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Bundesverwaltungsgericht 19.09.2011 C-6802/2008

19. September 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,426 Wörter·~7 min·3

Zusammenfassung

Schlussabrechnung | Schlussabrechnung Sicherheitskonto

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­6802/2008 Urteil   v om   1 9 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz), Richter Bernard Vaudan, Richterin Elena Avenati­Carpani, Gerichtsschreiber Lorenz Noli. Parteien A._______,  Beschwerdeführerin,  vertreten durch Dr. iur. René Bussien, Rechtsanwalt, gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Schlussabrechnung Sicherheitskonto.

C­6802/2008 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdeführerin,  eine  1969  geborene  serbische  Staatsangehörige,  gelangte  im  Dezember  1996  in  die  Schweiz  und  ersuchte hier um Asyl. Das damals zuständige Bundesamt für Flüchtlinge  (BFF,  heute:  BFM)  trat  auf  das  Asylgesuch  mit  Verfügung  vom  20. Dezember  1996  nicht  ein  und  ordnete  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz an.  B.  Nachdem  sich  die  Beschwerdeführerin  am  4.  Juli  1997  mit  einem  (zu  diesem  Zeitpunkt  bereits  vorläufig  aufgenommenen)  serbischen  Landsmann  verheiratet  hatte,  sistierte  die  Vorinstanz  den  Vollzug  ihrer  Wegweisung. Am 17. Juni 1999 stellte die Vorinstanz in Bezug auf beide  Ehegatten  fest,  dass  sie  von  einer  vom  Bundesrat  am  7.  April  1999  beschlossenen kollektiven vorläufigen Aufnahme erfasst seien. Nachdem  diese Massnahme vom Bundesrat mit einem weiteren Beschluss wieder  aufgehoben  worden  war,  verfügte  die  Vorinstanz  am  25.  April  2000  gestützt  auf  eine  andere  Rechtsgrundlage  erneut  eine  vorläufige  Aufnahme.  C.  Am  17.  Januar  2003  unterbreitete  die  Vorinstanz  den  Ehegatten  den  Entwurf  einer  Zwischenabrechnung  über  die  Sicherheitskonten  Nr. […]  (Konto  der  Beschwerdeführerin)  und  Nr. […]  (Konto  des  Ehegatten).  Darin  wurden  die  von  den  Ehegatten  bisher  geleisteten  Sicherheiten  berechnet  und  den  für  das Asylverfahren  rückerstattungspflichtigen  und  zur  Vereinnahmung  vorgesehenen  Kosten  gegenübergestellt  (im  Falle  der Beschwerdeführerin Fr. 200.­, im Falle ihres Ehemannes Fr. 3'600.­).  Mit Schreiben vom 18. Februar 2003 erklärten sich die Ehegatten mit der  vorgenannten  Zwischenabrechnung  nicht  einverstanden.  Die  Einwände  bezogen  sich  nicht  auf  die  Berechnung  der  rückerstattungspflichtigen  Kosten, sondern auf die Erfassung bereits geleisteter Sicherheiten. D.  Am  18.  Februar  2004  erliess  die  Vorinstanz  (unter  zusätzlicher  Berücksichtigung  weiterer,  zwischenzeitlich  eingegangener  Zahlungen)  eine  Verfügung.  Von  den  besagten  Sicherheitskonten,  welche  einen  Stand  von  Fr.  1'963.25  (Konto  Nr.  […]  der  Beschwerdeführerin)  bzw.  Fr. 27'383.­  (Konto  Nr. […]  des  Ehegatten)  aufwiesen,  wurden  zu  Gunsten  des  Bundes  als  anteilmässige  Rückerstattung  an  verursachte 

