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Bundesverwaltungsgericht 21.07.2011 B-6665/2010

21. Juli 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,350 Wörter·~17 min·1

Zusammenfassung

Widerspruchssachen | Widerspruchsverfahren Nr. 10666 - CH-Marke Nr. 545 552 "HOME BOX OFFICE" - CH-Marke Nr. 587 370 "Box Office"

Volltext

Urteil   v om   2 1 .   Juli   2011 Besetzung Richterin Maria Amgwerd (Vorsitz), Richter Bernard Maitre, Richter Hans Urech,    Gerichtsschreiberin Kathrin Bigler Schoch. Parteien Schweizerische Radio­ und Fernsehgesellschaft (SRG),  Zweigniederlassung, Schweizer Fernsehen,  Fernsehstrasse 1 ­ 4, 8052 Zürich,  vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Rudolf Mayr von  Baldegg, Töpferstrasse 5, 6004 Luzern, Beschwerdeführerin,  gegen Home Box Office Int., 1100 Avenue of the Americas,  US­10036 New York,  vertreten durch E. Blum & Co. AG Patentanwälte und  Markenanwälte VSP, Vorderberg 11, 8044 Zürich, Beschwerdegegnerin,  Eidgenössisches Institut für Geistiges Eigentum IGE,  Stauffacherstrasse 65, 3003 Bern,   Vorinstanz.  Gegenstand Widerspruchsverfahren Nr. 10666 ­ CH­Marke Nr. 545 552  "HOME BOX OFFICE" ­ CH­Marke Nr. 587 370 "Box Office". Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung II B­6665/2010

B­6665/2010 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdegegnerin  ist  Inhaberin  der  Schweizerischen Wortmarke  Nr.  545552  "HOME  BOX  OFFICE"  (Widerspruchsmarke),  welche  am  15. Dezember  2005  im  Schweizerischen  Markenregister  hinterlegt  worden war. Sie wird für folgende Dienstleistungen beansprucht: Klasse  38:  Ausstrahlung  von  Fernsehprogrammen,  drahtlose  Telekommunikation,  Ausstrahlung  von  Live­Produktionen,  nämlich  Echtzeitübertragung von Audio­ und Videoinhalten (streaming). Klasse 41: Produktion von Audio­ und Videoinhalten (streaming). Gestützt  auf  diese  Marke  erhob  die  Beschwerdegegnerin  am  10.  September  2009  beim  Eidgenössischen  Institut  für  Geistiges  Eigentum  (Vorinstanz)  vollumfänglich  Widerspruch  gegen  die  am  3.  März  2009  hinterlegte  und  am  10.  Juni  2009  veröffentlichte  Schweizerische  Wortmarke  Nr.  587370  "Box  Office"  (angefochtene  Marke),  welche  für  folgende Dienstleistungen beansprucht wird: Klasse  38:  Telekommunikation  und  Dienstleistungen  im  Bereich  der  Telekommunikation;  Dienstleistungen  im  Zusammenhang  mit  der  Ausstrahlung von Radio­ und Fernsehsendungen; elektronische Übermittlung  von  Informationen;  Internetdienstleistungen,  nämlich  Verschaffen  von  Zugang  auf  eine  Datenbank  zum  Einspeisen  und  Herunterladen  von  Informationen  mittels  elektronischer  Medien;  Verschaffen  des  Zugriffs  auf  globale  Computernetzwerke  (Internet),  Datenbanken  und  Websites  zum  Zweck  des  Verschaffens  elektronischer  Abstimmungsmöglichkeiten  im  Internet  (elektronisches  Votieren);  Verschaffen  von  Zugang  zu  globalen  Computernetzwerken (Internet) und Datenbanken. Klasse  41:  Erziehung;  Ausbildung;  Unterhaltung;  sportliche  und  kulturelle  Aktivitäten;  Produktion  von  Fernseh­  und  Radiosendungen  sowie  Internetinhalte in Form von Daten, Informationen, Filmen, Musikclips, Musik,  Radio­  und  Fernsehsendungen,  Text­,  Audio­,  Video­  und  Multimediainhalten;  Redaktion  von  Fernseh­  und  Radiosendungen  sowie  Internetinhalte in Form von Daten, Informationen, Filmen, Musikclips, Musik,  Radio­  und  Fernsehsendungen,  Text­,  Audio­  und  Multimediainhalten;  Publikation  von  Begleitmaterial  zu  Fernseh­  und  Radiosendungen;  Verschaffen  des  Zugriffs  auf  interaktive  Informationen  und  Bild­  oder  Ton­ Bildmaterial  aus  Computerdatenbanken  und  dem  Internet  im  Bereich  der  Erziehung,  Ausbildung,  Unterhaltung  sowie  sportlicher  und  kultureller  Aktivitäten. Klasse 42: Erstellen von Internetseiten; Programmieren von Internetseiten.

B­6665/2010 Mit Eingabe vom 21. Dezember 2009 beantragte die Beschwerdeführerin  die  Abweisung  des  Widerspruchs.  Sie  machte  einerseits  den  Nichtgebrauch  der  Widerspruchsmarke  geltend,  andererseits  verneinte  sie das Vorliegen einer Verwechslungsgefahr.  Hinsichtlich  des  geltend  gemachten  Nichtgebrauchs  der  Widerspruchsmarke  teilte  die  Vorinstanz  der  Beschwerdeführerin  mit  Schreiben  vom  23.  Dezember  2009  mit,  die  Karenzfrist  sei  noch  nicht  abgelaufen.  Aus  diesem  Grunde  müsse  der  Gebrauch  der  Widerspruchsmarke vorliegend nicht geprüft werden, und es werde kein  zweiter Schriftenwechsel durchgeführt. Mit  Verfügung  vom  16.  August  2010  hiess  die  Vorinstanz  den  Widerspruch  hinsichtlich  sämtlicher  von  der  angefochtenen  Marke  beanspruchten  Dienstleistungen,  mit  Ausnahme  von  "sportliche  Aktivitäten"  (Klasse  41),  gut  (vgl.  Dispositiv­Ziffer  1),  widerrief  die  angefochtene Marke in diesem Umfang (Dispositiv­Ziffer 2); weitergehend  wies sie den Widerspruch ab (Dispositiv­Ziffer 3). Zur Begründung führte  sie aus, zwischen den Dienstleistungen der Widerspruchsmarke und den  angefochtenen  Dienstleistungen  "sportliche  Aktivitäten"  (Klasse  41)  bestehe  keine  Gleichartigkeit.  Insoweit  sei  der  Widerspruch  bereits  wegen  fehlender  Gleichartigkeit  abzuweisen.  Im  Übrigen  würden  die  Vergleichszeichen  für  gleiche  bzw.  gleichartige  Dienstleistungen  beansprucht.  Im  vorliegenden  Fall  genüge  bereits  die  identische  Übernahme  der  beiden  Zeichenbestandteile  "BOX  OFFICE",  um  eine  Verwechslungsgefahr  zu  bewirken.  Bei  der  angefochtenen  Marke  entstehe durch die Weglassung des ersten Begriffes "HOME" keineswegs  ein zur Widerspruchsmarke unterschiedlicher Gesamteindruck, zumal die  beanspruchten  Dienstleistungen  identisch  bzw.  stark  gleichartig  seien.  Der Widerspruch sei  folglich gutzuheissen und die Schweizer Marke Nr.  587370  "Box  Office"  im  Umfang  der  Dienstleistungsgleichartigkeit  zu  widerrufen. B.  Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin am 15. September  2010  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht.  Sie  beantragt,  die  angefochtene Verfügung sei vorbehältlich Ziffer 3 aufzuheben. Zunächst  rügte  sie,  die  Vorinstanz  habe  es  versäumt,  den  von  ihr  im  Widerspruchsverfahren  geltend  gemachten  Nichtgebrauch  der  Widerspruchsmarke  in  der  Schweiz  zu  prüfen.  Zudem  bestritt  sie,  dass  Gleichartigkeit  zwischen  den  sich  gegenüber  stehenden  Dienstleistungsinhalten  bestehe.  Schliesslich  erklärte  sie,  beim 

