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Bundesverwaltungsgericht 16.01.2012 C-2833/2009

16. Januar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,396 Wörter·~12 min·1

Zusammenfassung

Sonderabgabepflicht | Sicherheitskonto / Sonderabgabepflicht

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­2833/2009 Urteil   v om   1 6 .   J a nua r   2012 Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz), Richterin Marianne Teuscher, Richter Andreas Trommer,    Gerichtsschreiberin Barbara Kradolfer. Parteien A._______, vertreten durch Edith Hofmann, Freiplatzaktion Zürich,  Rechtshilfe Asyl und Migration, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Sicherheitsleistungen / Sonderabgabe.

C­2833/2009 Sachverhalt: A.  Der aus der Türkei stammende Beschwerdeführer (geb. 1970) reiste am  13. März  2000  zusammen  mit  seiner  Ehefrau,  zwei  Kindern  und  zwei  noch  minderjährigen  Geschwistern  in  die  Schweiz  ein.  Die  daraufhin  eingereichten  Asylgesuche  wurden  in  separaten  Verfahren  –  je  eines  betreffend  den  Beschwerdeführer  (inkl.  Familie),  seine  Schwester  und  seinen Bruder –  letztinstanzlich am 5. September 2006  in Bezug auf die  Asylgewährung abgewiesen.  In Bezug auf den Vollzug der Wegweisung  wurden  die  Beschwerden  jedoch  gutgeheissen  und  das  BFM  angewiesen, den Beschwerdeführer, dessen Ehefrau und die mittlerweile  vier  Kinder  sowie  die  Geschwister  des  Beschwerdeführers  vorläufig  aufzunehmen. B.  B.a Am 29. Dezember 2006 wurde dem Bruder des Beschwerdeführers  der  Entwurf  einer  Zwischenabrechnung  über  sein  Sicherheitskonto  unterbreitet.  Darin  setzte  die  Vorinstanz  die  für  das  Asylverfahren  zurückzuerstattenden  Kosten  auf  Fr. 8'400.­  fest  (Pauschale  für  allgemeine Fürsorge gemäss den damals geltenden Regelvermutungen).  Hinzu  kamen  ungedeckte  Zahnarztkosten  von  Fr. 468.10.  Nach  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  erliess  die  Vorinstanz  am  25. Mai  2007  eine  Verfügung,  in  der  sie  feststellte,  dass  der  Saldo  des  Sicherheitskontos  Fr. 20'755.05  betrage.  Sie  setzte  die  zu  erstattenden  Kosten  auf  Fr. 8'868.10  fest.  Der  Positivsaldo  wurde  zur  Deckung  zukünftig  zurückzuerstattender  Kosten  auf  dem  Sicherheitskonto  belassen. Mit  Verfügung  vom  30. März  2009  liquidierte  die  Vorinstanz  nach  Anhörung  des  Bruders  des  Beschwerdeführers  das  Konto.  Sie  stellte  darin fest, dass der Saldo des Kontos Fr. 16'276.75 zuzüglich des bereits  teilsaldierten  Betrages  von  Fr. 8'868.10  betrage.  Der  unter  der  Sonderabgabepflicht  zu  leistende  Betrag  werde  auf  Fr. 15'000.­  festgelegt.  Da  die  bereits  geleisteten  Zahlungen  von  Fr. 8'868.10  vollumfänglich  anzurechnen  seien,  würden  jetzt  noch  Fr. 6'131.90  vereinnahmt und der Rest an den Kontoinhaber ausgezahlt. B.b  Ebenfalls  am  29. Dezember  2006  wurde  der  Schwester  des  Beschwerdeführers  der  Entwurf  einer  Zwischenabrechnung  über  ihr  Sicherheitskonto  unterbreitet.  Darin  setzte  die  Vorinstanz  die  für  das  Asylverfahren  zurückzuerstattenden  Kosten  auf  Fr. 8'400.­  fest 

C­2833/2009 (Pauschale  für  allgemeine  Fürsorge  gemäss  den  damals  geltenden  Regelvermutungen).  Hinzu  kamen  ungedeckte  Zahnarztkosten  von  Fr. 2'258.15.  Nach  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  erliess  die  Vorinstanz  am 25. Mai  2007 eine Verfügung,  in  der  sie  feststellte,  dass  der  Saldo  des  Sicherheitskontos  Fr. 12'484.65  betrage.  Die  zu  erstattenden  Kosten  setzte  sie  auf  Fr. 10'658.15  fest.  Der  Positivsaldo  wurde  zur  Deckung  zukünftig  zurückzuerstattender  Kosten  auf  dem  Sicherheitskonto belassen. Mit  Verfügung  vom  31. März  2009  liquidierte  die  Vorinstanz  nach  Anhörung  der  Schwester  des  Beschwerdeführers  das  Konto.  Sie  stellte  darin fest, dass der Saldo des Kontos Fr. 4'887.25 zuzüglich des bereits  teilsaldierten  Betrages  von  Fr. 10'658.15  betrage.  Der  unter  der  Sonderabgabepflicht  zu  leistende  Betrag  werde  auf  Fr. 15'000.­  festgelegt.  Da  die  bereits  geleisteten  Zahlungen  von  Fr. 10'658.15  vollumfänglich  anzurechnen  seien,  würden  jetzt  noch  Fr. 4'341.85  vereinnahmt und der Rest an die Kontoinhaberin ausgezahlt. B.c Gegen diese beiden Verfügungen erhoben die Verfügungsadressaten  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht  (Verfahren  C­2770/2009  bzw.  C­2779/2009).  Beide  Verfahren  wurden  am  16. Januar  2012  als  durch Rückzug erledigt abgeschrieben. C.  C.a Am  1. März  2007  wurde  dem  Beschwerdeführer  der  Entwurf  einer  Zwischenabrechnung über das Sicherheitskonto Nr. … unterbreitet. Darin  setzte  die  Vorinstanz  die  für  das  Asylverfahren  zurückzuerstattenden  Kosten auf Fr. 25'200.­  fest  (Pauschale  für allgemeine Fürsorge gemäss  den  damals  geltenden  Regelvermutungen).  Hinzu  kamen  ungedeckte  Zahnarztkosten  von  Fr. 6'221.90.  Nachdem  der  Beschwerdeführer  sich  mit  dem  Entwurf  einverstanden  erklärt  hatte,  erliess  die  Vorinstanz  am  5. April  2007  eine  entsprechende  Verfügung.  Vom  besagten  Sicherheitskonto, das einen Stand von  insgesamt Fr. 24'510.65 aufwies,  wurde  zu  Gunsten  des  Bundes  ein  Betrag  von  Fr. 24'400.­  als  anteilsmässige  Rückerstattung  der  verursachten  Kosten  vereinnahmt.  Den noch offenen Restbetrag von Fr. 7'021.90 verwies die Vorinstanz  in  die Schlussabrechnung. Diese  (definitive) Zwischenabrechnung erwuchs  unangefochten in Rechtskraft. C.b  Mit  Verfügung  vom  27. März  2009  liquidierte  die  Vorinstanz  das  Sicherheitskonto  des  Beschwerdeführers.  Sie  bezog  sich  einerseits  auf 

