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Bundesverwaltungsgericht 11.08.2011 C-4440/2008

11. August 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,430 Wörter·~17 min·2

Zusammenfassung

Krankheits- und Unfallbekämpfung | Sicherheit von technischen Einrichtungen und Geräten (Verfügung vom 27. Mai 2008)

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­4440/2008 Urteil   v om   1 1 .   Augus t   2011   Besetzung Richter Johannes Frölicher (Vorsitz), Richterin Franziska Schneider, Richter Michael Peterli,    Gerichtsschreiberin Susanne Fankhauser. Parteien X._______ AG,  vertreten durch Rechtsanwalt Paul Peyrot, Beschwerdeführerin,  gegen Suva, Rechtsabteilung, Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,  6002 Luzern,   Vorinstanz.  Gegenstand Sicherheit von technischen Einrichtungen und Geräten  (Verfügung vom 27. Mai 2008).

C­4440/2008 Sachverhalt: A.  Die  X._______  AG  mit  Sitz  in  A._______  bezweckt  gemäss  Handelsregister  insbesondere  den  Handel,  den  Kundendienst  und  die  Reparatur sowie die Montage von gleislosen Flurfördermitteln (act. 2). A.a Mit Schreiben vom 9. Juli 2007 teilte die Suva der X._______ AG mit,  sie  habe  aufgrund  einer  Arbeitsplatzkontrolle  bei  der  Firma  M­real  festgestellt,  dass  die  von  ihr  in  Verkehr  gebrachten  Elektrostapler  mit  Ballenklammer  (Typ  B._______  und  X._______  )  vermutlich  Sicherheitsmängel  aufwiesen,  weil  das Öffnen  der  Rollenklammer  auch  ohne speziell darauf zielende Bedienung möglich sei. Es sei deshalb ein  nachträgliches  Kontrollverfahren  (gemäss  Art. 6  des  Bundesgesetzes  vom  19. März  1976  über  die  Sicherheit  von  technischen  Einrichtungen  und Geräten  [AS 1977 2370, AS 1995 2766,  aufgehoben per  1. Januar  2010,  AS  2010  2573;  aSTEG]  i.V.m.  Art. 11  ff.  der  Verordnung  vom  12. Juni  1995  über  die  Sicherheit  von  technischen  Einrichtungen  und  Geräten  [AS  1995  2770,  aufgehoben  per  1. Juli  2010,  AS  2010  2583;  aSTEV]) eröffnet worden. Die X._______ AG wurde aufgefordert, bis zum  31. August 2007 die Konformitätserklärungen und technische Unterlagen  zu  den  geprüften  Elektrostaplern,  eine  allfällige  Kundenliste  sowie  eine  Stellungnahme zu den vermuteten Mängeln einzureichen (act. 27 Beilage  [B] 4). A.b  Die  X._______  AG  liess,  vertreten  durch  DZA  Dieter  Zgraggen  Arbeitssicherheit,  mit  Datum  vom  17. Dezember  2007  verschiedene  Unterlagen  –  insbesondere  Konformitätserklärungen,  Gefahrenanalysen  und Betriebsanleitungen – zu den beiden Staplern einreichen und nahm  zu  den  von  der  Suva  vermuteten  Mängeln  Stellung.  Sie  kritisierte,  das  eingeleitete  Verfahren  hinterlasse  den  Eindruck  von  unqualifiziertem  Vorgehen,  weil  die  Suva  einen  Dieselstapler  mit  einem  Elektrostapler  verwechselt,  nicht  zwischen  Rollenklammer  und  Ballenklammer  unterschieden, sich zu wenig über den Stand der Technik  informiert und  sich auf eine falsche Norm gestützt habe (act. 27 B 8). A.c  In  ihrem  Schreiben  vom  15. Februar  2008  würdigte  die  Suva  die  eingereichten  Unterlagen  und  stellte  der  X._______  AG  angesichts  der  Gefährdungen,  welche  durch  ein  unbeabsichtigtes  Betätigen  der  Bedienteile entstünden, u.a. in Aussicht, für den Dieselstapler B._______  mit  Ballenklammer  sowie  den  Elektrostapler  X._______   mit  Rollenklammern  ein  Verkaufsverbot  zu  erlassen.  Weiter  sollte  die 

C­4440/2008 X._______  AG  verpflichtet  werden,  die  bereits  in  Verkehr  gebrachten  Stapler  nachzubessern,  die  Betriebsanleitungen  zu  ergänzen  und  Konformitätserklärungen  für  die  Gesamtgeräte  zu  erstellen.  Die  bisher  aufgelaufenen Gebühren wurden mit Fr. 1'600.­ angegeben (act. 7 B 2).  A.d Mit  ihrer  Stellungnahme  vom  10. März  2008  reichte  die  X._______  AG  Konformitätserklärungen  für  die  beiden  Stapler  inkl.  ihrer  Anbaugeräte  sowie  Betriebsanleitungen  für  die  Anbaugeräte  (Ballenklammer  und  Rollenklammer)  ein.  Zur  Gefahr  eines  unbeabsichtigten  Betätigens  der  Bedienteile  führte  sie  u.a.  aus,  die  Anordnung der Bedienteile sei ergonomisch so gestaltet, dass das Risiko  einer  Verwechslung minimiert  sei.  Beim  Diesel­Gabelstapler  B._______  seien  die  Bedienhebel  zudem  mit  klaren  und  verständlichen  Symbolen  gekennzeichnet.  Da  sich  im  Gefahrenbereich  eines  Lastenabsturzes  keine Personen aufhalten dürften, würde aber auch ein unbeabsichtigtes  Lösen  der  Klammerfunktion  nicht  zu  einer  Gefährdung  von  Personen  führen (act. 27 B 10). A.e  Mit  Verfügung  vom  27. Mai  2008  erliess  die  Suva  folgende  Anordnung (act. 1 B 2):  1. Der Firma X._______ AG (A._______ ) wird verboten, Dieselstapler vom  Typ  B._______  mit  Ballenklammer  sowie  Elektrostapler  vom  Typ  X._______   mit  Rollenklammern  in  Verkehr  zu  bringen,  solange  die  Geräte  nicht mit  einem ausreichenden  technischen Schutz  (z.B.  zweite  zu  betätigende  Einrichtung)  gegen  unbeabsichtigtes  Betätigen  der  Bedienteile  ausgerüstet  und  entsprechend  überarbeitete  Betriebsanleitungen vorhanden sind. 2. Die  Firma  X._______  AG  wird  verpflichtet,  die  bereits  in  Verkehr  gebrachten  ca.  10  Elektrostapler  X._______  und  3  Dieselstapler  B._______  bis  zum  30. November  2008  im  Sinne  von  Ziff. 1  nachzubessern. 3. Die Firma X._______ AG wird verpflichtet, der Suva bis zum 31. August  2008 alle Betreiber (Kundenliste) der betroffenen Stapler zu melden. 4. Der Firma X._______ AG wird eine Gebühr im Sinne von Art. 13a STEV  auferlegt, welche sich auf Fr. 2'200.­ beläuft. B.  Gegen  diese  Verfügung  liess  die  X._______  AG,  vertreten  durch  Rechtsanwalt  Paul  Peyrot,  am  27. Juni  2008  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht  erheben  und  –  unter  Kosten­  und 

