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Bundesverwaltungsgericht 10.02.2012 C-1391/2009

10. Februar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,604 Wörter·~18 min·4

Zusammenfassung

Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung | Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­1391/2009 Urteil   v om   1 0 .   Februar   2012 Besetzung Richter Antonio Imoberdorf (Vorsitz), Richterin Marianne Teuscher, Richter Jean­Daniel Dubey, Gerichtsschreiber Daniel Grimm. Parteien A._______,  vertreten durch Rechtsanwalt Peter Wicki, Denkmalstrasse 2, Postfach, 6000 Luzern 6, Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung.

C­1391/2009 Sachverhalt: A.  Der  aus  dem  Kosovo  stammende  Beschwerdeführer  (geb.  1971)  gelangte anfangs November 1997  in die Schweiz und ersuchte hier um  Asyl.  Das  zuständige Bundesamt  lehnte  das  Asylgesuch mit  Verfügung  vom 1. Mai 1998 ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an.  Dieser Entscheid blieb unangefochten. Vom 15. Juni 1999 bis 16. August  1999  kam  er  aufgrund  eines  Bundesratsbeschlusses  vom  7. April  1999  (betreffend Personen mit letztem Wohnsitz im Kosovo) in den Genuss der  kollektiven vorläufigen Aufnahme. Im November 1998  lernte der Beschwerdeführer die Schweizer Bürgerin  B._______, geschiedene C._______ (geb. 1952) kennen. Zum damaligen  Zeitpunkt  war  sie  mit  einem  Schweizer  Staatsangehörigen  verheiratet.  Von  ihm hatte  sie zwei Kinder  (geb. 1978 bzw. 1981). Am 6. Dezember  1999  liess  sie  sich  von  ihrem  Ehemann  scheiden  und  heiratete  am  18. Februar  2000  im  Kanton  Luzern  den  Beschwerdeführer.  Von  der  kantonalen  Migrationsbehörde  erhielt  jener  daraufhin  eine  Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei der Ehefrau. B.  Gestützt  auf  seine  Ehe  stellte  der  Beschwerdeführer  Ende  November  2002  ein  erstes Gesuch  um  erleichterte  Einbürgerung  nach Art. 27  des  Bürgerrechtsgesetzes  vom  29. September  1952  (BüG,  SR  141.0),  auf  welches  das  damals  zuständige  Bundesamt  für  Ausländerfragen  (BFA,  heute:  BFM)  wegen  dem  nichterfüllten  gesetzlichen  Erfordernis  der  dreijährigen Ehedauer nicht eintrat und es als gegenstandslos abschrieb. Am 8. März 2003 ersuchte der Beschwerdeführer erneut um erleichterte  Einbürgerung. Zu Handen des Einbürgerungsverfahrens unterzeichneten  die  Eheleute  am  28. Januar  2004  eine  gemeinsame Erklärung,  wonach  sie in einer tatsächlichen, ungetrennten, stabilen ehelichen Gemeinschaft  an  derselben  Adresse  zusammenlebten  und  weder  Trennungs­  noch  Scheidungsabsichten bestünden. Gleichzeitig nahmen sie unterschriftlich  zur Kenntnis, dass die erleichterte Einbürgerung nicht möglich  ist, wenn  vor oder während des Einbürgerungsverfahrens einer der Ehegatten die  Trennung oder Scheidung beantragt hat oder keine tatsächliche eheliche  Gemeinschaft  mehr  besteht,  und  dass  die  Verheimlichung  dieser  Umstände  zur  Nichtigerklärung  der  Einbürgerung  nach  Art. 41  BüG  führen kann.

C­1391/2009 Am  10. Februar  2004  wurde  der  Beschwerdeführer  erleichtert  eingebürgert.  Nebst  dem  Schweizerbürgerrecht  erwarb  er  die  Bürgerrechte des Kantons Bern und der Gemeinde X.______ (BE). C.  In der Folge brachte das BFM  in Erfahrung, dass sich die Eheleute am  1. Mai 2005 getrennt hatten, danach zwar weiterhin an gleicher Adresse,  aber in getrennten Wohnungen logierten. Ferner stellte sich heraus, dass  sie  beim  zuständigen  Zivilgericht  am  14. November  2005  ein  gemeinsames  Scheidungsbegehren  gestellt  hatten  und  die  (kinderlos  gebliebene) Ehe seit dem 9. Mai 2006 rechtskräftig geschieden ist. Am  11. Oktober  2007  heiratete  der  Beschwerdeführer  eine  Landsfrau  (geb. 1980). D.  Aufgrund dieser Umstände eröffnete die Vorinstanz am 23. April 2008 ein  Verfahren  auf  Nichtigerklärung  der  erleichterten  Einbürgerung  gemäss  Art. 41 BüG. Im Rahmen der Sachverhaltsermittlung nahm die Vorinstanz  mit  Einverständnis  des  Beschwerdeführers  Einsicht  in  die  Akten  des  Amtsgerichts  Y._______.  Ferner  unterbreitete  sie  der  früheren  Ehefrau  am 30. Mai 2008, 3. Juli 2008 und 19. November 2008 schriftlich Fragen  zum  gemeinsamen  Kennenlernen,  zum  Verlauf  der  Ehe  und  zu  den  Umständen der Trennung und Ehescheidung. Mit Antwortschreiben vom  25. Juni  2008,  11. September  2008  und  30. Dezember  2008  (jeweiliger  Eingang  beim  BFM)  nahm  die  geschiedene  Gattin  zur  Angelegenheit  Stellung. Der  Beschwerdeführer  seinerseits  machte  vom  Äusserungsrecht  am  28. April  2008,  13. Mai  2008  und  20. Januar  2009  Gebrauch.  Auf  entsprechende Aufforderung hin teilte er dem BFM am 30. Oktober 2008  zudem  mit,  dass  der  zweiten  Ehe  ein  am  3. Oktober  2008  geborenes  Mädchen entsprossen sei. E.  Auf Ersuchen des BFM erteilte der Kanton Bern am 21. Januar 2009 die  Zustimmung zur Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung. F.  Mit  Verfügung  vom  30. Januar  2009  erklärte  die  Vorinstanz  die  erleichterte Einbürgerung des Beschwerdeführers für nichtig. Gleichzeitig  ordnete  sie  an,  dass  sich  die  Nichtigkeit  auf  alle  Familienmitglieder 

C­1391/2009 erstrecke,  deren  Schweizer  Bürgerrecht  auf  der  nichtig  erklärten  Einbürgerung beruhe. G.  Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  4. März  2009  beantragt  der  Beschwerdeführer  beim  Bundesverwaltungsgericht  die  Aufhebung  der  angefochtenen Verfügung. Dazu  legte  der  Rechtsvertreter  eine  Reihe  von  Beweismitteln  (Unterstützungsschreiben  von  Verwandten  und  Bekannten  beider  Parteien  sowie  von  Arbeitskollegen  des  Beschwerdeführers  und  eines  Nachbarn, medizinische Belege) ins Recht. Nach Einsichtnahme  in die Verfahrensakten  liess der Beschwerdeführer  am 16. Mai 2009 eine Beschwerdeergänzung nachreichen. H.  Die Vorinstanz schliesst  in  ihrer Vernehmlassung vom 25. Juni 2009 auf  Abweisung der Beschwerde. I.  Mit  Replik  vom  29. August  2009  hält  der  Beschwerdeführer  am  eingereichten Rechtsmittel und dessen Begründung fest. J.  Am  9. Dezember  2011  reichte  der  Rechtsvertreter  auf  Verlangen  des  Bundesverwaltungsgerichts eine Kostennote ein. K.  Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  rechtserheblich,  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  –  unter  Vorbehalt  der  in  Art.  32  VGG  genannten  Ausnahmen  –  Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom  20. Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021),  welche  von  einer  in  Art.  33 

