Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 24.11.2011 C-6172/2010

24. November 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,176 Wörter·~11 min·2

Zusammenfassung

nach Auflösung der Familiengemeinschaft | Verweigerung der Zustimmung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­6172/2010 Urteil   v om   2 4 .   No v embe r   2011 Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richter Blaise Vuille, Richter Andreas Trommer,    Gerichtsschreiberin Mirjam Angehrn. Parteien A.________,  A.________, Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Verweigerung der Zustimmung zur Verlängerung der  Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung.

C­6172/2010 Sachverhalt: A. Die  Beschwerdeführerin,  geboren  1985,  ist  türkische  Staatsangehörige.  Mit einer befristeten Aufenthaltsbewilligung für Schülerinnen reiste sie am  11. Juli 2003 in die Schweiz ein und besuchte Deutschkurse an privaten  Bildungsinstitutionen in C._______. Am 1. Juli 2005 heiratete sie einen in  der Schweiz eingebürgerten Landsmann, woraufhin ihr das Migrationsamt  des Kantons Z.________ eine Aufenthaltsbewilligung erteilte. B. Im  Juli  2007  reichten  die  Eheleute  beim  Zivilgericht  X.________  ein  gemeinsames Scheidungsbegehren  ein. Ein  halbes  Jahr  später  zog  die  Beschwerdeführerin  zu  ihrer  Zwillingsschwester,  die  ebenfalls  in  C.________ wohnt. C. Mit  Urteil  des  Zivilgerichts  X._______  vom  14.  Mai  2008  wurden  die  Eheleute geschieden. D. Das  Migrationsamt  des  Kantons  Z.________  legte  der  Beschwerdeführerin  am  19.  August  2008  zur  Abklärung  ihres  weiteren  Aufenthalts Fragen insbesondere zur Trennung und Scheidung sowie zu  ihrer  aktuellen  Lebenssituation  vor.  Die  entsprechende  Antwort  erfolgte  am 4. September 2008. E. Am 30. April 2009 stellte die Beschwerdeführerin beim Migrationsamt des  Kantons  Z.________  ein  Gesuch  um  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung. F. Das Migrationsamt des Kantons Z.________ legte dem Ex­Ehemann der  Beschwerdeführerin  am  7. Mai  2009  zur  Sachverhaltsabklärung  Fragen  insbesondere  zur  Trennung  und  zur  Scheidung  vor.  Die  entsprechende  Antwort erfolgte am 20. Mai 2009. G. Am  31.  Mai  2010  bat  das  Migrationsamt  des  Kantons  Z.________  die  Beschwerdeführerin  insbesondere  zu  Fragen  zum  Zivilstand  sowie  zur 

C­6172/2010 Ausbildung und Arbeitssituation Stellung zu nehmen. Die entsprechende  Antwort erfolgte am 3. Juni 2010. H. Das Migrationsamt des Kantons Z.________ reichte dem BFM am 9. Juni  2010  ein  Gesuch  um  Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin ein. I. Mit Schreiben vom 23. Juni 2010 teilte das BFM der Beschwerdeführerin  mit,  es  beabsichtige  die  Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  zu  verweigern und die Wegweisung zu  verfügen.  Die  ihr  eingeräumte  Möglichkeit  dazu  Stellung  zu  nehmen,  nahm  die  Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 13. Juli 2010 wahr. J. Die  Vorinstanz  verweigerte  mit  Verfügung  vom  16.  Juli  2010  die  Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung.  Gleichzeitig  wurde  die  Wegweisung  verfügt,  und  der  Beschwerdeführerin  eine  Ausreisefrist von acht Wochen ab Eintritt der Rechtskraft der Verfügung  eingeräumt.  Zur  Begründung  führte  die  Vorinstanz  aus,  die  eheliche  Gemeinschaft  habe  weniger  als  drei  Jahre  gedauert.  Somit  fehle  es  bereits an der ersten Anspruchsvoraussetzung von Art. 50 Abs. 1 Bst. a  des Ausländergesetzes  vom 16. Dezember 2005  (AuG, SR 142.20).  Im  vorliegenden  Fall  würden  zudem  keine  wichtigen  persönlichen  Gründe  gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. b und Art. 50 Abs. 2 AuG vorliegen, die einen  Aufenthalt  in  der  Schweiz  erforderlich  machen  könnten.  Unter  Berücksichtigung  der  kurzen  Ehedauer  und  des  insgesamt  noch  nicht  überaus  langen  Aufenthalts  in  der  Schweiz  könne  nicht  von  einer  Verwurzelung  in  der  Schweiz  und  einer  Entfremdung  von  den  früheren  Lebensverhältnissen  ausgegangen  werden.  Die  prägenden  Jahre  der  Persönlichkeitsbildung habe die Beschwerdeführerin in ihrem Heimatland  verbracht. Aufgrund ihres Beziehungsnetzes sowie ihrer Berufserfahrung  dürfe es  ihr nicht  schwer  fallen,  sich  in  ihrem Heimatland zu  integrieren  und  eine  unabhängige  Existenz  aufzubauen.  Die  geltend  gemachte  Beziehung  zu  ihrer  Zwillingsschwester  und  ihrem  Vater  würde  die  Voraussetzungen von Art. 8 der Konvention vom 4. November 1950 zum  Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) nicht  erfüllen,  da  die  Beschwerdeführerin  gesund  und  volljährig  sei  und  zu  ihren Verwandten  in  keinem Abhängigkeitsverhältnis  stehe. Der Vollzug  der Wegweisung sei möglich, zulässig und zumutbar.