C­4440/2008 Entschädigungsfolgen  –  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  beantragen.  Eventualiter  sei  eine  angemessene  Frist  zur  Erfüllung  der  verfügten  Massnahmen  bis  zum  30. November  2009  einzuräumen.  Zur  Begründung  führte  sie  im  Wesentlichen  aus,  die  angeordneten  Massnahmen  beruhten  nicht  auf  einer  hinreichenden  gesetzlichen  Grundlage,  seien  unverhältnismässig  und  schafften  ein  unzulässiges  technisches Handelshemmnis (act. 1). Die Beschwerdeführerin rügte insbesondere, die Vorinstanz habe sich zu  Unrecht  auf  Ziff. 1.2.2  in  Anhang 1  der  Richtlinie  98/37/EG  des  Europäischen  Parlaments  und  des  Rates  vom  22. Juni  1998  zur  Angleichung der Rechts­ und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten  für Maschinen  (ABl.  L 207  vom 23. Juli  1998, S. 1  [Maschinenrichtlinie],  nachfolgend:  MRL  98/37)  und  den  Entwurf  der  Norm  „Sicherheit  von  Flurförderfahrzeugen  –  kraftbetriebene  Stapler  mit  veränderlicher  Reichweite prEN ISO 3691­1:2005“ gestützt.  Weiter  wird  geltend  gemacht,  bei  der  Benutzung  der  beiden  Stapler  bestehe keine rechtlich relevante Gefahr und es seien bereits genügende  technische  Massnahmen  zur  Gefahrenprävention  getroffen  worden.  Deshalb  sei  Ziff. 1.2.2  Anhang I  MRL  98/37,  wonach  Stellteile  so  konzipiert  oder geschützt  sein müssen, dass die beabsichtigte Wirkung,  falls sie eine Gefahr hervorrufen kann, nicht ohne absichtliches Betätigen  eintreten  kann  (6. Spiegelstrich),  nicht  anwendbar.  Das  Gefahrenpotenzial  durch  Lastabstürze  sei  gleich  wie  bei  anderen  technischen  Einrichtungen  und  Geräten  (TEG),  z.B.  bei  Hallenkranen,  Baukranen, Staplern, Schaufelbaggern, Magnetkranen, Schottkranen etc.  Bei  diesen  würde  es  genügen,  dass  sich  keine  Personen  im  Gefahrenbereich  des  Lastabsturzes  aufhalten  dürften.  Zudem  müssten  Staplerfahrer  ausgebildet  sein  und  die  einschlägigen  Vorschriften  einhalten.  Die  beanstandeten  Stapler  seien  gemäss  der  gültigen  (international  harmonisierten, vgl. Art. 4a aSTEG) Norm EN 1726­1 hergestellt worden.  Deshalb  gelte  gemäss  Art. 4b  Abs. 2  aSTEG  die  Vermutung,  dass  die  grundlegenden Sicherheits­ und Gesundheitsanforderungen erfüllt seien.  Diese Vermutung hätte durch den Nachweis einer konkreten Gefährdung  umgestossen werden müssen, was jedoch nicht erfolgt sei. Bei der von der Suva herangezogenen prEN ISO 3691­1 handle es sich  um  einen  noch  in  der  Vernehmlassung  stehenden  Entwurf  einer  Norm. 

C­4440/2008 Auch würde in Deutschland von den für die Arbeitssicherheit zuständigen  Gremien  keine  zusätzlichen  Schalter  zum  Schutz  vor  einem  unbeabsichtigten  Betätigen  der  Stellteile  verlangt.  Die  Anordnung  der  Suva  führe  dazu,  dass  Stapler  für  eine  Einfuhr  in  die  Schweiz  eine  spezielle Anpassung benötigten, was weder mit der STEV noch mit dem  Bundesgesetz  vom  6. Oktober  1995  über  die  technischen  Handelshemmnisse (THG, SR 946.51) vereinbar sei. C.  Der mit Zwischenverfügung vom 7. Juli 2008 auf Fr. 3'000.­  festgesetzte  Kostenvorschuss (act. 3) ging am 18. Juli 2008 bei der Gerichtskasse ein  (act. 5). D.  In  ihrer Vernehmlassung  vom 29. September  2008 beantragte  die Suva  die  kostenfällige  Abweisung  der  Beschwerde  (act. 7).  Zur  Begründung  führte sie u.a. aus, bei den harmonisierten europäischen Normen sei zu  berücksichtigen, dass das Verfahren  lange daure und eine Norm bereits  vor der formellen Harmonisierung den Stand der Technik wiedergebe. Bei  einer  prEN­Norm  sei  das  Norm­Projekt  bereits  soweit  fortgeschritten,  dass diese zur Ermittlung des Stands der Technik herangezogen werden  könne. Die Beschwerdeführerin habe in ihrer Stellungnahme vom 17. Dezember  2007  noch  erklärt,  die  Norm  EN  1726­1  sei  nicht  angewendet  worden.  Aber selbst wenn die Stapler nach dieser Norm hergestellt worden wären,  könnte sich die Beschwerdeführerin nicht auf die Vermutung von Art. 4b  Abs. 2  aSTEG,  dass  die  grundlegenden  Sicherheits­  und  Gesundheitsanforderungen erfüllt seien, berufen, weil die Norm EN 1726­ 1  keine  Anforderungen  in  Bezug  auf  die  Sicherheit  der  Anbaugeräte  selbst und deren Bedienung (sondern die sichere Befestigung) definiere. Der  Einsatz  von  Staplern  mit  Ballen­  oder  Rollenklammern  sei  erfahrungsgemäss mit erheblichen Unfallrisiken für die Arbeitnehmenden  verbunden.  Bei  den  beanstandeten  Staplern  seien  die  Bedienelemente  direkt  nebeneinander  angeordnet  und  sähen  gleich  aus,  weshalb  eine  Verwechslungsgefahr  bestehe.  Beim  Elektro­Gabelstapler  X._______  gehörten  zudem  die  auf  den  Hebeln  anzubringenden  Symbole  für  Bewegungen  der  Anbaugeräte  zur  Sonderausstattung.  Die  von  der  Beschwerdeführerin vorgesehenen organisatorischen Massnahmen seien  ungenügend  und  in  der  Praxis  oft  nicht  durchsetzbar,  weil  die 

C­4440/2008 Verkehrswege  der  Stapler  und  des  Betriebspersonals  nebeneinander  lägen.  Insbesondere  bei  in  horizontaler  Position  transportierten  Papierrollen  könne  der  Gefahrenbereich  –  in  welchem  sich  keine  Personen  aufhalten  dürfen  –  vielfach  gar  nicht  klar  bestimmt  werden.  Erforderlich  seien  sicherheitstechnische  Massnahmen  im  Sinne  von  Ziff. 1.2.2  Anhang I  MRL  98/37,  wonach  Stellteile  (Bedienelemente)  so  konzipiert  oder geschützt  sein müssten, dass die beabsichtigte Wirkung  nicht  ohne  absichtliches  Betätigen  eintreten  könne.  Auch  der  Norm­ Entwurf prEN  ISO 3691­1  (sowohl  in der Fassung von 2005 als auch  in  derjenigen  von  2007)  sehe  vor,  dass  zum  Lösen  einer  Last  tragenden  Klammer  eine  weitere  Betätigung  ausgeführt  werden  müsse,  um  ein  unbeabsichtigtes Lösen der Last zu verhindern. Die von der Suva angeordnete Massnahme sei nicht unverhältnismässig.  Dass  eine  sicherheitstechnische  Lösung  mit  Zustimmung  durchaus  machbar  sei,  zeige  die  Beschwerdeführerin  selbst,  da  der  Elektro­ Gabelstapler  X._______  als  Sonderausstattung  auch  mit  Joystick  ausgerüstet werden könne. Die Funktionsweise des Joysticks zum Öffnen  der Ballenklammer setze ein absichtliches Betätigen von zwei Elementen  voraus,  womit  die  Sicherheitsanforderung  gemäss  Ziff. 1.2.2  Anhang I  MRL 98/37 erfüllt sein dürfte.  E.  Die  Beschwerdeführerin  nahm mit  Replik  vom  14. Januar  2009  zu  den  Ausführungen der Vorinstanz Stellung (act. 15) und reichte am 28. Januar  2009 weitere Beweismittel ein (act. 17). Sie machte insbesondere geltend, die beanstandeten Stapler erfüllten die  harmonisierte  Norm  EN  1726­1,  weshalb  die  Vermutung  von  Art. 4b  Abs. 2  aSTEG  gelte.  Das  Heranziehen  eines  Norm­Entwurfs  wäre  allenfalls  zulässig, wenn  keine  gültige Norm  bestehen würde, was  aber  vorliegend gerade nicht der Fall sei. Der Norm­Entwurf prEN ISO 3691­1  sei  zudem  sehr  umstritten,  weshalb  nicht  ohne Weiteres  angenommen  werden dürfe, dieser wiederspiegle den anerkannten Stand der Technik.  Der  aktuelle  Entwurf  von  2008  sehe  vor,  dass  bei  neu  in  Verkehr  gebrachten  Geräten  ein  Zustimmschalter  angebracht  werden  soll.  Eine  Nachrüstung  bereits  in  Verkehr  gebrachter  Geräte  werde  aber  nicht  verlangt.  Die  von  der  Vorinstanz  erkannte Gefahr  einer  Verwechslung  der Hebel  könne jedenfalls auf den Verkehrswegen nicht bestehen, weil die Stapler 

