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Bundesverwaltungsgericht 16.01.2012 C-7291/2010

16. Januar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·738 Wörter·~4 min·1

Zusammenfassung

Zustimmung zur Niederlassungsbewilligung | Verweigerung der Zustimmung zur Erteilung der Niederlassungsbewilligung

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­7291/2010 Urteil   v om   1 6 .   J a nua r   2012 Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richter Blaise Vuille, Richter Andreas Trommer, Gerichtsschreiberin Barbara Giemsa­Haake. Parteien A._______,  vertreten durch Advokat lic. iur. Daniel Tschopp,  Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,  Vorinstanz.  Gegenstand Verweigerung der Zustimmung zur Erteilung der  Niederlassungsbewilligung.

C­7291/2010 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass  die  1987  im  Kosovo  geborene  A._______  infolge  ihres  Familiennachzugs im Jahre 1991 eine Niederlassungsbewilligung erhielt, dass  sie  im  Alter  zwischen  16  und  20  Jahren  fünfmal  wegen  verschiedener  Vermögensdelikte  zu  geringfügigen  Strafen  verurteilt  wurde, dass  sie  am 15. März  2008  die Wohnung  ihres  damaligen  Freundes  in  Brand setzte, dass  sie  deswegen,  aber  auch  wegen  anderer,  weniger  gravierender  Straftaten  und  unter  Einbezug  einer  zuvor  verhängten  Strafe  mit  Urteil  des  Strafgerichts  Basel­Stadt  vom  3.  Oktober  2008  zu  einer  Gesamtfreiheitsstrafe  von dreieinhalb  Jahren sowie einer Busse von Fr.  1'000.­ verurteilt wurde, dass  das  Amt  für  Migration  Basel­Landschaft  aufgrund  dieser  Verurteilung  am  7.  April  2009  den  Widerruf  ihrer  Niederlassungsbewilligung  und  die  Ausreise  aus  der  Schweiz  bis  spätestens  auf  den  Zeitpunkt  ihrer  Entlassung  aus  dem  Strafvollzug  verfügte, dass  ihre  dagegen  gerichtete  Beschwerde  an  den  Regierungsrat  des  Kantons Basel­Landschaft erfolglos blieb, dass  A._______  gegen  dessen  Entscheid  vom  8.  September  2009  Beschwerde ans Kantonsgericht Basel­Landschaft erhob, dass  das  Kantonsgericht  in  seinem  Entscheid  vom  28. April  2010  zur  Überzeugung  gelangte,  ihr  Interesse  an  einem Verbleib  in  der  Schweiz  überwiege  das  öffentliche  Interesse  an  ihrer  Ausreise,  und  aus  diesem  Grund ihre Beschwerde guthiess, dass  ihr das BFM mit Schreiben vom 24.  Juni 2010 mitteilte,  ihm seien  der Entscheid über die Aufrechterhaltung der Niederlassungsbewilligung  sowie die kantonalen Akten zwecks Zustimmung unterbreitet worden, dass  die  Vorinstanz   im  gleichen  Schreiben  darauf  hinwies,  die  Verweigerung  der  Zustimmung  werde  ins  Auge  gefasst,  und  ihr  hierzu  das rechtliche Gehör gewährte,