C­6172/2010 K. Gegen  diese  Verfügung  erhob  die  Beschwerdeführerin  am  29.  August  2010  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht  und  beantragt  sinngemäss  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  und  die  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung.  Zur  Begründung  wird  im  Wesentlichen vorgebracht, sie halte sich mittlerweile seit sieben Jahren in  der  Schweiz  auf.  Hier  habe  sie  gelernt,  ein  unabhängiges  Leben  zu  führen und  für  ihren Lebensunterhalt selbst aufzukommen, was  in  ihrem  Heimatland nicht möglich wäre. Sie komme aus einer kleinen Stadt und  höre  immer  wieder  von  Frauen,  die  keine  oder  wenig  Chancen  hätten  einer  Arbeit  nachzugehen.  Sie  wolle  ihren  Beruf  als  Pflegeassistentin,  ihre  Arbeitskolleginnen  und  Freundinnen  nicht  verlieren.  In  der  Türkei  würde sie nicht arbeiten können und wäre von einem Mann abhängig. Die  Beschwerdeführerin spricht von Furcht  ("das Leben zur Hölle gemacht")  und  Nötigungsversuchen.  Sie  habe  die  Wahl  gehabt  zwischen  "Scheidung  oder  sich  umbringen".  Obwohl  sie  gewusst  habe,  dass  sie  ihre Aufenthaltsbewilligung verlieren würde, habe sie noch vor Ablauf von  drei Jahren Ehe in die Scheidung eingewilligt. L. In ihrer Vernehmlassung vom 13. Oktober 2010 beantragt die Vorinstanz  die Abweisung der Beschwerde. M. Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird  –  soweit  rechtserheblich  –  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht,  unter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  VGG  genannten  Ausnahmen,  Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom  20. Dezember 1968  (VwVG, SR 172.021), die von einer  in Art. 33 VGG  aufgeführten  Behörde  erlassen  wurden.  Darunter  fallen  Verfügungen  des  BFM,  welche  sowohl  die  Zustimmung  zur  Erteilung  bzw.  Verlängerung  einer  Aufenthaltsbewilligung  als  auch  die  Wegweisung  betreffen.  Das  Bundesverwaltungsgericht entscheidet endgültig, soweit nicht die Beschwerde in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  an  das  Bundesgericht  offen  steht  (vgl. 

C­6172/2010 Art.  83  Bst.  c  Ziff.  2  und  4  des Bundesgerichtsgesetzes  vom   17.  Juni  2005  [BGG, SR 173.110]). 1.2  Gemäss  Art.  37  VGG  richtet  sich  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  nach  dem  VwVG,  soweit  das  Gesetz  nichts  anderes bestimmt.  1.3 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde  legitimiert  (Art.  48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  frist­  und  formgerechte  Beschwerde ist daher einzutreten (Art. 49 ff. VwVG). 2. Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  –  soweit  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE  2011/1 E. 2 mit Hinweis). 3. 3.1 Am 1. Januar 2008 traten die neuen gesetzlichen Bestimmungen des  AuG und seine Ausführungsbestimmungen  in Kraft – unter anderem die  Verordnung  vom  24. Oktober  2007  über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit  (VZAE,  SR  142.201).  In  Verfahren,  die  vor  diesem  Zeitpunkt  anhängig  gemacht  wurden,  bleibt  nach  der  übergangsrechtlichen  Ordnung  des  AuG  das  alte  materielle  Recht  anwendbar, wobei es ohne Belang ist, ob das Verfahren auf Gesuch hin –  so explizit Art. 126 Abs. 1 AuG – oder von Amtes wegen eröffnet wurde  (vgl. BVGE 2008/1 E. 2).  3.2  Der  Beschwerdeführerin  ist  zwar  noch  unter  dem  Geltungsbereich  des  Bundesgesetzes  vom  26. März  1931  über  Aufenthalt  und  Niederlassung  der  Ausländer  (ANAG,  BS  1  121)  eine  erstmalige  Aufenthaltsbewilligung erteilt worden; da sie  jedoch mit Gesuch vom 30. 

