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Bundesverwaltungsgericht 11.08.2011 C-4921/2010

11. August 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,214 Wörter·~11 min·2

Zusammenfassung

Einreiseverbot | Einreiseverbot

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­4921/2010 Urteil   v om   1 1 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richterin Marianne Teuscher, Richter Jean­Daniel Dubey,    Gerichtsschreiberin Mirjam Angehrn. Parteien A._______,   vertreten durch lic. iur. Dominik Zillig, Rechtsanwalt,  Möhrlistrasse 97, Postfach 2676, 8033 Zürich, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Einreiseverbot.

C­4921/2010 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer,  geboren  1984,  ist  kosovarischer  Staatsangehöriger.  Er  weilte  bereits  mehrmals  im  Rahmen  eines  bewilligungsfreien Aufenthaltes in der Schweiz. Am 5. Juni 2010 reiste er  mit  einem  ab  19.  Mai  2010  bis  zum  18.  August  2010  gültigen  Besuchervisum wiederum in die Schweiz ein. B.  Anlässlich  einer  Polizeikontrolle  aller  Mitarbeiter  der  Firma  L._______  (deren  Gesellschafter  und  Geschäftsführer  der  Bruder  des  Beschwerdeführers  und  dessen  Ehefrau  sind),  wurde  der  Beschwerdeführer  am 8.  Juni  2010 um 7:45 Uhr mit Malerklebeband  in  der Hand  auf  einer  Leiter  angetroffen.  Anschliessend wurde  er  von  der  Kantonspolizei Zürich befragt.  C.  Mit Strafbefehl  der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland  vom 8.  Juni  2010 wurde der Beschwerdeführer  in Sachen Widerhandlung gegen das  Ausländergesetz  wegen  Ausübens  einer  nicht  bewilligten  Tätigkeit  gemäss Art. 115 Abs. 1 Bst. c des Ausländergesetzes vom 16. Dezember  2005  (AuG, SR 142.20) schuldig erklärt und zu einer Geldstrafe von 40  Tagessätzen  zu  Fr.  30.­­  und  einer  Busse  von  Fr.  300.­­  verurteilt.  Der  Vollzug  der  Geldstrafe  wurde  aufgeschoben  unter  Ansetzung  einer  Probezeit  von  zwei  Jahren.  Der  Beschwerdeführer  erhob  gegen  den  Strafbefehl Einsprache. D.  Am  9.  Juni  2010  verfügte  das  Migrationsamt  des  Kantons  Zürich  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz.  Gleichzeitig  wurde die Ausschaffungshaft angeordnet.  E.  Gestützt auf diesen Sachverhalt verfügte die Vorinstanz am 9. Juni 2010  gegenüber  dem  Beschwerdeführer  ein  dreijähriges  Einreiseverbot  und  entzog  einer  allfälligen  Beschwerde  die  aufschiebende  Wirkung.  Zur  Begründung  der  Massnahme  führte  sie  unter  Bezugnahme  auf  Art.  67  Abs. 1 Bst. a AuG (zur damaligen Fassung vgl. Amtliche Sammlung vom  27.  November  2007  [AS  2007  5457])  aus,  der  Beschwerdeführer  habe  wegen  Erwerbstätigkeit  ohne  Bewilligung  und  Verursachung  von 

C­4921/2010 Sozialhilfekosten  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  verstossen und diese gefährdet. F.  Am  12.  Juni  2010  wurde  der  Beschwerdeführer  in  sein  Heimatland  ausgeschafft. G.  Mit  Beschwerde  vom  7.  Juli  2010  an  das  Bundesverwaltungsgericht  beantragt  der  Beschwerdeführer  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung.  Gleichzeitig  ersucht  er  um  Befreiung  der  Verfahrenskosten  sowie  um  unentgeltlichen  Rechtsbeistand.  In  prozessualer  Hinsicht  beantragt  er  die  Wiederherstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde.  Zur  Begründung  führt  er  aus,  die  Vorinstanz  habe  das  Einreiseverbot  nicht  rechtsgenüglich  begründet  und  nicht  in  einer  ihm  verständlichen  Sprache  eröffnet.  Er  besuche  seinen  Bruder  nie,  um  in  dessen Geschäft  zu  arbeiten.  Dafür  sei  er  nicht  genügend  ausgebildet.  Vielmehr verbringe er  in der Schweiz seinen Urlaub. Er sei selbst  in der  Lage,  seinen  Lebensunterhalt  zu  bestreiten.  Zusammen  mit  seinem  Vater,  der  ein  Geschäft  betreibe,  führe  er  Schlosserarbeiten  aus.  Nebenbei  helfe  er  in  einem  Fitnesscenter  aus,  um  sein  Einkommen  aufzustocken. Am 8. Juni 2010 habe er die Firma L._______ zum ersten  Mal besucht. Er sei auf seinen Bruder gestossen, der dabei gewesen sei,  Abdeckungsarbeiten für die anstehenden Malerarbeiten auszuführen. Als  er  gesehen  habe,  dass  sein  Bruder  Mühe  gehabt  habe,  einen  Streifen  Abdeckungsband  präzise  anzubringen,  habe  er  ihm  geholfen,  diesen  einen  Abschnitt  Klebeband  gerade  anzukleben.  In  diesem  Augenblick  seien  Polizisten  in  den  Raum  gestürmt.  Er  habe  das  Klebeband  aus  reiner  Gefälligkeit  angebracht  und  habe  weder  arbeiten  noch  Geld  verdienen  wollen.  Gegen  den  Strafbefehl  sei  fristgerecht  Einsprache  erhoben  worden;  daher  habe  die  Vorinstanz  mit  der  Anordnung  des  Einreiseverbots gegen die Unschuldsvermutung verstossen. Selbst wenn  er  schuldig  gesprochen werden  sollte, wäre nicht  erwiesen,  dass er  die  öffentliche  Sicherheit  gefährdet  habe.  Auch  habe  die  Vorinstanz  in  diesem  Fall  das  Ermessen  nicht  pflichtgemäss  und  sachgerecht  ausgeübt. Der Beschwerdeführer beantragt zudem als Beweisofferte die Befragung  von drei Zeugen.