C­4440/2008 dort  fahren  und  die  Hydraulikhebel  gar  nicht  betätigt  würden.  Zudem  dürften  Papierrollen  nicht  in  horizontaler  Position  transportiert  werden.  Dass die Zustimmschalter  durchaus machbar  seien,  treffe  nicht  zu. Der  Joystick  und  die  hydraulischen  Hebel  seien  zwei  technisch  völlig  verschiedene Systeme. F.  Mit Duplik vom 25. Februar 2009 hielt die Suva an  ihrer Beurteilung fest  und bestätigte den Antrag auf Abweisung der Beschwerde (act. 19). Die  Norm  EN  1726­1  könne  zwar  zur  Konkretisierung  der  grundlegenden  Sicherheits­  und  Gesundheitsanforderungen  herangezogen  werden,  da  die  Beschwerdeführerin  in  den  nachgereichten  Konformitätserklärungen  vom  6. März  2008  diese  als  angewendet  erklärt  habe.  Die  Vermutungswirkung von Art. 4b Abs. 2 STEG könne  jedoch nur  insoweit  Wirkung  entfalten,  als  die  grundlegenden  Sicherheits­  und  Gesundheitsanforderungen  durch  die  angewendete  Norm  auch  tatsächlich  abgedeckt  würden.  Die  Norm  EN  1726­1  behandle  nur  das  (zufällige)  Loslassen  der  Stellteile,  nicht  aber  deren  unbeabsichtigte  Betätigung.  Diesbezüglich  könne  die  Vermutungswirkung  der  Norm  EN  1726­1  nicht  zum  Tragen  kommen,  weil  diese  die  Anforderung  von  Ziff. 1.2.2 Anhang I MRL 98/37 nicht konkretisiere. In der Norm EN 1726­ 1  werde  für  weitere  Gefährdungen  ergänzend  auf  die  Sicherheitsgrundnorm  (EN  292­1:1991)  verwiesen.  Aufgrund  des  Verweises in der Norm EN 292­1 auf die Norm EN 292­2 gelte bereits die  Vorschrift, dass Stellteile so konstruiert und geschützt sein müssten, dass  Funktionen mit  gefahrbringenden  Auswirkungen  nur  durch  absichtliches  Betätigen  ausgelöst  werden  könnten.  Beim  Norm­Entwurf  prEN  ISO  3691­1  handle  es  sich  –  entgegen  den  Darstellungen  der  Beschwerdeführerin – nicht lediglich um eine Diskussionsgrundlage. G.  Mit  Verfügung  vom  6. März  2009  erklärte  der  Instruktionsrichter  den  Schriftenwechsel als abgeschlossen (act. 20). H.  Die Beschwerdeführerin präzisierte mit Eingabe vom 27. August 2010 ihr  Rechtsbegehren, da das  in der Beschwerde vom 27. Juli  2008 gestellte  Eventualbegehren durch Zeitablauf dahingefallen sei. Sie beantragte neu,  eventualiter  sei  ihr  eine  Frist  von  einem  Jahr  ab  Rechtskraft  des  Entscheids  zur  Erfüllung  der  verfügten  Massnahmen  einzuräumen. 

C­4440/2008 Zudem sei festzustellen, dass die Halter der betreffenden Fahrzeuge die  Kosten der verfügten Massnahmen zu tragen hätten (act. 21). I.  In  ihrer  Stellungnahme  vom  24. September  2010  beantragte  die  Suva,  der  Beschwerdeführerin  sei  zur  Nachbesserung  (gemäss  Ziff. 2  der  angefochtenen  Verfügung)  eine  Frist  von  maximal  6 Monaten  ab  Rechtskraft des Gerichtsurteils einzuräumen. Die Frage, wer die Kosten  der  angeordneten  Nachrüstung  zu  tragen  habe,  sei  offen  zu  lassen  (act. 23). J.  Mit  Instruktionsverfügung  vom  12. November  2010  wurde  die  Beschwerdeführerin  aufgefordert,  die  vollständigen  technischen Normen  im Sinne von Art. 4a aSTEG einzureichen. Mit gleicher Verfügung wurde  die Vorinstanz zur Einreichung der vollständigen Akten und der von ihr für  anwendbar erklärten Normen aufgefordert (act. 25). K.  Mit Datum vom 13. Dezember 2010 reichten die Beschwerdeführerin die  Norm SN EN 1726­1 und die Vorinstanz die Akten sowie die Normen SN  EN 1726­1, EN 292­1 und EN 292­2 ein (act. 26 und 27). L.  Auf entsprechende Einladung des Instruktionsrichters (act. 28) nahm das  Staatssekretariat  für  Wirtschaft  Seco  am  21. Februar  2011  als  Aufsichtsbehörde Stellung (act. 31). Mit dem Hinweis, dass eine auch für  das  Seco  verbindliche  materielle  Beurteilung  durch  die  Suva  vorliege,  beschränkte  sich  die  Aufsichtsbehörde  indessen  auf  einige  allgemeine  Ausführungen zu einzelnen Begriffen bzw. Grundsätzen des aSTEG.  M.  Am  11. März  bzw.  12. April  2011  reichte  die  Beschwerdeführerin  die  Normen EN 1726­2 und EN 12895 ein (act. 33 und 36). N.  Auf  die  weiteren  Vorbringen  der  Parteien  und  die  eingereichten  Akten  wird,  soweit  für  die  Entscheidfindung  erforderlich,  im  Rahmen  der  nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

C­4440/2008 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern keine  Ausnahme  nach  Art. 32  VGG  vorliegt.  Als  Vorinstanzen  gelten  die  in  Art. 33  genannten  Behörden.  Die  sachliche  Zuständigkeit  des  Bundesverwaltungsgerichts  zur  Beurteilung  von  Beschwerden  gegen  Verfügungen  der  Vollzugsorgane  im  Bereich  des  aSTEG  bzw.  der  Produktesicherheit  ergab  sich  bis  Ende  Juni  2010  aus  Art. 12  Abs.  2  aSTEG,  seit  dem  1. Juli  2010  aus  Art. 15  des  Bundesgesetzes  vom  12. Juni 2009 über die Produktesicherheit (PrSG, SR 930.11). Angefochten  ist  eine  Verfügung  der  Suva,  welche  gestützt  auf  das  aSTEG  erlassen  wurde.  Die  Suva  ist  ein  STEG­  bzw.  Produktesicherheits­Kontrollorgan  (Art. 11  Abs.   Bst. a  1  aSTEV,  Art. 20  Abs. 1  Bst. a  der  Verordnung  vom  19. Mai  2010  über  die  Produktesicherheit  [PrSV,  SR  930.111])  und  Vorinstanz  im  Sinne  von  Art. 33  Bst. e  VGG.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  demnach  zur  Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 2.  Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem  Verwaltungsverfahrensgesetz,  soweit  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG,  vgl.  auch  Art. 12  Abs. 1  STEG,  Art. 15 PrSG). Die  Beschwerdeführerin  ist  als  Adressatin  durch  die  angefochtene  Verfügung  ohne  Zweifel  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  oder  Änderung.  Zudem  hat  sie  am  vorinstanzlichen  Verfahren  teilgenommen.  Sie  ist  daher  zur  Beschwerdeführung  legitimiert  (vgl.  Art. 48  Abs. 1  VwVG).  Auf  die  frist­  und  formgerechte  Beschwerde  ist,  nachdem  auch  der  Kostenvorschuss  rechtzeitig bezahlt wurde, demnach einzutreten.  3.  Das  neue  PrSG  hat  per  1. Juli  2010  das  STEG  abgelöst,  weshalb  zunächst zu prüfen ist, welches Recht anwendbar ist. Vorliegend erfolgte  die Rechtsänderung erst bei Rechtshängigkeit der Beschwerde.