C­1391/2009 VGG  aufgeführten  Behörde  erlassen  wurden.  Darunter  fallen  Verfügungen  des  BFM  betreffend  Nichtigerklärung  der  erleichterten  Einbürgerung (vgl. Art. 41 Abs. 1 i.V.m. Art. 51 Abs. 1 BüG). 1.2.  Gemäss  Art.  37  VGG  richtet  sich  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  nach  dem  Verwaltungsverfahrensgesetz,  soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes bestimmt. 1.3. Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Ergreifung des  Rechtsmittels  legitimiert  (Art. 48  Abs.  1  VwVG).  Auf  seine  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  einzutreten  (Art. 50  und  52  VwVG). 2.  Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  –  sofern  nicht  eine  kantonale  Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im  Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist  gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend  gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist  grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE  2011/1 E. 2). 3.  Als Beweismassnahme wird  in der Beschwerdeschrift vom 4. März 2009  und der Rechtsschriftergänzung vom 16. Mai 2009 die Einvernahme der  der Mutter, des Bruders und der Tochter der geschiedenen Gattin, ferner  der  beiden  Treuzeugen,  eines  Nachbarn  sowie  dreier  Brüder  des  Beschwerdeführers,  insbesondere  aber  von  D._______  (der  Schwester  der Ex­Ehefrau) als Zeuginnen bzw. Zeugen beantragt. 3.1.  Der  Behörde  kommt  grundsätzlich  die  Pflicht  zu,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  von  Amtes  wegen  zu  ermitteln  (Art.  12  VwVG). Gemäss Art. 12 Bst. a  –  e VwVG kommen als Beweismittel  für  die Behörde Urkunden, Auskünfte der Parteien, Augenscheine, Auskünfte  und Zeugnisse von Drittpersonen sowie Gutachten von Sachverständigen  in Betracht. Grundsätzlich werden Auskünfte von Drittpersonen schriftlich 

C­1391/2009 eingeholt  (PATRICK  L.  KRAUSKOPF/KATRIN  EMMENEGGER,  in:  Waldmann  /  Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, Zürich 2009, N. 115 mit  Verweis  auf  N.  104  f.  zu  Art.  12).  Zeugeneinvernahmen  sind  im  Verwaltungsverfahren insbesondere wegen der strengen Strafandrohung  wegen  falschen  Zeugnisses  als  subsidiäres  Beweismittel  zu  betrachten  und dürfen nur ausnahmsweise zur Anwendung kommen (vgl. BGE 130 II  169  E. 2.3.3  S. 173  mit  Hinweisen,  Urteil  des  Bundesgerichts  1C_292/2010  vom  5. August  2010  E.  3.2).  Drittpersonen  sind  daher  grundsätzlich  als  Auskunftspersonen  zum  Sachverhalt  zu  befragen  (KRAUSKOPF/EMMENEGGER,  a.a.O.,  N.  114  zu  Art.  12).  Im  Rahmen  der  Sachverhaltsermittlung  sind  die  Behörden  verpflichtet,  die  von  den  Parteien angebotenen Beweise abzunehmen, sofern diese geeignet sind,  den  rechtserheblichen Sachverhalt  zu  erhellen. Kommt  die Behörde  bei  pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, die Akten erlaubten  die  richtige  und  vollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts oder die behauptete Tatsache sei für die Entscheidung der  Streitsache  nicht  von  Bedeutung,  kann  sie  auf  die  Erhebung  weiterer  Beweise verzichten, ohne durch diese antizipierte Beweiswürdigung den  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  gemäss  Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999 (BV, SR 101) zu verletzen (vgl. zum Ganzen BGE 136 I 229 E. 5.3  S. 236 f. mit Hinweisen). 3.2.  Der  entscheidswesentliche  Sachverhalt  erschliesst  sich,  wie  nachfolgend zu zeigen sein wird,  in hinreichender Weise aus den Akten.  Die  zur  Zeugeneinvernahme  vorgeschlagenen  Personen  haben  sich  allesamt  bereits  schriftlich  zum  Eheleben  in  der  hier  interessierenden  Zeitspanne  und  zu  den  Scheidungsgründen  geäussert,  auch  die  Schwester der Ex­Ehefrau  tat dies mit Schreiben vom 25. Februar 2009  recht  ausführlich und detailliert  (siehe Beschwerdebeilagen). Angesichts  dessen kann nicht erwartet werden, dass die erwähnten Verwandten und  Bekannten als Zeuginnen oder Zeugen wesentlich neue Erkenntnisse zu  vermitteln  vermöchten.  Es  ist  mithin  nicht  davon  auszugehen,  dass  die  Schilderungen  jener  Personen  über  das  bereits  Bekannte  hinausgehen  und geeignet wären, ein anderes Licht auf die Ehe zu werfen. Von den  beantragten Einvernahmen  kann  somit  in  antizipierter  Beweiswürdigung  ohne Verletzung des rechtlichen Gehörs abgesehen werden. 4.  4.1. Gemäss Art. 27 Abs. 1 BüG kann eine ausländische Person nach der  Eheschliessung mit einem Schweizer Bürger ein Gesuch um erleichterte 

C­1391/2009 Einbürgerung  stellen,  wenn  sie  insgesamt  fünf  Jahre  in  der  Schweiz  gewohnt  hat  (Bst.  a),  seit  einem  Jahr  hier  wohnt  (Bst.  b)  und  seit  drei  Jahren in ehelicher Gemeinschaft mit dem Schweizer Bürger lebt (Bst. c).  Die Einbürgerung setzt gemäss Art. 26 Abs. 1 BüG zudem voraus, dass  die  ausländische  Person  in  die  schweizerischen  Verhältnisse  eingegliedert  ist  (Bst.  a),  die  schweizerische  Rechtsordnung  beachtet  (Bst.  b)  und  die  innere  oder  äussere  Sicherheit  der  Schweiz  nicht  gefährdet  (Bst.  c).  Sämtliche  Einbürgerungsvoraussetzungen  müssen  sowohl  im  Zeitpunkt  der  Gesuchseinreichung  als  auch  anlässlich  der  Einbürgerungsverfügung erfüllt  sein. Fehlt es  insbesondere  im Zeitpunkt  des  Einbürgerungsentscheids  an  der  ehelichen  Gemeinschaft,  darf  die  erleichterte Einbürgerung nicht ausgesprochen werden  (BGE 135  II 161  E. 2 S. 164  f., BGE 130  II 482 E. 2 S. 483  f., BGE 129  II 401 E. 2.2 S.  403). 4.2.  Der  Begriff  der  ehelichen  Gemeinschaft  im  Sinne  des  Bürgerrechtsgesetzes bedeutet mehr als nur das formelle Bestehen einer  Ehe.  Verlangt  wird  vielmehr  eine  tatsächliche  Lebensgemeinschaft,  getragen vom Willen, die Ehe auch künftig aufrecht zu erhalten (BGE 135  II  161  E.  2  S.  164  f.,  BGE  130  ll  482  E.  2  S.  483  f.,  BGE  130  ll  169  E. 2.3.1 S. 171 f., BGE 128 ll 97 E. 3a S. 98 f., BGE 121 ll 49 E. 2b S. 51  f.). Mit  Art.  27  BüG wollte  der Gesetzgeber  ausländischen  Ehepartnern  von  Schweizer  Bürgern  die  erleichterte  Einbürgerung  ermöglichen,  um  die  Einheit  des  Bürgerrechts  der  Ehegatten  im  Hinblick  auf  eine  gemeinsame  Zukunft  zu  fördern  (vgl.  Botschaft  des  Bundesrats  zur  Änderung des Bürgerrechtsgesetzes vom 26. August 1987, BBl 1987  III  310).  Zweifel  am  Willen  der  Ehegatten,  die  eheliche  Gemeinschaft  aufrecht  zu  erhalten  bzw.  eine  tatsächliche  Lebensgemeinschaft  weiterzuführen,  sind  beispielsweise  angebracht,  wenn  kurze  Zeit  nach  der  erleichterten Einbürgerung die Trennung erfolgt  oder  die Scheidung  eingeleitet wird  (BGE 135  II 161 E. 2 S. 164  f., BGE 130  II 482 E. 2 S.  483 f.). 4.3. Die erleichterte Einbürgerung kann mit Zustimmung der Behörde des  Heimatkantons  innert  der  vom  Gesetz  vorgesehenen  Frist  für  nichtig  erklärt  werden,  wenn  sie  durch  falsche  Angaben  oder  Verheimlichung  erheblicher  Tatsachen  erschlichen,  d.h.  mit  einem  unlauteren  und  täuschenden Verhalten erwirkt worden ist (vgl. die revidierte Bestimmung  von Art. 41 Abs. 1 und 1bis BüG in der Fassung vom 25. September 2009,  in Kraft seit 1. März 2011  [AS 2011 347] bzw. aArt. 41 Abs. 1 BüG [AS  1952  1087],  gültig  bis  28.  Februar  2011).  Arglist  im  Sinne  des 

