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Bundesverwaltungsgericht 29.07.2011 C-7114/2009

29. Juli 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,400 Wörter·~7 min·1

Zusammenfassung

Schengen-Visum | Einreisebewilligung

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­7114/2009 Urteil   v om   2 9 .   Juli   2011 Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richter Antonio Imoberdorf, Richterin Marianne Teuscher,    Gerichtsschreiberin Barbara Giemsa­Haake. Parteien 1. A._______,   2. B._______, Kosovo,  beide vertreten durch lic. iur. Guido Ranzi, Rechtsanwalt,   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Erteilung eines Schengen­Visums.

C­7114/2009 Sachverhalt: A.  Der aus dem Kosovo stammende B._______, geboren 1989, beantragte  am 19. August  2009 bei  der Schweizerischen Vertretung  in Pristina  ein  Schengen­Visum  für  die  Dauer  von  30  Tagen.  Als  Zweck  der  beabsichtigten  Reise  gab  er  an,  seinen  im  Kanton  Graubünden  wohnhaften  Cousin  A._______  besuchen  zu  wollen.  Nach  formloser  Verweigerung  des  Visums  übermittelte  die  Auslandvertretung  das  Gesuch zur Prüfung und zum Entscheid an die Vorinstanz. B.  Nach  Vornahme  ergänzender  Abklärungen  wies  die  Vorinstanz  das  Gesuch  am  13.  Oktober  2009  ab,  dies  im  Wesentlichen  mit  der  Begründung,  die  anstandslose  und  fristgerechte  Wiederausreise  des  Gesuchstellers nach einem Besuchsaufenthalt  könne nicht als gesichert  betrachtet werden. Dieser lebe in einer Region, aus der als Folge der dort  herrschenden  wirtschaftlichen  Verhältnisse  ein  anhaltend  starker  Zuwanderungsdruck  festzustellen  sei.  Ihm  (ledig,  keine Kinder)  oblägen  im  Heimatland  weder  zwingende  berufliche  Verpflichtungen  noch  familiäre  Verantwortlichkeiten,  die  gegebenenfalls  Gewähr  für  eine  fristgerechte  Rückkehr  bieten  könnten.  Schliesslich  müsse  das  Risiko  einer nicht  fristgerechten und anstandslosen Rückkehr als grundsätzlich  hoch  eingestuft  werden,  wenn  im  westlichen  Ausland  bereits  ein  gewisses familiäres Beziehungsnetz bestehe. C.  Mit Rechtsmitteleingabe vom 13. November 2009 beantragen B._______  und  A._______,  beide  anwaltlich  vertreten,  beim  Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung  sowie die Erteilung des beantragten Besuchervisums. In der Sache selbst  machen sie geltend, die Wiederausreise des Gesuchstellers nach einem  Besuchsaufenthalt  sei  gesichert,  lebe  dieser  doch  zu  Hause  in  einer  intakten,  engen  Familiengemeinschaft.  Dabei  handle  es  sich  um  eine  Familie mit grossem Vermögen und Grundbesitz. Die Wiederausreise des  Gesuchstellers  dürfe  auch  deshalb  nicht  bezweifelt  werden,  weil  er  in  seinem Heimatland ein Wirtschaftsstudium an der Universität aufnehmen  werde.  Schliesslich  sei  auch  seiner  Mutter  bereits  einmal  eine  Einreisebewilligung  erteilt  worden,  um  Verwandte  in  der  Schweiz  zu  besuchen. Überdies stünden seine Verwandten in der Schweiz – eine gut  beleumundete Familie – für eine problemlose Rückkehr ein.