C­2833/2009 die  "Übergangsbestimmungen  zu  der  am  16. Dezember  2005  verabschiedeten Änderung des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998" (AsylG,  SR  142.31;  gemeint  ist  Art.  126a  des  Ausländergesetzes  vom  16. Dezember  2005,  SR 142.20),  aufgrund  derer  der  Beschwerdeführer  grundsätzlich  der  Sonderabgabe  nach  Art.  85  ff.  AsylG  unterstellt  sei.  Gemäss  den  Übergangsbestimmungen  zu  der  am  24. Oktober  2007  beschlossenen  Änderung  der  Asylverordnung 2  vom  11. August  1999  über  Finanzierungsfragen  (AsylV 2,  SR  142.312;  nachfolgend:  Übergangsbestimmungen  AsylV 2)  sei  der  Beschwerdeführer  jedoch  nicht  mehr  sonderabgabepflichtig,  da  der  Saldo  den  Höchstbetrag  von  Fr. 15'000.­ übersteige. Die gesamthaft geleisteten Sicherheitsleistungen  – d.h.  der  aktuelle  Kontostand  und  die  bereits  geleisteten  Rückerstattungen  –  würden  in  vollem  Umfang  an  die  Sonderabgabe  angerechnet.  "Gemäss  Abs.  1  der  Übergangsbestimmungen  zur  Änderung des Asylgesetzes" (gemeint ist auch hier Art. 126a Abs. 1 AuG)  erfolge  die Zwischenabrechnung  und die Saldierung  des Kontos  jedoch  nach altem Recht, wenn der Zwischenabrechnungsgrund vor Inkrafttreten  der  Gesetzesänderung  entstehe.  Aus  diesem  Grund  werde  vorliegend  der  den  Maximalbetrag  der  Sonderabgabe  übersteigende  Betrag  nicht  ausgezahlt,  sondern  als  Ausgleich  für  den  Negativsaldo  aus  der  Zwischenabrechnung eingezogen.  Die total geleisteten Sicherheiten von Fr. 28'085.90 stellte die Vorinstanz  den  in  der  Zwischenabrechnung  festgelegten  Kosten  von  Fr. 31'421.90  (Pauschale:  Fr. 25'200.­,  Zahnarztkosten:  Fr. 6'221.90)  gegenüber,  was  einen Negativsaldo  von Fr. 3'336.­  ergab. Den  unter  der Sonderabgabe  zu  leistenden Betrag bestimmte die Vorinstanz auf Fr. 15'000.­ und hielt  fest,  dass  die  geleisteten  Sicherheiten  in  vollem  Umfang  an  die  Sonderabgabe angerechnet würden. D.  Gegen  diese  Verfügung  erhob  die  Rechtsvertreterin  mit  Eingabe  vom  28. April 2009 namens ihres Mandanten beim Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde.  Sie  stellt  darin  sinngemäss  die  folgenden  Anträge:  Die  Verfügung  sei  aufzuheben  und  der  vom Beschwerdeführer  zu  leistende  Betrag  sei  auf  maximal  Fr. 15'000.­  festzulegen.  Eventualiter  seien  die  nach dem 13. März 2007, d.h. mehr als sieben Jahre nach der Einreise,  erhobenen  Sicherheitsleistungen  zurückzuerstatten.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  wird  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Verfahrensführung ersucht.

