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Bundesverwaltungsgericht 09.11.2010 BVGE 2010/52

9. November 2010·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,497 Wörter·~7 min·3

Zusammenfassung

Direktzahlungen und Ökobeiträge | Landwirtschaft. Direktzahlungen auch ohne Gewinns...

Volltext

Landwirtschaft 2010/52 BVGE / ATAF / DTAF 753 9 Wirtschaft – Technische Zusammenarbeit  Economie – Coopération technique Economia – Cooperazione tecnica 52 Auszug aus dem Urteil der Abteilung II i. S. X. gegen Volkswirtschaftsdepartement des Kantons X. B­1796/2009 vom 9. November 2010 Landwirtschaft. Direktzahlungen auch ohne Gewinnstrebigkeit. Art. 70 LwG. Art. 6 Abs. 1 Bst. a LBV. Direktzahlungen  dürfen  nicht  auf  gewinnstrebige  landwirtschaftliche  Betriebe  beschränkt  oder  wegen  fehlender  Gewinnstrebigkeit  herabgesetzt  werden.  Sie  unterstehen  als  Anspruchssubventionen  dem  Leistungsabgeltungsprinzip.  Die  Ausnahmen müssen in Art. 70 LwG erwähnt sein (E. 3.3–3.4). Agriculture. Paiements directs même en l'absence de but lucratif. Art. 70 LAgr. Art. 6 al. 1 let. a OTerm. Les paiements directs ne peuvent pas être limités aux entreprises  agricoles poursuivant un but lucratif ou être réduits en raison de  l'absence de but lucratif. Dans la mesure où il existe un droit à la  subvention,  ils  sont  soumis  au  principe  de  rémunération  des  prestations  individuelles. Les  exceptions doivent  être  énumérées  à l'art. 70 LAgr (consid. 3.3–3.4). Agricoltura. Pagamenti diretti anche in assenza di scopo lucrativo. Art. 70 LAgr. Art. 6 cpv. 1 lett. a OTerm. I  pagamenti  diretti  non  possono  essere  limitati  ad  imprese  agricole con scopo lucrativo o essere ridotti a causa dell'assenza  di scopo lucrativo. Nel caso in cui esista un diritto al sussidio, essi  sottostanno al principio della remunerazione delle prestazioni. Le  eccezioni devono figurare all'art. 70 LAgr (consid. 3.3–3.4).

2010/52 Landwirtschaft 754 BVGE / ATAF / DTAF Mit  Verfügung  vom  12. November  2007  verfügte  die  Erstinstanz  die  Rückforderung der für die Jahre 2005 bis 2007 an den Beschwerdeführer  ausgerichteten Direktzahlungen mit der Begründung, jener bewirtschafte  zwei seiner Parzellen nicht auf eigene Rechnung und Gefahr. Die gegen  diese Verfügung  vom Beschwerdeführer  erhobene  Einsprache wies  die  Erstinstanz am 12. Dezember 2007 ab. Am  12. Dezember  2007  beziehungsweise  14. Januar  2008  legte  der  Beschwerdeführer  bei  der  Vorinstanz  Rekurs  gegen  den  Einspracheentscheid ein. Dieser wurde von der Vorinstanz mit Entscheid  vom  20. Februar  2009  mit  der  Begründung  abgewiesen,  die  Pferdehaltung des Beschwerdeführers sei  in der  fraglichen Periode kein  landwirtschaftliches Unternehmen und damit kein Betrieb  im Sinne der  landwirtschaftlichen  Begriffsverordnung  gewesen.  Der  Beschwerdeführer  habe  aus  seiner  Pferdehaltung  keinerlei  Erträge  erwirtschaftet;  es  habe  auch  an  einer  aktiven  Teilnahme  am  Wirtschaftsverkehr  durch  Verkaufsbemühungen  gefehlt.  Damit  sei  die  Pferdehaltung Teil  des  Privathaushalts  des Beschwerdeführers  gewesen  und sei von diesem als blosses Hobby betrieben worden. Am 17. März 2009 erhob der Beschwerdeführer gegen den Entscheid der  Vorinstanz  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht  (BVGer).  Er  beantragt,  seine  Beschwerde  sei  gutzuheissen  und  es  sei  festzustellen,  dass  sein  Landwirtschaftsbetrieb  Anspruch  auf  Direktzahlungen  habe,  weshalb  auf  die  Rückforderung  der  ausgerichteten  Direktzahlungen  zu  verzichten  sei.  Zur  Begründung  bringt  er  im Wesentlichen  vor,  in  den  Weisungen des Bundesamts  für Landwirtschaft  (BLW) sei ausdrücklich  festgehalten,  dass  eine  wirtschaftliche  Verwertung  der  Produkte  nicht  erforderlich  sei.  Die  von  ihm  durchgeführte  Betriebsumstellung  von  Kühen  auf  eine  Irish­Tinker­Zucht  habe  hohe  Auslagen  nach  sich  gezogen.  Nach  anfänglichem  Einnahmenrückgang  und  Pech  mit  der  Zuchtstute und einem Zuchtfohlen in den Jahren 2006 und 2007 stünden  nun zwei Zuchtfohlen und zwei Shettland­Ponys zum Verkauf bereit. Es  seien  also  sehr wohl  positive Betriebsergebnisse  erwirtschaftet worden,  nur  stünden  diese  zur  Zeit  noch  nicht  in  der  Erfolgsrechnung,  sondern  erst auf der Vermögensseite der Bilanz. Mit  Vernehmlassungen  vom  14. April  2009  beziehungsweise  29. April  2010 beantragen die Vorinstanz und die Erstinstanz die Abweisung der  Beschwerde. Mit Replik vom 13. Mai 2009 hielt  der Beschwerdeführer  an seinen Anträgen fest.

