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Bundesverwaltungsgericht 22.09.2011 C-6177/2010

22. September 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·427 Wörter·~2 min·3

Zusammenfassung

Unentgeltliche Rechtspflege | Verweigerung der unentgeltlichen Rechtspflege

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­6177/2010 Urteil   v om   2 2 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richterin Marianne Teuscher, Richterin Elena Avenati­Carpani,    Gerichtsschreiberin Barbara Giemsa­Haake. Parteien A._______  und  B._______,    beide vertreten durch Rechtsanwalt Peter Wicki, Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Verweigerung der unentgeltlichen Rechtspflege.

C­6177/2010 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass  A._______  und  ihr  minderjähriger  Sohn  B._______  über  Aufenthaltsbewilligungen  im  Kanton  Luzern  verfügten,  die  letztmals  bis  zum 1. Dezember 2008 verlängert wurden, dass das Amt  für Migration des Kantons Luzern  (im Folgenden: Amt  für  Migration) die weitere Verlängerung ablehnte, dass das Justiz­ und Sicherheitsdepartement des Kantons Luzern – auf  entsprechende  Beschwerde  hin  –  das  Amt  für  Migration  mit  Entscheid  vom  5.  Februar  2010  anwies,  die  Aufenthaltsbewilligungen  der  Betroffenen, vorbehältlich der Zustimmung des BFM, zu verlängern, dass das BFM mit Schreiben vom 5. Mai 2010 mitteilte, es erwäge, die  Zustimmung  zur  beantragten  Bewilligung  zu  verweigern,  und  den  Betroffenen hierzu das rechtliche Gehör gewährte, dass A._______ und B._______ das BFM mit Eingabe vom 7. Mai 2010  um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung ersuchten, dass  sie  zur  Begründung  dieses  Gesuchs  auf  die  entsprechende  Gutheissung  im  kantonalen  Verfahren  und  die  dort  eingereichten  Unterlagen  verwiesen  und  sich  für  den  Fall,  dass  noch  weitere  Unterlagen benötigt würden, bereit erklärten, diese nachzureichen, dass  die  Vorinstanz mit  Verfügung  vom  25.  Juni  2010  das Gesuch  um  unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung abgewiesen hat, wobei  sie das Begehren der Betroffenen als nicht aussichtlos bezeichnet, deren  Bedürftigkeit  und  die  Notwendigkeit  der  Verbeiständung  aber  verneint  hat, dass  die  Vorinstanz  mit  weiterer  Verfügung  vom  19.  August  2010  die  Zustimmung  zur  vom  Kanton  Luzern  in  Aussicht  gestellten  Aufenthaltsbewilligung verweigert hat, dass  A._______  und  B._______  gegen  diese  Verfügungen  am  30.  August  2010  Beschwerde  ans  Bundesverwaltungsgericht  erhoben  und  um Gutheissung der gestellten Anträge ersuchten, dass  sich  die  Beschwerdeführerin  am  18.  Februar  2011  mit  einem  deutschen Staatsangehörigen verheiratete und ihr und ihrem Sohn erneut  eine Aufenthaltsbewilligung erteilt wurde,

C­6177/2010 dass  daher  das  Verfahren  betreffend  Zustimmungsverweigerung  als  gegenstandlos geworden mit separatem Entscheid abgeschrieben wurde  (vgl. Abschreibungsentscheid C­6174/2010 vom 22. September 2011), dass  demzufolge  nur  mehr  über  die  Beschwerde  betreffend  Verweigerung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  vor  der  Vorinstanz  zu  befinden ist,  dass  angesichts  der  Komplexität  des  Verfahrens  und  der  bereits  im  kantonalen  Verfahren  strittigen  Frage  der  Berechnung  der  Dauer  der  Ehegemeinschaft  das Erfordernis  einer anwaltlichen Vertretung auch  im  vor­instanzlichen Verfahren bestand,  dass  die  angefochtene  Verfügung  davon  ausgeht,  das  Justiz­  und  Sicherheitsdepartement  des  Kantons  Luzern  habe  in  seinem  Entscheid  vom  5. Februar  2010  zu  Unrecht  die  Bedürftigkeit  der  Beschwerdeführenden bejaht, dies, weil die Beschwerdeführerin – so das  Übermittlungsschreiben des Amtes für Migration vom 2. März 2010 – seit  April  2009  als  Küchenhilfe  zu  einem Bruttolohn  von  Fr.  2'800.­  arbeite,  weshalb sie die Kosten ihres Rechtsvertreters selbst begleichen könne, dass der Vorinstanz  in dieser Argumentation nicht gefolgt werden kann,  weil sie sich einerseits zum Teil die Abklärungen auf kantonaler Ebene zu  eigen  macht,  andererseits  den  kantonalen  Behörden  ohne  nähere  Überprüfung  der  weiteren  Aspekte  eine  falsche  Beurteilung  der  Bedürftigkeit unterstellt, dass  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  aufgrund  der  vorliegenden  Akten  kein  vollständiges Bild  über die damalige  finanzielle Situation der  Beschwerdeführenden machen kann, dass  die  Vorinstanz  bei  den  anscheinend  unklaren  finanziellen  Verhältnissen  der  Beschwerdeführenden  weitere  Abklärungen  zur  Bedürftigkeit  hätte  treffen müssen und  insbesondere – wie angeboten –  weitere Beweismittel hätte einfordern müssen, dass  die  angefochtene  Verfügung  somit  in  unrichtiger  bzw.  unvollständiger  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  ergangen ist (Art. 49 VwVG),  dass  die  Beschwerde  deshalb  gutzuheissen  ist,  die  angefochtene  Verfügung aufzuheben ist und die Sache zur ergänzenden Abklärung im 

C­6177/2010 Sinne  der  Erwägungen  und  zur  neuen  Beurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen ist,  dass  entsprechend  dem  Ausgang  des  Verfahrens  keine  Kosten  aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG), dass den Beschwerdeführenden eine Parteientschädigung zuzusprechen  ist,  welche  auf  Fr.  1'200.­  (inkl.  Auslagen  und  MWST)  festzusetzen  ist  (Art. 64 Abs. 1 i.V.m. Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Dispositiv nächste Seite

C­6177/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2.  Die angefochtene Verfügung vom 25. Juni 2010 wird aufgehoben und die  Sache  zur  ergänzenden  Abklärung  und  Beurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückgewiesen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4.  Die Vorinstanz hat den Beschwerdeführenden eine Parteientschädigung  von Fr. 1'200.­ (inkl. Auslagen und MWST) auszurichten. 5.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführenden (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz  Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Ruth Beutler Barbara Giemsa­Haake Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden,  sofern  die  Voraussetzungen  gemäss  den Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni  2005  (BGG,  SR  173.110)  gegeben  sind.  Die  Rechtsschrift  ist  in  einer  Amts­sprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie die Partei  in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG).

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