C­1391/2009 strafrechtlichen Betrugstatbestandes wird nicht verlangt. Es genügt, wenn  der  Betroffene  bewusst  falsche  Angaben  macht  bzw.  die  Behörde  bewusst  in  einem  falschen Glauben  lässt  und  so  den  Vorwurf  auf  sich  zieht,  es  unterlassen  zu  haben,  die  Behörde  über  eine  erhebliche  Tatsache zu informieren (vgl. BGE 135 II 161 E. 2 S. 164 f., BGE 132 II  113 E. 3.1 S. 114 f. und BGE 130 II 482 E. 2 S. 483 f., je mit Hinweisen).  Weiss  der  Betroffene,  dass  die  Voraussetzungen  für  die  erleichterte  Einbürgerung  auch  im  Zeitpunkt  der  Verfügung  vorliegen  müssen,  so  muss er die Behörden unaufgefordert über eine nachträgliche Änderung  der Verhältnisse orientieren, von der er weiss oder wissen muss, dass sie  einer Einbürgerung entgegensteht. Die Pflicht dazu ergibt  sich aus dem  Grundsatz  von  Treu  und  Glauben  und  aus  der  verfahrensrechtlichen  Mitwirkungspflicht gemäss Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG. Die Behörde darf  sich ihrerseits darauf verlassen, dass die vormals erteilten Auskünfte bei  passivem  Verhalten  des  Gesuchstellers  nach  wie  vor  der  Wirklichkeit  entsprechen (vgl. BGE 132 II 113 E. 3.2 S. 115 f.). 5.  5.1. Das  Verfahren  zur  Nichtigerklärung  der  erleichterten  Einbürgerung  richtet sich nach den Bestimmungen des Verwaltungsverfahrensgesetzes  (vgl. Art. 1 Abs. 1 und Abs. 2 Bst. a VwVG). Danach obliegt es gemäss  Art.  12  VwVG  der  Behörde,  den  Sachverhalt  von  Amtes  wegen  abzuklären.  Sie  hat  zu  untersuchen,  ob  der  betroffenen  Person  die  Täuschung über  eine Einbürgerungsvoraussetzung  vorgeworfen werden  kann,  wozu  insbesondere  ein  beidseitig  intakter  und  gelebter  Ehewille  gehört.  Da  die  Nichtigerklärung  in  die  Rechte  der  betroffenen  Person  eingreift,  liegt die Beweislast  bei  der Behörde. Allerdings geht es  in der  Regel um innere, dem Kern der Privatsphäre zugehörende Sachverhalte,  die  der  Behörde  nicht  bekannt  und  einem  Beweis  naturgemäss  kaum  zugänglich  sind.  Sie  kann  sich  daher  veranlasst  sehen,  von  bekannten  Tatsachen  (Vermutungsbasis)  auf  unbekannte  (Vermutungsfolge)  zu  schliessen.  Solche  sogenannt  natürlichen  bzw.  tatsächlichen  Vermutungen  können  sich  in  allen  Bereichen  der  Rechtsanwendung  ergeben,  namentlich  auch  im  öffentlichen  Recht.  Es  handelt  sich  um  Wahrscheinlichkeitsfolgerungen,  die  auf  Grund  der  Lebenserfahrung  gezogen  werden.  Die  betroffene  Person  ist  verpflichtet,  bei  der  Sachverhaltsabklärung mitzuwirken (vgl. BGE 135 II 161 E. 3 S. 165 f. mit  Hinweisen). 5.2. Die  natürliche  Vermutung  gehört  zur  freien  Beweiswürdigung  (vgl.  Art. 19 VwVG i.V.m. Art. 40 des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 

C­1391/2009 über  den  Bundeszivilprozess  [BZP,  SR  273]).  Sie  stellt  eine  Beweislasterleichterung  dar,  indem  eine  bereits  vorhandene,  aber  nicht  mit  letzter  Schlüssigkeit  mögliche  Beweisführung  unterstützt  wird.  Eine  Umkehrung  der Beweislast  hat  sie  jedoch  nicht  zur  Folge. Wenn  daher  bestimmte Tatsachen – beispielsweise die Chronologie der Ereignisse –  die natürliche Vermutung begründen, dass die erleichterte Einbürgerung  erschlichen wurde, muss die betroffene Person nicht den Beweis für das  Gegenteil erbringen. Es genügt, wenn sie einen Grund anführt, der es als  wahrscheinlich  erscheinen  lässt,  dass  sie  die  Behörde  nicht  getäuscht  hat. Bei diesem Grund kann es sich um ein ausserordentliches Ereignis  handeln, das zum raschen Scheitern der Ehe führte, oder die betroffene  Person kann plausibel darlegen, weshalb sie die Schwere der ehelichen  Probleme  nicht  erkannt  hat  und  den  wirklichen  Willen  hatte,  mit  dem  Schweizer  Ehepartner  auch  weiterhin  in  einer  stabilen  ehelichen  Gemeinschaft zu leben (vgl. BGE 135 II 161 E. 3 S. 165 f. mit Hinweisen). 6.  6.1.  Gemäss  der  hier  anwendbaren,  bis  zum  28.  Februar  2011  gültig  gewesenen  ursprünglichen  Fassung  von  Art.  41  Abs.  1  BüG  (vgl.  AS  1952  1087)  kann  die  Einbürgerung  vom  BFM  mit  Zustimmung  der  Behörde  des  Heimatkantons  innerhalb  von  fünf  Jahren  nichtig  erklärt  werden,  wenn  sie  durch  falsche  Angaben  oder  Verheimlichung  erheblicher Tatsachen erschlichen worden ist. 6.2.  Die  formellen  Voraussetzungen  für  eine  Nichtigerklärung  sind  vorliegend  erfüllt:  Der  Kanton  Bern  hat  die  Zustimmung  zur  Nichtigerklärung  der  erleichterten  Einbürgerung  am  21. Januar  2009  erteilt  und  die  Nichtigerklärung  ist  von  der  zuständigen  Instanz  am  30. Januar  2009  noch  innerhalb  der  gesetzlichen  Frist  ergangen  (vgl.  dazu Urteil  des Bundesgerichts  1C_255/2011  vom  27. September  2011  E. 2.1.3 mit Hinweisen). 7.  7.1. Die  Vorinstanz  stellt  sich  in  der  angefochtenen  Verfügung  auf  den  Standpunkt,  dass  der  Beschwerdeführer  die  erleichterte  Einbürgerung  durch  falsche  Angaben  und  die  Verheimlichung  erheblicher  Tatsachen  erschlichen  habe.  Sie  schliesst  dies  vorab  aus  dem  Altersunterschied  zwischen  den  Parteien  sowie  daraus,  dass  er  die  Schweiz  ohne  Eheschliessung  hätte  verlassen  müssen,  weshalb  eine  zweckfremde  Motivation  für das Eingehen der Ehe nicht von der Hand zu weisen sei.  Ferner  wird  auf  den  Umstand  verwiesen,  dass  sich  die  Eheleute  15 