Landwirtschaft 2010/52 BVGE / ATAF / DTAF 755 Mit Stellungnahme vom 30. April 2010 erklärte das als Fachbehörde  in  das  Verfahren  einbezogene  BLW,  es  könne  sich  der  betriebswirtschaftlichen  Auslegung  des  Betriebsbegriffs  durch  die  Vorinstanz anschliessen. Es sei nicht Ziel der Landwirtschaftspolitik, die  ausschliesslich hobbymässige Haltung von Pferden mit Direktzahlungen  zu  unterstützen.  Auf  Aufforderung  des  BVGer  führte  das  BLW  mit  Stellungnahme vom 29. Juli  2010 aus,  den gesetzlichen Grundlagen  sei  nicht  zu  entnehmen,  inwieweit  die  Direktzahlungsberechtigung  eine  wirtschaftliche  Verwertung  der  Erzeugnisse  aus  der  Landwirtschaft  voraussetze.  Ob  es  sich  um  einen  unterstützungswürdigen  bäuerlichen  Betrieb  im  Sinne  der  landwirtschaftlichen  Gesetzgebung  handle,  sei  jeweils konkret zu prüfen. Beim Beschwerdeführer spreche die Tatsache,  dass er seit der Übernahme des Betriebs beziehungsweise der Umstellung  von Kuh­ auf haltung kein landwirtschaftliches Einkommen erzielt habe,  gegen  die  Ausrichtung  von  Direktzahlungen,  deren  Zweck  es  sei,  das  bäuerliche Einkommen zu ergänzen. Mit  Eingabe  vom 6. September  2010  reichte  der Beschwerdeführer  auf  Aufforderung des BVGer Auszüge aus der Betriebsbuchhaltung und den  Steuererklärungen  der  Jahre  2002  bis  2008,  eine  Auflistung  des  Pferdebestands  sowie Verträge  über  den Verkauf  seiner  Pferde  ein.  Zu  den  vom  Beschwerdeführer  eingereichten  Unterlagen  äusserte  sich  die  Erstinstanz  mit  Eingabe  vom  29. September  2010,  zu  welcher  der  Beschwerdeführer am 25. Oktober 2010 wiederum Stellung nahm. Das  BVGer  heisst  die  Beschwerde  gut  und  hebt  die  angefochtene  Verfügung auf. Aus den Erwägungen: 3. Umstritten ist vorliegend die durch die Vorinstanzen gegenüber  dem  Beschwerdeführer  verfügte  Rückforderung  der  Direktzahlungsbeiträge  für  die  Jahre  2005  bis  2007,  insgesamt  Fr. (...).  (...) 3.1 Die  Vorinstanz  gelangt  im  angefochtenen  Entscheid  zum  Schluss, die Pferdezucht des Beschwerdeführers  sei  in den Jahren 2005  bis 2007 kein landwirtschaftliches Unternehmen und damit kein Betrieb  im  Sinne  von Art. 6  der  Landwirtschaftlichen  Begriffsverordnung  vom  7. Dezember  1998  (LBV,  SR  910.91)  gewesen.  Da  weder  in  der  Direktzahlungsverordnung  vom  7. Dezember  1998  (DZV,  SR  910.13)  noch  in der LBV oder den dazugehörigen Materialien definiert sei, was 

