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Bundesverwaltungsgericht 07.07.2011 C-6841/2008

7. Juli 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,542 Wörter·~13 min·1

Zusammenfassung

Anerkennung der Staatenlosigkeit | Anerkennung der Staatenlosigkeit

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­6841/2008 Urteil   v om   7 .   Juli   2011 Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richter Bernard Vaudan, Richter Jean­Daniel Dubey,    Gerichtsschreiberin Barbara Giemsa­Haake. Parteien 1. A._______, 2. B._______,  3. C._______,    4. D._______,     alle vertreten durch Peter Weibel, Fürsprecher,   Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Anerkennung der Staatenlosigkeit.

C­6841/2008 Sachverhalt: A.  A._______, geboren 1973, und seine Ehefrau B._______, geboren 1976,  sind  palästinensischer  Herkunft.  Beide  lebten  zuletzt  im  Libanon,  bevor  sie  im Oktober  2000  in  die Schweiz  gelangten  und hier  ein Asylgesuch  stellten. Das damalige Bundesamt für Flüchtlinge (BFF; heute: BFM) wies  ihr Asylgesuch im November 2002 ab, woraufhin sie Beschwerde an die  damalige Asylrekurskommission (ARK; heute Bundesverwaltungsgericht)  erhoben.  Dieses  Rechtsmittel  wurde  zurückgezogen,  nachdem  der  Kanton Bern ihnen sowie den beiden  2001 und 2003 geborenen Kindern  am 8. August 2007 eine Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 14 Abs. 2  des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) erteilt hatte. B.  Mit  Schreiben  vom  8.  Januar  2003  hatte  die  (damals  noch  dreiköpfige)  Familie  beim  BFF  ein  Gesuch  um   Anerkennung  der  Staatenlosigkeit  eingereicht  und  sich  diesbezüglich  auf  das  Übereinkommen  über  die  Rechtstellung der Staatenlosen vom 28. September 1954 (SR 0.142.40,  im  Folgenden:  Staatenlosen­Übereinkommen)  berufen.  Zur  Begründung  hatten  sie  im  Wesentlichen  angeführt,  A._______  habe  seine  Jugend­  und Schulzeit in Libyen, Algerien und im Libanon verbracht. Keiner dieser  Staaten  betrachte  ihn  jedoch  als  Angehörigen  bzw.  biete  ihm  als  palästinensischem  Flüchtling  die  Möglichkeit,  das  Bürgerrecht  zu  erwerben. Seine Ehefrau und seine Tochter teilten dieses Schicksal. Das  eingeleitete  Verfahren  um  Anerkennung  der  Staatenlosigkeit  wurde  aufgrund  des  seinerzeit  hängigen  Asylverfahrens  zunächst  sistiert  und  nach  entsprechendem  Gesuch  vom  4. Oktober  2007  wieder  aufgenommen.  C.  Im Verlauf nachfolgender Abklärungen stellte das BFM fest, dass sich der  Gesuchsteller  mit  seiner  Ehefrau  und  den  beiden  Kindern  bei  der  UNRWA   (United  Nations  Relief  and  Works  Agency  for  Palestine  Refugees  in  the  Near  East)  als  Flüchtlinge  in  Lebanon  Field  hatten  registrieren  lassen,  und  vertrat  aufgrund  dessen  die  Ansicht,  dass  die  Familie  aus  dem  Staatenlosen­Übereinkommen  keine  Rechte  für  sich  herleiten könne. Mit Schreiben vom 27. August 2008 gewährte das BFM  den Gesuchstellern   das rechtliche Gehör, setzte  ihnen hierfür eine Frist  bis  zum 10. September  2008 und wies  darauf  hin,  dass diese Frist  aus  Gründen wie Arbeitsüberlastung oder Abwesenheit nicht erstreckt werden 

C­6841/2008 könne.  Der  Parteienvertreter  übersandte  erst  am  22.  September  2008  eine entsprechende Stellungnahme, die tags darauf beim BFM eintraf.  D.  Mit  Verfügung  vom  22.  September  2008  lehnte  die  Vorinstanz  das  am  8. Januar  2003  gestellte  Gesuch  um  Anerkennung  der  Staatenlosigkeit  ab. Unter Erläuterung  ihrer Ausführungen vom 27. August 2008 und der  Bestimmungen  von  Art.  1  des  Staatenlosen­Übereinkommens  hielt  sie  fest,  die  Gesuchsteller  seien  bei  der  UNRWA  offiziell  als  Flüchtlinge  registriert  und  würden  damit  den  Schutz  dieser  Organisation,  welche  auch  gültige  Reisepapiere  ausstelle,  geniessen.  Damit  sei  das  Staatenlosen­Übereinkommen aufgrund der Ausschlussklausel  von   Art.  1 Abs. 2 Bst. i nicht anwendbar. E.  E.a  Gegen  diese  Verfügung  richtete  sich  der  Rechtsvertreter  der  Beschwerdeführenden mit Rechtsmitteleingabe vom 29. Oktober 2008. Er  macht  geltend,  die  Vorinstanz  habe  ihm  während  seiner  Ferien  eine  ausserordentlich kurze und nicht verlängerbare Frist angesetzt, um zum  Ergebnis  ihrer  Abklärungen  Stellung  zu  nehmen.  Auf  dieses  Schreiben  des  BFM  vom  27.  August  2008  habe  er  am  ersten  Tag  nach  seinen  Ferien geantwortet; am gleichen Tag habe die Vorinstanz  jedoch bereits  die ablehnende Verfügung erlassen.  E.b  Was  den  Inhalt  der  Verfügung  angehe,  so  habe  die  Vorinstanz  falsche  rechtliche  Schlussfolgerungen  gezogen.  Insbesondere  finde  die  von der Vorinstanz zitierte Ausschlussklausel von Art. 1 Abs. 2 Bst. i des  Staatenlosen­Übereinkommens  keine  Anwendung  auf  die  Beschwerdeführenden. Nach dieser Klausel sei ein Ausschluss nur dann  statthaft,  wenn  durch  eine  andere  Organisation  oder  Institution  der  Vereinten Nationen  als  den Hochkommissar  der  Vereinten Nationen  für  Flüchtlinge  Schutz  oder  Hilfe  geleistet  werden  könne.  Diese  Funktion  werde durch die blosse Registrierung palästinensischer Flüchtlinge durch  die  UNRWA  nicht  erreicht.  Deren  Tätigkeit  sei  strikt  auf  die  Gebiete  Gaza­Streifen,  Westbank,  Libanon,  Jordanien  und  Syrien  beschränkt.  Wer sich ausserhalb dieser Gebiete befinde und nicht dorthin reisen bzw.  zurückkehren könne, geniesse weder Schutz noch Hilfe der Organisation,  sodass  auf  ihn  auch  die Ausschlussklausel  keine Anwendung  finde.  Zu  Unrecht gehe die Vorinstanz davon aus, dass die UNRWA Reisepapiere  ausstelle,  mit  denen  die  Rückkehr  in  einen  ihrer  Tätigkeitsbereiche 