C­6802/2008 Kosten  Fr.  200.­  bzw.  Fr. 3'600.­  vereinnahmt.  Die  Verfügung  über  die  Zwischenabrechnung blieb unangefochten und erwuchs in Rechtskraft. E.  Am 24. Mai 2005 gebar die Beschwerdeführerin einen Sohn, am 20. März  2008  kam  eine  Tochter  zur  Welt.  Am  14.  Juli  2008  erhielt  die  ganze  Familie eine Aufenthaltsbewilligung im Kanton Zürich. F.  Mit  Verfügung  vom  10. Oktober  2008  liquidierte  die  Vorinstanz  das  auf  die Beschwerdeführerin lautende Sicherheitskonto Nr. […]. Dazu hielt sie  einleitend  fest,  dass  die  Beschwerdeführerin  gemäss  den  Übergangsbestimmungen  zu  der  am  16.  Dezember  2005  verabschiedeten Änderung des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG,  SR  142.31)  per  1. Januar  2008  grundsätzlich  der  neuen Sonderabgabe  unterstehe.  Aufgrund  der Übergangsbestimmungen  zur  am  24. Oktober  2007  beschlossenen  Änderung  der  Asylverordnung  2  vom  11.  August  1999 über Finanzierungsfragen (AsylV2, SR 142.312) sei sie jedoch nicht  mehr sonderabgabepflichtig, weil die zeitliche Begrenzung von 3 Jahren  seit  der  vorläufigen  Aufnahme  erfüllt  sei.  Die  Vorinstanz  stellte  dem  Kontostand von Fr. 8'069.60 zuzüglich des teilsaldierten Betrages von Fr.  200.­ aus der Zwischenabrechnung den unter der Sonderabgabepflicht zu  leistenden  Betrag  von  Fr. 15'000.­  gegenüber,  vereinnahmte  die  bisher  geleisteten, nicht schon abgerechneten Sicherheiten und wies darauf hin,  dass  der  Negativsaldo  noch  eingezogen  werden  könnte,  sollte  die  Beschwerdeführerin  später  zu  Vermögen  kommen,  das  nicht  aus  Erwerbseinkommen stammt.  G.   Dagegen gelangte die Beschwerdeführerin mit einer Rechtsmitteleingabe  vom  24. Oktober 2008  an  das  Bundesverwaltungsgericht  und  ersucht  sinngemäss  um  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung.  Zur  Begründung  ihres  Begehrens  bringt  sie  vor,  sie  habe  zu  keiner  Zeit  Fürsorgegelder bezogen, weshalb die von ihr geleisteten Sicherheiten  in  vollem Umfang zurückzuerstatten seien. H.  In  ihrer  Vernehmlassung  vom  19.  Dezember  2008  sprach  sich  die  Vorinstanz  unter  Erläuterung  der  Rechtsgrundlagen  für  die  Abweisung  der Beschwerde aus.

C­6802/2008 I.  In einer Replik vom 14. Januar 2009  lässt die nunmehr anwaltschaftlich  vertretene  Beschwerdeführerin  an  ihrem  Begehren  und  dessen  Begründung festhalten. Eine Vereinnahmung der geleisteten Sicherheiten  rechtfertige sich weder nach altem noch nach neuem Recht.  J.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.  Verfügungen  des  BFM  auf  dem  Gebiet  des  Asyl­  und  Ausländerrechts  unterliegen  der  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  (Art.  31,  Art.  32  und  Art.  33  Bst.  d  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]). 1.2. Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht  richtet sich nach  dem  Bundesgesetz  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021),  soweit  das  Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.3.  Die  Beschwerdeführerin  ist  gemäss  Art.  48  Abs.  1  VwVG  zur  Beschwerde  berechtigt.  Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  –  soweit  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich  die  Sach­  und  Rechtslage  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2 S. 4 mit Hinweisen).

