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Bundesverwaltungsgericht 23.01.2012 C-5819/2009

23. Januar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,261 Wörter·~16 min·2

Zusammenfassung

Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung | Nichtigerklärung erleichterte Einbürgerung

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­5819/2009 Urteil   v om   2 3 .   J a nua r   2012 Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richterin Ruth Beutler, Richter Blaise Vuille, Gerichtsschreiber Daniel Grimm. Parteien A._______, vertreten durch Rechtsanwältin Monika Paminger Müller,  Oberer Graben 44, 9000 St. Gallen, Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung.

C­5819/2009 Sachverhalt: A.  Die aus Brasilien stammende Beschwerdeführerin (geb. 1975) reiste am  9. August  1998  in  die  Schweiz  ein  und  zog  zwecks  Vorbereitung  der  Heirat  zu  ihrem  künftigen  Gatten,  dem  Schweizer  Bürger  B._______  (geb.  1970).  Ihn  hatte  sie  im  Dezember  1996  in  ihrem  Heimatland  kennengelernt. Am 30. Oktober 1998 heirateten die beiden in C._______.  Vom  Kanton  Thurgau  erhielt  die  Beschwerdeführerin  daraufhin  eine  Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib beim Ehemann. B.  Gestützt  auf  ihre  Ehe  mit  einem  Schweizer  Bürger  stellte  die  Beschwerdeführerin am 24. Dezember 2003 ein Gesuch um erleichterte  Einbürgerung nach Art. 27 des Bürgerrechtsgesetzes vom 29. September  1952 (BüG, SR 141.0). Zu  Handen  des  Einbürgerungsverfahrens  unterzeichneten  die  Eheleute  am  7. Juni  2004  eine  gemeinsame  Erklärung,  wonach  sie  in  einer  tatsächlichen,  ungetrennten,  stabilen  ehelichen  Gemeinschaft  an  derselben  Adresse  zusammenlebten  und  weder  Trennungs­  noch  Scheidungsabsichten bestünden. Gleichzeitig nahmen sie unterschriftlich  zur Kenntnis, dass die erleichterte Einbürgerung nicht möglich  ist, wenn  vor oder während des Einbürgerungsverfahrens einer der Ehegatten die  Trennung oder Scheidung beantragt hat oder keine tatsächliche eheliche  Gemeinschaft  mehr  besteht,  und  dass  die  Verheimlichung  dieser  Umstände  zur  Nichtigerklärung  der  Einbürgerung  nach  Art. 41  BüG  führen kann. Am  23. August  2004  wurde  die  Beschwerdeführerin  erleichtert  eingebürgert.  Nebst  dem  Schweizer  Bürgerrecht  erwarb  sie  die  Bürgerrechte des Kantons Thurgau und der Gemeinde D._______ (TG). C.  Am  18. Oktober  2006  gelangte  das  Amt  für  Handelsregister  und  Zivilstandswesen des Kantons Thurgau an die Vorinstanz und orientierte  diese  darüber,  dass  die  Beschwerdeführerin  seit  dem  10. Januar  2006  von  ihrem  schweizerischen  Ehemann  rechtskräftig  geschieden  sei  und  am 5. Mai 2006 einen Landsmann geheiratet habe. D.  Aufgrund  dieser  Umstände  eröffnete  das  BFM  am  24. November  2006 

C­5819/2009 ein  Verfahren  auf  Nichtigerklärung  der  erleichterten  Einbürgerung  gemäss  Art. 41  BüG.  Im  Rahmen  der  Sachverhaltsermittlung  nahm  die  Vorinstanz  mit  Einverständnis  der  Beschwerdeführerin  Einsicht  in  die  Akten  des  Bezirksgerichts  C.______  betreffend  Ehescheidung.  Ferner  forderte  sie  den  früheren  Ehegatten  auf,  sich  schriftlich  zur  Sache  zu  äussern,  und  liess  ihn  am  6. Februar  2009  durch  das  Amt  für  Handelsregister  und  Zivilstandswesen  des  KantonsThurgau  als  Auskunftsperson rogatorisch einvernehmen. Vom  Äusserungsrecht  machte  die  von  der  Beschwerdeführerin  mandatierte  Parteivertreterin  am  22. Dezember  2006  und  3. Juli  2009  Gebrauch.  Der  geschiedene  Ehemann  nahm  mit  Eingabe  vom  1. Dezember 2008 zur Angelegenheit Stellung. E.  Auf Ersuchen des BFM erteilte der Kanton Thurgau am 6. August  2009  die Zustimmung zur Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung. F.  Mit  Verfügung  vom  12. August  2009  erklärte  die  Vorinstanz  die  erleichterte Einbürgerung der Beschwerdeführerin für nichtig. Gleichzeitig  ordnete  sie  an,  dass  sich  die  Nichtigkeit  auf  alle  Familienmitglieder  erstrecke,  deren  Schweizer  Bürgerrecht  auf  der  nichtig  erklärten  Einbürgerung beruhe. G.  Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  14. September  2009  beantragt  die  Rechtsvertreterin  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersucht  sie  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Prozessführung. H.  Mit  Zwischenverfügung  vom  18. September  2009  hiess  das  Bundesverwaltungsgericht  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege gut und setzte die bisherige Parteivertretern  als unentgeltliche Rechtsbeiständin ein. I.  Die  Vorinstanz  schliesst  in  ihrer  Vernehmlassung  vom  29. September  2009 auf Abweisung der Beschwerde.

C­5819/2009 J.  Replikweise  lässt  die  Beschwerdeführerin  am  10. Dezember  2009  an  ihrem Antrag und dessen Begründung festhalten. Zusätzlich beantragt sie  die  Anhörung  ihres  Ex­Ehemannes  und  die  Einvernahme  eines  befreundeten  Ehepaares  sowie  einer  gemeinsamen  Bekannten  als  Zeugen.  Die  Replik  ergänzte  sie  mit  Unterlagen  der  Thurgauer  Kantonalbank zu ihren finanziellen Beiträgen an den ehelichen Unterhalt. K.  Abklärungen bei der Einwohnerkontrolle X.______/AR ergaben, dass die  Beschwerdeführerin  Mutter  einer  Tochter  ist  (E._______,  geboren  am  7. November 2009). L.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen eingegangen.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  –  unter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  VGG  genannten  Ausnahmen  –  Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom  20. Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021),  welche  von  einer  in  Art.  33  VGG  aufgeführten  Behörde  erlassen  wurden.  Darunter  fallen  Verfügungen  des  BFM  betreffend  Nichtigerklärung  der  erleichterten  Einbürgerung (vgl. Art. 41 Abs. 1 i.V.m. Art. 51 Abs 1 BüG). 1.2.  Gemäss  Art.  37  VGG  richtet  sich  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  nach  dem  Verwaltungsverfahrensgesetz,  soweit des Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt. 1.3. Die Beschwerdeführerin  ist als Verfügungsadressatin zur Ergreifung  des  Rechtsmittels  legitimiert  (Art. 48  Abs.  1  VwVG).  Auf  ihre  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  einzutreten  (Art. 50  und  52  VwVG).

