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Bundesverwaltungsgericht 31.01.2012 B-8822/2010

31. Januar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,388 Wörter·~12 min·1

Zusammenfassung

Pflanzenbau | Pflanzung von Reben

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung II B­8822/2010 Urteil   v om   3 1 .   J a nua r   2012   Besetzung Richter Frank Seethaler (Vorsitz), Richter Bernard Maitre, Richter Ronald Flury,    Gerichtsschreiber Beat König. Parteien X._______,    vertreten durch Kurt Moll, Rechtsanwalt, Erlenweg 34,  Postfach 7331, 3001 Bern, Beschwerdeführer,  gegen Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Bern,  Münsterplatz 3a, 3011 Bern,    Vorinstanz,  Fachstelle für Rebbau, Oeschberg, 3425 Koppigen,    Erstinstanz.  Gegenstand Pflanzung von Reben.

B­8822/2010 Sachverhalt: A.  A.1  Der  Beschwerdeführer  betreibt  einen  biologischen Bauernbetrieb  in  Y._______. Er pflanzte im Jahr 2005 auf einer Fläche von (…) m2 Reben  an.  Am  25.  August  2009  teilte  die  Fachstelle  für  Rebbau  (FRB,  Erstinstanz)  des Amtes  für  Landwirtschaft  und Natur  des Kantons Bern  (LANAT) dem Beschwerdeführer mit, dass der Anbau von (…) m2 Reben  bewilligungspflichtig sei und er umgehend einen Antrag auf Neupflanzung  stellen müsse,  falls  er  die Fläche nicht  auf  400 m2  für  den Eigenbedarf  reduziere. Mit Verfügung vom 3. September 2009 verweigerte die Erstinstanz dem  Beschwerdeführer  die  Bewilligung  für  den  Anbau  von  Reben  zur  Weingewinnung  und  die  Erteilung  eines  Traubenpasses,  welcher  ihn  berechtigten  würde,  die  Trauben  bzw.  den  Wein  zu  vermarkten.  Eine  Reduktion der Rebfläche auf 400 m2 für den Eigenbedarf (ohne Verkauf)  sei  jedoch  ohne  Bewilligung  möglich.  Die  Erstinstanz  begründete  ihren  Entscheid damit, dass das Kriterium der Hangneigung nach Art. 2 Abs. 2  Bst. b der Verordnung vom 14. November 2007 über den Rebbau und die  Einfuhr von Wein (Weinverordnung, SR 916.140) nicht erfüllt sei. Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 20. September  2009  Beschwerde  bei  der  Volkswirtschaftsdirektion  des  Kantons  Bern  (VOL,  Vorinstanz)  und  ersuchte  um  die  Erteilung  einer  Bewilligung  zur  Pflanzung von Reben für die Weinherstellung. Die Vorinstanz hiess die Beschwerde am 4. Februar 2010  teilweise gut,  hob  die  Verfügung  der  Erstinstanz  auf  und  wies  die  Sache  an  die  Erstinstanz  zurück,  und  zwar  mit  der  Weisung,  die  Eignung  für  die  Weinerzeugung  im Sinne der Erwägungen neu zu prüfen. Sie hielt  fest,  die  erstinstanzliche  Verfügung  beruhe  auf  einer  rechtsfehlerhaften  Anwendung  von  Art.  2  Abs. 2  Weinverordnung,  da  die  Pflanzung  abgewiesen worden sei, ohne dass eine genügende Prüfung der Eignung  zum  Rebbau  anhand  der  verschiedenen  gemäss  dieser  Bestimmung  massgebenden Kriterien vorgenommen worden sei. A.2  Am  19. Mai  2010  besichtigte  die  Erstinstanz  die  Parzelle mit  einer  Delegation  der  Fachkommission  für Rebbau  (FKRB). Gleichentags,  das  heisst  mit  Entscheid  vom  19.  Mai  2010,  verfügte  die  Erstinstanz,  die  Reben  in  Y._______  könnten  nicht  in  den  kantonalen  Rebkataster  aufgenommen werden. Sie  seien  umgehend  auf  die  Freifläche  von  400 

