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Bundesverwaltungsgericht 24.10.2011 C-6397/2010

24. Oktober 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,636 Wörter·~8 min·2

Zusammenfassung

Finanzhilfen für familienergänzende Kinderbetreuung | Finanzhilfe für familienergänzende Kinderbetreuung

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­6397/2010 Urteil   v om   2 4 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richter Philippe Weissenberger (Vorsitz), Richter Francesco Parrino, Richter Michael Peterli,    Gerichtsschreiberin Astrid Hirzel. Parteien X._______GmbH,  vertreten durch Niederer Kraft & Frey AG, Rechtsanwälte,  Dr. iur. Andreas Casutt u. Dr. iur. Valerie Meyer Bahar,  Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Sozialversicherungen BSV,  Vorinstanz.  Gegenstand Finanzhilfe für familienergänzende Kinderbetreuung.

C­6397/2010 Sachverhalt: A.  Mit Gesuch vom 7. Juli 2009 ersuchte die X._______GmbH (nachfolgend:  Beschwerdeführerin)  das  Bundesamt  für  Sozialversicherungen  (BSV;  nachfolgend:  Vorinstanz)  um  Finanzhilfen  zur  Gründung  einer  neuen  Kindertagesstätte. B.  Mit Verfügung vom 8. Juli 2010 lehnte die Vorinstanz das Beitragsgesuch  mit  der  Begründung  ab,  dass  es  sich  vorliegend  nicht  um  eine  neue  Kindertagesstätte  handle,  mit  welcher  neue,  zusätzliche  Betreuungsplätze  geschaffen  würden,  sondern  um  die  Weiterführung  eines  bisher  bestehenden  Angebots  unter  neuer  Trägerschaft  in  neuen  Räumlichkeiten:  Die  Gründung  der  Kindertagesstätte  Y._______0­3  sei  bereits mit  Finanzhilfen  unterstützt worden: Der  damaligen Trägerschaft  Stiftung  Y._______  sei  für  die  Schaffung  von  16 Betreuungsplätzen  Fr. 111'462.50.−  im  Zeitraum  vom  11. Dezember  2006  bis  zum  10. Dezember  2008  ausgerichtet  worden.  Aus  den  Gesuchsunterlagen  gehe  hervor,  dass  sich  die  Betreiberin  der  Y._______Schule  im  März 2009  entschlossen  habe,  das Angebot  der  Institution  nur  noch  für  Kinder  im  Vorschulalter  anzubieten  und  den  Kleinkindbereich  zu  schliessen.  Daraufhin  habe  sich  eine  von  der  Schliessung  betroffene  Mutter entschlossen, das Angebot selber weiterzuführen und habe hierzu  eine  neue  Trägerschaft,  die  X._______GmbH,  die  nun  das  Beitragsgesuch stelle, gegründet. Die Beschwerdeführerin biete nur noch  11 Plätze  an,  somit  finde  auch  kein  wesentlicher  Ausbau  des  bestehenden Angebots, sondern vielmehr ein Abbau statt. Deshalb seien  die  Anspruchsvoraussetzungen  für  den  Erhalt  von  Finanzhilfen  nicht  erfüllt. C.  Mit  Eingabe  vom  8. September  2010  erhob  die  Beschwerdeführerin  dagegen Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragt die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  und  die  Gutheissung  des  Gesuchs  um  Finanzhilfen;  eventualiter  sei  die  Sache  zur  weiteren  Abklärung und neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die  Vorinstanz  habe  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  bzw.  unvollständig  festgestellt,  indem  sie  die  von  der  Beschwerdeführer  betriebene  Kindertagesstätte  als  bestehende  Institution  qualifiziert  und  damit  ihren  Anspruch  auf  Finanzhilfen  verwehrt  habe.  Bei  der  von  der 