B­6665/2010 angefochtenen Zeichen  fehle das erste Wort, weswegen der Sinngehalt  unterschiedlich  sei.  Nachdem  dieser  Teil  der  Wortmarke  prägenden  Charakter  aufweise,  bestehe  eine  rechtsgenügliche Unterscheidung  der  neuen Marke  gegenüber  der  früher  eingetragenen. Das Vorliegen  einer  Verwechslungsgefahr  sei  zu  verneinen.  Schliesslich  handle  es  sich  bei  der Widerspruchsmarke um eine Defensivmarke. C.  Mit  Beschwerdeantwort  vom  19.  November  2010  beantragt  die  Beschwerdegegnerin,  die Beschwerde sei abzuweisen. Zur Begründung  führte sie aus, es bestehe eine ausgeprägte Zeichenähnlichkeit zwischen  der Widerspruchsmarke und der angefochtenen Marke, während sich die  gegenüberstehenden  Dienstleistungen  teils  identisch  und  im  Übrigen  ausgeprägt  gleichartig  seien.  Entsprechend  resultiere  sowohl  eine  unmittelbare als auch eine mittelbare Verwechslungsgefahr. D.  Die  Vorinstanz  liess  sich  mit  Eingabe  vom  19.  November  2010  vernehmen.  Sie  beantragt,  die  Beschwerde  sei  abzuweisen  und  wies  unter  anderem  darauf  hin,  dass  sie  die  Beschwerdeführerin  bereits  mit  Schreiben  vom  23.  Dezember  2009  über  die  noch  nicht  abgelaufene  Karenzfrist aufmerksam gemacht habe.  E.  Die  Parteien  haben  stillschweigend  auf  die  Durchführung  einer  öffentlichen Verhandlung verzichtet. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  Das Bundesverwaltungsgericht  ist gemäss Art. 31, 32 und 33 Bst. d des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17.  Juni  2005  (VGG, SR 173.32)  zur  Beurteilung  von  Beschwerden  gegen  Entscheide  der  Vorinstanz  in  Widerspruchssachen  zuständig.  Die  Beschwerdeführerin  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  und  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt.  Sie  hat  zudem  ein  als  schutzwürdig  anzuerkennendes  Interesse  an  deren  Aufhebung  und  Änderung, weshalb sie zur Beschwerde legitimiert ist (Art. 48 Abs. 1 des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]). Eingabefrist und ­form sind  gewahrt  (Art.  50  Abs.  1  und  Art.  52  Abs.  1  VwVG),  der  verlangte 

B­6665/2010 Kostenvorschuss wurde fristgemäss geleistet (Art. 63 Abs. 4 VwVG), und  die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen liegen vor (Art. 44 ff. VwVG). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten. 2.  Zunächst rügt die Beschwerdeführerin, die Vorinstanz habe es versäumt,  den von ihr im Widerspruchsverfahren geltend gemachten Nichtgebrauch  der Widerspruchsmarke in der Schweiz zu prüfen. Diesbezüglich verweist  die Vorinstanz auf ihr Schreiben vom 23. Dezember 2009. Darin erklärte  sie  der  Beschwerdeführerin,  dass  in  casu  die  Karenzfrist  noch  nicht  abgelaufen  sei.  Aus  diesem  Grunde  müsse  der  Gebrauch  der  Widerspruchsmarke vorliegend nicht geprüft werden, und es werde kein  zweiter Schriftenwechsel durchgeführt.  2.1. Hat der  Inhaber die Marke  im Zusammenhang mit den Waren oder  Dienstleistungen,  für  die  sie  beansprucht  wird,  während  eines  ununterbrochenen  Zeitraums  von  fünf  Jahren  nach  unbenütztem Ablauf  der Widerspruchsfrist oder nach Abschluss des Widerspruchsverfahrens  nicht gebraucht, so kann er sein Markenrecht nicht mehr geltend machen,  ausser  wenn  wichtige Gründe  für  den  Nichtgebrauch  vorliegen  (Art.  12  Abs.  1  des  Markenschutzgesetzes  vom  28.  August  1992  [MSchG,  SR  232.11]). 2.2. Die Widerspruchsmarke wurde am 17. Mai 2006 im Schweizerischen  Handelsamtsblatt  [SHAB]  publiziert.  Demnach  lief  die Widerspruchsfrist  bis  zum  17.  August  2006  (Art.  31  Abs.  2  MSchG  i.V.m.  Art.  2  der  Markenschutzverordnung  vom  23.  Dezember  1992  [MSchV,  SR  232.111]),  und  die  Karenzfrist  von  da  an  fünf  Jahre,  d.h.  bis  zum  17.  August 2011. Da die Karenzfrist  somit  noch nicht abgelaufen  ist,  ist  die  Vorinstanz zu Recht nicht auf das Argument der Beschwerdeführerin, die  Widerspruchsmarke  sei  nicht  gebraucht  worden,  eingegangen.  Aus  diesem Grund ist entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin auch  unerheblich,  in  welcher  Form  und  für  welche  Dienstleistungen  die  Widerspruchsmarke bis anhin effektiv gebraucht worden ist. 3.  Die  Beschwerdeführerin  macht  im  Weiteren  geltend,  bei  der  Widerspruchsmarke  handle  es  sich  um  eine  Defensivmarke.  Auf  diese  Rüge  ist  indessen  nicht  weiter  einzugehen,  da  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  die  Widerspruchsgründe  auf  die  relativen  Ausschlussgründe  gemäss  Art.  3  Abs.  1  MSchG  beschränkt  sind.  Die 

B­6665/2010 Frage,  ob  die  Widerspruchsmarke  eine  Defensivmarke  darstellt,  bildet  demnach nicht Gegenstand des Widerspruchsverfahrens (vgl. Urteile des  Bundesverwaltungsgerichts  [BVGer]  B­4151/2009  vom  7.  Dezember  2009  E.  3.2  –  Golay  /  Golay  Spierer  [fig.],  und  B­6767/2007  vom  16.  Dezember 2009 E. 6 f. – La City / T­City). 4.  Vom  Markenschutz  ausgeschlossen  sind  Zeichen,  die  einer  älteren  Marke  ähnlich  und  für  gleiche  oder  gleichartige  Waren  oder  Dienstleistungen  bestimmt  sind,  so  dass  sich  daraus  eine  Verwechslungsgefahr ergibt (Art. 3 Abs. 1 Bst. c MSchG). 4.1.  Ob  zwei  Marken  sich  hinreichend  deutlich  unterscheiden  oder  im  Gegenteil  verwechselbar  sind,  ist  nicht  auf  Grund  eines  abstrakten  Zeichenvergleichs,  sondern  stets  vor  dem  Hintergrund  der  gesamten  Umstände  zu  beurteilen.  Der  Massstab,  der  an  die  Unterscheidbarkeit  anzulegen ist, hängt einerseits vom Umfang des Ähnlichkeitsbereichs ab,  dessen Schutz  der  Inhaber  der  älteren Marke  beanspruchen  kann,  und  anderseits  von  den  Waren  und  Dienstleistungen,  für  welche  die  sich  gegenüberstehenden  Marken  hinterlegt  sind  (BGE  122  III  382  E.  1 –  Kamillosan). 4.2. Je näher  sich  die Waren und Dienstleistungen  sind,  für welche die  Marken  registriert  sind,  desto  grösser  wird  das  Risiko  von  Verwechslungen und desto stärker muss sich das  jüngere Zeichen vom  älteren abheben, um die Verwechslungsgefahr zu bannen. Ein besonders  strenger  Massstab  ist  anzulegen,  wenn  beide  Marken  für  weitgehend  identische Waren  oder  Dienstleistungen  bestimmt  sind.  Im Weiteren  ist  von Bedeutung,  an welche Abnehmerkreise  sich  die Waren  richten  und  unter  welchen  Umständen  sie  gehandelt  zu  werden  pflegen.  Bei  Massenartikeln des täglichen Bedarfs, wie beispielsweise Lebensmitteln,  ist  mit  einer  geringeren  Aufmerksamkeit  und  einem  geringeren  Unterscheidungsvermögen  der  Konsumenten  zu  rechnen  als  bei  Spezialprodukten,  deren  Absatzmarkt  auf  einen  mehr  oder  weniger  geschlossenen Kreis von Berufsleuten beschränkt bleibt (BGE 126 III 315  E. 6b/bb  –  Apiella,  BGE  122  III  382  E.  3a  –  Kamillosan;  Urteil  des  Bundesgerichts [BGer] 4C.258/2004 vom 6. Oktober 2004 E. 2.3 – Yello). 5.  In  einem  ersten  Schritt  ist  zu  überprüfen,  ob  die  beanspruchten  Dienstleistungen  der  sich  gegenüberstehenden  Marken  aus  Sicht  der  Abnehmerkreise gleichartig sind. http://links.weblaw.ch/BVGer-B-6767/2007