C­6841/2008 möglich  sei;  auch  die  von  dieser  Organisation  ausgestellte  Registrierungskarte  könne  nicht  zum  Übertritt  einer  internationalen  Grenze  verwendet  werden.  Im  vorliegenden  Fall  hätten  die  Beschwerdeführenden  keine  legale Möglichkeit,  in  den  Libanon  bzw.  in  das Tätigkeitsgebiet der UNRWA zu reisen; sie könnten somit auch nicht  den  Schutz  oder  die  Hilfe  dieser  Organisation  für  sich  beanspruchen.  Abgesehen davon entspreche die angefochtene Verfügung auch nicht der  sonstigen  Praxis  des  Bundesamts,  welches  –  bei  vergleichbarer  Konstellation  –  andere  bei  der  UNRWA  registrierte  Personen  als  staatenlos anerkannt habe. F.  In  ihrer  Vernehmlassung  vom  27.  November  2008  beantragt  die  Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde. Sie macht geltend, die eigens  auf  die  palästinensischen  Flüchtlinge  zugeschnittene  Ausschlussklausel  solle gewährleisten, dass sich in erster Linie die UNRWA ihrer annehme.  Die Verantwortung der UNRWA könne nicht einem anderen Signatarstaat  des  Übereinkommens  überbürdet  werden,  wenn  Betroffene  das  Tätigkeitsgebiet  der UNRWA  freiwillig  verlassen und grundsätzlich  auch  dorthin  zurückkehren  könnten.  Letzteres  treffe  auch  auf  die  Beschwerdeführenden zu. Ihre Registrierung bei der UNRWA ermögliche  ihnen  problemlos  den  Erhalt  von  Reisedokumenten  durch  die  libanesischen Behörden.  Hierzu müssten  sie  sich  bei  der  libanesischen  Botschaft  registrieren  lassen.  Die  Beschwerdeführenden  hätten  ohne  Weiteres auch die Möglichkeit, in den Libanon zurückzukehren. G.  In  der  darauffolgenden  Replik  vom  5.  Januar  2009  wenden  sich  die  Beschwerdeführenden  gegen  die  von  der  Vorinstanz  dargelegte  Interpretation  der  Ausschlussklausel.  Sie  betonen,  die  UNRWA  im  Libanon  könne  nur  humanitäre  Hilfe  –  und  auch  die  nur  in  ihrem  Tätigkeitsbereich  –  erbringen,  wohingegen  rechtlicher  Schutz  nicht  zu  ihren Aufgaben bzw. Kompetenzen gehöre. Dieser Schutz müsse durch  das  Staatenlosen­Übereinkommen  sichergestellt  werden,  jedenfalls  für  die  Personen,  die  sich  ausserhalb  des  Tätigkeitsgebiets  der  UNRWA  aufhielten.  H.  Mit  Verfügung  vom  28.  Januar  2011  hat  das  Bundesverwaltungsgericht  die Vorinstanz – unter Hinweis auf das bereits abgeschlossene Verfahren  C­1043/2006 – zu einer weiteren Vernehmlassung eingeladen. Bei jenem 