C­2833/2009 Zur  Begründung  bringt  die Rechtsvertreterin  im Wesentlichen  vor,  dass  alle  Mitglieder  der  Familie  gleichzeitig  vorläufig  aufgenommen  worden  seien;  deshalb  seien  alle  Abrechnungen  über  die  bestehenden  Sicherheitskonten  nach  den  gleichen  Bestimmungen  vorzunehmen.  Bei  den Abrechnungen über die Konten des Bruders und der Schwester des  Beschwerdeführers  seien  die  vom  BFM  bereits  mit  der  Zwischenabrechnung  vereinnahmten  Beträge  an  die  Sonderabgabe  angerechnet worden und der Betrag, der Fr. 15'000.­ übersteige, an die  Kontoinhaber  ausgezahlt  worden.  Beim  Beschwerdeführer  hingegen  habe die Vorinstanz altes Recht angewendet: Die gesamthaft erbrachten  Sicherheitsleistungen  von  Fr. 31'421.90  (recte:  Fr.  28'085.90)  würden  einbehalten  und  zudem  ein  Negativsaldo  von  Fr. 7'235.45  (recte:  Fr. 3'336.­) ausgewiesen. Das Eventualbegehren wird damit begründet, dass gemäss Art. 10 Abs. 2  Bst. e  AsylV 2  die  Sonderabgabepflicht  nach  drei  Jahren  vorläufiger  Aufnahme, spätestens jedoch sieben Jahre nach der Einreise ende. Zudem werden Fragen zu mehreren Punkten der Verfügung aufgeworfen,  die, soweit rechtserheblich, in den Erwägungen berücksichtigt werden. E.  Mit  Verfügung  vom  10. Juli  2009  hiess  das  Bundesverwaltungsgericht  das Gesuch um unentgeltliche Verfahrensführung gut. F.  Mit  Vernehmlassung  vom  4. August  2009  beantragt  die  Vorinstanz  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Zunächst  betont  sie,  dass  auf  den  vorliegenden  Fall  das  Übergangsrecht  (d.h.  Art.  126a  AuG  und  die  Übergangsbestimmungen AsylV 2) anwendbar sei, da vor dem 1. Januar  2008  eine  Zwischenabrechnung  erfolgt  sei.  Sodann  führt  sie  aus,  dass  die  anlässlich  einer  Zwischenabrechnung  vereinnahmten  Beträge  grundsätzlich  vollumfänglich  an  die  Sonderabgabepflicht  anzurechnen  seien.  Dabei  gelte  es  jedoch  zu  unterscheiden,  ob  die  bei  der  Zwischenabrechnung  festgelegten  Kosten  den  Betrag  von  Fr. 15'000.­  unter­ oder überschritten hätten. Trotz des Wortlautes von Absatz 7 der  Übergangsbestimmungen  AsylV 2  sollten  Negativsaldi  aus  der  Zwischenabrechnung soweit wie möglich mit dem derzeit auf dem Konto  vorhandenen Saldo gedeckt werden, auch wenn der Maximalbetrag der  Sonderabgabe  überschritten  werde.  Dieses  Vorgehen  ergebe  sich  aus  Art. 126a Abs. 1 AuG.

C­2833/2009 G.  In  der  Replik  vom  10. September  2009  erklärt  die  Rechtsvertreterin,  aufgrund der Darlegungen in der Vernehmlassung werde "In diesem Fall  […] somit wohl altes Recht angewendet." Der Einwand betreffend Art. 10  Abs. 2 Bst.  e AsylV 2 bleibe aber bestehen und dem Beschwerdeführer  seien  die  nach  dem  13. März  2007  abgezogenen  Sicherheitsleistungen  zurückzuerstatten. H.  Auf  Aufforderung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  22. Dezember  2011  reichte die Rechtsvertreterin am 10. Januar 2012 eine Kostennote  ein. I.  Das  Bundesverwaltungsgericht  zog  neben  den  Vorakten  auch  die  die  Sicherheitskonten  der  Geschwister  betreffenden  Akten  der  Vorinstanz  bei. Auf  den weiteren Akteninhalt wird  –  soweit  entscheiderheblich  –  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.  Verfügungen  des  BFM  auf  dem  Gebiet  des  Asyl­  und  Ausländerrechts  unterliegen  der  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  (Art.  31,  Art.  32  und  Art.  33  Bst.  d  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]). Das  Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  in  diesem Bereich  endgültig  (Art.  83  Bst.  c  Ziff. 3  und  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht  richtet sich nach  dem Verwaltungsverfahrensgesetz vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR  172.021), soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt  (Art. 37 VGG). 1.3.  Der  Beschwerdeführer  ist  als  Verfügungsadressat  gemäss  Art.  48  Abs.  1  VwVG  zur  Beschwerde  berechtigt.  Auf  die  im Übrigen  frist­  und  formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50–52 VwVG).

C­2833/2009 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  –  soweit  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich  die  Sach­  und  Rechtslage  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides (vgl. BVGE 2011/1 E. 2, BVGE 2007/41 E. 2 sowie Urteil des  Bundesverwaltungsgerichts A­2682/2007 vom 7. Oktober 2010 E. 1.2 und  1.3). 3.  3.1. Am 1. Januar 2008 trat das zweite Paket der Asylgesetzrevision vom  16. Dezember 2005  in Kraft, mit dem durch entsprechende Änderungen  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  und  des  auf  denselben  Zeitpunkt  in  Kraft  gesetzten  Ausländergesetzes  ein  Systemwechsel  von  der  individuellen  Sicherheitsleistungs­  und  Rückerstattungspflicht  zur  Sonderabgabe  vollzogen  wurde  (vgl.  zum  Ganzen:  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­7179/2008  vom  21.  Dezember 2010). 3.2. Der 2. Abschnitt des 5. Kapitels des Asylgesetzes in seiner Fassung  vom  26.  Juni  1998  regelt  die  Rückerstattungs­  und  Sicherheitsleistungspflicht  von  Personen,  die  sich  gestützt  auf  das  Asylgesetz in der Schweiz aufhalten. Gemäss Art. 85 Abs. 1 AsylG in der  Fassung vom 26. Juni 1998, die bis zum 31. Dezember in Geltung stand  (AS 1999 2262; nachfolgend: AsylG [1998]) haben sie – soweit zumutbar  – die  Kosten  der  Fürsorge,  der  Ausreise  und  des  Vollzugs  sowie  die  Kosten des Rechtsmittelverfahrens zurückzuerstatten. Asylsuchende und  Schutzbedürftige ohne Aufenthaltsbewilligung sind gemäss Art. 86 AsylG  (1998)  darüber  hinaus  verpflichtet,  für  die  Rückerstattung  der  vorerwähnten  Kosten  Sicherheiten  zu  leisten.  Zu  diesem  Zweck  richtet  der Bund (individuelle) Sicherheitskonten ein, die durch Lohnabzüge und  Vermögenswertabnahmen  geäufnet  werden.  Die  Sicherheitsleistungen  werden gemäss Art. 87 Abs. 1 AsylG (1998) aufgrund einer individuellen  Abrechnung über die rückerstattungspflichtigen Kosten ausbezahlt, wenn 