C­4440/2008 3.1. Gemäss  Lehre  und  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  ist  in  aller  Regel  vom  Rechtszustand  auszugehen,  wie  er  sich  im  Zeitpunkt  des  Erlasses  der  angefochtenen  Verfügung  dargestellt  hat  –  soweit  nicht  Übergangsbestimmungen  eine  andere  Regelung  vorsehen  (zu  den  allgemeinen  intertemporalrechtlichen Grundsätzen  vgl.  etwa BGE 125  II  598 mit Hinweisen). Dies gilt insbesondere dann, wenn das alte Recht für  den  Beschwerdeführenden  im  Ergebnis  milder  ist.  Im  Laufe  des  Beschwerdeverfahrens  eingetretene  Rechtsänderungen  sind  an  sich  unbeachtlich, es sei denn, zwingende Gründe sprächen  für die sofortige  Anwendung  des  neuen  Rechts  (Urteil  BVGer  C­5911/2008  vom  17. Dezember 2010 E. 6 mit Hinweisen). 3.2.  Im  Vergleich  zum  aSTEG  ist  der  Anwendungsbereich  des  PrSG  weiter  und  das  Schutzniveau  höher  (siehe  HANS­JOACHIM  HESS,  Produktesicherheitsgesetz  [PrSG],  Handkommentar,  Bern  2010,  Teil 1  Rz. 76  ff.).  Gemäss  Art. 21  Abs. 1  PrSG  dürfen  Produkte,  welche  die  Anforderungen  nach  bisherigem Recht,  jedoch  nicht  die  Anforderungen  nach neuem Recht erfüllen, noch bis zum 31. Dezember 2011 in Verkehr  gebracht  werden.  Nach  dessen  Abs. 2  müssen  Hersteller,  Importeure  oder Händler bis zum 31. Dezember 2011 die Voraussetzungen schaffen,  die  zur  Umsetzung  von  Art. 8  PrSG  (Pflichten  nach  dem  Inverkehrbringen)  notwendig  sind.  Aufgrund  dieser  Übergangsbestimmung  sind  keine  (zwingenden)  Gründe  für  eine  sofortige  Anwendung  des  neuen  Rechts  ersichtlich,  weshalb  die  vorliegende  Beschwerde  im  Lichte  der  bis  Ende  Juni  2010  gültigen  Rechtslage zu beurteilen ist. 4.  Im Folgenden werden – soweit nicht anders vermerkt – die  im Zeitpunkt  des Verfügungserlasses (Mai 2008) gültigen Normen zitiert. 4.1.  Das  aSTEG  bezweckt  zunächst  die  Sicherheit  von  technischen  Einrichtungen  und  Geräten  (TEG)  und  weiter  eine  Vermeidung  von  technischen  Handelshemmnissen,  wobei  das  schweizerische  Recht  insbesondere  auf  das  Recht  der  Europäischen  Union  (EU)  abgestimmt  werden  soll  (STEG­Kommentar  des  Staatssekretariats  für  Wirtschaft  [Seco],  Ausgabe  Januar  2004,  S. 15).  Eine  behördliche  Zulassung  von  TEG  ist  –  entsprechend  dem  "New  approach"  (vgl.  HESS,  a.a.O.,  Art. 4  Rz. 15  ff.)  –  nicht  vorgesehen,  sondern  das  System  der  nachträglichen  Kontrolle  bzw.  der  Marktkontrolle  (vgl.  Art. 6  aSTEG  i.V.m.  Art. 11  ff.  aSTEV; STEG­Kommentar, S. 13 f. und 24 ff.). 

C­4440/2008 4.1.1. TEG dürfen gemäss Art. 3 aSTEG nur in Verkehr gebracht werden,  wenn sie bei  ihrer bestimmungsgemässen und sorgfältigen Verwendung  Leben  und  Gesundheit  der  Benützer  und  Dritter  nicht  gefährden.  Sie  müssen den grundlegenden Sicherheits­ und Gesundheitsanforderungen  nach Art. 4 aSTEG entsprechen, oder, wenn keine solche Anforderungen  festgelegt  worden  sind,  nach  den  anerkannten  Regeln  der  Technik  hergestellt worden sein.  4.1.2.  Der  Bundesrat  legt  die  grundlegenden  Sicherheits­  und  Gesundheitsanforderungen  fest;  er  berücksichtigt  dabei  das  entsprechende  internationale  Recht  (Art. 4  aSTEG).  Für Maschinen  (im  Sinne  von  Art. 1  Abs. 1–3  MRL  98/37)  gelten  die  grundlegenden  Sicherheits­  und  Gesundheitsanforderungen  nach  Anhang I  MRL  98/37  (Art. 3  Abs. 1  aSTEV;  zur  Rechtslage  ab  29. Dezember  2009  vgl.  Maschinenverordnung  vom  2. April  2008  [MaschV,  SR  819.14]  sowie  Richtlinie 2006/42/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom  17. Mai 2006 über Maschinen und zur Änderung der Richtlinie 95/16/EG  [Neufassung],  ABl.  L  157  vom  9. Juni  2006,  S. 24  [nachfolgend:  MRL  2006/42]). 4.1.3. Wer  ein  TEG  in  Verkehr  bringt,  muss  nachweisen  können,  dass  dieses  den  grundlegenden  Sicherheits­  und  Gesundheitsanforderungen  entspricht  (Art. 4b  Abs. 1  aSTEG).  Werden  TEG  nach  den  vom  zuständigen Bundesamt  bezeichneten  technischen Normen  (vgl.  Art. 4a  aSTEG)  hergestellt,  so  wird  vermutet,  dass  die  grundlegenden  Sicherheits­  und  Gesundheitsanforderungen  erfüllt  sind  (Art. 4b  Abs. 2  aSTEG).  Wer  TEG,  die  den  technischen  Normen  nach  Art. 4a  nicht  entsprechen,  in  Verkehr  bringt, muss  nachweisen  können,  dass  sie  die  grundlegenden  Sicherheits­  und  Gesundheitsanforderungen  auf  andere  Weise erfüllen (Art. 4b Abs. 3 aSTEG).  4.2.  Die  Kontrolle  über  die  Einhaltung  der  Vorschriften  über  das  Inverkehrbringen  von  Maschinen  im  Sinne  von  Art. 2  Abs. 1  aSTEV  obliegt  im  betrieblichen  Bereich  der  Suva  (vgl.  Art. 11  aSTEV  in  Verbindung  mit  Art. 3  Abs. 1  Anhang  Bst. a  Ziff. 1  der  Zuständigkeitenverordnung­STEG vom 23. August 2005  [AS 2005 4257;  aufgehoben per 1. Juli 2010, AS 2010 2583]).  4.2.1. Die  Aufgaben  und  Befugnisse  der  Kontrollorgane  sind  in  Art. 13  aSTEV  geregelt.  Gemäss  Abs. 1  führen  die  Kontrollorgane  stichprobenweise  nachträgliche  Kontrollen  über  die  Einhaltung  der 

