Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 21.07.2011 C-7184/2009

21. Juli 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·736 Wörter·~4 min·1

Zusammenfassung

Alters- und Hinterlassenenversicherung (Übriges) | AHV, Rechtsverweigerung

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­7184/2009 Urteil   v om   2 1 .   Juli   2011 Besetzung Richter Stefan Mesmer (Vorsitz), Richter Beat Weber,  Richterin Franziska Schneider,    Gerichtsschreiberin Daniela Jabornigg. Parteien A._______,   vertreten durch B._______, Beschwerdeführerin,  gegen Schweizerische Ausgleichskasse SAK,  Avenue Edmond­Vaucher 18, Postfach 3100,  1211 Genf 2,    Vorinstanz.  Gegenstand AHV, Rechtsverweigerung.

C­7184/2009 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass sich die in Serbien wohnhafte serbische A._______ (im Folgenden:  Beschwerdeführerin)  mit  Schreiben  vom  12.  November  2009  an  das  Bundesverwaltungsgericht  gewandt  hat  und  geltend  macht,  die  Schweizerische Ausgleichskasse  (SAK;  im Folgenden auch: Vorinstanz)  habe  sie  zurückgewiesen  und  wolle  nicht  auf  ihre  Eingaben  betreffend  Hinterlassenenrenten reagieren, dass  diese  Eingabe  als  Rechtsverweigerungsbeschwerde  entgegengenommen wurde, dass  die  Vorinstanz  in  ihrer  Vernehmlassung  vom  14.  Dezember  2009  festhält,  die  Beschwerdeführerin  habe  sie  erstmals  am  27.  April  2007  kontaktiert, worauf diese darauf hingewiesen worden sei, dass der Antrag  auf  Hinterlassenenrenten  mittels  Formular  bei  der  Verbindungsstelle  in  Belgrad, Serbien, einzureichen sei, dass  sie  weiter  ausführt,  bis  anhin  habe  sie  von  der  Verbindungsstelle  keinen Antrag auf eine Hinterlassenenrente erhalten, so dass sie nicht in  der Lage sei,  den allfälligen Anspruch zu prüfen und sich die Rüge der  Rechtsverweigerung  als  gegenstandslos  beziehungsweise  unbegründet  erweise, dass  die  Beschwerdeführerin  gestützt  auf  Art.  11b  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  zuerst  am  20.  November  2009  formlos,  anschliessend  am  13.  Januar  2010  durch  die  am  20.  Januar 2011 auf diplomatischem Weg eröffnete Verfügung zur Nennung  eines  Zustelldomizils  in  der  Schweiz  aufgefordert  wurde  –  unter  der  Androhung, dass ansonsten künftige Anordnungen und Entscheide durch  Publikation eröffnet würden, dass die Beschwerdeführerin, die seit dem 1. Oktober 2010 bzw. 11. Juli  2011  förmlich  durch  Herrn  B._______  vertreten  wird,  trotz  dieser  Aufforderungen bis heute kein Schweizer Zustelldomizil genannt hat, dass die Beschwerdeführerin keine Replik eingereicht hat, obwohl sie mit  Verfügung  vom  _________,  die  am  _______  androhungsgemäss  im  Bundesblatt publiziert worden ist, hierzu eingeladen worden war, dass  die  Beschwerdeführerin  im  Laufe  des  Verfahrens  aber  unaufgefordert  eine  Vielzahl  Schreiben  mit  Beilagen  eingereicht  hat – 