C­2833/2009 die  sicherheitsleistungspflichtige  Person  die  Schweiz  endgültig  verlässt  (Bst. a), sie als Asylsuchender oder Flüchtling eine Aufenthaltsbewilligung  erhält (Bst. b) oder als Schutzbedürftiger eine Niederlassungsbewilligung  erhält  oder  sich  seit  mindestens  zehn  Jahren  in  der  Schweiz  aufhält  (Bst. c).  Man  spricht  in  diesem  Zusammenhang  von  der  Schlussabrechnung über das Sicherheitskonto. Die Asylverordnung 2  in  der  bis  zum  31. Dezember  2007  geltenden  Fassung  (AS  1999  2318;  nachfolgend:  AsylV 2  [1999])  führt  zusätzlich  eine  Zwischenabrechnung  ein,  die  erfolgt,  wenn  eine  sicherheitsleistungspflichtige  Person  des  Asylrechts  die  vorläufige  Aufnahme  erhält.  Im  Rahmen  dieser  Zwischenabrechnung werden  die  bis  zum Statuswechsel  entstandenen,  rückerstattungspflichtigen  Kosten  mit  dem  Guthaben  des  Sicherheitskontos  verrechnet  und  der  sich  ergebende  Saldo,  sei  es  zu  Gunsten  oder  zu  Lasten  des  Kontoinhabers,  in  die  Schlussabrechnung  übertragen  (Art.  16  AsylV 2  [1999]).  Die  Verpflichtung  zur  Leistung  von  Sicherheiten  ist  nicht  zeitlich,  sondern  betragsmässig  limitiert.  Auf  Gesuch  hin  können  Personen  von  der  Pflicht  zur  Sicherheitsleistung  befreit  werden,  wenn  das  Guthaben  auf  dem  Sicherheitskonto  die  voraussichtliche  Höhe  der  rückerstattungspflichtigen  Kosten  übersteigt  und  einen  Mindeststand  aufweist  (Art.  15  AsylV  [1999]).  Die  Rückerstattungs­  und  Sicherheitsleistungspflicht  vorläufig  aufgenommener Personen ist durch Verweise auf das Asylgesetz und die  Asylverordnung 2 im Wesentlichen analog ausgestaltet (vgl. Art. 14c Abs.  6  des  Bundesgesetzes  vom  26.  März  1931  über  Aufenthalt  und  Niederlassung der Ausländer [ANAG, BS 1 121] in der Fassung vom 26.  Juni 1998, in Kraft bis 31. Dezember 2007 [AS 1999 2262]; ferner die per  1. Dezember 2008 aufgehobenen Art. 22 und 23 der Verordnung vom 11.  August  1999  über  den  Vollzug  der  Weg­  und  Ausweisung  von  ausländischen Personen  [VVWA,  SR  142.281]  in  der  Fassung  vom  11.  August 1999 [AS 1999 2254]). 3.3. Das neue Recht ändert an der Pflicht von Personen des Asylrechts,  Sozialhilfe­,  Ausreise­  und  Vollzugskosten  sowie  die  Kosten  des  Rechtsmittelverfahrens  zurückzuerstatten,  grundsätzlich  nichts  (vgl.  Art.  85  Abs. 1  AsylG).  Zwecks  Vereinfachung  der  Verfahrensabläufe  und  Kostensenkung  wird  jedoch  das  bisherige  System  der  Rückerstattung  individuell  zurechenbarer  Kosten  aus  den  geleisteten  Sicherheiten  aufgegeben (vgl. dazu Botschaft zur Änderung des Asylgesetzes vom 4.  September  2002,  in:  BBl  2002  6872).  An  seine  Stelle  tritt  eine  Sonderabgabe,  der  erwerbstätige  Asylsuchende  und  Schutzbedürftige  ohne  Aufenthaltsbewilligung  unterworfen  werden  (Art.  86  Abs.  1  erster 

