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Bundesverwaltungsgericht 23.11.2011 C-7294/2008

23. November 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,350 Wörter·~17 min·1

Zusammenfassung

nach Auflösung der Familiengemeinschaft | Verweigerung der Zustimmung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­7294/2008 Urteil   v om   2 3 .   No v embe r   2011 Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richterin Elena Avenati­Carpani, Richter Jean­Daniel Dubey,    Gerichtsschreiber Daniel Grimm. Parteien A._______, vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Judith Müller, Aabachstrasse 4, Postfach 4435, 6304 Zug, Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Verweigerung der Zustimmung zur Verlängerung der  Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung.

C­7294/2008 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdeführerin  (geb.  […]),  eine  mazedonische  Staatsangehörige,  heiratete  am  16.  Juni  2004  in  ihrem Heimatland  den  Schweizer Bürger B._______ (geb. […]) und reiste am 1. August 2004 in  die  Schweiz  ein.  Gestützt  auf  die  Bestimmungen  über  den  Familiennachzug  erhielt  sie  vom Wohnkanton St. Gallen  daraufhin  eine  Aufenthaltsbewilligung. Am  6.  Februar  2005  verliess  die  Beschwerdeführerin  ihren  Gatten,  welchen  sie  der  ehelichen  Gewalt  bezichtigte,  und  zog  vorübergehend  nach D._______/SZ  zu  einer  Bekannten.  Für  deren  betagte Mutter  war  sie dort, bis im Frühjahr 2008, als Hausangestellte tätig. Die Vorfälle, die  sich  laut  ihrer  Darstellung  während  des  ehelichen  Zusammenlebens  zutrugen, wurden der Kantonspolizei St. Gallen gemeldet. Als Folge der  ehelichen  Auseinandersetzungen  befand  sich  die  Betroffene  eine  Zeit  lang in ärztlicher und psychiatrischer Behandlung. Kurz  nach  der  Trennung  gelangte  der  Ehegatte  am  9.  März  2005  mit  einer Klage auf Ungültigkeit der Ehe an das Vermittleramt E._______/SG.  Die  Beschwerdeführerin  ihrerseits  stellte  durch  ihren  damaligen  Rechtsvertreter beim Kreisgericht F._______ in G._______ am 10. März  2005 ein Eheschutzbegehren. Am 12. April 2005 erliess das zuständige  Zivilgericht entsprechende Eheschutzmassnahmen. Zur Wiederaufnahme  der Haushaltsgemeinschaft kam es nicht mehr. B.  Am 18. Mai  2006  lehnte  das Ausländeramt  des Kantons St. Gallen  ein  Gesuch  der  Beschwerdeführerin  um  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  ab  und  forderte  sie  auf,  das  Land  bis  zum  16.  August  2006  zu  verlassen.  Auf  Rekurs  hin  erklärte  sich  die  kantonale  Migrationsbehörde  am  22.  November  2006  bereit,  ihre  Verfügung  vom  18.  Mai  2006  wiedererwägungsweise  aufzuheben  und  besagte  Aufenthaltsbewilligung zu verlängern. Mittels Schreiben vom 5. April 2007 signalisierte die Fremdenpolizei des  Kantons  Schwyz  (heute:  Amt  für  Migration),  mit  der  definitiven  Wohnsitznahme  der  Beschwerdeführerin  auf  ihrem  Kantonsgebiet  einverstanden zu sein und hiess ihr Gesuch um Kantonswechsel gut.

C­7294/2008 Die Ehe  der  Beschwerdeführerin wurde  vom Kreisgericht  F._______am  11. Juni 2007 (in Rechtskraft seit 13. Juli 2007) geschieden. C.  Am  10.  Juli  2008  unterbreitete  die  Migrationsbehörde  des  Kantons  Schwyz  der  Vorinstanz  ein  Gesuch  um  Zustimmung  zur  weiteren  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  nach  Auflösung  der  ehelichen  Gemeinschaft. Das  BFM  teilte  der  Beschwerdeführerin  am  23.  Juli  2008  mit,  dass  erwogen  werde,  die  Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  zu  verweigern,  und  räumte  ihr  Gelegenheit  zur  Stellungnahme  ein.  Der  frühere  Parteivertreter  machte  vom  Äusserungsrecht am 13. August 2008 Gebrauch. D.  Mit  Verfügung  vom  14.  Oktober  2008  verweigerte  die  Vorinstanz  die  Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  und  wies  die  Beschwerdeführerin  unter  Ansetzung  einer  Ausreisefrist  bis  zum  13.  Januar 2009 aus der Schweiz weg. Dabei führte sie im Wesentlichen aus,  im  vorliegenden Fall müsse  davon  ausgegangen werden,  dass  die Ehe  vor Ablauf der in Art. 50 des Ausländergesetzes vom 16. Dezember 2005  (AuG,  SR  142.20)  genannten  Dreijahresfrist  definitiv  gescheitert  sei,  weshalb  die Voraussetzungen  für  einen Anspruch  im Sinne  von Art.  50  Abs.  1  Bst.  a  AuG  nicht  erfüllt  seien.  Die  Nichtverlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung würde für die Betroffene sodann keine besondere  Härte darstellen. Dagegen sprächen nur schon die rasche Auflösung des  gemeinsamen Haushalts nach rund sechs Monaten, die generell zu kurze  Aufenthaltsdauer  in  der  Schweiz  und  der  Umstand,  dass  die  Ehe  kinderlos  geblieben  sei.  Zwar  sei  die  Beschwerdeführerin  hierzulande  beruflich,  sprachlich  und  sozial  gut  integriert,  wesentliche  ihrer  Integrationsbemühungen  fielen  aber  in  einen  Zeitraum,  in  welchem  die  Ehe  bereits  gescheitert  und  der  Aufenthaltsanspruch  weggefallen  sei.  Solchen Bestrebungen komme deshalb kein entscheidendes Gewicht zu.  Abgesehen  davon  sei  sie  erst  im  Alter  von  36  Jahren  in  die  Schweiz  gereist. Sie habe somit den weitaus grössten und prägendsten Teil ihres  Lebens  in  ihrem Heimatland verbracht, wo auch  ihre zwei erwachsenen  Kinder  lebten,  weshalb  sie  dort  auf  ein  tragfähiges  Beziehungsnetz  zurückgreifen  könne.  Die  geltend  gemachte  eheliche  Gewalt  stelle  grundsätzlich  einen  besonderen Grund  dar,  welcher  zu  berücksichtigen  sei. Durch die sehr kurze Dauer des ehelichen Zusammenlebens werde 