2010/52 Landwirtschaft 756 BVGE / ATAF / DTAF unter  der  Formulierung  « als  Betrieb  gilt  ein  landwirtschaftliches  Unternehmen » gemäss Art. 6 Abs. 1 LBV Einleitungssatz  zu verstehen  sei, sei auf die in der Betriebswirtschaftslehre verwendete Terminologie  abzustellen,  wonach  der  Begriff  des  Betriebs  nur  für  vorwiegend  produzierende  und  nicht  für  vorwiegend  konsumierende  Wirtschaftseinheiten  verwendet  werde.  Der  Beschwerdeführer  habe  in  der  fraglichen  Periode  aus  seiner  Pferdehaltung  keinerlei  Erträge  erwirtschaftet;  es  habe  auch  an  einer  aktiven  Teilnahme  am  Wirtschaftsverkehr durch Verkaufsbemühungen gefehlt. Zudem habe er  das  überschüssige  Heu  verschenkt,  was  für  einen  Privathaushalt  kennzeichnend  sei.  Ein  produzierendes  landwirtschaftliches  Unternehmen  hätte  das  überschüssige Heu  verkauft.  Die  Pferdehaltung  sei  Teil  eines  Privathaushalts  und  werde  vom  Beschwerdeführer  als  blosses Hobby betrieben. In der Vernehmlassung  führt  die Vorinstanz  aus,  die Pferdehaltung des  Beschwerdeführers  sei  nicht wegen  der  fehlenden Gewinnmaximierung  nicht als Betrieb zu qualifizieren, sondern weil daraus in den Jahren 2005  bis 2007 kein relevanter Ertrag erzielt worden sei, der Beschwerdeführer  in  diesen  Jahren  also  nicht  als  Anbieter  von  Leistungen  am  Wirtschaftsverkehr teilgenommen habe. Daran ändere auch der Umstand  nichts,  dass  bei  einer  Betriebsumstellung  während  einer  gewissen  Zeit  keine  oder  lediglich  geringe Erträge  erwirtschaftet würden.  Es  sei  kein  landwirtschaftlicher  Betrieb  vorstellbar,  der  sich  eine  über  fünfjährige  Umstellungszeit ohne irgendwelche nennenswerte Erträge leisten könne.  Es  genüge  nicht,  wenn  der  Beschwerdeführer  Tiere  besitze,  die  er  verkaufen  könnte.  Vielmehr  sei  entscheidend,  ob  er  laufend  Verkaufsbemühungen  mache,  die  eine  aktive  Teilnahme  am  Wirtschaftsverkehr belegten. Ein Betrieb zeichne sich dadurch aus, dass  er  die  produzierten  Güter  regelmässig,  laufend  und  gezielt  veräussere,  was  laufende  Verkaufsbemühungen  voraussetze. Weder  behaupte  noch  belege  der  Beschwerdeführer  solche.  Selbst mit  der Geschäftsstrategie,  keine  jungen  Fohlen,  sondern  grossgezogene  Pferde  verkaufen  zu  wollen,  hätte  der  Beschwerdeführer  Verkaufsbemühungen  vorweisen  können, da sein Shettland­Pony aus dem Jahr 2006 und der Irish­Tinker  aus dem Jahr 2005 seit längerem « verkaufsreif » seien. 3.2 Der Beschwerdeführer macht unter Berufung auf die Weisungen  des BLW demgegenüber  geltend,  die Direktzahlungsberechtigung  setze  keine  wirtschaftliche  Verwertung  der  Produkte  voraus.  Er  könne  bei  Bedarf  Belege  für  Inserate  für  den  Verkauf  seiner  Tiere  einreichen; 