C­2833/2009 Satz  AsylG).  Diese  Sonderabgabe,  welche  der  Arbeitgeber  direkt  vom  Lohn der betroffenen Person abzuziehen und dem Bund zu überweisen  hat,  darf  nicht  mehr  als  10  Prozent  des  Erwerbseinkommens  betragen  und  längstens  zehn  Jahre  seit  der  erstmaligen  Aufnahme  einer  Erwerbstätigkeit erhoben werden (Art. 86 Abs. 2 und 3 AsylG). Zweck der  Sonderabgabe  ist  die  Deckung  der  Kosten,  welche  die  Gesamtheit  der  Abgabepflichtigen  und  ihrer  (durch  sie  unterstützten)  Angehörigen  verursachen  (Art.  86 Abs.  1  zweiter Satz AsylG). Eine Verrechnung mit  den  individuell  zurechenbaren  Kosten  und  die  Auszahlung  eines  allfälligen,  zu  Gunsten  des  Abgabepflichtigen  lautenden  Saldos  findet  nicht  statt.  Mit  der  Regelung  weiterer  Einzelheiten,  namentlich  der  Statuierung  von  Ausnahmen  von  der  Rückerstattungspflicht  und  der  Festsetzung der Höhe der Sonderabgabe, wird der Bundesrat beauftragt  (Art. 85 Abs. 4 und Art. 86 Abs. 4 AsylG). 3.4. Von der Ermächtigung zur Rechtsetzung machte der Bundesrat mit  der  Änderung  der  Asylverordnung  2  vom  24.  Oktober  2007  für  alle  rückerstattungspflichtigen  Personengruppen  einheitlich  in  ein  und  demselben Erlass Gebrauch. Art.  8 Abs.  1 AsylV 2 bestimmt,  dass  sich  die  Rückerstattung  von  Sozialhilfeleistungen,  die  eine  Person  als  Flüchtling oder Schutzbedürftiger mit Aufenthaltsbewilligung erhält, nach  kantonalem  Recht  richtet,  wobei  der  Anspruch  auf  Rückerstattung  vom  Kanton geltend gemacht wird. Für Asylsuchende, Schutzbedürftige ohne  Aufenthaltsbewilligung  und  vorläufig  Aufgenommene  (ohne  Flüchtlingsstatus)  rekapituliert  Art.  8  Abs.  2  AsylV 2  die  Pflicht  zur  Rückerstattung der in Art. 85 Abs. 1 AsylG genannten Kosten; zu diesem  Zweck  nimmt  der  Bund  Vermögenswertabnahmen  vor  und  erhebt  eine  Sonderabgabe,  die  gemäss  Art. 13  Abs.  1  AsylV 2  10 Prozent  des  Erwerbseinkommens  beträgt.  Den  Beginn  und  das  Ende  der  Sonderabgabepflicht  regelt  Art.  10  AsylV 2.  Danach  beginnt  die  Sonderabgabepflicht mit der erstmaligen Aufnahme einer Erwerbstätigkeit  oder  im  Zeitpunkt,  in  dem  die  Verfügung  über  eine  erste  Vermögenswertabnahme  in  Rechtskraft  erwächst  (Abs. 1).  Sie  endet,  wenn einer der in Absatz 2 genannten Tatbestände eintritt, d.h. wenn der  Betrag von 15'000 Franken erreicht ist, spätestens aber zehn Jahre nach  dem  Beginn  der  Sonderabgabepflicht  (Bst.  a),  wenn  die  betroffene  Person  die  Schweiz  verlassen  hat  (Bst.  b),  wenn  sie  die  Aufenthaltsbewilligung  (Bst.  c)  oder  Asyl  erhält  bzw.  als  Flüchtling  vorläufig  aufgenommen  wird  (Bst.  d)  oder  aber  –  bei  vorläufig  aufgenommenen Personen, die nicht Flüchtling sind – nach drei  Jahren 

C­2833/2009 vorläufiger  Aufnahme,  spätestens  aber  sieben  Jahre  nach  der  Einreise  (Bst. e). 4.  4.1.  Die  vorliegende  Streitsache  beschlägt  die  Überführung  des  alten  Sicherheitsleistungssystems  mit  individueller  Abrechnung  über  zurechenbare  Kosten  in  das  neue  System  der  Sonderabgabe.  Der  Beschwerdeführer äufnete noch unter der Geltung des alten Rechts sein  Sicherheitskonto  mit  Lohnabzügen,  zunächst  als  asylsuchende,  später  als vorläufig aufgenommene Person. Beim Statuswechsel zur vorläufigen  Aufnahme  wurde  für  sein  Sicherheitskonto  eine  Zwischenabrechnung  erstellt.  Darin  setzte  die  Vorinstanz  die  bis  zu  diesem  Zeitpunkt  rückerstattungspflichtigen  Kosten  auf  Fr. 31'421.90  (Pauschale  von  Fr.  25'200.­ zuzüglich Zahnarztkosten von Fr. 6'221.90) fest. Vom damaligen  Saldo  von  Fr.  24'510.65  wurden  Fr.  24'400.­  zu  Gunsten  des  Bundes  vereinnahmt.  Der  Negativsaldo  von  Fr. 7'021.90  wurde  für  die  Schlussabrechnung  vorgemerkt.  Zur  Schlussabrechnung  kam  es  mangels  Verwirklichung  eines  Schlussabrechnungsgrundes  nicht  mehr.  Das  BFM  sah  sich  daher  nach  dem  Inkrafttreten  des  neuen  Rechts  veranlasst, das Sicherheitskonto des Beschwerdeführers gestützt auf die  Übergangsbestimmungen  aufzulösen.  Zu  diesem  Zweck  erliess  es  die  angefochtene Verfügung. 4.2.  Der  Beschwerdeführer  macht  geltend,  er  und  seine  Geschwister  seien  gleichzeitig  in  die  Schweiz  eingereist  und  gleichzeitig  vorläufig  aufgenommen  worden,  weshalb  die  Abrechnungen  über  die  Sicherheitskonten nach den gleichen Regeln zu erfolgen hätten. Bei den  Geschwistern  habe  die  Vorinstanz  das  neue  Recht  angewendet,  was  dazu geführt habe, dass die  in der Zwischenabrechnung vereinnahmten  Beträge vollumfänglich an die Sonderabgabe angerechnet worden seien  und  der  Fr. 15'000.­  übersteigende  Betrag  an  die  Kontoinhaber  ausgezahlt worden sei. Bei ihm hingegen werde altes Recht angewendet,  was dazu führe, dass er weitaus mehr als Fr. 15'000.­ bezahlen müsse. 5.  5.1. Die  Überführung  des  alten  Systems  der  Rückerstattung  individuell  zurechenbarer  Kosten  aus  den  geleisteten  Sicherheiten  in  das  neue  System  der  voraussetzungslos  geschuldeten  Sonderabgabe  wird  auf  Gesetzesebene  für  Asylsuchende  und  Schutzbedürftige  ohne  Aufenthaltsbewilligung  (Abs. 1  bis 3  der  Übergangsbestimmungen  zur  Änderung  vom  16. Dezember  2005  des  Asylgesetzes;  nachfolgend: 

