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Bundesverwaltungsgericht 07.11.2011 C-2945/2009

7. November 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,611 Wörter·~8 min·3

Zusammenfassung

Rente | AHV, Abweisung des Rentengesuches

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­2945/2009 Urteil   v om   7 .   No v embe r   2011 Besetzung Richter Stefan Mesmer (Vorsitz), Richterin Madeleine Hirsig­Vouilloz,  Richter Francesco Parrino,  Gerichtsschreiber Marc Wälti. Parteien X._______,   Beschwerdeführerin,  gegen Schweizerische Ausgleichskasse SAK,  Avenue Edmond­Vaucher 18, Postfach 3100, 1211 Genf 2,    Vorinstanz.  Gegenstand AHV, Abweisung des Rentengesuches.

C­2945/2009 Sachverhalt: A.  Die  am  _______1944  geborene  deutsche  Staatsangehörige  X._______  (im  Folgenden:  Beschwerdeführerin)  lebt  in  Deutschland.  Im  Zusammenhang mit ihrem bei der deutschen Bundesversicherungsanstalt  für Angestellte, _______, am 18. Februar 2004 gestellten Rentenantrag,  der  am  23.  September  2004  an  die  Schweizerische  Ausgleichskasse  (SAK) weitergeleitet wurde  (Eingang am 6. Oktober 2004, act. 1 bis 12)  erfolgte  eine  Abklärung  der  schweizerischen  Versicherungszeiten.  Die  gestützt  auf  die  Aufenthaltsbewilligungen  und  die  Arbeitszeugnisse  der  Beschwerdeführerin  erfolgten  Abklärungen  ergaben,  dass  die  Beschwerdeführerin  sich  in  den  Jahren  1963  und  1964  in  der  Schweiz  aufgehalten  hatte  (Aufenthaltsbewilligung  B,  act.  95)  und  im  Jahr  1963  während eines Monats sowie im Jahr 1964 während 8 Monaten Beiträge  an  die  Schweizerische  Alters­  und  Hinterlassenenversicherung  bezahlt  hatte (act. 55). B.  Am 6. März 2008 stellte die Beschwerdeführerin mittels Formular (E 202)  bei der deutschen Rentenversicherung zu Handen der SAK einen Antrag  auf  Ausrichtung  einer  Altersrente  ab  dem  1.  April  2008  (bei  der  SAK  eingegangen am 16. September 2008, act. 59 bis 72). Mit Verfügung vom  17. Oktober  2008  (act.  118)  teilte  die SAK der Beschwerdeführerin mit,  dass  ihr Rentengesuch abgewiesen werde, da die Mindestbeitragsdauer  von  einem  Jahr  nicht  erfüllt  sei.  In  der  Folge  machte  die  Beschwerdeführerin einspracheweise geltend, sie könne beweisen, dass  sie mehr  als  12 Monate  in  der Schweiz wohnhaft  und  als Haushalthilfe  tätig  gewesen  sei. Mit  Entscheid  vom 30. März  2009 wies  die SAK  die  Einsprache  ab  mit  der  Begründung,  die  Feststellung  der  Beitragsdauer  stütze  sich  grundsätzlich  auf  das  von  der  Ausgleichskasse  für  jeden  beitragspflichtigen  Versicherten  geführte  individuelle  Konto  (IK)  ab.  Aus  ihrem  IK  gehe  lediglich  hervor,  dass  von  Dezember  1963  bis  und  mit  August  1964  im  Zusammenhang  mit  einer  Erwerbstätigkeit  bei  der  Familie  A._______  AHV­Beitrage  einbezahlt  worden  seien.  Ihre  Abklärungen  bei  den  zuständigen  Ausgleichskassen  hätten  ergeben,  dass  keine  weiteren  Beiträge  mehr  geleistet  worden  seien,  und  die  Beschwerdeführerin  könne  auch  nicht  den  vollen  Beweis  für  entsprechende  Zahlungen  erbringen,  der  eine  Berichtigung  des  individuellen Kontos erlauben würde.