B­6665/2010 5.1. Gleichartigkeit  liegt vor, wenn die angesprochenen Abnehmerkreise  auf  den Gedanken  kommen  können,  die  unter  Verwendung  identischer  oder  ähnlicher  Marken  angepriesenen  Waren  und  Dienstleistungen  würden angesichts  ihrer üblichen Herstellungs­ und Vertriebsstätten aus  ein und demselben Unternehmen stammen oder doch wenigstens unter  der  Kontrolle  des  gemeinsamen  Markeninhabers  von  verbundenen  Unternehmen  hergestellt  werden  (Urteil  des  BVGer  B­4159/2009  vom  25. November 2009 E. 3.1 – EFE [fig.] / EVE, mit Verweis u.a. auf: LUCAS  DAVID,  Kommentar  zum  Markenschutzgesetz,  in:  Heinrich  Honsell  /  Nedim  Peter  Vogt  /  Lucas  David,  Kommentar  zum  Schweizerischen  Privatrecht, Markenschutzgesetz / Muster­ und Modellgesetz, Basel 1999,  Art. 3 N. 35).  5.2. Dienstleistungen sind dann gleichartig, wenn sie im weitesten Sinne  verstanden dem gleichen Markt zuzurechnen sind. Im Vordergrund steht  die  Frage  nach  einer  einheitlichen  Organisationsverantwortung,  respektive  ob  der  Abnehmer  die  beiden  Dienstleistungen  als  sinnvolles  Leistungspaket  wahrnimmt  (EUGEN  MARBACH,  Markenrecht,  in:  Roland  von Büren  /  Lucas David  [Hrsg.], Schweizerisches  Immaterialgüter­  und  Wettbewerbsrecht, Bd. III/1, Basel 2009 [hiernach: MARBACH, SIWR III/1],  N.  851  f.;  vgl.  auch CHRISTOPH WILLI, Markenschutzgesetz,  Kommentar  zum  schweizerischen  Markenrecht  unter  Berücksichtigung  des  europäischen  und  internationalen Markenrechts,  Zürich  2002,  Art.  3,  N.  35; GALLUS JOLLER, in: Michael Noth / Gregor Bühler / Florent Thouvenin,  Markenschutzgesetz,  Bern  2009,  Art.  3,  N.  290).  Die  Zuordnung  zum  selben  Markeninhaber  hängt  namentlich  von  der  Art  und  dem  Verwendungszweck der strittigen Dienstleistungen ab (WILLI, a.a.O., Art.  3, N 35; JOLLER, a.a.O., Art. 3, N. 280 ff.; Urteil des BVGer B­7514/2006  vom 31. Juli 2007 E. 4 – Quadrat [fig.] / Quadrat [fig.]). Die Klasseneinteilung kann ein Indiz sein, präjudiziert aber entgegen der  Ansicht der Beschwerdeführerin die Beurteilung der Gleichartigkeit nicht.  Hinzu  kommt,  dass  die  Indizwirkung  der  Zugehörigkeit  zweier  Dienstleistungen zu derselben Klasse zumindest schwächer  ist, als dies  bei den Waren(­klassen) der Fall ist (Urteil des BVGer B­7698/2008 vom  4. Dezember 2009 E. 4.5.1 – Etavis / Estavis, mit Verweis auf: MARBACH,  SIWR  III/1,  N.  799  f.,  und  KASPAR  LANDOLT,  Die  Dienstleistungsmarke,  Bern 1993, S. 90). 6.  Die Widerspruchsmarke ist für folgende Dienstleistungen eingetragen:

B­6665/2010 Klasse  38:  Ausstrahlung  von  Fernsehprogrammen,  drahtlose  Telekommunikation,  Ausstrahlung  von  Live­Produktionen,  nämlich  Echtzeitübertragung von Audio­ und Videoinhalten (streaming). Klasse 41: Produktion von Audio­ und Videoinhalten (streaming). Die angefochtene Marke wird für folgende Dienstleistungen beansprucht: Klasse  38:  Telekommunikation  und  Dienstleistungen  im  Bereich  der  Telekommunikation;  Dienstleistungen  im  Zusammenhang  mit  der  Ausstrahlung von Radio­ und Fernsehsendungen; elektronische Übermittlung  von  Informationen;  Internetdienstleistungen,  nämlich  Verschaffen  von  Zugang  auf  eine  Datenbank  zum  Einspeisen  und  Herunterladen  von  Informationen  mittels  elektronischer  Medien;  Verschaffen  des  Zugriffs  auf  globale  Computernetzwerke  (Internet),  Datenbanken  und  Websites  zum  Zweck  des  Verschaffens  elektronischer  Abstimmungsmöglichkeiten  im  Internet  (elektronisches  Votieren);  Verschaffen  von  Zugang  zu  globalen  Computernetzwerken (Internet) und Datenbanken. Klasse  41:  Erziehung;  Ausbildung;  Unterhaltung;  sportliche  und  kulturelle  Aktivitäten;  Produktion  von  Fernseh­  und  Radiosendungen  sowie  Internetinhalte in Form von Daten, Informationen, Filmen, Musikclips, Musik,  Radio­  und  Fernsehsendungen,  Text­,  Audio­,  Video­  und  Multimediainhalten;  Redaktion  von  Fernseh­  und  Radiosendungen  sowie  Internetinhalte in Form von Daten, Informationen, Filmen, Musikclips, Musik,  Radio­  und  Fernsehsendungen,  Text­,  Audio­  und  Multimediainhalten;  Publikation  von  Begleitmaterial  zu  Fernseh­  und  Radiosendungen;  Verschaffen  des  Zugriffs  auf  interaktive  Informationen  und  Bild­  oder  Ton­ Bildmaterial  aus  Computerdatenbanken  und  dem  Internet  im  Bereich  der  Erziehung,  Ausbildung,  Unterhaltung  sowie  sportlicher  und  kultureller  Aktivitäten. Klasse 42: Erstellen von Internetseiten; Programmieren von Internetseiten. Die  massgeblichen  Verkehrskreise  werden  bezüglich  dieser  Dienstleistungen  aus  dem  breiten  Publikum,  aber  auch  aus  Fachleuten  gebildet.  7.  Die  Dienstleistungen  der  Widerspruchsmarke  und  der  angefochtenen  Marke  wurden  im  angefochtenen  Entscheid  als  gleich  respektive  als  gleichartig  qualifiziert,  mit  Ausnahme  der  Dienstleistung  "sportliche  Aktivitäten"  (Klasse  41)  der  angefochtenen  Marke.  Bezüglich  dieses  Punktes wird der vorinstanzliche Entscheid denn auch nicht angefochten. 7.1.  Die  Vorinstanz  erachtete  die  von  der  angefochtenen  Marke  beanspruchten  Dienstleistungen  "Telekommunikation  und 