C­4440/2008 Sicherheitsvorschriften  für  TEG  durch.  Sie  verfolgen  begründete  Hinweise, wonach TEG den Vorschriften nicht entsprechen. Eine solche  nachträgliche  Kontrolle  umfasst  die  formelle  Überprüfung,  ob  die  Konformitätserklärung  (sofern  gefordert)  in  Ordnung  ist  und  die  technischen  Unterlagen  vollständig  sind,  eine  Sicht­  und  Funktionskontrolle  sowie  eine  weitere  nachträgliche  Kontrolle  des  beanstandeten  TEG  (Abs. 2).  Im  Rahmen  der  nachträglichen  Kontrolle  sind  die  Kontrollorgane  insbesondere  befugt,  die  für  den  Nachweis  der  Konformität  von  TEG  erforderlichen  Unterlagen  und  Informationen  zu  verlangen,  Muster  zu  erheben  und  Prüfungen  zu  veranlassen  sowie  während  der  üblichen  Arbeitszeit  die  Geschäftsräume  zu  betreten  (Abs. 3). Bringt der  Inverkehrbringer die verlangten Unterlagen  innerhalb  der  von  den  Kontrollorganen  festgesetzten  Frist  nicht  oder  nicht  vollständig  bei,  so  können  diese  eine  Überprüfung  verfügen.  Der  Inverkehrbringer  trägt  die  Kosten  (Abs. 4).  Die  Kontrollorgane  können  eine  Überprüfung  auch  verfügen,  wenn  aus  der  Konformitätserklärung  nach  Art. 7  nicht  hinreichend  hervorgeht,  dass  ein  TEG  den  Anforderungen  entspricht,  oder  Zweifel  bestehen,  ob  ein  TEG  mit  den  eingereichten Unterlagen übereinstimmt (Abs. 5). Ergibt die Überprüfung  nach Absatz 5, dass ein TEG den Anforderungen nicht entspricht, so trägt  der Inverkehrbringer die Kosten der Überprüfung (Abs. 6).  4.2.2. Entspricht ein TEG den Vorschriften der aSTEV nicht, so informiert  das Kontrollorgan den  Inverkehrbringer über das Ergebnis der Kontrolle  und  gibt  ihm  Gelegenheit  zur  Stellungnahme.  Hierauf  ordnet  es  gegebenenfalls  die  nötigen  Massnahmen  mit  einer  Verfügung  an  und  räumt  für  deren  Befolgung  eine  angemessene  Frist  ein.  Es  kann  insbesondere  das  weitere  Inverkehrbringen  verbieten,  den  Rückruf,  die  Beschlagnahme  oder  die  Einziehung  verfügen  sowie  die  von  ihm  getroffenen  Massnahmen  veröffentlichen  (Art. 13a  Abs. 1  aSTEV).  Für  die nachträgliche Kontrolle, bei der sich herausstellt, dass ein TEG nicht  den  Vorschriften  entspricht,  wird  dem  Inverkehrbringer  eine  Gebühr  auferlegt.  Auslagen  werden  zusätzlich  berechnet  (Art. 13a  Abs. 2  aSTEV). Die Gebühren und Auslagen  richten sich nach der Verordnung  des  EVD  über  die  Gebühren  für  technische  Einrichtungen  und  Geräte  vom 16. Juni 2006 (aGebV­STEG [AS 2006 2681; aufgehoben per 1. Juli  2010, AS 2010 2593]). 4.3.  Die  grundlegenden  Anforderungen  gemäss  Anhang 1  MRL  98/37  werden  durch  zahlreiche  international  harmonisierte  Normen  (der  europäischen  Normungsorganisation  CEN)  konkretisiert.  Die  Liste  der 

C­4440/2008 harmonisierten Normen  im Sinne  der MRL  98/37  (bzw.  seit  Ende  2009  MRL 2006/42) wird  periodisch  im Amtsblatt  der EU  (ABl.)  veröffentlicht.  Um eine weitgehende Übereinstimmung mit dem europäischen Recht zu  erreichen  (vgl.  STEG­Kommentar  S. 10  f.),  werden  diese  Normen  vom  Seco  gemäss  Art. 4a  aSTEG  als  technische  Normen  für  Maschinen  bezeichnet; Titel und Fundstelle der Normen im Sinne von Art. 4a aSTEG  werden im Bundesblatt veröffentlicht (Art. 8 aSTEG). 4.4.  Im  Bereich  der  Maschinensicherheit  wurde  eine  strukturelle  Gliederung  der  Normen  entwickelt.  Danach  werden  die  sicherheitstechnischen  Anforderungen,  die  auf  alle  Produkte  des  betrachteten  Bereichs  zutreffen,  in  Grundnormen  niedergelegt,  die  als  Typ  A­Normen  bezeichnet  werden.  Normen  des  Typs  B  enthalten  Festlegungen für eine Maschinengattung und in den Typ C­Normen sind  die  spezifischen  Festlegungen  für  bestimmte  Maschinen  oder  eine  Gruppe  vergleichbarer  Maschinen  angegeben.  Ausschliesslich  Typ  C­ Normen  können  die  Konformitätsvermutung  auslösen  (STEG­ Kommentar, S. 11).  5.  Zwischen den Verfahrensbeteiligten streitig  ist  insbesondere, ob sich die  Beschwerdeführerin  auf  die  Vermutung,  dass  die  grundlegenden  Sicherheits­  und Gesundheitsanforderungen  erfüllt  sind,  gemäss  Art. 4b  Abs. 2 aSTEG berufen kann.  5.1. Die  Konformitätsvermutung  gemäss  Art. 4b Abs. 2  aSTEG  ist  eine  Beweislastregel,  welche  die  Rechtsstellung  des  Inverkehrbringers  erheblich  verbessert.  Dieser  hat  lediglich  (aber  immerhin)  zu  belegen,  dass  das  TEG  nach  den  massgebenden  (bezeichneten)  Normen  hergestellt  wurde.  Erachtet  das  Kontrollorgan  ein  nach  den  Normen  im  Sinne  von  Art. 4a  aSTEG  hergestelltes  TEG  als  den  grundlegenden  Anforderungen  nicht  entsprechend,  obliegt  ihm  die  subjektive  und  objektive Beweislast  (vgl.  STEG­Kommentar,  S. 11, HESS,  a.a.O.,  Art. 5  Rz. 16).  5.1.1. Die Beschwerdeführerin macht geltend, die beiden beanstandeten  Stapler  seien  gemäss  der  gültigen  harmonisierten  Norm  EN  1726­1  hergestellt worden, weshalb die Konformität zu vermuten sei.  5.1.2. Demgegenüber vertritt die Suva die Ansicht, die Norm EN 1726­1  enthalte keine Anforderungen hinsichtlich Sicherheit der Anbaugeräte und 

C­4440/2008 deren  Bedienung  bzw.  keine  Konkretisierung  von  Ziff. 1.2.2  Anhang 1  MRL  98/37. Hinsichtlich  einer  unbeabsichtigten Betätigung  der Stellteile  bewirke die Norm keine Konformitätsvermutung.  5.2.  Die  Norm  EN  1726­1  (Sicherheit  von  Flurförderzeugen –  Motorkraftbetriebene  Flurförderzeuge  bis  einschliesslich  10'000 kg  Tragfähigkeit und Schlepper bis einschließlich 20'000 N Zugkraft – Teil 1:  Allgemeine  Anforderungen)  wurde  am  27. März  2001  als  technische  Norm  für  Maschinen  bezeichnet  und  mit  folgendem  Hinweis  versehen:  Die Nutzer  der Norm werden darauf  hingewiesen,  dass die Gefährdung  des  Bedienpersonals  durch  Umstürzen  des  Flurförderzeuges  von  der  Norm  nicht  erfasst  wird.  In  dieser  Hinsicht  ist  die  Einhaltung  der  Norm  nicht  mit  einer  Konformitätsvermutung  verbunden  (BBl  2001  1311,  S. 1312).  5.2.1. Die Norm EN 1726­1 ist eine Typ­C­Norm. Es ist unbestritten, dass  die  in Frage stehenden Stapler  in deren Anwendungsbereich  (vgl.  dazu  Ziff. 1 der Norm) fallen. Gemäss Ziff. 1.3 enthält die Norm die technischen  Anforderungen,  die  notwendig  sind,  um  die  speziellen  Gefährdungen  (gemäss Auflistung in Ziff. 4), die bei bestimmungsgemässer Verwendung  und Wartung von Flurförderzeugen ausgehen, zu minimieren. Die Norm  wiederhole  nicht  alle  technischen  Regeln,  die  allgemeiner  Stand  der  Technik seien; hierfür erfolgten Hinweise auf EN 292­2:1995.  5.2.2. Ziff. 4 enthält eine Liste der Gefährdungen und die entsprechenden  Anforderungen, welche definiert wurden,  um das Risiko einzuschränken  oder  die  Gefahr  in  der  jeweiligen  Situation  zu  reduzieren.  Unter  "mechanische  Gefährdungen"  werden  bspw.  Gefährdungen  durch  Quetschen  (Ziff.  4.1.1)  oder  durch  Scheren  (Ziff. 4.1.2)  aufgeführt.  Bei  den  entsprechenden  Anforderungen  wird  bei  beiden  Gefährdungskategorien  u.a.  auf  Ziff. 5.4  Stellteile  verwiesen.  Gefährdungen  durch  Stoss,  insbesondere  durch  instabile  Lasten  (Ziff. 4.1.6,  2. Spiegelstrich)  sollen  u.a.  durch  Anforderungen  an  Gabelzinken  (Ziff. 5.6.5.2),  Gabelträger  (Ziff. 5.6.6)  und  Anbaugeräte  (Ziff. 5.6.7)  vermindert werden. Zur Minderung von Gefährdungen durch  menschliches  Fehlverhalten  (Ziff. 4.8.6)  werden  Anforderungen  an  die  Kennzeichnung  (Ziff. 5.4.7),  Restgefahren  (Ziff. 7.1),  Betriebsanleitung  (Ziff. 7.2)  und  Warnsymbole  (Ziff. 7.3.3.4)  aufgeführt.  Als  weitere  Gefährdungen  werden  in  Ziff. 4.14.4  unzulängliche  Ausbildung  und  Anordnung  der  Stellteile  genannt.  Die  Abstände  der  Bedienelemente,  Verstellkräfte  und  Festigkeit  der  Stellkräfte  werden  von  der  Norm  nicht 