C­2945/2009 C.  Gegen  den  Einspracheentscheid  vom  30.  März  2009  erhob  die  Beschwerdeführerin  am  28.  April  2009  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und  beantragte  sinngemäss  die  Aufhebung  des  Einspracheentscheides.  Sie  führte  aus,  im  Jahre  1963  bei  der  Familie  B._______  angestellt  gewesen  zu  sein,  was  eine  andere  Hausangestellte,  welche  zur  besagten  Zeit  ebenfalls  für  die  Familie  B._______  gearbeitet  habe,  bestätigen  könne.  Es  sei  nicht  vorstellbar,  dass die Familie B._______ für sie keine Beiträge bezahlt habe, da sie ja  länger für diese Familie gearbeitet habe als die andere Angestellte. Auch  die beiden Kinder dieser Familie könnten  ihre dortige Tätigkeit  im Jahre  1963 bestätigen. D.  In  ihrer ausführlichen Vernehmlassung vom 8. Juni 2009 beantragte die  SAK  die  Abweisung  der  Beschwerde  und  die  Bestätigung  des  Einspracheentscheids vom 30. März 2009 sowie der Verfügung vom 17.  Oktober 2008. Zur Begründung  führte sie aus, es sei  zwar belegt, dass  die  Beschwerdeführerin  von  Januar  1963  bis  Januar  1965  in  den  Gemeinden  C._______  und  D._______  Wohnsitz  gehabt  habe,  doch  könne  sie  keine  Lohnzettel  oder  andere  Belege  vorlegen,  welche  die  AHV­Abzüge  für  ihre  Erwerbstätigkeiten  nachweisen  würden.  Eine  Berichtigung  des  individuellen  Kontos  sei  daher  nicht  möglich  und  es  könne lediglich eine Beitragsdauer von 9 Monaten angerechnet werden. E.  Innert der ihr gewährten Frist reichte die Beschwerdeführerin keine Replik  ein, weshalb  der  Schriftenwechsel mit  Verfügung  vom 28.  August  2009  geschlossen wurde. F.  Auf  die  weiteren  Parteivorbringen  sowie  die  eingereichten  Unterlagen  wird  –  soweit  erforderlich  –  in  den  nachfolgenden  Erwägungen  näher  eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  Angefochten  ist  der  Einspracheentscheid  der  SAK  vom  30. März  2009,  mit welchem – in Bestätigung der Verfügung vom 17. Oktober 2008 – das 

C­2945/2009 Rentengesuch  der  Beschwerdeführerin  wegen  Nichterfüllung  der  einjährigen Mindestbeitragsdauer abgewiesen worden ist. 1.1.  Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (VGG,  SR 173.32)  in  Verbindung  mit  Art. 33  Bst. d  VGG  und  Art. 85bis  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1946  über  die  Alters­  und  Hinterlassenenversicherung  (AHVG,  SR 831.10)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden  von  Personen  im Ausland gegen Verfügungen der Schweizerischen Ausgleichskasse.  Da  keine  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  vorliegt,  ist  das  Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung der Beschwerde zuständig. 1.2.  Aufgrund  von  Art. 3  Bst. dbis  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  findet  das  VwVG  keine  Anwendung  in  Sozialversicherungsrechtssachen,  soweit  das  Bundesgesetz  vom  6. Oktober  2000  über  den  Allgemeinen  Teil  des  Sozialversicherungsrechts  (ATSG,  SR 830.1)  anwendbar  ist.  Gemäss  Art. 1  Abs. 1  AHVG  sind  die  Bestimmungen  des  ATSG  auf  die  im  ersten  Teil  geregelte  Alters­  und  Hinterlassenenversicherung  anwendbar,  soweit  das  AHVG  nicht  ausdrücklich  eine  Abweichung  vom ATSG vorsieht. 1.3.  Die  Beschwerdeführerin  ist  durch  den  angefochtenen  Einspracheentscheid berührt und hat ein schutzwürdiges  Interesse an  dessen  Aufhebung  oder  Änderung,  so  dass  sie  im  Sinne  von  Art. 59  ATSG beschwerdelegitimiert ist. 1.4. Da die Beschwerde  im Übrigen  frist­ und  formgerecht eingereicht  wurde,  ist  darauf  einzutreten  (vgl.  Art. 60  Abs. 1  ATSG  und  Art. 52  Abs. 1 VwVG). 2.  Vorab  ist  darzustellen,  welche  Rechtssätze  im  vorliegenden  Verfahren  anwendbar sind. 2.1.  In  zeitlicher  Hinsicht  sind  grundsätzlich  diejenigen  materiellen  Rechtssätze  massgebend,  die  bei  der  Erfüllung  des  zu  Rechtsfolgen  führenden  Tatbestandes  Geltung  hatten  (BGE  130  V  445,  BGE  127  V  467 E. 1, BGE 126 V 136 E. 4b).