B­6665/2010 Dienstleistungen im Bereich der Telekommunikation" (Klasse 38) und die  von  der  Widerspruchsmarke  beanspruchte  "drahtlose  Telekommunikation" (Klasse 38) als identisch, was von den Parteien nicht  bestritten  wird.  Zumindest  eine  hochgradige  Gleichartigkeit  dürfte  auch  nach Ansicht des Bundesverwaltungsgerichts zu bejahen sein. 7.2. Die  Vorinstanz  vertrat  zudem  die  Ansicht,  die  "Dienstleistungen  im  Zusammenhang  mit  der  Ausstrahlung  von  Radio­  und  Fernsehsendungen"  (Klasse  38)  der  angefochtenen Marke  seien  gleich  zu den ebenfalls in Klasse 38 registrierten Dienstleistungen "Ausstrahlung  von  Fernsehprogrammen,  Ausstrahlung  von  Live­Produktionen,  nämlich  Echtzeitübertragung  von  Audio­  und  Videoinhalten  (streaming)"  der  Widerspruchsmarke. 7.2.1.  Die  Beschwerdeführerin  bestreitet  bezüglich  dieser  Dienstleistungen  das  Bestehen  einer  Gleichartigkeit.  Zur  Begründung  weist  sie  darauf  hin,  dass  die  Beschwerdegegnerin  in  Bezug  auf  die  in  den  Klassen  38  und  41  beanspruchten  Dienstleistungen  einzig  die  Ausstrahlung  der  umschriebenen  Dienstleistungen  in  Form  des  "Streaming"  habe  registrieren  lassen.  Streaming­Media  sei  ein  Oberbegriff für Streaming von Audio und Video, insbesondere im Internet  und  bezeichne  aus  einem  Rechnernetz  empfangene  und  gleichzeitig  wiedergegebene  Audio­  und  Videodaten.  Der  Vorgang  der  Datenübertragung  selbst  nenne  man  Streaming,  und  "gestreamte"  Programme  würden  als  Live­Stream  bezeichnet.  Beim  Live­Stream  handle  es  sich  nicht  um  Rundfunk.  Denn  während  beim  Rundfunk  ein  Sender  von  einer  Vielzahl  von  Empfängern  empfangen  werden  könne,  werde Streaming  für  jeden Benutzer gesondert  auf dessen Anforderung  hin  als  Punkt­zu­Punkt­Verbindung  zwischen  dem  Medienserver  des  Senders und dem Rechner des Benutzers realisiert, was dem Gedanken  des Rundfunks widerspreche.  Die Beschwerdegegnerin hält dagegen, beim "Streaming" handle es sich  um  die  Echtzeitübertragung  von  Inhalten,  mithin  lediglich  um  einen  bestimmten  Übertragungsmodus  bzw.  ein  bestimmtes  technisches  Format der Übertragung. Das Wesen der eingetragenen Dienstleistungen  der  Widerspruchsmarke  werde  durch  die  Beschränkung  auf  dieses  Format in keiner Art und Weise beeinflusst. Unabhängig vom technischen  Format  dieser  Telekommunikations­,  Übermittlungs­  und  Ausstrahlungsdienstleistungen  handle  es  sich  um  identische  bzw.  hochgradig gleichartige Dienstleistungen.

B­6665/2010 7.2.2.  Mit  der  Streaming­Technologie  lassen  sich  Radio­  und  Fernsehsendungen  über  das  Internet  übertragen,  und  zwar  ausschliesslich oder parallel zur Ausstrahlung im Radio oder Fernsehen.  Die  Zuführung  der  Inhalte  erfolgt  an  viele  Teilnehmer  gleichzeitig  und  ohne  Zeitverlust,  weswegen  die  Teilnehmer  –  anders  als  im  Falle  des  Podcasting  –  an  die  Programmzeiten  des  Senders  gebunden  sind  (vgl.  ECKHARD RATJEN, Vermarktung und Verletzung  von Verwertungsrechten  an aufgezeichneten Sportveranstaltungen, Göttingen 2010, S. 57; TOBIAS  BAUMGARTNER,  Technische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen der  Privatvervielfältigung  im  digitalen  Umfeld,  Zürich  2006,  S.  14;  DIETER  MEIER,  Fernsehen:  Neue  Verbreitungsformen  und  ihre  rechtliche  Einordnung,  in:  Zeitschrift  für  Immaterialgüter­,  Informations­  und  Wettbewerbsrecht [sic!] 2007, S. 557 ff., S. 558; TAGES­ANZEIGER vom 8.  September  2010  S.  4  [Schweizer  Fernsehen  soll  neuen  Polit­Kanal  im  Internet erhalten]). Auf  Grund  der  vorangehenden  Ausführungen  kann  der  Beschwerdegegnerin  zugestimmt  werden,  dass  es  sich  bei  Streaming  lediglich um einen bestimmten Übertragungsmodus bzw. ein bestimmtes  technisches  Format  der  Übertragung  von  Radio­  oder  Fernsehprogrammen  handelt.  Die  von  der  Widerspruchsmarke  beanspruchten Dienstleistungen "Ausstrahlung von Fernsehprogrammen,  Ausstrahlung  von  Live­Produktionen,  nämlich  Echtzeitübertragung  von  Audio­  und  Videoinhalten  (streaming)"  und  die  von  der  angefochtenen  Marke  beanspruchten  "Dienstleistungen  im  Zusammenhang  mit  der  Ausstrahlung  von  Radio­  und  Fernsehsendungen"  stellen  ein  wirtschaftlich sinnvolles Leistungspaket dar, weswegen die Gleichartigkeit  zu bejahen ist. 7.3.  Die  angefochtene  Marke  wird  zudem  von  den  Dienstleistungen  "elektronische  Übermittlung  von  Informationen;  Internetdienstleistungen,  nämlich  Verschaffen  von  Zugang  auf  eine  Datenbank  zum  Einspeisen  und  Herunterladen  von  Informationen  mittels  elektronischer  Medien;  Verschaffen  des  Zugriffs  auf  globale  Computernetzwerke  (Internet),  Datenbanken und Websites zum Zweck des Verschaffens elektronischer  Abstimmungsmöglichkeiten  im  Internet  (elektronisches  Votieren);  Verschaffen von Zugang zu globalen Computernetzwerken (Internet) und  Datenbanken"  (Klasse  38)  beansprucht.  Diese Dienstleistungen werden  von  der  Vorinstanz  als  gleichartig  zu  den  Telekommunikationsdienstleistungen  der  Widerspruchsmarke  beurteilt,  da sich die genannten Dienstleistungen oftmals überschneiden könnten.  Der  Abnehmer  ordne  derartige  Dienstleistungen  ohne  Weiteres  auch 