C­4921/2010 H. Das  Bundesverwaltungsgericht  lehnte  mit  Zwischenverfügung  vom         22.  Juli  2010  den  Antrag  auf  Wiederherstellung  der  aufschiebenden  Wirkung ab. I. Am 18. August 2010 sistierte die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland  das Strafverfahren gegen den Beschwerdeführer. J. Die  Vorinstanz  schliesst  in  ihrer  Vernehmlassung  vom  16.  September  2010 auf Abweisung der Beschwerde. K. Replikweise hält der Beschwerdeführer am 27. Oktober 2010 an seinem  Rechtsmittel  fest  und  verweist  auf  die  beigelegte  Einstellungsverfügung  der  Staatsanwaltschaft  Winterthur/Unterland  vom  6.  Oktober  2010  im  Strafverfahren seiner Schwägerin wegen Beschäftigens eines Ausländers  ohne Bewilligung. Weiter bringt er vor, er hätte nicht  in Haft genommen  werden  müssen,  denn  er  wäre  viel  lieber  auf  eigene  Kosten  aus  der  Schweiz ausgereist.  L.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird  –  soweit  rechtserheblich  –  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1  Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden  gegen  Verfügungen  im  Sinne  von  Art.  5  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom 20. Dezember  1968  (VwVG, SR  172.021),  sofern  keine  Ausnahme  nach  Art.  32  VGG  vorliegt.  Als  Vorinstanzen  gelten  die  in  Art.  33  VGG  genannten  Behörden.  Dazu  gehört auch das BFM, das mit der Anordnung eines Einreiseverbotes  eine  Verfügung  im  erwähnten  Sinne  und  daher  ein  zulässiges  Anfechtungsobjekt  erlassen  hat.  Eine  Ausnahme  nach  Art.  32  VGG  liegt nicht vor.

C­4921/2010 1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet  sich  nach  dem  VwVG,  soweit  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.3  Der  Beschwerdeführer  ist  als  Verfügungsbetroffener  legitimiert  (Art. 48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 49 ff. VwVG). 1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet endgültig (vgl. Art. 83 Bst.  c  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]). 2. Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  –  sofern  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich  die  Rechts­  und  Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides (vgl. E. 1.2 des Urteils des Bundesgerichts 2A.451/2002 vom  28. März 2003 teilweise publiziert in BGE 129 II 215). 3. 3.1  Hinsichtlich  der  vom  Beschwerdeführer  als  Beweismassnahme  beantragten  gerichtlichen  Befragung  von  drei  Zeugen  ist  Folgendes  festzuhalten:  Der  Behörde  kommt  grundsätzlich  die  Pflicht  zu,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  von  Amtes  wegen  zu  ermitteln  (Art.  12  VwVG).  Die  Behörden  sind  verpflichtet,  die  von  den  Parteien  angebotenen  Beweise  abzunehmen,  sofern  diese  geeignet  sind,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  zu  erhellen.  Kommt  die  Behörde  bei  pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, die Akten erlaubten  die  richtige  und  vollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts oder die behauptete Tatsache sei für die Entscheidung der  Streitsache  nicht  von  Bedeutung,  kann  sie  auf  die  Erhebung  weiterer  Beweise verzichten, ohne durch diese antizipierte Beweiswürdigung den  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  gemäss  Art.  29  Abs.  2  der 