C­1391/2009 Monate nach der erleichterten Einbürgerung getrennt und anschliessend  geschieden hätten. Die Ehe könne daher im Einbürgerungszeitpunkt nicht  mehr  stabil  und  zukunftsgerichtet  gewesen  sein.  Insbesondere  sei  kein  neues  Ereignis  erkennbar,  das  nach  der  erleichterten  Einbürgerung  unerwartet zu einer Destabilisierung der Ehe hätte  führen können. Wohl  erwähne  der  Beschwerdeführer,  dass  die  Ehe  bis  anfangs  2005  stabil  gewesen sei und sich erst danach Unstimmigkeiten und immer heftigere  Streitigkeiten eingestellt hätten. Aufgrund der von den Beteiligten geltend  gemachten  Gründe  (Verschlossenheit  des  Beschwerdeführers,  verbale  Verletzungen durch die geschiedene Gattin, zunehmend unterschiedliche  Vorstellungen  hinsichtlich  Freizeitgestaltung  bzw.  gemeinsamem  Ausgang)  müsse  der  Destabilisierungs­  und  Zerrüttungsprozess  unter  den  Ehegatten  jedoch  schon  bald  nach  der  Heirat  eingesetzt  haben.  Solche  Gründe  führten  jedenfalls  erfahrungsgemäss  nicht  binnen  dreieinhalb Monate zu einer vollständigen Zerrüttung einer Ehe. Auch der  Ex­Ehegattin  zufolge  seien  die  Eheprobleme  schleichend  gekommen.  Überhaupt sei anzunehmen, dass es unter den Ehegatten von Anbeginn  weg  wenig  Gemeinsamkeiten  gegeben  habe.  Aufgrund  der  Aktenlage  bestünden zudem gewisse Zweifel an der Glaubwürdigkeit der erleichtert  eingebürgerten  Person,  welche  ihre  Mitwirkungsmöglichkeiten  nur  ungenügend  wahrgenommen  habe.  Die  Voraussetzungen  für  eine  Nichtigerklärung der erleichterten Einbürgerung seien deshalb erfüllt. 7.2.  Der  Parteivertreter  hält  auf  Beschwerdeebene  dagegen,  die  Annahmen  der  Vorinstanz  beruhten  auf  einer  unzureichenden  und  unvollständigen  Abklärung  des  Sachverhalts  sowie  darauf,  dass  den  Parteien,  insbesondere  der  geschiedenen  Ehefrau,  die  Fragen  nur  schriftlich  unterbreitet  worden  seien.  Darüber  hinaus  habe  das  BFM  Feststellungen  getroffen,  die  klar  aktenwidrig  seien.  Besagte  negative  Annahmen würden durch die zwischenzeitlich eingeholten Bestätigungen  widerlegt.  Zudem  bestünden  zahlreiche  positive  Indizien,  die  von  der  Vorinstanz  nicht  gewürdigt  worden  seien.  So  gebe  es  absolut  keine  Anhaltspunkte  dafür,  dass  der  Zerrüttungsprozess  bald  nach  der Heirat  eingesetzt  habe.  Vielmehr  gehe  aus  den  neuen  Bestätigungen  hervor,  dass die Probleme erst nach dem Jahreswechsel 2004/2005 aufgetreten  seien. Auch die Verschlossenheit des Beschwerdeführers habe sich erst  anfangs  2005,  im  Rahmen  einer  einsetzenden  Depression,  zu  manifestieren begonnen. Wenn das BFM die Angaben der Eheleute als  knapp  und  vage  erachte,  so  hätte  dies  den  Betroffenen mitgeteilt  bzw.  eine persönliche Befragung angeordnet werden müssen. Mit Blick auf die  Glaubwürdigkeit  des  Beschwerdeführers  gelte  es  in  diesem 

C­1391/2009 Zusammenhang zu bedenken, dass er noch heute unter den Folgen der  Depression leide und grosse Mühe bekunde, sich über die Umstände zu  äussern, welche die Depression ausgelöst hätten. Als positive Indizien zu  werten  seien  sodann  seine  nach  wie  vor  guten  Kontakte  zur  früheren  Schweizer  Ehegattin  und  deren  Verwandtschaft.  In  deren  elterlichem  Betrieb sei er heute noch als hoch geschätzter Mitarbeiter im Einsatz. Vor  allem aber sei nach der erleichterten Einbürgerung sehr wohl ein Ereignis  eingetreten,  dass  die  zuvor  gut  funktionierende  Beziehung  völlig  destabilisiert  habe.  Im  Dezember  2004,  anlässlich  eines  Besuches  in  seiner Heimat,  habe  der Beschwerdeführer  nämlich  erfahren,  dass  sein  Vater  schwer  krank  sei,  was  ihn  sehr  stark  belastet  habe.  Nach  der  Rückkehr sei er zusehends depressiver geworden und nicht mehr  in der  Lage  gewesen,  gemeinsame Aktivitäten  zu  unternehmen. Dies  habe  zu  gegenseitigem  Unverständnis  und  einem  Bröckeln  der  gemeinsamen  Basis  geführt.  Die  Parteien  hätten  sich  daraufhin  auf  eine  örtliche  Trennung  im  Sinne  getrennter  Wohnungen  in  unmittelbarer  Nähe  geeinigt,  in der Hoffnung, die Probleme  liessen sich so  lösen. Allerdings  habe sich die geschiedene Gattin dann  in einen anderen Mann verliebt.  Der spätere Tod des Vaters und das definitive Scheitern der Beziehung  hätten  beim  Beschwerdeführer  zu  einer  schwerwiegenden  Depression  und  schliesslich  zu  medizinischen  Behandlungen  und  einem  Spitalaufenthalt  geführt.  Zahlreiche  Beteiligte  bestätigten  diese  Darstellung  vollumfänglich.  Damit  sei  erstellt,  dass  im  Einbürgerungszeitpunkt noch eine enge und stabile Beziehung bestanden  habe. 8.  8.1. Aus den Akten ergibt sich, dass der Beschwerdeführer im November  1997  in  die  Schweiz  eingereist  war  und  um  Asyl  ersucht  hatte.  Sein  Asylgesuch wurde abgewiesen, im Sommer 1999 hatte er aber zeitweilig  den  Status  eines  vorläufig  Aufgenommenen  inne.  Im  November  1998  lernte  er  eine  Schweizerin  kennen,  welche  er  am  18. Februar  2000  heiratete.  Am  25. November  2002  bzw.  8. März  2003  stellte  er  ein  Gesuch  um  Erteilung  der  erleichterten  Einbürgerung.  Nachdem  die  Ehegatten am 28. Januar 2004 die gemeinsame Erklärung zum Bestand  der  ehelichen  Gemeinschaft  abgegeben  hatten,  wurde  der  Beschwerdeführer am 10. Februar 2004 erleichtert eingebürgert. Die Ehe  soll  damals  stabil  gewesen  sein.  Auf  den  1. Mai  2005  hin  hoben  die  Eheleute  ihren  gemeinsamen  Haushalt  auf.  Gemäss  den  Scheidungsakten  des Amtsgerichtes  Y._______  haben  die  Parteien  am  14. November 2005 ein gemeinsames Scheidungsbegehren eingereicht, 

C­1391/2009 das  am  20. April  2006  zur  Scheidung  führte  (in  Rechtskraft  seit  9. Mai  2006).  Aktenmässig  erstellt  ist  ferner,  dass  der  Beschwerdeführer  am  11. Oktober 2007 eine Landsfrau geheiratet  hat. Aus dieser Verbindung  ging ein Kind (geboren am 3. Oktober 2008) hervor. 8.2. Aufgrund  der  dargestellten  zeitlichen Abfolge  ging  die  Vorinstanz –  zwar  nicht  explizit,  doch  zumindest  faktisch  –  von  der  tatsächlichen  Vermutung  aus,  dass  die  eheliche  Gemeinschaft,  als  der  Beschwerdeführer  erleichtert  eingebürgert  wurde,  nicht mehr  intakt  und  auf eine gemeinsame Zukunft  ausgerichtet war. Als  zusätzliche  Indizien  hierfür nannte sie namentlich den Altersunterschied, die Begleitumstände  der  Heirat  und  die  von  den  ehemaligen  Eheleuten  geltend  gemachten  Auflösungsgründe, ergänzend auch deren Aussageverhalten. 9.  Besteht  aufgrund  der  Ereignisabläufe  die  tatsächliche  Vermutung,  die  Einbürgerung  sei  erschlichen  worden,  obliegt  es  dem  Betroffenen,  die  Vermutung  durch  den  Gegenbeweis  bzw.  durch  erhebliche  Zweifel  umzustossen. Dazu braucht er nicht den Nachweis zu erbringen, dass die  Ehe mit der Schweizer Bürgerin zum massgeblichen Zeitpunkt intakt war,  denn eine tatsächliche Vermutung führt – wie bereits erwähnt – nicht zur  Umkehr  der  Beweislast.  Es  genügt,  wenn  der  Beschwerdeführer  eine  plausible Alternative zu dieser Vermutungsfolge zu präsentieren vermag  (zum Ganzen siehe E. 5.2 hiervor). Er kann den Gegenbeweis erbringen,  indem  er  glaubhaft  den  Eintritt  eines  ausserordentlichen  Ereignisses  dartut, das geeignet  ist, den nachträglichen Zerfall der ehelichen Bande  zu erklären, oder  indem er darlegt,  dass er die Ernsthaftigkeit  ehelicher  Probleme  nicht  erkannte  und  zum  Zeitpunkt,  als  er  die  Erklärung  unterzeichnete,  den  wirklichen  Willen  hatte,  weiterhin  eine  stabile  eheliche Beziehung aufrecht zu erhalten (vgl. BGE 135 II 161 E. 3 S. 165  f. und BGE 130 II 482 E. 3.2 S. 486). 9.1. Ein besonderes Augenmerk  legt  das BFM vorab auf  die Umstände  der Eheschliessung.  Es  trifft  zu,  dass  der Beschwerdeführer  1997/1998  erfolglos  ein  Asylverfahren  durchlaufen  hat.  Nachdem  er  die  Bekanntschaft mit seiner künftigen Frau gemacht hatte, kam er allerdings  im Sommer 1999 während einiger Monate in den Genuss der vorläufigen  Aufnahme.  Auch  wenn  diese  im  Herbst  jenes  Jahr  wieder  aufgehoben  wurde,  erscheint  fraglich,  ob  ihm  kurzfristig  ausländerrechtliche  Massnahmen  des  Gastlandes  gedroht  hätten  (zur  relativen  Bedeutung  des Arguments  der Heirat  zwecks Erlangung  eines Anwesenheitsrechts 