C­6802/2008 3.  Die  Beschwerdeführerin  bestreitet  die  Legitimation  der  Vorinstanz,  von  ihrem  Sicherheitskonto  unter  dem  Titel  der  Sonderabgabepflicht  geleistete  Sicherheiten  und  künftige  Vermögenswerte  bis  zu  einem  Betrag von Fr. 15'000.­ zu vereinnahmen.  4.  4.1. Am 1. Januar 2008 trat das zweite Paket der Asylgesetzrevision vom  16. Dezember 2005  in Kraft, mit dem durch entsprechende Änderungen  des  Asylgesetzes  und  des  auf  denselben  Zeitpunkt  in  Kraft  gesetzten  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20)  ein  Systemwechsel  von  der  individuellen  Sicherheitsleistungs­  und  Rückerstattungspflicht  zur  Sonderabgabe  vollzogen wurde. 4.2.  Das  SiRück­System  wurde  mit  dem  dringlichen  Bundesbeschluss  über das Asylverfahren vom 22. Juni 1990  (AS 1990 938)  für Personen  des Asylrechts und mit dem Bundesbeschluss über Sparmassnahmen im  Asyl­ und Ausländerbereich vom 16. Dezember 1994 (AS 1994 2874) für  vorläufig  Aufgenommene  auf  Gesetzesebene  eingeführt.  Seine  Grundsätze  –  soweit  für  die  vorliegende  Streitsache  von  Bedeutung –  stellten sich per 31. Dezember 2007 wie folgt dar: 4.3. Der 2. Abschnitt des 5. Kapitels des Asylgesetzes in seiner Fassung  vom 26. Juni 1998, die bis 31. Dezember 2007 in Geltung stand (AS 1999  2262),  regelt  die  Rückerstattungs­  und  Sicherheitsleistungspflicht  von  Personen, die sich gestützt auf das Asylgesetz in der Schweiz aufhalten.  Gemäss Art. 85 Abs. 1 AsylG (in der Fassung vom 26. Juni 1998) haben  sie – soweit zumutbar – die Kosten der Fürsorge, der Ausreise und des  Vollzugs sowie die Kosten des Rechtsmittelverfahrens zurückzuerstatten.  Asylsuchende  und  Schutzbedürftige  ohne  Aufenthaltsbewilligung  sind  gemäss Art. 86 AsylG (in der Fassung vom 26. Juni 1998) darüber hinaus  verpflichtet, für die Rückerstattung der vorerwähnten Kosten Sicherheiten  zu  leisten.  Zu  diesem  Zweck  richtet  der  Bund  (individuelle)  Sicherheitskonten  ein,  die  durch  Lohnabzüge  und  Vermögenswertabnahmen  geäufnet  werden.  Die  Sicherheitsleistungen  werden gemäss Art. 87 Abs. 1 AsylG (in der Fassung vom 26. Juni 1998)  aufgrund  einer  individuellen  Abrechnung  über  die  rückerstattungspflichtigen  Kosten  ausbezahlt,  wenn  die  sicherheitsleistungspflichtige Person die Schweiz endgültig verlässt  (Bst.  a),  sie  als  Asylsuchender  oder  Flüchtling  eine  Aufenthaltsbewilligung 