B­6665/2010 einem  Programmhersteller  zu,  so  dass  sich  daraus  eine  Gleichartigkeit  der  betreffenden  Dienstleistungen  ergebe.  Gleiches  gelte  für  die  in  der  Klasse 41 angefochtenen Dienstleistungen "Verschaffen des Zugriffs auf  interaktive  Informationen  und  Bild­  oder  Ton­Bildmaterial  aus  Computerdatenbanken  und  dem  Internet  im  Bereich  der  Erziehung,  Ausbildung,  Unterhaltung  sowie  sportlicher  und  kultureller  Aktivitäten"  sowie  für  das  "Erstellen  von  Internetseiten;  Programmieren  von  Internetseiten"  in  der  Klasse  42.  Auch  diese  seien  aus  denselben  Gründen  zu  den  Telekommunikationsdienstleistungen  Audio­  und  TV­ Ausstrahlungen  (Klasse  38)  der  Widerspruchsmarke  als  gleichartig  zu  beurteilen.  Bei  all  den  genannten  Dienstleistungen  handle  es  sich  um  solche, welche es zumindest einer Person ermögliche, mit einer anderen  durch ein sinngemäss wahrnehmbares Mittel in Verbindung zu treten. Auf  den  jeweiligen  Inhalt  (in  casu  Erziehung,  Ausbildung,  Unterhaltung,  sportliche und kulturelle Aktivitäten) komme es diesbezüglich nicht an, da  bei  diesen  Dienstleistungen  die  technische  Tätigkeit  im  Vordergrund  stehe. 7.3.1.  Telekommunikation  (Klasse  38)  umfasst  nach  den  erläuternden  Anmerkungen  zur  Klassifikation  von  Nizza  im  Wesentlichen  Dienstleistungen,  die  es  zumindest  einer  Person  ermöglichen, mit  einer  anderen durch ein sinnesmässig wahrnehmbares Mittel in Verbindung zu  treten. Solche Dienstleistungen umfassen diejenigen, (1) welche es einer  Person gestatten, mit einer anderen zu sprechen, (2) welche Botschaften  von einer Person an eine andere übermitteln, und (3) welche akustische  oder visuelle Übermittlungen von einer Person an eine andere gestatten  (Rundfunk  und  Fernsehen;  vgl.  die  erläuternden  Anmerkungen  zur  Klassifikation von Nizza, Klasse 38, 9. Auflage). Zur Telekommunikation  gehören  somit  kurz  gefasst  die  Sprachkommunikation  (z.B.  Telefonie),  die Textkommunikation, die Bildkommunikation, die Datenkommunikation  (z.B.  über  das  Internet),  Rundfunk  und  Fernsehen  (DER  BROCKHAUS,  Computer  und  Informationstechnologie,  Mannheim  2003,  S.  887;  FRIDHELM BERGMANN  / HANS­JOACHIM GERHARDT  / WOLFGANG FROHBERG  [Hrsg.],  Taschenbuch  der  Telekommunikation,  Leipzig  2003,  S.  20;  vgl.  auch Urteil  des BVGer  B­2844/2009  vom 28. Mai  2010 E.  3.2  – SAP  /  ;asap [fig.]).  7.3.2.  Die  Datenkommunikation  über  das  Internet  stellt  nicht  nur  eine  Form von Telekommunikation  dar, wie oben ausgeführt wurde,  sondern  auf  Grund  der  neueren  technischen  Entwicklung  (Stichwort WLAN,  vgl.  www.teltarif.ch/wlan) auch eine Form von drahtloser Telekommunikation,  wie sie von der Widerspruchsmarke beansprucht wird. Auf Grund dieser 

B­6665/2010 engen Verknüpfung zwischen  Internet und sonstiger Telekommunikation  (vgl. Urteil  des BVGer B­2844/2009 vom 28. Mai 2010 E. 3.22 – SAP  /  ;asap [fig.]) liegt aus Sicht der betroffenen Abnehmerkreise und entgegen  der  Ansicht  der  Beschwerdeführerin  eine  Gleichartigkeit  zwischen  den  von  der  angefochtenen  Marke  beanspruchten  Internetdienstleistungen  der  Klasse  38  ("elektronische  Übermittlung  von  Informationen;  Internetdienstleistungen,  nämlich  Verschaffen  von  Zugang  auf  eine  Datenbank zum Einspeisen und Herunterladen von Informationen mittels  elektronischer  Medien;  Verschaffen  des  Zugriffs  auf  globale  Computernetzwerke  (Internet),  Datenbanken  und  Websites  zum  Zweck  des  Verschaffens  elektronischer  Abstimmungsmöglichkeiten  im  Internet  (elektronisches  Votieren);  Verschaffen  von  Zugang  zu  globalen  Computernetzwerken  (Internet)  und  Datenbanken")  und  der  von  der  Widerspruchsmarke  beanspruchten  Dienstleistung  "drahtlose  Telekommunikation"  (Klasse  38)  vor  (vgl.  auch  Entscheid  der  Rekurskommission für geistiges Eigentum [RKGE] in sic! 2004 S. 229 E.  8 – TNT / TNT). 7.3.3.  Definitionsgemäss  handelt  es  sich  bei  Telekommunikationsdienstleistungen  um  reine Übertragungs­  respektive  Übermittlungsdienstleistungen. Bei diesen ist kein direkter Bezug zu den  Dienstleistungen der angefochtenen Marke "Erstellen von  Internetseiten;  Programmieren von Internetseiten" in der Klasse 42 ersichtlich, denn bei  diesen  Programmierungs­Dienstleistungen  geht  es  nicht  direkt  darum,  Daten zu übertragen respektive Botschaften zu übermitteln, wie dies die  von  der  Widerspruchsmarke  beanspruchten  Telekommunikationsdienstleistungen  (Klasse  38)  tun.  Auf  Grund  dieser  zum  Teil  weit  gefassten  Dienstleistungen  (insbesondere  "drahtlose  Telekommunikation")  lassen sich nicht alle  konkret bezeichneten Waren  und Dienstleistungen sperren, die (entfernt) etwas mit Telekommunikation  zu tun haben oder haben könnten (vgl. RKGE in sic! 2004 S. 229 E. 8 –  TNT  /  TNT).  Eine Gleichartigkeit  ist  erst  bezüglich  der Dienstleistungen  "Verschaffen  des  Zugriffs  auf  interaktive  Informationen  und  Bild­  oder  Ton­Bildmaterial aus Computerdatenbanken und dem Internet im Bereich  der Erziehung, Ausbildung, Unterhaltung sowie sportlicher und kultureller  Aktivitäten" (Klasse 41) der angefochtenen Marke zu bejahen.  7.4.  Im Weiteren  qualifizierte  die Vorinstanz  die  "Produktion  von Audio­  und  Videoinhalten  (streaming)"  (Klasse  41)  der Widerspruchsmarke  als  identisch  zur  "Produktion  von  Fernseh­  und  Radiosendungen  sowie  Internetinhalte  in  Form  von  Daten,  Informationen,  Filmen,  Musikclips, 

B­6665/2010 Musik,  Radio­  und  Fernsehsendungen,  Text­,  Audio­,  Video­  und  Multimediainhalten" (Klasse 41) der angefochtenen Marke.  Die  Beschwerdeführerin  bemängelt  diesbezüglich,  die  Beschwerdegegnerin  habe  nur  das  Streaming  von  Audio­  und  Videoinhalten  sowie  Fernsehprogrammen  etc.  registrieren  lassen.  Hieraus  gehe  hervor,  dass  lediglich  die  Ausstrahlungsform  kennzeichnungsrechtlich geschützt werden solle. Der Umstand, dass die  Widerspruchsmarke  für  die  Produktion  von  "Streaminginhalten"  im  Bereich Audio und Video registriert worden sei, bedeute nichts anderes,  als dass die blosse Weiterverbreitung registriert sei. Die  Beschwerdegegnerin  hält  dagegen,  die  Widerspruchsmarke  sei  für  die Produktion von Audio­ und Videoinhalten in der Klasse 41 geschützt;  das  technische  Format  oder  Medium  der  angebotenen  Produktionsdienstleistungen  sei  für  die  Bejahung  der  Dienstleistungsidentität  respektive  –gleichartigkeit  gänzlich  unmassgeblich. 7.4.1. Nach den erläuternden Anmerkungen zur Klassifikation von Nizza  umfasst  die Klasse  41  im Wesentlichen Dienstleistungen  von Personen  oder Einrichtungen, die auf die Entwicklung der geistigen Fähigkeiten von  Menschen  oder  Tieren  gerichtet  sind,  sowie  Dienstleistungen,  die  der  Unterhaltung  dienen  oder  die  Aufmerksamkeit  in  Anspruch  nehmen  sollen.  Die  Klasse  41  beinhaltet  somit  keine  technischen  Dienstleistungen.  Insofern  kann  der  Beschwerdeführerin  nicht  gefolgt  werden,  dass  die  Widerspruchsmarke  nur  für  die  Ausstrahlungsform  respektive  deren  Weiterverbreitung  beansprucht  wird.  Vielmehr  ist  das  Dienstleistungsverzeichnis  in  Verbindung  mit  den  erläuternden  Anmerkungen zur Klassifikation von Nizza dahingehend zu interpretieren,  dass  das  Widerspruchszeichen  für  die  Produktion  von  Audio­  und  Videoinhalten,  welche  mittels  Streaming­Technologie  verbreitet  werden,  geschützt  ist.  Diese  Dienstleistung  ist,  wenn  nicht  identisch,  so  doch  hochgradig  gleichartig  zur  "Produktion  von  Fernseh­  und  Radiosendungen sowie Internetinhalte in Form von Daten, Informationen,  Filmen, Musikclips, Musik, Radio­ und Fernsehsendungen, Text­, Audio­,  Video­ und Multimediainhalten" (Klasse 41) der angefochtenen Marke. 7.5. Die Vorinstanz  hat  weiter  festgestellt,  die  "Redaktion  von  Fernseh­  und  Radiosendungen  sowie  Internetinhalte  in  Form  von  Daten,  Informationen, Filmen, Musikclips, Musik, Radio­ und Fernsehsendungen,  Text­, Audio­ und Multimediainhalten; Publikation von Begleitmaterial  zu 