C­6841/2008 Verfahren  war  die  Vorinstanz  auf  ihren  negativen  Entscheid  zurückgekommen,  nachdem  der  Beschwerdeführer  –  ebenfalls  als  palästinensischer Flüchtling bei der UNRWA  registriert – eine kantonale  Aufenthaltsbewilligung erhalten hatte. I. In  ihrer  ergänzenden  Vernehmlassung  vom  24.  Februar  2011  führt  die  Vorinstanz  aus,  der  Vergleich  der  beiden  Dossiers  zeige  eine  stark  voneinander  abweichende  Ausgangslage.  Das  frühere  Verfahren  habe  einen  in Kuwait geborenen und einer Familie aus Gaza entstammenden  Palästinenser betroffen. Nachdem dessen Asylgesuch abgelehnt worden  sei,  habe  sich  der  Wegweisungsvollzug  wegen  der  Papierbeschaffung  zunächst  schwierig  gestaltet  und  habe  dann,  als  der  Ausländer  eine  Härtefallregelung erfahren habe, nicht weiter  fortgesetzt werden können.  In  jenem Fall habe man nicht von der Möglichkeit einer Rückkehr  in das  UNRWA­Mandatsgebiet  ausgehen  können.  Im  vorliegenden  Fall  habe  sich  das  Problem  der  Papierbeschaffung  nie  gestellt,  weil  kein  Vollzugsprozess  habe  eröffnet  werden  müssen.  Die  Beschwerdeführenden  könnten  sich  aber  problemlos  Reisedokumente  von den  libanesischen Behörden ausstellen  lassen und würden bei  ihrer  Rückkehr in den Libanon wieder dem Schutz der UNRWA unterstehen. J. In der darauffolgenden Stellungnahme vom 30. März 2011 berufen sich  die  Beschwerdeführenden  darauf,  dass  ihnen  vor  bald  vier  Jahren –  aufgrund  der  Härtefallregelung  von  Art.  14  Abs.  2  AsylG  –  eine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  worden  sei.  Die  Bejahung  ihrer  Härtefallgründe  zeige,  dass  ihnen  die  Rückkehr  in  den  Libanon  nicht  zugemutet und damit von ihnen auch nicht verlangt werden könne, sich in  den  Schutzbereich  der  UNRWA  zu  begeben.  Schon  daher  sei  das  Staatenlosen­Übereinkommen  auf  sie  anwendbar  und  es  könne  offenbleiben,  ob  die  theoretische  oder  praktische  Möglichkeit  der  Ausreise  in  das  Tätigkeitsgebiet  der  UNRWA  zu  einem Ausschluss  der  Anwendbarkeit führe. 

C­6841/2008 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  unter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  genannten  Ausnahmen  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), welche von einer der in Art. 33  aufgeführten  Behörden  erlassen  wurden.  Darunter  fallen  Verfügungen  des  BFM,  welche  die  Anerkennung  der  Staatenlosigkeit  betreffen  (vgl.  Art.  14  Abs.  3  der  Organisationsverordnung  für  das  Eidgenössische  Justiz­ und Polizeidepartement  vom 17. November 1999  [OV­EJPD, SR  172.213.1]).  1.2.  Gemäss  Art.  37  VGG  richtet  sich  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  nach  dem  VwVG,  soweit  das  Gesetz  nichts  anderes bestimmt. 1.3.  Die  Beschwerdelegitimation  ergibt  sich  daraus,  dass  die  Beschwerdeführenden  durch  den  angefochtenen  Entscheid  besonders  berührt  sind  und  an  dessen  Aufhebung  ein  schutzwürdiges  Interesse  haben (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist­ und formgerechte Beschwerde  ist daher einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2.   Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  –   hierzu  gehört  auch  das  Staatsvertragsrecht –  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  –  soweit  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die Unangemessenheit  gerügt werden  (Art.  49  VwVG).  Das  Bundesverwaltungsgericht  wendet  im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE  2007/41  E.  2  und  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2682/2007  vom 7. Oktober 2010 E. 1.2 und 1.3).

C­6841/2008 3.  In formeller Hinsicht hat der Vertreter der Parteien gerügt, die Vorinstanz  habe  ihm  zur  abschliessenden  Stellungnahme  eine  äusserst  kurze  und  angeblich  nicht  verlängerbare  Frist  eingeräumt,  die  er  aufgrund  seiner  Ferien nicht habe einhalten können. Insoweit ist zwar festzustellen, dass  die  mit  Schreiben  von  Mittwoch,  dem  27.  August  2008  bis  zum  10.  September  2008  gesetzte  Frist  genau  zwei Wochen  später  endete  und  damit – zumal die Möglichkeit einer Fristerstreckung wegen Abwesenheit  ausgeschlossen wurde –  knapp bemessen war. Andererseits  kann dem  Rechtsvertreter,  der  sich  während  seiner  Ferienabwesenheit  offensichtlich nicht vertreten liess, vorgehalten werden, hierdurch auf das  Recht  auf  Stellungnahme  verzichtet  zu  haben  (vgl.  BERNHARD  WALDMANN/JÜRG  BICKEL,  in:  Praxiskommentar  VwVG,  Waldmann/Weissenberger  [Hrsg.],  Zürich  2009,  Art. 29  N 64  f.  und  Art.  30  N  45).  Der  Rechtsvertreter  hat  aus  der  Vorgehensweise  der  Vorinstanz  immerhin  auch  nicht  abgeleitet,  dass  diese  zu  einer  unheilbaren Verletzung des rechtlichen Gehörs geführt habe. Im Ergebnis  ist  damit  die  angefochtene  Verfügung  formellrechtlich  nicht  zu  beanstanden.  4.  4.1.  Das  von  der  Schweiz  am  3.  Juli  1972  ratifizierte  Staatenlosen­ Übereinkommen  regelt  die  Situation  von  Staatenlosen,  welche  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  besitzen  (vgl.  Präambel  des  Übereinkommens).  In  vielen  Bereichen  bezweckt  es  eine  Gleichbehandlung der Staatenlosen mit den Flüchtlingen,  so namentlich  in  Bezug  auf  die  personenrechtliche  Stellung,  die  Abgabe  eines  Reiseausweises,  die  Sozialversicherungen  und  die  Unterstützung  (Botschaft  vom  11.  August  1971  über  die  Genehmigung  des  Übereinkommens  über  die  Rechtstellung  der  Staatenlosen,  BBl  1971  II  424).  Zum  Teil  übernimmt  das  Übereinkommen  wörtlich  die  Bestimmungen  des  Abkommens  über  die  Rechtstellung  der  Flüchtlinge  vom 28. Juli 1951 (SR 0.142.30, nachfolgend: Flüchtlingskonvention).  4.2.  Art.  1  Abs.  1  des  Staatenlosen­Übereinkommens  definiert  als  staatenlos  eine  Person,  die  kein  Staat  aufgrund  seines  Rechts  als  Staatsangehörigen ansieht. Das Übereinkommen bezieht  sich  somit  nur  auf die de jure Staatenlosen, nicht auf die de facto Staatenlosen, die zwar  formell noch eine Staatsangehörigkeit besitzen, deren Heimatstaat ihnen  aber  keinen  Schutz  mehr  gewährt  (vgl.  Urteil  des 