C­4440/2008 erfasst.  Hingegen  gelten  bspw.  für  Stellteile  manuell  angetriebener  Hubeinrichtungen  und  Stellteile  für  automatische  Funktionen  die  Anforderungen  gemäss  Ziff. 5.4.4.2  und  5.4.3.3  sowie  für  Lenkungsrückschlag  Ziff. 5.4.3.3.  In  Ziff. 4.15  werden  weitere  mechanische  Gefährdungen  aufgeführt:  Die  Gefährdung  ungeschützter  Personen  infolge  unkontrollierter  Bewegung  (Ziff. 4.15.1)  soll  durch  die  Anforderungen  an  die  Anordnung  von  Stellteilen  (Ziff. 5.4.1.1),  das  hydraulische Hubsystem (Ziff. 5.6.3.1) und das hydraulische Neigesystem  (Ziff. 5.6.3.4)  gemindert  werden.  Für  die  Gefährdung  infolge  loser  oder  herausgeschleuderter  Teile  oder  durch  Überrollen  (Verformung)  ist  die  Norm EN  1726­1  nicht  anwendbar  (Ziff. 4.15.2  f.).  Bei  den  zusätzlichen  Gefährdungen  durch  den  Hebevorgang  wird  die  Gefährdung  durch  unkontrollierte Bewegung aufgeführt (Ziff. 4.16.4). Hier sind insbesondere  die  Anforderungen  an  Stellteile  (Ziff. 5.4.2,  5.4.4  ff.)  und  Anbaugeräte  (Ziff. 5.6.7.2) zu beachten. 5.2.3.  Die  Norm  regelt  ausführlich,  für  welche  Gefährdungen  sie  Anforderungen festlegt und für welche nicht. Es kann deshalb nicht ohne  Weiteres angenommen werden, eine bestimmte Anforderung ergebe sich  unmittelbar aus der MRL oder aus EN 292­1 oder ­2 (als Typ­A­Normen). 5.3. Anforderungen an Stellteile sind sowohl  in Ziff. 1.2.2 Anhang 1 MRL  98/37 als auch in der Norm EN 1726­1 enthalten. 5.3.1. Nach Ziff. 1.2.2 Anhang 1 MRL 98/37 müssen Stellteile (­) deutlich  sichtbar und kenntlich und gegebenenfalls zweckmässig gekennzeichnet  sein; (­) so angebracht sein, dass ein sicheres, unbedenkliches, schnelles  und  eindeutiges  Betätigen  möglich  ist;  (­)  so  konzipiert  sein,  dass  das  Betätigen des Stellteils mit der  jeweiligen Steuerwirkung kohärent  ist;  (­)  ausserhalb der Gefahrenbereiche angeordnet sein, erforderlichenfalls mit  Ausnahme bestimmter Stellteile wie solcher von Notbefehlseinrichtungen  oder von Stellteilen auf Pulten zur Programmierung von Robotern; (­) so  liegen,  dass  ihr  Betätigen  nicht  zusätzliche  Gefahren  hervorruft;  (­)  so  konzipiert  oder geschützt  sein,  dass die beabsichtigte Wirkung,  falls  sie  eine  Gefahr  hervorrufen  kann,  nicht  ohne  absichtliches  Betätigen  eintreten  kann;  (­)  so  gefertigt  werden,  dass  sie  vorhersehbaren  Beanspruchungen  standhalten;  dies  gilt  insbesondere  für  Stellteile  von  Notbehelfseinrichtungen, die in hohem Mass beansprucht werden können  (Abs. 1).  Ist  ein Stellteil  für mehrere  verschiedene Wirkungen  konzipiert  und gebaut, d.h.,  ist seine Wirkung nicht eindeutig (zum Beispiel bei der  Verwendung von Tastaturen usw.), so muss die  jeweilige Steuerwirkung 

C­4440/2008 unmissverständlich  angezeigt  und  erforderlichenfalls  bestätigt  werden  (Abs. 2).  Abs. 3­6  legen  weitere  Anforderungen  (bspw.  betreffend  ergonomische Prinzipien, Anzeigevorrichtungen) fest. 5.3.2. Die Norm EN 1726­1 enthält u.a. folgende Anforderungen: Stellteile  müssen,  wenn  möglich,  in  ihrer  Betätigungsrichtung  mit  der  Funktionsrichtung  übereinstimmen  und  innerhalb  der  Fahrzeug­  und  Deichselkontur angeordnet sein (Ziff. 5.4.1.1). Die Wirkung des Stellteiles  für  die  Regelung  der  Geschwindigkeit  muss  so  erfolgen,  dass  eine  Vergrösserung  der  Betätigungswirkung  die  Fahrgeschwindigkeit  erhöht.  Beim  Loslassen  des  Stellteiles  muss  seine Wirkung  wieder  auf  neutral  zurückgehen  (Ziff. 5.4.2).  Ziff. 5.4.3  enthält  Anforderungen  an  die  Stellteile  für die Lenkung, Ziff. 5.4.4 Anforderungen für die Stellteile zum  Handhaben  der  Last.  Gemäss  Ziff. 5.4.4.1  müssen  die  Stellteile  beim  Loslassen,  auch  beim  zufälligen  Loslassen,  in  die  Neutralstellung  zurückgehen,  wobei  die  entsprechende  Lastbewegung  gestoppt  wird.  Ziff. 5.4.4.2  betrifft  Stellteile  manuell  angetriebener  Hubeinrichtungen,  welche prEN 1757­1 entsprechen müssen. 5.3.3.  EN  1726­1  nimmt  damit  verschiedene  Anforderungen  von  Ziff. 1.2.2 Anhang 1 MRL 98/37 betreffend Stellteile auf und konkretisiert  diese  für  Flurförderzeuge.  Nicht  enthalten  ist  die  Anforderung,  dass  Stellteile  so  konzipiert  oder  geschützt  sein  müssen,  dass  die  beabsichtigte Wirkung, falls sie eine Gefahr hervorrufen kann, nicht ohne  absichtliches  Betätigen  eintreten  kann  (Ziff. 1.2.2  Abs. 1,  6. Spiegelstrich).  Dies  kann  zweierlei  bedeuten:  Entweder  ist  diese  Anforderung  für Flurförderzeuge nicht wesentlich  (bspw. weil die Gefahr  nicht  erheblich  erscheint),  oder  die  Norm  entspricht  nicht  dem  Sicherheitsstandard der MRL 98/37 und weist damit eine Lücke auf. Der  Argumentation der Suva kann jedenfalls insoweit nicht gefolgt werden, als  sie  einerseits  das  Erfordernis,  ein  Schutzklauselverfahren  –  welches  anwendbar  ist,  wenn  die  Kontrollbehörde  geltend  macht,  eine  harmonisierte  Norm  entspreche  nicht  (oder  nicht  mehr)  dem  Sicherheitsstandard einer EU­Richtlinie  (vgl. STEG­Kommentar, S. 11 f.;  THOMAS  KLINDT,  GPSG­Kommentar,  München  2007,  §  4  Rz.  20) –  durchzuführen,  explizite  verneint  (vgl.  act. 19  S. 7),  andererseits  aber  geltend  macht,  die  Norm  EN  1726­1  konkretisiere  Ziff. 1.2.2  Anhang 1  MRL 98/37 nicht und bewirke insofern keine Konformitätsvermutung (vgl.  act. 19  S. 3).  Es  trifft  zwar  zu,  dass  sich  die  Konformitätsvermutung  gemäss  Art. 4b  Abs. 2  aSTEG  nur  auf  die  grundlegenden  Sicherheits­  und  Gesundheitsanforderungen  erstrecken  kann,  welche  von  der 