Landwirtschaft 2010/52 BVGE / ATAF / DTAF 757 Kosten  für  Inserate  seien  im Übrigen  auch  in  der  Betriebsbuchhaltung  ersichtlich.  Ferner  mache  er  mit  einem  Aushang,  der  durch  einen  Augenschein  überprüft  werden  könne,  laufend  Verkaufsbemühungen.  Schliesslich  sei  festzuhalten,  dass  eine  Zucht  an  sich  « produzierend »  sei. Vorliegend lautet die Kernfrage demnach dahin, ob der Vorinstanz darin  gefolgt werden kann, dass die Pferdezucht des Beschwerdeführers in den  Jahren  2005  bis  2007  die  Voraussetzungen  für  den  Bezug  von  Direktzahlungen  nicht  erfüllt  habe,  weil  der  Beschwerdeführer  daraus  keinen – nennenswerten – Ertrag erwirtschaftet hat. 3.2.1 Gemäss  Art. 70  Abs. 1  des  Landwirtschaftsgesetzes  vom  29. April  1998  (LwG,  SR  910.1)  richtet  der Bund Bewirtschaftern  von  bodenbewirtschaftenden  bäuerlichen Betrieben  unter  der Voraussetzung  des  ökologischen  Leistungsnachweises  allgemeine  Direktzahlungen,  Ökobeiträge und Ethobeiträge aus. Direktzahlungen  erhalten  Bewirtschafter,  die  (a.)  einen  Betrieb  führen,  (b.)  ihren zivilrechtlichen Wohnsitz  in der Schweiz haben und (c.) über  eine  berufliche  Grundbildung  mit  einem  Eidgenössischen  Berufsattest  verfügen (Art. 2 Abs. 1 DZV). Art. 6 Abs. 1 LBV lautet wie folgt: Als Betrieb gilt ein landwirtschaftliches Unternehmen, das: a.  Pflanzenbau  oder  Nutztierhaltung  oder  beide  Betriebszweige  betreibt; b. eine oder mehrere Produktionsstätten umfasst; c. rechtlich, wirtschaftlich, organisatorisch und finanziell selbständig  sowie unabhängig von anderen Betrieben ist; d. ein eigenes Betriebsergebnis ausweist; und e. während des ganzen Jahres bewirtschaftet wird. 3.2.2 Art. 6  Abs. 1  LBV  statuiert  in  den  Bstn. a  bis  e  die  Voraussetzungen  für  den  Betriebsbegriff,  die  kumulativ  erfüllt  sein  müssen. Diesen Kriterien wird im Einleitungssatz die Formulierung « als  Betrieb gilt ein landwirtschaftliches Unternehmen » vorangestellt. Der Vorinstanz kann beigepflichtet werden, dass weder in der DZV noch  in der LBV definiert wird, was unter dem Begriff « landwirtschaftliches  Unternehmen »  gemäss  Einleitungssatz  zu  verstehen  ist.  Auch  den  als 

