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Bundesverwaltungsgericht 01.07.2011 C-3127/2010

1. Juli 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,312 Wörter·~7 min·1

Zusammenfassung

Einreiseverbot | Einreiseverbot

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­3127/2010 Urteil   v om   1 .   Juli   2011 Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richterin Elena Avenati­Carpani, Richter Andreas Trommer,    Gerichtsschreiberin Mirjam Angehrn. Parteien S._______, p.A. M._______,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Einreiseverbot.

C­3127/2010 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer (geb. […]) ist türkischer Staatsangehöriger und im  Besitz eines österreichischen Aufenthaltstitels  (Daueraufenthalt). Am 23.  Februar  2010  wollte  er  beim  Zollamt  X._______,  in  Begleitung  von  K._______  und  I._______,  mit  seinem  Personenwagen  in  die  Schweiz  einreisen.  Bei  der  Kontrolle  wies  sich  I._______  mit  einer  gefälschten  italienischen  Identitätskarte  aus.  Aufgrund  dessen  gelangte  der  Beschwerdeführer  anschliessend  beim  Untersuchungsamt  Altstätten  wegen  Förderung  der  rechtswidrigen  Einreise  einer  Person  in  die  Schweiz zur Anzeige. B.  Die Vorinstanz  verfügte  am  8.  April  2010  gegen  den Beschwerdeführer  ein  Einreiseverbot  von  zwei  Jahren.  Die  Massnahme  wurde  damit  begründet,  der Beschwerdeführer  habe wegen Schleppertätigkeit  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  verstossen  und  gefährde  diese.  Einer  allfälligen  Beschwerde  gegen  diese  Verfügung  wurde  die  aufschiebende  Wirkung  entzogen.  Die  Ausschreibung  im  Schengener  Informationssystem (SIS) wurde gleichentags wieder aufgehoben. C.  Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  27.  April  2010  an  das  Bundeverwaltungsgericht beantragt der Beschwerdeführer die Aufhebung  des Einreiseverbots. Zur Begründung macht er im Wesentlichen geltend,  er  kenne  den  Bekannten  seines  Freundes  K._______  nicht  und  habe  nicht gewusst, dass dieser mit gefälschten Papieren unterwegs gewesen  sei. Deshalb habe er sich nicht der Schleppertätigkeit schuldig gemacht.  D.  Am  25.  Juni  2010  beantragt  der  Beschwerdeführer  in  einer  weiteren  Zuschrift die Rückgabe des von  ihm anlässlich der Befragung durch die  Kantonspolizei St. Gallen  geleisteten Bussen­  und Kostendepositums  in  der  Höhe  von  Fr.  180.­­.  Gleichzeitig  ersucht  er  sinngemäss  um  Kostenbefreiung für das vorliegende Verfahren. E.  In ihrer Vernehmlassung vom 13. September 2010 hält die Vorinstanz an  der  angefochtenen  Verfügung  fest,  schliesst  auf  Abweisung  der  Beschwerde  und  verweist  auf  das Urteil  des  Strafbefehlsrichters  Basel­ Stadt vom 21. April 2010, in welchem der Beschwerdeführer wegen eines 

C­3127/2010 Vergehens  gegen  das  Bundesgesetz  über Waffen,  Waffenzubehör  und  Munition, begangen am 28. November 2009, zu einer Geldstrafe von fünf  Tagessätzen  à  Fr.  30.00,  bedingt  auf  eine  Probezeit  von  zwei  Jahren  sowie zu einer Busse von Fr. 150.00 verurteilt wurde. F.  Mit Replik  vom 15. Oktober 2010 hält  der Beschwerdeführer an seinem  Rechtsbegehren  und  dessen  Begründung  fest  und  beantragt  die  gerichtliche Befragung seines Freundes K._______. Er reichte namentlich  das Urteil vom 21. April 2010 des Strafbefehlsrichters Basel­Stadt zu den  Akten. G.  Am 19. Oktober 2010 gab das Bundesverwaltungsgericht dem Antrag auf  Zeugeneinvernahme  nicht  statt  und  räumte  dem  Beschwerdeführer  die  Gelegenheit  ein,  dem  Gericht  eine  schriftliche  Stellungnahme  der  angerufenen Person einzureichen. H.  Mit  Schreiben  vom  22.  November  2010  bekräftigt  K._______,  dass  der  Beschwerdeführer  I._______  nicht  gekannt  habe  und  demzufolge  unschuldig sei. I.  Mit  Urteil  des  Strafgerichts  Basel­Stadt  (Verfahrensabtretung)  vom         18.  August  2010,  eingegangen  am  14.  Juni  2011,  wurde  der  Beschwerdeführer  im Zusammenhang mit  dem Vorfall  vom 23.  Februar  2010 wegen  Förderung  der  rechtswidrigen  Einreise  zu  einer Geldstrafe  von  10  Tagessätzen  zu   Fr.  30.­­,  bedingt  auf  eine  Probezeit  von  zwei  Jahren verurteilt (Zusatzstrafe zum Urteil vom 21. April 2010). J.  Auf  den  weiteren  Sachverhalt  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.    