C­7184/2009 teilweise  direkt  beim  Bundesverwaltungsgericht,  teilweise  bei  der  Vorinstanz (vgl. Eingaben vom 22. Februar, 14. April, 3. Juni, 20. Juli und  1. Oktober 2010, 20. Januar, 21. Januar, 4. April und 11. Juli 2011), dass diese Eingaben der Vorinstanz zur Kenntnis zu bringen sind, dass das Bundesverwaltungsgericht gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2006  über  das  Bundesverwaltungsgericht  (VGG,  SR  173.32)  zur  Beurteilung  von  Beschwerden  gegen  Verfügungen  von  Vorinstanzen gemäss Art. 33 VGG zuständig ist, sofern keine Ausnahme  nach Art. 32 VGG vorliegt, dass vorliegend zwar keine Verfügung der Vorinstanz im Sinne von Art. 5  VwVG  angefochten  wird,  dass  aber  gegen  das  unrechtmässige  Verweigern  oder  Verzögern  einer  Verfügung  jederzeit  Beschwerde  geführt werden kann (Art. 56 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober  2000  über  den  Allgemeinen  Teil  des  Sozialversicherungsrechts  [ATSG,  SR 830.1]; vgl. auch Art. 46a VwVG), dass  die  Beschwerdeführerin  mit  ihrer  Rüge,  die  Vorinstanz  habe  sie  zurückgewiesen und  reagiere nicht  auf  ihre Eingaben,  sinngemäss eine  Rechtsverweigerung gemäss Art. 56 Abs. 2 ATSG geltend macht, dass die SAK als Vorinstanz  gemäss Art.  33 Bst.  d VGG zu gelten hat  und vorliegend keine Ausnahme von der Zuständigkeit auszumachen  ist  (vgl. Art. 85bis Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1946 über  die Alters­ und Hinterlassenenversicherung [AHVG, SR 831.10]), dass  das  Bundesverwaltungsgericht  damit  zur  Beurteilung  der  vorliegenden  Rechtsverweigerungsbeschwerde  zuständig  ist,  und  –  da  auch die übrigen Prozessvoraussetzungen ohne Zweifel erfüllt sind – auf  die Beschwerde einzutreten ist, dass  die  Vorinstanz  sinngemäss  geltend  macht,  es  liege  keine  rechtskonforme Anmeldung vor, so dass sie nicht über den Anspruch auf  Hinterlassenenrenten verfügen könne, dass  eine  (formelle)  Rechtsverweigerung  dann  anzunehmen  ist,  wenn  eine  Behörde  sich  weigert,  eine  Verfügung  zu  erlassen  bzw.  eine  Amtshandlung  vorzunehmen,  obschon  sie  dazu  aufgrund  der  einschlägigen  Rechtsnormen  verpflichtet  wäre  (vgl.  etwa  MARKUS  MÜLLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz  über das Verwaltungsverfahren, Zürich/St. Gallen 2008, Rz. 4 zu Art. 46a; 

C­7184/2009 UELI KIESER, ATSG­Kommentar,  2. Auflage, Zürich 2009, Rz. 12 zu Art.  56), dass vorliegend mithin zu prüfen  ist, ob die Vorinstanz zum Erlass einer  (materiellen oder formellen) Verfügung verpflichtet wäre und dieser Pflicht  (bisher) nicht nachgekommen ist, dass  dagegen  im  vorliegenden  Rechtsverweigerungsverfahren  nicht  zu  prüfen ist, ob der Beschwerdeführerin die geltend gemachten Leistungen  der AHV zustehen, dass sich  in den von der Vorinstanz eingereichten Vorakten  für die Zeit  vor  der  Beschwerdeerhebung  nur  der  Antrag  der  Beschwerdeführerin  vom 27. April 2007 (act. 2) samt Beilagen (act. 1 und 3 bis 5) sowie ein  Erinnerungsschreiben vom 28. Juli 2007 (act. 12) finden, dass  sich  aus  den  Vorakten  zudem  ergibt,  dass  die  Vorinstanz  die  Beschwerdeführerin am 30. Mai 2007 aufgefordert  hat,  ihren Antrag mit  dem  beigelegten  Formular  bei  der  zuständigen  serbischen  Behörde  einzureichen (act. 10), dass in Serbien wohnhafte serbische Staatsangehörige, die Anspruch auf  eine schweizerische AHV­Rente erheben,  ihr Gesuch auf einem von der  SAK  zur Verfügung  gestellten  Formular  bei  der  zuständigen  serbischen  Sozialversicherungsbehörde einzureichen haben (Art. 4 Abs. 1 und 2 der  Verwaltungsvereinbarung  vom  5.  Juli  1963  betreffend  die Durchführung  des Abkommens zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und  der Föderativen Volksrepublik  Jugoslawien über Sozialversicherung, SR  0.831.109.818.12  [im Folgenden: Verwaltungsvereinbarung]; auf Serbien  weiterhin anwendbar: BGE 126 V 198 E. 2b, BGE 122 V 381 E. 1, BGE  119 V 98 E. 3), dass die Vorinstanz die Beschwerdeführerin daher zu Recht aufgefordert  hat,  ihr  Leistungsgesuch  bei  der  serbischen  Verbindungsstelle  auf  dem  zur Verfügung gestellten Formular einzureichen (vgl. auch Art. 29 Abs. 1  ATSG), und aus dieser Sicht auch zu Recht nicht durch Verfügung über  den Antrag der Beschwerdeführerin befunden hat, dass  aber  aus  den  von  der  Beschwerdeführerin  im  Laufe  des  Beschwerdeverfahrens eingereichten Unterlagen ersichtlich  ist,  dass die  eingereichten vorinstanzlichen Akten offensichtlich unvollständig sind,