C­7294/2008 dies allerdings relativiert. Von daher rechtfertige sich bei der Prüfung der  Härtefallvoraussetzungen  ein  vergleichsweise  strenger  Beurteilungsmassstab. Zu erwähnen gelte es der Vollständigkeit  halber,  dass die eheliche Gewalt nicht zur Anzeige gebracht worden sei. Art. 50  Abs.  2  AuG  verlange  ausser  dem  Vorhandensein  ehelicher  Gewalt  gleichzeitig eine starke Gefährdung der sozialen Wiedereingliederung im  Herkunftsland.  Dieses  Erfordernis  sei  im  Falle  der  Beschwerdeführerin  nicht gegeben. Unter dem Aspekt der Verhältnismässigkeit könne von ihr  verlangt  werden,  den  Lebensmittelpunkt  wiederum  in  ihr  Heimatland  zu  verlegen.  Schliesslich  erweise  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  zulässig, zumutbar und möglich. E.  Mit  Beschwerde  vom  17.  November  2008  an  das  Bundesverwaltungsgericht  beantragt  die  Beschwerdeführerin  durch  die  jetzige  Rechtsvertreterin  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  sowie  die  Erteilung  der  Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung.  Sie  bringt  hauptsächlich  vor,  zivilrechtlich  habe  die  Ehe mehr  als  drei  Jahre  gedauert  und  sie  sei  nicht  vor  Ablauf  der  Dreijahresfrist  gemäss  Art.  50  Abs.  1  AuG  definitiv  gescheitert.  Die  Gründe,  welche  zur  Scheidung  geführt  hätten,  könnten  nicht  der  Beschwerdeführerin angelastet werden. Vielmehr sei sie Opfer häuslicher  Gewalt  geworden  und  habe  den  gemeinsamen  Haushalt  fluchtartig  verlassen müssen. In den Jahren 2005 und 2006 habe sie ärztliche bzw.  psychiatrische Hilfe  in Anspruch  genommen,  um die  damalige Situation  und  die  Übergriffe  des  Ehegatten  verarbeiten  zu  können.  Seit  der  Auflösung  des  gemeinsamen  Haushalts  und  auch  der  Scheidung  habe  die Beschwerdeführerin alles unternommen, um selbstverantwortlich und  finanziell  unabhängig  leben  zu  können.  Parallel  zu  ihrer  Tätigkeit  als  Haushaltsgehilfin  habe  sie  sich  beinahe  im  Alleingang  beruflich  weiterentwickelt.  Seit  Januar  2008  arbeite  sie  als Dolmetscherin  für  die  Caritas.  Sie  spreche  neben  mazedonisch  und  deutsch  auch  kroatisch,  serbisch  und  bulgarisch.  Dadurch  zeichne  sie  sich  als  Fachkraft  für  interkulturelle Übersetzungs­ und Dolmetscherarbeiten für öffentliche und  private  Institutionen  aus.  Ihre  beruflichen  Chancen  als  mehrsprachige  Übersetzerin  zeigten  Motivation  und  Integrationsgrad  auf  eindrückliche  Weise.  Dass  sie  in  der  Schweiz  keine  Familienangehörigen  habe,  bedeute keineswegs, dass sie nicht  integriert sei.  Im Gegenteil habe sie  sich  hierzulande mittlerweile  einen  breiten  Freundeskreis  aufgebaut.  Ihr  Engagement  in  Sachen  Integration  sei  überdurchschnittlich,  wobei  sie  sich  bereits  vor  der  Scheidung  engagiert,  integriert  und  weitergebildet 

C­7294/2008 habe.  Als  alleinstehende,  geschiedene  Frau  hätte  die  Beschwerdeführerin  in Mazedonien  im Übrigen mit Diskriminierungen  in  Beruf und Alltag zu rechnen. Die Zustimmungsverweigerung stellte für sie  daher eine grosse persönliche Härte dar und sei unverhältnismässig. Das  Rechtsmittel  ergänzte  die  Parteivertreterin  mit  einer  Reihe  von  Beweismitteln,  namentlich  Zertifikaten  und  Diplomen  zur  beruflichen  Weiterbildung,  Belegen  betreffend  das  Arbeitsverhältnis  mit  der  Caritas  und einem Bericht eines Psychiaters vom 6. September 2006. F.  In  ihrer  Vernehmlassung  vom  15.  Januar  2009  schliesst  die  Vorinstanz  auf  Abweisung  der  Beschwerde.  Sie  betont,  die  von  der  Beschwerdeführerin  während  ihres  Aufenthalts  in  der  Schweiz  im  beruflichen  und  privaten  Umfeld  geknüpften  Bekanntschaften  entsprächen  eher  einer  normalen  zeitlichen  Entwicklung  denn  besonderen  Anstrengungen  zur  Integration  und  zeugten  demnach  nicht  von  einem  speziell  gefestigten  Beziehungsnetz  oder  besonderen  persönlichen Beziehungen zur Schweiz. G.  Replikweise  hält  die  Beschwerdeführerin  am  27.  März  2009  an  ihrem  Rechtsmittel fest. Der Replik waren sechs weitere Beweismittel beigelegt  (zwei  Arbeitsbestätigungen;  Zertifikat  "Interpret"  für  interkulturelles  Übersetzen; Bestätigung des Schweizer Freundes vom 15. Februar 2009,  dass  er  mit  der  Beschwerdeführerin  seit  längerer  Zeit  eine  Liebesbeziehung unterhalte, etc.). Mit Nachträgen vom 9. Juli 2009, 17. November 2009, 23. Februar 2010,  24. März 2010, 22. April 2010, 4. November 2010 und 2. Dezember 2010  reichte die Parteivertreterin zusätzliche Beweismittel ein  (worunter einen  Anstellungsvertrag zwischen der Beschwerdeführerin und dem Hilfswerk  der  Evangelischen  Kirchen  Schweiz  [HEKS]  und  Belege  für  Dolmetschertätigkeiten bei Amtsstellen). H.  Am 11. November  2010  ordnete  das Bundesverwaltungsgericht  zwecks  Aktualisierung  und  Ergänzung  des  Sachverhalts  einen  zweiten  Schriftenwechsel an. Mit  ergänzender  Vernehmlassung  vom  7.  Dezember  2010  hält  die  Vorinstanz an ihrem Standpunkt fest.

C­7294/2008 Die  Parteivertreterin  machte  hierzu  am  14.  Januar  2011  (unter  Einreichung  weiterer  Unterlagen)  abschliessende  Bemerkungen.  Sonstige  Ergänzungen  erfolgten  am  9.  Dezember  2010,  am  14.  April  2011 (durch die Beschwerdeführerin selbst) sowie am 8. Juli 2011. I.  Der  weitere  Akteninhalt  –  einschliesslich  der  beigezogenen  Akten  des  Ausländeramtes des Kantons St. Gallen und des Amtes für Migration des  Kantons  Schwyz  –  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen  Berücksichtigung finden. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  unter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  genannten  Ausnahmen  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), welche von einer der in Art. 33  aufgeführten  Behörden  erlassen  wurden.  Darunter  fallen  Verfügungen  des  BFM,  welche  sowohl  die  Zustimmung  zur  Erteilung  bzw.  Verlängerung  einer  Aufenthaltsbewilligung  als  auch  die  Wegweisung  betreffen.  Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  endgültig,  soweit  nicht  die  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  an  das  Bundesgericht  offen  steht  (vgl.  Art.  83  Bst.  c  Ziff.  2  und  4  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2.  Gemäss  Art.  37  VGG  richtet  sich  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  nach  dem  VwVG,  soweit  das  Gesetz  nichts  anderes bestimmt.   1.3. Als  Adressatin  der  Verfügung  ist  die  Beschwerdeführerin  zu  deren  Anfechtung  legitimiert  (Art.  48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  frist­  und  formgerechte Beschwerde ist daher einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  –  soweit  nicht  eine  kantonale 