B­8822/2010 m2  zu  reduzieren.  Der  daraus  hergestellte  Wein  dürfe  nicht  vermarktet  werden  und  sei  ausschliesslich  für  den Eigenbedarf  zu  verwenden. Die  Flächenreduktion  sei  bis  30.  Juni  2010  vorzunehmen  und  der  Agrardatenerhebung zu melden. Für die illegal gepflanzten Reben werde  ein Bussgeld von Fr. (…) in Rechnung gestellt.  Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 17. Juni 2010  Beschwerde  bei  der  Vorinstanz  und  beantragte,  die  Rebfläche  von  (…) m2  sei  in  das  Rebkataster  aufzunehmen  und  die  ausgesprochene  Busse  von  Fr.  (…)  sei  aufzuheben.  Eventualiter  seien  eine  neue  Begehung mit Fachleuten und eine Expertise anzuordnen.  Am  16.  August  2010  nahm  der  Beschwerdeführer  erneut  Stellung  und  reichte  einen  Kurzbericht  eines  Rebbauspezialisten  ein,  welcher  die  Fläche  am  22.  Juni  2010  mit  einem  anderen  Rebbauspezialisten  besichtigt  hatte.  Die  Erstinstanz  äusserte  sich  diesbezüglich  am  20. September 2010.  Der Beschwerdeführer  liess sich am 22. Oktober 2010 ein weiteres Mal  vernehmen  und  reichte  eine  Bestätigung  ein,  wonach  der  von  ihm  produzierte  Traubenmost  der  Sorte  (…)  bei  einer  Messung  vom  8. Oktober 2010 (…) Grad Oechsle aufweise.  Mit  Entscheid  vom  2.  Dezember  2010  hiess  die  Vorinstanz  die  Beschwerde  vom  17.  Juni  2010  insoweit  teilweise  gut,  als  die  verfügte  Busse aufgehoben wurde (Dispositiv­Ziff. 1 Satz 1). Soweit weitergehend  wurde die Beschwerde abgewiesen (Dispositiv­Ziff. 1 Satz 2). Es wurden  keine  Verfahrenskosten  auferlegt  und  keine  Parteikosten  gesprochen  (Dispositiv­Ziff.  2).  Die  Vorinstanz  hielt  im  Wesentlichen  fest,  mangels  eines Protokolls lasse sich der Ablauf des Augenscheins auf der Parzelle  des Beschwerdeführers nicht direkt den Akten entnehmen. Ebenso wenig  lasse sich nachvollziehen, ob dem Beschwerdeführer zumindest mündlich  das  rechtliche Gehör  zu den anlässlich des Augenscheins gewonnenen  Erkenntnissen  gewährt  worden  sei  und wenn  ja,  inwiefern  er  sich  dazu  vor  Ort  geäussert  habe.  Dem  Beschwerdeführer  sei  demnach  das  rechtliche Gehör  nicht  in  rechtsgenügender Weise  gewährt  worden.  Da  der  Beschwerdeführer  nun  aber  im  Beschwerdeverfahren  Gelegenheit  gehabt habe, sich zu den  in der erstinstanzlichen Verfügung gemachten  Feststellungen  zu  äussern,  sei  die  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  geheilt worden.  In materieller Hinsicht hielt  es die Vorinstanz  insgesamt  für gerechtfertigt, dass die beantragte Bewilligung verweigert wurde. Die 

B­8822/2010 ausgesprochene Busse sei mangels Zuständigkeit  bereits aus  formellen  Gründen aufzuheben.  B.  Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer, nunmehr vertreten  durch Rechtsanwalt Kurt Moll, am 27. Dezember 2010 Beschwerde beim  Bundesverwaltungsgericht.  Er  beantragte,  der  Entscheid  vom  2.  Dezember  2010  sei  unter  Entschädigungsfolge  aufzuheben  und  die  Sache  sei  zur  Neubeurteilung  an  die  Erstinstanz  zurückzuweisen.  In  formeller  Hinsicht  basiere  der  angefochtene  Entscheid  auf  einem  Verfahren,  das  schwerwiegende  und  nicht  heilbare  Mängel  aufweise.  Zusätzlich  zu  den  bereits  von  der  Vorinstanz  festgestellten  Verfahrensfehlern  seien  die  Vorschriften  über  den  Ausstand  verletzt  worden.  Die  beiden  beigezogenen  Mitglieder  der  FKRB  seien  Weinproduzenten  bzw.  ­händler  im  Kanton  Bern  und  hätten  ein  persönliches  Interesse an der Sache.  In materieller Hinsicht machte der  Beschwerdeführer  insbesondere  geltend,  er  habe  im  Rahmen  seiner  Versuchspflanzung in den letzten Jahren in biologischem Anbau qualitativ  hochwertiges Traubengut produziert, was wissenschaftlich nachgewiesen  und  aktenkundig  sei.  Die  erstinstanzliche  Verfügung  trage  zudem  dem  Umstand,  dass  die  Kriterien  der  Weinverordnung  zwar  zu  berücksichtigen,  nicht  aber  kumulativ  zu  erfüllen  seien,  nicht  in  rechtsgenügender Weise Rechnung.  C.  Die  Erstinstanz  liess  sich  am  31.  Januar  2011  vernehmen.  Sie  führte  namentlich aus, gemäss Klimaeignungskarte liege die Region Y._______  in der Zone  "Futterbau begünstigt". Spezialkulturen seien demzufolge  in  Y._______ als Grenzfälle anzusehen. D.  Mit Vernehmlassung vom 1. Februar 2011 beantragte die Vorinstanz die  Abweisung  der  Beschwerde,  soweit  darauf  eingetreten  werden  könne.  Sie  hielt  fest,  grundsätzlich  gehe  es  in  Art.  2  Weinverordnung  um  die  vorgängige Beurteilung der Eignung einer Parzelle an sich und nicht um  die  nachträgliche  Beurteilung  einer  konkret  angepflanzten  Rebensorte  und des damit erzielten Resultates. Ein solcher Tatbeweis, welcher nur in  Bezug  auf  eine  spezifische  Sorte  gelten  könne,  lasse  sich  der  Weinverordnung  nicht  entnehmen.  Es  bestehe  ein  erheblicher  Ermessensspielraum für die fachlich zuständige Behörde hinsichtlich der  Beurteilung der Eignung für den Weinbau.

