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Bundesverwaltungsgericht 21.02.2012 C-388/2010

21. Februar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,830 Wörter·~14 min·5

Zusammenfassung

Zustimmung zum arbeitsmarktlichen Vorentscheid des Kantons | Zustimmung zum arbeitsmarktlichen Vorentscheid

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­388/2010 und C­391/2010 Urteil   v om   2 1 .   Februar   2012 Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richter Antonio Imoberdorf, Richter Blaise Vuille,    Gerichtsschreiberin Barbara Giemsa­Haake. Parteien A._______,  vertreten durch Rechtsanwalt Reto Marbacher, Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Zustimmung zum arbeitsmarktlichen Vorentscheid.

C­388/2010 und C­391/2010 Sachverhalt: A.  A._______, Inhaberin des Einzelunternehmens (…), betreibt in Luzern ein  indisches  Spezialitätenrestaurant.  Im  November  2007  bemühte  sie  sich  erstmals  darum,  B._______  und  C._______  –  beide  aus  Indien  stammend  –  als Köche  anstellen  zu  dürfen,  und  ersuchte  für  beide  um  entsprechende  Erteilung  von  Aufenthaltsbewilligungen.  Formlos  verweigerte  das  BFM  den  von  der  kantonalen  Arbeitsmarktbehörde  befürworteten  Gesuchen  die  Zustimmung,  da  es  die  berufliche  Qualifikation beider Personen für nicht genügend erachtete. Die im März  2008  von  A._______  erneuerten  Gesuche  lehnte  das  BFM  ebenfalls  formlos  ab,  wies  die  Gesuchstellerin  aber  mit  Schreiben  vom  20. März  2008  darauf  hin,  dass  aufgrund  einer  anderen  rechtlichen  Grundlage  Drittstaatsangehörige  als  gastgewerbliche  Praktikanten  zugelassen  werden  könnten.  Aufgrund  dessen  ersuchte  A._______  via  Schweizer  Hotelier­Verband  (hotelleriesuisse)  die  kantonale  Behörde  am  9. Juni  2008  darum,  die  beiden  Stellenbewerber  als  gastgewerbliche  Praktikanten  zwecks  Weiterbildung  zuzulassen.  Der  Kanton  entsprach  beiden Gesuchen mit  Vorentscheid  vom 16.  Juni  2008,  jeweils  gestützt  auf  Art.  32  des  Ausländergesetzes  vom  16. Dezember  2005  (AuG,  SR  142.20) und Art. 19 Abs. 1 der Verordnung vom 24. Oktober 2007 über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit  [VZAE,  SR  142.201]).  Zu  beiden Bewilligungen, gültig vom 1. August 2008 bis 31. Juli 2009, erteilte  das  BFM  seine  Zustimmung  und  wies  in  den  entsprechenden  Verfügungen vom 2. Juli 2008 daraufhin, dass diese Bewilligungen nicht  verlängerbar seien. B.  Ende  August  2009  beantragte  A._______  beim  Amt  für  Migration  des  Kantons  Luzern  (AMIGRA)  erneut  die  Erteilung  von  Kurzaufenthaltsbewilligungen für B._______ und C._______, die sie nun  nicht  mehr  als  Praktikanten,  sondern  als  Spezialitätenköche  anstellen  wollte.  Die  kantonale  Behörde  befürwortete  auch  diese  Gesuche  und  unterbreitete  dem  BFM  am  9.  Oktober  2009  ihre  arbeitsmarktlichen  Vorentscheide. Das BFM verweigerte zunächst formlos, dann jeweils mit   Verfügung  vom 22. Dezember  2009  seine Zustimmung  und  begründete  dies  in  beiden  Fällen  vor  allem  damit,  dass  mangels  hinreichender  Ausbildung  und  Berufserfahrung  die  persönlichen  Voraussetzungen  für  die  Ausübung  der  beabsichtigten  Erwerbstätigkeit  fehlten.  Beide  Bewerber hätten in Indien eine Hotelfachschulausbildung absolviert; eine 

C­388/2010 und C­391/2010 solche Ausbildung decke jedoch ein wesentlich breiteres Spektrum ab als  eine spezifische Ausbildung zum Koch.   C.  Gegen diese Verfügungen erhob A._______ durch  ihren Rechtsvertreter  am  21.  Januar  2010  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht.  Sie  beantragt,  die  beiden  Verfügungen  vom  22.  Dezember  2009  seien  aufzuheben;  gleichzeitig  seien  B._______  und  C._______  die  beantragten Kurzaufenthaltsbewilligungen  zu  erteilen. Eventualiter  seien  beide  Verfahren  zur  Sachverhaltsergänzung  und Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen.  Die  Beschwerdeführerin  macht  geltend,  in  ihrem  Unternehmen  sei  sie  auf  die  beiden  Köche,  für  welche  um  Bewilligung ersucht werde, angewiesen. Der Restaurantbetrieb sei darauf  ausgerichtet,  anspruchsvolle  Gäste  und  –  bei  Spezialevents  und  Cateringanlässen – auch Touristengruppen aus Indien zu betreuen. Hier  habe man eine Marktlücke gefunden und den Umsatz dank des Einsatzes  der  beiden  Köche  erheblich  steigern  können.   Diese  belegten  in  der  Küche  ihres  Betriebs  zwei  der  insgesamt  sechs  Kochstellen;  zusätzlich  zur  Küchenarbeit  hätten  sie  jedoch  verantwortungsvollere  Aufgaben,  insbesondere  im Bereich  des Caterings  und  bei  der  Stellvertretung  des  Küchenchefs.  Gleichermassen  qualifizierte  und  engagierte  Teammitglieder  habe  sie,  die  Beschwerdeführerin,  bei  der  Suche  nach  indischen  Spezialitätenköchen  im  europäischen  Raum  nicht  finden  können. Sowohl  B._______  als  auch  C._______  hätten  in  ihrem  Heimatland  primär  eine  Ausbildung  in  der  indischen  Küche  mit  Spezialisierung  im  Catering absolviert; die Ausbildung im Hotelfachbetrieb sei zusätzlich und  ergänzend  erfolgt.  Die  gesamte  Ausbildung  sei  typisch  für  höher  qualifizierte indische Köche und entspreche den gemäss Art. 23 AuG an  eine  Spezialausbildung  gestellten  Anforderungen.  Eine  Kochlehre,  ähnlich jener in der Schweiz, gebe es in Indien nicht. Dort existierten ein  erheblich  anderes  Schul­  und  Berufsbildungssystem,  aber  auch  andere  Esstraditionen,  weshalb  im  vorliegenden  Fall  nicht  die  in  der  Schweiz  geltenden  Massstäbe  angelegt  werden  dürften.  Entgegen  der  Meinung  der  Vorinstanz  entsprächen  die  Qualifikationen  der  beiden  Bewerber  auch  nicht  denen  einer  hiesigen  Hotelfachschule,  sondern  gingen  im  Bereich  der  Kochausbildung  sogar  über  die  Anforderungen  einer  schweizerischen  Kochlehre  hinaus,  nicht  zuletzt  auch  deshalb,  weil  die  Arbeitszeiten  pro  Tag  und  Woche  weitaus  höher  seien.  Zudem  hätten  B._______  und  C._______  während  ihrer  einjährigen  Anstellung  als 

