Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 23.02.2012 C-3031/2010

23. Februar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,256 Wörter·~6 min·1

Zusammenfassung

Einreiseverbot | Einreiseverbot

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­3031/2010 Urteil   v om   2 3 .   Februar   2012 Besetzung Richterin Marianne Teuscher (Vorsitz), Richterin Ruth Beutler, Richter Blaise Vuille,  Gerichtsschreiberin Giulia Santangelo. Parteien O._______,  vertreten durch lic. iur. Veronika Imthurn, Rechtsanwältin,  Stadthausstrasse 53, Postfach 142, 8402 Winterthur, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Einreiseverbot.

C­3031/2010 Sachverhalt: A.  Aufgrund  einer  Baustellenkontrolle  in  H._______  durch  die  Arbeitskontrolle  Zürich  wurde  die  Kantonspolizei  Zürich  am  22.  März  2010  an  die  genannte  Baustelle  aufgeboten.  Dabei  wurde  nebst  acht  lettischen  Staatsangehörigen  der  Beschwerdeführer  (geb.  1956),  russischer Staatsangehöriger mit  lettischem Aufenthaltstitel,  angehalten.  Da  er  weder  Aufenthalts­  noch  Arbeitsbewilligung  vorweisen  konnte,  wurde er verhaftet und zwecks weiterer Abklärungen dem Polizeiposten  H._______ zugeführt. B.  Anlässlich  der  Einvernahme  durch  die  Kantonspolizei  Zürich  vom  23. März 2010 gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, am 12. oder 13.  Januar 2010 mit weiteren Arbeitskollegen  im eigenen Auto von Lettland,  wo sich seine Familie aufhalte, in die Schweiz eingereist zu sein. Er habe  für  ein  lettisches  Unternehmen  an  einem  Bauprojekt  in  der  Schweiz  gearbeitet und darauf vertraut, dass sein Arbeitgeber die entsprechenden  Bewilligungen einholen würde. Er bedaure den Fehler und sehe ein, dass  er sich persönlich um eine Bewilligung hätte bemühen müssen. Im  Rahmen  der  Einvernahme  wurde  dem  Beschwerdeführer  die  Verhängung einer Fernhaltemassnahme durch die zuständige Behörde in  Aussicht  gestellt  und  im  Sinne  des  rechtlichen Gehörs Gelegenheit  zur  Stellungnahme gegeben. C.  Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 23. März 2010  wurde  der  Beschwerdeführer  wegen  illegaler  Erwerbstätigkeit  im  Sinne  von  Art.  115  Abs.  1  Bst.  c  des  Ausländergesetzes  vom  16.  Dezember  2005  (AuG, SR 142.20),  vorsätzlich begangen  im Zeitraum vom 12./13.  Januar 2010 bis am 22. März 2010,  schuldig gesprochen und mit  einer  Geldstrafe  von  75  Tagessätzen  zu  Fr.  30.­  verurteilt.  Da  der  Beschwerdeführer nicht vorbestraft war, wurde eine erneute Straffälligkeit  ausgeschlossen  und  der  Vollzug  der  Geldstrafe  bedingt  aufgeschoben,  bei einer Probezeit von 2 Jahren. Der Strafbefehl erwuchs unangefochten  in  Rechtskraft.  Mit  Entlassungsbefehl  vom  23.  März  2010  wurde  der  Beschwerdeführer  aus  der  Haft  entlassen  und  dem  Migrationsamt  des  Kantons  Zürich  zugeführt,  welches  am  24. März  2010  die Wegweisung  innerhalb  von  48  Stunden  verfügte.  Diese  Verfügung  erwuchs  unangefochten in Rechtskraft.