B­8822/2010 E.  In  seiner  Replik  vom  25.  März  2011  hielt  der  Beschwerdeführer  an  seinem Rechtsbegehren und der bisherigen Begründung fest.  Mit  Duplik  vom  27.  April  2011  bestätigten  die  Vorinstanz  und  die  Erstinstanz  ihre  Sichtweisen.  Die  Erstinstanz  führte  ergänzend  aus,  Zuckerwertmessungen  von  einem  Jahr  seien  für  den  Weinanbau  nicht  aussagekräftig.  F.  Am  10.  Juni  2011  nahm  das  Bundesamt  für  Landwirtschaft  (BLW)  als  Fachbehörde  Stellung.  Es  hielt  insbesondere  fest,  die  Auffassung  des  Beschwerdeführers, der Nachweis der Eignung müsse nicht nur anhand  der  abstrakten  Kriterien  in  der  Weinverordnung,  sondern  auch  anhand  eines  definitiven  Produkts  möglich  sein,  gehe  fehl,  denn  bewilligungspflichtige  Tätigkeiten  dürften  erst  dann  ausgeübt  werden,  wenn  eine  Bewilligung  erteilt  worden  sei. Widerrechtlich  erlangte Werte  dürften  für  den  Beweis  der  Eignung  für  den  Rebbau  nicht  beigezogen  werden.  Aufgrund  der  Klimaeignungskarte  der  Schweiz  und  des  Vergleichs  mit  der  Region  Bielersee  teile  das  BLW  die  Meinung  der  Vorinstanz, wonach das Gebiet um Y._______ kaum als für den Rebbau  geeignet angesehen werden könne.  Mit Stellungnahmen  vom 20.  bzw.  21.  Juni  2011 hielten die Erstinstanz  und die Vorinstanz fest, dass sie keine Ergänzungen oder Bemerkungen  zur Eingabe des BLW anzubringen hätten.  Der  Beschwerdeführer  nahm  am  2.  August  2011  zu  den  Ausführungen  des BLW vom 10. Juni 2011 Stellung. Dabei hielt er wiederum an seinem  Rechtsbegehren  fest  und  machte  im  Wesentlichen  geltend,  das  BWL  halte  zu Unrecht  einen  "empirischen Beweis"  der Eignung zum Rebbau  mittels der Qualität seines Traubengutes für unzulässig. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  Die  vorliegende  Beschwerde  richtet  sich  gegen  einen  Entscheid  der  Volkswirtschaftsdirektion  des  Kantons  Bern.  Dabei  handelt  es  sich  um  einen  letztinstanzlichen  kantonalen  Entscheid  (vgl.  Art.  62  Abs.  2  des  Gesetzes  über  die  Verwaltungsrechtspflege  vom  23.  Mai  1989  [VRPG, 

B­8822/2010 BSG 155.21]  i.V.m.  Art.  25  des  Gesetzes  über  den  Rebbau  vom  13.  September  1995  [RebG,  BSG  916.141.1]).  Weil  er  in  Anwendung  von  öffentlichem Recht  des  Bundes  erging  (Art.  2  Abs.  2 Weinverordnung),  stellt  er  eine  Verfügung  im  Sinne  von  Art.  5  Abs.  1  und  2  des  Bundesgesetzes  über  das  Verwaltungsverfahren  vom  20.  Dezember  1968 (VwVG, SR 172.021) dar.  Das  Bundesverwaltungsgericht,  welches  gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  (VGG,  SR  173.32)  als  Beschwerdeinstanz Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG  beurteilt,  ist  nach  Art.  33  Bst.  i  VGG  i.V.m.  Art.  166  Abs.  2  des  Landwirtschaftsgesetzes  vom  29.  April  1998  (LwG,  SR  910.1)  für  die  Behandlung der vorliegenden Streitsache zuständig. Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren  teilgenommen  (Art.  48  Abs.  1  Bst.  a  VwVG),  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders berührt (Art. 48 Abs. 1 Bst. b VwVG) und hat – soweit nicht die  sinngemäss  unangefochten  gebliebene  Aufhebung  der  erstinstanzlich  auferlegten  Busse  durch  die  Vorinstanz  in  Frage  steht  –  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  und  Änderung  (Art.  48  Abs. 1 Bst. c VwVG). Die Eingabefrist sowie die Anforderungen an Form  und Inhalt der Beschwerdeschrift sind gewahrt (Art. 50 und Art. 52 Abs. 1  VwVG), der Kostenvorschuss wurde  fristgemäss bezahlt  (Art. 63 Abs. 4  VwVG),  der  Vertreter  hat  sich  rechtsgenüglich  ausgewiesen  (Art. 11  VwVG) und die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen liegen vor (Art. 47 ff.  VwVG). Auf die Beschwerde ist deshalb einzutreten.  2.  Dem  Bundesverwaltungsgericht  kommt  als  Beschwerdeinstanz  bei  der  materiellen Überprüfung des vorinstanzlichen Entscheids volle Kognition  zu  (vgl.  Art.  49  VwVG).  Indes  legt  es  sich  in  einem  Fall  wie  dem  vorliegenden  bei  der  Überprüfung  eines  Entscheides  eine  gewisse  Zurückhaltung  auf,  denn  zu  beurteilen  sind  örtliche  Verhältnisse,  mit  denen  die  Vorinstanz  besser  vertraut  ist  und  wozu  spezifische  Fachkenntnisse  notwendig  sind  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts B­2242/2007 vom 17. Juli 2008, E. 2.3).  3.  3.1 Wer Reben neu anpflanzt, braucht nach Art. 60 LwG eine Bewilligung  des Kantons  (Abs.  1). Erneuerungen  von Anlagen müssen dem Kanton  gemeldet  werden  (Abs.  2).  Der  Kanton  bewilligt  nach  Abs.  3  dieser 