C­7294/2008 Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE  2011/1 E. 2 mit Hinweis). 3.  3.1. Am 1. Januar 2008 traten die neuen gesetzlichen Bestimmungen des  AuG und seine Ausführungsbestimmungen  in Kraft – unter anderem die  Verordnung  vom  24. Oktober  2007  über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit  (VZAE,  SR  142.201).  In  Verfahren,  die  vor  diesem  Zeitpunkt  anhängig  gemacht  wurden,  bleibt  nach  der  übergangsrechtlichen  Ordnung  des  AuG  das  alte  materielle  Recht  anwendbar, wobei es ohne Belang ist, ob das Verfahren auf Gesuch hin –  so explizit Art. 126 Abs. 1 AuG – oder von Amtes wegen eröffnet wurde  (vgl. BVGE 2008/1 E. 2). 3.2. Der  Beschwerdeführerin  ist  zwar  noch  unter  dem  Geltungsbereich  des  Bundesgesetzes  vom  26. März  1931  über  Aufenthalt  und  Niederlassung  der  Ausländer  (ANAG,  BS  1  121)  eine  erstmalige  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  worden,  da  sie  jedoch mit Gesuch  vom  7.  Juli  2008  die  Verlängerung  dieser  Bewilligung  beantragt  hat,  gelangt  vorliegend neues Recht zur Anwendung. 3.3. Gemäss Art. 40 AuG sind die Kantone zuständig für die Erteilung und  Verlängerung  von  Bewilligungen.  Vorbehalten  bleibt  jedoch  die  Zustimmung durch das BFM. Dessen Zustimmungserfordernis ergibt sich  im vorliegenden Fall aus Art. 99 AuG i.V.m. Art. 85 Abs. 1 Bst. a VZAE.  Letztgenannte Bestimmung wird präzisiert durch die Weisungen des BFM  im  Ausländerbereich  in  der  Fassung  vom  30.  September  2011  (online  abrufbar  unter:  www.bfm.admin.ch  >  Dokumentation  >  Rechtliche  Grundlagen > Weisungen und Kreisschreiben >  I. Ausländerbereich > 1  Verfahren  und  Zuständigkeiten).  Danach  ist  die  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung einer Ausländerin oder eines Ausländers nach der  Auflösung  der  ehelichen  Gemeinschaft  mit  dem  schweizerischen  oder  ausländischen  Ehegatten  oder  nach  dessen  Tod,  falls  die  Ausländerin  oder der Ausländer nicht aus einem Mitgliedstaat der EG oder der EFTA  stammt, dem BFM zur Zustimmung zu unterbreiten. 

C­7294/2008 4.  4.1.  Gemäss  Art.  42  Abs.  1  AuG  haben  ausländische  Ehegatten  von  Schweizerinnen  und  Schweizern,  wenn  sie  mit  diesen  zusammenwohnen,  Anspruch  auf  Erteilung  und  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  und  –  nach  einem  ordnungsgemässen  und  ununterbrochenen  Aufenthalt  von  fünf  Jahren  –  Anspruch  auf  Erteilung  einer  Niederlassungsbewilligung  (Art.  42  Abs.  3  AuG).  Nach  Auflösung  der  Ehe  oder  Familiengemeinschaft  –  mitgemeint  ist  auch  die  eheliche  Gemeinschaft – besteht der Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der  Aufenthaltsbewilligung  weiter,  wenn  die  Ehegemeinschaft  mindestens  drei  Jahre  bestanden  hat  und  eine  erfolgreiche  Integration  besteht  (Art.  50  Abs.  1  Bst.  a  AuG)  oder  wenn  wichtige  persönliche  Gründe  einen  weiteren  Aufenthalt  in  der  Schweiz  erforderlich machen  (Art.  50  Abs.  1  Bst. b AuG). 4.2. Das zeitliche Kriterium der dreijährigen Dauer der Ehegemeinschaft  ist nicht gleichbedeutend mit der Dauer der Haushaltsgemeinschaft. Von  einer  bestehenden  Ehegemeinschaft  kann  grundsätzlich  –  und  vorbehältlich  offenkundiger  Missbrauchsabsichten  –  ausgegangen  werden,  solange  die  Ehegatten  zusammen  leben.  Der  Fortbestand  der  Ehegemeinschaft  kann  aber  auch  im  Fall  ihres  Getrenntlebens  angenommen  werden,  nämlich  dann,  wenn  für  das  Getrenntleben  objektivierbare  Gründe  bestehen  (vgl.  MARC  SPESCHA  in:  Spescha/Thür/Zünd/Bolzli  [Hrsg.],  Kommentar  Migrationsrecht,  2.  aktualisierte Auflage, Zürich 2009,  Art. 50  AuG  N 4). Art. 49 AuG spricht  insoweit  von wichtigen Gründen,  die  in  der  Botschaft  zum AuG  vom  8.  März  2002  (BBl  2002  3753  f.)  zum  einen  als  berufliche  Gründe,  zum  anderen  auch  als  andere  wichtige  und  nachvollziehbare  Gründe  bezeichnet werden. Zu  letzteren zählt – so explizit Art.  76 VZAE – eine  vorübergehende Trennung wegen erheblicher familiärer Probleme, womit  der  Gesetzgeber  insbesondere  Fälle  häuslicher  Gewalt  im  Auge  hatte  (vgl. ESTHER S. AMSTUTZ  in: Caroni/Gächter/ Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis  Handkommentar  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG], Art. 49 N 24; Urteile des Bundesgerichts 2C_314/2010  vom 26. Juli 2010 E. 2.2 und 2C_544/2010 vom 23. Dezember 2010 E.  2.3.1). Hält  im Falle erheblicher Eheprobleme das Getrenntleben an, so  stellt  sich  die  Frage,  ob  die  Trennung  als  definitiv  und  die  Familiengemeinschaft  damit  als  aufgelöst  zu  betrachten  ist  (vgl.  MARC  SPESCHA, a.a.O. Art. 49 AuG N. 3).