C­6397/2010 Beschwerdeführerin geführten Kindertagesstätte handle es sich um eine  neue  Institution.  Diese  sei  zwar  im  Anschluss  an  die  Beendigung  des  Angebots  der  Y._______  eröffnet  worden,  sei  jedoch  als  eigenständige  Kindertagesstätte  neu  gegründet  worden.  Es  werde  weder  auf  die  Infrastruktur  der  Y._______Schule  zurückgegriffen,  noch  bestünden  zwischen der Beschwerdeführerin und der Stiftung Y._______ personelle  Verbindungen. Dass es sich bei der  Initiantin und Geschäftsführerin um  eine  von  der  partiellen  Schliessung  der  Y._______Schule  betroffene  Mutter handle, ändere daran nichts. Die Bestimmung, wonach nur neue  Institutionen  durch  Finanzhilfen  unterstützt  werden,  solle  primär  verhindern,  dass  die  Gründer  einer  Kindertagesstätte  bzw.  deren  Trägerschaft nach dem Versiegen der Finanzhilfen die Kindertagesstätte  unter einer neuen Trägerschaft fortführen, eigens mit dem Ziel, sich einen  Anspruch  auf  neue Finanzhilfen  zu  sichern.  Im Zusammenhang mit  der  Gründung der Kindertagesstätte  sei ein erheblicher  finanzieller Aufwand  betrieben  worden  (Umbau  der  Räumlichkeiten  finanziert  durch  ein  privates Darlehen); dies belege, dass es sich nicht um die Weiterführung  einer bestehenden Institution, sondern um eine neue handle, die auf die  Anschubfinanzierung  durch  den  Bund  angewiesen  sei.  Der  Bedarf  an  Betreuungsplätzen sei gross; im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung seien  14 Kinder angemeldet gewesen und 22 auf der Warteliste.  D.  Mit  Vernehmlassung  vom  16. November  2010  schliesst  die  Vorinstanz  auf Abweisung der Beschwerde. Eine bestehende Kindertagesstätte, die  ohne  wesentliche  Änderung  des  Betriebskonzepts  unter  einer  neuen  Trägerschaft weitergeführt oder neu eröffnet werde, gelte nicht als neue  Institution.  Wesentlich  sei  dabei  die  Frage,  ob  ein  Angebot  bisher  bestanden  habe  und  nicht  die  Frage,  ob  dieses  bereits  durch  die  gesuchstellende Trägerschaft betrieben worden sei. Für ein bestehendes  Angebot  könnten  keine  Finanzhilfen  gesprochen  werden.  Mit  dem  Angebot  der  Beschwerdeführerin  würden  keine  neuen,  zusätzlichen  Betreuungsplätze  geschaffen,  sondern  ein  bisheriges  Angebot  unter  neuer Trägerschaft in neuen Räumlichkeiten weitergeführt. Die Schaffung  von  16 Plätzen  für  Kinder  im  Vorschalter  sei  bereits  mit  Finanzhilfen  unterstützt  worden.  Mit  der  neuen  Kindertagesstätte  werde  dieses  Angebot lediglich (teilweise) weitergeführt.  E.  Die  Beschwerdeführerin  hält  mit  Replik  vom  11. Januar  2011  an  ihren  Rechtsbegehren  fest.  Die  Plätze  der  Kindertagesstätte  der 