B­8822/2010 Bestimmung  das  Anpflanzen  von  Reben  für  die  Weinerzeugung,  wenn  der  vorgesehene Standort  für  den Weinbau geeignet  ist. Der Bundesrat  legt die Grundsätze für die Bewilligung und Meldung von Rebpflanzungen  fest;  er  kann  Ausnahmen  vorsehen  (Abs.  4).  Der  Kanton  kann  vorübergehend  und  regionenweise  jegliches  Anpflanzen  von  neuen  Reben  zur  Weinerzeugung  verbieten,  wenn  Massnahmen  zur  Marktentlastung oder Umstellung der Rebflächen  finanziert werden oder  wenn die Marktlage es erfordert (Abs. 5). 3.2  Nach  Art.  2 Weinverordnung  gilt  als  Neupflanzung  das  Anpflanzen  von  Reben  auf  einer  Fläche,  die  länger  als  zehn  Jahre  nicht  als  Rebfläche  bewirtschaftet  wurde  (Abs.  1).  Neuanpflanzungen  für  die  Weinerzeugung  werden  gemäss  Abs.  2  dieser  Bestimmung  nur  an  Standorten bewilligt, deren Eignung für den Weinbau nachgewiesen wird.  Dabei sind zu berücksichtigen: a. die Höhenlage;  b. die Hangneigung und ­richtung;  c. das Lokalklima;  d. die Bodenbeschaffenheit;  e. die Bodenwasserverhältnisse;  f. die naturschützerische Bedeutung der Fläche. Diese  Aufzählung  ist  –  wie  der  französische  Verordnungstext  mit  dem  einleitenden  Passus  "On  tiendra  compte  notamment"  zeigt  –  nicht  abschliessender Natur.  Art. 2 Abs. 2 Weinverordnung weicht  insofern von der früheren Ordnung  gemäss Art. 5 Abs. 1 der Verordnung über den Rebbau und den Absatz  der Rebbauerzeugnisse  vom 23. Dezember  1971  (Weinstatut,  AS 1972  54  ff.)  ab,  als  die  in  letzterer  Vorschrift  ausdrücklich  erwähnten  natürlichen  Produktionsbedingungen  (Lokalklima,  Bodenbeschaffenheit,  Hangrichtung, Höhe und geographische Lage)  seinerzeit kumulativ  eine  gute Traubenernte in einem Normaljahr gewährleisten mussten. Lediglich  in begründeten Ausnahmefällen konnte nach damals geltender Praxis die  Eignung auch dann bejaht werden, wenn nicht  jedes einzelne Kriterium  für  die  Eignung  sprach  (vgl.  Entscheid  der  Vorinstanz  vom  4.  Februar 

B­8822/2010 2010  E.  4b/cc,  mit  Hinweis  auf  Entscheid  der  Rekurskommission  des  Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements [EVD] vom 22. Mai 1995,  veröffentlicht  in  VPB  60.55  und  Entscheid  der  Rekurskommission  EVD  vom 30. September 1996, veröffentlicht in VPB 61.43). Mit  Blick  auf  den  nicht  abschliessenden  Charakter  der  Aufzählung  von  Art.  2  Abs.  2  Weinverordnung  und  das  frühere  Recht  ist  davon  auszugehen, dass den Behörden bei der Anwendung dieser Bestimmung  ein grosser Spielraum zusteht. Als  in  jedem Fall unverzichtbar erscheint  jedoch  eine  abwägende  Gesamtwürdigung  der  in  dieser  Vorschrift  genannten Kriterien.   3.3 Der Kanton kann für Neuanpflanzungen, die nicht der Weinerzeugung  dienen,  die  Bewilligungspflicht  durch  die  Meldepflicht  ersetzen  (Art.  2  Abs. 3  Weinverordnung).  Für  einmalige  Neuanpflanzungen  auf  einer  Fläche  von  höchstens  400  m2,  deren  Produkte  ausschliesslich  dem  Eigengebrauch der Bewirtschafterin bzw. des Bewirtschafters dienen,  ist  keine  Bewilligung  erforderlich,  sofern  die  Bewirtschafterin  bzw.  der  Bewirtschafter  keine  anderen  Reben  besitzt  oder  bewirtschaftet.  Der  Kanton kann  jedoch eine kleinere Fläche  festlegen und die Meldepflicht  vorschreiben  (Art.  2  Abs.  4  Weinverordnung).  Der  Kanton  regelt  das  Bewilligungs­  und  das  Meldeverfahren.  Er  sieht  für  das  Bewilligungsverfahren  vor,  dass  die  kantonalen  Fachstellen  für  Natur­  und Landschaftsschutz angehört werden (Art. 2 Abs. 5 Weinverordnung). 3.4  Gemäss  dem  kantonalen  Gesetz  über  den  Rebbau  obliegt  der  Vollzug (der Gesetzgebung über den Rebbau) der zuständigen Stelle der  Volkswirtschaftsdirektion,  soweit  er  nicht  den Berufsorganisationen  oder  den Gemeinden übertragen ist (Art. 23 RebG). Der Regierungsrat erlässt  nach  Anhören  der  Berufsorganisationen  die  zum  Vollzug  notwendigen  Ausführungsbestimmungen  (Art.  24  Abs.  1  RebG).  Nach  Art.  8  Abs.  1  Bst. d  der  Verordnung  über  die  Organisation  und  die  Aufgaben  der  Volkswirtschaftsdirektion  vom  18.  Oktober  1995  (Organisationsverordnung  VOL,  BSG 152.221.111)  befasst  sich  das  LANAT  insbesondere  mit  Fragen  des  Acker­,  Obst­,  Gemüse­  und  Rebbaus  und  des  landwirtschaftlichen  Pflanzenschutzes.  Demnach  ist  das LANAT bzw. dessen Fachstelle für Rebbau die zuständige Amtsstelle  für die Bewilligung von Neuanpflanzungen nach Art. 2 Weinverordnung.  3.5  Gemäss  alt  Art.  3  Abs.  1  der  kantonalen  Rebbauverordnung  vom  29. Mai  1996  (RebV)  in  der  Fassung,  welche  bis  28. Februar  2011  in 