C­3127/2010 1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden  gegen  Verfügungen  im  Sinne  von  Art.  5  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021),  sofern  keine  Ausnahme  nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 VGG  genannten  Behörden.  Dazu  gehört  auch  das  BFM,  das  mit  der  Anordnung eines Einreiseverbotes eine Verfügung im erwähnten Sinne  und  daher  ein  zulässiges  Anfechtungsobjekt  erlassen  hat.  Eine  Ausnahme nach Art. 32 VGG liegt nicht vor. 1.2 Das  Rechtsmittelverfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  soweit  das  Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.3 Der  Beschwerdeführer  ist  als  Verfügungsbetroffener  zur  Erhebung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  somit  einzutreten  (Art. 49 ff. VwVG). 2. Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung des  rechtserheblichen Sachverhaltes sowie – wenn nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art.  49  VwVG).  Das  Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht von Amtes wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen  als  den  geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend ist grundsätzlich die Sach­ und Rechtslage zum Zeitpunkt  seines  Entscheides  (vgl.  E.  1.2  des  in  BGE  129  II  215  teilweise  publizierten  Urteils  des  Bundesgerichts  2A.451/2002  vom  28.  März  2003). 3.   3.1 Hinsichtlich  der  vom  Beschwerdeführer  als  Beweismassnahme  beantragten  gerichtlichen  Befragung  seines  Freundes K._______  ist Folgendes  festzuhalten: Der Behörde kommt  grundsätzlich  die  Pflicht  zu,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  von 

C­3127/2010 Amtes wegen zu ermitteln (Art. 12 VwVG). Die Behörde ist verpflichtet,  die von den Parteien angebotenen Beweise abzunehmen, sofern diese  geeignet sind, den  rechtserheblichen Sachverhalt zu erhellen. Kommt  die  Behörde  bei  pflichtgemässer  Beweiswürdigung  zur  Überzeugung,  die  Akten  erlaubten  die  richtige  und  vollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen Sachverhalts  oder  die  behauptete  Tatsache  sei  für  die  Entscheidung  der  Streitsache  nicht  von  Bedeutung,  kann  sie  auf  die  Erhebung  weiterer  Beweise  verzichten,  ohne  durch  diese  antizipierte  Beweiswürdigung  den  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  gemäss  Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) zu verletzen (vgl.  zum  Ganzen  BGE  136  I  229  E.  5.3  S.  236  mit  Hinweis).  Überdies  handelt es sich bei der Zeugeneinvernahme gemäss Art. 14 VwVG um  ein  subsidiäres  Beweismittel;  eine  solche  darf  –  der  besonderen  Voraussetzungen  und  Folgen  wegen  –  nur  ausnahmsweise  angeordnet werden (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 1C_427/2008  vom 2. Februar 2009 E. 2.2). 3.2 Der  entscheiderhebliche  Sachverhalt  erschliesst  sich,  wie  nachfolgend  zu  zeigen  sein  wird,  in  hinreichender  Weise  aus  den  Akten. Von der  beantragten Befragung  von K._______  kann daher  in  antizipierter  Beweiswürdigung  ohne  Verletzung  des  Anspruchs  auf  rechtliches  Gehör  abgesehen  werden.  Zudem  hat  der  Beschwerdeführer die Gelegenheit wahrgenommen, dem Gericht eine  schriftliche Stellungnahme seines Freundes einzureichen. 4.   4.1 Das in Art. 67 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen  und Ausländer  vom  16. Dezember  2005  (AuG, SR  142.20)  geregelte  Einreiseverbot entspricht der altrechtlichen Einreisesperre des Art. 13  des  Bundesgesetzes  vom  26.  März  1931  über  Aufenthalt  und  Niederlassung der Ausländer  (ANAG, AS 49 279). Auf  den 1.  Januar  2011  trat  als  Folge  der  Weiterentwicklung  des  Schengen­ Besitzstandes eine neue Fassung in Kraft (zum Ganzen vgl. BBl 2009  8881  und  AS  2010  5925).  Nach  Art.  67  Abs.  1  AuG  wird  ein  Einreiseverbot  vom  BFM  unter  Vorbehalt  von  Abs.  5  nun  gegenüber  weggewiesenen  Ausländerinnen  und  Ausländern  verfügt,  wenn  die  Wegweisung nach Art. 64d Abs. 2 Bst. a – c AuG sofort vollstreckt wird  (Art.  67  Abs.  1  Bst.  a  AuG)  oder  die  betroffene  Person  der  Ausreiseverpflichtung  nicht  nachgekommen  ist  (Art.  67  Abs.  1  Bst.  b 