C­7294/2008 4.3.  Die  Beschwerdeführerin  macht  hierzu  vorweg  geltend,  die  zivilrechtliche Dauer der Ehe habe mehr als drei Jahre betragen und die  eheliche Gemeinschaft sei erst nach der Dreijahresfrist von Art. 50 Abs. 1  Bst. a AuG endgültig gescheitert. Dabei wird verkannt, dass nicht nur die  Ansprüche  aus  Art.  42  AuG  (vgl.  MARTINA  CARONI  in:  Caroni/Gächter/Thurnherr  [Hrsg.],  a.a.O.,  Art.  42  N  49,  53  und  54),  sondern auch derjenige aus Art. 50 Abs. 1 Bst. a AuG voraussetzen, dass  der  ausländische  Ehepartner  sich  rechtmässig  hierzulande  aufhält.  Die  Ehegemeinschaft muss mithin in der Schweiz gelebt werden (vgl. Urteile  des  Bundesgerichts  2C_430/2011  vom  11. Oktober  2011  E.  4.1  oder  2C_304/2009 vom 9. Dezember 2009 E. 3.3). Wie  aus  dem  Sachverhalt  hervorgeht,  hat  die  Beschwerdeführerin  am  16. Juni  2004  in  Mazedonien  einen  Schweizer  Bürger  geheiratet.  Am  1. August  2004  konnte  sie  in  die  Schweiz  einreisen.  Anfangs  Februar  2005 trennten sich die Eheleute bereits, ohne die eheliche Gemeinschaft  zu  einem  späteren  Zeitpunkt  wieder  aufzunehmen.  Die  Scheidung  erfolgte  am  11.  Juni  2007  (rechtskräftig  seit  13.  Juli  2007).  Da  der  Zeitraum  zwischen  der  Eheschliessung  im  Ausland  und  der  Einreise  in  die  Schweiz  nicht  mitgerechnet  werden  kann,  ist  die  fragliche  Dreijahresfrist folglich so oder so nicht erfüllt. 4.4.  Im  Ergebnis  steht  damit  fest,  dass  die  eheliche  Gemeinschaft  der  Beschwerdeführerin vor Ablauf von drei Jahren beendet war. Art. 50 Abs.  1 Bst. a AuG findet mit anderen Worten keine Anwendung. Zumindest im  Rahmen dieser Bestimmung  kommt es auf  die  behauptete  Integration –  die ein kumulatives Kriterium wäre – nicht mehr an. 5.  5.1.  Gemäss  Art.  50  Abs.  1  Bst.  b  AuG  besteht  der  Anspruch  auf  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  –  unabhängig  von  der  bisherigen Dauer der Ehegemeinschaft – auch dann  fort, wenn wichtige  persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich  machen. Solche Gründe können namentlich –  so explizit Art.  50 Abs. 2  AuG –  vorliegen, wenn der betreffende Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt  wurde  und  seine  soziale  Wiedereingliederung  im  Herkunftsland  stark  gefährdet  erscheint;  beide Bedingungen müssen  jedoch  nicht  kumulativ  erfüllt  sein  (BGE  136  II  1  E.  5  S.  3  ff.).  Weitere  wichtige  –  und  im  Zusammenhang  mit  der  Ehe  stehende  Gründe  –  können  sich  auch  daraus ergeben, dass der in der Schweiz lebende Ehegatte gestorben ist  oder  gemeinsame  Kinder  vorhanden  sind  (vgl.  MARC  SPESCHA,  a.a.O., 

C­7294/2008 Art. 50 N 7 sowie MARTINA CARONI  in: Caroni/Gächter/Thurnherr  [Hrsg.],  a.a.O., Art. 50 N 23 f.). 5.2.  Indem  die  Beschwerdeführerin  sich  darauf  beruft,  Opfer  ehelicher  Gewalt  geworden  zu  sein,  macht  sie  einen  spezifischen,  auf  der  Auflösung  der  Ehe  beruhenden  Grund  geltend,  der  ihr  einen  Anspruch  auf weiteren Verbleib  in der Schweiz verschaffen könnte. Die Vorinstanz  hält in der angefochtenen Verfügung in dieser Hinsicht dagegen, besagter  Grund  werde  durch  die  sehr  kurze  Dauer  des  ehelichen  Zusammenlebens  relativiert.  Ferner  sei  die  eheliche  Gewalt  nicht  zur  Anzeige gebracht worden. Art. 50 Abs. 2 AuG setze überdies gleichzeitig  eine  starke  Gefährdung  der  sozialen  Wiedereingliederung  im  Herkunftsland  voraus,  was  hier  nicht  zutreffe.  In  der  zweiten  Vernehmlassung  vom  7.  Dezember  2010  wird  ergänzt,  es  gebe  keine  Anzeichen  für  massive  eheliche  Gewalt.  Das  vom  6.  September  2006  datierende Arztzeugnis gehe nicht von bleibenden Schäden aus. 5.3. Von häuslicher Gewalt wird gesprochen, wenn in einer bestehenden  oder  aufgelösten  familiären,  ehelichen  oder  eheähnlichen  Beziehung  körperliche,  psychische  oder  sexuelle  Gewalt  ausgeübt  oder  angedroht  wird.  Hauptmerkmal  bildet  die  Verletzung  der  körperlichen  oder  seelischen  Integrität  durch  die  innerhalb  einer  Ehe  oder  Partnerschaft  strukturell  stärkere Person. Opfer von häuslicher Gewalt können sowohl  Frauen  als  auch  Männer  werden  (vgl.  MARTINA  CARONI  in:  Caroni/Gächter/Thurnherr  [Hrsg.],  a.a.O.,  Art.  50  N  32).  Ein  Rechtsanspruch  auf  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  wegen  häuslicher  Gewalt  setzt  voraus,  dass  diese  eine  bestimmte  Intensität  aufweist.  Nach  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  muss  sie  derart  intensiv sein, dass die physische oder psychische Integrität des Opfers im  Falle  der  Aufrechterhaltung  der  ehelichen  Gemeinschaft  schwer  beeinträchtigt  würde  (siehe  BGE  136  II  1  E.  5.3  S.  4  oder  Urteil  des  Bundesgerichts  2C_475/2010  vom  29.  Oktober  2010  E.  4.3).  An  die  Intensität  der  häusliche  Gewalt  werden  höhere  Anforderungen  gestellt,  wenn  sie  alleine  –  d.h.  ohne  Kombination  mit  einer  stark  gefährdeten  sozialen  Wiedereingliederung  im  Herkunftsland  –  einen  wichtigen  persönlichen  Grund  darstellen  soll  (vgl.  Urteile  des  Bundesgerichts  2C_122/2010  vom  4.  Oktober  2010  E.  2.3.4  oder  2C_540/2009  vom  26. Februar  2010  E.  2.1).  Hervorzuheben  wäre  an  dieser  Stelle  aber  nochmals,  dass  –  entgegen  der  Ausführungen  der  Vorinstanz  im  angefochtenen  Entscheid  –  sowohl  die  eheliche  Gewalt  als  auch  die  Gefährdung  der  sozialen  Wiedereingliederung  im  Herkunftsland  je  für 

