Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 21.07.2011 C-1342/2011

21. Juli 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·859 Wörter·~4 min·1

Zusammenfassung

Rückvergütung von Beiträgen | Verzugszinsen; Einspracheentscheid der SAK vom 4. Februar 2011

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­1342/2011 {T 0/2} Urteil   v om   2 1 .   Juli   2011 Besetzung Richter Beat Weber (Vorsitz), Richter Michael Peterli, Richter Vito Valenti,  Gerichtsschreiber Daniel Golta. Parteien A._______, (wohnhaft im Kosovo)  Zustelladresse: B._______,  Beschwerdeführer,  gegen Schweizerische Ausgleichskasse SAK,  Vorinstanz.  Gegenstand Verzugszinsen/Schadenersatz;  Einspracheentscheid der SAK vom 4. Februar 2011.

C­1342/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass A._______ (im Folgenden: Beschwerdeführer) 1950 geboren wurde,  kosovarischer Staatsangehöriger  ist  und  im Kosovo  lebt  (vgl.  Akten  der  Schweizerischen  Ausgleichskasse  SAK  [im  Folgenden:  SAK  bzw.  Vorinstanz] SAK/9, 13), dass er  in den Jahren 1971, 1972 und 1976 bis 1986 mit Unterbrüchen  während  insgesamt 110 Monaten  in der Schweiz arbeitete und Beiträge  an  die  schweizerische  Alters­,  Hinterbliebenen­  und  Invalidenversicherung bezahlte (vgl. SAK/28­31), dass  der  Beschwerdeführer  mit  Schreiben  vom  21.  Juni  2010  und  Formular  vom  12.  August  2010  bei  der  SAK  um Rückvergütung  seiner  AHV­Beiträge ersuchte (SAK/2, 6­9), dass  die  SAK  ihm  mit  Verfügung  vom  15.  November  2010  einen  Rückvergütungsbetrag von Fr. 16'111.10 zusprach (SAK/32­34), dass  der  Beschwerdeführer  gegen  diese  Verfügung  am  11.  Dezember  2010  Einsprache  erhob  (vgl.  SAK/36,  39)  und  beantragte,  diese  Verfügung sei aufzuheben und ihm mit einer neuen Verfügung zusätzlich  ein  "Schadenersatz"  in  der Höhe  eines Zinses  von  5%  seit  1986  bis  1.  April 2010 zuzusprechen,  dass die SAK die Einsprache am 4. Februar 2011 abwies, die Verfügung  vom 15. November 2010 bestätigte und dies damit begründete, dass der  Beschwerdeführer keinen Anspruch auf Verzugszinsen habe (vgl. SAK/40  f.), dass  der  Beschwerdeführer  gegen  diesen  Einspracheentscheid  am  22.  Februar  2011  (Datum  Postaufgabe)  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht erhob und beantragte, die Verfügung vom 15.  November 2010 sei aufzuheben und die SAK sei zum Erlass einer neuen  Verfügung  zu  verpflichten,  mit  welcher  auf  dem  Rückvergütungsbetrag  von  Fr.  16'111.10  zusätzlich  als  "Schadenersatz"  für  die  Blockierung  dieses  Guthabens  ein  Zins  von  5%  seit  1986  bis  1.  April  2010  zu  berechnen sei (vgl. Akten des Beschwerdeverfahrens act. 1), dass  das  Bundesverwaltungsgericht  dem  Beschwerdeführer  mit  Zwischenverfügung  vom  11.  April  2011  einen  Kostenvorschuss  von  Fr.  400.­ auferlegte und ihn dazu einlud, eine Replik einzureichen,