C­2945/2009 Die Beschwerdeführerin hat ihr 64. Altersjahr am _______2008 vollendet.  Ihr  Anspruch  auf  eine  ordentliche  Altersrente  ohne  Vorbezug  wäre  demnach  im  Monat  nach  Vollendung  des  64.  Altersjahrs,  am  1.  April  2008, entstanden (vgl. Art. 21 Abs. 2 AHVG). Der zur Rechtsfolge einer  allfälligen Rentenberechtigung  führende  Tatbestand  des Erreichens  des  Rentenalters  verwirklichte  sich  vorliegend  im  Jahre  2008.  Damit  steht  fest,  dass  für  die  Beurteilung  eines  allfälligen  Anspruchs  der  Beschwerdeführerin auf eine Altersrente auf jene Normen abzustellen ist,  die im Zeitpunkt des Erreichens ihres Rentenalters in Kraft standen. 2.2. Die Beschwerdeführerin  ist Staatsangehörige eines Mitgliedsstaates  der Europäischen Gemeinschaft, so dass vorliegend das am 1. Juni 2002  in  Kraft  getretene  Abkommen  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  einerseits  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  und  ihren  Mitgliedstaaten  andererseits  über  die  Freizügigkeit  (FZA,  SR  0.142.112.  681)  anzuwenden  ist,  welches  die  verschiedenen  bis  dahin  geltenden  bilateralen  Abkommen  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft und den einzelnen Mitgliedsstaaten der Europäischen  Gemeinschaft  insoweit  absetzt,  als  darin  derselbe Sachbereich  geregelt  wird  (Art.  20  FZA).  Soweit  dieses  Abkommen,  insbesondere  dessen  Anhang  II,  der  die  Koordinierung  der  Systeme  der  sozialen  Sicherheit  regelt  (Art.  8  FZA),  keine  abweichenden  Bestimmungen  vorsieht,  ist  mangels  einer  einschlägigen  gemeinschaftsrechtlichen  bzw.  abkommensrechtlichen  Regelung  die  Ausgestaltung  des  Verfahrens  sowie  die  Prüfung  der  Anspruchsvoraussetzungen  und  die  Berechnung  einer  schweizerischen  Altersrente  grundsätzlich  Sache  der  innerstaatlichen Rechtsordnung (BGE 130 V 51 ff.; SVR 2004 AHV Nr. 16  S.  49;  Urteil  des  damaligen  Eidgenössischen  Versicherungsgerichts  [EVG; ab 1. Januar 2007: Bundesgericht] H 13/05 vom 4. April 2005, E.  1.1).  Daraus folgt, dass die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht den  Leistungsanspruch  der  Beschwerdeführerin  gemäss  Art.  3  Abs.  1  der  Koordinierungsverordnung (EWG) Nr. 1408/71 grundsätzlich nach den für  schweizerische Staatsangehörige geltenden Regeln zu beurteilen haben.  Demnach bestimmt sich vorliegend der Anspruch der Beschwerdeführerin  auf eine Rente der AHV nach dem internen schweizerischen Recht. 3.  Vorliegend  ist  strittig  und  vom  Bundesverwaltungsgericht  zu  prüfen,  ob 