C­7114/2009 D.  In  ihrer  Vernehmlassung  vom  11.  Dezember  2009  spricht  sich  die  Vorinstanz  unter  Hinweis  auf  die  in  der  Verfügung  bereits  genannten  Gründe  für  die  Abweisung  der  Beschwerde  aus.  Sie  weist  ergänzend  darauf  hin,  dass  ein  früherer  Besuchsaufenthalt  der  Mutter  des  Gesuchstellers in der Schweiz nicht belegt sei. Bei dem der Beschwerde  beigefügten Visum (Kopie der entsprechenden Passseite) handle es sich  um  ein  von  den  deutschen  Behörden  im  Jahre  2006  ausgestelltes  Schengen­Visum,  welches  nicht  zu  einem  Aufenthalt  in  der  Schweiz  berechtigt habe.  E.  In  der Replik  vom 30. Dezember  2009  halten  die Beschwerdeführer  an  ihren  gestellten  Anträgen  fest.  Sie  betonen,  dass  das  seinerzeit  der  Mutter  des  Gesuchstellers  erteilte  Schengen­Visum  erst  recht  dafür  spreche,  Mitgliedern  dieser  Familie  einen  Verwandtenbesuch  in  der  Schweiz  zu  erlauben.  Da  der  Eingeladene  aus  einer  angesehenen  und  reichen Familie stamme – sein Vater habe dem Gastgeber immerhin ein  zinsloses  Darlehen  von  CHF  80'000.­  gewährt  –  habe  er  auch  keinen  Anlass, in der Schweiz zu bleiben.  F.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  unter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  VGG  genannten  Ausnahmen  Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom  20.  Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021),  welche  von  einer  in  Art.  33  VGG  aufgeführten  Behörde  erlassen  wurden.  Darunter  fallen  u.a.  Verfügungen  des  BFM, mit  denen  die  Erteilung  eines  Schengenvisums  verweigert  wird.  In  dieser  Materie  entscheidet  das  Bundesverwaltungsgericht  endgültig  (Art.  83  Bst.  c  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

C­7114/2009 1.2.  Sofern  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes  bestimmt,  richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem  VwVG (Art. 37 VGG). 1.3.  Die  Beschwerdeführer  sind  gemäss  Art.  48  Abs.  1  VwVG  zur  Beschwerde  berechtigt.  Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  –  sofern  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  sind  grundsätzlich  die  tatsächlichen  Verhältnisse  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides  (vgl.  BGVE  2007/41  E.  2  und  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts A­2682/2007 vom 7. Oktober 2010 E. 1.2 und  1.3). 3.  Das  schweizerische Ausländerrecht  kennt weder  ein  allgemeines Recht  auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Erteilung  eines  Visums.  Die  Schweiz  ist  daher  –  wie  andere  Staaten  auch –  grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise  zu  gestatten.  Vorbehältlich  völkerrechtlicher  Verpflichtungen  handelt  es  sich  dabei  um  einen  autonomen  Entscheid  (vgl.  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). 4.  Die inländischen Bestimmungen über das Visumsverfahren und über die  Ein­  und  Ausreise  finden  Anwendung,  sofern  die  Schengen­ Assoziierungsabkommen  keine  abweichenden  Bestimmungen  enthalten  (vgl. Art.  2 Abs.  4 und 5 des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005  über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]).