C­1342/2011 dass kein Kostenvorschuss geleistet und keine Replik eingereicht wurde, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  am  9.  Juni  2011  die  besagte  Zwischenverfügung betreffend Erhebung des Kostenvorschusses aufhob  und den Schriftenwechsel abschloss, dass  gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  (VGG,  SR  173.32)  das  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) beurteilt, dass  als  Vorinstanzen  die  in  Art.  33  VGG  genannten  Behörden  gelten,  wozu nach Art. 33 Bst. d VGG auch die SAK gehört,  dass sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht gemäss Art.  37  VGG  nach  dem  VwVG  richtet,  soweit  das  VGG  nichts  anderes  bestimmt, dass  indes  das  VwVG  aufgrund  von  Art.  3  Bst.  dbis  VwVG  keine  Anwendung  in  Sozialversicherungssachen  findet,  soweit  das  Bundesgesetz  vom  6. Oktober  2000  über  den  Allgemeinen  Teil  des  Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) anwendbar ist, dass  der  Beschwerdeführer  durch  den  angefochtenen  Einspracheentscheid  vom  4.  Februar  2011  berührt  ist  und  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  dessen Aufhebung  oder  Änderung  hat,  so  dass er im Sinne von Art. 59 ATSG beschwerdelegitimiert ist, dass die Beschwerde im Übrigen frist­ und formgerecht eingereicht wurde  (Art.  60  ATSG  und  Art.  52  VwVG)  und  daher  auf  die  Beschwerde  einzutreten ist, dass der Bundesrat  im Dezember 2009 beschloss, das Abkommen vom  8. Juni 1962 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der  Föderativen  Volksrepublik  Jugoslawien  über  Sozialversicherung  vom  8.  Juni 1962 (SR 0.831.109.818.1, im Folgenden: Abkommen) nur noch bis  zum 31. März 2010 anzuwenden, ab dem 1. April 2010 gelte der Kosovo  als  Nichtvertragsstaat,  also  als  Staat,  mit  dem  die  Schweiz  kein  Sozialversicherungsabkommen  hat  (vgl.  Mitteilungen  an  die  AHV­ Ausgleichskassen  und  EL­Durchführungsstellen  Nr.  265  des  Bundesamtes für Sozialversicherungen BSV vom 28. Januar 2010 [unter  www.bsv.admin.ch  >  Praxis  >  Vollzug  Sozialversicherungen  >  AHV  > 

C­1342/2011 Mitteilungen, zuletzt besucht am 11. Juli 2011],  im Folgenden: Mitteilung  BSV), dass  der  Beschwerdeführer  sein  Begehren  im  Wesentlichen  damit  begründete,  dass  er  –  im  Gegensatz  zu  Versicherten  aus  anderen  Nichtvertragsstaaten mit  der  Schweiz  –  die  Auszahlung  seiner  AHV/IV­ Beiträge  nicht  bereits  beim definitiven Verlassen der Schweiz  [im  Jahre  1986] mittels Gesuch habe verlangen können, dass  das Abkommen  seit  dem 1. April  2010  im Verhältnis  zum Kosovo  "verändert"  worden  sei  und  er  (erst)  seither  die  Rückvergütung  der  Beiträge verlangen könne, woraus ihm ein Schaden erwachen sei, dass er – entgegen dem Verständnis der SAK – nicht um Zusprache von  Verzugszinsen ab Antragstellung ersucht habe, dass  die  Begründung  der  Begehren  die  Beschwerdeinstanz  in  keinem  Falle bindet (Art. 62 Abs. 4 VwVG), dass die SAK mit Einspracheentscheid vom 4. Februar 2011 das Gesuch  um  Gewährung  eines  Verzugszinses  mit  der  Begründung  abwies,  es  bestehe gestützt auf Art. 26 Abs. 2 ATSG kein Anspruch auf Gewährung  eines  Verzugszinses,  weil  die  Rückvergütung  innert  kürzerer  Frist  als  zwölf Monate ab Antragstellung verfügt worden sei, dass  der  Beschwerdeführer  bereits  mit  Einsprache  vom  11.  Dezember  2010 und erneut mit Beschwerde sinngemäss einen Verzugszins in Höhe  von  5%  seit  1986  bis  31. März  2010  verlangte mit  der  Begründung,  er  habe  unter  der  Geltung  des  Abkommens  zwischen  1986  bis  31.  März  2010  seine  Beiträge  nicht  zurückverlangen  können  und  damit  – weil  er  die Beiträge nicht auf ein persönliches Konto habe überweisen können –  einen [Zins­]Schaden erlitten, dass  in Nachachtung von Art. 62 Abs. 4 VwVG vorliegend zu prüfen  ist,  ob der Beschwerdeführer für den Zeitraum von 1986 bis und mit 31. März  2010 (als dem letzten Tag der Anwendbarkeit des Abkommens in Bezug  auf  den  Kosovo)  Anspruch  auf  Verzinsung  des  Beitragsrückvergütungsbetrages von Fr. 16'110.10 hat, dass  allfällige  Verzugszinsen  oder  Schadenersatzansprüche  für  eine  Verzögerung  der  Beitragsrückvergütung  ab  dem  12.  August  2010  aus  den obgenannten Gründen nicht zu prüfen sind,