C­388/2010 und C­391/2010 Praktikanten  zusätzliche Erfahrungen  sammeln  können.  Schliesslich  sei  zu berücksichtigen, dass der Betrieb  (…)  in den Jahren 2000 und 2010  für andere Köche problemlos Bewilligungen erhalten habe, obwohl deren  Qualifikationen  nicht  die  der  beiden  Bewerber  überträfen.  Mit  der  unterschiedlichen  Behandlung  der  Gesuche  habe  die  Vorinstanz  das  Gleichheitsgebot  verletzt.  Deren  fehlende  Auseinandersetzung  mit  den  Fakten  und  den  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  bedeute  darüber  hinaus  eine  Verletzung  des  Willkürverbots  und  des  Anspruchs  auf  rechtliches Gehör.  D.  In ihren Vernehmlassungen vom 23. März 2010 beantragt die Vorinstanz  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Sie  macht  geltend,  die  Beschwerdeführerin  habe  nach  Ablauf  der  für  12  Monate  bewilligten  Praktika  um  Verlängerung  der  beiden  Kurzaufenthaltsbewilligungen  ersucht,  wohlwissend,  dass  der  Wortlaut  der  Verfügungen  vom  2.  Juli  2008  diese  Möglichkeit  ausschliesse.  Für  B._______  und  C._______  könne auch jetzt keine Zustimmung zum arbeitsmarktlichen Vorentscheid  erteilt  werden,  denn  –   abgesehen  von  den  generellen  Zulassungsvoraussetzungen  für  den  schweizerischen  Arbeitsmarkt  (Art.  18, 20 – 22 AuG) verfügten beide nicht über die gemäss Art. 23 Abs. 1  AuG  erforderliche  Spezialisierung  als  Koch.  Dies  sei  bereits  im  Vorfeld  der  für  sie  als  gastgewerbliche  Praktikanten  erteilten  Bewilligungen  festgestellt worden.  Die  Qualifikationsbedingungen  für  Spezialitätenköche  würden  in  den  Weisungen  zum  AuG  näher  definiert.  Hierzu  gehörten  prinzipiell  eine  abgeschlossene mehrjährige Ausbildung mit Diplom und eine mehrjährige  Berufserfahrung in der entsprechenden Spezialitätenküche (mindestens 7  Jahre  inkl.  Ausbildungszeit).  Die  Qualifikationsprofile  beider  Bewerber  zeigten  jedoch,  dass  der  Schwerpunkt  ihrer  Ausbildung  und  Berufserfahrung  nicht  im  Bereich  des  Kochens  –  wofür  in  Indien  eine  äquivalente  Ausbildung  existiere  –  liege.   B._______  habe  während  seiner Hotelfachausbildung 12 Kurse belegt, von denen nur 3 direkt bzw.  indirekt  mit  der  Zubereitung  von  Speisen  zu  tun  gehabt  hätten.  C._______  habe  insgesamt  22  Kurse,  6  davon  mit  Bezug  zur  Speisenzubereitung,  absolviert.  Auch  nach  der  Hotelfachausbildung  hätten  beide  keine  hinreichende  Erfahrung  in  der  Spezialitätenküche  sammeln  können.  Die  von  der  Beschwerdeführerin  behauptete  bessere  Qualifizierung der beiden Hotelschulabsolventen spiele für die Zulassung  im Gastgewerbe keine Rolle, denn auf deren Fähigkeiten im Bereich der 

C­388/2010 und C­391/2010 Organisation  von  Spezialevents  und  des  Caterings  komme  es  im  Rahmen  von  Art.  23  AuG  nicht  an.  Ihre  fachlichen  Kenntnisse  in  der  Spezialitätenküche  entsprächen  auch  nicht  denjenigen  zweier  anderer  Mitarbeiter,  auf  welche  sich  die  Beschwerdeführerin  zum  Vergleich  berufe.  Diese  Mitarbeiter  sowie  der  seit  dem  Jahr  2000  beschäftigte  Chefkoch  hätten  ihre  arbeitsmarklichen  Bewilligungen  zudem  unter  anderen  rechtlichen  Voraussetzungen  erhalten.  Im  Übrigen  lasse  die  Lohnstruktur  im  Betrieb  der  Beschwerdeführerin  nicht  erkennen,  dass   B._______ und C._______ besser qualifiziert seien als die vier anderen  dem Küchenchef unterstellten Köche.  Abschliessend  komme  hinzu,  dass  erstmalige  Bewilligungen  für  Spezialitätenköche  nur  als  Kurzaufenthaltsbewilligungen  nach  Art.  19  Abs.  1  VZAE  erfolgen  könnten.  Nach  Ablauf  einer  12­monatigen  Kurzaufent­haltsbewilligung  –  in  deren  Genuss  die  beiden  Bewerber  bereits  gelangt  seien  –  komme  in  Anlehnung  an  Art.  56  VZAE  nur  die  Erteilung  bzw. Umwandlung  in  eine Aufenthaltsbewilligung  nach Art.  20  VZAE  in  Frage.  Die  hierfür  in  Art.  23  Abs.  2  AuG  genannten  Voraussetzungen, beispielsweise Kenntnisse einer Landessprache, seien  bei B._______ und C._______ jedoch nicht vorhanden.   E.  In  ihrer Replik  vom 28. April  2010 hält die Beschwerdeführerin an  ihren  zuvor  geäusserten  Überzeugungen  fest.  B._______  und  C._______  erfüllten  auf  jeden Fall  die  in Art.  23 AuG genannten Voraussetzungen,  um  zum hiesigen Arbeitsmarkt  zugelassen  zu werden.  Im Gastgewerbe  dürfe sich die Zulassung nicht nur auf die beiden Personengruppen der  gastgewerblichen Praktikanten und der Spezialitätenköche beschränken;  die  vom  BFM  erlassenen  Weisungen  zum  Ausländergesetz  seien  diesbezüglich  weder  genügend  differenziert  noch  aktuell.  Im  Tourismussektor  bestehe  ein  nachweisbares  Bedürfnis  an  Cateringspezialisten;  diesem  Umstand  müsse  Rechnung  getragen  werden,  wenn  es  um  die  Interpretation  der  in  Art.  23  Abs.  1  AuG  verwendeten Begriffe Spezialisten bzw. andere qualifizierte Arbeitskräfte  gehe. Im vorliegenden Fall hätten beide Bewerber sowohl eine Catering­  wie  auch  eine  Kochausbildung.  Letztere  sei  besser  und  umfangreicher  gewesen  als  die  eines  anderen  Mitarbeiters,  der  trotzdem  eine  arbeitsmarktliche Zulassung als Spezialitätenkoch erhalten habe. 