C­6397/2010 Y._______Schule  seien  ab  Sommer 2009  unwiderruflich  verloren  gewesen. Die Kindertagesstätte der Beschwerdeführerin sei im Laufe des  Jahres 2009 gegründet worden und habe ihren Betrieb im Sommer 2009  aufgenommen.  Die  beiden  Institutionen  verbinde  einzig  die  Lage  (Angaben  über  die  örtlichen  Gegebenheiten)  und  die  Ausrichtung  (…).  Zudem  gehe  die  private  Initiative  zur Gründung  einer  Kindertagesstätte  regelmässig  von  Eltern  aus,  die  keinen  geeigneten  Betreuungsplatz  für  ihr Kinder finden könnten bzw. einen solchen verlieren würden. Überdies  könne  die  Kindertagesstätte  der  Beschwerdeführerin  nicht  von  den  ausgerichteten  Finanzhilfen  an  die  Kindertagesstätte  der  Stiftung  Y._______  profitieren  oder  sich  auf  deren  Infrastruktur  stützen.  Die  Vorinstanz  habe  die  entsprechenden  gesetzlichen  Grundlagen  übermässig strikt ausgelegt. F.  Die  Vorinstanz  führt  mit  Duplik  vom  16. Februar  2011  aus,  die  Beschwerdeführerin  übersehe,  dass  die  Frage, welche Trägerschaft  ein  bestimmtes  Angebot  bisher  geführt  habe  bzw.  inskünftig  führen  werde,  nicht  wesentlich  sei.  Wenn  der  Argumentation  der  Beschwerdeführerin  gefolgt  würde,  müsste  der  Bund  –  wie  im  vorliegenden  Fall  –  für  die  Schaffung  der  gleichen  Betreuungsplätze  mehrmals  Finanzhilfen  ausrichten.  Die  Trägerschaft  könnte  jeweils  nach  Beendigung  der  Finanzhilfen den Betrieb schliessen und ihn in den gleichen oder anderen  Räumlichkeiten  unter  einer  neuen  Trägerschaft  wieder  eröffnen.  Dies  widerspreche dem Willen des Gesetzgebers. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Streitsache  zuständig  (Art. 35  Abs. 1  des  Subventionsgesetzes  vom  5. Oktober 1990 [SuG, SR 616.6] i.V.m. Art. 31 f. sowie Art. 33 Bst. d des  Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]). Bei der Beschwerdeführerin handelt es sich um eine juristische Person in  der  Form  einer  Gesellschaft  mit  beschränkter  Haftung  nach  Art. 772 ff.  des  Obligationenrechts  vom  30. März  1911  (OR,  SR 220).  Die  Beschwerdeführerin  hat  am  vorinstanzlichen  Verfahren  teilgenommen  (Art. 48  Abs. 1  Bst. a  des  Bundesgesetzes  über  das  Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]), ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  (Art. 48  Abs. 1  Bst. b VwVG) und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 

C­6397/2010 oder  Änderung  (Art. 48  Abs. 1  Bst. c  VwVG).  Sie  ist  daher  zur  Beschwerdeführung  legitimiert  und  durch  deren  Inhaberin  und  Geschäftsführerin rechtsgenüglich vertreten. Die Beschwerde wurde frist­ und formgerecht eingereicht und die übrigen  Sachurteilsvoraussetzungen liegen vor (Art. 50 Abs. 1, Art. 52 Abs. 1 und  Art. 44 ff. VwVG). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten. 2.  Zu  prüfen  ist,  ob  die  Vorinstanz  der  Beschwerdeführerin  zu  Recht  den  Bezug  von  Finanzhilfen  zur  Schaffung  von  familienergänzenden  Betreuungsplätzen  für  Kinder  bzw.  zur  Gründung  einer  neuen  Kindertagesstätte  verweigert  und  das  entsprechende Gesuch  abgelehnt  hat. 2.1.  Gemäss  Art. 1  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  über  Finanzhilfen  für  familienergänzende  Kinderbetreuung  vom  4. Oktober  2001  (SR 861;  nachfolgend: Bundesgesetz) richtet der Bund im Rahmen der bewilligten  Kredite  Finanzhilfen  zur  Schaffung  von  familienergänzenden  Betreuungsplätzen  für  Kinder  aus,  damit  die  Eltern  Familie  und  Arbeit  oder  Ausbildung  besser  vereinbaren  können.  Finanzhilfen  werden  nur  ausgerichtet,  wenn  die  Kantone,  öffentlichrechtliche  Gebietskörperschaften,  Arbeitgeber  oder  andere  Dritte  sich  ebenfalls  angemessen  finanziell  beteiligen.  Potentielle  Empfängerinnen  und  Empfänger  sind  u.a.  Kindertagesstätten  (Art. 2  Abs. 1  Bst. a  des  Bundesgesetzes).  Die  Vorinstanz  entscheidet  auf  Gesuch  hin  durch  Verfügung und hört vorher die zuständige Behörde des Kantons an (Art. 6  Abs. 1 und Art. 7 Abs. 1 des Bundesgesetzes). Gemäss Art. 5 Abs. 4 des  Bundesgesetzes  werden  Finanzhilfen  während  höchstens  drei  Jahren  ausgerichtet.  2.2.  Finanzhilfen  werden  in  erster  Linie  für  neue  Institutionen  gewährt;  bestehende  Institution können begünstigt werden, wenn sie  ihr Angebot  wesentlich erhöhen (Art. 2 Abs. 2 des Bundesgesetzes). Was eine neue  Institution  im  Sinne  von  Art. 2  Abs. 2  des  Bundesgesetzes  ist  bzw.  als  solche  gilt,  wird  im  Gesetz  nicht  näher  umschrieben.  Art. 2  Abs. 4  der  Verordnung  über  Finanzhilfen  für  familienergänzende  Kinderbetreuung  vom  9. Dezember  2002  (SR 861.1;  nachfolgend:  Verordnung)  bestimmt  lediglich  im  Sinne  einer  Negativformulierung,  dass  eine  bestehende  Kindertagesstätte,  die  unter  neuer  Trägerschaft  weitergeführt  oder  neu  eröffnet wird, nicht als neue Institution gilt.