C­4921/2010 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999 (BV, SR 101) zu verletzen (vgl. zum Ganzen BGE 136 I 229 E. 5.3  S.  236  mit  Hinweis).  Überdies  handelt  es  sich  bei  der  Zeugeneinvernahme  gemäss  Art.  14  VwVG  um  ein  subsidiäres  Beweismittel;  eine  solche  darf  –  der  besonderen  Voraussetzungen  und  Folgen wegen – nur ausnahmsweise angeordnet werden (vgl. dazu Urteil  des Bundesgerichts 1C­427/2008 vom 2. Februar 2009 E. 2.2). Bei nicht  anfechtbaren Entscheiden kann der Entscheid über die Beweisanträge im  Endurteil  erfolgen  (BERNHARD  WALDMANN/JÜRG  BICKEL,  in:  Praxiskommentar VwVG, Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Zürich 2009,  Art. 33 N 36). 3.2  Der  entscheiderhebliche  Sachverhalt  erschliesst  sich,  wie  nachfolgend zu zeigen sein wird,  in hinreichender Weise aus den Akten.  Von  der  beantragten  Zeugeneinvernehme  kann  daher  in  antizipierter  Beweiswürdigung ohne Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör  abgesehen  werden.  Das  Verwaltungsrechtspflegeverfahren  ist  sodann  vom  Grundsatz  der  Schriftlichkeit  geprägt  (siehe  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht, Lausanne/Zürich/Bern 2008, Rz. 3.85/3.86 S. 143 ff.)  und ein Anspruch auf mündliche Anhörung besteht nicht (BGE 134 I 140 E. 5.3  S.  148).  Zudem  hat  sich  der  Beschwerdeführer  zu  den  relevanten  strittigen  Fragen  wiederholt  schriftlich  äussern  können.  Dem  Antrag  auf  Zeugeneinvernahmen ist deshalb nicht stattzugeben. 4.  4.1  In  formeller  Hinsicht  rügt  der  Beschwerdeführer  vorab,  die  angefochtene  Verfügung  sei  nicht  begründet  worden.  Sie  enthalte  lediglich  den  Hinweis,  es  liege ein Verstoss und eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung  wegen  Erwerbstätigkeit  ohne  Bewilligung  vor  und  es  seien  Sozialkosten  verursacht  worden  (Art.  67  Abs.  1  Bst.  a  AuG  in  der  damaligen  Fassung).  Inwiefern  eine  Erwerbstätigkeit  ohne  Bewilligung  erfolgt  sein  soll  und  er  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  gefährdet  haben  soll,  und  aus  welchen  Gründen  Sozialhilfekosten  verursacht  sein  sollen,  ergebe  sich  nicht  aus  der  Verfügung.  4.2 Der  in  Art.  29  Abs.  2  BV  garantierte  und  in  Art.  29  ff.  VwVG  für  das  Bundesverwaltungsverfahren  konkretisierte  Grundsatz  des  rechtlichen  Gehörs  umfasst  unter  anderem  die  Pflicht  der  Behörde,  ihre  Verfügung  zu  begründen  (vgl.  Art.  35  Abs.  1  VwVG  sowie  BVGE  2010  E.  4.1.2,  S.494).  Die  Begründungspflicht  der  Behörden  soll  verhindern,  dass  diese  sich  von 