C­3127/2010 AuG). Es kann nach Art.  67 Abs. 2 AuG sodann gegen ausländische  Personen  erlassen  werden,  die  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen haben oder diese  gefährden  (Art.  67 Abs.  2 Bst.  a), Sozialhilfekosten  verursacht  haben  (Art.  67  Abs.  2  Bst.  b)  oder  in  Vorbereitungs­,  Ausschaffungs­  oder  Durchsetzungshaft genommen werden mussten (Art. 67 Abs. 2 Bst. c).  Das  Einreiseverbot  wird  für  eine  Dauer  von  höchstens  fünf  Jahren  verhängt.  Es  kann  für  eine  längere  Dauer  verfügt  werden,  wenn  die  betroffene  Person  eine  schwerwiegende  Gefahr  für  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  darstellt  (Art.  67  Abs.  3  AuG).  Schliesslich  kann  die  verfügende  Behörde  aus  humanitären  oder  anderen  wichtigen  Gründen  von  der  Verhängung  eines  Einreiseverbots  absehen  oder  ein  Einreiseverbot  vollständig  oder  vorübergehend  aufheben  (Art.  67  Abs.  5  AuG).  Die  bisher  bestehende  Praxis  der  Vorinstanz  bei  der  Ansetzung  von  Fernhaltemassnahmen  ist  mit  den  obgenannten  Grundsätzen  vereinbar  (vgl.  BBl  2009  8896  ad  Art.  67  Abs. 3  in fine), weswegen sich für den Beschwerdeführer  im Ergebnis  nichts  ändert  (Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts C­820/2009  vom  9. März 2011 E. 5.1 mit Hinweis). 4.2 Wie  bereits  die  altrechtliche  Einreisesperre  ist  das  Einreiseverbot keine Sanktion für vergangenes Fehlverhalten, sondern  eine  Massnahme  zur  Abwendung  einer  künftigen  Störung  der  öffentlichen  Sicherheit  und  Ordnung  (siehe  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBl  2002  3813).  Die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  im  Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG  (welcher der alten Fassung von  Art.  67  Abs.  1  Bst.  a  AuG  entspricht)  bildet  den  Oberbegriff  für  die  Gesamtheit der polizeilichen Schutzgüter. Sie umfasst unter anderem  die  Unverletzlichkeit  der  objektiven  Rechtsordnung  und  der  Rechtsgüter  Einzelner  (BBl  2002  3809;  vgl.  auch  RAINER  J.  SCHWEIZER/PATRICK  SUTTER/NINA  WIDMER,  in:  Rainer  J.  Schweizer [Hrsg.], Sicherheits­ und Ordnungsrecht des Bundes, SBVR  Bd. III/1, Basel 2008, Teil B, Rz. 12 und 13 mit Hinweisen). In diesem  Sinne liegt nach Art. 80 Abs. 1 Bst. a der Verordnung vom 24. Oktober  2007  über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit  (VZAE,  SR  142.201)  ein  Verstoss  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  unter  anderem  dann  vor,  wenn  gesetzliche  Vorschriften  oder  behördliche  Verfügungen  missachtet  werden.  Somit  kann  die  vorliegende  Rechtsgutverletzung  als  Teil  der  objektiven  Rechtsordnung  ein  Einreiseverbot  nach  sich  ziehen,  allerdings  nicht 