C­6172/2010 April  2009  die  Verlängerung  dieser  Bewilligung  beantragt  hat,  ist  im  vorliegenden Verfahren neues Recht anwendbar.  3.3 Gemäss Art. 40 AuG sind die Kantone zuständig für die Erteilung und  Verlängerung  von  Bewilligungen.  Vorbehalten  bleibt  jedoch  die  Zustimmung durch das BFM. Dessen Zustimmungserfordernis ergibt sich  im vorliegenden Fall aus Art. 99 AuG i.V.m. Art. 85 Abs. 1 Bst. a VZAE.  Letztgenannte Bestimmung wird präzisiert durch die Weisungen des BFM  im  Ausländerbereich  in  der  Fassung  vom  30.  September  2011  (www.bfm.admin.ch>Dokumentation>Rechtliche  Grundlagen>Weisungen  und  Kreisschreiben>I.  Ausländerbereich>1  Verfahren  und  Zuständigkeiten).  Sie  sehen  in  Ziffer  1.3.1.4  Bst. e  vor,  dass  die  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  nach  der  Auflösung  der  ehelichen  Gemeinschaft  mit  dem  schweizerischen  oder  ausländischen  Ehegatten  oder  nach  dessen  Tod  dem  BFM  zur  Zustimmung  zu  unterbreiten ist, falls die betroffene ausländische Person nicht aus einem  Mitgliedstaat  der  EFTA  oder  der  EG  stammt.  Die  Vorinstanz  hat  eine  umfassende  originäre  Sachentscheidskompetenz  (zum  alten,  aber  gleich  ausgestalteten Recht: BGE 127 II 49 E. 3a S. 51 f. und BGE 120 Ib 6 E. 3a S. 9  f.). Dass  die  dafür  notwendigen Sachverhaltsabklärungen  in der Regel  von den  antragstellenden Kantonen durchgeführt werden, vermag daran nichts zu ändern  (siehe Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C­4655/2009 vom 5. Oktober 2011  E. 3.3). Weder das BFM noch das Bundesverwaltungsgericht sind mithin an die  Einschätzung der kantonalen Behörde gebunden. 4. Gemäss  Art.  42  Abs.  1  AuG  haben  ausländische  Ehegatten  von  Schweizerinnen  und  Schweizern,  wenn  sie  mit  diesen  zusammenwohnen,  Anspruch  auf  Erteilung  und  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  und  –  nach  einem  ordnungsgemässen  und  ununterbrochenen  Aufenthalt  von  fünf  Jahren  –  Anspruch  auf  Erteilung  einer  Niederlassungsbewilligung  (Art.  42  Abs.  3  AuG).  Nach  Auflösung  der Ehe, wie  in  casu,  oder Familiengemeinschaft  – mitgemeint  ist  auch  die  eheliche  Gemeinschaft  –  besteht  der  Anspruch  auf  Erteilung  und  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  weiter,  wenn  die  Ehegemeinschaft  mindestens  drei  Jahre  bestanden  hat  und  eine  erfolgreiche  Integration  besteht  (Art.  50  Abs.  1  Bst.  a  AuG)  oder  wenn  wichtige  persönliche  Gründe  einen  weiteren  Aufenthalt  in  der  Schweiz  erforderlich machen (Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG).

C­6172/2010 5. Das  zeitliche  Kriterium  der  dreijährigen  Dauer  der  Ehegemeinschaft  ist  nicht  gleichbedeutend  mit  der  Dauer  der  Haushaltsgemeinschaft.  Von  einer  bestehenden  Ehegemeinschaft  kann  grundsätzlich  –  und  vorbehältlich  offenkundiger  Missbrauchsabsichten  –  ausgegangen  werden,  solange  die  Ehegatten  zusammen  leben.  Der  Fortbestand  der  Ehegemeinschaft  kann  aber  auch  im  Fall  ihres  Getrenntlebens  angenommen  werden,  nämlich  dann,  wenn  für  das  Getrenntleben  objektivierbare  Gründe  bestehen  (vgl.  MARC  SPESCHA  in:  Spescha/Thür/Zünd/Bolzli  [Hrsg.],  Kommentar  Migrationsrecht,  2.  aktualisierte Auflage, Zürich 2009, Art. 50 AuG N 4). Art. 49 AuG spricht  insoweit  von wichtigen Gründen,  die  in  der  Botschaft  zum AuG  vom  8.  März  2002  (BBl  2002  3753  f.)  zum  einen  als  berufliche  Gründe,  zum  anderen  auch  als  andere  wichtige  und  nachvollziehbare  Gründe  bezeichnet werden. Zu  letzteren zählt – so explizit Art.  76 VZAE – eine  vorübergehende Trennung wegen erheblicher familiärer Probleme, womit  der  Gesetzgeber  insbesondere  Fälle  häuslicher  Gewalt  im  Auge  hatte  (vgl. ESTHER S. AMSTUTZ  in: Caroni/Gächter/ Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis  Handkommentar  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG], Art. 49 N 24; Urteile des Bundesgerichts 2C_314/2010  vom 26. Juli 2010 E. 2.2 und 2C_544/2010 vom 23. Dezember 2010 E.  2.3.1). Hält  im Falle erheblicher Eheprobleme das Getrenntleben an, so  stellt  sich  die  Frage,  ob  die  Trennung  als  definitiv  und  die  Familiengemeinschaft damit als aufgelöst zu betrachten ist (vgl. SPESCHA,  a.a.O. Art. 49 AuG N 3). 5.1 Gemäss Aussagen der Beschwerdeführerin wurde das gemeinsame  Scheidungsbegehren im Juli 2007 eingereicht und der eheliche Haushalt  ein  halbes  Jahr  später  aufgehoben.  Der  Ex­Ehemann  bestätigte  den  Zeitpunkt der Einreichung des gemeinsamen Scheidungsbegehrens und  fügte hinzu, die Beschwerdeführerin sei ab Januar 2007 nur noch selten  nach  Hause  gekommen.  Die  Scheidung  wurde  am  14.  Mai  2008  rechtskräftig.  Demzufolge  hat  die  Hausgemeinschaft  höchstens  zwei  Jahre  und  sechs  Monate  und  die  Ehe  zwei  Jahre  und  zehn  Monate  gedauert  (zur  Bedeutung  dieser  zeitlichen  Grenzen  vgl.  BGE  2C_784/2010 vom 26. Mai 2011 E. 3.1.3).  5.2  Im  Ergebnis  steht  damit  fest,  dass  die  eheliche  Gemeinschaft  der  Beschwerdeführerin  vor  Ablauf  von  drei  Jahren  beendet  war.  Art.  50  Abs. 1  Bst.  a  AuG  findet  in  ihrem  Fall  somit  keine  Anwendung.  Im 