C­6802/2008 erhält (Bst. b) oder als Schutzbedürftiger eine Niederlassungsbewilligung  erhält oder sich seit mindestens zehn Jahren in der Schweiz aufhält (Bst.  c).  Man  spricht  in  diesem  Zusammenhang  von  der  Schlussabrechnung  über  das Sicherheitskonto. Die Asylverordnung  2  vom 11. August  1999  über Finanzierungsfragen in ihrer ursprünglichen, bis 31. Dezember 2007  geltenden Fassung (AsylV 2, SR 142.312; AS 1999 2318) führt zusätzlich  eine  Zwischenabrechnung  ein,  die  erfolgt,  wenn  eine  sicherheitsleistungspflichtige  Person  des  Asylrechts  die  vorläufige  Aufnahme erhält. Im Rahmen dieser Zwischenabrechnung werden die bis  zum  Statuswechsel  entstandenen,  rückerstattungspflichtigen  Kosten mit  dem Guthaben des Sicherheitskontos verrechnet und der sich ergebende  Saldo,  sei  es  zu  Gunsten  oder  zu  Lasten  des  Kontoinhabers,  in  die  Schlussabrechnung übertragen (Art. 16 AsylV 2 in der Fassung vom 11.  August  1999).  Die  Verpflichtung  zur  Leistung  von  Sicherheiten  ist  nicht  zeitlich,  sondern  betragsmässig  limitiert.  Auf  Gesuch  hin  können  Personen von der Pflicht zur Sicherheitsleistung befreit werden, wenn das  Guthaben  auf  dem  Sicherheitskonto  die  voraussichtliche  Höhe  der  rückerstattungspflichtigen  Kosten  übersteigt  und  einen  Mindeststand  aufweist  (Art.  15  AsylV  2  in  der  Fassung  vom  11.  August  1999).  Die  Rückerstattungs­  und  Sicherheitsleistungspflicht  vorläufig  aufgenommener Personen ist durch Verweise auf das Asylgesetz und die  Asylverordnung 2 im Wesentlichen analog ausgestaltet (vgl. Art. 14c Abs.  6  des  Bundesgesetzes  vom  26.  März  1931  über  Aufenthalt  und  Niederlassung der Ausländer [ANAG, BS 1 121] in der Fassung vom 26.  Juni 1998, in Kraft bis 31. Dezember 2007 [AS 1999 2262]; ferner die per  1. Dezember 2008 aufgehobenen Art. 22 und 23 der Verordnung vom 11.  August  1999  über  den  Vollzug  der  Weg­  und  Ausweisung  von  ausländischen Personen  [VVWA,  SR  142.281]  in  der  Fassung  vom  11.  August 1999 [AS 1999 2254]). 4.4. Das neue Recht ändert an der Pflicht von Personen des Asylrechts,  Sozialhilfe­,  Ausreise­  und  Vollzugskosten  sowie  die  Kosten  des  Rechtsmittelverfahrens  zurückzuerstatten,  grundsätzlich  nichts  (vgl.  Art.  85  Abs.  1  AsylG).  Zwecks  Vereinfachung  der  Verfahrensabläufe  und  Kostensenkung  wird  jedoch  das  bisherige  System  der  Rückerstattung  individuell  zurechenbarer  Kosten  aus  den  geleisteten  Sicherheiten  aufgegeben (vgl. dazu Botschaft zur Änderung des Asylgesetzes vom 4.  September  2002,  in:  BBl  2002  6872).  An  seine  Stelle  tritt  eine  Sonderabgabe,  der  erwerbstätige  Asylsuchende  und  Schutzbedürftige  ohne  Aufenthaltsbewilligung  unterworfen  werden  (Art.  86  Abs.  1  erster  Satz  AsylG).  Diese  Sonderabgabe,  welche  der  Arbeitgeber  direkt  vom 