C­4440/2008 massgebenden Norm  tatsächlich geregelt werden  (sollen). Eine  in einer  Norm  selber  nicht  vorgesehene,  sondern  durch  Auslegung  ermittelte  Einschränkung  ihres  Wirkungsbereichs,  ist  –  im  Interesse  der  Rechtssicherheit und zur Vermeidung unterschiedlicher Anforderungen in  einzelnen Ländern – nicht nur  für einen Einzelfall  festzustellen,  sondern  hat  ein  Schutzklauselverfahren  zu  Folge.  In  diesem Zusammenhang  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  die  EU­Kommission  Normen,  welche  in  einzelnen  Bereichen  nicht  dem  Sicherheitsniveau  der  EU­Richtlinie,  welche  sie  konkretisieren,  entsprechen,  jeweils  mit  einem  entsprechenden Warnhinweis  im Amtsblatt der EU veröffentlicht und die  Mitgliedstaaten  anweist,  dies  ebenfalls  zu  tun  (vgl.  bspw.  Entscheidung  der Kommission vom 11. März 2009 betreffend Norm EN 12312­9:2005,  ABl. L 67 vom 12. März 2009, S. 85). Bis im Jahre 2009 wurde die Norm  EN  1726­1  allein  mit  dem  Hinweis,  dass  die  Gefährdung  des  Bedienpersonals  durch  Umstürzen  des  Flurförderzeugs  von  der  Norm  nicht  erfasst  werde,  im  Amtsblatt  der  EU  veröffentlicht  (vgl.  ABl. C  104  vom  8. Mai  2007,  S. 1  ff.,  S. 7;  ABl. C  74  vom  28. März  2009,  S. 1 ff.,  S. 21). 5.3.4.  Anzufügen  bleibt,  dass  das  soeben  Ausgeführte  auch  für  das  vorinstanzliche  Argument  gilt,  wonach  die  Norm  EN  1726­1  keine  Anforderungen  in  Bezug  auf  die Sicherheit  der  Anbaugeräte  selbst  und  deren  Bedienung  (sondern  lediglich  die  sichere  Befestigung)  definiere.  Gemäss Ziff. 1.4 EN 1726­1 sind integrierte Anbaugeräte Bestandteil des  Flurförderzeugs.  Anbaugeräte,  die  an  den  Gabelträger  oder  die  Gabelzinken angebracht  und durch den Benutzer  abgenommen werden  können,  sind  nicht  Bestandteil  des  Flurförderzeugs.  Es  ist  nicht  ersichtlich,  weshalb  sich  die  von  der  Vorinstanz  erkannte  Gefährdung  lediglich  bei  auswechselbaren  Anbaugeräten  verwirklichen  sollte.  Im  Übrigen spielt es – wie die Suva zu Recht anführt – keine Rolle, ob ein  Stapler mit Ballen­  oder Rollenklammer als Gesamtmaschine qualifiziert  wird,  da  die  Stellteile  zum  Stapler  (Flurförderzeug)  gehören  und  die  Anforderungen  an  Stellteile  für  alle  gemäss  bestimmungsgemässem  Gebrauch zulässigen Anbaugeräte erfüllt sein müssen (act. 19 S. 4).  5.4.  Der  Argumentation  der  Vorinstanz  kann  demnach  nicht  gefolgt  werden.  Vielmehr  ist  festzustellen,  dass  die  Norm  EN  1726­1  auch  Anforderungen an Stellteile  festlegt und somit Ziff. 1.2.2 Anhang 1 MRL  98/37  für  Flurförderzeuge  konkretisiert.  Es  gilt  daher  die  Konformitätsvermutung gemäss Art. 4b Abs. 2 aSTEG, sofern die Stapler  nach den massgebenden Normen (insbesondere EN 1726­1) hergestellt 

C­4440/2008 wurden. Bei  einer  solchen Ausgangslage  hätten  der Vorinstanz, welche  ein  Sicherheitsrisiko  erkannt  hat,  grundsätzlich  folgende  Möglichkeiten  offen  gestanden:  Erstens  hätte  sie  (gegebenenfalls)  mit  hinreichender  Begründung  feststellen  können,  dass  die  Norm  EN  1726­1  nicht  (oder  nicht mehr)  dem Sicherheitsniveau  von Ziff. 1.2.2 Anhang 1 MRL 98/37  entspricht und diesbezüglich keine Konformitätsvermutung zu begründen  vermag.  Zweitens  hätte  sie  –  sofern  EN  1726­1  keine  Schutzlücke  aufweist  –  prüfen  können  (bzw.  müssen),  ob  die  Stapler  nach  den  massgebenden Normen hergestellt wurden. Wäre dies zu bejahen, hätte  sie drittens die Konformitätsvermutung dadurch umstossen können, dass  sie eine Gefährdung aufgrund der fehlenden Zustimmeinrichtung mit dem  Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen hätte.  Nicht zulässig ist jedoch das von der Vorinstanz gewählte Vorgehen, weil  es gegen Art. 4b Abs. 2 aSTEG verstösst. 5.5. Betreffend die drei möglichen Vorgehensvarianten bleibt Folgendes  anzufügen: 5.5.1. Es  gibt  durchaus  Indizien  dafür,  dass  die Norm EN  1726­1  nicht  dem Sicherheitsniveau der MRL 98/37 entspricht. So soll die Norm durch  die  –  noch  in  der  Entwicklung  stehenden  –  prEN  ISO  3691­1  ersetzt  werden,  welche  voraussichtlich  weitergehende  Anforderungen  festlegen  wird.  Zudem  wird  EN  1726­1  von  der  Europäischen  Kommission  nicht  mehr  als  harmonisierte  Norm  im  Sinne  der  (neuen)  MRL  2006/42  aufgeführt  (vgl.  bspw. ABl. C 214 vom 8. September 2009, S. 1, ABl. C  110  vom  8. April  2011,  S. 1).  Für  die  Annahme  einer  Schutzlücke  genügen diese Indizien allein indessen nicht.  5.5.2.  In  ihrer  Vernehmlassung  machte  die  Vorinstanz  geltend,  die  Beschwerdeführerin habe in ihrer Eingabe vom 17. Dezember 2007 noch  explizit erklärt, die Norm EN 1726­1 sei nicht angewendet worden (act. 7  Ziff. 5.4). Zur Frage, ob sie die Norm EN 1726­1 als eingehalten erachtet,  äusserte sie sich jedoch nicht. 5.5.2.1  Im  erwähnten  Schreiben  vom  17. Dezember  2007  (act. 27  B 8)  wird unter Ziff. 5 zu Ziff. 5.6.7.1 EN 1726­1 Stellung genommen, wonach  Anbaugeräte  sich  nicht  unbeabsichtigt  aushängen  und  seitlich  verschieben lassen dürfen. Die Beschwerdeführerin liess dazu ausführen,  die Norm,  die  eine Sicherheitsnorm  darstelle,  habe  hier  eine  Lücke. Es  fehle – gemäss Ziff. 1.2.2 Anhang 1 MRL 98/37 – der Hinweis, dass die  Aussage nur gelte, wenn eine Gefahr bestehe. Der Stand der Norm sei 