C­7114/2009 5.  5.1. Angehörige  von Drittstaaten  benötigen  zur  Einreise  in  die  Schweiz  bzw.  den  Schengenraum  für  einen  Aufenthalt  von  höchstens  drei  Monaten  gültige  Reisedokumente,  die  zum  Grenzübertritt  berechtigen,  und ein Visum, sofern dieses erforderlich ist (vgl. Art. 5 Abs. 1 Bst. a AuG  sowie  Art.  2  Abs.  1  der  Verordnung  vom  22.  Oktober  2008  über  die  Einreise und die Visumserteilung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 5 Abs. 1  Bst.  a  und  b  der  Verordnung  [EG]  Nr.  562/2006  des  Europäischen  Parlaments  und  des  Rates  vom  15.  März  2006  über  einen  Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen  [nachfolgend:  Schengener  Grenzkodex,  SGK,  Abl.  L  105  vom  13.04.2006,  S.  1­32]  und Art.  2  der Verordnung  [EU] Nr.  265/2010  des  Europäischen  Parlaments  und  des  Rates  vom  25.  März  2010  zur  Änderung des Übereinkommens zur Durchführung des Übereinkommens  von Schengen und der Verordnung  [EG]      Nr.  562/2006  in Bezug auf  den  Verkehr  von  Personen  mit  einem  Visum  für  einen  längerfristigen  Aufenthalt [ABl. L 85 vom 31.03.2010, S. 1­4]). 5.2.  Im  Weiteren  müssen  Drittstaatsangehörige  den  Zweck  und  die  Umstände  ihres  beabsichtigten  Aufenthalts  belegen  und  hierfür  über  ausreichende finanzielle Mittel verfügen (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 5  Abs. 1 Bst. c SGK und Art. 14 Abs. 1 Bst. a­c der Verordnung  [EG] Nr.  810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009  über einen Visakodex der Gemeinschaft [nachfolgend: Visakodex, ABl. L  243 vom 15.09.2009, S. 1­58]). Namentlich haben sie zu belegen, dass  sie den Schengenraum vor Ablauf der Gültigkeitsdauer des beantragten  Visums  wieder  verlassen  bzw.  Gewähr  für  ihre  fristgerechte  Wiederausreise bieten (Art. 14 Abs. 1 Bst. c und Art. 21 Abs. 1 Visakodex  sowie  Art.  5  Abs.  2  AuG).  Ferner  dürfen  Drittstaatsangehörige  nicht  im  Schengener  Informationssystem  (SIS)  zur  Einreiseverweigerung  ausgeschrieben  sein  und  keine  Gefahr  für  die  öffentliche  Ordnung,  die  innere  Sicherheit,  die  öffentliche  Gesundheit  oder  die  internationalen  Beziehungen  eines Mitgliedstaats  darstellen  (Art.  5  Abs.  1  Bst.  c  AuG,  Art. 5 Abs. 1 Bst. d und Bst. e SGK). 5.3.  Werden  die  Voraussetzungen  für  die  Ausstellung  eines  für  den  Schengenraum  einheitlichen  Visums  nicht  erfüllt,  so  kann  in  Ausnahmefällen  ein  Visum  mit  räumlich  beschränkter  Gültigkeit  erteilt  werden.  Unter  anderem  kann  der  betreffende  Mitgliedstaat  von  dieser  Möglichkeit  Gebrauch  machen,  wenn  er  es  aus  humanitären  Gründen,  aus  Gründen  des  nationalen  Interesses  oder  aufgrund  internationaler 