C­1391/2009 siehe beispielsweise Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C­2339/2009  vom  17. November  2009  E.  6.2.3  oder  Urteile  des  Bundesgerichts  5A.11/2006 vom 27. Juni 2006 E. 3.1 und 5A.13/2005 vom 6. September  2005 E. 3.2). Vom Kennenlernen bis zur Heirat vergingen denn immerhin  rund 14 Monate. Hinzu kommt, dass der Anstoss zur Heirat von der Ex­ Gattin  ausgegangen  und  aus  gegenseitiger  Zuneigung  erfolgt  sein  soll.  Ihren  Erläuterungen  vom  25. Juni  2008  zufolge  wünschte  sie  sich  vom  Beschwerdeführer  aber  einen  "richtigen  traditionellen  Antrag".  Anscheinend gab es auch ein grosses Hochzeitsfest (vgl. Stellungnahme  des  Letzteren  vom  28. April  2008).  Mehrere  Verwandte  und  die  beiden  Trauzeugen  haben  schriftlich  bestätigt,  dass  es  sich  aus  ihrer  Wahrnehmung  um  eine  Liebesheirat  gehandelt  hat.  Als  reichlich  spekulativ  erweist  sich  im  Kontext  des  kulturellen  und  beruflichen  Hintergrundes  des  Beschwerdeführers  überdies  die  vorinstanzliche  Vermutung der Prestigeehe (Wiederverheiratung der Ex­Ehefrau zwecks  Wahrung  des  familiären  und  gesellschaftlichen  Ansehens).  Es  kann  daher  davon  ausgegangen  werden,  dass  die  Eheleute  damals  eine  tatsächliche Ehe mit der Absicht zu einer stabilen, auf eine gemeinsame  Zukunft ausgerichteten Gemeinschaft bezweckt haben. 9.2. Nicht  in  einem  bei  Nichtigkeitsverfahren  üblichen  Rahmen  bewegt  sich  sodann  die  zeitliche  Abfolge  der  relevanten  Vorkommnisse.  So  verstrichen  zwischen  der  erleichterten  Einbürgerung  (10. Februar  2004)  und der Trennung (anfangs Mai 2005) rund 15 Monate, ab Einbürgerung  bis  zur  Einreichung  des  gemeinsamen  Scheidungsbegehrens  (14. November  2005)  dauerte  es  sogar  21  Monate.  Diese  Zeitspannen  präsentieren sich um einiges länger als  in denjenigen Fällen,  in welchen  die  Rechtsprechung  die  Anwendbarkeit  der  tatsächlichen  Vermutung  gemeinhin  bejaht  (vgl.  beispielsweise  Urteil  des  Bundesgerichts  1C_228/2011  vom  6. Dezember  2011  E.  2.3  oder  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  C­5612/2008  vom  6. September  2010  E.  9.3;  davon  abweichend  etwa  Urteil  des  Bundesgerichts  1C_472/2011  vom  22. Dezember  2011  E.  2.1.3).  Vor  diesem Hintergrund  sowie  den  Begleitumständen  der  Heirat  (siehe E.  9.1  hiervor)  kann Elementen wie  dem  (zu)  frühen Stellen  des  Einbürgerungsgesuches und dem Altersunterschied kein entscheidendes  Gewicht mehr beigemessen werden. Die diesbezüglichen Bedenken des  BFM  allein  reichen  jedenfalls  nicht  aus,  um  das  Bestehen  einer  tatsächlichen  Lebensgemeinschaft  zum  Zeitpunkt  der  Erklärungsunterzeichnung und der erleichterten Einbürgerung ernsthaft in  Frage zu stellen.

C­1391/2009 10.  Selbst  wenn  die  Zeitspanne  zwischen  der  erleichterten  Einbürgerung  einerseits,  der  Trennung  bzw.  Einleitung  des  Scheidungsverfahrens  andererseits noch die  tatsächliche Vermutung zu begründen vermöchte,  es habe schon bei der Einbürgerung keine stabile eheliche Gemeinschaft  mehr bestanden, änderte sich unter den konkreten Begebenheiten nichts,  wären die auf Beschwerdeebene vorgebrachten Argumente bzw. Gründe  und  Beweismittel,  wie  im  Folgenden  aufzuzeigen  sein  wird,  doch  geeignet,  diese  tatsächliche  Vermutung  (vgl.  E.  9  vorstehend)  umzustossen. 10.1.  Nicht  nur  die  obgenannten  Zeitspannen  präsentieren  sich  hier  vergleichsweise  lang,  insbesondere  auch  für  die  Periode  nach  der  Rechtskraft der Scheidung (das heisst ab Mai 2006) enthält die zeitliche  Ablaufkette  mit  Blick  auf  allfällige  Missbräuche  keinerlei  Auffälligkeiten.  So lernte der Beschwerdeführer seine heutige Ehefrau erst im Dezember  2006  –  also  2  ¾  Jahre  nach  der  Einbürgerung  –  kennen  (vgl.  dessen  Stellungnahme  vom  13. Mai  2008).  Geheiratet  haben  die  beiden  am  11. Oktober  2007,  d.h.  mehr  als  3  ½  Jahre  danach,  es  erfolgte  mithin  keine  rasche  Wiederverheiratung  mit  einer  Person  aus  demselben  Kulturkreis. Die gemeinsame Tochter kam am 3. Oktober 2008 zur Welt.  Ebenso  wenig  finden  sich  in  den  Akten  sonstige  Hinweise  auf  aussereheliche  Intimkontakte  oder  aussereheliche  Kinder.  Angesichts  dessen  gilt  es  der  beschriebenen  chronologischen  Abfolge  der  Vorkommnisse  im  Rahmen  der  Beweiswürdigung  entsprechend  Rechnung zu tragen. 10.2.  Der  Beschwerdeführer  und  seine  frühere  Ehefrau  haben  übereinstimmend  angegeben,  zum  Zeitpunkt  der  erleichterten  Einbürgerung am 10. Februar 2004 habe ein gemeinsamer Wille zu einer  stabilen  ehelichen  Gemeinschaft  bestanden.  Für  die  Frage,  warum  die  Ehe fünfzehn Monate nach der erleichterten Einbürgerung  in die Brüche  ging, werden Probleme genannt, die sich in den Augen der Eheleute erst  danach  manifestiert  und  in  einer  späteren  Phase  verschärft  haben.  Hinweise  für  die  diesbezüglichen  Spannungen  liefern  vor  allem  die  Aussagen  der  Betroffenen  im  Verfahren  vor  dem  BFM  sowie  die  vom  Rechtsvertreter im Rechtsmittelverfahren eingebrachten Beweise. 10.3. Der  Beschwerdeführer  führte  gegenüber  der  Vorinstanz  in  seiner  ersten  Stellungnahme  vom  28. April  2008  hierzu  aus,  die  Ehe  sei  bis  anfangs  2005  stabil  verlaufen.  Er  sei  ein  sehr  sensibler  Mensch,  der 