C­4921/2010 unsachlichen Motiven leiten lassen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass  der Betroffene die Verfügung sachgerecht anfechten kann. Dies ist nur möglich,  wenn  sowohl  er  wie  auch  die  Rechtsmittelinstanz  sich  über  die  Tragweite  des  Entscheides ein Bild machen können.  In diesem Sinne müssen wenigstens kurz  die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde  leiten  liess und  auf welche sie ihren Entscheid stützt. Das bedeutet  indessen nicht, dass sie sich  ausdrücklich  mit  jeder  tatbeständlichen  Behauptung  und  jedem  rechtlichen  Einwand  auseinandersetzen  müsste.  Vielmehr  kann  sie  sich  auf  die  für  den  Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 136 I 184 E. 2.2.1 S.  188 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch BVGE 2010/35 E. 4.1.2 mit Hinweisen,  sowie  LORENZ  KNEUBÜHLER,  in:  Christoph  Auer/Markus  Müller/Benjamin  Schindler  [Hrsg.],  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren [VwVG], Zürich/St. Gallen 2008, Rz. 4 ff. und insb. 9 ff.  zu Art. 35 VwVG). 4.3 Hinsichtlich der Verletzung der Begründungspflicht steht fest, dass die  angefochtene  Verfügung  bloss  die  Wiedergabe  des  stichwortartig  ergänzten  Gesetzestextes  beinhaltet,  welchen  die  Vorinstanz  zur  Anwendung bringen wollte.  Im Kontext  der Ereignisse  lässt  sich  daraus  knapp  ableiten,  aus  welchen  Gründen  die  Vorinstanz  ein  dreijähriges  Einreisverbot  für  angezeigt  erachtete.  Der  angefochtenen  Verfügung  ist  hingegen  kein  konkreter  Bezug  zum  Sachverhalt  zu  entnehmen.  Aufgrund  des  Ablaufs  der  Geschehnisse  konnte  der  Beschwerdeführer  die vorinstanzliche Anordnung zwar dennoch sachgerecht anfechten.  5. 5.1  Weiter  rügt  der  Beschwerdeführer  in  formeller  Hinsicht,  das  Einreiseverbot  sei  in  krasser  Verletzung  der  verfassungsrechtlich  geschützten  Unschuldsvermutung  gemäss  Art.  32  Abs.  1  BV  erlassen  worden. 5.2 Der Beschwerdeführer  verkennt,  dass  die  in Art.  32 Abs.  1 BV und  Art.  6  Ziff.  2  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  statuierte  Unschuldsvermutung  grundsätzlich  nur  im  Strafverfahren  anwendbar  ist  (vgl.    Mark  E.  Villiger,  Handbuch  der  Europäischen  Menschenrechtskonvention,  2.  Aufl.,  Zürich  1999,  Rz.  493;  ferner  BGE  130  II  176  E.  4.3.3  S.  189  mit  Hinweisen  zum  Tatbestand  der  fremdenpolizeilichen  Ausweisung)  und  es  sich  bei  dem  vom  BFM  verfügten  Einreiseverbot  um  eine  rein  präventivpolizeiliche  Massnahme  handelt  (vgl. zu Letzterem BGE 129 IV 246 E. 3.1 S. 251 f. sowie Urteil 

C­4921/2010 des Bundesverwaltungsgerichts C­2196/2008 vom 17. März 2011 E. 6 mit  Hinweis). 5.3 Das Einreiseverbot hat ordnungsrechtlichen Charakter und soll einer  künftigen  Störung  der  öffentlichen  Sicherheit  und  Ordnung  vorbeugen,  nicht  aber  ein  bestimmtes  Verhalten  im  strafrechtlichen  Sinne  ahnden.  Strafrechtliche  und  fremdenpolizeiliche  Massnahmen  sind  nicht  nur  voneinander unabhängig, sondern bedingen sich gegenseitig auch nicht.  Sie  beruhen  vielmehr  auf  unterschiedlicher  gesetzlicher  Grundlage  und  verfolgen  verschiedene  Zielsetzungen,  so  dass  ein  Verhalten  in  massnahmerechtlicher Hinsicht  grösseres Gewicht  als  in  strafrechtlicher  Hinsicht  haben  kann  (vgl.  BGE  130  II  493  E.4.2  mit  Hinweisen).  Ein  Einreiseverbot  kann  auch  dann  ergehen,  wenn  ein  rechtskräftiges  Strafurteil  fehlt,  sei  es weil  ein  Strafverfahren  nicht  eröffnet  wurde  oder  noch  hängig  ist.  Gleiches  gilt  für  den  Fall,  dass  eine  strafrechtliche  Untersuchung  eingestellt  wird.  Die  Einstellungsverfügung  bringt  zum  Ausdruck, dass eine Strafverfolgung ­ sowohl im öffentlichen wie auch im  privaten Interesse ­ nicht fortgesetzt werden soll, weil beispielsweise eine  Verurteilung des Beschuldigten nicht zu erwarten ist (vgl. Robert Hauser /  Erhard Schweri, Schweizerisches Strafprozessrecht, 4. Aufl., Basel 1999,  § 77 Rz. 2 und § 78 Rz. 3  ff.). Sie stellt nicht einen Freispruch bzw. ein  rechtskräftiges  Strafurteil  dar,  von  welchem  die  Administrativbehörde  in  tatbeständlicher Hinsicht nicht ohne Not abweichen sollte (vgl. BGE 124 II  103  E.  1c  und  d  S.  106  f.  und  BGE  119  Ib  158  E.  3  S.  163  ff.  zum  Warnentzug im Strassenverkehrsrecht).  5.4.  Überdies  rügt  der  Beschwerdeführer,  die  angefochtene  Verfügung  sei  ihm nicht  in  einer  ihm verständlichen Sprache eröffnet worden. Den  Akten  ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer das Einreiseverbot  am  9.  Juni  2010  in  Empfang  genommen  hat.  Auf  der  Empfangsbestätigung  steht  Folgendes  geschrieben:  "mit  Übersetzungsblatt". Der Beschwerdeführer hat die Empfangsbestätigung  unterschrieben.  Daher  muss  er  vom  Einreiseverbot  in  einer  ihm  verständlichen  Sprache  Kenntnis  erhalten  haben.  Dies  genügt  zur  Wahrung  seiner  rechtlichen  Interessen.  Einen  Anspruch  auf  eine  Verfügung in seiner Muttersprache hat er hingegen nicht.  6. Wird gegen eine Person, welche nicht Angehörige eines Staates  ist, der  durch  eines  der  Schengen­Assozierungsabkommen  gebunden  ist  (vgl.  Anhang 1 Ziffer  1 AuG),  ein Einreiseverbot  nach Art.  67 AuG verhängt, 