C­388/2010 und C­391/2010 F.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  Angesichts  des  engen  persönlichen  und  sachlichen  Zusammenhangs  sind  die  Beschwerdeverfahren  C­388/2010  und  C­391/2010  zu  vereinigen. 2.  2.1.  Verfügungen  des  BFM  betreffend  Zustimmung  zum  arbeitsmarktlichen  Vorentscheid  unterliegen  der  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  (Art.  31,  Art.  32  sowie  Art.  33  Bst.  d  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]). Das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  ist  endgültig  (Art.  1  Abs.  2  VGG  i.V.m.  Art.  83  Bst.  c  Ziff.  2  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005 [BGG, SR 173.110]). 2.2. Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet  sich  nach  dem  Verwaltungsverfahrensgesetz  vom  20.  Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021),  soweit  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 2.3.  Die  Beschwerdeführerin  ist  als  Adressatin  der  angefochtenen  Verfügungen zur Beschwerde  legitimiert  (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die  frist­ und  formgerecht eingereichte Beschwerde  ist einzutreten (Art. 50 –  52 VwVG). 3.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  –  sofern  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht 

C­388/2010 und C­391/2010 gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE  2011/1 E. 2, BVGE 2007/41 E. 2). 4.  In formeller Hinsicht wirft die Beschwerdeführerin der Vorinstanz vor, sich  nicht mit  ihren Vorbringen auseinandergesetzt und damit  ihren Anspruch  auf  rechtliches Gehör verletzt zu haben. Angesichts des  Inhalts der vor­ instanzlichen  Akten  rechtfertigt  sich  dieser  Vorwurf  jedoch  nicht.  Die  Beschwerdeführerin  hat  mit  den  beteiligten  Behörden  eine  ausgiebige  Korrespondenz geführt und sich darum bemüht, verschiedene Personen  des  (politischen)  öffentlichen  Lebens  in  den  Entscheidprozess  der  Vorinstanz  zu  involvieren.  Das  BFM  hat  sich  mit  Schreiben  vom  17.  November  2009  abschliessend  zu  den  Argumenten  der  Beschwerdeführerin  geäussert  und  dort  sowie  in  den  nachfolgenden  Verfügungen vom 22. Dezember 2009 die aus seiner Sicht wesentlichen  Punkte für den ablehnenden Entscheid erläutert. Dem rechtlichen Gehör  der Beschwerdeführerin wurde damit Genüge getan; der Gehörsanspruch  bedeutet  nicht,  dass  die  Behörde  die  rechtlichen  Ausführungen  einer  Partei  berücksichtigen muss  (vgl. BERNHARD WALDMANN/JÜRG BICKEL  in:  Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, Zürich 2009,  Art. 30 N 25).    5.  Als  indische  Staatsangehörige  unterstehen  B._______  und  C._______  weder dem Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen  Eidgenossenschaft  einerseits  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  und  ihren  Mitgliedstaaten  andererseits  über  die  Freizügigkeit  (Freizügigkeitsabkommen  bzw.  FZA,  SR  0.142.112.681)  noch  dem  Abkommen vom 21. Juni 2001 zur Änderung des Übereinkommens vom  4.  Januar 1960 zur Errichtung der Europäischen Freihandelsassoziation  (EFTA­Übereinkommen,  SR  0.632.31).  Ihre  Zulassung  zum  schweizerischen  Arbeitsmarkt  als  sogenannte  Drittstaatsangehörige  richtet  sich  deshalb  nach  dem  Ausländergesetz  und  dessen  Ausführungsverordnungen,  insbesondere  der  Verordnung  über  Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit. 6.  

C­388/2010 und C­391/2010 6.1.  Gemäss  Art.  99  AuG  legt  der  Bundesrat  fest,  in  welchen  Fällen  Kurzaufenthalts­,  Aufenthalts­  und  Niederlassungsbewilligungen  sowie  kantonale arbeitsmarktliche Vorentscheide dem BFM zur Zustimmung zu  unterbreiten sind. Das entsprechende arbeitsmarktliche Verfahren wird in  Art. 83 – 86 VZAE geregelt.  6.2. Vor der Erteilung einer Kurzaufenthaltsbewilligung (Art. 32 AuG) oder  einer  Aufenthaltsbewilligung  (Art.  33  AuG) mit  Erwerbstätigkeit  sind  die  arbeitsmarktlichen  Vorentscheide  im  Sinne  von  Art.  83  VZAE  der  Vorinstanz  zur Zustimmung  zu unterbreiten  (Art.  85 Abs.  2 VZAE). Das  BFM kann die Zustimmung aus den  in Art.  86 Abs.  2 VZAE genannten  Gründen  verweigern;  es  ist  aufgrund  eigener  originärer  Sachentscheidkompetenz  nicht  an die Beurteilung durch die  kantonalen  Behörden gebunden (vgl. BGE 127 II 49 E. 3a S. 51 f. und BGE 120 Ib 6  E. 3 S. 11 f.). 6.3.  Gemäss  Art.  18  AuG  können  Ausländerinnen  und  Ausländer  zur  Ausübung  einer  unselbständigen  Erwerbstätigkeit  zugelassen  werden,  wenn dies dem gesamtwirtschaftlichen  Interesse entspricht  (Bst. a), das  Gesuch  eines  Arbeitgebers  vorliegt  (Bst.  b)  und  die  Voraussetzungen  nach den Art. 20 – 25 AuG erfüllt sind (Bst. c).  6.3.1.  Art.  21  AuG  räumt  inländischen  Arbeitskräften  und  solchen  aus  dem  EU/EFTA­Raum  den  Vorrang  ein.  Demzufolge  können  Drittstaatsangehörige  nur  dann  zum  schweizerischen  Arbeitsmarkt  zugelassen  werden,  wenn  nachgewiesenermassen  keine  geeigneten  Erwerbstätigen  aus  der  Schweiz  oder  einem  EU/EFTA­Staat,  mit  welchem  ein  Freizügigkeitsabkommen  abgeschlossen  wurde,  gefunden  werden können (Art. 21 Abs. 1 AuG). Für Ausländerinnen und Ausländer  mit Schweizer Hochschulabschluss gilt  eine  spezielle Regelung  (Art.  21  Abs.  3  AuG).  Zudem  müssen  die  orts­,  berufs­  und  branchenüblichen  Lohn­ und Arbeitsbedingungen eingehalten werden (Art. 22 AuG). 6.3.2.  Ob  der  gewünschte  ausländische  Arbeitnehmer  auch  die  persönlichen Voraussetzungen gemäss Art. 23 AuG erfüllt,  ist Kernfrage  für  die  arbeitsmarktliche  Zulassung.  So  können  Kurzaufenthalts­  und  Aufenthaltsbewilligungen  zur  Ausübung  einer  Erwerbstätigkeit  nur  Führungskräften,  Spezialistinnen  und  Spezialisten  und  anderen  qualifizierten Arbeitskräften  erteilt werden  (Art.  23 Abs.  1 AuG). Bei  der  Erteilung  von  (auf  Dauer  angelegten)  Aufenthaltsbewilligungen  müssen  zusätzliche  Kriterien  erfüllt  sein,  die  eine  nachhaltige  Integration  in  den 