C­5819/2009 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  –  sofern  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich  die  Rechts­  und  Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2). 3.  Als  Beweismassnahme  beantragt  die  Beschwerdeführerin  in  der  Replik  nachträglich die gerichtliche Befragung ihres Ex­Ehegatten. Ferner seien  sowohl F._______ und G._______ (befreundetes Ehepaar) als auch und  H._______  (eine  gute  gemeinsame  Bekannte)  als  Zeugen  einzuvernehmen. 3.1.  Der  Behörde  kommt  grundsätzlich  die  Pflicht  zu,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  von  Amtes  wegen  zu  ermitteln  (Art.  12  VwVG). Gemäss Art. 12 Bst. a  –  e VwVG kommen als Beweismittel  für  die Behörde Urkunden, Auskünfte der Parteien, Augenscheine, Auskünfte  und Zeugnisse von Drittpersonen sowie Gutachten von Sachverständigen  in Betracht. Grundsätzlich werden Auskünfte von Drittpersonen schriftlich  eingeholt  (PATRICK  L.  KRAUSKOPF/KATRIN  EMMENEGGER,  in:  Waldmann  /  Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, Zürich 2009, N. 115 mit  Verweis  auf  N.  104  f.  zu  Art.  12).  Zeugeneinvernahmen  sind  im  Verwaltungsverfahren insbesondere wegen der strengen Strafandrohung  wegen  falschen  Zeugnisses  als  subsidiäres  Beweismittel  zu  betrachten  und dürfen nur ausnahmsweise zur Anwendung kommen (vgl. BGE 130 II  169  E. 2.3.3  S. 173  mit  Hinweisen,  Urteil  des  Bundesgerichts  1C_292/2010  vom  5. August  2010  E.  3.2).  Drittpersonen  sind  daher  grundsätzlich  als  Auskunftspersonen  zum  Sachverhalt  zu  befragen  (KRAUSKOPF/EMMENEGGER,  a.a.O.,  N.  114  zu  Art.  12).  Im  Rahmen  der  Sachverhaltsermittlung  sind  die  Behörden  verpflichtet,  die  von  den  Parteien angebotenen Beweise abzunehmen, sofern diese geeignet sind,  den  rechtserheblichen Sachverhalt  zu  erhellen. Kommt  die Behörde  bei  pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, die Akten erlaubten 

C­5819/2009 die  richtige  und  vollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts oder die behauptete Tatsache sei für die Entscheidung der  Streitsache  nicht  von  Bedeutung,  kann  sie  auf  die  Erhebung  weiterer  Beweise verzichten, ohne durch diese antizipierte Beweiswürdigung den  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  gemäss  Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999 (BV, SR 101) zu verletzen (vgl. zum Ganzen BGE 136 I 229 E. 5.3  S. 236 f. mit Hinweisen). 3.2.  Der  entscheidserhebliche  Sachverhalt  erschliesst  sich,  wie  nachfolgend zu zeigen sein wird,  in hinreichender Weise aus den Akten.  Der  geschiedene  Ehemann  hat  sich  bereits  schriftlich  (vgl.  Eingabe  desselben  vom  1. Dezember  2008)  und  mündlich  (siehe  rogatorische  Einvernahme  vom  6. Februar  2009)  zum  Eheleben  in  der  hier  interessierenden  Zeitspanne  geäussert,  weshalb  sich  eine  nochmalige  Anhörung  durch  das  Gericht  von  vornherein  erübrigt.  Gemäss  den  Ausführungen  in  der  Replik  sollen  auch  drei  Personen  aus  dem  gemeinsamen  Bekanntenkreis  bestätigen,  dass  die  Ehe  der  Beschwerdeführerin  im  Jahre  2004  ungetrübt  gewesen  sei.  Ein  befreundetes  Ehepaar  habe mit  ihr  und  dem Ex­Gatten  im  Sommer  im  Sommer  2004  kurz  vor  der  erleichterten  Einbürgerung  in  Italien  sogar  noch unbeschwerte Ferien verbracht.  Äusserungen  oder  Referenzschreiben  von  Bezugspersonen –  erfahrungsgemäss  zumeist  wohlwollend  formuliert  –  beschränken  sich  naturgemäss auf die Wahrnehmung eines äusseren Erscheinungsbildes.  Die  entscheidende  Frage  nach  einer  auch  im  Wesenskern  gelebten  Partnerschaft  vermögen  sie  nicht  zu  beantworten,  handelt  es  sich  doch  um  einen  Bereich,  der  allein  das  Innenleben  beider  Ehegatten  berührt  und Drittpersonen kaum zugänglich sein dürfte (zum Ganzen vgl. Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­7410/2008  vom  25. Januar  2011  E.  9.3.1 mit Hinweisen oder C­3706/2009 vom 4. Januar 2011 E. 7.2). Dass  Letztere  als  Zeugen  neue  Erkenntnisse  vermitteln  könnten,  kann  angesichts  dessen  ebenfalls  nicht  erwartet  werden.  Es  ist  mithin  nicht  davon  auszugehen,  dass  die  Schilderungen  jener  Personen  über  das  bereits  Bekannte  (siehe  E.  8  ff.  hiernach)  hinausgehen  und  geeignet  wären,  ein  anderes  Licht  auf  die  Ehe  zu  werfen.  Von  den  beantragten  Einvernahmen  oder  Stellungnahmen  kann  somit  in  antizipierter  Beweiswürdigung  ohne  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  abgesehen  werden (BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236 f. mit Hinweisen).

C­5819/2009 4.  4.1. Gemäss Art. 27 Abs. 1 BüG kann eine ausländische Person nach der  Eheschliessung mit einem Schweizer Bürger ein Gesuch um erleichterte  Einbürgerung  stellen,  wenn  sie  insgesamt  fünf  Jahre  in  der  Schweiz  gewohnt  hat  (Bst.  a),  seit  einem  Jahr  hier  wohnt  (Bst.  b)  und  seit  drei  Jahren in ehelicher Gemeinschaft mit dem Schweizer Bürger lebt (Bst. c).  Die Einbürgerung setzt gemäss Art. 26 Abs. 1 BüG zudem voraus, dass  die  ausländische  Person  in  die  schweizerischen  Verhältnisse  eingegliedert  ist  (Bst.  a),  die  schweizerische  Rechtsordnung  beachtet  (Bst.  b)  und  die  innere  oder  äussere  Sicherheit  der  Schweiz  nicht  gefährdet  (Bst.  c).  Sämtliche  Einbürgerungsvoraussetzungen  müssen  sowohl  im  Zeitpunkt  der  Gesuchseinreichung  als  auch  anlässlich  der  Einbürgerungsverfügung erfüllt  sein. Fehlt es  insbesondere  im Zeitpunkt  des  Einbürgerungsentscheids  an  der  ehelichen  Gemeinschaft,  darf  die  erleichterte Einbürgerung nicht ausgesprochen werden  (BGE 135  II 161  E. 2 S. 164  f., BGE 130  II 482 E. 2 S. 483  f., BGE 129  II 401 E. 2.2 S.  403). 4.2.  Der  Begriff  der  ehelichen  Gemeinschaft  im  Sinne  des  Bürgerrechtsgesetzes bedeutet mehr als nur das formelle Bestehen einer  Ehe.  Verlangt  wird  vielmehr  eine  tatsächliche  Lebensgemeinschaft,  getragen vom Willen, die Ehe auch künftig aufrecht zu erhalten (BGE 135  II  161  E.  2  S.  164  f.,  BGE  130  ll  482  E.  2  S.  483  f.,  BGE  130  ll  169  E. 2.3.1 S. 171 f., BGE 128 ll 97 E. 3a S. 98 f., BGE 121 ll 49 E. 2b S. 51  f.). Mit  Art.  27  BüG wollte  der Gesetzgeber  ausländischen  Ehepartnern  von  Schweizer  Bürgern  die  erleichterte  Einbürgerung  ermöglichen,  um  die  Einheit  des  Bürgerrechts  der  Ehegatten  im  Hinblick  auf  eine  gemeinsame  Zukunft  zu  fördern  (vgl.  Botschaft  des  Bundesrats  zur  Änderung des Bürgerrechtsgesetzes vom 26. August 1987, BBl 1987  III  310).  Zweifel  am  Willen  der  Ehegatten,  die  eheliche  Gemeinschaft  aufrecht  zu  erhalten  bzw.  eine  tatsächliche  Lebensgemeinschaft  weiterzuführen,  sind  beispielsweise  angebracht,  wenn  kurze  Zeit  nach  der  erleichterten Einbürgerung die Trennung erfolgt  oder  die Scheidung  eingeleitet wird  (BGE 135  II 161 E. 2 S. 164  f., BGE 130  II 482 E. 2 S.  483 f.). 4.3. Die erleichterte Einbürgerung kann mit Zustimmung der Behörde des  Heimatkantons  innert  der  vom  Gesetz  vorgesehenen  Frist  für  nichtig  erklärt  werden,  wenn  sie  durch  falsche  Angaben  oder  Verheimlichung  erheblicher  Tatsachen  erschlichen,  d.h.  mit  einem  unlauteren  und  täuschenden Verhalten erwirkt worden ist (vgl. die revidierte Bestimmung 