C­6172/2010 Rahmen dieser Bestimmung  kommt es auf  die  behauptete  Integration –  die ein kumulatives Kriterium wäre – nicht mehr an.  6. Gemäss  Art.  50  Abs.  1  Bst.  b  AuG  besteht  –  unabhängig  von  der  bisherigen Dauer der Familien­ bzw. Ehegemeinschaft – auch dann der  Anspruch  auf  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  weiter,  wenn  wichtige  persönliche  Gründe  einen  weiteren  Aufenthalt  in  der  Schweiz  erforderlich machen. Solche Gründe können namentlich – so explizit Art.  50  Abs.  2  AuG  –  vorliegen,  wenn  der  betreffende  Ehegatte  Opfer  ehelicher  Gewalt  wurde  und  seine  soziale  Wiedereingliederung  im  Herkunftsland  stark  gefährdet  erscheint;  beide  Bedingungen  müssen  jedoch  nicht  kumulativ  erfüllt  sein  (BGE  136  II  1  E.  5  S.  3  ff.). Weitere  wichtige  –  und  im  Zusammenhang  mit  der  Ehe  stehende  Gründe –  können  sich  auch  daraus  ergeben,  dass  der  in  der  Schweiz  lebende  Ehepartner gestorben  ist  oder gemeinsame Kinder  vorhanden sind  (vgl.  SPESCHA, a.a.O. Art. 50 AuG N 7 sowie  CARONI, a.a.O., Art. 50 N 23 f.).  6.1.  Im Falle der Beschwerdeführerin  sind  jedoch keine  spezifischen,  auf  ihrer  Ehe  bzw.  deren  Auflösung  beruhenden  Gründe  ersichtlich,  die  ihr  einen  Anspruch  auf weiteren Verbleib  in  der  Schweiz  verschaffen  könnten.  Insoweit  die  Beschwerdeführerin  geltend  macht,  von  ihrem  Ex­Ehemann  und  dessen  Familie  bedroht  worden  zu  sein,  ist  festzustellen,  dass  ihre  Angaben  diesbezüglich  widersprüchlich  und  vage  sind.  So  teilte  sie  den  kantonalen  Behörden mit Schreiben vom 4. September 2008 einerseits mit, sie hätte sich mit  ihrem Ex­Ehemann täglich gestritten. Alles sei ihr immer mehr "wie eine Folter  vorgekommen".  Die  Trennung  sowie  die  anschliessende  Scheidung  seien  ihr  "auch  sehr  recht  gewesen".  Andererseits  liess  sie  die  Behörden  im  selben  Schreiben  wissen,  eine  Trennung  wäre  für  sie  vorteilhafter  gewesen  als  eine  Scheidung.  Die  "Unterdrückung"  des  Ex­Ehemannes  und  dessen  Familie  sei  jedoch  zu  gross  gewesen.  Im  vorinstanzlichen  Verfahren  –  die  Beschwerdeführerin  war  durch  einen  Rechtsanwalt  vertreten  –  war  die  zuvor  geltend  gemachte  "Unterdrückung"  kein  Thema  mehr.  In  der  Beschwerde  beschreibt  die  Beschwerdeführerin  das  Zusammenleben  mit  dem  Ex­Ehemann  und dessen Familie sodann mit dem Wort "Hölle". Sie hätte  lediglich die Wahl  gehabt zwischen Scheidung oder sich "umbringen". Somit mutieren die bei den  kantonalen  Behörden  vorgebrachte  Unterdrückung  und  die  Streitereien  auf  Beschwerdeebene zu einer schwerwiegenden Bedrohungssituation. Die Aussagen  der Beschwerdeführerin sind demzufolge unglaubhaft. Objektiv nachvollziehbare  Ereignisse, Begebenheiten oder Umstände für das vorliegen ehelicher Gewalt im  Sinne  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  (vgl.  z.B.  Urteil  des 