C­388/2010 und C­391/2010 schweizerischen Arbeitsmarkt und das gesellschaftliche Umfeld erwarten  lassen (vgl. Art. 23 Abs. 2 AuG). Gemäss Art. 23 Abs. 3 AuG kann von  den in Abs. 1 und 2 genannten Erfordernissen abgewichen werden; eine  solche  Privilegierung  erfolgt,  wenn  aus  einem  besonderen  öffentlichen  Interesse heraus bestimmten Personenkategorien die Berufsausübung in  der Schweiz ermöglicht werden soll. 6.4. Geht  es  um  die  Erneuerung  von  Kurzaufenthaltsbewilligungen,  so  erfordert Art. 56 Abs. 1 VZAE grundsätzlich einen vorherigen einjährigen  Unterbruch. Für bestimmte Arten von Kurzaufenthalten – unter anderem  solchen zur Weiterbildung – ist prinzipiell keine Verlängerungsmöglichkeit  vorgesehen  (Art.  56 Abs. 3 VZAE); bei  ihnen wird davon ausgegangen,  dass der Aufenthaltszweck im Rahmen der zeitlich befristeten Bewilligung  erreicht wird  (vgl. Weisungen  des  BFM  zum  Ausländerbereich,  Stand  30.  September  2011,  Ziffern  4.5.2.2  und  4.7.9.2.1,  online  unter:  www.bfm.admin.ch  >  Dokumentation  >  Rechtliche  Grundlagen  >  Weisungen  und  Kreisschreiben  >  I.  Ausländerbereich  >  4.  Aufenthalt  mit Erwerbstätigkeit [nachfolgend: Weisungen]).      7.   Im  vorliegenden  Fall  hat  die  kantonale  Behörde  die  Ende  August  2009  eingereichten  Gesuche  für  B._______  und  C._______  befürwortet  und  die  arbeitsmarktlichen  Vorentscheide  dem  BFM  zur  Zustimmung  unterbreitet.  Beide  Personen  hatten  im  Vormonat  ihr  gastgewerbliches  Praktikum  beendet,  und  die  ihnen  zu  diesem  Zweck  erteilten  Kurzaufenthaltsbewilligungen  (Art. 30 Abs. 1 Bst. g AuG, Art. 42 VZAE)  waren  abgelaufen.  Schon  angesichts  des  erfüllten  Aufenthaltszwecks,  aber  auch  angesichts  des  fehlenden  zeitlichen  Unterbruchs  war  die  Möglichkeit  der  Erneuerung  ihrer  Bewilligungen  fraglich  (Art.  56  Abs.  1  und 3 VZAE). Dies sowie die Frage, ob die Beschwerdeführerin im Inland  bzw.  EU­/EFTA­Raum  ausreichende  Suchbemühungen  nach  geeigneten  Arbeitskräften  unternommen  hat,  kann  jedoch  angesichts  der nachfolgenden Erwägungen dahingestellt bleiben. 8.  Die  Vorinstanz  hat  sich  insbesondere  damit  auseinandergesetzt,  ob  B._______  und  C._______  die  für  die  Zulassung  zum  schweizerischen  Arbeitsmarkt  erforderlichen  persönlichen  Voraussetzungen  erfüllen.  Hierfür  ist  entscheidend,  ob  die  beiden  Bewerber  als  Spezialisten  bzw.  andere  qualifizierte  Arbeitskräfte  im  Sinne  von  Art.  23  Abs.  1  AuG  betrachtet  werden  können.  Eine  gesetzliche  Definition  dieser  Begriffe 