C­4921/2010 wird  diese  Person  gestützt  auf  Art.  94  Abs.  1  und  Art.  96  des  Übereinkommens  vom  19.  Juni  1990  zur  Durchführung  des  Übereinkommens  betreffend  den  schrittweisen Abbau  der Kontrollen  an  den gemeinsamen Grenzen (Schengener Durchführungsübereinkommen  [SDÜ], Abl. L 239 vom 22. September 2000, S. 19­62) und Art. 16 Abs. 2  und  4  des  Bundesgesetzes  vom  13.  Juni  2008  über  die  polizeilichen  Informationssysteme  des  Bundes  (BPI,  SR  361)  grundsätzlich  im  Schengener  Informationssystem  ([SIS],  vgl.  dazu  Art.  92  ff.  SDÜ)  zur  Einreiseverweigerung ausgeschrieben. Eine solche Ausschreibung einer  Person  im  SIS  zur  Einreiseverweigerung  aufgrund  einer  vom  BFM  verhängten  Fernhaltemassnahme  bewirkt,  dass  ihr  die  Einreise  in  das  Hoheitsgebiet der Schengen­Mitgliedstaaten verweigert wird (vgl. Art. 13  Abs. 1 der Verordnung [EG] Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments  und des Rates  vom 15. März 2006 über  einen Gemeinschaftskodex  für  das  Überschreiten  der  Grenzen  durch  Personen  [Schengener  Grenzkodex bzw. SGK, Abl. L 105 vom 13. April 2006, S. 1­32]). 7. 7.1  Auf  den  1.  Januar  2011  trat  als  Folge  der  Weiterentwicklung  des  Schengen­Besitzstandes  eine  neue  Fassung  von  Art.  67  AuG  in  Kraft  (zum Ganzen vgl. BBl 2009 8881 und AS 2010 5925). Nach Art. 67 Abs.  1 AuG wird ein Einreiseverbot vom BFM unter Vorbehalt von Abs. 5 nun  gegenüber  weggewiesenen  Ausländerinnen  und  Ausländern  verfügt,  wenn  die  Wegweisung  nach  Art.  64d  Abs.  2  Bst.  a  –  c  AuG  sofort  vollstreckt wird (Art. 67 Abs. 1 Bst. a AuG) oder die betroffene Person der  Ausreiseverpflichtung  nicht  nachgekommen  ist  (Art.  67  Abs.  1  Bst.  b  AuG).  Es  kann  nach  Art.  67  Abs.  2  AuG  sodann  gegen  ausländische  Personen  erlassen  werden,  die  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  in  der Schweiz  oder  im Ausland  verstossen  haben oder  diese  gefährden (Art. 67 Abs. 2 Bst. a), Sozialhilfekosten verursacht haben (Art.  67  Abs.  2  Bst.  b)  oder  in  Vorbereitungs­,  Ausschaffungs­  oder  Durchsetzungshaft  genommen worden sind  (Art.  67 Abs.  2 Bst.  c). Das  Einreiseverbot wird  für eine Dauer  von höchstens  fünf  Jahren verhängt.  Es  kann  für  eine  längere  Dauer  verfügt  werden,  wenn  die  betroffene  Person  eine  schwerwiegende  Gefahr  für  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung darstellt (Art. 67 Abs. 3 AuG). Schliesslich kann die verfügende  Behörde  aus  humanitären  oder  anderen  wichtigen  Gründen  von  der  Verhängung  eines  Einreiseverbots  absehen  oder  ein  Einreiseverbot  vollständig oder vorübergehend aufheben (Art. 67 Abs. 5 AuG).