C­2833/2009 Übergangsbestimmungen  AsylG)  und  für  vorläufig  Aufgenommene  (Art.  126a Abs. 1 bis 3 AuG) parallel geregelt. Es gilt der Grundsatz, dass das  neue  Recht  sofort  zur  Anwendung  gelangt  (Abs. 1  der  Übergangsbestimmungen  AsylG,  Art. 126a  Abs.  3  AuG).  Vorbehalten  bleiben  zwei  Konstellationen:  Einerseits  unterstellt  das  Gesetz  die  Abrechnung und die Saldierung eines Sicherheitskontos dem bisherigen  Recht,  wenn  sich  ein  Zwischen­  oder  Schlussabrechnungsgrund  nach  Art. 87 AsylG  (1998) vor  Inkrafttreten des neuen Rechts verwirklicht hat  (Abs.  2  der  Übergangsbestimmungen  AsylG,  Art.  126a  Abs.  1  AuG).  Andererseits wird der Bundesrat ermächtigt,  in Bezug auf Personen, die  vor  dem  Inkrafttreten  der  Gesetzesänderung  einer  Erwerbstätigkeit  nachgingen,  ohne  dass  zum  Zeitpunkt  des  Inkrafttretens  ein  Schlussabrechnungsgrund  vorliegt,  ein  Abrechnungsverfahren  vorzusehen  sowie  Regelungen  über  die  Dauer  und  den  Umfang  der  Sonderabgabe  sowie  zur  Abnahme  von  Vermögenswerten  zu  treffen  (Abs. 3 der Übergangsbestimmungen AsylG, Art. 126a Abs. 2 AuG). 5.2.  Aufgrund  der  Ermächtigung  in  Art.  126a  Abs.  2  AuG  erliess  der  Bundesrat die Absätze 6 ­ 8 der Übergangsbestimmungen AsylV 2. Darin  ist  folgende  Regelung  vorgesehen:  Absatz  6  bestimmt,  dass  Asylsuchenden,  vorläufig  Aufgenommenen  und  Schutzbedürftigen  ohne  Aufenthaltsbewilligung, die mit Inkrafttreten dieser Verordnungsänderung  der  Sonderabgabe  nach  Art.  86  AsylG  unterstehen,  die  Zeit  seit  Aufnahme der ersten sicherheitsleistungspflichtigen Erwerbstätigkeit oder  die  Zeit  seit  Eintritt  der  Rechtskraft  der  Verfügung  über  eine  erste  Vermögenswertabnahme  an  die  Dauer  der  Sonderabgabepflicht  angerechnet wird. Absatz 7 sagt, dass Rückerstattungen, die gestützt auf  eine Zwischenabrechnung nach Art. 16 AsylV 2 (1999) geleistet wurden,  den  von  dieser  Zwischenabrechnung  betroffenen,  sonderabgabepflichtigen  Personen  vollumfänglich  an  die  Sonderabgabepflicht  angerechnet  wird.  Absatz 8  schliesslich  führt  aus,  dass Sicherheitsleistungen nach Art. 86 AsylG (1998) und Art. 14c Abs. 6  ANAG  unter  Anrechnung  allfälliger  Rückerstattungen  nach  Absatz  6  (recte: Absatz 7) bis zum Maximalbetrag der Sonderabgabe von 15'000  Franken  vom  Bund  vereinnahmt  und  vollumfänglich  an  die  Sonderabgabepflicht  angerechnet  werden.  Die  über  den  Betrag  von  15'000  Franken  hinausgehenden  Sicherheitsleistungen  werden  den  Kontoinhabern  ausbezahlt  oder  an  die  Sonderabgabepflicht  des  Ehegatten angerechnet. 6. 

C­2833/2009 6.1.  Die  Vorinstanz  vertritt  die  Auffassung,  dass  die  anlässlich  der  Zwischenabrechnung  vereinnahmten  Rückerstattungen  nicht  zurückbezahlt werden bzw. nicht gedeckte Kosten (gemäss Negativsaldo)  geschuldet  bleiben  und  "soweit  möglich  mit  dem  sich  auf  dem  Konto  befindenden  Saldo  gedeckt  werden  sollen,  auch  wenn  diese  Rückerstattungen  den  Maximalbetrag  der  Sonderabgabe  übersteigen"  (vgl.  Vernehmlassung  der  Vorinstanz  vom  4.  August  2009  S.  4).  Sie  beruft sich dabei auf den Wortlaut von Art. 126a Abs. 1 AuG, wonach die  Saldierung  nach  altem  Recht  vorzunehmen  sei,  wenn  vor  dem  Inkrafttreten  der  Regelung  zur  Sonderabgabe  ein  Zwischen­  oder  Schlussabrechnungsgrund  eingetreten  ist.  Sie  stützt  sich  in  diesem  Zusammenhang auf den "Bericht zur Änderung der Asylverordnungen 1,  2  und  3  sowie  der  Verordnung  über  den  Vollzug  der  Weg­  und  Ausweisung  von  ausländischen  Personen  (VVWA)".  Dort  wird  festgehalten, dass dieses Vorgehen keiner expliziten Regelung bedürfe,  da  sich  dies  aus  den  Übergangsbestimmungen  des  Gesetzes  ergebe  (S. 39;  im  Internet  unter:  www.bfm.admin.ch  >  Dokumentation  >  rechtliche  Grundlagen  >  abgeschlossene  Gesetzgebungsprojekte  >  Teilrevision  Asylgesetz  >  Vernehmlassungsunterlagen  Ausführungsbestimmungen > Erläuternder Bericht. Besucht im Dezember  2011).  In  gleichem  Sinne  äussern  sich  auch  die  Weisungen  zum  Asylgesetz  Ziffer  8.6.2  (im  Internet  unter:  www.bfm.admin.ch  >  Dokumentation  >  Rechtliche  Grundlagen  >  Weisungen  und  Kreisschreiben  >  III.  Asylgesetz  >  8.  Sonderabgabe.  Besucht  im  Dezember 2011). 6.2.  6.2.1. Die Regelung  gemäss  Art.  126a  Abs.  1  AuG  bestimmt,  dass  die  Zwischen­ oder Schlussabrechnung und die Saldierung nach bisherigem  Recht erfolgen, wenn vor  Inkrafttreten der Änderung vom 16. Dezember  2005  des  Asylgesetzes  ein  Zwischen­  oder  Schlussabrechnungsgrund  nach  Art.  87  AsylG  (1998)  entstanden  ist.  Da  es  sich  um  eine  Übergangsbestimmung handelt, kommt sie nur zur Anwendung, wenn ein  Zwischen­  oder  Schlussabrechnungsgrund  eingetreten,  das  entsprechende  Verfahren  jedoch  bei  Inkrafttreten  der  neuen  Bestimmungen  noch  nicht  abgeschlossen  ist.  Ist  das  entsprechende  Verfahren zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen, erwuchs also die  Zwischen­  bzw.  Schlussabrechnung  in  Rechtskraft,  so  liegt  kein  übergangsrechtlich  relevanter  Sachverhalt  vor.  Im  Falle  der  Schlussabrechnung wird  das  Sicherheitskonto  saldiert  und  aufgehoben.  Handelt  es  sich  um  eine  Zwischenabrechnung,  wird  das  Konto  nur 