2010/52 Landwirtschaft 758 BVGE / ATAF / DTAF Auslegungshilfe und zur Erläuterung der LBV dienenden Weisungen des  BLW ist mit Bezug auf den Einleitungssatz nichts zu entnehmen. Demgegenüber  wird  in  den  Weisungen  mit  Bezug  auf  Art. 6  Abs. 1  Bst. a  LBV,  wonach  als  Betrieb  ein  landwirtschaftliches  Unternehmen  gilt,  das  Pflanzenbau  oder  Nutztierhaltung  oder  beide  Betriebszweige  betreibt, Folgendes festgehalten: Eine  wirtschaftliche  Verwertung  der  Produkte  ist  wohl  die  Regel,  wird aber nicht ausdrücklich verlangt. 3.3 Die Vorinstanz vertritt die Ansicht, dass für die Auslegung des  Begriffs  « landwirtschaftliches  Unternehmen »  im  Einleitungssatz  von  Art. 6  Abs. 1  LBV  auf  die  in  der  Betriebswirtschaftslehre  verwendete  Terminologie  abzustellen  sei,  wonach  der  Begriff  des  Betriebs  nur  für  vorwiegend  produzierende  und  nicht  für  vorwiegend  konsumierende  Wirtschaftseinheiten zu verwenden sei. Indem  die  Vorinstanz  den  Einleitungssatz  unter  Anwendung  betriebswirtschaftlicher  Kriterien  auslegt,  schafft  sie  zusätzlich  zu  den  Anforderungen  von  Bst. a  bis  e  für  den  Betriebsbegriff  eine  neue  Voraussetzung,  nämlich  diejenige  der  Gewinn­  beziehungsweise  Ertragsorientierung. 3.3.1 Betreffend  diese  Auslegung  der  Vorinstanz  ergeben  sich  zunächst die folgenden Einwände: Einerseits widerspricht die Vorinstanz mit  ihrer betriebswirtschaftlichen  Auslegung  ohne  jegliche  Begründung  den  –  für  sie  als  Verwaltungsbehörde  –  verbindlichen  Weisungen  des  BLW  zu  Art. 6  Abs. 1 Bst. a LBV. Darin geht das BLW zwar vom Grundsatz aus, dass  Betriebe  im Sinne von der LBV aus dem Pflanzenbau beziehungsweise  der  Nutztierhaltung  Produkte  erzeugen,  die  sie  auch  wirtschaftlich  verwerten,  das  heisst  gewinnbringend  einsetzen.  Es  hält  jedoch  auch  ausdrücklich  fest,  dass  eine  wirtschaftliche  Verwertung  der  Produkte  nicht  zwingend  erforderlich  sei. Diese Auslegung  des BLW kann  ohne  Weiteres  als  mit  dem  Wortlaut  von  Bst. a  « Pflanzenbau  oder  Nutztierhaltung  oder  beide  Betriebszweige  betreibt »  vereinbar  bezeichnet werden, der weder explizit noch implizit eine Verwertung der  Produkte  voraussetzt.  Da  der  Zweck  der  Weisungen  des  BLW  zwar  lediglich,  aber  immerhin,  darin  besteht,  eine  einheitliche  Verwaltungspraxis  bezüglich  der  Auslegung  der  LBV  sicherzustellen,  weicht das BVGer nicht ohne triftigen Grund von ihnen ab, wenn sie eine 

Landwirtschaft 2010/52 BVGE / ATAF / DTAF 759 überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben beinhalten (vgl.  BGE 132 V 200 E. 5.1.2 mit weiteren Hinweisen). Andererseits  spricht  gegen  die  Auslegung  der  Vorinstanz,  dass  nicht  ohne Weiteres erkennbar  ist, welche Absicht der Verordnungsgeber mit  der  Formulierung  « als  Betrieb  gilt  ein  landwirtschaftliches  Unternehmen »  im Einleitungssatz  von Art. 6 Abs. 1 LBV verfolgt  hat:  Wollte  er  damit  eine  zusätzliche  Anforderung  für  den  Betriebsbegriff  schaffen  oder  sind  die  Voraussetzungen  für  den  Betriebsbegriff  in  den  Buchstaben a bis e der Bestimmung bereits abschliessend geregelt, und  beinhaltet  der  Einleitungssatz  nichts  als  eine  umschreibende  Gleichstellung  der  Begriffe  « Betrieb »  und  « landwirtschaftliches  Unternehmen »? 3.3.2 Die  Frage  jedoch,  ob  der  Vorinstanz  gestützt  auf  eine  verfassungskonforme  Auslegung  von  Art. 6  Abs. 1  LBV  dahingehend  gefolgt  werden  könnte,  dass  ein  landwirtschaftlicher  Betrieb  gewinnorientiert  handeln  muss,  braucht  vorliegend  jedoch  nicht  beantwortet zu werden. Wie im Folgenden nämlich aufgezeigt wird, fehlt  es  für  die  Statuierung  des  zusätzlichen  Kriteriums  der  Gewinnorientierung  in  Art. 6  Abs. 1  LBV  beziehungsweise  in  dessen  Einleitungssatz  an  der  verfassungsrechtlich  erforderlichen  formellgesetzlichen Grundlage. 3.4 Verordnungen,  die  sich  nicht  direkt  auf  die  Bundesverfassung  abstützen und die gesetzliche Regelungen ergänzen oder abändern (sog.  unselbständige,  gesetzesvertretende  Verordnungen),  bedürfen  nach  Art. 164  Abs. 2  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) einer genügenden  gesetzlichen Delegationsnorm. Bei diesen ist zu untersuchen, ob sich der  Verordnungsgeber  an  die  ihm  gesetzlich  übertragenen  Befugnisse  gehalten  hat  (Art. 182  Abs. 2  BV;  PIERRE  TSCHANNEN,  in:  Bernhard  Ehrenzeller/Philippe  Mastronardi/Rainer  J.  Schweizer/Klaus  A.  Vallender  [Hrsg.],  Die  schweizerische  Bundesverfassung,  Kommentar,  2. Aufl., Zürich 2008, Rz. 33 ff. zu Art. 164). Die  Prüfung  des  BVGer  ist  dabei  auf  die  Frage  beschränkt,  ob  die  Verordnung den Rahmen der dem Bundesrat (BR) im Gesetz delegierten  Kompetenzen  offensichtlich  sprengt  oder  aus  anderen  Gründen  gesetz­  oder  verfassungswidrig  ist  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  [BGer]  2C_246/2009 vom 22. März 2010 E. 7.1, Urteil des BGer 2C_735/2007  vom 25. Juni 2008 E. 4.2; BGE 133 V 42 E. 3.1, BGE 131 II 271 E. 4,  BGE 129 II 160 E. 2.3 mit weiteren Hinweisen).

