenthaltsbewilligungen gewesen zu sein. G.  In  ihrer Replik vom 10. April 2010 halten die Beschwerdeführer an  ihren  Anträgen und deren Begründung vollumfänglich  fest,  verweisen auf  ihre  gute wirtschaftliche Situation in der Türkei und bringen abschliessend vor,  sie  seien  im  falschen  Glauben  gewesen,  mit  ihren  Dienstausweisen  betrage  die  visumsfreie  Zeit  nicht  nur  90  Tage,  sondern  ganze  sechs  Monate.  Sie  hätten  somit  nicht  vorsätzlich  gegen  fremdenpolizeiliche  Bestimmungen verstossen. Der  Eingabe  waren  Kopien  zweier  Grundbuchauszüge  sowie  des  Fahrzeugausweises des Beschwerdeführers beigelegt. H.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

C­7820/2009 und C­7821/2009 1.  Aufgrund  des  engen  persönlichen  und  sachlichen  Zusammenhangs  rechtfertigt  es  sich,  die  Beschwerdeverfahren  C­7820/2009  und  C­7821/2009 zu vereinigen. 2.  2.1.  Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  im  Sinne  von  Art.  5  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20. Dezember  1968  (VwVG,  SR 172.021),  sofern  keine  Ausnahme  nach  Art.  32  VGG  vorliegt.  Als  Vorinstanzen  gelten  die  in  Art.  33  VGG  genannten  Behörden.  Dazu  gehört  auch  das  BFM,  das  mit  der  Anordnung  eines  Einreiseverbotes  eine  Verfügung  im  erwähnten  Sinne  und  daher  ein  zulässiges  Anfechtungsobjekt erlassen hat. Eine Ausnahme nach Art. 32 VGG liegt  nicht vor. 2.2. Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet  sich  nach  dem  VwVG,  soweit  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 2.3.  Die  Beschwerdeführer  sind  als  Verfügungsadressaten  zur  Beschwerde  legitimiert  (Art. 48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  somit  einzutreten  (Art.  49  ff.  VwVG). 2.4.  Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  endgültig  (vgl.  Art.  83  Bst. c Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  [BGG, SR  173.110]). 3.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  sowie  –  soweit  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art. 49  VwVG).  Das  Bundesverwaltungsgericht  wendet  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art. 62  Abs. 4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden  und  kann  die  Beschwerde  auch  aus  anderen  als  den  geltend  gemachten  Gründen 

C­7820/2009 und C­7821/2009 gutheissen oder abweisen. Massgebend  ist grundsätzlich die Sach­ und  Rechtslage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2). 4.  Wird gegen eine Person, welche nicht Angehörige eines Staates  ist, der  durch  eines  der  Schengen­Assozierungsabkommen  gebunden  ist  (vgl.  Anhang 1 Ziffer  1 AuG),  ein Einreiseverbot  nach Art.  67 AuG verhängt,  wird  diese  Person  gestützt  auf  Art.  94  Abs.  1  und  Art.  96  des  Übereinkommens  vom  19.  Juni  1990  zur  Durchführung  des  Übereinkommens  betreffend  den  schrittweisen Abbau  der Kontrollen  an  den gemeinsamen Grenzen (Schengener Durchführungsübereinkommen  [SDÜ], Abl. L 239 vom 22. September 2000, S. 19­62) und Art. 16 Abs. 2  und  4  des  Bundesgesetzes  vom  13.  Juni  2008  über  die  polizeilichen  Informationssysteme  des  Bundes  (BPI,  SR  361)  grundsätzlich  im  Schengener  Informationssystem  [SIS],  vgl.  dazu  Art.  92  ff.  SDÜ)  zur  Einreiseverweigerung ausgeschrieben. Eine solche Ausschreibung einer  Person  im  SIS  zur  Einreiseverweigerung  aufgrund  einer  vom  BFM  verhängten  Fernhaltemassnahme  bewirkt,  dass  ihr  die  Einreise  in  das  Hoheitsgebiet der Schengen­Mitgliedstaaten verweigert wird (vgl. Art. 13  Abs. 1 der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments  und des Rates  vom 15. März 2006 über  einen Gemeinschaftskodex  für  das  Überschreiten  der  Grenzen  durch  Personen  [Schengener  Grenzkodex bzw. SGK, Abl. L 105 vom 13. April 2006, S. 1­32]). 5.  5.1.  Das  in  Art.  67  AuG  geregelte  Einreiseverbot  entspricht  der  altrechtlichen  Einreisesperre  des  Art.  13  des  Bundesgesetzes  vom  26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAG,  BS 1 121). Auf den 1. Januar 2011 trat als Folge der Weiterentwicklung  des  Schengen­Besitzstandes  eine  neue  Fassung  in  Kraft  (zum Ganzen  vgl. BBl 2009 8881 und AS 2010 5925). Nach Art. 67 Abs. 1 AuG wird ein  Einreiseverbot  vom  BFM  unter  Vorbehalt  von  Abs.  5  nun  gegenüber  weggewiesenen  Ausländerinnen  und  Ausländern  verfügt,  wenn  die  Wegweisung nach Art. 64d Abs. 2 Bst. a – c AuG sofort vollstreckt wird  (Art.  67  Abs.  1  Bst.  a  AuG)  oder  die  betroffene  Person  der  Ausreiseverpflichtung  nicht  nachgekommen  ist  (Art.  67  Abs.  1  Bst.  b  AuG).  Es  kann  nach  Art.  67  Abs. 2  AuG  sodann  gegen  ausländische  Personen  erlassen  werden,  die  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  in  der Schweiz  oder  im Ausland  verstossen  haben oder  diese  gefährden  (Art.  67  Abs.  2  Bst.  a),  Sozialhilfekosten  verursacht  haben  (Art. 67  Abs.  2  Bst.  b)  oder  in  Vorbereitungs­,  Ausschaffungs­  oder 