C­6172/2010 Bundesgerichts  2C_155/2011  vom  7.  Juli  2011  E.  4.3  –  4.7),  vermag  die  Beschwerdeführerin weder zu belegen noch aufzuzeigen. 6.2 Die  Beschwerdeführerin  bringt  vor,  als  geschiedene  Frau  sei  ihre  soziale  Wiedereingliederung  im  Heimatland  gefährdet.  Die  Frage  der  Wiedereingliederung  ist  aufgrund der  gesellschaftlichen, wirtschaftlichen  sowie  familiären Situation der betroffenen Person zu beurteilen (vgl. CARONI, a.a.O.,  Art. 50 N 38 mit Hinweis).  6.3  Bezüglich  der  Situation  der  Beschwerdeführerin  hält  das  Bundesverwaltungsgericht  Folgendes  fest:  Allfällige  wirtschaftliche  Schwierigkeiten, von denen die Beschwerdeführerin nach der Rückkehr betroffen  zu sein glaubt, stellen grundsätzlich keine die Existenz bedrohende Situation dar,  welche  den  Vollzug  der  Wegweisung  in  den  Heimatstaat  als  unzumutbar  erscheinen lassen (vgl. EMARK 1994 Nr. 19 S. 149). Indessen ist der Lage  geschiedener  Frauen  insbesondere  in  muslimisch  geprägten  Ländern  besondere Beachtung zu schenken. Die Beschwerdeführerin verfügt zwar  im Heimatstaat mit  ihrer Mutter  und  zwei  Brüdern  über  ein weitläufiges  Beziehungsnetz. Diese Tatsache allein lässt jedoch nicht den Schluss zu,  sie könne dank diesem Beziehungsnetz ihren Lebensunterhalt bestreiten;  dies  hängt  in  casu  davon  ab,  ob  die  Gründe,  die  zur  Scheidung  der  Beschwerdeführerin  führten,  von  ihren  eigenen  Familienangehörigen  gebilligt werden. Die Beschwerdeführerin brachte nicht vor, aufgrund der  Scheidung  Probleme mit  Familienangehörigen  gehabt  zu  haben.  Es  ist  daher  davon  auszugehen,  dass  die  Scheidung  für  die  Familienangehörigen kein Problem darstellt und das Verhältnis zu diesen  gut ist. Die  Beschwerdeführerin  ist  in  der  Hauptstadt  A.________  der  Provinz  B.________  aufgewachsen.  Dass  dort  tatsächlich  derart  rigide  Moralvorstellungen  herrschen  sollen,  wie  sie  die  Beschwerdeführerin  behauptet, erscheint fraglich, denn diese Stadt ist touristisch erschlossen.  So  findet  im Juli  jeweils ein Tourismus­ und Kulturfest statt. Die Provinz  B.________  verfügt  auch  über  einen  Flughafen,  der  sich  25  Kilometer  von A.________ entfernt befindet. Deshalb  ist  davon auszugehen, dass  eine  Wiedereingliederung  nicht  nur  in  familiärer,  sondern  auch  in  gesellschaftlicher Hinsicht möglich ist. Die  Beschwerdeführerin  hat  in  der  Schweiz  eine  Ausbildung  zur  Pflegeassistentin  absolviert  und  arbeitet  seit  Dezember  2009  in  einem  Alters­ und Pflegeheim. Die hier erworbenen Fähigkeiten werden  ihr bei 