2010/52 Landwirtschaft 760 BVGE / ATAF / DTAF Wird im Rahmen einer akzessorischen Normenkontrolle festgestellt, dass  ein  Rechtssatz  gegen  übergeordnetes  Recht  verstösst,  haben  die  Behörden  diesen  für  rechtswidrig  zu  erklären  und  nicht  anzuwenden.  Indes  ist  die  formelle  Aufhebung  beziehungsweise  Anpassung  der  rechtswidrigen  Norm  ausschliesslich  Sache  des  zuständigen  Rechtsetzungsorgans  (vgl.  Urteil  des  BVGer  B­3133/2009  vom  13. November  2009  E. 7.1;  ULRICH  HÄFELIN/WALTER  HALLER,  Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 7. Aufl., Zürich 2008, Rz. 2076). 3.4.1 Die hier zu beurteilende LBV stützt  sich  im  Ingress einzig auf  Art. 177  Abs. 1  LwG,  wonach  der  BR  die  erforderlichen  Ausführungsbestimmungen  erlässt,  wo  das  Gesetz  die  Zuständigkeit  nicht  anders  regelt.  Diese  Bestimmung  ermächtigt  den  Bundesrat  im  Kapitel  über  die  Vollzugsbestimmungen  (Art. 177 ff.  LwG)  nicht  zum  Erlass  ergänzender,  das  heisst  gesetzesvertretender  oder  gar  gesetzesderogierender Vorschriften (vgl. Urteil des BVGer B­3133/2009  vom 13. November 2009 E. 7.2). Der BR ist deshalb in der LBV nur ermächtigt, Ausführungsvorschriften  zu erlassen, wie dies auch der massgebende Wortlaut von Art. 177 Abs. 1  LwG nahelegt. Solchen Vollzugsverordnungen kommt die Funktion zu,  die  gesetzlichen  Bestimmungen  zu  konkretisieren  und  gegebenenfalls  untergeordnete  Lücken  zu  füllen,  soweit  dies  für  den  Gesetzesvollzug  erforderlich  ist.  Die Ausführungsbestimmungen müssen  sich  jedoch  an  den  gesetzlichen  Rahmen  halten  und  dürfen  insbesondere  keine  neuen  Vorschriften aufstellen, welche die Rechte der Bürger beschränken oder  ihnen  neue  Pflichten  auferlegen,  selbst  wenn  diese  Regeln  mit  dem  Zweck  des  Gesetzes  vereinbar  wären.  Vollzugsbestimmungen  sind  zudem nur in dem Umfang zulässig, als das Gesetz dafür Raum lässt und  nicht  bewusst  auf  eine  präzisere  Regelung  der  betreffenden  Frage  verzichtet (vgl. BGE 134 I 313 E. 5.3, BGE 124 I 127 E. 3b f., BGE 122  II  411  E. 3d  mit  weiteren  Hinweisen;  Urteil  des  BVGer  B­3133/2009  vom 13. November 2009 E. 7.2). 3.4.2 Gemäss Art. 104 Abs. 3 Bst. a BV (i. V. m. Art. 2 Abs. 1 Bst. b  und Art. 70 Abs. 1 LwG) unterstehen Direktzahlungen dem Prinzip  der  Leistungsabgeltung,  indem  sie  als  leistungsorientierte  Zahlungen  grundsätzlich nach dem Prinzip « Leistung­Gegenleistung » ausgerichtet  werden  (vgl.  Botschaft  des  Bundesrats  zur  Reform  der  Agrarpolitik  [Zweite  Etappe]  vom  26. Juni  1996,  BBl  1996  IV  201,  202;  Botschaft  des  Bundesrats  zur  Weiterentwicklung  der  Agrarpolitik  vom  29. Mai  2002, BBl 2002 4721, 4821 f.; PAUL RICHLI, Agrarrecht, in: Paul Richli 