C­7820/2009 und C­7821/2009 Durchsetzungshaft  genommen werden mussten  (Art.  67  Abs.  2  Bst.  c).  Das  Einreiseverbot  wird  für  eine  Dauer  von  höchstens  fünf  Jahren  verhängt.  Es  kann  für  eine  längere  Dauer  verfügt  werden,  wenn  die  betroffene  Person  eine  schwerwiegende  Gefahr  für  die  öffentliche  Sicherheit und Ordnung darstellt (Art. 67 Abs. 3 AuG). Schliesslich kann  die  verfügende  Behörde  aus  humanitären  oder  anderen  wichtigen  Gründen  von  der  Verhängung  eines  Einreiseverbots  absehen  oder  ein  Einreiseverbot vollständig oder vorübergehend aufheben  (Art. 67 Abs. 5  AuG). Die  bisher  bestehende  Praxis  der  Vorinstanz  bei  der  Ansetzung  von  Fernhaltemassnahmen  ist  in  der  vorliegenden  Konstellation  mit  den  obgenannten  Grundsätzen  vereinbar  (vgl.  BBl  2009  8896).  Da  der  bisherige Art. 67 Abs. 1 Bst. a AuG mit dem neuen Art. 67 Abs. 2 Bst. a  AuG identisch ist und vorliegend kein Einreiseverbot mit einer Dauer von  mehr  als  fünf  Jahren  zur  Diskussion  steht,  ändert  sich  für  die  Beschwerdeführer im Ergebnis ohnehin nichts. 5.2. Die öffentliche Sicherheit und Ordnung  im Sinne von Art. 67 Abs. 2  Bst.  a  AuG  bildet  den  Oberbegriff  für  die  Gesamtheit  der  polizeilichen  Schutzgüter.  Sie  umfasst  unter  anderem  die  Unverletzlichkeit  der  objektiven Rechtsordnung; deren Verletzung  ist namentlich gegeben bei  erheblichen oder wiederholten Verstössen gegen gesetzliche Vorschriften  oder  behördliche  Verfügungen  sowie  bei  Nichterfüllung  öffentlichrechtlicher  oder  privatrechtlicher  Verpflichtungen  (Botschaft,  a.a.O., 3809; vgl. auch Art. 80 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung vom  24.  Oktober  2007  über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit  [VZAE,  SR  142.201]  sowie  RAINER  J.  SCHWEIZER/PATRICK  SUTTER/NINA  WIDMER, in: Rainer J. Schweizer [Hrsg.], Sicherheits­ und Ordnungsrecht  des Bundes, SBVR Bd.  III/1, Basel 2008, Teil B, Rz. 13 mit Hinweisen).  Somit  kann  eine  Zuwiderhandlung  gegen  ausländerrechtliche  Bestimmungen, als Teil der objektiven Rechtsordnung, ein Einreiseverbot  nach  sich  ziehen,  jedoch  nicht  als  Sanktion  für  vergangenes  Fehlverhalten,  sondern  als  Massnahme  zur  Abwendung  künftiger  Störungen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (vgl. BBl 2002 3813). 6.  6.1.  Sofern  sie  keiner  Erwerbstätigkeit  nachgehen,  benötigen  Auslän­ derinnen  und Ausländer  für  einen Aufenthalt  in  der Schweiz  von  bis  zu  drei Monaten keine Bewilligung (Art. 10 Abs. 1 AuG). Art. 9 Abs. 1 VZAE  hält  präzisierend  fest,  dass  Ausländerinnen  und  Ausländer  ohne 