C­5819/2009 von Art. 41 Abs. 1 und 1bis BüG in der Fassung vom 25. September 2009,  in Kraft seit 1. März 2011  [AS 2011 347] bzw. aArt. 41 Abs. 1 BüG [AS  1952  1087],  gültig  bis  28.  Februar  2011).  Arglist  im  Sinne  des  strafrechtlichen Betrugstatbestandes wird nicht verlangt. Es genügt, wenn  der  Betroffene  bewusst  falsche  Angaben  macht  bzw.  die  Behörde  bewusst  in  einem  falschen Glauben  lässt  und  so  den  Vorwurf  auf  sich  zieht,  es  unterlassen  zu  haben,  die  Behörde  über  eine  erhebliche  Tatsache zu informieren (vgl. BGE 135 II 161 E. 2 S. 164 f., BGE 132 II  113 E. 3.1 S. 114 f. und BGE 130 II 482 E. 2 S. 483 f., je mit Hinweisen).  Weiss  der  Betroffene,  dass  die  Voraussetzungen  für  die  erleichterte  Einbürgerung  auch  im  Zeitpunkt  der  Verfügung  vorliegen  müssen,  so  muss er die Behörden unaufgefordert über eine nachträgliche Änderung  der Verhältnisse orientieren, von der er weiss oder wissen muss, dass sie  einer Einbürgerung entgegensteht. Die Pflicht dazu ergibt  sich aus dem  Grundsatz  von  Treu  und  Glauben  und  aus  der  verfahrensrechtlichen  Mitwirkungspflicht gemäss Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG. Die Behörde darf  sich ihrerseits darauf verlassen, dass die vormals erteilten Auskünfte bei  passivem  Verhalten  des  Gesuchstellers  nach  wie  vor  der  Wirklichkeit  entsprechen (vgl. BGE 132 II 113 E. 3.2 S. 115 f.). 5.  5.1. Das  Verfahren  zur  Nichtigerklärung  der  erleichterten  Einbürgerung  richtet sich nach den Bestimmungen des Verwaltungsverfahrensgesetzes  (vgl. Art. 1 Abs. 1 und Abs. 2 Bst. a VwVG). Danach obliegt es gemäss  Art.  12  VwVG  der  Behörde,  den  Sachverhalt  von  Amtes  wegen  abzuklären.  Sie  hat  zu  untersuchen,  ob  der  betroffenen  Person  die  Täuschung über  eine Einbürgerungsvoraussetzung  vorgeworfen werden  kann,  wozu  insbesondere  ein  beidseitig  intakter  und  gelebter  Ehewille  gehört.  Da  die  Nichtigerklärung  in  die  Rechte  der  betroffenen  Person  eingreift,  liegt die Beweislast  bei  der Behörde. Allerdings geht es  in der  Regel um innere, dem Kern der Privatsphäre zugehörende Sachverhalte,  die  der  Behörde  nicht  bekannt  und  einem  Beweis  naturgemäss  kaum  zugänglich  sind.  Sie  kann  sich  daher  veranlasst  sehen,  von  bekannten  Tatsachen  (Vermutungsbasis)  auf  unbekannte  (Vermutungsfolge)  zu  schliessen.  Solche  sogenannt  natürlichen  bzw.  tatsächlichen  Vermutungen  können  sich  in  allen  Bereichen  der  Rechtsanwendung  ergeben,  namentlich  auch  im  öffentlichen  Recht.  Es  handelt  sich  um  Wahrscheinlichkeitsfolgerungen,  die  auf  Grund  der  Lebenserfahrung  gezogen  werden.  Die  betroffene  Person  ist  verpflichtet,  bei  der  Sachverhaltsabklärung mitzuwirken (vgl. BGE 135 II 161 E. 3 S. 165 f. mit  Hinweisen).

C­5819/2009 5.2. Die  natürliche  Vermutung  gehört  zur  freien  Beweiswürdigung  (vgl.  Art. 19 VwVG i.V.m. Art. 40 des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947  über  den  Bundeszivilprozess  [BZP,  SR  273]).  Sie  stellt  eine  Beweislasterleichterung  dar,  indem  eine  bereits  vorhandene,  aber  nicht  mit  letzter  Schlüssigkeit  mögliche  Beweisführung  unterstützt  wird.  Eine  Umkehrung  der Beweislast  hat  sie  jedoch  nicht  zur  Folge. Wenn  daher  bestimmte Tatsachen – beispielsweise die Chronologie der Ereignisse –  die natürliche Vermutung begründen, dass die erleichterte Einbürgerung  erschlichen wurde, muss die betroffene Person nicht den Beweis für das  Gegenteil erbringen. Es genügt, wenn sie einen Grund anführt, der es als  wahrscheinlich  erscheinen  lässt,  dass  sie  die  Behörde  nicht  getäuscht  hat. Bei diesem Grund kann es sich um ein ausserordentliches Ereignis  handeln, das zum raschen Scheitern der Ehe führte, oder die betroffene  Person kann plausibel darlegen, weshalb sie die Schwere der ehelichen  Probleme  nicht  erkannt  hat  und  den  wirklichen  Willen  hatte,  mit  dem  Schweizer  Ehepartner  auch  weiterhin  in  einer  stabilen  ehelichen  Gemeinschaft zu leben (vgl. BGE 135 II 161 E. 3 S. 165 f. mit Hinweisen). 6.  6.1.  Gemäss  der  hier  anwendbaren,  bis  zum  28.  Februar  2011  gültig  gewesenen  ursprünglichen  Fassung  von  Art.  41  Abs.  1  BüG  (vgl.  AS  1952  1087)  kann  die  Einbürgerung  vom  BFM  mit  Zustimmung  der  Behörde  des  Heimatkantons  innerhalb  von  fünf  Jahren  nichtig  erklärt  werden,  wenn  sie  durch  falsche  Angaben  oder  Verheimlichung  erheblicher Tatsachen erschlichen worden ist. 6.2.  Die  formellen  Voraussetzungen  für  eine  Nichtigerklärung  sind  vorliegend  erfüllt:  Der  Kanton  Thurgau  hat  die  Zustimmung  zur  Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung am 6. August 2009 erteilt  und  die  Nichtigerklärung  ist  von  der  zuständigen  Instanz  innerhalb  der  gesetzlichen  Frist  ergangen  (vgl.  dazu  Urteil  des  Bundesgerichts  1C_255/2011 vom 27. September 2011 E. 2.1.3 mit Hinweisen). 7.  7.1. Die  Vorinstanz  stellt  sich  in  der  angefochtenen  Verfügung  auf  den  Standpunkt,  dass  die  Beschwerdeführerin  die  erleichterte  Einbürgerung  durch  falsche Angaben bzw. das Verheimlichen wesentlicher Tatsachen  erschlichen  habe.  Sie  schliesst  dies  vorab  aus  dem Umstand,  dass  ab  Gewährung der erleichterten Einbürgerung und bis zur Einreichung eines  gemeinsamen  Scheidungsbegehrens  (6. September  2005)  nur  ungefähr  ein Jahr und bis zur Rechtskraft des Scheidungsurteils (10. Januar 2006) 