B­6665/2010 Fernseh­  und  Radiosendungen"  der  angefochtenen  Marke  seien  gleichartig zur "Produktion von Audio­ und Videoinhalten (streaming)" der  Widerspruchsmarke, da zwischen Produktion, Redaktion und Publikation  der  genannten  Sendungen  keine  klaren  Grenzen  gezogen  werden  könnten,  und  diese  Dienstleistungen  oft  auch  von  denselben  Unternehmen angeboten würden. In der Tat finden die Produktion, Redaktion und Publikation von Fernseh­  und  Radiosendungen  häufig  unter  der  Verantwortung  eines  einzigen  Medienunternehmens  statt;  dieses  publiziert  auch  Begleitmaterial  wie  DVDs  oder  Merkblätter  zu  ausgestrahlten  Sendungen  (vgl.  etwa:  www.shop.sf.tv/; www.kassensturz.sf.tv [Merkblätter]). Deshalb dürfen die  angesprochenen  Verkehrskreise  von  einer  einheitlichen  Kontrolle  durch  einen  übereinstimmenden Markeninhaber  ausgehen. Die Vorinstanz  hat  daher die Gleichartigkeit zwischen den vorgenannten Dienstleistungen zu  Recht bejaht. 7.6.  In  der  angefochtenen Verfügung  führte  die Vorinstanz  im Weiteren  aus,  in  Bezug  auf  die  Dienstleistungen  "Erziehung;  Ausbildung;  Unterhaltung; kulturelle Aktivitäten" (Klasse 41) der angefochtenen Marke  ergäben  sich  zudem  vor  allem  inhaltliche  Überschneidungen  zur  "Produktion  von  Audio­  und  Videoinhalten  (streaming)"  der  Widerspruchsmarke,  was  ebenfalls  für  eine Gleichartigkeit  spreche.  Bei  den Audio­ und Videoinhalten könne es sich je nach Sendung bzw. Inhalt  um  Erziehung  und  Ausbildung,  um  Unterhaltung  oder  um  kulturelle  Aktivitäten  als  solche  handeln;  die  von  der  Widerspruchsmarke  geschützten  Publikationsdienstleistungen  könnten  auch  die  Produktion  von  Erziehungs­,  Ausbildungs­,  Unterhaltungs­  und  Kulturinhalten  (in  Form von Audio­ und Videoinhalten) umfassen. Die Beschwerdegegnerin  pflichtet  dieser  Argumentation  bei  und  betont,  dass  Erziehung,  Ausbildung,  Unterhaltung  und  kulturelle  Aktivitäten  die  geradezu  typischen  Inhalte  bzw.  Anwendungsbereiche  von  Audio­  und  Videoproduktionen seien. Würde  lediglich  auf  den  möglichen  Inhalt  von  Audio­  und  Videoproduktionen abgestellt, müssten alle Dienstleistungen, welche von  der Klasse 41 erfasst werden, als gleichartig zur "Produktion von Audio­  und  Videoinhalten"  angesehen  werden,  denn  solche  Produktionen  können  jedes erdenkliche Thema zum Inhalt haben. Konsequenterweise  hätte  dann  aber  die  Vorinstanz  die  von  der  angefochtenen  Marke  beanspruchten  "sportlichen  Aktivitäten"  ebenfalls  als  gleichartig  zur  Produktionsdienstleistung  des  Widerspruchszeichens  qualifizieren 

B­6665/2010 müssen,  was  sie  indessen  nicht  getan  hat.  Der  von  der  Vorinstanz  in  Bezug  auf  die  "Produktion  von  Audio­  und  Videoinhalten  (streaming)"  gezogene  Gleichartigkeitsbereich  geht  daher  nach  Ansicht  des  Bundesverwaltungsgerichts  zu  weit.  Erziehung  und  Ausbildung  sind  primär eine Domäne von Schulen jeder Bildungsstufe, Kindertagesstätten  und  Kindergärten.  Diese  produzieren  in  der  Regel  keine  Audio­  und  Videoinhalte.  Das  angesprochene  Publikum  wird  daher  die  Dienstleistungen  "Produktion  von Audio­  und Videoinhalten  (streaming)"  und  "Erziehung,  Ausbildung"  nicht  dem  gleichen  Markeninhaber  zuordnen.  Unterhaltung  und  kulturelle  Aktivitäten  sind  dagegen  Dienstleistungen, welche nicht nur, aber auch von solchen Unternehmen  angeboten  werden,  welche  Audio­  und  Videoinhalte  produzieren,  denn  Unterhaltung  respektive  kulturelle  Aktivitäten,  welche  ebenfalls  regelmässig zur Unterhaltung des Publikums beitragen dürften, gehören  typischerweise  zum  Kerngeschäft  von  solchen  Unternehmen.  Diesbezüglich ist eine Gleichartigkeit zu bejahen. 8.  Die Markenähnlichkeit beurteilt  sich nach dem Gesamteindruck, den die  Marken  in  der  Erinnerung  der  angesprochenen  Verkehrskreise  hinterlassen (BGE 121 III 377 E. 2a – Boss / Boks; MARBACH, SIWR III/1,  N. 864). Bei  reinen  Wortmarken  ist  der  Wortklang,  das  Schriftbild,  und  gegebenenfalls der Sinngehalt massgebend (BGE 127 III 160 E. 2b/cc –  Securitas; BGE 121 III 377 E. 2b – Boss / Boks). Dabei genügt es für die  Annahme  der  Ähnlichkeit,  wenn  diese  in  Bezug  auf  nur  eines  dieser  Kriterien  bejaht  wird  (MARBACH,  SIWR  III/1,  N. 875;  RKGE  in  sic!  2006  S. 761  E.  4  –  McDONALD'S  /  McLake).  Der  Wortklang  wird  im  Wesentlichen  durch  die  Silbenzahl,  die  Aussprachekadenz  und  die  Aufeinanderfolge  der  Vokale  bestimmt,  das  Erscheinungsbild  durch  die  Wortlänge und die optische Wirkung der Buchstaben (BGE 122 III 382 E.  5a – Kamillosan; BGE 119 II 473 E. 2c – Radion; RKGE in sic! 2002 S.  101 E. 6 – Mikron [fig.] / Mikromat [fig.]). 8.1. Die Widerspruchsmarke  besteht  aus  der  3  Elemente  umfassenden  Wortreihenfolge "HOME BOX OFFICE", die angefochtene Marke aus der  2  Elemente  umfassenden  Wortreihenfolge  "Box  Office".  Der  Umstand,  dass  die  Widerspruchsmarke  in  Grossbuchstaben  gehalten  ist,  die  angefochtene Marke dagegen in Gross­ und Kleinbuchstaben, bleibt nicht  nachhaltig  im  Gedächtnis  haften  und  vermag  deshalb  den  Gesamteindruck  nicht  zu prägen  (vgl. RKGE  in  sic!  2001 S.  813 E.  4 – 