C­7820/2009 und C­7821/2009 Erwerbstätigkeit  in  der  Schweiz  für  einen  Aufenthalt  von  bis  zu  drei  Monaten  innerhalb  eines  Zeitraums  von  sechs  Monaten  nach  der  (erstmaligen)  Einreise  keine  Bewilligung  benötigen  und  sich  nicht  anmelden  müssen  (bewilligungsfreier  Aufenthalt),  wobei  die  Einreisevoraussetzungen  nach  Art. 5  AuG  während  des  gesamten  bewilligungsfreien Aufenthalts  erfüllt  sein müssen  (Art.  9 Abs.  2 VZAE).  Sofern  hingegen  ein  längerer  Aufenthalt  ohne  Erwerbstätigkeit  beabsichtigt  ist,  ist  dafür  eine  Bewilligung  erforderlich,  welche  vor  der  Einreise  in die Schweiz bei der am vorgesehenen Wohnort zuständigen  Behörde zu beantragen ist (vgl. Art. 10 Abs. 2 AuG).  In  diesem  Zusammenhang  gilt  es  insbesondere  zu  beachten,  dass  die  Frist  von  drei Monaten  nicht  nur  für  den Aufenthalt  in  der  Schweiz  gilt,  sondern für den Aufenthalt im gesamten Schengenraum. Personen, die –  wie die Beschwerdeführer – gemäss EU­Visum­Verordnung zur Einreise  in den Schengenraum kein Visum benötigen, dürfen sich somit während  höchstens dreier Monate innerhalb eines Zeitraumes von sechs Monaten  im  Schengenraum  aufhalten  und  müssen  während  des  gesamten  Aufenthalts die Einreisevoraussetzungen nach Art. 5 Abs. 1 SGK erfüllen  (Art. 20 Abs. 1 SDÜ).  6.2. Gemäss Eintrag  in  ihren Reisepässen  (Einreisestempel)  reisten die  Beschwerdeführer  am  11.  Dezember  2008  in  den  Schengenraum  ein,  womit der bewilligungsfreie 90­tägige Aufenthalt spätestens am 10. März  2009  ablief.  Unbestrittenermassen  dauerte  ihr  Aufenthalt  in  der  Bundesrepublik Deutschland bzw.  in der Schweiz bis zum 6. Juni 2009,  womit  sie  die  bewilligungsfreie  Aufenthaltsdauer  um  fast  drei  Monate  überschritten  und  sich  dadurch  widerrechtlich  im  Schengenraum  aufgehalten  haben.  In  Bezug  auf  die  Verfehlungen,  derentwegen  die  Beschwerdeführer  straf­  und  ausländerrechtlich  belangt  wurden,  gilt  zudem  allgemein,  dass  für  die  Verhängung  eines  Einreiseverbots  kein  vorsätzlicher  Verstoss  gegen  ausländerrechtliche  Bestimmungen  erforderlich  ist.  Es  genügt,  wenn  der  ausländischen  Person  eine  Sorgfaltspflichtverletzung  zugerechnet  werden  kann.  Unkenntnis  oder  Fehlinterpretation  der  Einreise­  oder  Aufenthaltsvorschriften  –  wie  von  den Beschwerdeführern geltend gemacht – stellen normalerweise keinen  hinreichenden  Grund  für  ein  Absehen  von  einer  Fernhaltemassnahme  dar.  Jeder  Ausländerin  und  jedem  Ausländer  obliegt,  sich  über  bestehende  Rechte  und  Pflichten  im  Zusammenhang  mit  ausländerrechtlichen Vorschriften ins Bild zu setzen und sich im Falle von  Unklarheiten  bei  den  zuständigen Stellen  zu  informieren  (vgl. Urteil  des 