C­6172/2010 der  beruflichen  Wiedereingliederung  von  Nutzen  sein.  Aufgrund  dieser  Erfahrungen  müsste  es  ihr  möglich  sein,  eine  wirtschaftliche  Existenz  aufzubauen.  Es  kann  deshalb  davon  ausgegangen  werden,  dass  eine  Wiedereingliederung  auch  in wirtschaftlicher  Hinsicht  möglich  ist.  Zudem  pflegt  die  Beschwerdeführerin  enge  Kontakte  mit  ihren  in  der  Schweiz  lebenden  Familienangehörigen,  die  sie  bei  ihrer  Wiedereingliederung  sicherlich  unterstützen  werden.  Überdies  ist  beizufügen,  dass  es  der  Beschwerdeführerin  aufgrund  ihrer  beruflichen  Fähigkeiten  und  ihres  Alters  freisteht,  sich  in  einer  anderen  Grossstadt,  wie  beispielsweise  Istanbul, niederzulassen. 6.4  Bei  dieser  Sachlage  und  in  Abwägung  der  gesamten  Umstände  kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass der Umstand, dass die  Ehe der Beschwerdeführerin gescheitert ist, nicht erkennen lässt, dass ihre soziale  Wiedereingliederung im Herkunftsland Türkei stark gefährdet wäre. Da aus ihrer  Ehe  mit  dem  in  der  Schweiz  eingebürgerten  Landsmann  keine  Kinder  hervorgegangen  sind,  können  auch  keine  entsprechend  engen  familiären  Beziehungen  einen  wichtigen  Grund  für  die  Verlängerung  ihrer  Aufenthaltsbewilligung darstellen (vgl. dazu auch E. 7.4 f.).  7. Anspruchsbegründend  können  auch  sonstige  wichtige  persönliche  Gründe  sein,  da  Art.  50  Abs.  1  Bst.  b  AuG  bewusst  auf  eine  abschliessende  Aufzählung  der  Gründe  verzichtet  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­4625/2009  vom  31.  März  2011  E.  7.2).  Entscheidend ist hierbei die persönliche Situation des Betroffenen. Die in  Art.  31  Abs.  1  VZAE  aufgelisteten,  aber  nicht  erschöpfenden  Kriterien  können  für  die Beurteilung  eines Härtefalles  herangezogen werden  und  eine  wesentliche  Rolle  spielen,  auch  wenn  sie  einzeln  betrachtet  grundsätzlich  noch  keinen  Härtefall  zu  begründen  vermögen  (vgl.  BGE  2C_784/2010  vom  26. Mai  2011  E.  3.2.3).  Ausdrücklich  aufgeführt  werden  dort  die  Integration  (Bst.  a),  die  Respektierung  der  Rechtsordnung (Bst. b), die Familienverhältnisse (Bst. c), die finanziellen  Verhältnisse sowie der Wille zur Teilhabe am Wirtschaftsleben und zum  Erwerb  von  Bildung  (Bst.  d),  die  Dauer  der  Anwesenheit  (Bst.  e),  der  Gesundheitszustand  (Bst.  f)  und  die  Möglichkeiten  der  Wiedereingliederung  im Herkunftsland  (Bst.  g;  zum Ganzen  siehe  auch  CARONI, a.a.O., Art. 50 N 23 f.). 7.1  Im  ersten  Jahr  ihres  Aufenthaltes  in  der  Schweiz  besuchte  die  Beschwerdeführerin eine Sprachschule in C.________ und erzielte in der 

C­6172/2010 Abschlussprüfung  im  Juni  2004  die Noten  gut  (mündliche Prüfung)  und  ausreichend (schriftliche Prüfung). Anschliessend besuchte sie an einem  anderen  Bildungsinstitut  einen  knapp  dreimonatigen  Deutschkurs  für  Fremdsprachige  der Grundstufe  2,  den  sie mit  der Note  5,5  abschloss.  Danach  arbeitete  sie  bis Mitte  Januar  2006  als Reinigungskraft  bei  der  D.________ AG in C.________. Am 1. September 2006 trat sie eine 60­ Prozent  Stelle  als  Kassierin  bei  der  E.________ GmbH  an.  Ende  2007  absolvierte  sie  den  Kurs  Pflegehelferin  des  Schweizerischen  Roten  Kreuzes,  den  sie  am  17.  Januar  2008  erfolgreich  abschloss.  Beim  gemeinnützigen  Verein  F.________  besucht  sie  seit  März  2008  wöchentlich ein bis zwei Stunden den Kurs Konversation auf Deutsch bei  einer  freiwilligen Mitarbeiterin. Anfang August  desselben Jahres begann  sie  eine  Ausbildung  zur  Pflegeassistentin  beim  Kantonsspital  G.________, die sie am 30. Juni 2009 mit dem Titel Pflegeassistentin mit  Ausweis  abschlossen  hat.  Seit  dem  1.  Dezember  2009  arbeitet  sie  in  einem  Alters­  und  Pflegeheim  als  Pflegeassistentin.  Aus  dem  Arbeitszeugnis  und  einem  weiteren  Schreiben  ihres  Arbeitgebers  geht  hervor,  dass  die Beschwerdeführerin  sehr  geschätzt wird.  In  beruflicher  und  wirtschaftlicher  Hinsicht  hat  sie  sich  offenbar  gut  und  rasch  in  die  hiesigen Verhältnisse eingelebt. Zudem besitzt sie verhältnismässig gute  Deutschkenntnisse. 7.2 Die Beschwerdeführerin hält sich seit dem Jahre 2003 in der Schweiz  auf; zunächst mit einer Kurzaufenthaltsbewilligung, seit dem 1. Juli 2005  mit  einer  ordentlichen  Aufenthaltsbewilligung  aufgrund  der  Eheschliessung  mit  einem  in  der  Schweiz  eingebürgerten  Landsmann.  Die Ehe wurde nach zwei Jahren und zehn Monaten geschieden und die  eheliche Gemeinschaft dauerte höchstens zwei Jahre und sechs Monate.  Angesichts des Alters der Beschwerdeführerin, die mit 18 Jahren, also als  Erwachsene,  in  die  Schweiz  gekommen  ist,  sind  die  hier  verbrachten  Jahre als  relativ  kurze Aufenthaltsdauer einzustufen;  zudem können die  letzten rund 16 Monate, während denen die Beschwerdeführerin aufgrund  des vorliegenden Verfahrens von den Behörden in der Schweiz  lediglich  geduldet  wurde,  bei  der  Beurteilung  der  Dauer  des  Aufenthaltes  nicht  berücksichtigt werden.  Die Beschwerdeführerin  ist mit den Verhältnissen  in der Türkei noch gut  vertraut,  hat  sie  doch  den  weitaus  grössten  und  für  die  Persönlichkeit  prägenden Teil  ihres  Lebens  in  der Heimat  verbracht  und weilte  in  den  letzten  Jahren  jeweils  drei  Monate  am  Stück  bei  ihrer  Familie  in  der  Türkei, was auf einen guten Kontakt hindeutet. 