C­7114/2009 Verpflichtungen für erforderlich hält (vgl. zum Ganzen Art. 25 Abs. 1 Bst.  a Visakodex; ebenso Art. 5 Abs. 2 Bst. c SGK). 5.4. Anhang I zur Verordnung (EG) Nr. 539/2001 des Rates vom 15. März  2001  listet  diejenigen  Staaten  auf,  deren  Staatsangehörige  beim  Überschreiten  der  Aussengrenzen  der  Schengen­Mitgliedstaaten  im  Besitze  eines  Visums  sein müssen  (Abl.  L  81  vom  21.03.2001,  S.  1­7;  zum vollständigen Quellennachweis vgl. Fussnote zu Art. 4 Abs. 1 VEV).  Da der Kosovo zu diesen Staaten zählt, unterliegt der Gesuchsteller der  Visumspflicht.  6.  Die  Vorinstanz  verweigerte  die  Erteilung  eines  Visums  an  den  Gesuchsteller mit  der Begründung, dessen  fristgerechte Wiederausreise  erscheine nicht gesichert.  Bei der  Prüfung des Kriteriums der gesicherten Wiederausreise muss ein  zukünftiges  Verhalten  beurteilt  werden.  Dazu  lassen  sich  in  der  Regel  keine  gesicherten  Feststellungen,  sondern  lediglich  Voraussagen  machen,  wobei  sämtliche  Umstände  des  konkreten  Einzelfalles  zu  würdigen  sind.  Anhaltspunkte  zur  Beurteilung  der  fristgerechten  Wiederausreise  können  sich  aus  der  allgemeinen  Situation  im  Herkunftsland  der  gesuchstellenden  Person  ergeben.  Insbesondere  können Einreisegesuche  von Personen  aus Staaten  bzw. Regionen mit  politisch  oder  wirtschaftlich  vergleichsweise  ungünstigen  Verhältnissen  darauf  hindeuten,  dass  deren  persönliche  Interessenlage  nicht mit  dem  Ziel und Zweck eines zeitlich befristeten Besuchs in Einklang steht. 6.1.  Am  17.  Februar  2008  erklärte  das  kosovarische  Parlament  die  Unabhängigkeit des Landes, die am 26. Februar 2008 von der Schweiz  und  mittlerweile  von  77  Staaten  völkerrechtlich  anerkannt  wurde.  Die  Sicherheitslage  im  Kosovo  konnte  zwar  im  Verlaufe  der  letzten  Jahre  weitgehend  stabilisiert  werden;  auch  ist  der  Wiederaufbau  von  Administration  und  Infrastruktur  unter  Beteiligung  internationaler  Organisationen  und  Staatengemeinschaften  in  Gang  gekommen.  Aus  wirtschaftlicher  Sicht  ist  es  aber  trotz  grosser  internationaler  Unterstützung bisher nicht gelungen, eine Wachstumsdynamik im Kosovo  einzuleiten; es herrscht wirtschaftliche Stagnation und die Arbeitslosigkeit  – sie  betrug  gemäss  den  letzten  offiziellen  Zahlen  im  Jahr  2007  immer  noch  43,6%  –  bleibt  hartnäckig  hoch.  So  sind  mehr  als  die  Hälfte  der  Erwerbsfähigen  ohne  oder  zumindest  ohne  regelmässiges  Einkommen.  Der  Armutsanteil  der  Bevölkerung  im  Kosovo  liegt  bei  45%;  15%  der 

C­7114/2009 Staatsbürger  leben  sogar  in  extremer  Armut  (vgl.  <www.worldbank.org>Countries>Kosovo>Overview>Country  Brief,  Oktober  2010,  besucht  im  Juli  2011).  Vor  diesem  Hintergrund  besteht  vielfach ein Wunsch zur Auswanderung, welcher sich besonders stark bei  jüngeren  und  ungebundenen  Personen  manifestiert.  Ein  im  Ausland  bereits  bestehendes,  minimales  soziales  Beziehungsnetz  aus  Verwandten  oder  Freunden  ist  zudem  ein  wichtiges  Element,  das  den  Entscheid  auszuwandern  erleichtern  kann.  Dementsprechend  hoch  ist  der Zuwanderungsdruck  aus  der Heimatregion  des Gesuchstellers, was  sich auch in der schweizerischen Asylstatistik widerspiegelt. So stammten  im Jahr 2010 4,3% der Asylsuchenden aus dem Kosovo, der damit in der  Statistik der Asylgesuche nach Nationen – mit  insgesamt 602 Gesuchen  – an  achter  Stelle  stand  (Quelle:  Bundesamt  für  Migration,  <www.bfm.admin.ch>Themen>Statistiken>Asylstatistik>Jahresstatistiken >kommentierte  Asylstatistik  2010,  S.  3).  Seit  dem  1.  April  2009  gilt  der  Kosovo zwar als verfolgungssicherer Staat  (Safe Country), dies gemäss  Beschluss des Bundesrates vom 6. März 2009. Es wird sich aber zeigen  müssen,  ob  und  falls  ja,  welchen  Einfluss  dies  auf  künftige  Asylbewerberzahlen  haben  wird.  Immerhin  stellten  im  ersten  Halbjahr  2011 noch 286 Personen aus dem Kosovo ein Asylgesuch, womit dieses  Land statistisch nach wie vor die achte Stelle unter den Herkunftsländern  einnimmt  (vgl.  Bundesamt  für  Migration,  a.a.O.,    kommentierte  Asylstatistik 2. Quartal 2011, S. 8). 7.  Angesichts  der  Lage  im  Herkunftsland  des  Gesuchstellers  ist  nicht  zu  beanstanden,  dass  die  Vorinstanz  das  Risiko  einer  nicht  fristgerechten  Wiederausreise  allgemein  als  hoch  einschätzte.  Bei  der  Analyse  des  Migrationsrisikos  sind  allerdings  nicht  nur  die  erwähnten  allgemeinen  Umstände und Erfahrungen, sondern auch sämtliche Gesichtspunkte des  Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt einer gesuchstellenden Person im  Heimatland  beispielsweise  eine  besondere,  berufliche,  gesellschaftliche  oder  familiäre  Verantwortung,  kann  dieser  Umstand  durchaus  die  Prognose für eine anstandslose Wiederausreise begünstigen. Umgekehrt  muss bei Personen, die in ihrer Heimat keine besonderen Verpflichtungen  haben,  das  Risiko  für  ein  ausländerrechtlich  nicht  regelkonformes  Verhalten  (nach  bewilligter  Einreise  zu  einem  Besuchsaufenthalt)  hoch  eingeschätzt  werden.  Erfahrungsgemäss  wird  die  Tendenz  zur  Auswanderung  dort  noch  begünstigt,  wo  bereits  ein  soziales  Beziehungsnetz (Verwandte, Freunde) im Ausland besteht. 