C­6802/2008 Lohn der betroffenen Person abzuziehen und dem Bund zu überweisen  hat,  darf  nicht  mehr  als  10  Prozent  des  Erwerbseinkommens  betragen  und  längstens  zehn  Jahre  seit  der  erstmaligen  Aufnahme  einer  Erwerbstätigkeit erhoben werden (Art. 86 Abs. 2 und 3 AsylG). Zweck der  Sonderabgabe  ist  die  Deckung  der  Kosten,  welche  die  Gesamtheit  der  Abgabepflichtigen  und  ihrer  (durch  sie  unterstützten)  Angehörigen  verursachen  (Art.  86 Abs.  1  zweiter Satz AsylG). Eine Verrechnung mit  den  individuell  zurechenbaren  Kosten  und  die  Auszahlung  eines  allfälligen,  zu  Gunsten  des  Abgabepflichtigen  lautenden  Saldos  findet  nicht  statt.  Mit  der  Regelung  weiterer  Einzelheiten,  namentlich  der  Statuierung  von  Ausnahmen  von  der  Rückerstattungspflicht  und  der  Festsetzung der Höhe der Sonderabgabe, wird der Bundesrat beauftragt  (Art. 85 Abs. 4 und Art. 86 Abs. 4 AsylG). Neben die Sonderabgabepflicht  tritt  die  Vermögenswertabnahme,  die  im Wesentlichen  unter  denselben  Voraussetzungen  erhoben werden  kann,  wie  im  alten Recht.  Allerdings  wird auch hier keine Verrechnung mit  individuell verrechenbaren Kosten  vorgenommen.  Stattdessen  ergeht  an  den  Bundesrat  die  Ermächtigung  festzusetzen,  in welchem Umfang die abgenommenen Vermögenswerte  an die Sonderabgabe angerechnet werden  (Art. 87 AsylG). Art. 88 AuG  unterstellt  vorläufig  Aufgenommene  der  Sonderabgabepflicht  und  der  Vermögenswertabnahme nach Art. 86 AsylG und 87 AsylG und erklärt die  Bestimmungen  des  2.  Abschnitts  des  5.  Kapitels  des  Asylgesetzes  für  anwendbar. 4.5. Von der Ermächtigung zur Rechtsetzung machte der Bundesrat mit  der  Änderung  der  Asylverordnung  2  vom  24.  Oktober  2007  für  alle  rückerstattungspflichtigen  Personengruppen  einheitlich  in  ein  und  demselben Erlass Gebrauch. Art. 8 Abs. 1 AsylV 2 bestimmt, dass sich  die  Rückerstattung  von  Sozialhilfeleistungen,  die  eine  Person  als  Flüchtling oder Schutzbedürftiger mit Aufenthaltsbewilligung erhält, nach  kantonalem  Recht  richtet,  wobei  der  Anspruch  auf  Rückerstattung  vom  Kanton geltend gemacht wird. Für Asylsuchende, Schutzbedürftige ohne  Aufenthaltsbewilligung  und  vorläufig  Aufgenommene  (ohne  Flüchtlingsstatus)  rekapituliert  Art.  8  Abs.  2  AsylV  die  Pflicht  zur  Rückerstattung  der  in  Art.  85  Abs.  1  AsylG  genannten  Kosten,  zu  welchem Zweck der Bund Vermögenswertabnahmen vornimmt und eine  Sonderabgabe erhebt, welche Art. 13 Abs. 1 AsylV 2 auf 10 Prozent des  Erwerbseinkommens  festsetzt.  Den  Beginn  und  das  Ende  der  Sonderabgabepflicht  regelt  Art.  10  AsylV  2.  Danach  beginnt  die  Sonderabgabepflicht mit der erstmaligen Aufnahme einer Erwerbstätigkeit  oder  im  Zeitpunkt,  in  dem  die  Verfügung  über  eine  erste 