C­2945/2009 die Vorinstanz die Rentenberechtigung der Beschwerdeführerin zu Recht  wegen ungenügender Beitragsdauer verneint hat. 3.1. Nach Art.  1a  Abs.  1 Bst.  a  und  b AHVG  (vgl.  Art.  1  Abs.  1 Bst.  a  AHVG  in  der  Fassung  vom  20.  Dezember  1946)  sind  nur  natürliche  Personen mit Wohnsitz  in der Schweiz oder natürliche Personen, die  in  der  Schweiz  eine  Erwerbstätigkeit  ausüben,  obligatorisch  bei  der  AHV  versichert.  Beitragspflichtig  sind  sie  insbesondere  dann,  wenn  sie  einer  Erwerbstätigkeit  nachgehen.  Anspruch  auf  eine  ordentliche  Alters­  und  Hinterlassenenrente  haben  nur  Versicherte,  denen  für  mindestens  ein  volles  Jahr  Einkommen,  Erziehungs­  oder  Betreuungsgutschriften  angerechnet  werden  können  (Art. 29  Abs.  1  AHVG).  Ein  volles  Beitragsjahr  liegt gemäss Art. 50 der Verordnung vom 31. Oktober 1947  über  die  Alters­  und  Hinterlassenenversicherung  (AHVV,  SR  831.101)  vor, wenn eine Person insgesamt länger als elf Monate im Sinne von Art.  1a  oder  2  AHVG  versichert  war  und  während  dieser  Zeit  den  Mindestbeitrag  bezahlt  hat  oder  Beitragszeiten  im  Sinne  von  Art. 29ter  Abs. 2 Bst. b und c AHVG aufweist.  Für  die  Bestimmung  der  Beitragsjahre werden  gemäss Art.  29bis  AHVG  grundsätzlich  nur  Zeiten  zwischen  dem 1.  Januar  nach Vollendung  des  20.  Altersjahres  und  dem  31.  Dezember  vor  Eintritt  des  Versicherungsfalls  berücksichtigt. Weist  die  Beitragsdauer  einer  Person  Lücken  auf,  so  können  (unter  anderem)  Beitragszeiten,  die  sie  vom  1.  Januar  des  der  Vollendung  des  17.  Altersjahres  folgenden  Jahres  an  zurückgelegt  hat  (sog.  Jugendjahre)  zur  Füllung  der  entsprechenden  Lücken  herangezogen  werden  (vgl.  UELI  KIESER,  Alters­  und  Hinterlassenenversicherung,  Rz.  360,  in:  Ulrich  Meyer  (Hrsg.),  Soziale  Sicherheit,  Basel  2007).  Dabei  ist  ein  ganzes  Jahr  anzurechnen,  wenn  die  jugendliche  Person  für  das  ganze  Kalenderjahr  kraft  Wohnsitz  versichert  war  und  zudem  der  Mindestbeitrag  entrichtet  wurde  (vgl.  Wegleitung des Bundesamts für Sozialversicherungen über die Renten in  der  Eidgenössischen Alters­,  Hinterlassenen­  und  Invalidenversicherung  [RWL;  in  der  seit  dem  1.  Januar  2011  gültigen  Fassung],  Rz.  5020  und 5035 f.). 4.  Wie  bereits  festgehalten  wurde,  hat  die  am  _______1944  geborene  Beschwerdeführerin  ihr  64.  Altersjahr  am  _______  2008  vollendet,  so  dass sie ab 1. April  2008 Anspruch auf eine ordentliche Altersrente der  AHV hat, sofern ihr für ein volles Jahr   Einkommen angerechnet werden 