C­7114/2009 7.1. Der Gesuchsteller  ist  21  Jahre  alt,  ledig  und  lebt mit  seinen Eltern  sowie seinen jüngeren Geschwistern im gleichen Haushalt. Den Akten ist  weiterhin  zu  entnehmen,  dass  abgesehen  von  der  Familie  seines  Gastgebers  zumindest  noch eine weitere Verwandte,  eine Tante,  in  der  Schweiz  lebt  (vgl.  den  von  A._______  am  28.  September  2009  ausgefüllten  kantonalen  Fragebogen).  Die  in  der  Schweiz  bestehenden  verwandtschaftlichen Kontakte könnten somit für den Gesuchsteller ohne  Weiteres einen Anreiz darstellen, hier ebenfalls seine eigene Zukunft ins  Auge zu fassen.  7.2. Offensichtlich verfügt der Gesuchsteller, welcher im Jahre 2009 noch  das  Gymnasium  besuchte  und  angeblich  im  darauffolgenden  Jahr  ein  Wirtschaftsstudium  beginnen  wollte,  über  kein  eigenes  Einkommen.  Er  hat  im  Verlauf  des  Beschwerdeverfahren  allerdings  auch  nicht  belegt,  dass  er  seine  Absicht  zu  studieren  mittlerweile  verwirklicht  hat.  Damit  kann  ein  Wunsch,  in  die  Schweiz  zu  emigrieren,  erst  recht  nicht  ausgeschlossen werden.  7.3. Keine andere Einschätzung ergibt sich aus dem Umstand, dass die  Beschwerdeführer  auf  komfortable  Lebensverhältnisse  des  Gesuchstellers verweisen. Zum einen hat der Gastgeber zugesichert, alle  Kosten während des beabsichtigten Besuchsaufenthalts zu übernehmen  (vgl. den von A.______ am 28. September 2009 ausgefüllten kantonalen  Fragebogen),  was  nicht  für  die  wirtschaftliche  Selbstständigkeit  seines  Gastes  spricht.  Zum  anderen  lassen  aber  auch  die  eingereichten  Unterlagen nicht darauf schliessen, dass die Familie des Gesuchstellers  tatsächlich  derart  wohlhabend  ist,  dass  sie  ihrem  Sohn  eine  finanziell  gesicherte  Zukunft  bieten  könnte.  Fraglich  ist,  ob  zwischen  dem  Vater  des  Gesuchstellers  und  dem  Gastgeber  tatsächlich  –  oder  nur  zum  Schein  –  ein  zinsloses  Darlehen  über  CHF.  80'000.­  vereinbart  wurde,  wurde  der  Betrag  doch  lediglich  erst  nachträglich  und  handschriftlich  in  den  vorformulierten  gedruckten  Text  eingefügt  und  bei  der  handschriftlichen Übersetzung  ins Deutsche gar  nicht  berücksichtigt. Es  kann  zwar  davon  ausgegangen  werden,  dass  die  Eltern  des  Gesuchstellers  in  überdurchschnittlich  guten  Verhältnissen  leben,  wofür  auch  die  vorgelegten  Grundbuchbestätigungen  für  zwei  Grundstücke  sprechen.  Andererseits  werden  mit  der  Beschwerde  keine  Dokumente  eingereicht, die die aktuellen Einkommensverhältnisse der Eltern belegen  und aufzeigen könnten, welche finanziellen Mittel der fünfköpfigen Familie  für  den  Lebensunterhalt  zur  Verfügung  stehen.  Die  dem  Vater  des  Gesuchstellers – sowie einer weiteren Person – für ein Bauprojekt erteilte 