C­388/2010 und C­391/2010 existiert  nicht.  Je  nach  Berufsfeld  werden  –  teils  kumulativ –  unterschiedliche  Ausbildungen  und  Bildungsabschlüsse,  zusätzliche  mehrjährige  Berufserfahrung  oder  ausserordentliche  Spezialkenntnisse  verlangt  (vgl.  LISA  OTT  in:  Caroni/Gächter/Thurnherr  [Hrsg.],  Stämpflis  Handkommentar  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer,  Art.  23  N  6).  Die  Weisungen  des  BFM  stellen  an  Spezialitätenköchinnen  und  ­köche  die  Anforderung,  dass  sie  eine  abgeschlossene  mehrjährige  Ausbildung  mit  Diplom  (oder  anerkannt  gleichwertige  Ausbildung)  und  mehrjährige  Berufserfahrung  in  der  entsprechenden  Spezialitätenküche  (mindestens  7  Jahre  inkl.  Ausbildungszeit)  nachweisen  müssen;  ausdrücklich  wird  festgehalten,  dass  der  Abschluss  einer Hotelfachschule  nicht  als  Kochausbildung  gilt  (Ziffer 4.7.9.1.2 der Weisungen).    8.1. Nachweislich haben B._______ und C._______, jeweils im Zeitraum  2002  bis  2005,  eine  Ausbildung  an  einer  Hotelfachschule  in  Indien  absolviert und diese mit einem Hospitality Management Diploma bzw. mit  einem Degree of Bachelor of Science in Hotel and Catering Management  abgeschlossen.  8.1.1.  B._______  hat  diesbezüglich  mit  der  Beschwerde  eine  Bescheinigung der Canan School of Catering & Hotel Management vom  31. Oktober 2009 vorgelegt, welche ihm eine Spezialisierung  im Bereich  Theory and Practicals in Food Production and F and B Service attestiert.  Von  ihm  mit  eingereicht  wurden  drei  Kursbestätigungen  über  Food  Production Principles, Food and Beverage Management sowie Food and  Beverage Services. Zur Dauer dieser Kurse gibt es keine Angaben, wohl  aber  hat  die  Vorinstanz  unter  Bezugnahme  auf  weitere,  ihr  bereits  vorliegenden  Belege  präzisiert,  dass  neun  weitere  Kurse  –  diese  ohne  jeglichen  Bezug  zur  Speisenzubereitung  –  zur  Hotelfachausbildung  von  B._______ gehörten (vgl. Seite 3 der Vernehmlassung sowie Seite 58 der  Vorakten).  Im  Übrigen  kann  einem  Lebenslauf  von  B._______  entnommen  werden,  dass  er  innerhalb  des  beschriebenen  Zeitraums,  nämlich  von  2003  bis  2004,  eine  Zusatzausbildung  für  Personalführung  absolvierte (vgl. S. 55 der Vorakten).  8.1.2.  C._______  hat  seine  Ausbildung  am  Jaya  College  of  Arts  &  Science abgeschlossen. Er hat sich – der Bestätigung des Colleges vom  31. Oktober 2009 zufolge – auf Food Production (cooking) and Food and  Beverage  Services  spezialisiert.  Separate  Bescheinigungen  hierzu  wurden  nicht  eingereicht.  Die  Vorinstanz  hat  unter  Bezugnahme  auf 

C­388/2010 und C­391/2010 vorhergehend  eingereichte  Unterlagen  ausgeführt,  dass  dessen  mit  einem  Bachelor  abgeschlossene  Berufsausbildung  22  Kurse  beinhaltet  habe, wovon nur sechs Kurse einen direkten oder indirekten Bezug zum  Kochen gehabt  hätten: Food Production and Patisserie Practical, Paper  Food  Production  and  Patisserie,  Food  and  Beverage  Service  Practical,  Paper  Food  and  Beverage  Service,  Paper  Nutrition  and  Food  Science,  Paper  Food  Beverage  Management  (vgl.  Seite  3  der  Vernehmlassung  sowie Seiten 98 – 102 der Vorakten). 8.2. Die eingereichten Nachweise sowie die Ausführungen der Vorinstanz  zum  jeweils  obligaten  Ausbildungskanon  der  beiden  Hotelfachschulen  zeigen,  dass  –  schon  aus  praktischen  Gründen  –  überhaupt  nur  ein  geringer Zeitanteil auf den Erwerb von Kochkenntnissen  im eigentlichen  Sinne  (Food  Production)  entfallen  konnte.  In  beiden  Fällen  betraf  die  dreijährige  Ausbildung  überwiegend  die  Bereiche  Service  und  Management  und  hatte,  was  Speisen  und  Getränke  anging,  auch  dort  ihren Schwerpunkt.  8.3. Die  Beschwerdeführerin  hat  wiederholt  betont,  dass  ihre  Bewerber  primär  eine  Ausbildung  in  der  indischen Küche  genossen  hätten;  beide   überträfen  bei Weitem  die  Anforderungen,  die  in  der  Schweiz  an  einen  ausgebildeten Koch gestellt würden. 8.3.1.  Diese  Behauptung  wird  durch  die  vorhergehenden  Erwägungen  nicht gestützt. Ihnen zufolge kann die den beiden Bewerbern im Rahmen  der  dreijährigen Hotelfachausbildung  bescheinigte  Spezialisierung  kaum  mehr  bedeuten,  als  dass  Grundkenntnisse  des  Kochens  erworben  wurden.  Angesichts  der  übrigen  –  und  mit  der  Essenszubereitung  weitestgehend nicht in Zusammenhang stehenden – Unterrichtsfächer ist  es  nicht  nachvollziehbar,  wie  B._______  und  C._______  den  einer  hiesigen  dreijährigen  Kochausbildung  entsprechenden  Standard  hätten  erreichen  können.  Die  Beschwerdeführerin  hat  sich  mit  dem  Fächerkanon,  den  die Canan  School  of  Catering  &  Hotel  Management  und das Jaya College of Arts & Science für ihre Studenten aufgestellt und  auf den die Vorinstanz Bezug genommen hat,  nicht auseinandergesetzt  und  nicht  einmal  präzisiert,  wie  viel  Zeitaufwand  die  einzelnen  Ausbildungseinheiten  erforderten.  Dass  sie  demgegenüber  behauptet,  beide Bewerber hätten mindestens 4'000 Ausbildungsstunden im Bereich  Küche  und  weitere  4'000  Stunden  in  bezugsnahen  Fächern  absolviert,  und  diesen  angeblichen  Aufwand  mit  einer  mehr  als  fünfjährigen  Kochausbildung in der Schweiz gleichsetzt, erscheint daher völlig aus der 