C­7294/2008 sich allein einen wichtigen persönlichen Grund im Sinne von Art. 50 Abs.  1  Bst.  b  bwz.  Art.  50  Abs.  2  AuG  begründen  können  (siehe  MARTINA  CARONI in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], a.a.O., Art. 50 N 30 oder E.  5.1 hiervor). 5.4. Was die häusliche Gewalt bzw. die ehelichen Auseinandersetzungen  schlechthin anbelangt, so ergibt sich aus den Akten folgendes Bild: 5.4.1. Anscheinend am 6. Februar  2005  suchte die Beschwerdeführerin  bei C._______,  einer  gemeinsamen Bekannten  der Eheleute,  vor  ihrem  Gatten Zuflucht. Am 8. Februar 2005 meldete sich die erwähnte Kollegin  deswegen  auf  dem  Schalter  der  Polizeistation  E._______.  Wegen  weiterer polizeilicher Einsätze konnte sie erst tags darauf vorgeladen und  als  Auskunftsperson  zur  Angelegenheit  einvernommen  werden.  Dabei  gab  sie  in  Bezug  auf  das  Eheleben  der  Betroffenen  zu  Protokoll,  die  Beschwerdeführerin  habe  ihr  anvertraut,  von  ihrem  Ehemann  regelmässig beschimpft worden zu sein. Des Weiteren habe er sie auch  eingeschlossen,  von  der  Aussenwelt  systematisch  abgeschottet,  körperlich  malträtiert  (u.a.  Kneifen  am  Busen)  und  wie  eine  Sklavin  behandelt.  Als  B._______  sie  wegen  Unterleibsschmerzen  nach  Mazedonien  zu  einem  Arzt  geschickt  habe,  sei  am  Flughafen  überdies  eine andere Frau aufgetaucht, welche am ehelichen Domizil seit fünf bis  sechs Jahren ein­ und ausgehe. In der Wahrnehmung von C._______ hat  der  Schweizer  Ehegatte  die  Beschwerdeführerin  schlecht  und  auf  nicht  akzeptable  Weise  behandelt  (siehe  Einvernahmeprotokoll  der  Kantonspolizei St. Gallen vom 9. Februar 2005). Letztere hat ihre Kollegin  am 8. Februar 2005 auf den Polizeiposten begleitet,  jedoch draussen im  Personenwagen gewartet (siehe Erhebungsbericht der Kantonspolizei St.  Gallen vom 31. Juli 2006). Danach ist sie allerdings weder persönlich auf  dem Polizeiposten erschienen noch hat sie eine Strafanzeige eingereicht.  Von  einer  unwürdigen  und  demütigenden  Behandlung  ist  ebenfalls  im  Eheschutzgesuch vom 10. März 2005 die Rede.  Wegen  der  rapportierten  Vorkommnisse  begab  sich  die  Beschwerdeführerin am 10. Februar 2010 in Sattel/SZ zu einen Hausarzt.  Ihm  zufolge wirkte  sie  damals  niedergeschlagen,  nervös  und  aufgeregt.  Sie  habe  über  Schlafstörungen,  kreisende  Gedanken,  Herzklopfen  und  nervöse  Magenprobleme  geklagt  (vgl.  Überweisungsschreiben  von  Dr.  med.  I._______  vom  15.  Februar  2005).  Ergänzende  spezialärztliche  Untersuchungen  erfolgten  Ende  Februar  2005  beim  Facharzt  Dr.  med.  J._______  in Olten und Bern. Er  diagnostizierte  zunehmende ängstlich­

C­7294/2008 depressive  Störungen  im  Rahmen  einer  posttraumatischen  Belastungsstörung  nach  monatelangen  schweren  Misshandlungen  in  einer  konfliktreichen  Ehebeziehung  und  kam  zum  Schluss,  dass  die  Patientin  bis  auf weiteres  psychiatrischer  Betreuung  bedürfe  (siehe  das  psychiatrische  Arztzeugnis  vom  26.  Februar  2005).  Ab  Januar  2006  befand sie sich bei Dr. med. K._______  in L._______  in psychiatrischer  Behandlung. Nach seiner Diagnose leidet die Beschwerdeführerin wegen  des in der Ehe Vorgefallenen an posttraumatischen Belastungsstörungen,  Schlafstörungen  und  Stimmungsschwankungen.  Die  Stimmungsschwankungen  besserten  sich  jedoch  und  von  bleibenden  Schäden  könne  noch  nicht  gesprochen  werden.  Auch  er  empfahl,  die  begonnene  Therapie  unbedingt  fortzuführen  (vgl.  Arztbericht  vom  6.  September 2006). 5.4.2. Ganz  anders  gestaltete  sich  das  eheliche  Zusammenleben  nach  der  Schilderung  des  inzwischen  geschiedenen  Ehemannes.  Gemäss  Orientierungsbericht  der  Kantonspolizei  St.  Gallen  vom  16.  März  2005  meldete  er  sich  anfangs  Februar  2005  jenes  Jahres  privat  beim  Polizeibeamten X._______ in E._______. Ihm gegenüber soll er sich über  die Beschwerdeführerin dahingehend geäussert haben, diese sei nur auf  den eigenen Vorteil bedacht und wolle ein Luxusleben führen. Sie mache  sich  im Haushalt  kein  bisschen  nützlich  und  verhalte  sich  nicht  korrekt.  Ähnliche Vorwürfe erhob B._______ in der Eheungültigkeitsklage vom 9.  März  2005  an  das  Vermittleramt  E._______,  wobei  er  ergänzte,  seine  damalige Gattin habe die Ehe erschlichen. Parallel dazu verlangte er von  der  kantonalen  Migrationsbehörde  am  21. Februar  2005  ihre  schnelle  Ausschaffung. Im Zusammenhang mit dem Verdacht auf Scheinehe bzw.  rechtsmissbräuchlichen  Festhaltens  an  einer  Ehe  wurde  der  Schweizer  Ehemann von der Kantonspolizei St. Gallen am 21. Januar 2006 befragt.  In  dieser  Einvernahme  ging  es  vor  allem  um  die  Ermittlung  der  Begleitumstände  der  Heirat.  Bei  dieser  Gelegenheit  führte  er  aus,  die  Beschwerdeführerin habe es mit der ehelichen Beziehung nicht so genau  genommen.  Sie  sei  immer  alleine  in  den Ausgang  gegangen  und  habe  ihn  allein  gelassen.  An  einer  Arbeitsstelle  sei  sie  nicht  interessiert  gewesen (im Einzelnen vgl. Befragungsprotokoll vom 21. Januar 2006). 5.4.3. Die Aussagen der Beteiligten sind völlig kontrovers, was sowohl in  den  polizeilichen Befragungen  von C._______  und B._______  als  auch  den  Plädoyernotizen  der  Hauptverhandlung  betreffend  Eheschutz  vom  11.  April  2005  (vgl.  dazu  Akten  des  Ausländeramtes  des  Kantons  St.  Gallen)  hinlänglich  zum  Ausdruck  kommt.  Wohl  basieren  die 

C­7294/2008 Feststellungen  von  C._______  grösstenteils  auf  den  ihr  gegenüber  gemachten  Äusserungen  der  Beschwerdeführerin.  Die  Antworten  ihrer  Kollegin  anlässlich  der  polizeilichen  Einvernahme  vom  9.  Februar  2005  erwecken  aber  keineswegs  den  Eindruck,  sie  habe  einschlägige  Behauptungen  unkritisch  als  Tatsachen  übernommen.  So  gilt  es  zu  bedenken,  dass  es  sich  bei  ihr  um  jemanden  aus  dem Bekanntenkreis  von  B._______  handelt.  Dementsprechend  höher  dürfte  für  sie  die  Hemmschwelle gewesen sein, derartige Vorfälle – notabene von sich aus  – überhaupt  der  Polizei  zu  melden.  Kommt  hinzu,  dass  gewisse  Aussagen  von  C._______  auf  eigener  Wahrnehmung  beruhen.  Dazu  zählen  Beobachtungen,  die  sie  während  eines  Besuches  bei  den  Eheleuten  gemacht  hat,  direkte  telefonische  Kontakte  mit  B._______  sowie  der  Nervenzusammenbruch,  den  die  Beschwerdeführerin  am  6.  Februar  2005  in  ihrem  Beisein  erlitten  haben  soll.  Von  daher  soll  ihr  Bedürfnis herrühren, etwas gegen diese Situation zu unternehmen (siehe  S.  3  des  fraglichen  Einvernahmeprotokolls).  Zum  Abschluss  der  Vorsprache  auf  dem  Polizeiposten  erklärte  sie  ausdrücklich,  sie  würde  unterschreiben,  dass  der  Schweizer  Ehemann  seine  Gattin  schlecht  behandle und es so nicht akzeptabel sei. Am Telefon habe B._______ mit  ihr  (C._______) auf eine Art und Weise gesprochen, die völlig daneben  sei  (S.  5  des  Einvernahmeprotokolls).  Aktenkundig  ist  ferner,  dass  sich  die  Beschwerdeführerin  wegen  besagter  Eskalation  in  den  ehelichen  Verhältnissen  umgehend  in  ärztliche Behandlung  begab.  Zwar  basieren  auch die eingereichten ärztlichen Berichte  letztlich auf  ihrer Darstellung.  Dass die seitens des Hausarztes und der beiden Fachärzte festgestellten  Symptome auf gravierendere Vorkommnisse in der Ehe hindeuten, steht  indessen  ausser  Zweifel.  Immerhin  handelt  es  sich  (wie  bei  den  Polizeirapporten) um nach Art. 77 Abs. 6 VZAE zulässige und geeignete  Nachweise.  Anzumerken  wäre  ergänzend,  dass  B._______  mit  seiner  Eheungültigkeitsklage in der Folge nicht durchgedrungen ist. Stattdessen  wurden  im  April  2005,  wie  vom  früheren  Rechtsvertreter  beantragt,  Eheschutzmassnahmen in die Wege geleitet. Als unglaubhaft erweist sich  im  Kontext  des  seitherigen  Verhaltens  der  Beschwerdeführerin  (siehe  auch E. 6.3 – 6.6 hiernach) überdies der Vorwurf der Arbeitsscheu. Alles  in  allem  bestehen  trotz  kaum  vereinbarer  gegenseitiger  Vorhaltungen  konkrete Anhaltspunkte für das Vorhandensein einer Form von ehelicher  Gewalt. 5.5. Zu prüfen ist weiter, ob die beschriebene Gewaltsituation eine solche  Schwere  bzw.  eine  so  hohe  Intensität  erreicht  hat,  dass  sie  bereits  für  sich allein als wichtiger Grund im Sinne von Art. 50 Abs. 2 AuG qualifiziert 