C­6841/2008 Bundesverwaltungsgerichts  C­7134/2010  vom  9.  Juni  2011  E.  3.1  mit  Hinweisen).  Die  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  hält  hierzu  präzisierend fest, dass jemand nur dann als staatenlos betrachtet werden  kann, wenn er ohne eigenes Zutun die Staatsangehörigkeit  verloren hat  und  diese  nicht  (wieder­)erlangen  kann  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  2C_763/2008  vom  26.  März  2009  E.  3.2  mit  Hinweisen).  Wer  seine  Staatsangehörigkeit  freiwillig  aufgegeben  hat  oder  ohne  triftigen  Grund  auf  ihren  möglichen  Erwerb  oder  Wiedererwerb  verzichtet,  kann  demzufolge aus dem Abkommen keine Rechte für sich herleiten. 4.3. Art. 1 Abs. 2 des Staatenlosen­Übereinkommens nennt verschiedene  Personengruppen,  auf  die  das  Übereinkommen  nicht  anwendbar  ist.  Gemäss Bst. i findet es keine Anwendung auf Personen, die zurzeit durch  eine andere Organisation oder Institution der Vereinten Nationen als den  Hochkommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge Schutz oder Hilfe  erhalten, solange sie diesen Schutz oder diese Hilfe geniessen (amtliche  Übersetzung  aus  dem  französischen  und  englischen  Originaltext). Eine  vergleichbare Regelung findet sich in Art. 1 D der Flüchtlingskonvention.  Gemäss  dortigem  Abs.  1  findet  die  Konvention  keine  Anwendung  auf  Personen, die zurzeit durch eine andere Organisation oder Institution der  Vereinten Nationen  als  den Hochkommissär  der  Vereinten Nationen  für  Flüchtlinge Schutz oder Hilfe  erhalten. Gemäss Abs.  2 geniessen diese  Personen  alle  Rechte  dieses  Abkommens,  wenn  dieser  Schutz  oder  diese  Hilfe  aus  irgendeinem Grunde  wegfallen,  ohne  dass  die  Stellung  dieser  Personen  durch  entsprechende  Beschlüsse  der  Generalversammlung  der  Vereinten  Nationen  geregelt  worden  wäre  (amtliche  Übersetzung  aus  dem  französischen  und  englischen  Originaltext).  4.4.  Die  UNRWA  befasst  sich  als  Unterorganisation  der  Vereinten  Nationen  mit  der  Betreuung  jener  palästinensischen  Flüchtlinge,  die  infolge des Konflikts von 1948 ihre angestammte Wohnsitze in Palästina  verlassen mussten. Sie nahm am 1. Mai 1950  ihre auf die Koordination  von  Hilfsmassnahmen  ausgerichtete  Tätigkeit  auf,  dies  vor  dem  Hintergrund,  dass  für  die  betroffenen  Personen  eine  spezielle  und  ausschliessliche  Zuständigkeit  geschaffen  werden  sollte  (hierzu  weiter  unten E. 5.2 und E. 6). Von vornherein waren die Hilfsmassnahmen der  UNRWA  insbesondere  ausgerichtet  auf  medizinische  Versorgungsleistungen,  humanitäre  Massnahmen,  Erziehung,  Ausbildung,  Verbesserung  der  Infrastruktur  und  die  Beschaffung  von  Arbeitsplätzen.  Geographisch  ist  das  Mandat  der  UNRWA  auf  die 

C­6841/2008 Gebiete  des  sogenannten  Gazastreifens,  der  Westbank  sowie  auf  die  Staaten  Libanon,  Jordanien  und  Syrien  beschränkt  (vgl.  Website  der  UNRWA, www.unrwa.org>About>Overview, besucht am 12. Mai 2011).  4.5.  Die  von  der  UNRWA  geleistete  Versorgung  palästinensischer  Flüchtlinge ist somit ihrem Konzept zufolge als Schutz oder Hilfe im Sinne  der Ausschlussklausel des Staatenlosen­Übereinkommens zu verstehen.  Die entsprechende Formulierung der Ausschlussklausel stellt folglich eine  Sonderregelung dar und geht nicht in die Richtung, dass den betroffenen  Personen  allgemeiner  Schutz  gewährt  werden  müsste.  Hierzu  ist  die  UNRWA weder beauftragt noch hat sie entsprechende Möglichkeiten (vgl.  Kay  Hailbronner,  Ausländerrecht,  Kommentar,  71.  Aktualisierung,  Oktober  2010,  Heidelberg,  Ordner  B  4,  Anmerkungen  zum  Übereinkommen  über  die  Rechtsstellung  der  Staatenlosen,  N  11).  Das  der  UNRWA  erteilte  Mandat  hat  sich  zwar  im  Laufe  der  Zeit  mit  Zustimmung  der  UN­Generalversammlung  stets  weiterentwickelt,  nach  wie  vor  stehen  aber  die  Leistungen  humanitären  Charakters  im  Vordergrund.  Aufgrund  dessen  stellt  sich  die  Frage,  ob  mit  der  Anwendbarkeit  der  Ausschlussklausel  des  Staatenlosen­ Übereinkommens eine Schutzlücke entstehen kann. 5.  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  sich  in  einem  Grundsatzurteil  vom  11. September 2008 zur Anwendbarkeit der Ausschlussklausel von Art. 1  D Abs. 1 der Flüchtlingskonvention geäussert und  insoweit ebenfalls die  Frage  nach  dem  Bestehen  einer  Schutzlücke  aufgeworfen  (vgl.  BVGE  2008/34 E. 6.4.3 S. 506 f. mit Hinweisen). 5.1.  Es  hat  darauf  hingewiesen,  dass  der  Wortlaut  jener  Ausschlussklausel  unklar  sei  und  in  der  –  auszugsweise  zitierten –  Literatur  und  Praxis  zu  den  vielfältigsten  Deutungen  geführt  habe;  dies  werde  auch  durch  die  aktuellste  Stellungnahme  des  UNHCR  vom  Oktober  2002  –  die  Note  über  die  Anwendbarkeit  von  Art.  1  D   des  Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge auf palästinensische  Flüchtlinge  –  bestätigt.  Wie  sich  aus  alldem  ergebe,  habe  sich  in  den  verschiedenen Konventionsstaaten bisher keine auch nur einigermassen  einheitliche  Praxis  herausgebildet,  die  bei  der  Auslegung  dieser  Bestimmung herangezogen werden könne. Auch in der bisherigen Praxis  der  schweizerischen  Asylbehörden  habe  Art.  1  D  der  Flüchtlingskonvention  offensichtlich  noch  keine  Beachtung  gefunden  (BVGE 2008/34 E. 6.2 S. 501 f.).