Landwirtschaft 2010/52 BVGE / ATAF / DTAF 761 [Hrsg.],  Wirtschaftsstrukturrecht,  Schweizerisches  Bundesverwaltungsrecht  Bd. XIII,  Basel  2005,  Rz. 597).  Rechtlich  stellen  Direktzahlungen  Finanzhilfen  im  Sinne  von  Art. 3  Abs. 1  des  Subventionsgesetzes  vom  5. Oktober  1990  (SuG,  SR  616.1)  dar.  Sie  werden  als  geldwerte  Vorteile  Empfängern  ausserhalb  der  Bundesverwaltung  gewährt,  um  die  Erfüllung  einer  vom  Empfänger  gewählten Aufgabe  zu  fördern  oder  zu  erhalten  (vgl.  FABIAN MÖLLER,  Rechtsschutz  bei  Subventionen, Basel  2006,  S. 25 ff.).  Insofern werden  im heutigen Direktzahlungssystem alle Zahlungen an  leistungsbezogene  Kriterien  geknüpft  (vgl.  Urteil  des  BVGer  B­3133/2009  vom  13. November 2009 E. 4.3.3 mit weiteren Hinweisen). Zwar  besteht  nach  dem  Prinzip  der  Leistungsabgeltung  ein  grundsätzlicher  Anspruch  auf  Direktzahlungen,  wenn  gemeinwirtschaftliche  Leistungen  von  Bewirtschaftern  von  bodenbewirtschaftenden  bäuerlichen  Betrieben  tatsächlich  erbracht  werden.  Indessen  hat  der  Bundesgesetzgeber  in Art. 70 Abs. 5  Bst. a–f  LwG  in  Abweichung  vom  Leistungsabgeltungsprinzip  sozialpolitisch  motivierte  Einschränkungen  vorgesehen  (vgl.  Urteil  des  BVGer  B­3133/2009  vom  13. November  2009  E. 4.3.3  und  Urteil  des  BVGer  B­1456/2007  vom  16. Januar  2008 E. 3;  RICHLI,  a. a. O.,  Rz. 600,  607,  625 ff.). Nach dieser Bestimmung bestimmt der Bundesrat für den Bezug  der allgemeinen Direktzahlungen, der Ökobeiträge und der Ethobeiträge  ein  minimales  Arbeitsaufkommen  in  Standardarbeitskräften,  eine  Altersgrenze,  Grenzwerte  für  die  Summe  der  Beiträge  pro  Standardarbeitskraft,  Grenzwerte  bezüglich  der  Fläche  oder  Tierzahl,  Anforderungen an die landwirtschaftliche Ausbildung sowie Grenzwerte  bezüglich steuerbarem Einkommen und Vermögen, ab denen die Summe  der Beiträge gekürzt wird oder keine Beiträge ausgerichtet werden. Diese  sozialpolitischen Einschränkungen hat der BR in den Art. 18 bis Art. 26  DZV konkretisiert. 3.4.3 Zusammenfassend  ist  deshalb  festzuhalten,  dass  Direktzahlungen  als  Anspruchssubventionen  dem  Leistungsabgeltungsprinzip unterstehen und dieses Grundprinzip nur von  den  in  Art. 70  Abs. 5  LwG  –  auf  formellgesetzlicher  Ebene  (Art. 164  Abs. 1 BV) – vorgesehenen, sozialpolitisch motivierten Einschränkungen  durchbrochen wird. Eine  an  Gewinnstrebigkeit  beziehungsweise  den  Bestand  eines  landwirtschaftlichen  Ertrags  anknüpfende  Voraussetzung  im  Einleitungssatz  von  Art. 6  Abs. 1  LBV  liefe  im  Ergebnis  auf  die 