C­1342/2011 dass  die  SAK  mit  Vernehmlassung  vom  1.  April  2011  (act.  5)  die  Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung der Verfügung vom 15.  November  2010  und  des  Einspracheentscheids  vom  4.  Februar  2011  beantragte, dass  sie  diesen  Antrag  im  Wesentlichen  damit  begründete,  dass  die  Rückvergütung  nur  die  tatsächlich  bezahlten  Beiträge  umfasse  und  Verzugszinsen  frühestens  12  Monate  nach  Geltendmachung  des  Anspruchs  fällig  würden,  welche  Frist  vorliegend  nicht  überschritten  worden sei, dass  der  Beschwerdeführer  seit  seiner  Rückkehr  aus  der  Schweiz  im  Jahre  1986  als  kosovarischer  Staatsangehöriger  im  Kosovo  lebte  und  jedenfalls  bis  zum  31.  März  2010  unter  den  Anwendungsbereich  des  Abkommens fiel (vgl. BGE 126 V 203 E. 2b, BGE 122 V 382 E. 1), womit  sich die Frage, ob und gegebenenfalls ab wann Anspruch auf Leistungen  der  schweizerischen  AHV  besteht,  soweit  dieser  Staatsvertrag  keine  abweichende  Regelung  enthält,  allein  aufgrund  der  schweizerischen  Rechtsvorschriften beurteilt (vgl. Art. 1, 2 und 4 des Abkommens), dass  das  Abkommen  keine  Regelungen  zur  Rückvergütung  von  schweizerischen AHV­Beiträgen enthält, dass  gemäss  schweizerischem  Recht  (nur)  Ausländern,  die  ihren  Wohnsitz  im  Ausland  haben  und  mit  deren  Heimatstaat  keine  zwischenstaatliche Vereinbarung besteht,  die  gemäss den Artikeln  5,  6,  8,  10  oder  13  des  Bundesgesetzes  über  die  Alters­  und  Hinterlassenenversicherung vom 20. Dezember 1946 (AHVG, SR 831.10)  bezahlten Beiträge rückvergütet werden können, wobei der Bundesrat die  Einzelheiten,  insbesondere das Ausmass der Rückvergütung  regelt  (vgl.  Art. 18 Abs. 3 AHVG), dass der Bundesrat von dieser Befugnis mit Erlass der Verordnung über  die  Rückvergütung  der  von  Ausländern  an  die  Alters­  und  Hinterlassenenversicherung bezahlten Beiträge vom 29. November 1995  (RV­AHV, SR 831.131.12) Gebrauch gemacht hat, dass  angesichts  der  sachlichen  und  zeitlichen  Anwendbarkeit  des  Abkommens  auf  den  Beschwerdeführer  für  den  vorliegend  betroffenen  Zeitraum von 1986 bis  und mit  31. März  2010  jedenfalls  bis  zu  diesem  Zeitpunkt kein Anspruch auf Rückvergütung von AHV­Beiträgen bestand,