C­7184/2009 dass insbesondere ein Schreiben der Vorinstanz vom 1. November 2007  vorgelegt  wurde,  in  welchem  die  Vorinstanz  darauf  hinweist,  die  Beschwerdeführerin  habe  scheinbar  "schon  einmal  eine  Anmeldung  gemacht, unter anderem Namen", und festhält, die Anmeldung könne erst  nach Vorlage gewisser Originalurkunden bearbeitet werden, dass  auch  ein  Schreiben  des  Bundesamtes  für  Sozialversicherungen  (BSV)  vom  20.  Oktober  2008  an  die  Beschwerdeführerin  eingereicht  wurde,  in welchem auf das Schreiben der Vorinstanz vom 1. November  2007  und  auf  "die  von  Ihnen  im  Juni  2007  und  Oktober  2007  eingereichten Anmeldungen für Hinterlassenenrenten" hingewiesen wird,  die widersprüchlich bzw. unvollständig seien, dass  zudem  in  zwei  Eingaben  der  Beschwerdeführerin  vom  24.  April  2008 und vom 3. Dezember 2009 auf weitere Schreiben der Vorinstanz  vom 22. November 2007 und 11. April  2008 hingewiesen wird,  die  sich  nicht in den Vorakten finden, dass  sich  aus  diesen  Unterlagen  ergibt,  dass  die  Beschwerdeführerin  zumindest einen Antrag auf Hinterlassenenrenten gestellt hat,  dass aus den Akten nicht klar ersichtlich  ist, ob die Beschwerdeführerin  der Aufforderung zur Einreichung des Gesuchsformulars nachgekommen  ist, und – wenn dies der Fall ist – ob die serbische Behörde das Gesuch  an die Vorinstanz weitergeleitet hat, dass  dies  für  die  Beurteilung  der  Frage  nach  einer  allfälligen  Rechtsverweigerung aber ohne Belang ist, hat die Vorinstanz doch ohne  Zweifel  auf  das  (wiederholt  vorgebrachte)  Gesuch  reagiert  und  Verfahrenshandlungen  durchgeführt,  so  insbesondere  von  der  Beschwerdeführerin Unterlagen einverlangt,  dass  sich  die  Vorinstanz  damit  auf  die  Anmeldung  der  Beschwerdeführerin  eingelassen  und  ein  Verwaltungsverfahren  geführt  hat, dass aus den Akten nicht ersichtlich wäre, dass dieses Verfahren förmlich  zu einem Abschluss gebracht worden wäre, dass daher im Folgenden davon auszugehen ist, dass bei der Vorinstanz  noch  heute  ein  Verfahren  hängig  ist,  in  dem  die  Zusprechung  von  Leistungen der AHV strittig ist,