C­2945/2009 kann  (Art.  29  Abs.  1  AHVG),  sie  also  während  mehr  als  11  Monaten  versichert war und während dieser Zeit den Mindestbeitrag bezahlt hat. 4.1. Aus den Akten ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin von Januar  1963  bis  Januar  1965  über  eine  Aufenthaltsbewilligung  B  des  Kantons  Zürich mit dem Zweck "Hausangestellte" verfügte und in den Gemeinden  C._______  (3.  Januar  1963  bis  31.  Oktober  1963,  Familie  B._______)  und  D._______  (1.  November  1963  bis  31.  Dezember  1965,  Familie  A._______) tätig war und wohnte (vgl. act. 89 – 103). Es ist unbestritten,  dass sie sich  in dieser Zeit – also während mehr als eines Jahres – mit  der  Absicht  des  dauernden  Verbleibens  zur  Ausübung  einer  Erwerbstätigkeit  als  Hausangestellte  in  der  Schweiz  aufhielt,  also  hier  ihren zivilrechtlichen Wohnsitz hatte (Art. 23 Abs. 1 des Schweizerischen  Zivilgesetzbuches  vom  10.  Dezember  1907  [ZGB,  SR  210],  vgl.  UELI  KIESER, ATSG­Kommentar, 2. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2009, Rz. 6  ff.  zu  Art.  13).  Die  Beschwerdeführerin  war  damit  ohne  Zweifel  in  ihren  Jugendjahren 1963 und 1964 während mehr als 11 Monaten obligatorisch  bei  der  AHV/IV  versichert  und  als  unselbständig  Erwerbstätige  beitragspflichtig.  4.2. Aus  dem  IK­Auszug  der  Beschwerdeführerin  (act.  136)  ergibt  sich,  dass im Jahre 1963 Beiträge auf einem Einkommen von Fr. 450.­ und im  Jahre 1964 auf einem Einkommen von Fr. 3'700.­ geleistet worden sind  (und  nicht  etwa  Beiträge  in  dieser  Höhe,  wie  die  Vorinstanz  in  ihrer  Vernehmlassung  fälschlicherweise  festhält).  Gemäss  Ziff.  2.1.1  des  Anhangs  1  zur RWL  (S.  268;  Stand  1.1.2011) war  in  den  Jahren  1963  und 1964 die Mindestbeitragspflicht  erfüllt, wenn auf  einem Einkommen  von  Fr.  276.­  Beiträge  entrichtet  worden  sind  –  was  vorliegend  ohne  Zweifel der Fall ist.  4.3. Die  Beschwerdeführerin  hat  laut  Arbeitszeugnis  im  Jahre  1965  bei  der  Familie  A._______  gearbeitet,  offenbar  auch  nach  Ablauf  ihrer  Aufenthaltsbewilligung. In dieser Zeit war sie bei der AHV/IV obligatorisch  versichert  und  beitragspflichtig  –  Beiträge  wurden  aber  nicht  entrichtet.  Auch  wenn  die  Beschwerdeführerin  nach  1964  bis  zum  Eintritt  des  Versicherungsfalls  keine  Beitragszeiten mehr  aufweist,  liegt  damit  nach  Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts eine Beitragslücke vor, die in  Anwendung  von  Art.  52b  AHVV  durch  die  Beitragszeit  während  der  Jugendjahre zu füllen ist.