B­8822/2010 Kraft stand, galt als weitere Produktionsregion neben der Bielerseeregion  (alt Art.  1 RebV)  und der Thunerseeregion  (alt Art.  2 RebV)  das übrige  Kantonsgebiet.    4.  In  der  gegenwärtig  zu  beurteilenden  Beschwerde  bemängelt  der  Beschwerdeführer,  das  erstinstanzliche  Verfahren,  das  zum  Erlass  der  Verfügung  vom  19.  Mai  2010  geführt  habe,  sei  mit  schwerwiegenden  Verfahrensmängeln  behaftet  gewesen.  Namentlich  rügt  der  Beschwerdeführer  eine  Verletzung  des  in  Art.  29  Abs. 2  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999  (BV, SR 101) garantierten Anspruchs auf  rechtliches Gehör durch  die Erstinstanz.  4.1  Der  verfassungsrechtliche Gehörsanspruch  nach Art.  29  Abs.  2  BV  umfasst nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts insbesondere das  Recht  der  Betroffenen,  sich  vor  Erlass  eines  in  ihre  Rechtsstellung  eingreifenden  Entscheides  "zur  Sache  zu  äussern,  erhebliche  Beweise  beizubringen,  Einsicht  in  die  Akten  zu  nehmen,  mit  erheblichen  Beweisanträgen  gehört  zu  werden  und  an  der  Erhebung  wesentlicher  Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis  zu  äussern,  wenn  dieses  geeignet  ist,  den  Entscheid  zu  beeinflussen"  (BGE  117  Ia  262  E.  4b;  vgl.  auch  THOMAS  MERKLI/ARTHUR  AESCHLIMANN/RUTH  HERZOG,  Kommentar  zum  Gesetz  über  die  Verwaltungsrechtspflege  im  Kanton  Bern,  Bern  1997,  N.  4  zu  Art.  21  VRPG,  S.  183  f.,  mit  Hinweisen  auf  die  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts).  Die  Behörden  sind  nach  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  aufgrund  von  Art.  29  Abs.  2  BV  insbesondere  dazu  verpflichtet,  Verfahrensbeteiligten  die  Möglichkeit  der  Teilnahme  an  Augenscheinen  einzuräumen.  Vorbehalten  sind  schützenswerte  Interessen  Dritter  oder  des  Staates,  besondere  Dringlichkeit  sowie  der  Fall,  dass  der  Augenschein  seinen  Zweck  nur  bei  unangemeldeter  Durchführung  erfüllen kann (BGE 113 Ia 81 E. 3a). Darüber hinaus sind Augenscheine  grundsätzlich  zu  protokollieren  bzw.  die  wesentlichen  Ergebnisse  eines  Augenscheins  in  einem  Protokoll  oder  Aktenvermerk  klar  festzuhalten.  Einzig  wenn  im  Entscheid  die  Äusserungen  der  Parteien  hinlänglich  wiedergegeben  werden,  also  die  Parteiäusserungen  –  soweit  entscheidwesentlich  –  wiedergegeben  und  gewürdigt  werden,  gebietet  Art.  29 Abs.  2  BV  keine Protokollierung  von Augenscheinen  (Urteil  des 

B­8822/2010 Bundesgerichts  1C_134/2007  vom  24.  Januar  2008  E.  3.2;  vgl.  auch  Urteil  des  Bundesgerichts  1C_430/2008  vom  16. April  2009  E. 2.3.2  [je  mit Rechtsprechungshinweisen]).  4.2  Nach  neuerer  Praxis  kann  selbst  eine  schwerwiegende  Gehörsverletzung  geheilt  und  von  einer  Rückweisung  der  Sache  zur  Gehörsgewährung  abgesehen  werden,  wenn  und  soweit  die  Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und folglich zu unnötigen  Verzögerungen  führen  würde,  welche  mit  dem  der  Anhörung  gleichgestellten  Interesse  des  Betroffenen  an  einer  beförderlichen  Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 133 I 201 E. 2.2;  132  V  387  E.  5.1;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  B­5877/2008  vom  7.  August  2009  E.  3.6  sowie  B­2141/2006,  B­2142/2006  und  B­ 1697/2006 vom 1. April  2008 E. 4.3). Für eine Heilung müssen sich die  Betroffenen  allerdings  vor  einer  Beschwerdeinstanz  äussern  können,  welche sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage  frei überprüft  (RENÉ  RHINOW/HEINRICH  KOLLER/CHRISTINA  KISS/DANIELA  THURNHERR/DENISE  BRÜHL­MOSER, Öffentliches Prozessrecht,  2. Aufl.,  Basel  2010, Rz. 314,  mit Hinweisen).   5.  5.1  Vorliegend  führte  die  Erstinstanz  am  19. Mai  2010  um  17 Uhr  und  unter  Beizug  zweier  Experten  der  kantonalen  Fachkommission  für  Rebbau  auf  der  fraglichen  Parzelle  des  Beschwerdeführers  einen  Augenschein  durch.  Dabei  erstellte  sie  kein  Protokoll,  zu  welchem  sich  der Beschwerdeführer  hätte  äussern  können. Vielmehr wurden  lediglich  die Beobachtungen der Mitglieder dieser Behörde bzw. der beigezogenen  Experten sogleich in den Begründungstext der Verfügung aufgenommen.  Letztere  wurde  gemäss  dem  angeführten  Datum  offenbar  noch  am  gleichen  Abend  ausgefertigt  und  hernach  dem  Beschwerdeführer  schriftlich  eröffnet.  Auf  diese  Weise  wurde  nicht  nur  die  Protokollierungspflicht  verletzt,  sondern  auch  das  Äusserungsrecht  des  Beschwerdeführers missachtet:  Denn  zum  einen  findet  sich  in  der  Verfügung  der  Erstinstanz  keine  nähere  Auseinandersetzung  mit  Argumenten  des  Beschwerdeführers.  Namentlich  zu  dem  von  der  Erstinstanz  als  für  die  Abweisung  des  Gesuchs  mitentscheidend  erachteten  Kriterium  des  Lokalklimas  wäre  dies  jedoch  zu  erwarten  gewesen,  zumal  sich  der  Beschwerdeführer  schon vor dem Augenschein zur Sache geäussert und insbesondere auf  Klimaveränderungen  hingewiesen  hatte  (vgl.  die  Beschwerde  vom  20. 