C­7820/2009 und C­7821/2009 Bundesverwaltungsgerichts  C­4639/2010  vom  15.  Februar  2011  E.  5.3.  mit Hinweis). 6.3.  Im  vorliegenden  Fall  haben  die  Beschwerdeführer  mit  der  nicht  unerheblichen Überschreitung des bewilligungsfreien Aufenthaltes gegen  ausländerrechtliche  Vorschriften  von  zentraler  Bedeutung  verstossen,  womit die Voraussetzungen für ein Einreiseverbot gemäss Art. 67 Abs. 1  Bst. a AuG in der Fassung vom 1. Januar 2008 bzw. Art. 67 Abs. 2 Bst. a  AuG  in der Fassung vom 1.  Januar 2011  fraglos erfüllt  sind. Die gegen  die  Beschwerdeführer  verhängten  Fernhaltemassnahmen  erweisen  sich  damit in grundsätzlicher Hinsicht als gerechtfertigt. 7.  7.1. Es  bleibt  zu  prüfen,  ob  die  angeordneten Massnahmen  in  richtiger  Ausübung  des  Ermessens  ergangen  und  angemessen  sind.  Der  Grundsatz  der  Verhältnismässigkeit  steht  dabei  im  Vordergrund.  Unter  diesem  Gesichtspunkt  ist  eine  wertende  Abwägung  vorzunehmen  zwischen  dem  öffentlichen  Interesse  an  der Massnahme  einerseits  und  den  von  der  Massnahme  beeinträchtigten  privaten  Interessen  des  Betroffenen  andererseits.  Die  Stellung  der  verletzten  oder  gefährdeten  Rechtsgüter,  die  Besonderheiten  des  ordnungswidrigen  Verhaltens  und  die persönlichen Verhältnisse des Verfügungsbelasteten bilden dabei den  Ausgangspunkt  der  Überlegungen  (vgl.  statt  vieler  ULRICH  HÄFELIN  /  GEORG  MÜLLER  /  FELIX  UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  6.  vollständig überarbeitete Auflage, Zürich / St. Gallen 2010, Rz. 613 ff.).  7.2. Das Fehlverhalten der Beschwerdeführer wiegt objektiv nicht  leicht.  Es  beinhaltet  die  Missachtung  ausländerrechtlicher  Normen,  denen  im  Interesse einer funktionierenden Rechtsordnung eine zentrale Bedeutung  zukommt. Auf der anderen Seite  ist die Gefahr weiterer gleichgelagerter  Zuwiderhandlungen  nicht  in  dem  Masse  zu  veranschlagen,  wie  zum  Zeitpunkt  des  Erlasses  der  angefochtenen  Verfügungen  von  der  Vorinstanz  angenommen  wurde,  beruhte  doch  der  den  Beschwerdeführern  vorgeworfene  Verstoss  gegen  fremdenpolizeiliche  Bestimmungen  offenbar  auf  einer  Fehlinterpretation  der  Einreise­  oder  Aufenthaltsvorschriften.  Ausserdem  zeigten  sich  die  Beschwerdeführer  bei der polizeilichen Einvernahme einsichtig und kooperativ. 7.3.  Eine  Abwägung  der  gegenläufigen  öffentlichen  und  privaten  Interessen führt zum Ergebnis, dass die Einreiseverbote dem Grundsatze  nach zu bestätigen sind, in Bezug auf die ausgesprochene Dauer jedoch 

C­7820/2009 und C­7821/2009 als unangemessen lang erscheinen. Angesichts der konkreten Umstände  ist  davon  auszugehen,  dass  dem  öffentlichen  Interesse  an  der  Fernhaltung der Beschwerdeführer bis zum Zeitpunkt dieses Entscheides  hinreichend Rechnung getragen wird. 8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  auf  je  drei  Jahre  bemessenen Einreiseverbote Bundesrecht verletzen (vgl. Art. 49 VwVG).  Die  Beschwerde  ist  daher  teilweise  gutzuheissen  und  die  gegen  die  Beschwerdeführer verhängten Einreiseverbote auf das Datum des Urteils  zu befristen. 9.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  (ermässigten)  Verfahrenskosten  den  Beschwerdeführern  aufzuerlegen  und  mit  dem  geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m.  Art. 1, Art. 2 und Art. 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, SR 173.320.2]). Eine Parteientschädigung ist nicht auszurichten,  da  den  Beschwerdeführern  keine  verhältnismässig  hohen  Kosten  entstanden sind (Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 4 VGKE). Dispositiv nächste Seite

C­7820/2009 und C­7821/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerdeverfahren  C­7820/2009  und  C­7821/2009  werden  vereinigt. 2.  Die  Beschwerde  wird  teilweise  gutgeheissen  und  die  am  10.  Juli  2009  bzw.  13.  August  2009  gegen  die  Beschwerdeführer  verhängten  Einreiseverbote werden auf den Zeitpunkt dieses Urteils aufgehoben. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­  werden  den  Beschwerdeführern  auferlegt und mit dem am 17. Februar 2010 geleisteten Kostenvorschuss  von  Fr.  800.­  verrechnet.  Der  Restbetrag  von  Fr.  200.­  wird  zurückerstattet. 4.  Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 5.  Dieses Urteil geht an: – die  Beschwerdeführer  (Einschreiben;  Beilage:  Formular  "Zahl­ adresse") – die Vorinstanz (Akten Ref­Nr. ZEMIS […] und […] zurück) – das Migrationsamt des Kantons Zürich Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Marianne Teuscher Daniel Brand Versand:

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