C­4440/2008 kein  Sicherheitsstandard  und  deshalb  sei  die  Norm  hier  auch  nicht  angewendet  worden.  Das  Schutzziel  der  Maschinenrichtlinie  sei  aber  erfüllt.  Ob  die  Norm  nur  hinsichtlich  Ziff. 5.6.7.1  oder  generell  nicht  als  massgebender  Sicherheitsstandard  betrachtet  wurde,  geht  aus  den  Ausführungen  nicht  klar  hervor.  In  der  Konformitätserklärung  der  X._______  GmbH  (Hamburg)  vom  12. November  2004  wird  jedoch  lediglich  bestätigt,  der  X._______­Elektro­Gabelstapler  (R  60­30 I)  stimme  mit  der  MRL  98/37  (in  der  letzten  gültigen  Fassung)  "und  der  EMV­Richtlinie  89/336/EWG  in  der  letzten  gültigen  Fassung,  für  Flurförderzeuge  umgesetzt  in  der  harmonisierten  Norm  EN  12895,"  überein (act. 27 B 8). Der schwedische Hersteller B._______ führte in der  Konformitätserklärung  vom  12. Juli  2005  aus,  der  Stapler  _______sei  konform  mit  der  MRL  98/37  sowie  den  Richtlinien  89/336  (mit  Änderungen)  und  2000/14/EG  (act. 27  B 8).  Beide  Konformitätserklärungen  bezogen  sich  nur  auf  die  Gabelstapler,  ohne  Anbaugeräte.  Auf  entsprechende  Aufforderung  der  Suva  reichte  die  Beschwerdeführerin am 10. März 2008 Konformitätserklärungen für beide  Stapler mit den Anbaugeräten (Ballenklammer bzw. Rollenklammer) vom  6. März  2008  ein  (act. 27  B 10).  Betreffend  B._______  Diesel­ Gabelstapler  mit  Ballenklammer  bestätigte  die  X._______  AG  (als  Tochtergesellschaft  der  X._______  GmbH  Hamburg),  die  Übereinstimmung mit der MRL 98/37 sowie den Richtlinien 89/336/EWG  und 2000/14/EG und  führte als angewendete harmonisierte Normen EN  1726­1  und  EN  1726­2  an.  Betreffend  X._______  Elektro­Gabelstapler  mit  Rollenklammer  bestätigte  sie  die  Übereinstimmung  mit  MRL  98/37  und  der  Richtlinie  89/336/EWG;  weiter  erklärte  sie  die  harmonisierten  Normen EN 12895, EN 1726­1 und EN 1726­2 als angewendet.  5.5.2.2  Die  Konformitätserklärung  bescheinigt  gemäss  Art. 7  Abs. 1  aSTEV,  dass  das  Produkt  alle  anwendbaren  Vorschriften  über  sein  Inverkehrbringen erfüllt, insbesondere diejenigen über die grundlegenden  Sicherheits­  und  Gesundheitsanforderungen  sowie  über  die  Konformitätsbewertung  (welche  vorliegend  nicht  durch  eine  Konformitätsbewertungsstelle durchzuführen war, vgl. Art. 5 Abs. 1 i.V.m.  Anhang 1 Bst. a aSTEV). Sie wird durch den Hersteller oder seinen in der  Schweiz  niedergelassenen  Vertreter  ausgestellt  und  muss  in  einer  der  Amtssprachen  der  Schweiz  abgefasst  sein.  Wurden  technische  (bzw.  harmonisierte) Normen im Sinne von Art. 4a aSTEG angewandt, müssen  diese  –  mit  entsprechender  Fundstelle  –  in  der  Konformitätserklärung  aufgeführt werden (Anhang 2 Bst. A.b Ziff. 3 aSTEV; vgl. auch MRL 98/37  Anhang II Bst. A). 

C­4440/2008 5.5.2.3  Angesichts  der  in  E. 5.5.2.1  zitierten  Ausführungen  der  Beschwerdeführerin  kann  nicht  ohne  Weiteres  davon  ausgegangen  werden,  dass  die  Norm  EN  1726­1  nur  versehentlich  in  der  ersten  Konformitätserklärung  nicht  aufgeführt  wurde.  Der  Umstand,  dass  sich  die  zunächst  eingereichten  Konformitätserklärungen  lediglich  auf  die  Stapler  (ohne Anbaugeräte)  bezogen,  ändert  an  der Anwendbarkeit  der  Norm  EN  1726­1  nichts.  Unter  diesen  Umständen  erscheint  es  nicht  sachgerecht, allein auf die später eingereichten Konformitätserklärungen  vom  6. März  2008  abzustellen.  Bestehen  trotz  Konformitätserklärung  Zweifel, ob ein TEG den gesetzlichen Anforderungen entspricht, kann das  Kontrollorgan die technischen Unterlagen gemäss Art. 8 STEV verlangen  (vgl.  auch  Art. 13  Abs. 5  Bst. a  aSTEV;  STEG­Kommentar,  S. 14).  Vorliegend hat die Vorinstanz  jedoch darauf verzichtet, die vollständigen  technischen Unterlagen  für Maschinen  gemäss Anhang 3 Bst. a  aSTEV  anzufordern.  Nicht  eingeholt  wurden  namentlich  die  detaillierten  und  vollständigen  Pläne  etc.  für  die  Überprüfung  der  Übereinstimmung  der  Maschine  mit  den  grundlegenden  Sicherheits­  und  Gesundheitsanforderungen  gemäss  Bst. b  sowie  eine  Liste  der  grundlegenden Anforderungen, der Normen und der anderen technischen  Spezifikationen,  die  bei  der  Konstruktion  der  Maschine  berücksichtigt  wurden (Bst. c). 5.5.2.4 Kommt die Vorinstanz  bei  einer  erneuten Prüfung  zum Schluss,  die Norm EN 1726­1 weise keine Sicherheitslücke auf, wird sie demnach  aufgrund  der  technischen  Unterlagen  zu  prüfen  haben,  ob  sich  die  Beschwerdeführerin  auf  die  Konformitätsvermutung  gemäss  Art. 4b  Abs. 2 aSTEG bzw. Art. 5 Abs. 2 PrSG berufen kann. 5.5.3. Schliesslich  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  die  von  der  Vorinstanz  geltend  gemachte  Gefährdung  durch  die  beanstandeten  Stapler  zwar  glaubhaft  erscheint.  Eine  Glaubhaftmachung  würde  indessen  nicht  genügen,  um  eine  Konformitätsvermutung  im  Sinne  von  Art. 4b  Abs. 2  aSTEG umzustossen.  5.6. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz – angesichts der  möglichen  Gefährdungen  –  grundsätzlich  zu  Recht  ein  nachträgliches  Kontrollverfahren  eröffnet  hat.  Die  angefochtene  Verfügung  verstösst  indessen gegen Art. 4b Abs. 2 aSTEG und  ist  deshalb aufzuheben. Die  Beschwerde ist demnach gutzuheissen.

C­4440/2008 6.  Zu  befinden  bleibt  noch  über  die  Verfahrenskosten  und  eine  allfällige  Parteientschädigung. 6.1. Die  Verfahrenskosten  hat  in  der  Regel  die  unterliegende  Partei  zu  tragen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Der  unterliegenden  Vorinstanz  sind  allerdings  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 2  VwVG).  Der  Beschwerdeführerin  ist  der  geleistete  Verfahrenskostenvorschuss  von  Fr. 3'000.­  nach  Eintritt  der  Rechtskraft  des  vorliegenden  Urteils  zurückzuerstatten. 6.2.  Die  Beschwerdeführerin  hat  gemäss  Art. 64  Abs. 1  VwVG  i.V.m.  Art. 7  ff.  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  Anspruch  auf  eine  Parteientschädigung  zu  Lasten  der  Vorinstanz.  Mangels  Kostennote  ist  die  Entschädigung  aufgrund  der  Akten  festzusetzen  (vgl.  Art. 14  Abs. 2  VGKE).  Unter  Berücksichtigung  des  gebotenen  und  aktenkundigen  Aufwandes  erscheint  eine  Entschädigung von pauschal Fr. 4'500.­  (einschliesslich Mehrwertsteuer)  angemessen.  Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen und die angefochtene Verfügung wird  aufgehoben.  2.  Es  werden  keine  Verfahrenskosten  erhoben.  Der  Beschwerdeführerin  wird  der  geleistete  Kostenvorschuss  nach  Eintritt  der  Rechtskraft  des  vorliegenden Urteils zurückerstattet. 3.  Der  Beschwerdeführerin  wird  eine  Parteientschädigung  von  Fr. 4'500.­  zugesprochen, welche von der Vorinstanz zu leisten ist. 4.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)

C­4440/2008 – die Vorinstanz (Ref­Nr. ________; Gerichtsurkunde) – das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement  – Kopie an: Seco, Ressort Produktesicherheit  Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Johannes Frölicher Susanne Fankhauser

C­4440/2008 Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

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