2010/52 Landwirtschaft 762 BVGE / ATAF / DTAF Statuierung  einer  weiteren  Ausnahme  vom  Leistungsabgeltungsprinzip  hinaus,  wie  es  in  Art. 104  Abs. 3  Bst. a  BV  und  Art. 70  Abs. 1  LwG  (i. V. m.  Art. 2 Abs. 1  Bst. b  LwG)  vorgesehen  ist.  Insofern würde  ein  solches Kriterium  funktionell  den  in Art. 70 Abs. 5 LwG abschliessend  normierten, sozialpolitisch motivierten Ausnahmekategorien, welche das  Prinzip  der  Leistungsabgeltung  durchbrechen,  entsprechen.  Ein  solches  Subventionsausschlusskriterium,  das  erheblich  in  die  Rechte  der  Finanzhilfeempfänger  eingreift,  müsste  indessen,  um  im  Sinne  von  Art. 164  Abs. 1  Bst. c  BV  rechtsbeständig  zu  sein,  über  eine  ausreichende  gesetzliche  Grundlage  im Delegationsrahmen  von Art. 70  LwG verfügen. In  Abs. 5  Bst. f  sieht  Art. 70  LwG  zwar  vor,  dass  der  BR Grenzwerte  bezüglich  steuerbarem  Einkommen  und  Vermögen  der  Bewirtschafter  bestimmt,  ab  denen  die  Summe  der  Beiträge  gekürzt  wird  oder  keine  Beiträge  ausgerichtet  werden.  Diesen  Grundsatz  hat  der  Bundesrat  in  Art. 22  Abs. 1  DZV  konkretisiert,  wonach  die  Summe  der  Direktzahlungen  ab  einem  massgebenden  Einkommen  von  80'000 Franken  gekürzt  wird.  Damit  sieht  Art. 70  Abs. 5  LwG  eine  einkommensabhängige Begrenzung der Direktzahlungen jedoch lediglich  nach  oben  vor.  Nach  unten  ist  die  Höhe  des  landwirtschaftlichen  Einkommens nicht begrenzt. Demzufolge lässt sich das Ziel, nur Betriebe  zu  unterstützen,  die  einen  Gewinn  erwirtschaften,  nicht  auf  Art. 70  Abs. 5 LwG abstützen. Somit  ergibt  sich,  dass  in  Art. 70  LwG  eine  auf  den  Ertrag  bzw.  das  Einkommen  aus  der  landwirtschaftlichen Nutzung  bezogene Kategorie,  die eine Reduktion oder gar den Ausschluss von Anspruchssubventionen  erlauben würde,  nicht  vorgesehen  ist. Damit würde die Statuierung des  zusätzlichen  Kriteriums  der  Gewinnstrebigkeit  in  Art. 6  Abs. 1  LBV  beziehungsweise  dessen  Einleitungssatz  nicht  über  die  verfassungsrechtlich  erforderliche  formellgesetzliche  Basis  für  eine  Derogation  vom  Leistungsabgeltungsprinzip  verfügen  und  könnte  vorliegend entsprechend auch nicht angewendet werden. 3.5 Damit gelangt das BVGer zum Schluss, dass die Vorinstanz den  Direktzahlungsanspruch  des  Beschwerdeführers  für  die  Jahre  2005  bis  2007  zu  Unrecht  mit  der  Begründung  verneint  hat,  dass  dessen  Pferdezucht  mangels  Ertrags  nicht  als  landwirtschaftlicher  Betrieb  im  Sinne von Art. 6 LBV qualifiziert werden könne.

BVGE 2010/52 — Bundesverwaltungsgericht 09.11.2010 BVGE 2010/52 — Swissrulings