C­6397/2010 2.3.  Streitig  ist,  ob  die  Kindertagesstätte  der  Beschwerdeführerin  der  Ausschlussklausel  von  Art. 2  Abs. 2  des  Bundesgesetzes  i.V.m.  Art. 2  Abs. 4  der  Verordnung  unterliegt  und  damit  die  Frage,  ob  es  sich  vorliegend  um  eine  neue  Institution  im  Sinne  des  Bundesgesetzes  handelt,  die  grundsätzlich  beitragsberechtigt  wäre,  oder  um  eine  bestehende  Institution  (ohne wesentliche Erhöhung  ihres Angebots), die  nicht von Finanzhilfen profitieren kann. 2.3.1.  Die  Beschwerdeführerin  macht  geltend,  die  von  der  Vorinstanz  vorgenommene  Auslegung  von  Art. 2  Abs. 2  des  Bundesgesetzes  und  der  entsprechenden Verordnungsbestimmung widerspreche  dem Zweck  der Bundesgesetzgebung im Bereich der Förderung familienergänzender  Betreuungsangebote,  die  in  Fällen  wie  vorliegend,  eine  geeignete  Anschubfinanzierung  gewährleisten  soll.  Die  Qualifikation  als  bereits  bestehende  Institution  sei  unrichtig.  Bei  den  durch  die  Beschwerdeführerin geschaffenen Betreuungsplätzen handle es sich um  neue zusätzliche Betreuungsplätze; die Institution sei neu und nicht eine  Weiterführung eines bestehenden Angebots. Die  Vorinstanz  ist  der  Ansicht,  die  Kindertagesstätte  der  Beschwerdeführer  sei  ein Ersatz  für  das bisherige Angebot  der Stiftung  Y._______  und  schaffe  damit  nicht  neue  zusätzliche  Betreuungsplätze.  Es  werde  lediglich  ein  bisheriges  Angebot  unter  neuer  Trägerschaft  in  neuen  Räumlichkeiten  weitergeführt.  Vorliegend  finde  auch  kein  wesentlicher  Ausbau  des  bestehenden  Angebots  statt,  der  eine  Beitragsberechtigung begründen könnte. 2.3.2.  Ausgangspunkt  jeder  Auslegung  bildet  der  Wortlaut  der  Bestimmung.  Ist  der Text unklar und sind verschiedene  Interpretationen  möglich, so muss unter Berücksichtigung aller Auslegungselemente nach  seiner wahren Tragweite gesucht werden. Das Bundesgericht hat sich bei  der  Auslegung  stets  von  einem Methodenpluralismus  leiten  lassen  und  nur  dann  allein  auf  das  grammatische  Element  abgestellt,  wenn  sich  daraus  zweifelsfrei  die  sachlich  richtige  Lösung  ergab  (BGE  133  V  9  E. 3.1,  BGE  131  II  703  E. 4.1).  Auf  dem Gebiet  des  Verwaltungsrechts  steht  gemäss  bundesgerichtlicher  Praxis  die  teleologische  Auslegungsmethode  im  Vordergrund,  weil  es  um  die  Erfüllung  von  Staatsaufgaben geht, die ihren besonderen Zweck haben (BGE 128 I 34  E. 3b; PIERRE TSCHANNEN/ULRICH ZIMMERLI/MARKUS MÜLLER, Allgemeines  Verwaltungsrecht, 3. Aufl., Bern 2009, § 25 Rz. 5).