C­2833/2009 teilsaldiert. In einem solchen Fall muss als nächster Schritt der Übergang  zur Sonderabgabe vollzogen werden. 6.2.2. Von  einer  Zwischenabrechnung  betroffen  sind  nur  Personen  aus  dem  Asylbereich  (Asylsuchende,  Schutzbedürftige,  vgl.  Art.  16  AsylV 2  [1999]),  die  neu  vorläufig  aufgenommen  werden.  Der  Übergang  zur  Sonderabgabe richtet sich deshalb in diesen Fällen nach Art. 126a Abs. 2  AuG i.V.m. den Übergangsbestimmungen AsylV 2, unabhängig davon, ob  der  Zwischenabrechnungsgrund  schon  Jahre  oder  erst  kurz  vor  dem  Inkrafttreten der neuen Bestimmungen entstanden ist. 6.3. Im vorliegenden Fall wurde der Beschwerdeführer am 13. September  2006 vorläufig aufgenommen. Gestützt auf Art. 16 AsylV 2 (1998)  führte  die Vorinstanz  daraufhin  ein  Zwischenabrechnungsverfahren  durch,  das  sie mit Verfügung vom 5. April 2007 abschloss. Mit dem Inkrafttreten des  neuen  Rechts  ist  deshalb  die  Überführung  des  Kontos  ins  System  der  Sonderabgabe in Anwendung der Übergangsregeln der Asylverordnung 2  vorzunehmen.  Diese  stellen  auf  den  Gesamtbetrag  der  geleisteten  Sicherheiten  ab  ("werden  vollumfänglich  angerechnet",  Absatz  7),  von  dem maximal Fr. 15'000.­ zu Gunsten des Bundes zu vereinnahmen und  der  Rest  auszuzahlen  bzw.  dem  Sonderabgabekonto  des  Ehepartners  gutzuschreiben  ist  (Absatz  8).  Für  einen  abweichenden  Umgang  in  Fällen,  wo  bereits  anlässlich  der  Zwischenabrechnung  mehr  als  Fr. 15'000.­ vereinnahmt bzw. die zurückzuerstattenden Kosten auf mehr  als  Fr. 15'000.­  festgelegt  worden  sind,  findet  sich  in  den  Übergangsbestimmungen keine explizite Grundlage. Die Vorinstanz stützt  sich  denn  auch  auf  den  erwähnten  erläuternden  Bericht  und  die  Weisungen zum Asylgesetz. 6.4.   6.4.1.  Die  Weisungen  des  BFM,  die  zu  den  sog.  Verwaltungsverordnungen  gehören,  sollen  den  einheitlichen,  gleichmässigen  und  sachlich  richtigen  Vollzug  des  Gesetzes  sicherstellen.  Solche  Weisungen  dürfen  sich  daher  nur  im  Rahmen  desjenigen  übergeordneten  Rechts  bewegen,  dessen  Inhalt  sie  konkretisieren  (ULRICH  HÄFELIN/GEORG  MÜLLER/FELIX  UHLMANN,  Allgemeines Verwaltungsrecht,  6. Aufl.,  Zürich/St. Gallen 2010, Rz. 124,  128,  134  mit  Hinweisen;  BGE  133  II  305  E.  8.1  mit  Hinweisen;  BVGE  2010/33  E. 3.3.1,  BVGE  2007/41  E. 4.1,  BVGE  2007/16  E. 6.2  je  mit  Hinweisen).