C­5819/2009 rund ein Jahr und vier Monate verstrichen seien. Bereits am 5. Mai 2006,  lediglich vier Monate nach der  rechtskräftigen Scheidung, habe sich die  Beschwerdeführerin mit einem Mann aus ihrem Herkunftsland verheiratet.  Dieser  zeitliche  Ereignisablauf  begründe  die  tatsächliche  Vermutung  dafür,  dass  im  Zeitpunkt  der  erleichterten  Einbürgerung  kein  beidseitig  intakter,  auf  die Zukunft  gerichteter Ehewille mehr bestanden habe. Die  von  der  Beschwerdeführerin  vorgebrachten,  als  unvorhersehbare  und  überraschend eingetretene Ereignisse  dargestellten Gründe  vermöchten  das  Bundesamt  nicht  zu  überzeugen.  Hätten  zwischen  den  Ehegatten  bezüglich  dem  Kinderwunsch  seit  je  her  unterschiedliche  Auffassungen  grundsätzlicher  Natur  bestanden,  so  sei  nicht  ersichtlich,  weshalb  die  Betroffene  vorerst  an  einen  Meinungsumschwung  auf  Seiten  des  Ehemannes  geglaubt  habe,  nach  der  erleichterten  Einbürgerung  dann  jedoch nicht mehr. Nicht anders verhalte es sich mit den Differenzen  im  Zusammenhang  mit  dem  Finanzgebaren  bzw.  dem  Lebensstil  des  geschiedenen  Ehemannes.  So  habe  die  Beschwerdeführerin  während  sechseinhalb  Ehejahren,  bis  zur  Trennung,  an  diesem  Lebensstil,  der  jährlich  (u.a.)  mehrere  Ferienreisen  ins  Ausland  mitumfasst  habe,  voll  partizipiert  und  darüber  hinaus  alleine  Reisen  nach  Brasilien  unternommen.  Es  werde  nicht  nachvollziehbar,  warum  sie  diesen  Lebensstil  nach  erfolgter  Einbürgerung  plötzlich  zum  Anlass  für  die  Auflösung  der  ehelichen  Gemeinschaft  genommen  habe.  Mit  Blick  auf  das  Verhältnis  zur  Schwiegermutter  werde  sodann  behauptet,  Letztere  habe die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Herkunft abgelehnt. Schenke  man  dieser  Darstellung  Glauben,  müsse  die  Beziehung  zwischen  den  beiden  Frauen  aber  seit  Anbeginn  der  Ehe  problematisch  und  angespannt  gewesen  sein.  Es  erscheine  daher  unglaubhaft,  dass  eine  solche  Situation  in  den  wenigen  Monaten  zwischen  erleichterter  Einbürgerung  und  Trennung  den  weiteren  Bestand  der  Ehe  in  Frage  gestellt  habe.  Schliesslich  seien  keine  Versuche  unternommen worden,  um die angeblich um den Jahreswechsel 2004/05 erstmals aufgetretenen  ehelichen Schwierigkeiten zu überwinden und die Ehe zu retten. Vielmehr  entstehe der Eindruck, die Beschwerdeführerin habe damals unbeirrt die  Auflösung  der  ehelichen  Gemeinschaft  angestrebt  und  sie  mit  der  raschen  zeitlichen  Abfolge  von  Trennung,  Scheidung  und  Wiederverheiratung  umgesetzt.  Es  sei  ihr  daher  nicht  gelungen,  die  tatsächliche Vermutung umzustossen. 7.2.  Die  Parteivertreterin  hält  in  der  Rechtsmitteleingabe  vom  14. September  2009  dagegen,  zum  Zeitpunkt  der  Unterzeichnung  der  gemeinsamen  Erklärung  am  7. Juni  2004  habe  nicht  nur  beim  Ex­

C­5819/2009 Ehemann  sondern  auch  auf  Seiten  der  Beschwerdeführerin  ein  uneingeschränkter  Ehewille  bestanden. Die Parteien  seien  damals  rund  fünfeinhalb  Jahre  verheiratet  gewesen  und  alles  sei  rund  gelaufen.  Die  Zukunft  habe  vor  ihnen  gelegen  und  nicht  erfüllte  Wünsche  und  Erwartungen hätten die Bedeutung von "das kommt noch, wir haben noch  Zeit" gehabt. Schatten seien möglicherweise bereits vorhanden gewesen,  jedoch  nicht  als  solche  wahrgenommen  worden.  Was  die  Kinderfrage  anbelange,  so  habe  die  Beschwerdeführerin  gehofft,  der  Kinderwunsch  würde  sich  mit  der  Zeit  auch  bei  ihrem  Gatten  einstellen.  Dieser  wiederum  habe  die  Bedeutung,  welche  die  Kinderfrage  für  die  Ehefrau  mit  zunehmendem  Alter  bekommen  habe,  unterschätzt.  Latent  einen  Schatten  auf  die  Ehe  geworfen  habe  ferner  die  Tatsache,  dass  die  Beschwerdeführerin, obwohl sie durch  ihre Erwerbstätigkeit massgeblich  zum Familieneinkommen beigetragen habe,  nicht  in  das Finanzgebaren  des Partners einbezogen worden sei. Dies habe sie zunehmend gestört.  Hinzu  gekommen  sei  die  fehlende Wertschätzung  durch  die  dominante  Schwiegermutter.  Der  Tod  des  Schwiegervaters  im  April  2004  habe  in  dieser Hinsicht eine einschneidende Änderung nach sich gezogen, indem  sich  die  Schwiegermutter  vermehrt  in  die  Angelegenheiten  des  Ehepaares  eingemischt  habe.  Die  in  diesem  Zusammenhang  aufgetretenen Meinungsverschiedenheiten  zwischen  den  beiden  Frauen  seien massiv gewesen, wobei der Ex­Gatte nicht zur Beschwerdeführerin  gestanden  sei.  Anlässlich  gemeinsamer  Ferien  in  Brasilien  im  Januar  2005  sei  die  Situation  dann  eskaliert.  In  diese  Phase  der  ersten  Ernüchterung und Verunsicherung sei die schicksalshafte Begegnung mit  einem gleichaltrigen Landsmann gefallen. Die Beschwerdeführerin  habe  daraufhin  so  rasch  wie  möglich  reinen  Tisch  machen  wollen  und  die  Trennung gewünscht. Derartige Geschehensabläufe seien indessen nicht  ungewöhnlich  und  für  die  Betroffenen  nicht  vorhersehbar  gewesen. Die  tatsächliche  Vermutung  der  Vorinstanz  erweise  sich  somit  als  unzutreffend  und  werde  durch  die  erwähnten  Ereignisse,  die  sich  nach  der erleichterten Einbürgerung zugetragen hätten, entkräftet. Angesichts  der  existenziellen  Folgen  der  angefochtenen  Verfügung  für  die  Beschwerdeführerin  stelle  die  Nichtigerklärung  der  erleichterten  Einbürgerung  zehn  Tage  vor  Ablauf  der  Fünfjahresfrist  überdies  einen  überspitzten Formalismus dar. 8.  8.1. Aus  den  Akten  ergibt  sich,  dass  die  ehemaligen  Eheleute  sich  im  Dezember  1996  in  Brasilien  kennengelernt  haben.  Im  Frühjahr  1998  wollen  sie  sich  gemeinsam  zur  Heirat  entschlossen  haben,  um  keine 