C­2945/2009 4.4. Damit steht fest, dass die Beschwerdeführerin die Voraussetzungen  von  Art.  50  AHVV  erfüllt  und  –  unter  Berücksichtigung  ihrer  Versicherungszeit und ihrer Mindestbeiträge in den Jugendjahren – mehr  als  ein  volles Beitragsjahr  im Sinne  von Art. 29 Abs.  1 AHVG aufweist.  Sie hat somit Anspruch auf eine Altersrente der AHV. 5.  Die  Vorinstanz  stellt  sich  allerdings  auf  den  Standpunkt,  für  die  Berücksichtigung  von  Jugendjahren  sei  es  erforderlich,  dass  die  Beitragszeiten gemäss den Ausführungen des BSV  (samt Tabelle)  über  die  "Ermittlung  der  im  Rentenfall  anrechenbaren  Beitragszeiten"  (ZAK  1985 S. 36 ff.; im Folgenden: Tabelle BSV) nachgewiesen seien. Danach  müsse  in  erster  Linie  durch  Bestätigungen  der  Arbeitgeber  oder mittels  Angaben  der  das  IK  führenden  Ausgleichskasse  belegt  werden,  dass  während  mehr  als  elf  Monaten  AHV/IV­Beiträge  geleistet  worden  sind.  Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin in den Jahren 1963 und 1964  versichert  war  und  den  Mindestbeitrag  geleistet  hat,  sei  danach  unbeachtlich.  Entscheidend  sei  vielmehr,  dass  im  IK  der  Beschwerdeführerin nur 9 Beitragsmonate aufgeführt seien und sich aus  den  Arbeitgeberbescheinigungen  keine  längere  Beitragszeit  ergebe,  so  dass sie gemäss Art. 29 Abs. 1 AHVG nicht rentenbrechtigt sei. 5.1. Die Tabelle BSV stammt aus dem Jahre 1985 und bezieht sich auf  die damals  in Kraft gestandenen Fassungen des AHVG und der AHVV.  Anspruch  auf  eine  ordentliche  Altersrente  hatte  damals,  wer  während  mindestens eines vollen Jahres Beiträge geleitet hatte,   wobei ein volles  Beitragsjahr  vorlag,  "wenn  der  Versicherte  insgesamt  länger  als  elf  Monate  der  Beitragspflicht  unterstellt  war  und  die  entsprechenden  Beiträge  entrichtet  worden"  waren  (vgl.  Art.  29  Abs.  1  AHVG  in  der  Fassung vom 20. Dezember 1946 und Art. 50 AHVV in der Fassung des  Bundesratsbeschlusses  vom  20.  April  1951).  Entscheidend  war  damit  nicht  nur  die  Versicherungsdauer,  sondern  im  Wesentlichen  die  Beitragsdauer.  Dies  hat  sich  mit  der  Revision  der  AHVV  vom  29.  November  1995  grundlegend  geändert.  Nach  dem  neuen,  am  11.  September 2002 geringfügig angepassten Wortlaut von Art. 50 AHVV ist  für  die  Bestimmung  des  vollen  Beitragsjahrs  nicht  mehr  die  nachgewiesene  tatsächliche  Mindestbeitragsdauer,  sondern  eine  Versicherungsdauer von elf Monaten und der Nachweis der Leistung des  (jährlichen)  Mindestbeitrags  in  dieser  Zeit  entscheidend.  Damit  erweist  sich die Tabelle BSV, die der Ermittlung der Mindestbeitragsdauer dient,  als überholt und ist für die Bestimmung der Rentenberechtigung gemäss 