C­6802/2008 Vermögenswertabnahme  in  Rechtskraft  erwächst  (Abs.  1).  Sie  endet,  wenn einer  der  in Abs.  2 genannten Tatbestände eintritt,  d.h. wenn der  Betrag von 15'000 Franken erreicht ist, spätestens aber zehn Jahre nach  dem  Beginn  der  Sonderabgabepflicht  (Bst.  a),  wenn  die  betroffene  Person  die  Schweiz  verlassen  hat  (Bst.  b),  wenn  sie  die  Aufenthaltsbewilligung  (Bst.  c)  oder  Asyl  erhält  bzw.  als  Flüchtling  vorläufig  aufgenommen  wird  (Bst.  d)  oder  aber  –  bei  vorläufig  aufgenommenen Personen, die nicht Flüchtling sind – nach drei  Jahren  vorläufiger  Aufnahme,  spätestens  aber  sieben  Jahre  nach  der  Einreise  (Bst. e). 4.6. Die  Überführung  des  alten  Systems  der  Rückerstattung  individuell  zurechenbarer  Kosten  aus  den  geleisteten  Sicherheiten  in  das  neue  System  der  voraussetzungslos  geschuldeten  Sonderabgabe  wird  auf  Gesetzesebene  für  Asylsuchende  und  Schutzbedürftige  ohne  Aufenthaltsbewilligung (Abs. 1 bis 3 der Übergangsbestimmungen zu der  am  16.  Dezember  2005  beschlossenen  Änderung  der  Asylgesetzes,  nachfolgend: Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG) und für  vorläufig Aufgenommene  (Art. 126a Abs. 1 bis 3 AuG) parallel geregelt.  Es  gilt  der  Grundsatz,  dass  das  neue  Recht  sofort  zur  Anwendung  gelangt  (Abs.  1  der Übergangsbestimmungen  zur Änderung  des AsylG,  Art.  126a  Abs.  3  AuG).  Vorbehalten  bleiben  zwei  Konstellationen.  Einerseits  unterstellt  das  Gesetz  die  Abrechnung  und  die  Saldierung  eines Sicherheitskontos dem bisherigen Recht, wenn sich ein (Zwischen­  oder) Schlussabrechnungsgrund nach Art. 87 AsylG in der Fassung vom  26. Juni 1998 vor Inkrafttreten des neuen Rechts verwirklicht hat (Abs. 2  der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG, Art. 126a Abs. 1  AuG; der in den Übergangsbestimmungen teilweise enthaltene Vorbehalt  zu  Gunsten  einer  altrechtlichen  Zwischenabrechnung  ist  für  praktische  Bedürfnisse  ohne Relevanz). Andererseits wird  der Bundesrat  in Bezug  auf  Personen,  die  vor  dem  Inkrafttreten  der  Gesetzesänderung  einer  Erwerbstätigkeit nachgingen, ohne dass zum Zeitpunkt des Inkrafttretens  ein  Schlussabrechnungsgrund  vorliegt,  ermächtigt,  ein  Abrechnungsverfahren  vorzusehen  sowie  Regelungen  über  die  Dauer  und  den  Umfang  der  Sonderabgabe  sowie  zur  Abnahme  von  Vermögenswerten  zu  treffen  (Abs.  3  der  Übergangsbestimmungen  zur  Änderung des AsylG, Art. 126a Abs. 2 AuG). 4.7.  Die  Übergangsbestimmungen  zur  am  24.  Oktober  2007  beschlossenen  Änderung  der  Asylverordnung  2  (nachfolgend:  Übergangsbestimmungen  zur  Änderung  der  AsylV  2),  soweit  für  die 