C­6841/2008 5.2. Das Bundesverwaltungsgericht ist in diesem Entscheid weiterhin auf  die Entstehungsgeschichte der Flüchtlingskonvention eingegangen. Art. 1  D  sei  in  erster  Linie  auf  Initiative  verschiedener  arabischer  Staaten  hin  eingefügt  worden,  um  sicherzustellen,  dass  die  Palästinenser,  die  im  Zuge  des  arabisch­israelischen Konflikts  von  1948  ihren  ursprünglichen  Wohnsitz  im  ehemaligen  britischen  Mandatsgebiet  Palästina  hätten  verlassen müssen, auch nach Verabschiedung der Flüchtlingskonvention  kollektiv  in  der  Zuständigkeit  der  für  sie  ins  Leben  gerufenen  UNO­ Organisationen  –  von  Bedeutung  sei  nur  noch  die  UNRWA  –  bleiben  würden.  An  einer  derartigen  Sonderregelung  der  palästinensischen  Flüchtlingsfrage  seien  aber  auch  nichtarabische  Staaten,  so  etwa  Frankreich  und  die  USA  interessiert  gewesen.  Indessen  hätten  die  vertragschliessenden  Staaten  1951  keineswegs  die  Absicht  gehabt,  die  unter das Mandat der UNRWA fallenden Palästinenser generell und auf  unabsehbare Zeit vom internationalen Flüchtlingsschutz auszuschliessen,  dies deshalb, weil man mit ihrer baldigen Rückkehr in die angestammten  Gebiete  gerechnet  habe,  wodurch  sich  der  Schutz  durch  die  Flüchtlingskonvention  erübrigt  hätte.  Diese  Erwartungen  hätten  sich  jedoch  nicht  erfüllt.  Angesichts  der  grundlegenden  Veränderung  der  Aussichtslage dürften die Gründe, die 1951 zur Regelung von Art. 1 D der  Flüchtlingskonvention  geführt  hätten,  für  dessen Auslegung  im heutigen  Zeitpunkt  nicht mehr  im Vordergrund  stehen. Massgeblich  sei  vielmehr,  wie  sich Sinn und Zweck der Norm  im Lichte der heutigen Verhältnisse  darstellten.  Bei  dieser  zeitgemässen  Betrachtung  könne  sich  ein  genereller  Ausschluss  der  unter  das  Mandat  der  UNRWA  fallenden  Palästinenser  vom  Anwendungsbereich  der  Flüchtlingskonvention  nur  noch dann  rechtfertigen, wenn die UNRWA einen Schutz vor drohender  Verfolgung  gewähren  oder  vermitteln  würde,  der  in  qualitativer  Hinsicht  dem  Schutz  durch  das  UNHCR  gleichkäme  (BVGE  2008/34  E.  6.4.  S.  503 ff.). 5.3.  Als  Auslegungsergebnis  hat  das  Bundesverwaltungsgericht  festgehalten,  dass  die  UNRWA  keinen  Schutz  vor  Verfolgung  gewährt  oder  vermittelt,  der  es  –  gestützt  auf  Art.  1  D  Abs.  1  der  Flüchtlingskonvention  –  rechtfertigen würde,  sämtliche  unter  ihr Mandat  fallenden palästinensischen Personen generell vom Anwendungsbereich  der Konvention und damit von der allfälligen Anerkennung als Flüchtling  auszuschliessen.  Auch  bei  palästinensischen  Asylsuchenden,  die  unter  das  Mandat  der  UNRWA  fielen,  sich  aber  ausserhalb  des  Mandatsbereichs  befänden,  sei  damit  stets  individuell  zu  prüfen,  ob  sie  aufgrund  ihrer Vorbringen die Voraussetzungen für die Zusprechung der 