C­2945/2009 Art. 29 Abs. 1 AHVG unter Anrechnung von Jugendjahren nicht mehr von  Bedeutung.  Heute  kann  die  Rentenberechtigung  unabhängig  davon  entstehen,  ob  und  während  welcher  Zeitdauer  für  einen  Versicherten  persönliche  Beiträge  geleistet  worden  sind,  sofern  zumindest  die  die  Mindestbeitragszahlung  erfolgte  bzw.  angerechnet  werden  kann  (vgl.  BGE 125 V 253 E. 1).  5.2. Für das alleinige Abstellen auf die tatsächliche Mindestbeitragsdauer  für  die  Bestimmung  der  Rentenberechtigung  bei  Personen,  die  in  ihren  Jugendjahren  mindestens  elf  Monate  versichert  waren  und  für  die  in  dieser  Zeit  der  Mindestbeitrag  geleistet  wurde,  fehlt  heute  eine  gesetzliche Grundlage. In der RWL wird denn auch betont (Rz. 5011 und  5012):  "War  eine  Person  für  einen  bestimmten  Zeitabschnitt  versichert  und  der  Beitragspflicht  unterstellt,  so zählt dann das ganze Jahr als Beitragsdauer, wenn  im  IK  für dieses Jahr  mindestens  die  im  Anhang  I  dieser  Wegleitung  zusammengestellten  Einkommen  eingetragen sind.  In solchen Fällen  ist selbst dann das ganze Jahr als Beitragsdauer zu  zählen, wenn die  im  IK eingetragene effektive Beitragsdauer weniger als ein volles Jahr  beträgt.  Erreichen dagegen die im IK für ein Jahr eingetragenen Einkommen einer Person die im  Anhang I dieser Wegleitung zusammengestellten Mindestbeiträge nicht, so wird eine von  der Beitragsleistung abhängige Anzahl Beitragsmonate angerechnet." Dies  gilt  insbesondere  auch  für  die  Berücksichtigung  von  Jugendjahren  (Rz. 5035 RWL): "War  eine  Person  für  einen  bestimmten  Zeitabschnitt  versichert  und  der  Beitragspflicht  unterstellt,  so zählt dann das ganze Jahr als Beitragsdauer, wenn  im  IK  für dieses Jahr  mindestens  die  im  Anhang  I  dieser  Wegleitung  zusammengestellten  Einkommen  eingetragen sind." 5.3.    Vorliegend  ist  es  damit  ohne  Belang,  dass  für  die  Beschwerdeführerin  in  den  Jahren  1963  und  1964  nur  während  neun  Monaten Beiträge an die AHV/IV geleistet worden sind, wie sich dies aus  dem  IK  ergibt,  dessen  offensichtliche  Unrichtigkeit  in  keiner  Weise  nachgewiesen  worden  ist  –  auch  nicht  durch  die  Arbeitszeugnisse  der  Familien B._______ und A._______ (vgl. Art. 141 Abs. 3 AHVV; BGE 117  V  261  ff.,  BGE  110  V  97  E.  4a).  Entscheidend  ist  vielmehr,  dass  die  Beschwerdeführerin den Anspruch auf eine Altersrente der AHV aufgrund 

C­2945/2009 ihrer Versicherungszeit  von mehr als 11 Monaten und die  in dieser Zeit  geleisteten Mindestbeiträge erworben hat. 6.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführerin  ein  volles  Beitragsjahr  anzurechnen  ist  und  sie  daher  Anspruch  auf  eine  Altersrente der AHV hat.  Der angefochtene Einspracheentscheid vom 30. März 2009 und die damit  bestätigte  Verfügung  vom  17. Oktober  2008  sind  daher  in Gutheissung  der  Beschwerde  vom  28.  April  2009  aufzuheben.  Es  wird  Sache  der  Vorinstanz sein,  die Altersrente  zu berechnen und  in der Sache neu zu  verfügen. 7.  Zu  befinden  bleibt  noch  über  die  Verfahrenskosten  sowie  eine  allfällige  Parteientschädigung. 7.1.    Das  Verfahren  ist  für  die  Parteien  kostenlos  (Art. 85bis  Abs. 2  AHVG), so dass keine Verfahrenskosten zu erheben sind.  7.2. Der obsiegenden Partei kann eine Entschädigung für ihr erwachsene  notwendige  und  verhältnismässig  hohe  Kosten  zugesprochen  werden  (Art. 64  Abs. 1  VwVG;  Art. 7  Abs.  4  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]).  Da  der  anwaltlich  nicht  vertretenen  Beschwerdeführerin  nur  verhältnismässig  geringe  Kosten  entstanden  sind,  ist  keine  Parteientschädigung  zuzusprechen  (Art. 7 Abs. 4 VGKE).  Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen  und  der  Einspracheentscheid  vom  30. März  2009  sowie  die  Verfügung  vom  17.  Oktober  2008  werden  aufgehoben. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben

C­2945/2009 3.  Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Einschreiben mit Rückschein) – die Vorinstanz (Ref­Nr._______) – das Bundesamt für Sozialversicherungen Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Stefan Mesmer Marc Wälti Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  Schweizerhofquai  6,  6004  Luzern,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift  hat  die  Begehren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  der  Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

C-2945/2009 — Bundesverwaltungsgericht 07.11.2011 C-2945/2009 — Swissrulings