C­6172/2010 7.3  Insgesamt  unterscheidet  sich  der  Integrationsgrad  der  Beschwerdeführerin nicht von dem, was von einer ausländischen Person  nach  vergleichbarem  Aufenthalt  verlangt  werden  kann.  Daran  können  auch die Empfehlungsschreiben des Arbeitgebers und einer Privatperson  nichts  ändern.  Sie  zeigen  zwar  ein  gewisses  Beziehungsnetz  der  Beschwerdeführerin  in  der  Schweiz  auf,  lassen  jedoch  nicht  auf  enge  persönliche und affektive Beziehungen  schliessen. Sie  beinhalten  damit  keine  hinreichenden  Nachweise  für  eine  aussergewöhnliche  soziale  Integration,  welche  über  die  während  des  mehrjährigen  Aufenthalts  geknüpften freundschaftlichen Beziehungen hinaus gehen würde. 7.4  Soweit  die  Beschwerdeführerin  geltend  macht,  dass  sie  zu  ihrer  Zwillingsschwester und ihrem Vater sowie weiteren Verwandten engen  Kontakt pflege, ist festzuhalten, dass sich der Härtefall grundsätzlich in  der gesuchstellenden Person selber verwirklichen muss (vgl. Urteil des  Bundesgerichts  2A.89/2000  vom  21.  März  2000  E.  1a).  Von  dieser  Regel  wird  praxisgemäss  –  in  analoger  Anwendung  der  aus  Art.  8  EMRK abgeleiteten Kriterien – nur dann ausnahmsweise abgewichen,  wenn  in  der  Schweiz  lebende  Angehörige  in  einem  besonderen  Abhängigkeitsverhältnis  zur  gesuchstellenden  Person  stehen  bzw.  eine  besonders  enge  persönliche  und  affektive  Beziehung  zu  dieser  unterhalten  (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2A.92/2007 vom 21. Juni  2007 E.  4.3,  2A.76/2007  vom  12.  Juni  2007 E.  5.1  und  2A.627/2006  vom 28. November 2006 E. 4.2.1).  Art. 8 EMRK schützt in erster Linie die Kernfamilie, d.h. die Gemeinschaft  der Ehegatten mit  ihren minderjährigen Kindern  (vgl. BGE 135  I  143 E.  1.3. S. 145 oder BGE 127 II 60 E. 1d/aa S. 64f.). Geht es um Personen,  die  nicht  der  eigentlichen  Kernfamilie  zuzurechnen  sind,  setzt  eine  schützenswerte  familiäre  Beziehung  voraus,  dass  die  um  eine  ausländerrechtliche  Bewilligung  ersuchende  ausländische  Person  vom  hier  Anwesenheitsberechtigten  abhängig  ist.  Die  Abhängigkeit  eines  Menschen von einem andern kann sich unabhängig vom Alter ergeben,  namentlich aus besonderen Betreuungs­ und Pflegebedürfnissen wie bei  körperlichen  oder  geistigen  Behinderungen  und  schwerwiegenden  Krankheiten (BGE 120 Ib 257 E. 1/d­e S. 260 ff. oder BVGE 2007/45 E.  5.3,  je mit Hinweisen). Eine solche Konstellation  liegt hier nicht vor. Bei  der Beschwerdeführerin handelt es sich um eine junge gesunde Frau, die  weder  pflege­  noch  betreuungsbedürftig  ist,  sondern  eher  auf  wohlwollende  moralische  Unterstützung  durch  ihre  Verwandten  angewiesen  ist.  Der  Kontakt  kann  jedoch  anders  als  mit  einer 