C­6841/2008 Flüchtlingseigenschaft  nach  Art.  1  A  Ziff.  2  der  Flüchtlingskonvention  beziehungsweise Art. 3 AsylG erfüllten (BVGE 2008/34 E. 6.5 S. 507). 6.  Die  dargelegten  Auslegungskriterien  gelten  teilweise  auch  im  vorliegenden Fall,  insbesondere deshalb, weil die Ausschlussklausel von  Art.  1  Abs.  2  Bst.  i  des  Staatenlosen­Übereinkommens  denselben  entstehungsgeschichtlichen  Hintergrund  hat  wie  die  Ausschlussklausel  von Art.  1 D Abs. 1 der Flüchtlingskonvention.  In beiden Fällen ging es  den  vertragschliessenden  Staaten  darum,  die  aus  dem  ursprünglichen  Palästina  stammenden  Personen  auf  die  spezielle  Zuständigkeit  der  eigens für sie geschaffenen Hilfsorganisationen – von denen nur noch die  UNRWA  eine  Rolle  spielt  –  zu  verweisen.  Beide  völkerrechtlichen  Abkommen verfolgen  jedoch einen anderen Zweck, so dass auch die  in  ihnen  und  innerhalb  von  fast  identischen  Formulierungen  verwendeten  Begriffe Schutz und Hilfe unterschiedlich – und dies auch im Hinblick auf  die  heutige  Relevanz  –  zu  interpretieren  sind.  Geht  es  bei  der  Anwendung  der  Flüchtlingskonvention  darum,  die  betroffenen Personen  vor  Verfolgung  zu  schützen,  so  hat  das  Staatenlosen­Übereinkommen  den  Zweck,  das  Schicksal  der  Staatenlosen,  die  die  Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, zu erleichtern bzw. die Folgen  ihrer  Staatenlosigkeit  –  d.h.  das  Fehlen  der  an  eine  Staatsangehörigkeit  geknüpften  Rechte  und  das  Fehlen  diplomatischen  Schutzes –  abzumildern  (vgl.  Kay Hailbronner,  a.a.O.,  N  3). Gelangt  im  ersten  Fall  die  Flüchtlingskonvention  deshalb  zur  Anwendung,  weil  die  UNRWA  keinen  Schutz  vor  Verfolgung  sicherstellen  kann,  so  ist  das  Bedürfnis  nach Schutz  ein  anderes, wenn  es  um Folgen  oder Nachteile  geht,  die  sich  aus  dem  Status  der  Staatenlosigkeit  ergeben  (zum  Schutz  der  Staatenlosen  vgl.  ausführlich:  LAURA  VAN  WAAS,  Nationality  Matters,  Statelessness under International Law, Antwerpen 2008, Chapters X and  XI,  p.  235  ff.).  Im  letzten  Fall  geht  es  darum  zu  beurteilen,  ob  und  in  welchem Umfang die UNRWA den notwendigen Schutz herstellen kann.  Eine solche Prüfung muss individuell erfolgen und kann daher nur auf das  aktuelle und konkrete Schutzbedürfnis der betroffenen Person abstellen.  In Bezug auf die Beschwerdeführenden stellt sich daher die Frage, ob der  aus ihrer Staatenlosigkeit resultierende Nachteil fehlender Reisepapiere –  auf  deren  Ausstellung  ihnen  ansonsten  Art.  28  des  Staatenlosen­ Übereinkommens  ein Recht  einräumen würde  –  anderweitig,  d.h.  durch  Vermittlung der UNRWA, beseitigt werden kann. 

C­6841/2008 7.  Der Wortlaut von Art. 1 Abs. 2 Bst.  i des Staatenlosen­Übereinkommens  enthält,  wie  unter  E.  4.3  ausgeführt,  eine  doppelte  Einschränkung:  Er  schliesst  die  betroffenen  Personen  von  der  Anwendung  des  Übereinkommens  aus,  wenn  ihnen  zurzeit  Schutz  oder  Hilfe  gewährt  wird, solange sie diesen Schutz oder diese Hilfe geniessen.  7.1.  Die  im  Mandatsgebiet  der  UNRWA  lebenden  palästinensischen  Flüchtlinge  erhielten  die  Möglichkeit,  sich  als  solche  registrieren  zu  lassen. Die UNRWA­Registrierungskarte  dokumentiert,  dass  ihr  Inhaber  den Schutz  und den Beistand der UNRWA geniesst,  und berechtigt  ihn  insbesondere  zur Entgegennahme von Nahrungsmittelrationen und  zum  Besuch der UNRWA­Schulen. Der Status als registrierter Flüchtling kann  auf  die  Nachkommen  übertragen  werden.  Unter  bestimmten  Voraussetzungen sind Nachregistrierungen möglich  (vgl. hierzu die vom  UNHCR  verfasste  Überarbeitete  Stellungnahme  zur  Rechtstellung  palästinensischer Flüchtlinge unter UNRWA­Mandat  sowie Hinweise zur  UNRWA­Registrierung,  Berlin,  November  2000  [Beilage  5  der  Beschwerde]).  Aus  der  Registrierung  kann  geschlossen  werden,  dass  Personen,  die  im Tätigkeitsgebiet  der UNRWA  registriert  sind,  sich  dort  aufhalten  und  Hilfsleistungen  beanspruchen  können,  unter  die  Ausschlussklausel  des  Staatenlosen­Übereinkommens  fallen.  Fraglich –  und  im  vorliegenden  Fall  umstritten  –  ist,  ob  Personen,  die  nicht  im  Tätigkeitsgebiet  der  UNRWA  leben,  noch  vom  zweiten  Teil  der  Ausschlussklausel solange sie diesen Schutz oder diese Hilfe geniessen  erfasst werden.  7.2. Die Vorinstanz  leitet  aus  dem Umstand  der Registrierung  ab,  dass  der  durch  die  UNRWA  gewährte  Schutz  nicht  räumlich  beschränkt  ist,  sondern  zumindest  solange  weiterbesteht,  als  dem  Betroffenen  die  Einreise  bzw.  Wiedereinreise  in  das  Mandatsgebiet  möglich  ist.  Diese  Auslegung  entspricht  auch  dem  Sonderregelungsgedanken  der  Ausschlussklausel:  Schutz  oder  Hilfe  der  UNRWA  sollen  nicht  dadurch  entfallen,  dass  der  Betroffene  ihr  Tätigkeitsgebiet  verlässt  und  anstelle  der  ihm  dort  gebotenen  Hilfe  die  Vergünstigungen  des  Staatenlosen­ Übereinkommens  für  sich  beansprucht.  Vielmehr  soll  nur  der  generelle  Wegfall des von der UNRWA gewährten Schutzes zur Anwendbarkeit des  Staatenlosen­Übereinkommens  führen,  eine  Situation,  die  sich  beispielsweise  dann  ergibt,  wenn  ein  Aufnahmestaat  die  Tätigkeit  der  UNRWA  auf  seinem  Hoheitsgebiet  verhindert  oder  die  betroffenen 