C­5819/2009 Fernbeziehung mehr  leben  zu müssen.  Anfangs  August  1998  gelangte  die  Beschwerdeführerin  daraufhin  in  die  Schweiz.  Nach  der  Heirat  am  30. Oktober  1998  erhielt  sie  eine  ordentliche  Aufenthaltsbewilligung.  Gestützt  auf  diese  Heirat,  das  am  24. Dezember  2003  eingereichte  Gesuch um Erteilung der erleichterten Einbürgerung und die am 7. Juni  2004  unterzeichnete  gemeinsame  Erklärung  betreffend  eheliche  Gemeinschaft  wurde  sie  am  23. August  2004  erleichtert  eingebürgert.  Trotz einzelner Unstimmigkeiten soll die Ehe damals stabil gewesen sein.  Im Verlaufe des Winters 2005 (Darstellung Beschwerdeführerin) bzw.  im  Frühling/Sommer 2005 oder Juli 2005 (Angaben des Ex­Ehemannes)  ist  die  Beschwerdeführerin  aus  der  ehelichen  Wohnung  weggezogen.  Gemäss  den  Scheidungsakten  haben  die  Parteien  beim  Bezirksgericht  C._______  am  6. September  2005  ein  gemeinsames  Scheidungsbegehren  eingereicht,  das  am  7. Dezember  2005  zur  Scheidung  führte  (in  Rechtskraft  seit  10. Januar  2006).  Aktenmässig  erstellt  ist  schliesslich,  dass  die  Beschwerdeführerin  am  5. Mai  2006  einen Landsmann geheiratet hat. 8.2. Bis  zur  erleichterten  Einbürgerung  der  Beschwerdeführerin  dauerte  ihre Ehe mit  dem schweizerischen Ehegatten  rund  fünf  Jahre und zehn  Monate.  Allerspätestens  zehn  Monate  danach  hat  sie  das  eheliche  Domizil  verlassen.  Bis  zur  Einreichung  des  gemeinsamen  Scheidungsbegehren verging ab Einbürgerung ungefähr ein Jahr, bis zur  rechtskräftigen Scheidung verstrichen ein Jahr und vier Monate. Lediglich  vier Monate nach der Scheidung heiratete die Beschwerdeführerin einen  Landsmann.  Diese  Chronologie  der  Ereignisse  begründet  eine  tatsächliche  Vermutung  dafür,  dass  im  massgeblichen  Zeitraum  des  Einbürgerungsverfahrens  keine  stabile,  auf  die  Zukunft  gerichtete  eheliche Gemeinschaft mehr bestanden haben kann und die erleichterte  Einbürgerung somit erschlichen worden ist (vgl. beispielsweise Urteil des  Bundesgerichts 1C_292/2008 vom 10. Juni 2009 E. 2.5). Die Vermutung  wird  durch weitere  Indizien,  auf  die  im  Folgenden  noch  einzugehen  ist,  bestärkt. 8.3. Besteht aufgrund der Ereignisabläufe die tatsächliche Vermutung, die  Einbürgerung  sei  erschlichen  worden,  obliegt  es  dem  Betroffenen,  die  Vermutung  durch  den  Gegenbeweis  bzw.  durch  erhebliche  Zweifel  umzustossen, indem Gründe bzw. Sachumstände aufgezeigt werden, die  es  als  überzeugend  oder  nachvollziehbar  erscheinen  lassen,  dass  eine  angeblich  noch  wenige  Monate  zuvor  bestehende  tatsächliche,  ungetrennte eheliche Gemeinschaft  in der Zwischenzeit dergestalt  in die 

C­5819/2009 Brüche gegangen ist, dass es zur Scheidung kam (vgl. BGE 130 II 482 E.  3.2  S.  486).  Dementsprechend  stellt  sich  die  Frage,  ob  die  von  der  Beschwerdeführerin  vorgebrachten  Argumente  geeignet  sind,  die  eben  umschriebene tatsächliche Vermutung umzustossen. 9.  Die  Beschwerdeführerin  bestreitet,  die  Behörden  im  massgeblichen  Zeitraum über den Zustand ihrer Ehe getäuscht zu haben. Gemäss ihrer  ersten Stellungnahme vom 22. Dezember 2006 haben zum Zeitpunkt der  gemeinsamen  Erklärung  in  bestimmten  Fragen  wohl  unterschiedliche  Meinungen vorgeherrscht, die Eheleute hätten darin jedoch keinen Grund  erblickt,  sich  zu  trennen.  Später  ist  von Schatten  die Rede,  die  damals  möglicherweise  bereits  vorhanden  gewesen,  aber  nicht  als  solche  wahrgenommen  worden  seien  (siehe  zweite  Stellungnahme  vom  3. Juli  2009  oder  Beschwerdeschrift  vom  14. September  2009),  und  in  der  Replik  wird  hierzu  erklärt,  eine  Ehe  könne  auch  mit  einzelnen  Unstimmigkeiten  stabil  sein.  Im  dargelegten  Kontext  vermögen  die  Gründe,  welche  von  der  Beschwerdeführerin  auf  Rechtsmittelebene  für  den Zerfall  der ehelichen Gemeinschaft  verantwortlich gemacht werden,  nicht zu überzeugen. 9.1.  Zur  raschen  Aufgabe  der  ehelichen  Gemeinschaft  führten  nach  Darstellung  der  Beschwerdeführerin  vorab  die  unterschiedlichen  Auffassungen  der  Eheleute  hinsichtlich  Familienplanung.  So  habe  sie  sich  immer schon gemeinsame Kinder gewünscht, eine Familie gründen  und  für diese Zukunft Geld sparen wollen.  Ihr Ex­Ehemann habe Kinder  demgegenüber  abgelehnt,  sie  habe  jedoch  gehofft,  der  Kinderwunsch  würde  sich mit  der  Zeit  auch  bei  ihm  einstellen.  Er  wiederum  habe  die  Bedeutung,  welche  die  Kinderfrage  für  die  Beschwerdeführerin  mit  zunehmenden  Alter  bekommen  habe,  unterschätzt.  Der  frühere  Gatte  äusserte  sich  in  seiner  Eingabe  vom  1. Dezember  2008  und  anlässlich  der  Anhörung  vom  6. Februar  2009  dahingehend,  die  Kinderfrage  sei  zwar  ein  Thema  gewesen,  aber  nicht  ein  Überwiegendes.  Während  seiner  Ausbildung  seien  Kinder  für  ihn  nicht  ein  vordringliches  Problem  gewesen. Ob er Nachwuchs in grundsätzlicher Weise überhaupt ernsthaft  in Betracht zog,  lässt sich aufgrund seiner Aussagen und der zeitlich zu  unbestimmten  Angaben  zur  absolvierten  Umschulung  nicht  eindeutig  beantworten,  mag  aber  offen  bleiben.  Als  entscheidend  erweist  sich  in  dieser  Hinsicht  nämlich,  dass  sich  die  Beschwerdeführerin  schon  nach  der  Heirat  Kinder  gewünscht  hat  und  die  Kinderfrage  unbestrittenermassen seit je her ein Thema gewesen ist. Die grundlegend 