B­8822/2010 September  2009  sowie  die  im  entsprechenden  Beschwerdeverfahren  seitens  des  Beschwerdeführers  eingereichte  Stellungnahme  vom  16.  November  2009).  Es  ist  unwahrscheinlich,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  am  Augenschein  zum  Vorhalt,  die  Rebenanlage  befinde  sich  in  einem erheblich  frostgefährdeten Mikroklima,  nicht  hätte  äussern  wollen,  wenn  sich,  wie  er  später  dartat,  in  unmittelbarer  Nachbarschaft  dazu  eine  ebenfalls  kälteempfindliche  Gemüsepflanzung  findet (vgl. seine Beschwerde an die Vorinstanz vom 17. Juni 2010, S. 2).  Zum  anderen  wurde  dem  Beschwerdeführer  –  wie  erwähnt  –  aufgrund  der  umgehend  erfolgten  Eröffnung  der  Verfügung  eine  nachträgliche  Äusserung zum Ergebnis des Augenscheins verunmöglicht. Sollte  die  Erstinstanz  das  Argument  des  besonders  ungünstigen  Lokalklimas (s. dazu auch hinten E. 6.1) erstmals und neu zuungunsten  des Beschwerdeführers ins Spiel gebracht haben, wäre sie auch insofern  zur  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  verpflichtet  gewesen  (vgl.  statt  vieler:  MERKLI/AESCHLIMANN/HERZOG,  a.a.O.,  N.  8  zu  Art. 21  VRPG,  S. 185).  Die Erstinstanz hat somit das rechtliche Gehör verletzt.  5.2  Es muss  sodann davon ausgegangen werden,  dass die Erstinstanz  auch  im  Zusammenhang  mit  der  ebenfalls  am  19.  Mai  2010  durchgeführten  Begehung  einer  Vergleichsparzelle  in  Z._______  das  rechtliche Gehör verletzt hat.   Obschon  die  Erstinstanz  in  ihrer  Verfügung  zuungunsten  des  Beschwerdeführers  auf  die Ergebnisse  des Augenscheins  in Z._______  abgestellt  hat,  enthalten  die  Akten  weder  Angaben  zur  Frage,  ob  der  Beschwerdeführer  an  diesem  Augenschein  teilnahm  oder  teilnehmen  konnte,  noch  ein  Protokoll  zu  allenfalls  vor  Ort  anlässlich  des  Augenscheins  gemachten  Feststellungen  oder  durchgeführten  Verhandlungen.  Zudem  lässt  die  in  Frage  stehende  Verfügung  der  Erstinstanz nichts zur Auffassung des Beschwerdeführers zum Ergebnis  dieser  zweiten  Begehung  verlauten.  Auch  hier muss  somit  sowohl  eine  Verletzung  der  Protokollierungspflicht  wie  auch  eine  Verletzung  des  Rechts  auf  Äusserung  zum  Beweisergebnis  sowie  allenfalls  eine  Verletzung  des Rechts  auf  Teilnahme  an Augenscheinen  angenommen  werden.  