C­7291/2010 dass A._______ durch  ihren Rechtsvertreter mit Schreiben vom 21. Juli  2010  um  unentgeltliche  Verbeiständung  ersuchte  und  sich mit  Eingabe  vom 20. August 2010 zur Sache äusserte, dass das BFM mit Verfügung vom 10. September 2010 die Zustimmung  zur Erteilung der Niederlassungsbewilligung verweigerte und das Gesuch  um unentgeltliche Verbeiständung ablehnte, dass  die  Beschwerdeführerin  am  11. Oktober  2010  mit  Rechtsmitteleingabe  an  das  Bundesverwaltungsgericht  zum  einen  um  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  ersuchte,  zum  anderen  um  Feststellung,  dass  sie  weiterhin  im  Besitze  einer  Niederlassungsbewilligung sei,  dass  sie  gleichzeitig  ein  Begehren  um  unentgeltliche  Rechtspflege  und  Verbeiständung  stellte  und  auch  in  Bezug  auf  das  vorinstanzliche  Verfahren  um  unentgeltliche  Verbeiständung  unter  Zusprechung  einer  angemessenen Entschädigung ersuchte,   dass sie zur Begründung ihrer Beschwerde anführte, aufgrund des Urteils  des  Kantonsgerichts  vom  28.  April  2010  sei  die  ursprünglich  erteilte  Niederlassungsbewilligung  nach  wie  vor  gültig,  weswegen  es  im  vorliegenden  Fall  nicht  um  die  Neuerteilung  einer  solchen  Bewilligung  gehe  und  infolgedessen  für  ein  Zustimmungsverfahren  der  Vorinstanz  kein Raum bleibe, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom  24.  November  2010  das  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege  und  Verbeiständung  guthiess  und  den  bisherigen  Rechtsvertreter  der  Beschwerdeführerin,  Advokat  Daniel  Tschopp,  als  amtlichen  Anwalt  einsetzte, dass  die  Parteien  im  Rahmen  des  Schriftenwechsels  an  ihren  Rechtsstandpunkten festhielten, dass  gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  (VGG,  SR  173.32)  das  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom  20. Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021)  beurteilt,  sofern  keine  Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt,  dass als Vorinstanzen die in Art. 33 genannten Behörden gelten,

C­7291/2010 dass Verfügungen der Vorinstanz, bei denen es um die Zustimmung zu  einer  kantonalen  Aufenthaltsregelung  geht,  vor  Bundesverwaltungsgericht anfechtbar sind,  dass  es  vorliegend  insbesondere  um  die  Frage  der  Zulässigkeit  eines  Zustimmungsverfahrens geht,  dass  kantonale  Bewilligungen  gemäss  Art.  40  des  Ausländergesetzes  vom  16.  Dezember  2005  (AuG,  SR  142.20)  in  bestimmten  Fällen  die  Zustimmung  des  BFM  erfordern  (Art.  99  AuG  i.V.m.  Art.  85  der  Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit  [VZAE, SR  142.201]), dass  der  Kanton  Basel­Landschaft  der  Beschwerdeführerin  aufgrund  ihres Familiennachzugs  im August 1991 eine Niederlassungsbewilligung  erteilt hat, dass  mit  rechtskräftigem  Urteil  des  Kantonsgerichts  Basel­Landschaft  vom  28.  April  2010  der  Entscheid  des  Regierungsrates  des  Kantons  Basel­Landschaft vom 8. September 2009 aufgehoben wurde, dass  dadurch  auch  der  Widerruf  der  Niederlassungsbewilligung  der  Beschwerdeführerin  hinfällig  wurde  und  dass  damit  –  entgegen  der  Auffassung  der  Vorinstanz  –  keine  Neuerteilung  der  Niederlassungsbewilligung verbunden ist, dass  die  Beschwerdeführerin  somit  nach  wie  vor  im  Besitz  der  1991  erteilten Niederlassungsbewilligung  ist und dass eine solche Bewilligung  grundsätzlich unbefristet und bedingungslos ist (Art. 34 Abs. 1 AuG), dass  somit  in  vorliegendem  Zusammenhang  weder  die  erstmalige  Erteilung  noch  die  Verlängerung  einer  Bewilligung  zur  Diskussion  steht  und  demzufolge  für  ein  Zustimmungsverfahren  gemäss  Art.  99  AuG  i.V.m. Art. 85 Abs. 1 VZAE kein Raum bleibt, dass die angefochtene Verfügung daher  in Verletzung von Bundesrecht  (Art. 49 Bst. a VwVG) ergangen ist,  dass  –  soweit  um  Feststellung  des  Fortbestandes  der  Niederlassungsbewilligung  ersucht  wird  –  das  Bestehen  oder  Nichtbestehen  eines  Rechtsverhältnisses  nur  bei  entsprechendem  schutzwürdigen Interesse festzustellen ist (vgl. Art. 25 Abs. 2 VwVG),