C­6172/2010 Aufenthaltsbewilligung  aufrechterhalten  werden  (Briefverkehr,  Videotelefonie,  Telefonate  oder  durch  Reisen  in  den  Aufenthaltsstaat  der  Beschwerdeführerin).  7.5  Da  die  Beschwerdeführerin  offensichtlich  keine  gesundheitlichen  Probleme  hat,  ergeben  sich  insgesamt  gesehen  auch  keine  wichtigen  persönlichen Gründe, die eine Verlängerung  ihrer Aufenthaltsbewilligung  erfordern würden.  8. Die Beschwerdeführerin  besitzt  somit weder  gestützt  auf Art.  50 Abs.  1  Bst. a  AuG  (dreijährige  Ehegemeinschaft  und  erfolgreiche  Integration)  noch gestützt auf Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG (wichtige persönliche Gründe)  einen  Anspruch  auf  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung.  Insbesondere wäre in diesem Rahmen auch keine Härtefallregelung nach  Art. 30 Abs. 1 Bst. b AuG in Betracht gekommen. Dass die Vorinstanz die  Zustimmung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung verweigert hat,  kann daher nicht beanstandet werden. 9. Als gesetzliche Folge der nicht mehr verlängerten Aufenthaltsbewilligung  hat die Beschwerdeführerin die Schweiz zu verlassen (vgl. Art. 64 Abs. 1  Bst. c AuG in der Fassung gemäss Art. 2 Ziff. 1 des Bundesbeschlusses  vom  18.  Juni  2010  betreffend  die  Übernahme  der  EG­Rückführungs­ richtlinie  [Richtlinie 2008/115/EG],  in Kraft  seit  1.  Januar 2011, der dem  zeitgleich  aufgehobenen  Art.  66  Abs.  1  AuG  in  der  Fassung  vom  16.  Dezember  2005  [AS  2007  5437]  entspricht).  Es  bleibt  zu  prüfen,  ob  Hinderungsgründe  für  den  Vollzug  der  Wegweisung  anzunehmen  sind  (Art.  83  Abs.  2  –  4  AuG)  und  das  BFM  gestützt  hierauf  die  vorläufige  Aufnahme hätte verfügen müssen.  9.1 Die Möglichkeit und Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs stehen im  vorliegenden Fall ausser Frage. Demzufolge wäre allenfalls  relevant, ob  die  zwangsweise  Rückkehr  für  die  Beschwerdeführerin  eine  konkrete  Gefährdung mit sich brächte und damit nicht zumutbar wäre.  9.2 Der Wegweisungsvollzug kann für die betroffene Person unzumutbar  sein,  wenn  sie  in  ihrem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  Situationen  wie  Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt oder einer medizinischen Notlage  ausgesetzt  wäre.  Wirtschaftliche  Schwierigkeiten,  von  welchen  die  ansässige Bevölkerung regelmässig betroffen ist, wie Wohnungsnot oder 

C­6172/2010 ein  schwieriger  Arbeitsmarkt,  vermögen  jedoch  keine  konkrete  Gefährdung  zu  begründen.  Dagegen  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zumutbar,  wenn  dieser  für  die  ausländische  Person  höchstwahrscheinlich  zu  einer  existenziellen  Bedrohung  führen  würde,  beispielsweise  dann,  wenn  sie  sich  nach  ihrer  Rückkehr  mit  völliger  Armut,  Hunger,  Invalidität  oder  Tod  konfrontiert  sähe  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgericht C­4625/2009 vom 31. März 2011 E. 10.2 mit  Hinweis).  9.3  Aus  den  Akten  ergeben  sich  keine  Anhaltspunkte,  die  gegen  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  in  das  Heimatland  der  Beschwerdeführerin  sprechen.  Bezüglich  des  Vorbringens  der  starken  Gefährdung der sozialen Wiedereingliederung im Heimatland wird auf E.  6.2 verwiesen.  10. Demzufolge ist die angefochtene Verfügung im Lichte von Art. 49 VwVG  nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen. 11. Entsprechend  dem  Ausgang  des  Verfahrens  wird  die  unterliegende  Beschwerdeführerin  kostenpflichtig  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Die  Verfahrenskosten sind auf Fr. 800.­­ festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art. 3  Bst.  b  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]) (Dispositiv nächste Seite)

C­6172/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2. Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  800.­­  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  in  gleicher  Höhe verrechnet. 3. Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Akten Ref­Nr. […]) – das Migrationsamt des Kantons Z.________ (Akten  Ref.­Nr. […]) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Antonio Imoberdorf Mirjam Angehrn Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30  Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten geführt werden, sofern die Voraussetzungen gemäss den Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  (BGG,  SR  173.110)  gegeben  sind. Die Rechtsschrift  hat  die Begehren,  deren Begründung  mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  der  Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG).  Versand:

C-6172/2010 — Bundesverwaltungsgericht 24.11.2011 C-6172/2010 — Swissrulings