B­8822/2010 5.3 Die hiervor  festgestellten Gehörsverletzungen wiegen schwer, zumal  dem  Beschwerdeführer  die  zum  Kerngehalt  des  rechtlichen  Gehörs  zählende  Möglichkeit  der  Stellungnahme  zum  Beweisergebnis  (vgl. BGE 115  V  297  E.  2e)  abgeschnitten  wurde.  Über  diese  Gehörsverletzungen kann umso weniger hinweggesehen werden, als die  Erstinstanz in der beschriebenen Weise vorgegangen ist, obschon sie mit  Schreiben vom 29. April 2010 dem Beschwerdeführer angekündigt hatte,  an der Sichtung vom 19. Mai 2010 lediglich seine Argumente anzuhören  und keinen Entscheid zu fällen. Eine Heilung der Gehörsverletzungen fällt  daher insgesamt ausser Betracht.  Die  Vorinstanz  hat  folglich  zu  Unrecht  angenommen,  dass  die  Gehörsverletzungen geheilt werden können. Richtigerweise hätte sie die  Sache zu neuem Entscheid an die Erstinstanz zurückweisen müssen. Die  Gehörsverletzungen  können  auch  im  gegenwärtigen  Beschwerdeverfahren nicht geheilt werden. 6.  Einem  abschliessenden  Entscheid  in  der  Sache  steht  vorliegend  auch  entgegen,  dass  im  bisherigen  Verfahren  der  Sachverhalt  nicht  richtig  abgeklärt wurde.  6.1 Was das bereits in Erwägung 5.1 erwähnte Kriterium des Lokalklimas  betrifft,  führte  die Erstinstanz  insbesondere  aus,  die  neue Rebenanlage  knüpfe  nicht  an  eine  bestehende Weinbauregion  an.  Sie  liege  in  einer  leichten  Senke,  weshalb  sie  einer  hohen  Gefahr  von  zu  Mostgewichtseinbussen führenden Kälteseen und Spätfrösten ausgesetzt  sei.  Zudem  seien  anlässlich  der  Begehung  –  anders  als  auf  der  Vergleichsparzelle  in  Z._______  –  Frostschäden  festgestellt  worden.  Spätfröste und Kaltseelagen seien  für den Weinbau ein  "Killerkriterium";  das  Lokalklima  erfülle  die  Voraussetzungen  für  einen  erfolgreichen  Weinbau "klar" nicht.  Diese  erstinstanzliche  Würdigung  des  Lokalklimas  wird  durch  verschiedene Umstände ernsthaft in Frage gestellt.  Zu berücksichtigen ist vorab, dass nach dem kantonalen Recht bzw. nach  alt  Art.  3  RebV  für  die Weinerzeugung  rein  geographisch  grundsätzlich  das gesamte Kantonsgebiet und nicht nur bestehendes Rebbaugebiet  in  Betracht kommt (vgl. vorn E. 3.5). Die aktenkundige Klimaeignungskarte  aus dem Jahr 1977 weist das Gebiet um Y._______ zwar (grösstenteils) 

B­8822/2010 nicht als Zone aus,  in welcher Spezialkulturen – wie dies nach Angaben  des BLW etwa beim Gebiet des Bielersees der Fall ist – begünstigt sind.  Das  Lokalklima  schliesst  jedoch  gemäss  der  Karte  die  Eignung  der  Parzelle des Beschwerdeführers für Spezialkulturen nicht von vornherein  aus,  sind  doch  solche  auf  dem  entsprechend  markierten  Gebiet  bei  Eignung  des  Bodens  und  der  Lage  möglich.  Zudem  ist  nicht  auszuschliessen,  dass  die  als  für  den  Rebbau  geeignet  qualifizierte  Vergleichsparzelle  in  Z._______  nach  der  Karte  in  der  gleichen  Klimazone  wie  die  Parzelle  des  Beschwerdeführers  liegt.  Es  kommt  hinzu,  dass  sich  neben  der  Rebenanlage  des  Beschwerdeführers  anscheinend eine ebenfalls kälteempfindliche Gemüsepflanzung befindet. 6.2 Unter den Parteien ist zwar unbestritten, dass sich die Rebenparzelle  des  Beschwerdeführers  nicht  an  einer  Hanglage  im  Sinne  von  Art.  2  Abs. 2 Bst. b Weinverordnung befindet. Gleichwohl ist von einer gewissen  Exposition  auszugehen,  wie  sie  zumal  am W._______  auch  in  weniger  exponierten  Geländeteilen  anzunehmen  ist.  Der  Beschwerdeführer  verweist  nicht  ohne Berechtigung  auf  die  Verhältnisse  im Kanton Genf,  und auch die Vorinstanzen gehen von einer  leichten Senklage aus, was  auf eine gewisse Neigung schliessen  lässt. Auch  insofern erweisen sich  die Akten nicht als schlüssig.  6.3  Bereits  aufgrund  dieser  Ungewissheiten  hätte  die  Vorinstanz  nicht  ohne Weiteres den Schluss ziehen dürfen, es sei vorliegend "tendenziell  ein eher ungünstiges Lokalklima anzunehmen" und die Eignung  für den  Weinbau  sei  zu  verneinen  (E.  8b).  Vielmehr  hätte  sie  eine  nähere  Untersuchung  des  Sachverhaltes  und  eine  darauf  basierende  neue  Gesamtwürdigung  der  Kriterien  von  Art.  2  Abs.  2  Weinverordnung  veranlassen oder selber vornehmen müssen.  6.4  Anzumerken  bleibt,  dass  es  nicht  Sache  des  Bundesverwaltungsgerichts  sein  kann,  gleichsam  erstinstanzlich  den  nach dem Gesagten unvollständig gebliebenen Sachverhalt zu ergänzen  und  anstelle  des  mit  den  örtlichen  Verhältnissen  besser  vertrauten  Behörden einen Entscheid unter Ausschöpfung des bei der Anwendung  von  Art.  2  Abs.  2  Weinverordnung  bestehenden  grossen  Beurteilungsspielraumes zu fällen (vgl. hierzu auch vorn E. 2 und E. 3.2).  Indessen  ist  der  Beschwerdeführer  darauf  hinzuweisen,  dass  entgegen  seiner Auffassung aus der Qualität des auf der fraglichen Parzelle bereits  erzeugten  Traubenguts  nichts  zu  seinen  Gunsten  abgeleitet  werden 