C­6841/2008 Personen nicht wieder einreisen lässt (vgl. Kay Hailbronner, a.a.O., N 11  mit Hinweisen auf die deutsche Rechtsprechung). 7.3.  Im  Gegensatz  zur  Vorinstanz  interpretieren  die  Beschwerdeführenden  die  Formulierung  der  Ausschlussklausel  dahingehend,  dass  mit  Verlassen  des  Tätigkeitsgebiets  der  UNRWA  deren  Schutz  nicht  mehr  weiterbestehe,  was  zur  Anwendung  des  Übereinkommens  führen  müsse.  Sie  verweisen  insofern  auf  eine  englischsprachige Auskunft des UNRWA­Verbindungsbüros in Genf vom  20.  Dezember  2005  (Beschwerde­Beilage  4,  vorletzter  Absatz:  If  your  client  is  registered, or eligible  to be registered, with UNRWA, but  leaves  or is outside UNRWA's area of operation, he or she would no longer be in  receipt  of  protection  or  assistance  of  UNRWA.  Furthermore,  in  the  Agency's view, such a person would not be excluded from the operation  of  the  1954 Convention  on  the Stateless Persons merely  by  the  fact  of  being  registered,  or  eligible  for  registration,  with  UNRWA).  Die  Beschwerdeführenden  ziehen  hieraus  die  Schlussfolgerung,  die  Ausschlussklausel  des  Staatenlosen­Übereinommens  finde  keine  Anwendung,  wenn  sich  jemand  ausserhalb  ihres  Tätigkeitsgebietes  aufhalte, ungeachtet der Tatsache, dass er bei der UNRWA registriert sei  oder  eine  solche  Registrierung  erhalten  könne.  Diese  Auslegung  bzw.  Übersetzung  stellt  jedoch  zwischen  den  voneinander  unabhängigen  Behauptungen eine falsche Verknüpfung her. Der zuletzt zitierte Satz der  UNRWA­Auskunft  will  deutlich  machen,  dass  die  blosse  Registrierung  oder  Registrierungsmöglichkeit  nicht  unbedingt  zur  Anwendbarkeit  der  Ausschlussklausel  führen muss.  Ihm kann  jedoch nicht  – ebenso wenig  wie  dem  ersten  Satz  –  entnommen werden,  dass  bei  einem Aufenthalt  ausserhalb des UNRWA­Mandatsgebiets zwangsläufig das Staatenlosen­ Übereinkommen Anwendung finden soll. 7.4.  Demzufolge  stellt  sich  die  Frage,  wie  sich  der  von  der  UNRWA  gewährte  Schutz  auf  die  im  Ausland  lebenden  Personen  auswirkt  und  dort insbesondere die mit der Staatenlosigkeit einhergehenden Nachteile  zu  kompensieren  vermag.  Dabei  kann  es  –  je  nach  geographischen  Tätigkeitsbereich der UNRWA – Unterschiede geben.   8.  Ausgehend  vom Sonderregelungsgedanken  der  Ausschlussklausel,  den  auch  die  Vorinstanz  betont  (E.  7.2),  kann  das  Staatenlosen­ Übereinkommen  nicht  bereits  dadurch  zur  Anwendung  gelangen,  dass  der Betroffene das Mandatsgebiet der UNRWA verlässt und somit auf die 