C­6397/2010 2.3.3.  Aus  den  Materialien  ergeben  sich  keine  Anhaltspunkte  für  die  Auslegung von Art. 2 Abs. 2 des Bundesgesetzes: Sowohl im Bericht der  zuständigen  Kommission  des  Nationalrates  als  auch  in  der  entsprechenden  Stellungnahme  des  Bundesrates  wird  nicht  darauf  eingegangen,  was  unter  einer  "neuen  Institution"  zu  verstehen  ist  (Parlamentarische  Initiative  [00.403]  Anstossfinanzierung  für  familienergänzende  Betreuungsplätze,  Bericht  der  Kommission  für  soziale  Sicherheit  und  Gesundheit  des  Nationalrates  vom  22. Februar  2002, BBl 2002 4219 ff., nachfolgend: Bericht SGK­N; Stellungnahme des  Bundesrates  vom  27. März  2002,  BBl 2002  4262 ff.).  Auch  in  den  parlamentarischen  Beratungen  gab  die  entsprechende  Bestimmung  zu  keinen Diskussionen Anlass. 2.3.4.  Dem  Wortlaut  nach  würde  die  Kindertagesstätte  der  Beschwerdeführerin  daher  auf  den  ersten  Blick  wohl  unter  die  Ausschlussklausel  von  Art. 2  Abs. 2  des  Bundesgesetzes  i.V.m.  Art. 2  Abs. 4 der Verordnung  fallen, da sie  ihr Angebot ungefähr zeitgleich mit  dem Wegfall  des  Angebots  der  Stiftung Y._______  aufgenommen  bzw.  eröffnet  hat  (Sommer 2009).  Dies  widerspricht  jedoch  dem  Sinn  und  Zweck des Bundesgesetzes, wie im Folgenden aufgezeigt wird. 2.3.5. Das  erklärte  Ziel  des  Bundesgesetzes  besteht  darin,  die  Anzahl  von Betreuungsplätzen zu erhöhen (Bericht SGK­N, BBl 2002 4231). Das  Impulsprogramm  soll  einen  Anstoss  zur  Schaffung  von  Betreuungsplätzen geben (vgl. auch Art. 1 des Bundesgesetzes) und bei  der  Finanzierung  ansetzen;  viele  Projekte  kommen  gar  nicht  zustande  oder  scheitern  aus  finanziellen  Gründen.  Die  Schaffung  vieler  Betreuungsplätze  allein  genügt  jedoch  nicht.  So  müssen  die  geschaffenen  Plätze  weiter  bestehen  können,  auch  nach  Wegfall  der  Bundeshilfen (Bericht SGK­N, BBl 2002 4229).  2.3.6.  Art. 2  Abs. 2  des  Bundesgesetzes  i.V.m.  Art. 2  Abs. 4  der  Verordnung  will  einerseits  sicherstellen,  dass  in  erster  Linie  Neugründungen  von  einer  finanziellen  Starthilfe  des  Bundes  profitieren  können,  um  die  Anzahl  Betreuungsplätze  insgesamt  zu  erhöhen,  und  andererseits  nach  dessen  offensichtlichen  Zweck  verhindern,  dass  Finanzhilfen  von  Institutionen  faktisch mehrfach und über  die  gesetzlich  vorgesehene  Maximaldauer  von  drei  Jahren  (Art. 5  Abs. 4  des  Bundesgesetzes)  hinaus  in  Anspruch  genommen  werden.  Insoweit  erweist  sich  Art. 2  Abs. 4  der  Verordnung  als  gesetzmässig,  indem  Institutionen, die rechtlich (z.B. durch Übernahme des Betriebs durch eine 