B­8822/2010 kann. Dies ist schon deshalb ausgeschlossen, weil das ins Recht gelegte  Traubengut auf einer Parzelle produziert wurde, auf welcher die Reben in  Überschreitung  der  Freigrenze  von  400 m2  von  Art.  2  Abs.  4  Weinverordnung ohne die erforderliche Bewilligung angepflanzt wurden.  Es  würde  nicht  bewilligten  Versuchspflanzungen  in  gewisser  Weise  Vorschub leisten, wenn in einem Fall wie dem vorliegenden ein Nachweis  der Eignung für den Rebbau mittels erzeugten Traubengutes zugelassen  würde. Zudem darf ein Bewirtschafter, welcher (jedenfalls teilweise) ohne  die erforderliche Bewilligung Reben pflanzte, nicht bessergestellt werden  als ein solcher, welcher sich an die Vorschriften gehalten und vorgängig  die erforderliche Bewilligung eingeholt hat.  7.  Zusammenfassend ergibt  sich,  dass  das unterinstanzliche Verfahren  an  erheblichen,  nicht  heilbaren  Verfahrensmängeln  leidet.  Dispositiv­Ziff.  1  Satz 2 der Verfügung der Vorinstanz vom 2. Dezember 2010 ist deshalb  in  Gutheissung  der  dagegen  gerichteten  Beschwerde  aufzuheben.  Die  Sache ist zum neuen Entscheid an die Erstinstanz zurückzuweisen, damit  diese unter Beizug neuer Experten einen neuen Augenschein durchführe  und  nach  ergänzenden  Sachverhaltsabklärungen  erneut  entscheide  (so  genannte  Sprungrückweisung,  vgl.  PHILIPPE  WEISSENBERGER  in:  Waldmann/Weissenberger  [Hrsg.],  Praxiskommentar  VwVG,  Zürich/Basel/Genf 2009, Art. 61 N. 21).  8. 8.1 Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  gilt  der  Beschwerdeführer  als  obsiegende Partei, weshalb ihm keine Kosten aufzuerlegen sind (Art. 63  Abs.  1  VwVG;  vgl.  auch  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Basel  2008, Rz. 4.43, S. 207). Der von  ihm geleistete Kostenvorschuss  in der  Höhe von Fr. 700.− ist  ihm zurückzuerstatten. Vorinstanzen haben keine  Verfahrenskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 2 VwVG).  Der  Beschwerdeführer  wurde  im  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht durch einen Anwalt vertreten. Daher ist ihm für  die dabei erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten  eine  Parteientschädigung  zuzusprechen  (Art.  64  Abs.  1  VwVG,  Art.  7  Abs.  1  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Die  Entschädigung  ist  in  Anwendung  von  Art.  9  f.  VGKE  sowie  aufgrund  der  Akten  und  nach  gerichtlichem  Ermessen  zu 

B­8822/2010 bestimmen,  da  der  Beschwerdeführer  für  seine  anwaltliche  Vertretung  keine  Kostennote  eingereicht  hat  (Art.  14  Abs.  2  VGKE).  Unter  Berücksichtigung  der  gegebenen  Umstände  erscheint  es  angemessen,  dem  Beschwerdeführer  gemäss  Art.  64  Abs.  2  VwVG  zulasten  der  Vorinstanz  eine  Parteientschädigung  von  Fr. 1'500.−  (inkl. MWST)  zuzusprechen.  8.2  Im  Falle  einer  Sprungrückweisung  kann  es  erforderlich  sein,  im  Rückweisungsentscheid  eine  Neuregelung  der  Nebenfolgen  des  vorinstanzlichen  Verfahrens  zu  treffen  (vgl.  ALFRED  KÖLZ/JÜRG  BOSSHART/MARTIN RÖHL, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz  des  Kantons  Zürich,  2. Aufl.,  Zürich  1999,  §  13  N.  28;  MERKLI/AESCHLIMANN/HERZOG,  a.a.O.,  N.  2  und 5  zu  Art.  108  VRPG,  S. 752–754).  Im  vorliegenden  Fall  hat  bereits  die  Vorinstanz  von  einer  Auferlegung  der  Verfahrenskosten  Umgang  genommen.  Was  die  Parteientschädigung  betrifft,  ist  dem  im  Wesentlichen  obsiegenden,  indessen  im  vorinstanzlichen  Verfahren  nicht  durch  einen  Anwalt  vertretenen  Beschwerdeführer  praxisgemäss  keine  Parteientschädigung  auszurichten  (vgl.  Art. 104 Abs.  2 VRPG; MERKLI/AESCHLIMANN/HERZOG,  a.a.O., N. 12 zu Art. 104 VRPG, S. 731, mit Hinweisen).

B­8822/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen.  Dispositiv­Ziff.  1  Satz  2  der  Verfügung der Vorinstanz vom 2. Dezember 2010 wird aufgehoben. Die  Sache  wird  zum  neuen  Entscheid  im  Sinn  der  Erwägungen  an  die  Erstinstanz zurückgewiesen.   2. Es  werden  keine  Verfahrenskosten  erhoben.  Der  geleistete  Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 700.− wird dem Beschwerdeführer  nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückerstattet. 3. Die  Vorinstanz  wird  verpflichtet,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung in Höhe von Fr. 1'500.− (inkl. MWST) zu bezahlen.  4. Dieses Urteil geht an: – den  Beschwerdeführer  (Gerichtsurkunde;  Beilage:  Rückerstattungsformular) – die Vorinstanz (Ref­Nr. (…); Gerichtsurkunde) – die Erstinstanz (Gerichtsurkunde) – das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement (Gerichtsurkunde) – das Bundesamt für Landwirtschaft (Gerichtsurkunde) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Frank Seethaler Beat König

B­8822/2010 Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: 2. Februar 2012

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