C­3127/2010 als Sanktion, sondern als Massnahme zum Schutz künftiger Störungen  (vgl. BBl 2002 3813). 4.3 Zum Zeitpunkt  des Erlasses des Einreiseverbots war gegen  den  Beschwerdeführer  beim  Untersuchungsamt  Altstätten  ein  Strafverfahren  hängig.  Das  Einreiseverbot  seinerseits  hat  ordnungsrechtlichen  Charakter  und  soll  einer  künftigen  Störung  der  öffentlichen  Sicherheit  und  Ordnung  vorbeugen,  nicht  aber  ein  bestimmtes  Verhalten  im  strafrechtlichen  Sinne  ahnden.  Strafrechtliche  und  fremdenpolizeiliche  Massnahmen  sind  nicht  nur  voneinander  unabhängig,  sondern  bedingen  sich  gegenseitig  auch  nicht.  Sie  beruhen  vielmehr  auf  unterschiedlicher  gesetzlicher  Grundlage  und  verfolgen  verschiedene  Zielsetzungen,  so  dass  ein  Verhalten  in massnahmerechtlicher Hinsicht  grösseres Gewicht als  in  strafrechtlicher Hinsicht haben kann (vgl. BGE 109 Ib 177 E. 1 S. 179  mit  Hinweis).  Ein  Einreiseverbot  kann  auch  dann  ergehen,  wenn  ein  rechtskräftiges  Strafurteil  fehlt,  sei  es  weil  ein  Strafverfahren  nicht  eröffnet wurde oder noch hängig ist. Demzufolge  genügte  es  im  vorliegenden  Zusammenhang,  wenn  die  Vorinstanz  aufgrund  der  Würdigung  der  Akten  und  Beweismittel  zur  Überzeugung  gelangte,  dass  hinreichende  Anhaltspunkte  für  die  Erfüllung der Voraussetzungen eines Einreiseverbots bestanden.  4.4 Mit  rechtskräftigem Urteil  des Strafgerichts Basel­Stadt  vom  18.  August  2010  wurde  der  Beschwerdeführer  wegen  Förderung  der  rechtswidrigen  Einreise  verurteilt.  Die  Voraussetzungen  für  ein  Einreiseverbot gemäss Art. 67 Abs. 1 Bst. a AuG in der Fassung vom  1. Januar 2008 bzw. Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG in der Fassung vom 1.  Januar  2011  sind  –  entgegen  der  Ansicht  des  Beschwerdeführers –  daher zweifelsohne erfüllt. 5. War  somit  ein  entsprechender  Grund  zur  Verhängung  einer  Fernhaltemassnahme  gegeben,  so  bleibt  zu  prüfen,  ob  das  Einreiseverbot  von  seiner  Dauer  her  in  richtiger  Ausübung  des  Ermessens ergangen ist. Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit steht  dabei  im Vordergrund. Unter  diesem Gesichtspunkt  ist  eine wertende  Abwägung  vorzunehmen  zwischen  dem  öffentlichen  Interesse  an  der  Massnahme  einerseits  und  den  von  der Massnahme  beeinträchtigten  privaten  Interessen  des  Betroffenen  andererseits.  Die  Stellung  der  verletzten  oder  gefährdeten  Rechtsgüter,  die  Besonderheiten  des 