C­1391/2009 vielfach  mit  Worten  verletzt  worden  sei,  was  in  der  Folge  zu  Unstimmigkeiten zwischen den Ehegatten geführt habe. In einer zweiten  Stellungnahme  vom  13. Mai  2008  erklärte  er,  auf  die  verbalen  Kränkungen  seines  Gegenübers  mangels  Selbstsicherheit  und  weil  er  sehr empfindlich sei  (die Gründe hierfür  lägen  in seiner Vergangenheit),  nicht  habe  reagieren  können.  Die  geschiedene  Gattin  habe  zu  oft  ausgehen wollen. Anfänglich habe er  sich angepasst und sei häufig mit  ihr fortgegangen. Mit der Zeit habe er dies nicht mehr so oft tun können,  was  Streitigkeiten  untereinander  ausgelöst  habe.  Die  diesbezüglichen  Auseinandersetzungen  seien  immer  heftiger  geworden,  weswegen  sich  die Eheleute dann zur Trennung entschlossen hätten. Die schweizerische  Ex­Ehefrau  pflichtete  diesen  Aussagen  im Wesentlichen  bei,  indem  sie  am 25. Juni 2008 ihrerseits bestätigte, sie habe ihren ehemaligen Partner  gegen  Ende  ihrer  Ehe mit Worten  teilweise  heftig  verletzt.  Er  habe  sie  immer  weniger  in  den  Ausgang  begleiten  wollen  und  sie  hätten,  was  Freizeitbeschäftigungen  anbelange,  zusehends  unterschiedliche  Vorstellungen entwickelt. Deswegen hätten  sie  sich  immer häufiger  und  heftiger  gestritten.  Dies  sei  schleichend  gekommen.  Auch  sei  der  Beschwerdeführer  verschlossen gewesen. Zwar hätten sie versucht, die  Ehe  mittels  Gesprächen  und  Kompromissen  aufrecht  zu  erhalten,  irgendwann  hätten  die  Differenzen  aber  überwogen.  Auf  die  Frage,  ab  wann  der  Beschwerdeführer  verschlossen  gewesen  sei,  antwortete  die  geschiedene  Gattin  am  11. September  2008,  anfänglich  sei  es  ihres  Erachtens  ein  Problem  der  sprachlichen Verständigung  gewesen. Nach  und nach habe sie erkannt,  dass es nicht nur an der Sprache,  sondern  auch  an  der  Persönlichkeit  des  ehemaligen  Partners  gelegen  haben  müsse. Viele traumatische Erlebnisse in der Heimat und die Flucht in die  Schweiz  hätten  ihn  in  dieser  Hinsicht  geprägt.  Auch  die  ehelichen  Streitigkeiten  hätten  ihn  stiller  gemacht.  In  einer  dritten  Stellungnahme  vom 30. Dezember 2008 ergänzte  sie,  sich nie  in den Kosovo begeben  zu  haben.  Wegen  der  zerbombten  Häuser,  die  –  wie  dasjenige  ihrer  ehemaligen  Schwiegereltern  –  erst  wieder  hätten  aufgebaut  werden  müssen,  sei  dies  nicht  gut  möglich  gewesen.  Ausserdem  hätte  es  dort  zeitweise an Wasser und Strom gemangelt. Der Beschwerdeführer selber  sei aber schätzungsweise drei­ bis viermal alleine in seine Heimat gereist.  Im  Übrigen  verwies  sie  auf  gemeinsame  Aktivitäten,  die  sie  nach  der  erleichterten Einbürgerung unternommen hätten, worüber indessen keine  Belege mehr vorhanden seien. Aus den Antworten zu den ausnahmslos schriftlich unterbreiteten Fragen  ergibt  sich,  dass  die  Angaben  beider  Ehegatten  im  Verfahren  vor  dem 

C­1391/2009 BFM zum Verlauf der Ehe und zu den Gründen, die später zur Auflösung  der  ehelichen  Gemeinschaft  geführt  haben,  in  ihrem  Grundgehalt  übereinstimmen.  Zeitlich  werden  die  Beziehungsprobleme  vom  Beschwerdeführer  im  Folgejahr  der  erleichterten  Einbürgerung  angesiedelt. Die Angaben der Ex­Ehefrau hierzu bleiben ziemlich vage. 10.4.  Wie  schon  angetönt,  fingen  die  massgeblichen  Beziehungsprobleme laut Beschwerdeführer zu Beginn des Jahres 2005  an. Mehrere Drittpersonen (die Schwester, der Bruder und die Mutter der  Ex­Gattin  sowie  die  beiden  Trauzeugen)  haben  dies  bestätigt.  Die  Vorinstanz mutmasst aufgrund der geltend gemachten Gründe sowie der  Aussagen  der  geschiedenen  Ehefrau  derweil,  die  Destabilisierung  der  Ehe  habe  schon  bald  nach  der  Eheschliessung  eingesetzt.  Für  solche  Schlussfolgerungen lässt die Beweislage hier jedoch keinen Raum. Wohl  deuten  die  Äusserungen  der  schweizerischen  Ex­Gattin  und  die  vordergründigen  Ursachen  für  das  Scheitern  der  Ehe  (Divergenzen  wegen Ausgang, zunehmende Verschlossenheit des Beschwerdeführers)  auf einen schleichenden Prozess hin. Ab wann genau diese Entwicklung  einsetzte,  lässt  sich  aufgrund  ihrer  Aussagen  aber  nurmehr  schwer  eruieren. Das BFM hat es  in dieser Hinsicht  unterlassen,  die Antworten  der Beteiligten in den zeitlichen Ablauf einzuordnen. So bleibt infolge der  vorinstanzlichen  Fragestellung  unklar,  ob  die  Antworten  der  damaligen  Ehefrau  den  Zeitraum  vor  2005  mitumfassen  oder  sich  auf  die  Phase  gegen Ende der Ehe hin beschränken (vgl. etwa Anfrage des BFM vom  30. Mai  2008  mit  Antwortschreiben  vom  25. Juni  2008).  Ähnliches  gilt  hinsichtlich ihrer Äusserungen dazu, von wann an der Beschwerdeführer  verschlossen  geworden  sei  (vgl.  Stellungnahme  vom  11. September  2008). Die Vorinstanz hätte es in der Hand gehabt, die zeitlichen Abläufe  mittels  Nachfragen  oder  einer  rogatorischen  Einvernahme  der  früheren  Gattin  –  wie  sie  dies  in  Nichtigkeitsverfahren  üblicherweise  praktiziert –  zu  klären  (zur  Mitwirkungspflicht  generell  siehe  E.  10.8  hiernach).  Bei  dieser  Sach­  und  Beweislage  spricht  einiges  dafür,  dass  die  schwerwiegenden  Probleme  in  der  ehelichen  Beziehung  erst  nach  der  erleichterten  Einbürgerung  eingetreten  sind,  zumal  verschiedene  Bezugspersonen  der  Eheleute  (wie  eingangs  erwähnt)  besagte  Einschätzung  teilen,  worüber  nicht  leichthin  hinweggegangen  werden  kann  (zur Bedeutung solcher Bestätigungen  im Einzelnen siehe E. 10.6  weiter hinten). 10.5. Das  BFM  hält  weiter  dagegen,  erfahrungsgemäss  führten  die  im  vorinstanzlichen  Verfahren  genannten  Gründe  nicht  binnen  weniger 

C­1391/2009 Monate  zur  vollständigen  Zerrüttung  einer  Ehe.  Vielmehr  müsse  davon  ausgegangen werden,  dass  unter  den  Ehegatten  von  Anfang  an wenig  Gemeinsamkeiten bestanden und sie schon viel früher begonnen hätten,  sich  auseinanderzuleben.  Dass  unterschiedliche  Auffassungen  hinsichtlich  der  Freizeitgestaltung  und  insbesondere  des  Ausgehverhaltens,  aber  auch  Persönlichkeitsveränderungen  auf  Seiten  eines  Partners  geeignet  sein  können,  den  Zerfall  des  Willens  zur  ehelichen Gemeinschaft herbeizuführen,  ist unbestritten. Es handelt sich  aber in der Tat um Erscheinungen, welche sich in der Regel schleichend  bzw. über einen gewissen Zeitraum hinweg erstrecken. Die Besonderheit  besteht  vorliegend  aber  darin,  dass  sich  die  Zeitspanne  zwischen  Einbürgerung  und Trennung  ihrerseits  bereits  derart  lang  bemisst,  dass  nicht  ohne  triftige  Gründe  angenommen  werden  darf,  der  Zerrüttungsprozess  habe  schon  vor  dem  Einbürgerungszeitpunkt  eingesetzt. Eine solche Vermutung rechtfertigt sich umso weniger, als entgegen der  Annahme  des  BFM  hinreichend  Anhaltspunkte  für  gemeinsame  Interessen  und  Freizeitaktivitäten  der  ehemaligen  Eheleute  vorhanden  sind.  Ein  tragendes  Element  der  Beziehung  bildete  insbesondere  die  beidseitige Leidenschaft für das Tanzen. Hinzu kamen gemäss den Akten  gemeinsame Ausflüge in die Natur, Spaziergänge, Schwimmen, auswärts  Essen  und  ausgiebiges  Frühstücken  an  Sonntagen  (vgl.  Beschwerdebeilagen,  Beschwerdeergänzung  vom  16. Mai  2009  oder  Bericht  des  Amtes  für  Gemeinden  des  Kantons  Luzern  vom  22. April  2003).  Die  Ferien  wiederum  haben  sie  laut  eigener  Darstellung  jeweils  von  zu  Hause  aus,  in  der  Liegenschaft,  welche  der  Ex­Frau  gehört,  verbracht. Warum dies  für ein  intaktes Eheleben nicht ausreichen sollte,  ist nicht ersichtlich. Auch dass die damalige Gattin den Beschwerdeführer  nie  in  den  Kosovo  begleitet  hat,  kann  Letzterem  angesichts  der  damaligen  Begebenheiten  (zerstörte  Gebäude  nach  Kriegswirren,  das  Elternhaus  habe  erst  wieder  aufgebaut  werden müssen,  zeitweise  kein  Strom und fehlendes Wasser) nicht ohne weiteres angelastet werden. Die  aufgelisteten Aspekte sowie die Tatsache, dass verschiedene Personen  sich  zu  Gunsten  des  Beschwerdeführers  verwendet  und  versichert  haben,  dass  zwischen  ihm  und  der  geschiedenen  schweizerischen  Ehefrau  im  massgeblichen  Zeitraum  eine  echte  eheliche  Beziehung  bestanden habe, sprechen daher gegen ein auf einem Kalkül beruhenden  Vorgehen.