C­3031/2010 D.  Am 24. März 2010 verhängte die Vorinstanz über den Beschwerdeführer  ein zweijähriges Einreiseverbot. Die Massnahme wurde damit begründet,  der  Beschwerdeführer  habe  durch  den  illegalen  Aufenthalt  und  die  illegale  Erwerbstätigkeit  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  verstossen.  Einer  allfälligen  Beschwerde  wurde  die  aufschiebende  Wirkung  entzogen.  Die  Verfügung  wurde  dem  Beschwerdeführer  gleichentags gegen Empfangsbestätigung ausgehändigt.  E.  Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  22.  April  2010  an  das  Eidgenössische  Justiz­  und  Polizeidepartement,  welche  unter  Fristwahrung  zuständigkeitshalber  an  das  Bundesverwaltungsgericht  weitergeleitet  wurde  (Eingang:  29.  April  2010;  vgl.  Art.  8  Abs.  1  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  [VwVG,  SR  172.021])  lässt  der  Beschwerdeführer  die  Aufhebung  des  Einreiseverbots,  eventualiter  eine  angemessene  Reduktion  der  Dauer  beantragen. Zur Begründung bringt die Parteivertreterin im Wesentlichen  vor,  der  Beschwerdeführer  sowie  weitere  Bauarbeiter  mit  lettischer  Staatsangehörigkeit  seien  am 21. März  2010  in  die Schweiz  eingereist,  um im Auftrag der Arbeitgeberfirma mit Sitz in Riga auf einer Baustelle in  Wetzikon  zu  arbeiten.  Keiner  dieser  Bauarbeiter  habe  über  eine  Aufenthalts­  oder Arbeitsbewilligung  verfügt.  Zwar  habe der Arbeitgeber  am 6. Januar 2010 das entsprechende Gesuch beim Amt  für Wirtschaft  und  Arbeit  des  Kantons  Zürich  eingereicht,  wo  dieses  am  16.  Februar  2010 eingegangen sei. Doch sei das Gesuch nicht  vollständig gewesen  und  retourniert  worden.  So  habe  das  kantonale  Migrationsamt  die  Zusicherung der Aufenthaltsbewilligung erst am 9. April 2010 verfügt. Das  Fehlen  einer  entsprechenden Bewilligung werde  nicht  bestritten,  jedoch  sei  der  Beschwerdeführer  gegenüber  seinen  lettischen  Arbeitskollegen  ungleich behandelt worden, indem lediglich gegen ihn ein Einreiseverbot  verfügt worden sei.  Im Weiteren habe er keine Gelegenheit gehabt, sich  zur  Fernhaltemassnahme  zu  äussern,  was  eine  krasse  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  darstelle.  Als  Beweismittel  werden  unter  Anderem  eine  Kopie  des  Gesuchs  um  Einreise­  und  Arbeitsbewilligung  an  das  kantonale  Migrationsamt,  datiert  vom  9.  bzw.  11.  Januar  2010  sowie  Kopien  des  Passes  und  der  lettischen  unbefristeten  Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers zu den Akten gereicht. F.  Die Vorinstanz  beantragt  in  ihrer Vernehmlassung  vom 8.  Juli  2010  die 

C­3031/2010 Abweisung  der  Beschwerde.  Der  Beschwerdeführer  sei  rechtskräftig  verurteilt worden, was praxisgemäss ein Verstoss gegen Art.  67 Abs.  1  Bst.  a  AuG  (zur  damaligen  Fassung  vgl.  AS  2007  5437)  darstelle.  Das  rechtliche  Gehör  sei  ihm  anlässlich  der  Befragung  durch  die  Kantonspolizei Zürich vom 23. März 2010 gewährt worden. Die ungleiche  Behandlung  gegenüber  den  Arbeitskollegen  ergebe  sich  aus  dem  Umstand,  wonach  sich  diese  als  lettische  Staatsangehörige  auf  das  Abkommen  zwischen  der  Europäischen  Gemeinschaft  und  ihren  Mitgliedstaaten  einerseits  und  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  andererseits  über  die  Freizügigkeit  (Freizügigkeitsabkommen  [FZA,  SR  0.142.112.681]) berufen könnten. G.  Mit Replik vom 12. Oktober 2010 hält die Parteivertreterin unter Verweis  auf  den  Entscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­7549/2008  und  C­7750/2008 vom 23. August 2010 an Beschwerde und Begründung fest.  Das  Fehlverhalten  des  Beschwerdeführers  rechtfertige  eine  Fernhaltemassnahme  nur,  wenn  ihr  Unrechtsgehalt  eine  gewisse  qualitative und quantitative Schwere erreiche. H.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  im  Sinne  von  Art.  5  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20. Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021),  sofern  keine  Ausnahme  nach  Art.  32  VGG  vorliegt.  Als  Vorinstanzen  gelten  die  in  Art.  33  VGG  genannten  Behörden.  Dazu  gehört  auch  das  BFM,  das  mit  der  Anordnung  eines  Einreiseverbotes  eine  Verfügung  im  erwähnten  Sinne  und  daher  ein  zulässiges  Anfechtungsobjekt erlassen hat. Eine Ausnahme nach Art. 32 VGG liegt  nicht vor.