C­7294/2008 werden  kann.  Das  Bundesgericht  hat  in  Anwendung  der  unter  E.  5.3  dargelegten Grundsätze etwa ausgeführt,  dass eine Ohrfeige  sowie der  Rauswurf aus der ehelichen Wohnung zwar eine Form ehelicher Gewalt  darstelle,  diese  aber  im  zu  beurteilenden  Fall  einmalig  und  von  kurzer  Dauer  gewesen  sei,  keiner  medizinischen  Versorgung  bedurft  und  zu  keinen  physischen  oder  psychischen  Folgeschäden  geführt  habe.  Deshalb hielt es dafür, unter den gegebenen Umständen würde sich ein  weiterer  Aufenthalt  in  der  Schweiz  nicht  rechtfertigen  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  2C_358/2009  vom  10.  Dezember  2009  E.  5.2).  Anders  als  im  angeführten  Beispiel  wurde  im  Falle  der  Beschwerdeführerin  die  Polizei  benachrichtigt  und  das  Opfer  hat  sich  ärztlichen  und  psychiatrischen  Behandlungen  unterzogen.  Mit  Blick  auf  die  medizinischen  Unterlagen  lässt  sich  allerdings  nicht  klar  differenzieren,  ob  bzw.  inwieweit  die  diagnostizierten  psychischen Probleme nun  allein  von erheblicher ehelicher Gewalt durch den anderen Ehegatten oder dem  allem  Anschein  nach  generell  sehr  konfliktbeladenen  Eheleben  herrühren.  So  kann  die  Intensität  der  häuslichen  Gewalt  (erster  Teiltatbestand  von  Art.  50  Abs.  2  AuG)  angesichts  der  festgestellten  Kontroversen  denn  heute  nicht  mehr  abschliessend  beurteilt  werden.  Eine  starke  Gefährdung  der  Wiedereingliederung  im  Herkunftsland  wiederum (zweiter Teiltatbestand von Art. 50 Abs. 2 AuG) ist prima vista  nicht erkennbar. Die Frage nach einem Aufenthaltsanspruch gestützt auf  einen  der  beiden  Teiltatbestände  kann  aufgrund  der  nachfolgenden  Ausführungen aber offen gelassen werden. 6.  6.1.  Anspruchsbegründend  können  auch  sonstige  wichtige  persönliche  Gründe  sein,  da  Art.  50  Abs.  1  Bst.  b  AuG  bewusst  auf  eine  abschliessende  Aufzählung  der  Gründe  verzichtet  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­6133/2008  vom  15. Juli  2011  E.  7.3  oder  C­4625/2009  vom  31.  März  2011  E.  7.2).  Entscheidend  ist  hierbei  die  persönliche Situation des  jeweils Betroffenen. Auch die  in Art. 31 Abs. 1  VZAE  aufgelisteten,  aber  nicht  erschöpfenden  Kriterien  können  für  die  Beurteilung eines (nachehelichen) Härtefalles herangezogen werden und  eine  wesentliche  Rolle  spielen,  auch  wenn  sie  einzeln  betrachtet  grundsätzlich  noch  keinen  Härtefall  zu  begründen  vermögen  (vgl.  BGE  2C_784/2010  vom  26. Mai  2011  E.  3.2.3).  Ausdrücklich  aufgeführt  werden  dort  die  Integration  (Bst.  a),  die  Respektierung  der  Rechtsordnung (Bst. b), die Familienverhältnisse (Bst. c), die finanziellen  Verhältnisse sowie der Wille zur Teilhabe am Wirtschaftsleben und zum  Erwerb  von  Bildung  (Bst.  d),  die  Dauer  der  Anwesenheit  (Bst.  e),  der 

C­7294/2008 Gesundheitszustand  (Bst.  f)  und  die  Möglichkeiten  der  Wiedereingliederung  im  Herkunftsland  (Bst.  g;  siehe  hierzu  MARTINA  CARONI  in:  Caroni/Gächter/Thurnherr  [Hrsg.],  a.a.O.,  Art. 50  N  23  f.).  Schliesslich sind auch die Umstände, die zur Auflösung der Ehe geführt  haben, zu berücksichtigen (zum Ganzen vgl. BGE 137 II 1 E. 4.1 S. 7 f.). 6.2.  Die  Anzeichen  für  häusliche  Gewalt  (siehe  E.  5.4  hiervor)  rechtfertigen  –  selbst  wenn  für  sich  allein  keine  eigene  Anspruchsgrundlage  begründend  –  einen  milderen  Massstab  bei  der  Beurteilung der Härtefallsituation (bezogen auf die altrechtliche Regelung  vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­195/2008  vom  25.  Mai  2011 E.6.3 und C­525/2006 vom 24. April 2008 E. 7.1, je mit Hinweisen).  Da  die  Aufgabe  der  ehelichen  Gemeinschaft  hauptsächlich  auf  Gewalterfahrungen in der Ehe zurückzuführen ist und sich die Bedenken  hinsichtlich  des  Eingehens  einer  Scheinehe  sowie  des  rechtsmissbräuchlichen  Festhaltens  an  einer  Ehe  als  unbegründet  erwiesen  (vgl.  das  diesbezügliche  Aufenthaltsverfahren  im  Kanton  St.  Gallen aus dem Jahre 2006), kommt der Ehedauer auf schweizerischem  Territorium  nicht  die  Bedeutung  zu,  welche  ihr  die  Vorinstanz  beimisst.  Die  eingangs  erwähnten  ehespezifischen  Elemente  sind  vor  diesem  Hintergrund  geeignet,  die  Anforderungen  an  die  private  Interessenlage  entscheidend  herabzusetzen.  In  dem  Sinne  gilt  es  die  besondere  Ausgangslage zu Gunsten der Beschwerdeführerin mitzuberücksichtigen. 6.3.  Die  unbescholtene  Beschwerdeführerin  lebt  seit  mehr  als  sieben  Jahren  in  der  Schweiz.  Während  dieser  Zeit  hat  sie  bemerkenswerte  Integrationsleistungen  erbracht.  Schon  bald  nach  der  Auflösung  des  gemeinsamen Haushalts im Februar 2005 ging sie einer Erwerbstätigkeit  als  Haushalthilfe  nach  und  baute  sich  eine  neue  Existenz  auf.  Als  Hausangestellte  war  sie  bis  und  mit  April  2008  tätig.  Der  Beschwerdeführerin wurde damals gekündigt, weil die Arbeitgeberin sich  in  ein  Altersheim  begab  (vgl.  die  entsprechende  Arbeitgeberbescheinigung  vom  20.  Februar  2008).  Parallel  dazu  bildete  sie sich mit einiger Beharrlichkeit in verschiedenen Bereichen weiter. Was  die  sprachliche  Integration  anbelangt,  so  belegte  sie  ab  August  2005  Intensivdeutschkurse.  Im  Sommer  2007  schloss  sie  die  Prüfungen  am  Goethe­Institut  erfolgreich  ab  (vgl.  Goethe­Zertifikat  C1  vom  30.  Juli  2007).  Ihre  sprachliche Kompetenz  lässt mit  dem  erreichten Niveau C1  des  gemeinsamen  europäischen  Referenzrahmens  für  Sprachen  des  Europarates kaum Wünsche offen. Im Vergleich dazu setzt Art. 62 Abs. 1  Bst.  b  VZAE  für  die  vorzeitige  Erteilung  der  Niederlassungsbewilligung 