C­6397/2010 neue  Trägerschaft)  oder  faktisch  weitergeführt  werden,  von  weiteren  Subventionen ausgeschlossen werden können, weil davon ausgegangen  werden  kann,  das  solche  Betriebe  keine  Anschubfinanzierung  mehr  benötigen.  Es  kann  hier  jedoch  nur  um Betriebseröffnungen  gehen,  die  mehr oder weniger nahtlos auf einer  früheren Kindertagesstätte­Struktur  (Lokalität,  Infrastruktur)  anknüpfen  bzw.  aufbauen,  beispielsweise  durch  Kauf,  Fusion  o.ä.  "Weiterführen"  bedeutet  eine  Übernahme  oder  eine  Neugründung,  basierend  auf  wesentlichen  Elementen  der  vormaligen  Institution  (z.B.  der  Infrastruktur,  des  Personals,  der  leitenden  Person  bzw.  Eigentümerin),  wie  dies  beispielsweise  im  Falle  einer  Überschuldung bzw. eines Konkurses geschehen kann, wenn dieselben  Personen  hinter  der  Neugründung  stehen.  Wird  eine  Kindertagesstätte  dagegen  ganz  oder  wie  vorliegend  für  gewisse  Altersklassen  aufgelöst  bzw.  aufgegeben,  und  nutzen  andere  Personen  dies,  um  ein  eigenes,  vom  bisherigen  Betrieb  völlig  unabhängiges  Angebot  zur  gründen,  handelt es sich nicht um eine Weiterführung bzw. neue Eröffnung i.S. von  Art. 2 Abs. 4 der Verordnung. Der Aufwand einer derartigen vollständigen  Neugründung  unter  Anmietung  neuer  Räumlichkeiten,  wie  vorliegend  dem  Einholen  einer  Baubewilligung,  dem  Ankauf  von  Mobiliar,  der  Anstellung  und  Schulung  neuen  Personals  usw.  ist  im  Unterschied  zu  einer  Betriebsübernahme  oder  dergleichen  ungleich  grösser,  weshalb  sich  eine  andere  Beurteilung  rechtfertigt.  Die  Beschwerdeführerin  hat  ohne  erkennbare  Kollaboration  mit  der  Kindertagesstätte  Y._______0­3  einen  neuen  Betrieb  gegründet.  Dass  die  Beschwerdeführerin  dafür  beispielsweise  auf  der  Stiftung  Y._______  oder  anderes  habe  zurückgreifen können, wird von der Vorinstanz nicht geltend gemacht und  ist  auch  nicht  ersichtlich.  Der  Umstand  allein,  dass  eine  Mutter  eines  Kindes,  das  in  der  Kindertagesstätte  der  Y._______Schule  war,  ihre  Kontakte  zu  anderen  Eltern  von  dort  betreuten  Kindern  nutzt,  um  ihren  neuen  Betrieb  aufzubauen,  vermag  daran  nichts  zu  ändern,  zumal  hier  eine  Gesetzesumgehung  oder  gar  ein  Rechtsmissbrauch  klar  ausgeschlossen  werden  kann.  Nur  weil  eine  Gesetzesumgehung  theoretisch  möglich  ist,  darf  nicht  unter  Nichtberücksichtigung  der  Tatsachen im Einzelfall davon ausgegangen werden, dass zu Unrecht um  Finanzhilfen ersucht wird. 2.4.  Die  Kindertagesstätte  Y._______0­3  erfüllt  wohl  rückblickend  betrachtet die Anforderungen an das Erfordernis der Langfristigkeit (Art. 3  Abs. 1 Bst. b des Bundesgesetzes  i.V.m. Art. 3 der Verordnung)  für den  Erhalt  von  Finanzhilfen  nicht.  Aus  welchen  Gründen  die  Kleinkinderbetreuung der Y._______Schule nach weniger als drei Jahren 