C­7114/2009 Baugenehmigung  vom  27.  Dezember  2004  vermag  hierüber  keinen  Aufschluss zu geben.  7.4. Schliesslich kann der Gesuchsteller zu seinen Gunsten auch nichts  daraus ableiten, dass seiner Mutter vor mehreren Jahren ein Schengen­ Visum durch die deutschen Behörden ausgestellt wurde, lassen sich doch  die  persönlichen  Umstände  gar  nicht  miteinander  vergleichen.  Insbesondere  bestanden  für  die  Mutter  Unterhaltsverpflichtungen  gegenüber ihren drei minderjährigen Kindern, so dass schon aus diesem  Grund  ihre  Rückkehr  als  gewährleistet  betrachtet  werden  durfte.  Demgegenüber  ist  beim  Beschwerdeführer  nicht  erkennbar,  dass  ihn  irgendwelche Verpflichtungen an sein Heimatland binden.   8.  Gründe  für  die  Ausstellung  eines  Visums  mit  räumlich  beschränkter  Gültigkeit  (vgl.  E.  5.3  vorstehend)  wurden  von  den  Beschwerdeführern  nicht geltend gemacht und sind auch sonst nicht ersichtlich. 9.  Vor  dem  aufgezeigten  Hintergrund  durfte  die  Vorinstanz  zu  Recht  annehmen, die Wiederausreise des Gesuchstellers nach dem geplanten   Besuchsaufenthalt  sei  nicht  gesichert.  Daran  ändert  auch  der  Umstand  nichts, dass sein Gastgeber wiederholt das Gegenteil zugesichert hat, ist  doch eine derartige Garantie weder faktisch noch rechtlich durchsetzbar.  Gastgeber  können  zwar  für  gewisse  finanzielle  Risiken  im  Zusammenhang  mit  einem  Besuchsaufenthalt  garantieren,  nicht  jedoch  für ein bestimmtes Verhalten des Gastes (vgl. BVGE 2009/27 E. 9). 10.  Aus  diesen  Erwägungen  folgt,  dass  die  angefochtene  Verfügung  im  Lichte  von Art.  49 VwVG nicht  zu  beanstanden  ist. Die Beschwerde  ist  daher abzuweisen. 11.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  unterliegenden  Beschwerdeführer  kostenpflichtig  (Art.  63  Abs.  1  VwVG  i.V.m.  Art.  1,  2  und 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).

C­7114/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­  werden  den  Beschwerdeführern  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  am  23.  November  2009  geleisteten  Kostenvorschuss gleicher Höhe verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (…) – das Amt für Polizeiwesen und Zivilrecht Graubünden Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Ruth Beutler Barbara Giemsa­Haake Versand:

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