C­1342/2011 dass  sich  diesbezüglich  die  Rechtslage  von  jener  in  Bezug  auf  einen  Nichtvertragsstaat unterscheidet,  für den (auch)  im betroffenen Zeitraum  kein  Sozialversicherungsabkommen  Anwendung  fand,  weshalb  der  Beschwerdeführer aus einem entsprechenden Vergleich nichts zu seinen  Gunsten ableiten kann,  dass  gemäss  Art.  26  Abs.  1  ATSG  grundsätzlich  nur  für  fällige  Beitragsforderungen und Beitragsrückerstattungsansprüche Verzugs­ und  Vergütungszinsen  zu  leisten  sind,  welche  Voraussetzung  während  der  Geltungsdauer des Abkommens jedenfalls nicht erfüllt war, dass  weder  Gesetz,  Verordnung  noch  Abkommen  in  Bezug  auf  die  Beitragsrückerstattung eine Ausnahme von diesem Grundsatz vorsehen, dass Art. 4 Abs. 1 RV­AHV ausdrücklich vorsieht, dass nur die tatsächlich  bezahlten Beiträge rückvergütet und – vorbehältlich Art. 26 Abs. 2 ATSG  – keine Zinsen geleistet werden, dass  gemäss  Art.  26  Abs.  2  ATSG  Sozialversicherungen  für  ihre  Leistungen frühestens 12 Monate nach Geltendmachung des Anspruchs  verzugszinspflichtig  sind,  welche  Frist  bei  Erlass  des  angefochtenen  Einspracheentscheids nicht abgelaufen war, dass  die  Nichtrückvergütung  der  Beiträge  bis  zum  31.  März  2010  dem  geltenden  Recht  entsprach,  womit  es  an  der  für  einen  Schadenersatzanspruch  vorausgesetzten  Widerrechtlichkeit  fehlt  (vgl.  insbesondere Art. 78 Abs. 1 ATSG), dass  der  Beschwerdeführer  daher  für  den  geltend  gemachten  Zeitraum  von 1986 bis und mit 31. März 2010 keinen Anspruch auf Verzugszinsen  auf dem Beitragsrückvergütungsbetrag hat, dass  er  daraus,  dass  die  Rückvergütung  nicht  vor  dem  1.  April  2010  erfolgt ist, keinen Schadenersatzanspruch ableiten kann, dass  in  Anbetracht  dessen,  dass  vorliegend  einzig  die  Nichtgewährung  von  Verzugszinsen  auf  den  rückvergüteten  AHV/IV­Beiträgen  im  Streit  liegt,  deren  Nichtgewährung  zu  bestätigen  ist,  auf  die  Frage,  ob  vorliegend  das  Abkommen  weiterhin  anwendbar  wäre,  nicht  weiter  einzugehen ist, dass  die  Beschwerde  daher  abzuweisen  und  der  Einspracheentscheid  vom 4. Februar 2011 zu bestätigen ist,

C­1342/2011 dass  das  Verfahren  für  die  Parteien  kostenlos  ist  (Art.  85bis  Abs.  2  AHVG), sodass keine Verfahrenskosten zu erheben sind, dass der in der Sache unterliegende Beschwerdeführer keinen Anspruch  auf eine Parteientschädigung hat  (Art.  64 Abs. 1 VwVG e contrario und  Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2] e contrario), dass  der  obsiegenden  Vorinstanz  nach  Art.  7  Abs.  3  VGKE  keine  Parteientschädigung zusteht,  dass daher keine Parteientschädigung zuzusprechen ist. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 4.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref­Nr. […]) – das Bundesamt für Sozialversicherungen Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Beat Weber Daniel Golta

C­1342/2011 Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  Schweizerhofquai  6,  6004  Luzern,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift  hat  die  Begehren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  der  Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

C-1342/2011 — Bundesverwaltungsgericht 21.07.2011 C-1342/2011 — Swissrulings