C­388/2010 und C­391/2010 Luft  gegriffen.  Angesichts  dessen  spricht  nichts  für  die  Annahme,  dass  B._______ und C._______  im Rahmen  ihrer Hotelfachausbildung eine –  schweizerischen Kriterien – entsprechende Kochausbildung erhielten. 8.3.2.  Nach  jeweiligem  Abschluss  der  Hotelfachschule  waren  offensichtlich sowohl B._______ als auch C._______  im Hotel The Rain  Tree  in  der  indischen Metropole Chennai  angestellt.  Ersterem wird  dort  für die Zeit vom 31. Mai 2005 bis zum 4. August 2008 die Funktion eines  Senior  Captain  (vgl.  Seite  59  der  Vorakten),  letzterem  für  die  Zeit  vom  14. November  2005  bis  zum  15.  September  2008  die  eines  Captain  bescheinigt (vgl. S. 103 der Vorakten). Inhaltlich werden diese Funktionen  jedoch nicht beschrieben. Wohl  ist einem Lebenslauf von B._______ zu  entnehmen,  dass  er  im  Hotel  The  Rain  Tree  im  Bereich  mehrerer  Restaurants eingesetzt wurde, nicht aber, dass ihm dort typische Arbeiten  eines Kochs übertragen waren (vgl. Seite 57 der Vorakten). Dafür, dass  ihm  und  seinem  Arbeitskollegen  C._______  in  diesem  Hotel  relevante  Erfahrungen  im  Kochen  vermittelt  wurden,  gibt  es  jedenfalls  keine  Anhaltspunkte.   8.4. Festzustellen  ist somit, dass beide Bewerber über keine eigentliche  Kochausbildung  verfügten,  als  ihnen  im  Sommer  2008  das  erste  und  einzige  Mal  Kurzaufenthaltsbewilligungen  für  ein  gastgewerbliches  Praktikum bei der Beschwerdeführerin erteilt wurden. Definitiv erfüllen sie  damit auch  im heutigen Zeitpunkt nicht die  laut Weisungen des BFM an  Spezialitätenköche gestellten Anforderungen.  Dass verwaltungsinterne Weisungen als solche nicht im rechtlichen Sinne  verbindlich sind, ist unerheblich angesichts ihrer Funktion als Leitlinien für  die Auslegung von Gesetzes­ und Verordnungsbestimmungen. Ohne Not  ist  von  ihnen  nicht  abzuweichen  (vgl.  ANDRÉ MOSER/MICHAEL  BEUSCH/  LORENZ KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Basel  2008,  S. 81  Rz. 2.173;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­ 140/2010 vom 24. Januar 2012 E. 6.4 mit Hinweisen). Dies gilt auch  im  vorliegenden  Fall,  in  dem  das  BFM  die  Zulassung  von  Spezialitätenköchen  davon  abhängig macht,  dass  eine  abgeschlossene  mehrjährige Ausbildung mit Diplom – oder  eine anerkannt  gleichwertige  Ausbildung – sowie eine mehrjährige Berufserfahrung vorliegt. 8.5. Da der berufliche Werdegang der beiden Stellenbewerber sowie die  hierzu  eingereichten  Unterlagen  zeigen,  dass  höchstens  Grundkenntnisse  im  Kochen  erworben  wurden,  ist  das  Vorliegen  einer 

C­388/2010 und C­391/2010 der  Kochausbildung  gleichwertigen  Ausbildung  zwingend  zu  verneinen.  Auf  das  Beweisangebot  der  Beschwerdeführerin,  eine  sogenannte  Äquivalenzbestätigung  des  indischen  Arbeitsministeriums  einzuholen,  braucht  daher  nicht  eingegangen  zu  werden.  Auch  soweit  sich  die  Beschwerdeführerin  auf  eine  Auskunft  des  Schweizerischen  Generalkonsuls  in  Mumbai  (Beschwerdebeilage  11  im  Verfahren  C­ 391/2010)  beruft,  lässt  sich  hieraus  nichts  zu  ihren  Gunsten  ableiten.  Diese Auskunft  –  es  handelt  sich  um die weitergeleitete Stellungnahme  eines Hotelmanagers/Kochs  in Mumbai –  führt aus:  "Es  ist so,  in  Indien  macht  ein  guter  Koch  zuerst  eine Hotelfachschule.  Da wird mindestens  ein Semester lang reine Kochkunst unterrichtet. Anschliessend dient sich  der  angehende Koch hoch, wie  ein  ausgebildeter Koch  in  der Schweiz.  … ".  Der  hier  relevante  Aspekt  dieser  Auskunft  –  die  lediglich  1­ semestrige  reine  Ausbildung  im  Kochen  –  stellt  die  vorhergehenden  rechtlichen  Ausführungen  nicht  in  Frage.  Dass  der  Besuch  einer  indischen Hotelfachschule für gewisse Berufsanfänger den Grundstein für  eine weitergehende Kochausbildung legt, ist davon abgesehen  denkbar. 8.6. Die Beschwerdeführerin hat im Übrigen die Auffassung vertreten, die  Vorinstanz habe das Gleichheitsgebot verletzt,  indem sie ohne Weiteres  für  andere Köche die Zustimmung  zum arbeitsmarktlichen Vorentscheid  erteilt, für die jetzigen Bewerber aber verweigert habe, obwohl diese eine  höhere Ausbildung in Küche und Gastronomie genossen hätten.  Das Prinzip der Rechtsgleichheit  ist  in Art.  8 der Bundesverfassung der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR  101)  verankert. Es wirkt einerseits als Gebot der Gleichbehandlung – Gleiches  ist nach Massgabe seiner Gleichheit gleich zu behandeln –  , anderseits  als  Gebot  der  Differenzierung,  wenn  es  darum  geht,  bestehenden  Ungleichheiten  durch  rechtlich  differenzierte  Behandlung  Rechnung  zu  tragen  (JÖRG  PAUL  MÜLLER/MARKUS  SCHEFER,  Grundrechte  in  der  Schweiz:  im Rahmen  der  Bundesverfassung,  der  EMRK  und  der UNO­ Pakte, 4. Auflage, Bern 2008, S. 654).  Angesichts  dessen  kann  im  vorliegenden  Fall  keine  Verletzung  des  Gleichheitsgebots vorliegen. Es steht ausser Frage, dass die drei von der  Beschwerdeführerin namentlich genannten Köche  jeweils einen anderen  beruflichen  Hintergrund  besitzen  und  aufgrund  altrechtlicher  Bestimmungen  zum  schweizerischen  Arbeitsmarkt  zugelassen  wurden.  Hieraus  kann  die  Beschwerdeführerin  nichts  für  ihre  beiden  neuen  Bewerber  ableiten.  Sie  kann  insbesondere  nicht  verlangen,  dass  deren 