C­1391/2009 10.6.  Auf  Beschwerdeebene  wird  vom  Parteivertreter  zusätzlich  ein  konkretes  Vorkommnis  genannt,  welches  dafür  verantwortlich  gewesen  sein soll, das zuvor gut  funktionierende Eheleben nach der erleichterten  Einbürgerung zu destabilisieren. Demnach hat sich der Beschwerdeführer  im Dezember 2004 in seine Heimat begeben und dort erfahren, dass sein  Vater  schwer  krank  ist.  Dies  habe  ihn  in  einer  ersten  Phase  stark  belastet, psychisch verändert und zusehends depressiv gemacht. In einer  späteren  Phase,  nach  dem  Tod  des  Vaters  (Dezember  2005)  und  der  Scheidung  (Mai  2006),  habe  er  seine  Depressionen  medizinisch  behandeln  und  sich  einmal  (im  Sommer  2007)  sogar  hospitalisieren  lassen müssen. Auch  jenes  Ereignis  und  die  damit  einhergehenden  Änderungen  auf  Seiten  des  Beschwerdeführers  werden  von  Leuten  aus  dem  näheren  Umfeld  des  Ehepaares  bestätigt,  insbesondere  die  Schwester  der  geschiedenen Gattin hat  sich ziemlich detailliert hierzu geäussert  (siehe  Schreiben  vom  25. Februar  2009).  Weitere  Aufschlüsse  vermitteln  die  Stellungnahmen ihres Bruders, der Ex­Schwiegermutter sowie der beiden  Trauzeugen. Wohl  beschränken  sich  solche Aussagen  in  der Regel  auf  die Wahrnehmung eines äusseren Erscheinungsbildes.  Ins Gewicht  fällt  vorliegend  allerdings,  dass  die  Unterstützungsschreiben  (ausser  denjenigen  der  Brüder  des  Beschwerdeführers)  nicht  den  Eindruck  von  vorformulierten Bestätigungen erwecken. In dieses Bild fügt sich ein, dass  die  erwähnten  Verwandten  und  Bekannten  unisono  festhalten,  der  Beschwerdeführer  habe  sich  nach  einem Besuchsaufenthalt  im  Kosovo  im  Dezember  2004  in  einer  auch  für  Aussenstehende  wahrnehmbaren  Weise  verändert,  was  zur  Scheidung  geführt  habe.  Einige  von  ihnen  (nämlich  die  Schwester  und  der  Bruder  der  Ex­Frau  sowie  die  Schwiegermutter) erklärten sich in Kenntnis der strengen Strafandrohung  wegen  falschen  Zeugnisses  ausdrücklich  bereit,  diesen  Sachverhalt  als  Zeuginnen  bzw.  Zeuge  zu  bestätigen.  Insofern  ist  ebenfalls  ein  ganz  bestimmtes, unvorhersehbares Vorkommnis erkennbar, das die Ehe nach  dem Jahreswechsel 2004/05 rasch zum Scheitern brachte. Entgegen der  Darstellung in der Vernehmlassung ist dies nun aktenmässig erstellt. 10.7.  Die  Bedenken  inhaltlicher  Natur,  welche  das  BFM  in  der  Vernehmlassung  gegenüber  den  im  Rechtsmittelverfahren  vorgelegten  Bestätigungen  hegt,  überzeugen  nicht.  Anzumerken  wären  an  dieser  Stelle vorweg, dass das fragliche Ereignis faktisch nichts anderes als eine  Erläuterung  bzw.  Präzisierung  der  vom  Beschwerdeführer  und  seiner  ehemaligen  Gattin  im  vorinstanzlichen  Verfahren  angeführten – 

C­1391/2009 vordergründigen  –  Auflösungsgründe  (Streitigkeiten  wegen  Freizeitgestaltung,  Wesensänderungen  des  Partners)  darstellt.  Neu  ist  einzig,  dass  nunmehr  eine  klare  Ursache  für  besagte  Eheprobleme  genannt  wird.  Zeitlich  stimmen  die  Angaben  in  den  Unterstützungsschreiben  denn  weitgehend  mit  denjenigen  des  Beschwerdeführers  überein.  Auch  sonst  finden  sich  in  dieser  Hinsicht  keine  Auffälligkeiten  oder  Ungereimtheiten.  So  ist  Introvertiertheit  nicht  mit Depression gleichzusetzen. Zwar wird der Beschwerdeführer als ein  introvertierter,  eher  zurückhaltender  und  sensibler  Typ  beschrieben.  Ungeachtet  dieser Charakterzüge  ist  er mit  seiner  geschiedenen Gattin  aber unbestrittenermassen während Jahren regelmässig auswärts tanzen  gegangen  und  die  beiden  haben  sonstigen  gemeinsamen  Hobbies  gefrönt.  Nach  übereinstimmender  Darstellung  des  familiären  Umfeldes  haben die Wesensveränderungen vielmehr erst  im Winter 2004/05 nach  der  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  aus  dem  Kosovo  eingesetzt  und  depressive  Züge  angenommen.  Anfänglich  soll  sich  dies  vor  allem  in  zunehmender  Verschlossenheit,  Müdigkeit  sowie  Lust­  und  Antriebslosigkeit  manifestiert  haben.  Die  Äusserungen  dieser  Drittpersonen  entspringen  dabei  keineswegs  einem  realitätsfernen  Erklärungsmuster,  sondern  entsprechen  dem  der  Natur  des  Krankheitsbildes.  Insoweit  ist  auch  im  plötzlichen  Rückzug  von  den  Freizeitaktivitäten ins Private kein Widerspruch zum früheren Wesen und  Verhalten  zu  erblicken.  Die  Vorinstanz  unterscheidet  zudem  zu  wenig  zwischen  der  Phase  erster  depressiver  Störungen  und  der  –  hier  nicht  relevanten  –  späteren  Phase  der  medizinisch  behandelten  Depression.  Unter  den  dargelegten  Begebenheiten  reicht  es  aus,  wenn  der  Beschwerdeführer für das eheliche Zerwürfnis Gründe anführt, welche die  Ehe  nach  der  erleichterten  Einbürgerung  zu  zerrütten  vermochten.  Solches  ist  nach  dem  bisher  Gesagten  der  Fall,  können  die  beim  Beschwerdeführer  in  jener  Periode  plötzlich  festgestellten,  veränderten  psychischen  und  charakterlichen  Symptome  eine  Beziehung  doch  durchaus in eine Krise stürzen. Dass er damals schon medizinische Hilfe  beanspruchte,  wird  gar  nicht  behauptet.  Überdies  bleibt  die  Vorinstanz  jede  Erklärung  schuldig,  warum  es  unglaubwürdig  sein  soll,  dass  der  Beschwerdeführer  erst  Ende  2004  von  der  schlechten  gesundheitlichen  Verfassung  des  Vaters  erfahren  haben will. Wenn  auch  die  Ehepartner  auf der einen, die Personen aus deren Umfeld auf der anderen Seite die  Ursachen  für  die  rasche  Verschlechterung  der  ehelichen  Beziehung  unterschiedlich  sehen,  besteht  doch  Einigkeit  darüber,  dass  jene  Entwicklung  erst  nach  der  erleichterten  Einbürgerung  eingesetzt  hat. 