C­6397/2010 aufgegeben  worden  war,  nachdem  der  Bund  diesen  Betrieb  mit  über  Fr. 111'000.−  subventioniert  hatte,  ist  unklar  und  letztlich  nicht  von  Bedeutung.  Jedenfalls besteht  zwischen der Aufgabe des Angebots der  Stiftung  Y._______  und  der  Neugründung  des  Betriebs  der  Beschwerdeführerin  lediglich  ein  indirekter  Zusammenhang  (vgl.  oben  E. 2.3.6).  Der  Betrieb  der  Beschwerdeführerin  schafft  insofern  neue  Betreuungsplätze,  als  die  früheren  ansonsten  ersatzlos  aufgegeben  worden wären. 3.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  es  sich  bei  der  von  der  Beschwerdeführerin geführten Kindertagesstätte um eine neue Institution  im  Sinne  von  Art. 2  Abs. 2  Satz 1  des  Bundesgesetzes  handelt,  die  Finanzhilfeempfängerin  sein  kann.  Die  Beschwerde  ist  daher  vollumfänglich  gutzuheissen  und  die  angefochtene  Verfügung  aufzuheben. Aus  den  Akten  und  der  angefochtenen  Verfügung  ist  nicht  ersichtlich,  inwieweit die Vorinstanz die weiteren Anspruchsvoraussetzungen für den  Erhalt  von  Finanzhilfen  geprüft  hat  (Art. 3  des  Bundesgesetzes).  Die  Sache  ist  deshalb  zur  Überprüfung  der  übrigen  Anspruchsvoraussetzungen  sowie  neuer  Entscheidung  über  das  Beitragsgesuch an die Vorinstanz zurückzuweisen. 4.  Entsprechend  dem  Verfahrensausgang  gilt  die  Beschwerdeführerin  als  obsiegende Partei,  weshalb  ihr  keine  Kosten  aufzuerlegen  sind  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Vorinstanzen  haben  keine  Verfahrenskosten  zu  tragen  (Art. 63  Abs. 2  VwVG).  Der  von  der  Beschwerdeführerin  am  24. Januar  2011  geleistete  Kostenvorschuss  in  der  Höhe  von  Fr. 1'000.–  ist  ihr  zurückzuerstatten. Als  obsiegende  Partei  hat  die  Beschwerdeführerin  Anspruch  auf  eine  Parteientschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen Kosten (Art. 64  Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]).  Diese  umfasst  die  Kosten  der Vertretung  sowie  allfällige weitere  notwendige Auslagen  der  Parteien  (Art. 8 ff.  VGKE).  Das  Anwaltshonorar  wird  nach  dem  notwendigen Zeitaufwand des Vertreters bemessen. Der Stundenansatz  beträgt  für  Anwälte  mindestens  Fr. 200.–  und  höchstens  Fr. 400.–, 

C­6397/2010 ausschliesslich  Mehrwertsteuer  (Art. 10  VGKE).  Wird  keine  Kostennote  eingereicht, setzt das Bundesverwaltungsgericht die Parteientschädigung  aufgrund der Akten fest (Art. 14 VGKE). Der  Beschwerdeführerin  liess  sich  vor  Bundesverwaltungsgericht  anwaltlich  vertreten,  reichte  hingegen  keine  detaillierte  Kostennote  ein.  Die  Parteientschädigung  ist  daher  aufgrund  der  Akten  und  des  geschätzten  Aufwands  durch  das  Bundesverwaltungsgericht  festzusetzen.  Eine  Parteientschädigung  in  Höhe  von  Fr. 2'500.–  (inkl.  MWST) erscheint insgesamt als angemessen. Die  Parteientschädigung  wird  der  Vorinstanz  in  ihrer  Funktion  als  verfügende Behörde auferlegt (Art. 64 Abs. 2 VwVG). 5.  Das  vorliegende  Urteil  ist  endgültig  (Art. 83  Bst. k  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110];  vgl.  Urteil des Bundesgerichts 2A.95/2004 vom 18. Februar 2004). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen.  Die  Sache  wird  zur  weiteren  Überprüfung  der  Anspruchsvoraussetzungen  sowie  neuer  Entscheidung  über das Beitragsgesuch an die Vorinstanz zurückgewiesen. 2.  Es  werden  keine  Verfahrenskosten  erhoben.  Der  Beschwerdeführerin  wird der am 24. Januar 2011 geleistete Kostenvorschuss von Fr. 1'000.–  aus der Gerichtskasse zurückerstattet. 3.  Der  Beschwerdeführerin  wird  zu  Lasten  der  Vorinstanz  eine  Parteientschädigung von Fr. 2'500.–  (inkl. MWST) zugesprochen. Dieser  Betrag ist der Beschwerdeführerin zu überweisen. 4.  Dieses Urteil geht an: – die  Beschwerdeführerin  (Einschreiben;  Beilagen  zurück;  Beilage:  Rückerstattungsformular) – die Vorinstanz (Ref­Nr.: Gesuch […]; Einschreiben; Vorakten zurück)

C­6397/2010 Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Philippe Weissenberger Astrid Hirzel Versand:

C-6397/2010 — Bundesverwaltungsgericht 24.10.2011 C-6397/2010 — Swissrulings