C­4921/2010 Die  bisher  bestehende  Praxis  der  Vorinstanz  bei  der  Ansetzung  von  Fernhaltemassnahmen  ist  mit  den  obgenannten  Grundsätzen  vereinbar  (vgl. BBl 2009 8896 ad Art. 67 Abs. 3 in fine). Für den Beschwerdeführer  ändert sich dadurch im Ergebnis nichts. 7.2 Wie  bereits  die  altrechtliche  Einreisesperre  (vgl.  Art.  13 Abs.  1  des  Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung  der Ausländer  [ANAG, BS 1 121])  ist das Einreiseverbot keine Sanktion  für  vergangenes  Fehlverhalten,  sondern  eine  Massnahme  zur  Abwendung künftiger Störungen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung  (siehe  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8. März  2002  [nachfolgend:  Botschaft],  BBl  2002  3709,  3813). Die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2  Bst.  a  AuG  (welcher  der  alten  Fassung  von Art.  67  Abs.  1  Bst.  a  AuG  entspricht)  bildet  den  Oberbegriff  für  die  Gesamtheit  der  polizeilichen  Schutzgüter.  Sie  umfasst  unter  anderem  die  Unverletzlichkeit  der  objektiven Rechtsordnung; deren Verletzung  ist namentlich gegeben bei  erheblichen oder wiederholten Verstössen gegen gesetzliche Vorschriften  oder  behördliche  Verfügungen  sowie  bei  Nichterfüllung  öffentlichrechtlicher  oder  privatrechtlicher  Verpflichtungen  (Botschaft,  a.a.O., 3809; vgl. auch Art. 80 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung vom  24.  Oktober  2007  über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit  [VZAE,  SR  142.201]  sowie  RAINER  J.  SCHWEIZER/PATRICK  SUTTER/NINA  WIDMER, in: Rainer J. Schweizer [Hrsg.], Sicherheits­ und Ordnungsrecht  des Bundes, SBVR Bd. III/1, Basel 2008, Teil B, Rz. 13 mit Hinweisen). 7.3  In Bezug  auf  die Verfehlungen,  derentwegen  der Beschwerdeführer  noch nicht rechtskräftig belangt worden ist, gilt zudem allgemein, dass für  die Verhängung eines Einreiseverbots kein vorsätzlicher Verstoss gegen  ausländerrechtliche Bestimmungen erforderlich  ist. Es genügt, wenn der  ausländischen  Person  eine  Sorgfaltspflichtverletzung  zugerechnet  werden  kann.  Unkenntnis  oder  Fehlinterpretation  der  Einreise­  oder  Aufenthaltsvorschriften  stellen  normalerweise  keinen  hinreichenden  Grund  für  ein  Absehen  von  einer  Fernhaltemassnahme  dar.  Jeder  Ausländerin und  jedem Ausländer obliegt, sich über bestehende Rechte  und  Pflichten  im  Zusammenhang  mit  ausländerrechtlichen  Vorschriften  ins Bild zu setzen und sich im Falle von Unklarheiten bei den zuständigen  Stellen  zu  informieren  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­ 4639/2010 vom 15. Februar 2011 E. 5.3 mit Hinweis).

C­4921/2010 8.  8.1  Sofern  sie  keiner  Erwerbstätigkeit  nachgehen,  benötigen  Ausländerinnen  und Ausländer  für  einen Aufenthalt  in  der  Schweiz  von  bis  zu  drei  Monaten  keine  Bewilligung  (Art.  10  Abs.  1  AuG).  Demgegenüber  benötigen  Ausländerinnen  und  Ausländer,  die  in  der  Schweiz  eine  Erwerbstätigkeit  ausüben  wollen,  unabhängig  von  der  Aufenthaltsdauer eine Bewilligung (Art. 11 Abs. 1 Satz 1 AuG). Art. 9 Abs.  1 VZAE hält präzisierend fest, dass Ausländerinnen und Ausländer ohne  Erwerbstätigkeit  in  der  Schweiz  für  einen  Aufenthalt  von  bis  zu  drei  Monaten  innerhalb  eines  Zeitraums  von  sechs  Monaten  nach  Einreise  keine  Bewilligung  benötigen  und  sich  nicht  anmelden  müssen  (bewilligungsfreier  Aufenthalt).  Die Einreisevoraussetzungen  nach Art.  5  AuG müssen während des gesamten bewilligungsfreien Aufenthalts erfüllt  sein (Art. 9 Abs. 2 VZAE). 8.2 Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 8. Juni 2010 sagte der  Beschwerdeführer  aus,  er  habe  den  Boden  und  auch  draussen  ein  bisschen  gereinigt  (Antwort  auf  Frage  8).  Weiter  bejahte  er  die  Frage  (18),  ob er den Raum bis Mittag  für die Malerarbeiten hätte  vorbereiten  sollen. Er fügte hinzu, er habe keine feste Arbeit und werde von seinem  Bruder unterstützt  (Antwort auf Frage 21). Die Frage  (22), dass es dem  Bruder  billiger  komme, wenn  er  hier  sei  anstatt  im Heimatland  auf  sein  Geld  zu  warten  und  ob  er  sich  schuldig  erkläre,  gegen  hiesige  Gesetzesbestimmungen  verstossen  zu  haben,  indem  er  eine  Arbeitstätigkeit  ausgeführt  habe,  welche  normalerweise  entlöhnt  werde,  beantwortete  er  dahingehend,  dass  er  sich  schuldig  erkläre.  In  der  Beschwerde  bringt  er  demgegenüber  vor,  er  habe  das  Klebeband  aus  reiner  Gefälligkeit  angebracht  und  habe  weder  arbeiten  noch  Geld  verdienen wollen. 8.3 Zunächst gilt es festzuhalten, dass in casu nicht entscheidend ist, ob  dem Beschwerdeführer von seinem Bruder und dessen Ehefrau für seine  Arbeitsleistungen  (neben  Kost  und  Logis)  allenfalls  ein  Entgelt  ausgerichtet  wurde  oder  nicht.  Denn  als  Erwerbstätigkeit  gilt  im  vorliegenden  Zusammenhang  jede  üblicherweise  gegen  Entgelt  ausgeübte  unselbstständige  oder  selbstständige  Tätigkeit,  selbst  wenn  sie  unentgeltlich  erfolgt  (Art.  11  Abs.  2  AuG).  Ohne  Belang  für  die  Qualifikation  als  (unselbstständige)  Erwerbstätigkeit  ist  unter  anderem  weiter,  ob  die  Beschäftigung  nur  stunden­  oder  tageweise  oder  vorübergehend ausgeübt wird (Art. 1a Abs. 1 VZAE).