C­5819/2009 unterschiedliche Einstellung der Eheleute, was gemeinsame Kinder (und  die  finanziellen Konsequenzen davon) anbelangt, kann sich mit anderen  Worten nicht erst nach der erleichterten Einbürgerung manifestiert haben.  Besagter Problematik waren sich die Eheleute vielmehr schon zu einem  früheren Zeitpunkt bewusst. Auch dass die Beschwerdeführerin noch bis  zum Frühjahr  2005  an  einen Gesinnungswandel  des  geschiedenen Ex­ Gatten  geglaubt  hat,  danach  aber  plötzlich  nicht  mehr,  erscheint  als  unplausibel.  Ebenso  wenig  lässt  sich  das  Zuspitzen  der  Kinderfrage  in  ihrem  damaligen  Alter  (29)  bereits  mit  einer  ablaufenden  "biologischen  Uhr", die einen dringenden Handlungsbedarf angezeigt hätte, erklären.  Der  Beschwerdeführerin  gelingt  es  somit  nicht,  mit  dem  unerfüllt  gebliebenen  Kinderwunsch  glaubhaft  ein  ausserordentliches  Ereignis  geltend  zu machen,  das  zum  raschen Zerfall  des Willens  zur  ehelichen  Gemeinschaft im Anschluss an die Einbürgerung geführt haben könnte. 9.2.  Als  weiterer  Grund  für  das  Scheitern  der  Ehe  werden  unterschiedliche Meinungen zum gepflegten Lebensstil angeführt. Anstatt  (beispielsweise  für  eine  Zukunft  mit  eigenem  Haus  und  Kindern)  zu  sparen,  habe  der  Ex­Gatte  das  Geld  lieber  für  Ferien  und  Autos  ausgegeben.  Eng  damit  zusammen  hängt  der  Vorwurf  an  dessen  Adresse, er habe die Beschwerdeführerin nicht in die finanziellen Belange  miteinbezogen.  Obwohl  sie  durch  ihre  regelmässige  Erwerbstätigkeit  massgeblich zum Familieneinkommen beigetragen und ihrem ehemaligen  Partner ihren Lohn anvertraut habe, habe sie weder über die finanziellen  Verhältnisse  Bescheid  gewusst,  noch  sei  sie  über  die  Zahlungsverpflichtungen  informiert  gewesen.  Dies  habe  sie  zunehmend  gestört.  In  der  Replik  wird  zudem  betont,  sie  habe  den  geschiedenen  Mann  mit  namhaften  Beiträgen  unterstützt.  Es  sei  davon  auszugehen,  dass  bei  einer  instabilen  Ehe  untereinander  keine  finanziellen  Beiträge  mehr flössen. Der  Vorinstanz  ist  beizupflichten,  dass  die  Beschwerdeführerin  an  dem  von  ihr kritisierten Lebensstil mit vielen gemeinsamen Ferienreisen  (u.a.  nach  Spanien,  Italien,  England,  Griechenland  und  mehrmals  nach  Brasilien) und dem Besitz zweier Autos (worunter anscheinend eines "von  ihr geliebten" Cabriolets) selber voll partizipiert hat. Von daher erscheint  es in der Tat nicht nachvollziehbar, warum sie diesen Lebensstil während  rund  sechs  Jahren  gleichwohl mittrug  und  akzeptierte,  ihn  danach  aber  (nebst anderen Gründen) ziemlich unvermittelt zum Anlass zur Auflösung  der Ehe genommen hat. Abgesehen davon müssen die diesbezüglichen 

C­5819/2009 Meinungsverschiedenheiten in der Gewichtung der finanziellen Prioritäten  – wie  die Kinderfrage  –  seit  längerer  Zeit  und  damit  zweifellos  vor  dem  Zeitpunkt  der  erleichterten  Einbürgerung  bestanden  haben.  Die  Ausführungen  des  Ex­Ehemannes  in  der  Stellungnahme  vom  1. Dezember  2008  zur  divergierenden  Gewichtung  materieller  Werte  während  seiner  Umschulungszeit  (2003/2004)  sprechen  für  sich.  Gleiches  gilt  mit  Blick  auf  dessen  finanzielles  Gebaren,  das  laut  Darstellung der Parteivertreterin "ebenso latent als Schatten auf der Ehe"  gelastet  habe  und  sich  über  einen  längeren  Zeitraum  hinweg  gezogen  haben  muss.  Die  Beschwerdeführerin  behauptet  denn  auch  nicht,  ihr  ehemaliger  Partner  habe  die  finanziellen  Angelegenheiten  erst  nach  erfolgter Einbürgerung in Eigenregie zu regeln begonnen.  Dass  vom  Erwerbseinkommen  der  Beschwerdeführerin  Mittel  in  den  Haushalt  flossen,  sie  mit  zusätzlichen  Beiträgen  gemeinsame  Investitionen  mitfinanzierte  und  mithalf,  Steuerschulden  zu  begleichen,  berechtigt unter den konkreten Umständen ebenfalls nicht zur Annahme,  die Ehe sei im Zeitpunkt der erleichterten Einbürgerung noch völlig stabil  gewesen.  Zum  einen  durfte  ein  solches  Engagement  im  Rahmen  der  ehelichen  Beistandspflicht  –  zumindest  während  der  beruflichen  Umorientierungsphase  des  Ex­Gatten  –  bis  zu  einem  gewissen  Grade  erwartet  werden,  zum  andern  haben  sich  die  erwähnten  Zahlungen  gemäss  den  mit  der  Replik  eingereichten  Vergütungsaufträgen  bzw.  Kontoauszügen auf die Periode von April 2002 bis Mai 2003 beschränkt.  Gegen  ein  ausserordentliches  finanzielles  Engagement  der  Beschwerdeführerin spricht überdies, dass  in der Scheidungskonvention  vom  5. Oktober  2005  von  güterrechtlichen  Ausgleichszahlungen  keine  Rede  ist.  Stattdessen  haben  sich  die  Parteien  im  üblichen Rahmen  für  güterrechtlich  auseinandergesetzt  erklärt.  In  den  vorgebrachten  Problemen  der  Lebensstils  und  der  Handhabung  der  Finanzen  können  mithin  keine  Ereignisse  erblickt  werden,  die  das  plötzliche  Zerwürfnis  einer funktionierenden ehelichen Gemeinschaft zu erklären vermöchten. 9.3. Als weitere Ursache für die Scheidung nennt die Rechtvertreterin das  problembehaftete  Verhältnis  der  Beschwerdeführerin  zur  Schwiegermutter.  Letztere  habe  ihr  gegenüber  –  einer  aus  ärmlichen  Verhältnissen  stammenden  Ausländerin  –  keine  grosse  Wertschätzung  entgegengebracht  und  sich  diesbezüglich  oft  abschätzig  geäussert. Der  Tod  des  Schwiegervaters  im  April  2004  habe  für  die  Eheleute  einschneidende  Änderungen  nach  sich  gezogen,  indem  sich  die  Schwiegermutter  zunehmend  in  die  Angelegenheiten  des  Ehepaares 