C­7184/2009 dass  gemäss  Art.  49  Abs.  1  ATSG  die  Versicherungsträger  über  Leistungen, Forderungen und Anordnungen,  die  erheblich  sind oder mit  denen  die  betroffene  Person  nicht  einverstanden  ist,  schriftliche  Verfügungen zu erlassen haben, dass  daher  das  bei  der  Vorinstanz  hängige  Verfahren  –  allenfalls  nach  Durchführung  eines  Mahnverfahrens  betreffend  die  ausstehenden  Unterlagen  (Art.  43  Abs.  3  ATSG)  –  durch  Erlass  einer  förmlichen  Verfügung  abgeschlossen  werden  muss,  liegen  doch  erhebliche,  umstrittene AHV­Leistungen im Streite, dass damit  in der Haltung der Vorinstanz, mangels Gesuchseinreichung  bei der zuständigen serbischen Behörde bis heute nicht über die geltend  gemachten  Leistungsansprüche  verfügen  zu  können,  eine  Rechtsverweigerung liegt, dass  die  Beschwerde  aus  diesen  Gründen  gutzuheissen  und  festzustellen  ist, dass die Vorinstanz durch die  implizite Weigerung, das  hängige  Gesuchsverfahren  durch  eine  begründete  und  anfechtbare  schriftliche  Verfügung  abzuschliessen,  eine  Rechtsverweigerung  begangen hat, dass  die  Vorinstanz  zudem  aufzufordern  ist,  das  Verfahren  unter  Berücksichtigung  der  von  der  Beschwerdeführerin  beim  Bundesverwaltungsgericht  nachgereichten  Unterlagen  innert  angemessen kurzer Frist durch Erlass einer Verfügung abzuschliessen, dass keine Verfahrenskosten zu erheben sind (Art. 85bis Abs. 2 AHVG), dass  der  obsiegenden  Beschwerdeführerin  für  den  durch  die  Vertre­ tung  entstandenen notwendigen Aufwand eine Parteientschädigung  von  Fr. 400.­  zuzusprechen  ist,  die  von  der  Vorinstanz  zu  leisten  ist  (Art.  7  Abs.  1  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2], Art. 64 Abs. 2 VwVG).

C­7184/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2.  Es wird  festgestellt,  dass  die  Vorinstanz  durch  die  implizite Weigerung,  das  Gesuchsverfahren  der  Beschwerdeführerin  durch  Verfügung  abzuschliessen, eine Rechtsverweigerung begangen hat. 3.  Die Vorinstanz hat das Gesuchsverfahren unter Berücksichtigung der von  der Beschwerdeführerin  beim Bundesverwaltungsgericht  nachgereichten  Unterlagen innert angemessen kurzer Frist durch Erlass einer Verfügung  abzuschliessen. 4.  Die im Beschwerdeverfahren von der Beschwerdeführerin unaufgefordert  eingereichten Eingaben samt Beilagen gehen in Kopie an die Vorinstanz.  5.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 6.  Der  Beschwerdeführerin  wird  zulasten  der  Vorinstanz  eine  Parteientschädigung von Fr. 400.­ zugesprochen. 7.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Eröffnung durch Publikation im Bundesblatt) – die  Vorinstanz  (Ref­Nr.  _______;  Beilagen:  Eingaben  der  Beschwerdeführerin  vom 22.  Februar,  14. April,  3.  Juni  und  20.  Juli  2010, 20. Januar, 21. Januar und 11. Juli 2011 samt Beilagen, alles in  Kopie) – das Bundesamt für Sozialversicherungen Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen.

C­7184/2009 Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Stefan Mesmer Daniela Jabornigg Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  Schweizerhofquai  6,  6004  Luzern,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift  hat  die  Begehren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  der  Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

C-7184/2009 — Bundesverwaltungsgericht 21.07.2011 C-7184/2009 — Swissrulings