C­3031/2010 1.2. Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet  sich  nach  dem  VwVG,  soweit  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes bestimmt (Art. 37 VGG).  1.3. Der  Beschwerdeführer  ist  als  Verfügungsadressat  zur  Beschwerde  legitimiert  (Art. 48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 49 ff. VwVG). 1.4. Das Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  endgültig  (Art. 83 Bst.  c  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  sowie  –  falls  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art. 49  VwVG).  Das  Bundesverwaltungsgericht  wendet  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art. 62  Abs. 4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden  und  kann  die  Beschwerde  auch  aus  anderen  als  den  geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich  die  Sachlage  zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2 mit Hinweis). 3.  In  formeller  Hinsicht  rügt  die  Parteivertreterin  die  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs,  indem  der  Beschwerdeführer  vor  Anordnung  der  Massnahme  keine  Gelegenheit  gehabt  habe,  sich  dazu  zu  äussern.  Diesbezüglich  ist  folgendes  festzuhalten:  Anlässlich  der  Einvernahme  durch  die  Kantonspolizei  Zürich  vom  23.  März  2010  wurde  der  Beschwerdeführer auf die allfällige Verfügung einer Fernhaltemassnahme  durch  die  zuständige  Behörde  aufmerksam  gemacht  und  erhielt  Gelegenheit  zur  Stellungnahme.  Das  rechtliche  Gehör  wurde  damit  gewährt und die diesbezügliche Rüge erweist sich als unbegründet.  4.  4.1.  Auf  den  1.  Januar  2011  trat  als  Folge  der  Weiterentwicklung  des  Schengen­Besitzstandes  eine  neue  Fassung  von  Art.  67  AuG  in  Kraft  (zum Ganzen vgl. BBl 2009 8881 und AS 2010 5925). Nach Art. 67 Abs.  1 AuG wird ein Einreiseverbot vom BFM unter Vorbehalt von Abs. 5 nun 