B­6665/2010 Viva  /  CoopViva  [fig.]).  Die  unterschiedliche  Schreibweise  der  beiden  Marken  kann  somit  entgegen  der  Auffassung  der  Beschwerdeführerin  nicht als zusätzliches Unterscheidungsmerkmal berücksichtigt werden. Die angefochtene Marke  ist komplett  im Widerspruchszeichen enthalten,  stimmen die Vergleichszeichen doch  in der Wortreihenfolge "Box Office"  überein.  Diesbezüglich  ist  eine  Zeichenidentität  in  klanglicher  und  schriftbildlicher  Hinsicht  zu  bejahen.  Die  Widerspruchsmarke  enthält  zusätzlich das (englische) Wort "Home" als Anfangselement, welches als  einsilbiges Wort, nämlich "Houm", ausgesprochen wird.  8.2. Was den Sinngehalt der zu vergleichenden Marken betrifft,  führt die  Vorinstanz  aus,  die  englischen  Begriffe  "Home  Box  Office"  würden  mit  "Heim  Kiste  Büro"  ins  Deutsche  übersetzt;  der  Ausdruck  "Box  Office"  habe  zudem  die  Bedeutung  von  "Abendkasse,  Theaterkasse".  Indem  beim  angefochtenen  Zeichen  das  erste  Wort  fehle,  verfügten  die  Vergleichszeichen  zwar  über  einen  Unterschied  beim  Sinngehalt.  In  Anbetracht  der  festgestellten  Ähnlichkeit  der  Vergleichszeichen  bestünden  jedoch auf der semantischen Ebene keine  rechtsgenüglichen  Unterschiede,  welche  die  Ähnlichkeit  der  sich  gegenüberstehenden  Zeichen zu kompensieren vermöchten. Nach  Auffassung  der  Beschwerdeführerin  versteht  das  massgebende  Publikum  im  Zusammenhang  mit  den  von  der  Beschwerdegegnerin  angebotenen  Pay­TV­Dienstleistungen  unter  dem  Begriff  "Home  Box  Office" nichts anderes als den Decoder, also die sogenannte Set­up­Box  zur  Entschlüsselung  von  Pay­TV­Programmen  für  das  Heimkino.  Demgegenüber  bedeute  das  einzutragende  Zeichen  "Box  Office"  im  Wesentlichen  "Billettschalter  am Eingang  des Kinos";  zudem werde  der  Begriff  für Einnahmen verwendet, die ein Kinofilm während der Spielzeit  in  Kinos  erwirtschafte.  Bezüglich  der  Bekanntheit  des  Begriffs  "Box  Office"  beim  massgeblichen  Publikum  vertritt  die  Beschwerdeführerin  widersprüchliche  Ansichten,  worauf  die  Beschwerdegegnerin  zu  Recht  hinweist:  Auf  Seite  14  der  Beschwerdeschrift  meint  die  Beschwerdeführerin  in  Übereinstimmung  mit  der  Beschwerdegegnerin,  dieser  Begriff  dürfte  dem  massgebenden  Publikum  wohl  nicht  (mehr)  bekannt sein. Auf Seite 17 der Beschwerdeschrift geht sie dagegen von  dessen Bekanntheit aus. Die Beschwerdegegnerin stellt  in Abrede, dass die Abnehmer die Marke  "Home  Box  Office"  als  Hinweis  auf  eine  "Set­up­Box"  (recte:  "Set­Top­ Box")  zur  Entschlüsselung  von  Pay­TV­Programmen  für  das  Heimkino 

B­6665/2010 verstünden.  Dies  vermag  denn  die  Beschwerdeführerin  auch  nicht  zu  belegen. Mit der Vorinstanz ist dafür zu halten, dass die englischen Wörter "home",  "box" und "office" zum englischen Grundwortschatz der angesprochenen  Verkehrskreise  gehören.  Sie  werden  im  Sinne  von  "Heim",  "Kiste"  und  "Büro"  verstanden  (vgl.  LANGENSCHEIDTS  e­Handwörterbuch  Englisch­ Deutsch  5.0).  "Box  office  "  stellt  zudem  –  im Gegensatz  zu  "home  box  office  "  –  ein  Ausdruck  der  englischen  Sprache  dar.  Er  bedeutet  "(Theater­) Kasse" respektive "Einspielergebnis" (vgl. LANGENSCHEIDTS e­ Handwörterbuch  Englisch­Deutsch  5.0),  was  indessen  nur  einer  Minderheit des angesprochenen Publikums vertraut sein dürfte, wie auch  die  Beschwerdegegnerin  und  teilweise  auch  die  Beschwerdeführerin  geltend  machen.  Da  dem  angefochtenen  Zeichen  das  erste  Element  "home"  fehlt,  darf  von  einem  unterschiedlichen  Sinngehalt  der  Vergleichszeichen  ausgegangen  werden.  Der  Sinngehalt  ist  indessen  nicht  derart  ausgeprägt  verschieden,  dass  dadurch  die  vorangehend  festgestellte  klangliche  und  visuelle  Ähnlichkeit  kompensiert  werden  könnte (vgl. etwa: Urteil des BVGer B­142/2009 vom 6. Mai 2009 E. 5.4 –  Pulcino / Dolcino). 8.3.  Als  Zwischenergebnis  ist  festzuhalten,  dass  sich  die  Widerspruchsmarke und die angefochtene Marke trotz unterschiedlichem  Sinngehalt ähnlich sind. 9.  Es  ist  nun  ich  einem  wertenden  Gesamtblick  zu  entscheiden,  ob  eine  Verwechslungsgefahr besteht. 9.1. Der Schutzumfang der Widerspruchsmarke bestimmt sich nach ihrer  Kennzeichnungskraft.  Für  schwache  Marken  ist  der  geschützte  Ähnlichkeitsbereich  kleiner  als  für  starke.  Bei  schwachen  Marken  genügen  daher  schon  bescheidenere  Abweichungen,  um  eine  hinreichende  Unterscheidungskraft  zu  schaffen.  Als  schwach  gelten  insbesondere  Marken,  deren  wesentliche  Bestandteile  sich  eng  an  Sachbegriffe  des  allgemeinen  Sprachgebrauchs  anlehnen.  Stark  sind  demgegenüber  Marken,  die  entweder  auf  Grund  ihres  fantasiehaften  Gehalts  auffallen  oder  aber  sich  im  Verkehr  durchgesetzt  haben  (BGE  122  III  382  E.  2a  –  Kamillosan,  mit  Hinweisen;  Urteil  des  BGer  4C.258/2004 vom 6. Oktober 2004 E. 2.2 – Yello).