C­7294/2008 wegen  erfolgreicher  Integration  ein  sprachliches  Referenzniveau  von  lediglich A2 voraus (siehe dazu Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C­ 1786/2007 vom 3. Juni 2010 E. 7.5 mit Hinweis). 6.4. Auch die berufliche und wirtschaftliche Integration ist beachtlich. Die  Beschwerdeführerin  hat  es  nicht  bei  ihrer  anfänglichen  Tätigkeit  als  Hausangestellte  bewenden  lassen,  sondern bei  der Caritas  ab Sommer  2007  Dolmetscherschulen  besucht  (vgl.  die  Modulzertifikate  für  interkulturelle  Übersetzer/innen  vom  5.  März  2008  und  10.  Juni  2008).  Seit  dem  11. März  2009  besitzt  sie  das  unter  anderem  vom  BFM  anerkannte  Zertifikat  für  interkulturelles  Übersetzen  von  "INTERPRET"  (vgl.  Beschwerdebeilage  20).  Die  Beschwerdeführerin  spricht  nebst  der  mazedonischen  Sprache  deutsch,  kroatisch,  serbisch  und  bulgarisch.  Mittlerweile  wird  sie  von  verschiedenen  öffentlichen  Stellen  und  Institutionen  in  den  Bereichen  Justiz,  Polizei,  Bildung,  Gesundheit  und  Soziales immer wieder für Übersetzungsdienste herangezogen. So ist sie  seit dem 1. Januar 2008  im Auftragsverhältnis als Dolmetscherin  für die  Caritas  Luzern  tätig  (siehe  Arbeitsvertrag  vom  4.  März  2008  sowie  Arbeitsbestätigung vom 1. Juli 2008). Hinzu gekommen sind  inzwischen  Anstellungen  als  Übersetzerin  beim  HEKS  (seit  1.  Juni  2009,  vgl.  Anstellungsvertrag  für  MitarbeiterInnen  im  Stundenlohn  vom  15.  Juni  2009),  bei  der  Zuger  Polizei  (seit  11. März  2010,  gemäss  der  Rahmenvereinbarung  gleichen  Datums)  und  bei  der  Kantonspolizei  Schwyz.  Auf  dem  Polizeiposten  M._______  mündliche  Auskünfte  zur  Dolmetschertätigkeit  einzuholen  (so  die  Beweisofferte  in  der  Beschwerdeergänzung  vom  23.  Februar  2010)  erübrigt  sich,  weil  die  fachlichen  Qualitäten  und  der  diesbezügliche  Einsatz  für  die  Polizei  unbestritten  sind  (vgl.  beispielsweise  Dolmetscherabrechnung  des  Ermittlungsdienstes  der  Kantonspolizei  Schwyz  vom  8.  Oktober  2010).  Dass  die  Beschwerdeführerin  als  Übersetzerin  mit  hoher  Sach­  und  Sozialkompetenz  geschätzt  wird,  dafür  sprechen  nur  schon  die  eingereichten  Arbeitszeugnisse  (Zwischenzeugnis  der  Caritas  vom  2.  Juni  2008  und  Arbeitsbestätigung  des  selben  Hilfswerks  vom  18.  März  2009,  Bestätigung  des  Zivilstandsamtes  der  Stadt  N._______  vom  20.  März 2009, Zwischenzeugnisse des HEKS vom 12. Februar 2010 und 8.  Dezember  2010,  Bestätigung  der  Zuger  Polizei  vom  4. Juli  2011).  Von  allen  Arbeitgeberinnen  und  Arbeitgebern  wird  sie  denn  unisono  als  zuverlässige,  verantwortungsbewusste,  vertrauens­  und  liebenswürdige  Mitarbeiterin  wahrgenommen.  Ergänzende  Angaben  zur  Tätigkeit  der  Beschwerdeführerin  finden  sich  auf  der  Homepage  von  "INTERPRET"  (vgl. http://www.inter­pret.ch/interkulturell­uebersetzende­finden.html). Als  http://www.inter-pret.ch/interkulturell-uebersetzende-finden.html