C­3031/2010 gegenüber  weggewiesenen  Ausländerinnen  und  Ausländern  verfügt,  wenn  die  Wegweisung  nach  Art.  64d  Abs.  2  Bst.  a  –  c  AuG  sofort  vollstreckt wird (Art. 67 Abs. 1 Bst. a AuG) oder die betroffene Person der  Ausreiseverpflichtung  nicht  nachgekommen  ist  (Art.  67  Abs.  1  Bst.  b  AuG).  Es  kann  nach  Art.  67  Abs. 2  AuG  sodann  gegen  ausländische  Personen  erlassen  werden,  die  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  in  der Schweiz  oder  im Ausland  verstossen  haben oder  diese  gefährden  (Art.  67  Abs.  2  Bst.  a),  Sozialhilfekosten  verursacht  haben  (Art. 67  Abs.  2  Bst.  b)  oder  in  Vorbereitungs­,  Ausschaffungs­  oder  Durchsetzungshaft  genommen werden mussten  (Art.  67  Abs.  2  Bst.  c).  Das  Einreiseverbot  wird  für  eine  Dauer  von  höchstens  fünf  Jahren  verhängt.  Es  kann  für  eine  längere  Dauer  verfügt  werden,  wenn  die  betroffene  Person  eine  schwerwiegende  Gefahr  für  die  öffentliche  Sicherheit und Ordnung darstellt (Art. 67 Abs. 3 AuG). Schliesslich kann  die  verfügende  Behörde  aus  humanitären  oder  anderen  wichtigen  Gründen  von  der  Verhängung  eines  Einreiseverbots  absehen  oder  ein  Einreiseverbot vollständig oder vorübergehend aufheben  (Art. 67 Abs. 5  AuG). Die  bisher  bestehende  Praxis  der  Vorinstanz  bei  der  Ansetzung  von  Fernhaltemassnahmen  ist  in  der  vorliegenden  Konstellation  mit  den  obgenannten Grundsätzen vereinbar (vgl. BBl 2009 8896 ad Art 67 Abs.  3 AuG in  fine sowie erwähntes Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C­ 2482/2009  vom  28.  Januar  2011  E.  6.  2  in  fine).  Zudem  bleibt  die  Rechtsänderung  im  Falle  des  Beschwerdeführers  ohnehin  ohne  Relevanz, da der ursprüngliche Art. 67 Abs. 1 Bst. a mit dem neuen Art.  67 Abs. 2 Bst. a AuG identisch ist. 4.2. Die öffentliche Sicherheit und Ordnung  im Sinne von Art. 67 Abs. 2  Bst.  a  AuG  bildet  den  Oberbegriff  für  die  Gesamtheit  der  polizeilichen  Schutzgüter.  Sie  umfasst  unter  anderem  die  Unverletzlichkeit  der  objektiven Rechtsordnung; deren Verletzung  ist namentlich gegeben bei  erheblichen oder wiederholten Verstössen gegen gesetzliche Vorschriften  oder  behördliche  Verfügungen  sowie  bei  Nichterfüllung  öffentlichrechtlicher  oder  privatrechtlicher  Verpflichtungen  (Botschaft,  a.a.O., 3809; vgl. auch Art. 80 Abs. 1 Bst. a und b der Verordnung vom  24.  Oktober  2007  über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit  [VZAE,  SR  142.201]  sowie  RAINER  J.  SCHWEIZER/PATRICK  SUTTER/NINA  WIDMER, in: Rainer J. Schweizer [Hrsg.], Sicherheits­ und Ordnungsrecht  des Bundes, SBVR Bd.  III/1, Basel 2008, Teil B, Rz. 13 mit Hinweisen).  Somit  kann  –  entgegen  der  Auffassung  des  Beschwerdeführers  –  eine 

C­3031/2010 Zuwiderhandlung gegen ausländerrechtliche Bestimmungen, als Teil der  objektiven  Rechtsordnung,  ein  Einreiseverbot  nach  sich  ziehen,  jedoch  nicht  als  Sanktion  für  vergangenes  Fehlverhalten,  sondern  als  Massnahme  zur  Abwendung  künftiger  Störungen  der  öffentlichen  Sicherheit und Ordnung (vgl. BBl 2002 3813). 4.3.  In Bezug auf die Verfehlungen, derentwegen der Beschwerdeführer  ausländerrechtlich  belangt  wurde,  gilt  zudem  allgemein,  dass  für  die  Verhängung  eines  Einreiseverbots  kein  vorsätzlicher  Verstoss  erforderlich  ist.  Es  genügt,  wenn  der  ausländischen  Person  eine  Sorgfaltspflichtverletzung  zugerechnet  werden  kann.  Unkenntnis  oder  Fehlinterpretation  der  Einreise­  oder  Aufenthaltsvorschriften  stellen  normalerweise  keinen  hinreichenden  Grund  für  ein  Absehen  von  einer  Fernhaltemassnahme  dar.  Jeder  Ausländerin  und  jedem  Ausländer  obliegt,  sich  über  bestehende Rechte  und  Pflichten  im  Zusammenhang  mit ausländerrechtlichen Vorschriften ins Bild zu setzen und sich im Falle  von Unklarheiten  bei  den  zuständigen Stellen  zu  informieren  (vgl. Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­4639/2010  vom  15.  Februar  2011  E.  5.3. mit Hinweis). 5.  Der  Beschwerdeführer  wurde  wegen  Wiederhandlung  gegen  das  Ausländergesetz im Sinne von Art. 115 Abs. 1 Bst. c AuG (nicht bewilligte  Erwerbstätigkeit)  am  23.  März  2010  strafrechtlich  zur  Rechenschaft  gezogen.  Gemäss  unangefochten  gebliebenem  Strafbefehl  der  Staatsanwaltschaft  See/Oberland  hat  er  im  Zeitraum  zwischen  12./13.  Januar  2010  und  22.  März  2010  als  Bauarbeiter  in  der  Schweiz  gearbeitet,  ohne  über  eine  entsprechende  Bewilligung  zu  verfügen.  Diesbezüglich  ist  der  Beschwerdeführer  geständig.  Indessen  kann  er  belegen,  dass  sein  Arbeitgeber  die  notwendige Aufenthaltsbewilligung  ­  zwar  zu  spät  ­  beantragt  hatte.  Damit  wäre  seine  Erwerbstätigkeit  vorderhand  in  einem  legalen Rahmen geplant  gewesen. Die Verletzung  der  ausländerrechtlichen  Normen  ist  damit  Folge  eines  pflichtwidrigen  Unterlassens, was die Wahrscheinlichkeit  einer wiederholten Verletzung  gering erscheinen  lässt.  Insgesamt  erfüllt  dieses Verhalten dennoch die  Voraussetzungen von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG, zumal ­ wie oben (vgl. E.  5.3) ausgeführt ­ auch die fahrlässige Verletzung sanktioniert wird. Damit  sind  grundsätzlich  die  Voraussetzungen  für  die  Anordnung  eines  Einreiseverbots erfüllt. 6. 