C­6802/2008 Beurteilung der vorliegenden Streitsache von Bedeutung, stützen sich auf  die  zitierte  Rechtsetzungsermächtigung.  Deren  Abs.  6  bestimmt,  dass  Asylsuchenden,  vorläufig  Aufgenommenen  und  Schutzbedürftigen  ohne  Aufenthaltsbewilligung, die mit Inkrafttreten dieser Verordnungsänderung  der Sonderabgabe  nach Artikel  86  des AsylG  unterstehen,  die  Zeit  seit  Aufnahme der ersten sicherheitsleistungspflichtigen Erwerbstätigkeit oder  die  Zeit  seit  Eintritt  der  Rechtskraft  der  Verfügung  über  eine  erste  Vermögenswertabnahme  an  die  Dauer  der  Sonderabgabepflicht  angerechnet wird.  Abs.  7  sagt,  dass Rückerstattungen,  die  gestützt  auf  eine Zwischenabrechnung nach Artikel  16 AsylV  2  in  der  Fassung  vom  11. August 1999 geleistet wurden, den von dieser Zwischenabrechnung  betroffenen,  sonderabgabepflichtigen  Personen  vollumfänglich  an  die  Sonderabgabepflicht angerechnet wird. Abs. 8 schliesslich führt aus, dass  Sicherheitsleistungen nach Art. 86 des Asylgesetzes in der Fassung vom  26.  Juni  1998  und  Art.  14c  Abs.  6  ANAG  unter  Anrechnung  allfälliger  Rückerstattungen nach Abs. 6 bis zum Maximalbetrag der Sonderabgabe  von  15'000  Franken  vom  Bund  vereinnahmt  und  vollumfänglich  an  die  Sonderabgabepflicht  angerechnet  werden.  Die  über  den  Betrag  von  15'000  Franken  hinausgehenden  Sicherheitsleistungen  werden  den  Kontoinhabern  ausbezahlt  oder  an  die  Sonderabgabepflicht  des  Ehegatten angerechnet. 5.  5.1.  Die  vorliegende  Streitsache  beschlägt  die  Überführung  des  alten  Sicherheitsleistungssystems  mit  individueller  Abrechnung  über  zurechenbare  Kosten  in  das  neue  System  der  Sonderabgabe.  Die  Beschwerdeführerin äufnete noch unter der Geltung des alten Rechts ihr  Sicherheitskonto mit  Lohnabzügen.  Beim Statuswechsel  zur  vorläufigen  Aufnahme  wurde  für  ihr  Sicherheitskonto  eine  Zwischenabrechnung  erstellt.  Darin  setzte  die  Vorinstanz  die  bis  zu  diesem  Zeitpunkt  rückerstattungspflichtigen  individuellen  Kosten  auf  Fr.  200.­  fest.  Das  Restguthaben  der  Beschwerdeführerin  wurde  auf  dem  Sicherheitskonto  belassen. Zu einer Schlussabrechnung vor dem 1. Januar 2008 kam es  mangels  Verwirklichung  eines  Schlussabrechnungsgrundes  indes  nicht.  Die  Vorinstanz  sah  die  Beschwerdeführerin  deshalb  gemäss  Art.  1  der  Übergangsbestimmungen  zur  Änderung  des  AsylG  dem  neuen  Recht  unterstellt und löste ihr Sicherheitskonto in Anwendung von Art. 10 AsylV  2  in Verbindung mit Abs. 6 bis 8  ihrer Übergangsbestimmungen auf. Zu  diesem Zweck erliess sie die angefochtene Verfügung. Darin wurden vom  fraglichen  Sicherheitskonto  die  bereits  geleisteten  und  noch  nicht 

C­6802/2008 verrechneten Sicherheiten im Gesamtbetrag von Fr. 8'069.60 zu Gunsten  des Bundes vereinnahmt. 5.2.  Zur  Zulässigkeit  der  rechtssatzmässigen  Ausgestaltung  der  Sonderabgabe, der entsprechenden Übergangsbestimmungen sowie der  konkreten  Handhabung  einzelner  Verordnungsbestimmungen  hat  sich  das Bundesverwaltungsgericht bereits in einem Grundsatzurteil geäussert  (Urteil  C­7179/2008  vom  21.  Dezember  2010  E.  3  und  6).  Die  Vorgehensweise der Vorinstanz im Falle der Beschwerdeführerin ist auch  sonst  nicht  zu  beanstanden.  Ihr  Sicherheitskonto  hatte  Ende  2007  Bestand und ein altrechtlicher Schlussabrechnungsgrund wurde vor dem  1. Januar 2008 nicht verwirklicht. Das neue Recht kam deshalb zu Recht  zur Anwendung und es liegt – wie aufgezeigt – in der Natur des Systems  der Sonderabgabe, dass keine individuelle Abrechnung mehr stattfindet.  6.  Aus  vorstehenden Erwägungen  folgt,  dass  die  angefochtene Verfügung  im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist  deshalb abzuweisen. 7.  Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wird die Beschwerdeführerin  kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Verfahrenskosten sind auf Fr.  700.­  festzusetzen  (Art.  1,  Art.  2  und  Art.  4  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 8.  Das vorliegende Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 3 und Bst. d Ziff. 1  des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). (Dispositiv Seite 11)

C­6802/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  700.­  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben) – die Vorinstanz (Beilage: N […]) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Andreas Trommer Lorenz Noli Versand:

C-6802/2008 — Bundesverwaltungsgericht 19.09.2011 C-6802/2008 — Swissrulings