C­2833/2009 Das gleiche gilt grundsätzlich  für Erläuterungen zu Erlassen. Sie dienen  in  erster  Linie  dazu,  im  Vernehmlassungsverfahren  den  Inhalt  und  die  beabsichtigte Anwendung  in der Praxis zu erklären.  Insofern können sie  auch später zur Auslegung herangezogen werden. Dies gilt insbesondere  für die Erläuterungen im Gesetzgebungsverfahren, der sog. Botschaft des  Bundesrates.  In  geringerem  Masse  gilt  dies  auch  für  entsprechende  Äusserungen in Bezug auf Ausführungsbestimmungen.  6.4.2. Wie bereits gezeigt (E. 6.2.1), kann Art. 126a Abs. 1 AuG aufgrund  seines  Charakters  als  Übergangsbestimmung  nicht  dahingehend  verstanden  werden,  dass  in  Fällen,  in  denen  irgendwann  in  der  Vergangenheit  eine  Zwischenabrechnung  gemacht  worden  ist,  die  entsprechenden Konten nach altem Recht saldiert werden. Vielmehr sind  solche  Fälle  gemäss  Art.  126a  Abs. 2  AuG  und  den  gestützt  darauf  erlassenen  Übergangsbestimmungen  AsylV 2  abzuwickeln.  Diese  Übergangsbestimmungen  enthalten  keinerlei  Hinweise  darauf,  dass  die  anlässlich  der  Zwischenabrechnung  festgelegten  Kosten  und/oder  ein  allfälliger  Negativsaldo  beim  Übergang  zur  Sonderabgabe  über  die  vollumfängliche  Anrechnung  der  geleisteten  Sicherheiten  hinaus  zu  berücksichtigen wären. Ebenso wenig geht daraus hervor, dass in Fällen,  in  denen  die  Vorinstanz  anlässlich  der  Zwischenabrechnung  mehr  als  Fr. 15'000.­  zugunsten  des  Bundes  vereinnahmt  hat,  die  diesen  Maximalbetrag  übersteigende  Summe  nicht  zurückzuzahlen  wäre.  Insofern  ist die Erwähnung der Zwischenabrechnung  in Art. 126a Abs. 1  AuG  ohne  praktische  Relevanz  (vgl.  auch  das  Grundsatzurteil  des  Bundesverwaltungsgerichts C­7179/2008 vom 21. Dezember 2010 E. 4.5,  das  zum  gleichen  Schluss  gekommen  ist).  Demnach  gehen  sowohl  die  Weisungen als auch der erläuternde Bericht  in dieser Hinsicht über den  Wortlaut  der  Übergangsbestimmungen  hinaus  und  sind  daher  unbeachtlich. 6.5. Die Regelung, wie sie sich zur Zeit präsentiert  ist,  folgerichtig, geht  man davon aus, dass der Gesetzgeber nicht nur ein weniger aufwendiges  System einführen (vgl. E. 3.3), sondern auch für den Übergang vom alten  zum  neuen  System  eine  klare, mit  wenig  Aufwand  verbundene  Lösung  schaffen wollte. Würde der Auffassung der Vorinstanz gefolgt, entstünde  in Fällen,  in  denen die  in  der Zwischenabrechnung  festgelegten Kosten  nicht  vollständig  gedeckt  werden  konnten,  eine  Mischform  beider  Systeme, die jedoch, wie erwähnt, keine rechtliche Grundlage hat (vgl. im  gleichen  Sinne  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­5527/2009  vom 21. Oktober 2011 E. 7.4).

C­2833/2009 7.  Aus  diesen  Erwägungen  wird  deutlich,  dass  das  von  der  Vorinstanz  gewählte Vorgehen mit den  in Art. 126a AuG und der Asylverordnung 2  enthaltenen Übergangsbestimmungen nicht vereinbar ist. Die Anwendung der Übergangsbestimmungen ergibt im vorliegenden Fall  folgende  Rechnung:  Ausgangspunkt  ist  der  Gesamtbetrag  der  vom  Beschwerdeführer  erbrachten  Sicherheitsleistungen  (d.h.  der  gegenwärtige  Saldo  zuzüglich  der  Fr. 24'400.­,  die  anlässlich  der  Zwischenabrechnung  vereinnahmt  wurden).  Dieser  Gesamtbetrag  wird  gemäss Absatz 7 Übergangsbestimmungen AsylV 2 vollumfänglich an die  Sonderabgabepflicht  angerechnet,  weshalb  maximal  Fr.  15'000.­  vom  Bund  zu  vereinnahmen  sind.  Der  Überschuss  ist  an  den  Kontoinhaber  auszubezahlen  oder  an  die  Sonderabgabepflicht  des  Ehegatten  anzurechnen  (Absatz  8  Übergangsbestimmungen  AsylV 2).  Soweit  aus  den Akten  ersichtlich  ist, wurde  für  die Ehefrau  des Beschwerdeführers  nie  ein  Sicherheitskonto  eingerichtet,  daher  ist  die  Differenz  zwischen  dem Maximalbetrag der Sonderabgabe und den  insgesamt einbezahlten  Sicherheitsleistungen an den Beschwerdeführer auszuzahlen. 8.  Aufgrund dieser Erwägungen kommt das Bundesverwaltungsgericht zum  Schluss, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt (Art. 49  Bst. a VwVG). Die Beschwerde ist daher gutzuheissen und die Sache an  die  Vorinstanz  zur  neuen  Verfügung  im  Sinne  der  Erwägungen  zurückzuweisen.  Auf  die  übrigen,  unter  Rechtsbegehren  aufgeführten  Punkte braucht bei diesem Ausgang nicht mehr eingegangen zu werden. 9.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen (vgl.  Art.  63 VwVG). Die Vorinstanz wird  verpflichtet,  dem Beschwerdeführer  eine Parteientschädigung von Fr. 900.­ zu bezahlen (vgl. Art. 64 VwVG). (Dispositiv S. 16)

C­2833/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2.  Die  angefochtene  Verfügung  wird  aufgehoben  und  die  Sache  zur  neuerlichen  Verfügung  im  Sinne  der  Erwägungen  an  die  Vorinstanz  zurückgewiesen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Die Vorinstanz hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von  Fr. 900.­ zu bezahlen. 5.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Einschreiben) – die Vorinstanz (Akten Ref­Nr. […] zurück) Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Ruth Beutler Barbara Kradolfer Versand:

C-2833/2009 — Bundesverwaltungsgericht 16.01.2012 C-2833/2009 — Swissrulings