C­7294/2008 Vereinsmitglied unterstützt sie dort die Anliegen dieser Schweizerischen  Interessengemeinschaft  für  interkulturelles  Übersetzen  und  Vermitteln  (siehe  dazu  Bestätigung  vom  2.  Dezember  2010).  Insoweit  handelt  es  sich  bei  ihr  fraglos  um  eine  Person  mit  besonderen  beruflichen  Qualifikationen. Ausser  diesen  Teilzeitstellen,  wo  die  Beschäftigung  wie  üblich  stundenweise  und  auf  Abruf  erfolgt,  hat  die  Beschwerdeführerin  eine  Vollzeitstelle  als  Betriebsmitarbeiterin  in  der  Garage  ihres  jetzigen  Lebenspartners  inne  (vgl.  Arbeitsvertrag  für  Garagenpersonal  vom  14.  November  2009).  Sonstige  berufliche  Engagements  dokumentieren  namentlich ein Kurszertifikat eines Abklärungs­ und Bewerbungsseminars  vom 18.  Juli  2008  (Bewertung:  "sehr  gut"),  ein Zertifikat  "Job Center  1"  vom 7. November 2008, ein Arbeitszeugnis von "impuls" vom 26. Oktober  2009  (Verein  für bessere Chancen  im Beruf), die Teilnahme am Projekt  "Empfangsgespräche  ausländische  Eltern  in  der  Schule  Olten"  (April  2010)  sowie  der  Besuch  dreier  Weiterbildungskurse  des  HEKS  (interkulturelles Übersetzen  im Aargauer Sozialwesen,  in der Psychiatrie  und  im  Gesundheitswesen  zwischen  November  2009  und  November  2010). Nicht gefolgt werden kann der Vorinstanz, wenn sie argumentiert,  all  diese  Integrationsbemühungen  fielen  hier  nicht  entscheidend  ins  Gewicht, da sie erst zu einem Zeitpunkt eingesetzt hätten, als die Ehe mit  dem  Schweizer  Bürger  bereits  definitiv  gescheitert  gewesen  sei.  Der  Parallelfall,  der  in der angefochtenen Verfügung zitiert wird  (siehe Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­533/2006  vom  19.  Mai  2008),  lässt  sich nämlich in mehrfacher Hinsicht nicht vergleichen. Insbesondere liegt  jenem  Beispiel  keine  Gewaltsituation  in  der  Ehe  zu  Grunde,  was  vorliegend  einen  weniger  strengen  bzw.  anderen  Beurteilungsmassstab  erlaubt  (siehe  die  vorangehende  E.  6.2).  Aufgrund  des  Gesagten  geht  nicht nur die sprachliche sondern auch die berufliche Integration, die sich  ausgesprochen schnell vollzog, deutlich über das Mass hinaus, was nach  einem  siebenjährigen  Aufenthalt  normalerweise  erwartet  werden  kann  und darf (vgl. auch BGE 137 II 1 E. 4.3 S. 8 f. e contrario). 6.5.  Auch  die  soziale  Integration  gestaltete  sich  im  Falle  der  Beschwerdeführerin erfolgreich. Aus den Akten geht hervor, dass sie seit  längerer  Zeit  ein  –  gefestigtes  –  Liebesverhältnis  mit  einem  gerichtlich  von  seiner  Frau  getrennten Schweizer  unterhält  (vgl.  dessen Schreiben  vom  15. Februar  2009).  Ihm  zufolge  wurde  sie  in  der  Familie  herzlich  aufgenommen.  Nur  schon  von  daher  bestehen  stabile  und  enge  persönliche  Beziehungen  zur  Schweiz.  Daneben  hat  sie  einen  privaten 

C­7294/2008 Freundeskreis  aufgebaut,  der  sowohl  Schweizer  und  hierzulande  Niedergelassene als auch Berufskolleginnen und Berufskollegen umfasst.  Es  genügt  an  dieser  Stelle  der  Verweis  auf  die  Aufzählung  in  der  Beschwerdeschrift  vom  17. November  2008.  Die  Beschwerdeführerin  kann sich somit auf ein  relativ breitgefächertes soziales Beziehungsnetz  abstützen.  Schliesslich  hat  sie  nie  Sozialleistungen  in  Anspruch  genommen  und  sie  verfügt  über  einen  tadellosen  straf­  und  betreibungsrechtlichen  Leumund  (zu  den  Anforderungen  an  eine  erfolgreiche  Integration  siehe  Urteile  des  Bundesgerichts  2C_427/2011  vom 26. Oktober 2011 E. 5.3 und 2C_430/2010 vom 11. Oktober 2011 E.  4.2 in analogiam). 6.6.  Die  Aufgabe  der  nun  aufgebauten  Bande  zur  Schweiz  kann  trotz  allem  nicht  als  schlichtweg  unzumutbar  beurteilt  werden,  es  besteht  indessen  kein  Zweifel,  dass  sie  unter  den  aktuellen  Begebenheiten  (überaus  erfolgreiche  sprachliche,  berufliche  und  soziale  Integration)  einen  erheblichen  Eingriff  in  die  Lebensverhältnisse  der  Beschwerdeführerin  darstellen  würde  (siehe  dazu  auch  BGE  2C_784/2010  vom  26. Mai  2011  E.  3.2.3). Wohl  ist  einzuräumen,  dass  die Betroffene den grössten Teil  ihres Lebens  in  ihrer Heimat  verbracht  hat  und  die  zwei  inzwischen  erwachsenen  Kinder  aus  erster  Ehe  dort  ansässig sind. Eine Reintegration erschiene von daher möglich. Dennoch  wäre  eine  Rückkehr  nach  Mazedonien,  nicht  nur  in  wirtschaftlicher  Hinsicht,  mit  einigen  Schwierigkeiten  verbunden.  Als  zweimal  geschiedene Frau sähe sich die Beschwerdeführerin mit etlichen Mühen  konfrontiert, privat und beruflich wieder den Anschluss zu finden. Solche  Umstände sind für sich allein zwar nicht entscheidend, im Rahmen einer  Gesamtschau  ist  ihnen  in  einer  Konstellation  wie  der  vorliegenden  dennoch Rechnung zu tragen. 6.7.  In Berücksichtigung sämtlicher Faktoren und Besonderheiten dieses  Einzelfalls  (Anzeichen  für  eheliche  Gewalt,  überdurchschnittliche  Integration  trotz schwieriger Ausgangslage, klagloses Verhalten) gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht  zum  Ergebnis,  dass  ein  wichtiger  persönlicher  Grund  im  Sinne  eines  nachehelichen  Härtefalles  gemäss  Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG vorliegt, welcher der Beschwerdeführerin einen  Anspruch  auf  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  einräumt.  Indem  die  Vorinstanz  die  Zustimmung  zu  einer  weiteren  Regelung  des  Anwesenheitsrechts  hierzulande  verweigert  hat,  erweist  sich  ihre  Anordnung als unverhältnismässig.

C­7294/2008 7.  Aus  den  vorstehenden  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung Bundesrecht verletzt  (Art. 49 Bst. a VwVG). Die Beschwerde  ist  deshalb  gutzuheissen,  die  angefochtene  Verfügung  aufzuheben  und  der Verlängerung der kantonalen Aufenthaltsbewilligung zuzustimmen. 8.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind der Beschwerdeführerin keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG),  und  es  ist  ihr  gestützt  auf  Art.  64  VwVG  i.V.m.  Art.  7  ff.  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  zu  Lasten  der  Vorinstanz eine angemessene Parteientschädigung auszurichten. Dispositiv nächste Seite

C­7294/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2.  Die angefochtene Verfügung wird aufgehoben, und der Verlängerung der  Aufenthaltsbewilligung wird die Zustimmung erteilt. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der am 4. Dezember 2008  entrichtete Kostenvorschuss von Fr. 800.­ wird zurückerstattet. 4.  Die  Vorinstanz  hat  die  Beschwerdeführerin  für  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht mit Fr. 2'000.­ (inkl. MwSt.) zu entschädigen. 5.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Akten Ref­Nr. ZEMIS […] retour) – das Amt für Migration des Kantons Schwyz (in Kopie) – das Ausländeramt des Kantons St. Gallen (in Kopie) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Antonio Imoberdorf Daniel Grimm

C­7294/2008 Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden,  sofern  die  Voraussetzungen  gemäss  den Art. 82  ff., 90  ff. und 100 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni  2005  (BGG,  SR  173.110)  gegeben  sind.  Die  Rechtsschrift  ist  in  einer  Amtssprache  abzufassen  und  hat  die Begehren,  deren Begründung mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  der  Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

C-7294/2008 — Bundesverwaltungsgericht 23.11.2011 C-7294/2008 — Swissrulings