C­7291/2010 dass  das Rechtsschutzinteresse  an  einer  Feststellung  dann  zu  bejahen  ist,  wenn  damit  ein  unmittelbarer  Nachteil  für  die  betroffene  Person  abgewendet werden und dieses Ziel nicht bereits durch einen Leistungs­  oder  Gestaltungsentscheid  der  Behörde  erreicht  werden  kann  (vgl.  ISABELLE HÄNER  in:  Praxiskommentar  VwVG, Waldmann/Weissenberger  [Hrsg.], Zürich 2009, Art. 25 N 16 ff.),  dass  im  vorliegenden  Fall  ein  besonderes  Interesse  der  Beschwerdeführerin  an  der  Feststellung  ihrer  bestehenden  Niederlassungsbewilligung  schon  aufgrund  der  in  diesem  Sinne  rechtsgestaltenden  Wirkung  des  Urteils  des  Kantonsgerichts  Basel­ Landschaft vom 28. April 2010 zu verneinen ist,  dass  folglich  auf  die  Beschwerde  insoweit  nicht  einzutreten  ist,  als  die  Beschwerdeführerin  damit  die  Feststellung  verlangt,  sie  sei  im  Besitze  einer gültigen Niederlassungsbewilligung, dass  die  Beschwerde  ansonsten  gutzuheissen  und  die  angefochtene  Verfügung aufzuheben ist, dass der Beschwerdeführerin, die zweifelsohne bereits während des vor­ instanzlichen  Verfahrens  bedürftig  und  mit  ihrem  nicht  aussichtlosen  Begehren auf anwaltliche Vertretung angewiesen war (vgl. Art. 65 Abs. 1  und  2  VwVG),  ebenfalls  für  jenes  Verfahren  unentgeltliche  Verbeiständung  zu  gewähren  ist,  weshalb  die  Beschwerde  auch  in  diesem Punkt gutzuheissen ist, dass  entsprechend  dem  Ausgang  des  Verfahrens  keine  Kosten  aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG), dass  die  Vorinstanz  der  Beschwerdeführerin  eine  Entschädigung  auszurichten  hat,  die  für  das  erstinstanzliche  Verfahren  auf  Fr.  1'000.­  (inkl. Auslagen und MWST) festzusetzen ist, dass  für  das  Rechtsmittelverfahren  zu  Lasten  der  Vorinstanz  eine  Parteientschädigung  von  Fr.  1'800.­  (inkl.  Auslagen  und  MWST)  zuzusprechen  ist  (Art.  64  Abs.  1  VwVG  i.V.m.  Art.  7  Abs.  1  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

C­7291/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf eingetreten wird. 2.  Die angefochtene Verfügung vom 10. September 2010 wird aufgehoben. 3.  Der  Beschwerdeführerin  wird  für  das  vorinstanzliche  Verfahren  die  unentgeltliche Verbeiständung gewährt und Advokat Daniel Tschopp als  amtlicher  Anwalt  bestellt.  Die  von  der  Vorinstanz  zu  entrichtende  Entschädigung  wird  auf  Fr.  1000.­  (inkl.  Auslagen  und  MWST)  festgesetzt. 4.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 5.  Die  Vorinstanz  hat  der  Beschwerdeführerin  für  ihr  Obsiegen  im  vorliegenden  Rechtsmittelverfahren  eine  Parteientschädigung  von  Fr.  1'800.­ (inkl. Auslagen und MWST) auszurichten. 6.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (…) – das Amt für Migration Basel­Landschaft Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Die vorsitzende Richterin: Ruth Beutler Die Gerichtsschreiberin: Barbara Giemsa­Haake

C­7291/2010 Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

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