C­5819/2009 eingemischt  habe.  Als  Erschwernis  hinzugekommen  sei  in  fraglichem  Zusammenhang die stete Parteinahme des geschiedenen Ehemannes zu  Gunsten  seiner  eigenen Mutter.  Im  Januar  2005 während  einer  zu Dritt  unternommenen  Brasilienreise  sei  die  Situation  eskaliert.  Die  Auseinandersetzungen  seien  derart  heftig  gewesen,  dass  beide  Frauen  seither keinen Kontakt mehr zueinander pflegten. Die Ehe habe also kurz  nach der erleichterten Einbürgerung erste Brüche und Krisen erfahren. In  der  Wahrnehmung  des  ehemaligen  Partners  hatte  das  Verhältnis  zwischen seiner Mutter und der Ex­Ehefrau demgegenüber nichts mit der  Auflösung  der  Ehe  zu  tun.  Es  habe  zwar  kleine  Meinungsverschiedenheiten gegeben, die  jedoch nicht ausschlaggebend  gewesen seien. Es  soll  nicht  in  Abrede  gestellt  werden,  dass  Konflikte  mit  Schwiegereltern eine Ehe belasten können. Ebenso liegt in der Natur der  Sache,  dass  die  Wertungen  der  Betroffenen  hierzu  mitunter  variieren.  Nach  Darstellung  der  Beschwerdeführerin  wurde  sie  von  ihrer  Schwiegermutter allerdings wegen deren Herkunft abgelehnt, es wird also  wiederum  eine  Ursache  genannt,  die  praktisch  von  Anbeginn  der  Ehe  weg  im  Raume  stand.  Besagte  Nichtakzeptanz  hat  sich  ihr  zufolge mit  dem  Tod  des  Schwiegervaters  im  April  2004  akzentuiert.  Durch  die  verstärkte Präsenz und Einmischung der Witwe wurde das angespannte  Verhältnis  zwischen  den  beiden  Frauen  zusätzlich  belastet.  Die  Folge  davon  waren  von  der  Parteivertreterin  als  massiv  bezeichnete  Meinungsverschiedenheiten  (siehe  Stellungnahme  vom  22. Dezember  2006 und Beschwerdeschrift vom 14. September 2009). Da der Ex­Gatte  sich  hierbei  auf  die  Seite  seiner  Mutter  geschlagen  habe,  hätte  dies  häufig auch in Streit zwischen den Ehepartnern gemündet. Wohl soll die  Situation  erst  im  Januar  2005  während  dem  gemeinsamen  Brasilienurlaub  eskaliert  sein.  Dieser  Umstand  vermag  indessen  nicht  darüber  hinwegzutäuschen,  dass  es  aufgrund  der  Angaben  der  Beschwerdeführerin deswegen – wenn nicht während der ganzen Dauer  der  Ehe,  so  doch  in  den  letzten Monaten  des Einbürgerungsverfahrens  bzw.  nach  dem  innerfamiliären  Todesfall  (April  2004)  –  zu  ernsthaften  und aus  ihrer Sicht  ziemlich heftigen Auseinandersetzungen gekommen  sein  muss.  Auch  dieses  Sachverhaltselement  liefert  daher  keine  nachvollziehbare  Erklärung  für  den  plötzlichen  Zerfall  der  angeblich  im  Spätsommer 2004 noch intakten und stabilen ehelichen Gemeinschaft. 9.4.  Als  unvorhergesehenes  und  für  die  Auflösung  der  ehelichen  Gemeinschaft  einschneidendes  Ereignis  nennt  die  Rechtsvertreterin 

C­5819/2009 ferner  die  "schicksalshafte  Begegnung"  ihrer  Mandantin  mit  einem  brasilianischen Staatsangehörigen im April 2005. Die Beschwerdeführerin  habe  in  diesem Mann  ihre  grosse  Liebe  erkannt, möglichst  bald  reinen  Tisch  machen,  sich  vom  bisherigen  Partner  trennen  und  den  neu  kennengelernten  Landsmann  heiraten  wollen.  Derartige  Geschehensabläufe seien in Anbetracht der heutigen Scheidungsrealität,  noch dazu im berüchtigten siebten Ehejahr, nicht ungewöhnlich. Entgegen  ihren  Vorbringen  konnte  die  Beschwerdeführerin  auch  unter  diesem Blickwinkel nicht von einer intakten ehelichen Gemeinschaft zum  Zeitpunkt  der  gemeinsamen  Erklärung  bzw.  der  erleichterten  Einbürgerung  ausgehen.  Wie  an  anderer  Stelle  dargetan,  haben  zwischen den ehemaligen Ehegatten seit  einiger Zeit  und auf mehreren  Ebenen Differenzen bestanden. Die Bekanntschaft mit ihrem Landsmann  stellte  von  daher  lediglich  den Auslöser  für  das Aufbrechen  eines  tiefer  liegenden  Konflikts  dar.  Folglich  haben  vor  besagter  Bekanntschaft  bereits  angelegte  bzw.  dieser  vorgelagerte  Differenzen  dazu  geführt,  dass  die  Ehe  in  die  Brüche  ging  (siehe  E.  9.1  –  9.3  hiervor).  Anders  lassen  sich  der  Zeitpunkt  der  Aufnahme  einer  Beziehung  zu  einem  anderen Mann,  die  kurz darauf  erfolgte Trennung und Scheidung,  ohne  jegliche  Versuche  unternommen  haben,  die  Ehe  zu  retten  sowie  die  umgehende,  zielstrebige  Wiederverheiratung  nicht  erklären.  Auf  Beschwerdeebene  ist  zutreffend  von  einem  Prozess  der  inneren  Verabschiedung  auf  Seiten  der  Ehefrau  aufgrund  der  bisherigen  Unstimmigkeiten die Rede. Weil  das Erkennen des Scheiterns der Ehe,  der Trennungsentschluss und dessen Umsetzung nach der allgemeinen  Lebenserfahrung  einige  Zeit  brauchen, weist  all  dies  darauf  hin,  dass –  unabhängig  vom  Ehewillen  des  damaligen  Partners  –  seitens  der  Beschwerdeführerin schon vor der erleichterten Einbürgerung kein auf die  Zukunft gerichteter Ehewille mehr bestand.  Dass  der  geschiedene  Schweizer  Ehemann  die  Alarmzeichen  erst  im  Frühjahr 2005 wahrgenommen haben will, ändert daran nichts. Immerhin  tat  er  anlässlich  der  Anhörung  vom  6. Februar  2009  kund,  gewisse  Gesten  der  Ex­Ehefrau  hätten  ihm  gezeigt,  dass  sie  ihr  Leben  nach  erfolgter  Einbürgerung  nicht  weiter  mit  ihm  habe  verbringen  wollen  (Antwort zu Frage 6). In der Stellungnahme vom 1. Dezember 2008 wirft  er  sogar  die  Frage  auf,  ob  sie  nicht  alles  geplant  und  nur  den  Schweizerpass  gewollt  habe.  Unabhängig  davon  gilt  es  nochmals  klarzustellen,  dass  auf  Seiten  beider  Partner  ein  authentischer  Ehewille  im  Sinne  der  bundesgerichtlichen  Praxis  (siehe  vorangehende  E.  4.2) 