C­4921/2010 8.4 Die  vom  Beschwerdeführer  vorgenommenen  Arbeitsleistungen  sind  damit  als  Erwerbstätigkeit  im  Sinne  von  Art.  11  Abs.  2  AuG  zu  qualifizieren,  für  welche  er  vorgängig  eine  Bewilligung  hätte  einholen  müssen. Mit der Ausübung einer nicht bewilligten Erwerbstätigkeit hat er  ausländerrechtlichen  Bestimmungen  (Art.  115  Abs.  1  Bst.  c  AuG)  zuwidergehandelt. 9. 9.1 Die Vorinstanz begründet das verhängte Einreiseverbot weiter damit,  der  Beschwerdeführer  habe  durch  die  Ausschaffung  Sozialkosten  verursacht.  Die  Botschaft  führt  hierzu  aus,  ein  Einreiseverbot  solle  insbesondere dann angeordnet werden, wenn die Gefahr bestehe, dass  bei  einer  Wiedereinreise  erneut  Sozialhilfe­  und  Rückreisekosten  entstünden  (vgl.  Botschaft,  a.a.O.,  3813).  Dies  spricht  dafür,  die  bisherige,  unter  Geltung  des  ANAG  entwickelte  Praxis  zum  Fernhaltegrund der sogenannt "vorsorglich armenrechtlichen Gründe"  im  Rahmen  des  –  in  der  erwähnten  Bestimmung  nunmehr  kodifizierten –  Fernhaltegrundes der Verursachung von Sozialhilfekosten weiterzuführen  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­1335/2009  vom  3.  Juni  2010 E. 5.2 mit Hinweis). Eine Fernhaltemassnahme kann danach gegen  mittellose  ausländische  Personen  verhängt  werden,  welche  bereits  Sozialhilfekosten  verursacht  haben,  da  in  diesen  Fällen  die  Gefahr  besteht,  dass  sie  erneut  auf  sozialhilferechtliche  Unterstützung  angewiesen  sein  könnten.  Ob  eine  solche  Gefahr  besteht,  lässt  sich  naturgemäss  nur  anhand  einer  Prognose  beurteilen,  die  sich  auf  das  bisherige Verhalten der ausländischen Person abstützt. 9.2 Dass der Beschwerdeführer in der Schweiz Sozialhilfe bezogen hätte,  ergibt  sich  nicht  aus  den  Akten.  Vielmehr wurde  er  von  seinem Bruder  unterstützt.  Unbestritten  ist  hingegen,  dass  die  Ausschaffungshaft  und  seine  Rückschaffung  Kosten  verursacht  haben.  Die  Aussage  des  Beschwerdeführers,  er  wäre  gerne  auf  eigene  Kosten  ausgereist,  ist  unbehelflich.  Es  bestand  daher  die  ernstzunehmende Gefahr,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Falle  einer  Wiedereinreise  erneut  entsprechende  Kosten  verursachen würde. Damit  ist  auch diese Voraussetzung  für  die  Verhängung eines Einreiseverbots als erfüllt zu betrachten. 10.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  in  der  Schweiz  verstossen  und  damit den Fernhaltegrund von Art.  67 Abs. 2 Bst.  a und b AuG gesetzt 