C­1391/2009 Folglich  bestehen  auch  unter  diesem  Blickwinkel  keine  Anhaltspunkte  dafür, an der Glaubhaftigkeit der diesbezüglichen Vorbringen zu zweifeln. 10.8. Schliesslich weist die Vorinstanz darauf hin, dass die Ehegatten im  erstinstanzlichen  Nichtigkeitsverfahren  kein  spezielles  Ereignis  geltend  machten,  das  nach  der  Einbürgerung  unerwartet  und  plötzlich  zu  einer  Destabilisierung  der  Ehe  geführt  habe.  In  diesem  Zusammenhang  wirft  sie  ihnen  vor,  die  Mitwirkungspflichten  ungenügend  wahrgenommen  zu  haben.  Die  Krankheit  des  Vaters  mit  ihren  Auswirkungen  auf  den  Beschwerdeführer haben die Eheleute  im  fraglichen Stadium  tatsächlich  nie  erwähnt. Die Person,  deren  erleichterte  Einbürgerung  nichtig  erklärt  werden  soll,  ist  bei  der  Sachverhaltsabklärung mitwirkungspflichtig,  d.h.  sie ist grundsätzlich verpflichtet, die Gründe für das Scheitern der Ehe zu  nennen. Da die Beweislast  bei  der Behörde  liegt  (siehe E.  5.1  hiervor),  genügt es, dass der Betroffene einen oder mehrere Gründe angibt, die es  plausibel  erscheinen  lassen,  dass  er  in  den massgeblichen Zeitpunkten  mit der Schweizer Ehepartnerin in einer stabilen ehelichen Gemeinschaft  lebte und er diesbezüglich nicht gelogen hat (zum Ganzen vgl. BGE 135  II 161 E. 3 S. 165 f. mit Hinweisen). Was die geschiedene Gattin anbelangt, so ist sie in diesem Verfahren gar  nicht Partei, weshalb für sie die Mitwirkungspflicht entfällt. Immerhin kann  zumindest ihr kaum vorgehalten werden, sich nicht ausführlich genug zur  Angelegenheit  geäussert  zu  haben. Die  entstandenen Unklarheiten  (vor  allem  was  die  zeitlichen  Abläufe  betrifft)  sind  denn  grösstenteils  das  Resultat  der  vorinstanzlichen  Fragestellung  –  die  Ex­Frau  hatte  überwiegend auf Folgefragen zu antworten – und wären mit geeigneten  Vorkehren zu vermeiden gewesen (siehe E. 10.4 vorstehend). Ob sie den  prekären  Gesundheitszustand  des  Vaters  ihres  damaligen  Partners  deshalb  nicht  erwähnte,  weil  sie  sich  der  Bedeutung  dieses  Vorkommnisses nicht bewusst war oder seine Persönlichkeitsänderungen  nicht  einzuordnen  vermochte,  sei  dahingestellt.  Ansonsten  erscheinen  ihre Ausführungen zu den Auflösungsgründen jedenfalls detailliert genug  und in den Grundzügen nachvollziehbar. Die Auskünfte des Beschwerdeführers hingegen sind knapp ausgefallen.  Auch  hier  hätte  aber  die  Möglichkeit  zur  persönlichen  Anhörung  bestanden,  zumal  seine  Antworten  eine  gewisse  Unbeholfenheit  im  schriftlichen  Ausdruck  manifestieren.  Vor  allem  aber  können  die  psychischen  Probleme  und  depressiven  Störungen,  an  denen  der  Betroffene  litt,  die  er  aber  erst  nach  der  Scheidung  medizinisch 

C­1391/2009 behandeln  liess  und  im  Sommer  2007  sogar  einen  einwöchigen  Spitalaufenthalt  nach  sich  zogen,  bei  der  Würdigung  seines  Aussageverhaltens  nicht  einfach  ausgeklammert  werden.  So  kommt  häufig  vor,  dass  Personen mit  derartigen  Symptomen Mühe  bekunden,  sich  zu  Geschehnissen  zu  äussern,  welche  die  Depression  ausgelöst  haben, was die Knappheit seiner Reaktionen teilweise erklärt. Im Kontext  der vorgenannten Vorwürfe etwas  fadenscheinig wirkt zudem, wenn das  BFM  den  Beschwerdeführer  am  26. September  2008  bzw.  21. Oktober  2008  anfragt,  ob  er  Vater  geworden  sei,  um  ihm  in  der  angefochtenen  Verfügung  dann  vorzuhalten,  er  habe  seine  Vaterschaft  im  Antwortscheiben  vom  30. Oktober  2008  herausgestrichen  (was  so  ohnehin nicht zutrifft). Dass schliesslich keine Belege oder Quittungen für  Jahre  zurückliegende  gemeinsame  Aktivitäten  der  beschriebenen  Art  vorhanden sind, ist verständlich. 10.9.  Zusammenfassend  kann  festgehalten  werden,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  gelungen  ist,  Gründe  aufzuzeigen,  welche  die  natürliche Vermutung  (vgl.  E.  5.2  oben)  umzustossen  vermögen. Mithin  erscheint es plausibel, dass er zum Zeitpunkt der Erklärung bezüglich der  ehelichen  Gemeinschaft  und  der  erleichterten  Einbürgerung  mit  der  Schweizer  Ehepartnerin  noch  in  einer  stabilen  und  intakten  ehelichen  Gemeinschaft  lebte.  Die  angefochtene  Verfügung  verletzt  somit  Bundesrecht  (Art. 49  Bst.  a  VwVG).  Die  Beschwerde  ist  demnach  gutzuheissen. 11.  11.1.  Grundsätzlich  trägt  die  unterlegene  Partei  die  Verfahrenskosten  (Art. 63  Abs.  1  VwVG).  Gemäss  Art. 63  Abs.  2  VwVG  werden  Vorinstanzen keine Verfahrenskosten auferlegt. Einer obsiegenden Partei  können  dann  Verfahrenskosten  auferlegt  werden,  wenn  sie  Verfahrenspflichten  verletzt  hat  (Art. 63  Abs.  3  VwVG).  Indem  der  Beschwerdeführer  wichtige  Beweismittel  erst  auf  Beschwerdeebene  beibrachte,  hat  er  seine  Mitwirkungspflicht  verletzt.  Hätten  diese  Unterlagen  bereits  zum  Zeitpunkt  des  Erlasses  der  Verfügung  vorgelegen,  hätte  die  Vorinstanz  sich  zumindest  veranlasst  sehen  können, weitere Abklärungen zu treffen (vgl. Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG  und BGE 135 II 161 E. 3 S. 165 f. mit Hinweisen). Der Beschwerdeführer  hat demnach den Anteil an die Verfahrenskosten zu bezahlen, der durch  die  Verletzung  der  Mitwirkungspflicht  entstanden  ist.  Die  Verfahrenskosten  sind  auf  Fr. 1'000.­  festzusetzen.  Davon  hat  der  Beschwerdeführer Fr. 500.­ zu übernehmen (vgl. Art. 1, Art. 2 und Art. 3 

C­1391/2009 des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]). 11.2.  Nach  Art. 64  Abs.  1  VwVG  kann  der  ganz  oder  teilweise  obsiegenden  Partei  von  Amtes  wegen  oder  auf  Begehren  eine  Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe  Kosten  zugesprochen  werden.  Vorliegend  sind  die  Kosten,  welche  entstanden  sind,  weil  der  Beschwerdeführer  seiner  Mitwirkungspflicht  nicht  nachgekommen  ist,  nicht  als  notwendig  im  Sinne  dieser  Bestimmung  anzusehen  und  deshalb  nicht  entschädigungsfähig.  Im  verbleibenden  Rahmen  ist  dem  Beschwerdeführer  zu  Lasten  der  Vorinstanz  eine  angemessene  Parteientschädigung  zuzusprechen  (Art.  64 VwVG i.V.m. Art. 7 ff. VGKE). Dispositiv Seite 22 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2.  Dem  Beschwerdeführer  sind  Verfahrenskosten  von  Fr.  500.­  aufzuerlegen.  Diese  werden  mit  dem  am  18. März  2009  geleisteten  Kostenvorschuss von Fr. 1'000.­ verrechnet. Der Restbetrag von Fr. 500.­  wird zurückerstattet.

C­1391/2009 3.  Die  Vorinstanz  hat  den  Beschwerdeführer  für  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht mit Fr. 1'500.­ (inkl. MwSt.) zu entschädigen. 4.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde) – die  Vorinstanz  (gegen  Empfangsbestätigung,  Akten  Ref­Nr.  […]  retour) – den Zivilstands­ und Bürgerrechtsdienst des Kantons Bern (in Kopie) – das Amt für Gemeinden des Kantons Luzern (in Kopie) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Antonio Imoberdorf Daniel Grimm Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG).

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C-1391/2009 — Bundesverwaltungsgericht 10.02.2012 C-1391/2009 — Swissrulings