C­5819/2009 vorliegen muss,  was  nach  dem Gesagten  kaum  der  Fall  gewesen  sein  kann. Zum Einwand in der Replik, die tatsächliche Vermutung, an welcher  die  Vorinstanz  festhalte,  lasse  die  heutige  Scheidungsrate  vollends  ausser  Acht,  wäre  ergänzend  anzumerken,  dass  eine  eheliche  Gemeinschaft  im  Sinne  des  Bürgerrechtsgesetzes  sich  nicht  nach  den  Statistiken sondern der konkreten Situation beurteilt (vgl. dazu Urteile des  Bundesgerichts 1C_232/2011 vom 15. Juli 2011 E. 2.6 und 1C_220/2008  vom 19. Juni 2008 E. 5). 9.5.  Die  aufgelisteten  Indizien  (Divergenzen  wegen  Kinderwunsch,  Lebensstil  und  Finanzen,  Zerwürfnis  mit  Schwiegermutter,  Eingehen  einer  neuen  Beziehung)  lassen  somit  –  wenn  nicht  einzeln,  so  doch  in  ihrer  Gesamtheit  –  daran  zweifeln,  dass  die  Beschwerdeführerin  im  Zeitpunkt  ihrer  erleichterten  Einbürgerung  in  einer  intakten,  auf  Zukunft  ausgerichteten Ehe gelebt hat. 9.6.  Der  Auffassung  der  Parteivertreterin  schliesslich,  es  grenze  an  überspitzten  Formalismus,  wenn  die  Nichtigerklärung  der  erleichterten  Einbürgerung erst kurz vor Ablauf der Fünfjahresfrist verfügt werde, kann  nicht gefolgt werden. Sie verkennt dabei offensichtlich, dass Art. 41 Abs.  1 BüG gemäss der bis zum 28. Februar 2011 geltenden Fassung (vgl. AS  1952  1087)  der Nichtigerklärung  durch  das  Bundesamt  einen  zeitlichen  Rahmen von fünf Jahren setzt (gemäss dem heute geltenden Art 41 Abs.  1bis  BüG  sogar  acht  Jahre).  Weitere  im  Zeitablauf  gründende  Beschränkungen sind nicht  vorgesehen. Das BFM als erste  Instanz soll  damit  stets  den  vollen  zeitlichen  Handlungsspielraum  ausschöpfen  können (siehe dazu BBl 2008 1277 und BBl 2008 1289 oder Urteile des  Bundesgerichts  1C_325/2008  vom  30. September  2008  E.  3  sowie  1C_421/2008 vom 15. Dezember 2008 E. 2.3 mit Hinweisen). 10.  Der  Beschwerdeführerin  ist  es  somit  nicht  gelungen,  eine  plausible  Alternative zur dargestellten Vermutungsfolge zu präsentieren und damit  die  gegen  sie  sprechende Vermutung überzeugend  in Frage  zu  stellen,  wonach spätestens im Zeitpunkt der erleichterten Einbürgerung zwischen  ihr  und  ihrem  Schweizer  Ehemann  keine  stabile  und  auf  die  Zukunft  gerichtete  eheliche  Gemeinschaft  (mehr)  bestand.  Indem  sie  in  der  gemeinsamen  Erklärung  vom  7. Juni  2004  dennoch  den  Bestand  einer  intakten  und  stabilen  Ehe  versicherte  bzw.  spätere  Änderungen  des  Sachverhalts  nicht anzeigte, hat sie die Behörden über eine wesentliche 

C­5819/2009 Tatsache getäuscht und die erleichterte Einbürgerung  im Sinne von Art.  41 Abs. 1 BüG erschlichen. Damit sind die materiellen Voraussetzungen  für die Nichtigerklärung der  erleichterten Einbürgerung ebenfalls erfüllt. 11.  Sofern  nicht  ausdrücklich  anders  verfügt  wird,  erstreckt  sich  die  Nichtigkeit  auf  alle  Familienmitglieder,  deren Schweizer Bürgerrecht  auf  der  nichtig  erklärten  Einbürgerung  beruht  (vgl.  Art.  41  Abs.  3  BüG).  Gestützt auf die angefochtene Verfügung (Dispositiv Seite 2) ist die nach  der erleichterten Einbürgerung geborene Tochter der Beschwerdeführerin  von  der  Nichtigkeit  mit  betroffen.  Gründe,  die  es  rechtfertigen  würden,  das Kind von der Wirkung der Nichtigerklärung auszunehmen, sind keine  ersichtlich.  Insbesondere  ist nicht anzunehmen (und wurde in der Replik  auch nicht geltend gemacht), dass ihm nach dem Verlust des Schweizer  Bürgerrechts  die  Staatenlosigkeit  drohen  könnte.  Die  angefochtene  Verfügung ist auch in dieser Hinsicht nicht zu beanstanden. 12.  Aus  den  vorstehenden  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  rechtmässig  ist  (Art. 49  VwVG).  Die  Beschwerde  ist  daher  abzuweisen. 13.  Der  Beschwerdeführerin  wurde  die  unentgeltliche  Rechtspflege  samt  Rechtsverbeiständung  gewährt.  Sie  ist  deshalb  davon  befreit,  für  die  entstandenen  Verfahrenskosten  aufzukommen.  Aus  demselben  Grund  sind die notwendigen Kosten der Rechtsvertretung von der erkennenden  Behörde  zu  übernehmen.  Da  die  Parteivertreterin  keine  Kostennote  eingereicht  hat,  ist  die  Entschädigung  in  Anwendung  von  Art. 9  ff.  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) auf Fr. 1'800.­  (inkl. MwSt.) festzusetzen. Dieser Betrag ist von der Beschwerdeführerin  dem  Bundesverwaltungsgericht  zurückzuerstatten,  sollte  sie  später  zu  hinreichenden Mitteln gelangen (Art. 65 Abs. 4 VwVG). Dispositiv Seite 20

C­5819/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Für ihre anwaltlichen Bemühungen wird Rechtsanwältin Monika Paminger  Müller eine Entschädigung von Fr. 1'800.­ (inkl. MwSt.) ausgerichtet. 4.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die  Vorinstanz  (gegen  Empfangsbestätigung;  Akten  Ref­Nr.  K  405  403 [einschliesslich der Akten des Bezirksgerichts Arbon] retour) – das  Amt  für  Handelsregister  und  Zivilstandswesen  des  Kantons  Thurgau (in Kopie)  Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Antonio Imoberdorf Daniel Grimm Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG).

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