C­4921/2010 hat.  Die  Verhängung  der  Fernhaltemassnahme  erweist  sich  damit  in  grundsätzlicher Hinsicht als gerechtfertigt. 11. 11.1  Es  bleibt  zu  prüfen,  ob  die Massnahme  in  richtiger  Ausübung  des  Ermessens  ergangen  und  angemessen  ist.  Der  Grundsatz  der  Verhältnismässigkeit  steht  dabei  im  Vordergrund.  Unter  diesem  Gesichtspunkt  ist eine wertende Abwägung vorzunehmen zwischen dem  öffentlichen  Interesse  an  der  Massnahme  einerseits  und  den  von  der  Massnahme  beeinträchtigten  privaten  Interessen  des  Betroffenen  andererseits.  Die  Stellung  der  verletzten  oder  gefährdeten Rechtsgüter,  die  Besonderheiten  des  ordnungswidrigen  Verhaltens  und  die  persönlichen  Verhältnisse  des  Verfügungsbelasteten  bilden  dabei  den  Ausgangspunkt  der  Überlegungen  (vgl.  statt  vieler  Ulrich  Häfelin/Georg  Müller/Felix  Uhlmann,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  5.  Aufl.,  Zürich/Basel/Genf/St. Gallen 2006, Rz. 613 ff.). 11.2 Das Fehlverhalten des Beschwerdeführers wiegt objektiv nicht leicht.  Es  beinhaltet  die  Missachtung  ausländerrechtlicher  Normen,  denen  im  Interesse einer funktionierenden Rechtsordnung eine zentrale Bedeutung  zukommt.  11.3  Auf  der  anderen  Seite  ist  die  Gefahr  weiterer  gleichgelagerter  Zuwiderhandlungen nicht in dem Masse anzunehmen, wie zum Zeitpunkt  des  Erlasses  der  angefochtenen  Verfügung  von  der  Vorinstanz  angenommen  wurde.  Der  Beschwerdeführer  war  im  Besitze  eines  gültigen  nationalen  Reisepasses  und  eines  Schengenvisums.  Zugute  gehalten werden kann dem Beschwerdeführer zudem, dass er insgesamt  lediglich  ca.  einen  Tag  für  seinen  Bruder  gearbeitet  hat.  Schliesslich  dürfte  ihm  die  angeordnete  Massnahme  Anlass  genug  gewesen  sein,  sich fürderhin an die geltenden Vorschriften zu halten. 11.4  Eine  Abwägung  der  gegenläufigen  öffentlichen  und  privaten  Interessen führt zum Ergebnis, dass das Einreiseverbot dem Grundsatze  nach  zu  bestätigen  ist,  in  der  ausgesprochenen Dauer  von  drei  Jahren  jedoch  als  unangemessen  lang  erscheint.  Angesichts  der  konkreten  Umstände ist davon auszugehen, dass dem öffentlichen Interesse an der  Fernhaltung  des  Beschwerdeführers  mit  einem  Einreiseverbot  von  der  bisherigen Dauer hinreichend Rechnung getragen wird.

C­4921/2010 12. Aus  diesen  Erwägungen  folgt,  dass  das  auf  drei  Jahre  bemessene  Einreiseverbot Bundesrecht verletzt (vgl. Art. 49 VwVG). Die Beschwerde  ist  daher  teilweise  gutzuheissen  und  das  gegen  den  Beschwerdeführer  verhängte Einreiseverbot auf das Datum des Urteils zu befristen. 13. Soweit  der Beschwerdeführer  obsiegt,  sind  ihm  keine Verfahrenskosten  aufzuerlegen; im Übrigen sind sie ihm zu erlassen (Art. 63 Abs. 1 VwVG  sowie  Art.  6  Bst.  b  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,  SR  173.320.2]).  Ausserdem  ist  ihm  eine  Parteientschädigung  zuzusprechen, deren Höhe in Anwendung von Art. 64 VwVG sowie Art. 7  f.  VGKE  auf     Fr.  800.­  festzusetzen  ist,  wodurch  das  Gesuch  um  unentgeltliche Rechtspflege hinfällig wird.  (Dispositiv nächste Seite)

C­4921/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird  teilweise gutgeheissen und das Einreiseverbot auf  das Datum des Urteils befristet. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3.  Die  Vorinstanz  hat  dem  Beschwerdeführer  für  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 800.­ (MwSt.  und Auslagen inkl.) auszurichten. 4.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref­Nr. […] retour) – das  Migrationsamt  des  Kantons  Zürich  mit  den  Akten  ZH  […]  (in  Kopie) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Antonio Imoberdorf Mirjam Angehrn Versand:

C-4921/2010 — Bundesverwaltungsgericht 11.08.2011 C-4921/2010 — Swissrulings