C­6841/2008 Inanspruchnahme  der  bisherigen  Hilfsangebote  der  UNRWA  verzichtet.  Vielmehr  muss  darauf  abgestellt  werden,  ob  in  diesem  Zeitpunkt  der  Schutz durch die UNRWA prinzipiell weiterhin aufrecht erhalten wird und  der Betroffene hierauf – sofern er will – zurückgreifen kann. Dabei geht es  nicht  nur  um  die  ursprünglich  als  humanitäre  Hilfe  konzipierten  Unterstützungsleistungen.  Aufgrund  der  im  Grundsatzentscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts (BVGE 2008/34 E. 6.2 S. 501 f.) dargelegten  Auslegungskriterien  muss  auch  im  Licht  der  heutigen  Verhältnisse  überprüft werden, ob und  inwieweit die UNRWA Schutz vor den Folgen  der Staatenlosigkeit bieten oder vermitteln kann.  8.1.  Die  Beschwerdeführenden  verfolgen  mit  ihrem  Begehren  um  Anerkennung  als  Staatenlose  das  Ziel,  Reisepapiere  zu  erhalten.  Diesbezüglich  ist  zwar  festzustellen,  dass  die  UNRWA  selbst  keine  Reisedokumente ausstellt; diese können allerdings bei den Behörden im  Libanon – Mandatsgebiet der UNRWA – beantragt werden. Immerhin hat  A._______ bei seiner Befragung vom 8. November 2000 zum Asylgesuch   behauptet, 1991 in Beirut ein palästinensisches Reisedokument erhalten  zu  haben.  Auch  die  Vorinstanz  hat  in  ihren  Vernehmlassungen  vom  27. November  2008  und  24.  Februar  2011  geltend  gemacht,  die  libanesischen  Behörden  würden  –  gesicherten  Erkenntnissen  zufolge –  auch  den  im  Ausland  lebenden  und  bei  der  UNRWA  registrierten  palästinensischen  Flüchtlingen  ohne  Weiteres  Reisedokumente  ausstellen.  8.2.  Die  Beschwerdeführenden  haben  sich  demgegenüber  in  ihrer  Rechtsmitteleingabe auf den Standpunkt gestellt, sie hätten keine  legale  Möglichkeit  in  den  Libanon  zurückzukehren,  dies  in  der  Replik  vom  5.  Januar  2009  aber  relativiert  und  behauptet,  die  ursprünglich  garantierte  Reisefreiheit der palästinensischen Flüchtlinge im Libanon werde von den   dortigen  Behörden  willkürlich  gehandhabt.  Für  die  angeblich  fehlende  Rückkehrmöglichkeit  haben  die  Beschwerdeführenden  jedoch  keinen  Beweis  erbracht.  Sie  haben  auch  nicht  nachgewiesen,  dass  allfällige  Bemühungen,  von  den  libanesischen  Behörden  Reisedokumente  zu  erhalten,  erfolglos  verlaufen  sind. Diesbezüglich  sind  sie  auch gar  nicht  auf den Hinweis der Vorinstanz, dass derartige Papiere durch die hiesige  libanesische Botschaft ausgestellt werden könnten, eingegangen.  Ihr mit  Eingabe vom 30. März 2011 erhobener Einwand, ihnen sei eine Rückkehr  in den Libanon gar nicht zumutbar, ist schon von daher nicht relevant.   

C­6841/2008 8.3.  Die  Möglichkeit,  Reisepapiere  zu  erhalten,  stellt  denn  auch  den  entscheidenden Umstand dar, der in der Konstellation des Verfahrens C­ 1043/2006 fehlte (hierzu: Sachverhalt H) und die Vorinstanz veranlasste,  den  Beschwerdeführer  wiedererwägungsweise  als  staatenlos  anzuerkennen. Diese Anerkennung  erfolgte  nicht, weil mit  der  Erteilung  der Aufenthaltsbewilligung das Erfordernis zur Ausreise aus der Schweiz  entfallen  war  –  insoweit  wurde  der  Wiedererwägungsentscheid  vom  3.  September 2009 missverständlich begründet – , sondern deshalb, weil für  den  bei  der  UNRWA  im  Gaza­Streifen  registrierten  Beschwerdeführer  keine  Reisedokumente,  die  eine  Rückkehr  ermöglicht  hätten,  erhältlich  gemacht werden konnten. 9.  Im Ergebnis ist festzustellen, dass die Beschwerdeführenden, ungeachtet  der  Tatsache,  dass  sie  auf  Schweizer  Boden  leben,  den  Schutz  der  UNRWA geniessen. Dabei spielt es keine Rolle, dass sie von hier aus die  humanitären  Hilfsangebote  der  UNRWA  nicht  in  Anspruch  nehmen  können,  zumal  diese  Art  der  Unterstützung  für  sie  nicht  endgültig  ausgeschlossen  ist, sondern bei einer Rückkehr  in den Wirkungsbereich  der  UNRWA  wieder  zugänglich  wäre.  Die  UNRWA  vermittelt  den  Beschwerdeführenden  aber  auch  einen  über  humanitäre  Bedürfnisse  hinausgehenden Schutz, der ihren Nachteil der Staatenlosigkeit jedenfalls  dadurch  ausgleicht,  dass  ihnen  Reisedokumente  verschafft  werden  können. Die Hilfsorganisation selbst  stellt  diese Papiere zwar nicht aus;  allerdings hat die UNRWA­Registrierung  im Libanon zur Folge, dass die  Beschwerdeführenden  von  den  libanesischen  Behörden  bzw.  der  hiesigen  Vertretung  Reiseausweise  erhalten  können.  Entsprechende  Versuche  haben  die  Beschwerdeführenden  bisher  weder  in  Betracht  gezogen  noch  unternommen,  obwohl  dadurch  ihrem  im  vorliegenden  Verfahren  zum  Ausdruck  gebrachten  Wunsch  nach  Ausstellung  von  Reisedokumenten  Rechnung  getragen  werden  kann.  Die  Berücksichtigung  der  im  Grundsatzurteil  BVGE  2008/34  dargelegten  Auslegungskriterien  (vgl.  insbesondere  E.  5.2  und  5.3)  führt  daher  in  diesem Fall  zur Anwendbarkeit der Ausschlussklausel  von Art. 1 Abs. 2  Bst. i des Staatenlosen­Übereinkommens.  10.  Aus  diesen  Darlegungen  folgt,  dass  die  angefochtene  Verfügung  als  rechtmässig  zu  bestätigen  ist  (Art.  49  VwVG).  Die  Beschwerde  ist  demzufolge abzuweisen.

C­6841/2008 11.  Entsprechend  dem  Verfahrensausgang  sind  den  Beschwerdeführenden  die Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 und Art. 3 des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2). Dispositiv nächste Seite

C­6841/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen.  2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 800.­  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet.  3.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführenden (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref­Nr. …; Akten sowie beigezogene Akten … retour) Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Ruth Beutler Barbara Giemsa­Haake Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift  hat  die  Begehren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in  Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

C-6841/2008 — Bundesverwaltungsgericht 07.07.2011 C-6841/2008 — Swissrulings