C­3031/2010 6.1.  Es  bleibt  zu  prüfen,  ob  die  angeordnete  Massnahme  in  richtiger  Ausübung des Ermessens ergangen und angemessen ist. Der Grundsatz  der  Verhältnismässigkeit  steht  dabei  im  Vordergrund.  Unter  diesem  Gesichtspunkt  ist eine wertende Abwägung vorzunehmen zwischen dem  öffentlichen  Interesse  an  der  Massnahme  einerseits  und  den  von  der  Massnahme  beeinträchtigten  privaten  Interessen  des  Betroffenen  andererseits.  Die  Stellung  der  verletzten  oder  gefährdeten Rechtsgüter,  die  Besonderheiten  des  ordnungswidrigen  Verhaltens  und  die  persönlichen  Verhältnisse  des  Verfügungsbelasteten  bilden  dabei  den  Ausgangspunkt  der  Überlegungen  (vgl.  statt  vieler  ULRICH  HÄFELIN  /  GEORG MÜLLER / FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl.,  Zürich / St. Gallen 2006, Rz. 613 ff.). 6.2. Das Fehlverhalten des Beschwerdeführers wiegt objektiv nicht leicht.  Es  beinhaltet  die  Missachtung  ausländerrechtlicher  Normen,  denen  im  Interesse einer funktionierenden Rechtsordnung eine zentrale Bedeutung  zukommt.  Ebenso  ist  die  subjektive  Seite,  nämlich  die  Nachlässigkeit  ausländerrechtlichen Vorschriften gegenüber, nicht zu bagatellisieren. 6.3. Eine wertende Gewichtung der sich entgegenstehenden öffentlichen  und privaten Interessen (die Möglichkeit der ungehinderten Einreise in die  Schweiz)  führt  zum  Ergebnis,  dass  das  auf  zwei  Jahre  befristete  Einreiseverbot  sowohl  vom Grundsatz  her  als  auch  in  Bezug  auf  seine  Dauer  eine  verhältnismässige  und  angemessene  Massnahme  zum  Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung darstellt.  7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig  und  vollständig  feststellt;  sie  ist  auch  angemessen  (vgl.  Art.  49 VwVG).  Die Beschwerde ist daher abzuweisen. 8.  Dem  Ausgang  des  Verfahrens  entsprechend  wird  der  unterliegende  Beschwerdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1, Art.  2  und  Art.  3  Bst. b  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,  SR 173.320.2]).0

C­3031/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  700.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt  und  mit  dem  am  26.  Mai  2010  geleisteten  Kostenvorschuss  verrechnet. 3.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref­Nr. 16231764.4 retour) – das Migrationsamt des Kantons Zürich (ad ZH 1.565.456) Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Marianne Teuscher Giulia Santangelo

C-3031/2010 — Bundesverwaltungsgericht 23.02.2012 C-3031/2010 — Swissrulings