C­388/2010 und C­391/2010 Ausbildungen und Berufserfahrungen mit denen der bereits angestellten  Arbeitnehmer  verglichen  werden;  ein  derartiges  Vorgehen  liesse  sich  nicht  auf  das  Gebot  der  rechtsgleichen  Behandlung  abstützen.  Ob  die  damaligen  Bewerber  die  erforderlichen  Zulassungsvoraussetzungen  erfüllten,  wurde  bereits  in  den  entsprechenden  arbeitsmarktlichen  Verfahren  überprüft  und  ist  nicht  Gegenstand  des  hier  vorliegenden  Beschwerdeverfahrens.  9.  Dass B._______ und C._______ mit dem Abschluss der Hotelfachschule  über eine höherrangige berufliche Qualifizierung verfügen als die bei der  Beschwerdeführerin  derzeit  beschäftigten  –  von  ihr  als  einfache  Köche  bezeichneten  – Arbeitnehmer, wird  nicht  bezweifelt. Gerade  im Hinblick  auf deren zusätzliche berufliche Fähigkeiten hat die Beschwerdeführerin  hervorgehoben, dass sie diese nicht nur als Köche beschäftigen, sondern  bei  Spezialevents  und  Cateringanlässen  –  vor  allem  auch  in  Zusammenarbeit mit Touristikunternehmen – mit verantwortungsvolleren  Aufgaben betrauen möchte. Dabei hat sie betont, dass ihre Bewerber gut  englisch  und mehrere  indische Sprachen  sprächen,  eine Ausbildung  im  Catering  sowie  eine  gute  Allgemeinbildung  hätten.  Diese  Kompetenzen  seien  erforderlich,  um  anspruchsvolle  asiatische  Gäste  mit  ihren  speziellen  Esstraditionen  und  ­feinheiten  überhaupt  zufrieden  stellen  zu  können. Vor  diesem  Hintergrund  stellt  sich  die  Frage,  ob  B._______  und  C._______  –  auch  ohne  die  an  Spezialitätenköche  gestellten  Anforderungen  zu  erfüllen  –  als  Spezialisten  oder  andere  qualifizierte  Arbeitskräfte im Sinne von Art. 23 Abs. 1 AuG zu betrachten sind.  9.1.  An  Spezialisten  werden,  je  nach  Berufsfeld,  unterschiedliche  Anforderungen  gestellt.  Diese  müssen  in  Bezug  auf  Ausbildung  und  beruflichen  Werdegang  bestimmte  Kriterien  erfüllen  (vgl.  E.  8  mit  Hinweisen),  weshalb  das  BFM  in  seinen Weisungen  für  verschiedene  Branchen,  Berufe  und  Funktionen  Richtlinien  aufgestellt  hat.  Bloss  deshalb,  weil  es  in  der  Schweiz  keine  auf  das  von  der  Beschwerdeführerin  geschilderte  Anforderungsprofil  zugeschnittene  spezielle  Ausbildung  gibt,  können  B._______  und  C._______  jedoch  noch nicht als Spezialisten  im Sinne von Art.  23 Abs. 1 AuG betrachtet  werden. 

C­388/2010 und C­391/2010 9.2.    Als  andere  qualifizierte  Arbeitskräfte  im  Sinne  von  Art.  23  Abs.  1  AuG  können ausländische Personen  zugelassen werden, wenn die  von  ihnen  angebotene  Leistung  einer  Nachfrage  entspricht,  der  nicht  durch  inländische  Arbeitskräfte  nachgekommen  werden  kann  (vgl.  LISA  OTT,  a.a.O.,  Art.  23  N  6).  Bei  diesen  Personen  stehen  somit  Funktion  oder  Spezialausbildung  nicht  im  Vordergrund.  Ihre  Zulassung  verlangt  auch  keine  hohe  Qualifizierung  (vgl.  MARC  SPESCHA  in:  Spescha/Thür/Zünd/Bolzli  [Hrsg.],  Migrationsrecht,  Zürich  2009,  Art.  23  AuG N 1). Allerdings soll es  für Stellen, die keine Ausbildung erfordern,  grundsätzlich  keine  Zulassung  zum  Arbeitsmarkt  geben.  Vermieden  werden  soll  damit  eine  Anstellung  für  gewisse  Hilfstätigkeiten –  beispielsweise  in  der  Landwirtschaft,  im  Bau­,  Gast­  oder  Reinigungsgewerbe  –,  bei  denen  die  Betroffenen  im  Falle  späterer  Arbeitslosigkeit  schlechtere  Chancen  für  die  berufliche  Wiedereingliederung  hätten  (vgl. MARC SPESCHA,  a.a.O.,  Art. 23  AuG N  6). 9.2.1.  Aufgrund  der  in  Indien  genossenen  Ausbildung  und  Berufserfahrung können B._______ und C._______, wie bereits gesagt,  eine  berufliche  Qualifikation  auf  gehobenem  Niveau  vorweisen.  Den  Behauptungen der Beschwerdeführerin zufolge verfügen beide auch über  Ausbildungen und Erfahrungen  im Catering, einem Tätigkeitsbereich,  für  den  hierzulande  keine  beruflichen  Regelungen  existieren.  Dienstleistungen  eines  Caterers  können  darin  bestehen,  dass  vorproduzierte  Speisen  an  einen  bestimmen  Ort  geliefert  werden,  aber  auch  darin,  dass  –  über  die  logistische  Komponente  hinaus –  Speisenzubereitung und Service direkt beim Kunden angeboten werden.  Der Aufgabenbereich, der gemäss Vorstellungen der Beschwerdeführerin  von  ihren  beiden Bewerbern  abgedeckt  werden  soll,  umfasst  alle  diese  Aspekte.  9.2.2. Dass B._______ und C._______ die entsprechenden Erwartungen  ihrer Arbeitgeberin während des geleisteten Praktikums erfüllen konnten,  ist  nicht  entscheidend.  Einzeln  betrachtet  würden  ihre  als  Catering  zusammengefassten  Tätigkeiten  keine  Zulassung  zum  Arbeitsmarkt  erlauben:  Zum  einen  werden  die  an  Spezialitätenköche  gestellten  Anforderungen  nicht  erfüllt;  zum anderen  erfordern  die  rein  logistischen  Aufgaben des Caterings keine spezielle Ausbildung, weshalb die insoweit  vorhandenen  Fähigkeiten  der  Bewerber  für  ihre  Zulassung  keine  Rolle  spielen  (vgl.  E.  9.2);  was  den  mit  der  Speisenzubereitung  einhergehenden  Service  angeht,  ist  schliesslich  festzustellen,  dass 