C­3127/2010 ordnungswidrigen  Verhaltens  und  die  persönlichen  Verhältnisse  des  Verfügungsbelasteten  bilden  dabei  den  Ausgangspunkt  der  Überlegungen  (vgl.  ULRICH  HÄFELIN/GEORG  MÜLLER/FELIX  UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Aufl., Zürich/Basel/Genf  2006, Rz 613 ff.). 5.1 Das  öffentliche  Interesse  an  einer  uneingeschränkten  Einhaltung der  fremdenpolizeilichen Ordnung  ist ganz allgemein hoch  zu  veranschlagen,  und  es  entspricht  der  gängigen  Praxis,  wenn  bei  der Förderung der rechtswidrigen Einreise einer Person in die Schweiz  eine zweijährige Einreisesperre angeordnet wird. An  persönlichen  Interessen  macht  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Rechtsmitteleingabe  und  später  geltend,  er  würde  sich  gerne  wieder  um eine Stelle als Lastwagenchauffeur bewerben. Da er in H._______  und  somit  unmittelbar  an  der  Grenze  zur  Schweiz  wohne,  sei  das  Einreiseverbot bei der Stellensuche hinderlich, da er keine Fahrten  in  die Schweiz machen könne. Zudem wohne sein Bruder in Basel. 5.2 Eine  wertende  Gewichtung  der  sich  entgegenstehenden  Interessen führt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass das  zweijährige  Einreiseverbot  auch  im  gegenwärtigen  Zeitpunkt  eine  verhältnismässige  und  angemessene  Massnahme  zum  Schutz  der  öffentlichen  Ordnung  darstellt.  Es  ist  dem  Beschwerdeführer  zuzumuten,  bis  Ende März  2012  einer  anderen  als  der  gewünschten  Erwerbstätigkeit nachzugehen, oder gegebenenfalls auf Berufsfahrten  in  die  Schweiz  zu  verzichten,  sah  die  Vorinstanz  doch  von  einer  Ausschreibung im SIS­System ab. Es steht ihm zudem die Möglichkeit  offen,  aus  wichtigen  Gründen  mittels  Gesuch  die  zeitweilige  Suspension  der  angeordneten  Fernhaltemassnahme  zu  beantragen  (Art. 67 Abs. 5 AuG). Die Suspension wird aber praxisgemäss nur  für  eine  kurze  und  klar  begrenzte  Zeit  gewährt  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts C­2681/2010  vom 6. Mai  2011 E.  6.3 mit  Hinweis).  Der  Kontakt  zwischen  ihm  und  seinem  in  der  Schweiz  lebenden  Bruder  kann  im  Übrigen  auch  auf  andere Weise  als  durch  Besuche in der Schweiz gepflegt werden (Briefverkehr, Videotelefonie,  Telefonate oder durch Besuche seines Bruders in Österreich).  6. Gegenstand  des  vorliegenden  Verfahrens  ist  lediglich  das  Einreiseverbot.  Für  die  Forderung  des  Beschwerdeführers,  ihm  das  anlässlich der Befragung durch die Kantonspolizei St. Gallen geleistete 

C­3127/2010 Bussen­  und  Kostendepositum  in  der  Höhe  von  Fr.  180.­­  zurückzuerstatten,  ist  der  Beschwerdeführer  an  die  zuständige  Amtsstelle zu verweisen. 7. Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  im Lichte  von Art.  49 VwVG nicht  zu beanstanden  ist. Die  Beschwerde ist somit abzuweisen.  8. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wird der unterliegende  Beschwerdeführer  kostenpflichtig  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Die  Verfahrenskosten sind auf Fr. 800.­ festzusetzen (Art. 1, Art. 2 und Art.  3 Bst.  b  des Reglements  vom 21. Februar  2008 über die Kosten und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Dem  nachträglich  gestellten  Gesuch  um  Erlass  der  Verfahrenskosten  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  ist  nicht  stattzugeben, waren doch die Rechtsbegehren ­ sowohl ex ante wie ex  post betrachtet ­ als aussichtslos einzustufen. 9. Das  vorliegende  Urteil  ist  endgültig  (Art.  83  Bst.  c  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). (Dispositiv nächste Seite)

C­3127/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen. 3. Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  800.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt. 4. Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben, Beilage: Einzahlungsschein) – die Vorinstanz (Ref. Nr. […]) – das Migrationsamt des Kantons St. Gallen (Ref. Nr. […]) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Antonio Imoberdorf Mirjam Angehrn Versand:

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