C­388/2010 und C­391/2010 diesbezüglich  auf  Arbeitnehmer  aus  dem  Inland  und  dem  EU­/EFTA­ Raum zurückgegriffen werden kann. In den Weisungen des BFM gibt es  daher auch keine Richtlinien, welche die Zulassung von Servicepersonal  im Gastgewerbe betreffen. 9.2.3.  Allenfalls  könnten  die  beschriebenen  Fähigkeiten  in  ihrer  Gesamtheit als genügende Qualifikation im Sinne von Art. 23 Abs. 1 AuG  betrachtet  werden.  Die  Beschwerdeführerin  hat  zusätzlich  auf  das  organisatorische  Talent  ihrer  beiden Bewerber  hingewiesen  und  betont,  dass diese dank ihrer Sprachkenntnisse und ihrer guten Allgemeinbildung  besser  auf  die  asiatischen  Gäste  und  deren  besondere  Esstraditionen  eingehen  könnten.  Im Mittelpunkt  steht  daher  die  Frage,  ob  gerade  die  zusätzlichen  Kompetenzen,  welche  die  Beschwerdeführerin  B._______  und C._______  in Bezug  auf  die Gästebewirtung  zuspricht,  von Art.  23  Abs. 1 AuG erfasst werden.  Diese  Kompetenzen,  welche  offensichtlich  im  Rahmen  der  Hotelfachausbildung  erworben  wurden,  werden  von  der  Beschwerdeführerin als unabdingbar für  ihren als Catering bezeichneten  Geschäftszweig  dargestellt.  Dies  ist  jedoch  zu  relativieren,  zumal  der  Aspekt  des  Kochens  bzw.  der  eigentlichen  Essenszubereitung  keine  Berücksichtigung  finden  kann.  Dass  bei  der  Bewirtung  und  Bedienung  von  Gästen  gewisse  Umgangsformen  zu  wahren  sind,  ist  unbestritten;  Kommunikationsfähigkeiten spielen in diesem Dienstleistungsbereich nur  eine  untergeordnete  Rolle,  und  es  besteht  somit  kein  echtes  arbeitsmarktliches  Bedürfnis,  ausländische  Arbeitskräfte  mit  hochstehender  Ausbildung  und/oder  hervorragenden  Fremdsprachenkenntnissen  einzustellen.  Für  gastgewerbliche  Betriebe,  deren Gäste  vor  allem Touristen oder Touristengruppen sind,  gilt  nichts  anderes,  da  auch  hier  der  Kontakt  zwischen  Servicepersonal  und Gast  nicht  persönlich  geprägt  wird.  Von  der  Beschwerdeführerin  wird  dieser  Aspekt deutlich überbewertet. 9.2.4.    Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  die  Arbeitsstellen,  welche  die  Beschwerdeführerin  B._______  und  C._______  angeboten  hat, nicht auf deren eigentliche Qualifikationen zugeschnitten sind. Dabei  kommt es nicht auf die persönliche Sichtweise an, sondern darauf, ob die  von  den  Bewerbern  angebotenen  Leistungen  einer  tatsächlichen  Nachfrage  entsprechen,  der  nicht  durch  inländische  oder  Arbeitskräfte  aus  dem  EU­/EFTA  nachgekommen  werden  kann  (vgl.  E.  6.3.1).  Eine  solche  Nachfrage  besteht  im  vorliegenden  Fall  nicht.  B._______  und 

C­388/2010 und C­391/2010 C._______  können  aus  diesem  Grund  nicht  als  andere  qualifizierte  Arbeitskräfte im Sinne von Art. 23 Abs. 1 AuG betrachtet werden.    10.  Gemäss  Art.  23  Abs.  3  Bst.  c  AuG  können,  in  Abweichung  von  den  Absätzen  1  und  2  –  letzterer  ist  hier  nicht  relevant  –  ausländische  Personen mit besonderen beruflichen Kenntnissen oder Fähigkeiten zum  Arbeitsmarkt zugelassen werden, sofern  für deren Zulassung ein Bedarf  ausgewiesen  ist.  Es  ist  unklar,  wie  solche  –  weniger  qualifizierten –  Personen  von  den  qualifizierten  Arbeitskräften  abgegrenzt  werden  können (vgl. LISA OTT, a.a.O. Art. 23 N 22).  Für sie hat der Gesetzgeber  beispielhaft Tätigkeiten in einem Zirkus, die Reinigung und den Unterhalt  von  Spezialanlagen  oder  den  Tunnelbau  genannt;  er  hat  dabei  ausdrücklich  darauf  hingewiesen,  dass  es  sich  um  Tätigkeiten  handeln  muss,  die  durch  Arbeitskräfte  in  der  Schweiz  sowie  aus  dem  EU­  und  dem EFTA­Raum nicht oder nur ungenügend abgedeckt werden können  (vgl.  Botschaft  des  Bundesrates  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen und Ausländer [AuG] BBl 2002 3709 ff. S. 3783). Letztere  Voraussetzung  wird,  wie  bereits  dargelegt,  im  vorliegenden  Fall  nicht  erfüllt. Ein Zulassung zum schweizerischen Arbeitsmarkt kommt daher für  B._______ und C._______ auch nicht aufgrund von Art. 23 Abs. 3 Bst. c  AuG in Betracht. 11.  Ausnahmen  von  den  Zulassungsvoraussetzungen  nach  Art.  23  Abs.  1  und  2  AuG  sind  auch  möglich  für  das  Kaderpersonal  von  international  tätigen  Unternehmen  (Art.  23  Abs.  3  Bst.  d  AuG)  sowie  für  Personen,  deren  Tätigkeit  in  der  Schweiz  im  Rahmen  von  wirtschaftlich  bedeutenden  internationalen Geschäftsbeziehungen unerlässlich  ist  (Art.  23 Abs. 3 Bst. e AuG). Zu beiden Personengruppen gehören B._______  und  C._______  zweifelsohne  nicht.  Es  ist  in  diesem  Zusammenhang  ohne Belang, dass die Beschwerdeführerin auf die Zusammenarbeit ihres  Betriebs mit Unternehmen der Touristikbranche hingewiesen hat.  12.  Aus  alledem  ergibt  sich,  dass  die  beiden  Bewerber  der  Beschwerdeführerin  die  Zulassungsvoraussetzungen  nach  Art.  23  AuG  nicht  erfüllen.  Die   angefochtenen  Verfügungen  sind  somit  zu  Recht  ergangen (vgl. Art. 49 VwVG). Dementsprechend sind die Beschwerden  abzuweisen.

C­388/2010 und C­391/2010 13.  Angesichts dieses Verfahrensausgangs sind der Beschwerdeführerin die  Kosten aufzuerlegen  (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG  i.V.m. Art. 1, Art. 2 und  Art. 3 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]). Dispositiv nächste Seite 

C­388/2010 und C­391/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerdeverfahren C­388/2010 und C­391/2010 werden vereinigt. 2.  Die Beschwerden werden abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  insgesamt  Fr.  2'000.­  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt.  Sie  werden  mit  den  geleisteten  Kostenvorschüssen von je Fr. 1'000.­ verrechnet. 4.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben) – die Vorinstanz (…) – das Amt für Migration des Kantons Luzern Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Ruth Beutler Barbara Giemsa­Haake Versand:

C-388/2010 — Bundesverwaltungsgericht 21.02.2012 C-388/2010 — Swissrulings