B­6665/2010 Die Beschwerdeführerin macht geltend, der Begriff "Home Box Office" sei  für  die  angebotenen  Dienstleistungen  und  die  registrierten  Klassen  durchaus beschreibender Natur, was die Vorinstanz  faktisch anerkenne.  Gestützt  auf  welche  Überlegungen  die  Beschwerdeführerin  zu  diesem  Schluss  gelangt,  bringt  sie  nicht  vor,  was  die  Beschwerdegegnerin  zu  Recht bemängelt. Fest steht, dass die Vorinstanz der Widerspruchsmarke  im Zusammenhang mit den beanspruchten Dienstleistungen der Klassen  38  und  41  kein  direkt  beschreibender  Sinngehalt  entnommen,  und  ihr  mindestens  durchschnittliche  Kennzeichnungskraft  zugeschrieben  hat.  Dies  trifft  auch nach Ansicht  des Bundesverwaltungsgerichts  zu: Weder  die  ganze  Wortreihenfolge  "Home  Box  Office"  noch  die  einzelnen  Elemente  beschreiben  aus  Sicht  der  angesprochenen  Öffentlichkeit  die  noch  strittigen  Dienstleistungen  der  Widerspruchsmarke.  Der  Umstand,  dass  das  zweite  und  dritte  Wort  der  Widerspruchsmarke  zusammen  einen Ausdruck der englischen Sprache darstellen ("Box Office"), der  im  Zusammenhang  mit  Fernsehprogrammen  als  anspielend  qualifiziert  werden  könnte  (vgl.  Ziff.  D.6  der  angefochtenen  Verfügung),  ist  im  vorliegenden  Fall  unbeachtlich,  da  der  Ausdruck  dem  angesprochenen  Publikum nicht bekannt sein dürfte (vgl. E. 8.2).  Somit  verfügt  die  Widerspruchsmarke  über  einen  normalen  Schutzumfang. 9.2.  Die  angefochtene  Marke  unterscheidet  sich  von  der  Widerspruchsmarke  dadurch,  dass  sie  das  Anfangselement  der  Widerspruchsmarke  "Home"  weglässt.  Nach  Ansicht  der  Beschwerdeführerin  prägt  dieser  Wortbestandteil  die  Widerspruchsmarke,  zumal  dieser  am  Anfang  stehe  und  sich  damit  in  Bezug  auf  Klang,  Schriftbild  und  Sinngehalt  von  der  angefochtenen  Marke  unterscheide.  Die  Beschwerdegegnerin  hält  dagegen,  die  Übereinstimmung  in  der  Wortsequenz  "Box  Office"  präge  den  sinngehaltlichen  Gesamteindruck  beider  Marken  ausschliesslich  und  werde nicht durch das zusätzliche Wort "Home" (Verweis auf die Nutzung  oder  Anwendung  zu  Hause)  in  der  Widerspruchsmarke  kompensiert.  Insbesondere  führe  der  Zusatz  "Home"  nicht  zu  einer  neuen  sinngehaltlichen  Einheit,  innerhalb  derselben  die  Wortsequenz  "Box  Office" nur noch als untergeordneter Teil erscheine. Übereinstimmungen  oder  Abweichungen  im  Wortanfang  haben  oft  besonderes Gewicht  (GALLUS JOLLER,  a.a.O., Art.  3, N. 150). Bei einem  zusätzlichen  Element  im Wortanfang  dürfte  diese  Regel  aber  nur  dann  zutreffen,  wenn  dieses  Element  prägender  Natur  ist.  Die 

B­6665/2010 Widerspruchsmarke  weist  als  erstes  Element  das  zusätzliche  Wort  "Home"  auf.  Dieses  Element  kann  im  Zusammenhang  mit  den  beanspruchten Dienstleistungen  als  Anspielung  auf  eine Dienstleistung,  welche  zu  Hause  in  Empfang  genommen  oder  konsumiert  wird,  und  insofern  als  Anspielung  auf  eine  "Heimvariante"  der  beanspruchten  Dienstleistungen verstanden werden. So gesehen  ist  "Home" zwar nicht  direkt  beschreibend,  aber  entsprechend  auch  kein  den Gesamteindruck  prägender Bestandteil der Widerspruchsmarke. Dafür spricht auch, dass  "Home"  ein  lediglich  einsilbiges  Wort  darstellt.  Die  Widerspruchsmarke  unterscheidet  sich  folglich  nicht  in  einem  prägenden  Element  von  der  angefochtenen  Marke,  stimmt  jedoch  mit  der  angegriffenen  Marke  im  kennzeichnungskräftigen,  weil  dem  Publikum  nicht  bekannten  Element  "Box Office" überein (vgl. E. 9.1), was für die Verwechselbarkeit spricht. Hinzu  kommt,  dass  sich  die  Vergleichszeichen  reimen,  weshalb  sie  infolge des ähnlichen Wortklanges grundsätzlich als verwechselbar gelten  (vgl. LUCAS DAVID, a.a.O., Art. 3, N. 22). 9.3.  Auf  Grund  des  Gesagten  sind  somit  Fehlzurechnungen  nicht  auszuschliessen, weshalb eine Verwechslungsgefahr im Sinne von Art. 3  Abs.  1  Bst.  c  MSchG  in  Bezug  auf  die  identischen  respektive  gleichartigen Dienstleistungen zu bejahen ist. 10.  Die  Beschwerde  ist  somit  nur  teilweise  gutzuheissen  und  der  angefochtenen Marke "Box Office" für die nicht als gleichartig beurteilten  Dienstleistungen  "Erstellen  von  Internetseiten;  Programmieren  von  Internetseiten"  (Klasse  42)  sowie  "Erziehung,  Ausbildung"  (Klasse  41)  Markenschutz  zu  gewähren.  Insoweit  ist  der  angefochtene  Entscheid  aufzuheben. Mit  Bezug  auf  die  übrigen  Dienstleistungen  ist  die  Beschwerde  abzuweisen und der vorinstanzliche Entscheid zu bestätigen. 11.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wird  die  Beschwerdeführerin  teilweise kosten­ und entschädigungspflichtig  (Art. 63 Abs. 1 VwVG und  Art. 64 Abs. 1 VwVG). 11.1.  Die  Gerichtsgebühr  ist  nach  Umfang  und  Schwierigkeit  der  Streitsache,  Art  der  Prozessführung  und  finanzieller  Lage  der  Parteien  festzulegen  (Art. 63 Abs. 4bis VwVG, Art. 2 Abs. 1 des Reglements vom 

B­6665/2010 21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Im  Beschwerdeverfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  ist  dafür  ein  Streitwert  zu  veranschlagen  (Art.  4  VGKE).  Im  Widerspruchsverfahren  besteht dieser Streitwert vor allem im Schaden der beschwerdeführenden  Partei im Fall einer Markenverletzung durch die angefochtene Marke. Es  würde  aber  zu  weit  führen  und  könnte  im  Verhältnis  zu  den  relativ  geringen Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens abschreckend wirken,  wenn  dafür  stets  konkrete  Aufwandsnachweise  im  Einzelfall  verlangt  würden. Mangels anderer streitwertrelevanter Angaben  ist der Streitwert  darum  nach  Erfahrungswerten  auf  einen  Betrag  zwischen  Fr.  50'000.–  und Fr. 100'000.–  festzulegen  (BGE 133  III  490 E. 3.3 – Turbinenfuss).  Von  diesem  Erfahrungswert  ist  auch  im  vorliegenden  Verfahren  auszugehen.  Es  sprechen  keine  konkreten  Anhaltspunkte  für  einen  höheren oder niedrigeren Wert der strittigen Marke. Nach dem Gesagten  rechtfertigt  es  sich,  die  Verfahrenskosten  auf  Fr.  4'000.–  festzulegen,  wobei  die  Beschwerdeführerin  davon  drei  Viertel  (Fr.  3'000.–)  und  die  Beschwerdegegnerin einen Viertel (Fr. 1'000.–) zu tragen hat. 11.2. Die Parteientschädigung  ist  nach Art.  14 Abs.  2 VGKE auf Grund  der  eingereichten  Kostennote  festzusetzen.  Angesichts  des  Umstands,  dass  die  Beschwerdeführerin  etwa  zu  einem  Viertel  und  die  Beschwerdegegnerin zu drei Vierteln obsiegt, hat die Beschwerdeführerin  der  Beschwerdegegnerin  eine  entsprechend  ermässigte  Parteientschädigung  zu  zahlen.  Im  vorliegenden  Fall  erscheint,  ausgehend  von  einer  Kostennote  von  Fr.  5'890.­,  eine  Parteientschädigung  von  Fr.  3'000.–  (exkl.  MWSt)  für  das  Beschwerdeverfahren als angemessen. 11.3. Da der vorinstanzliche Entscheid teilweise aufzuheben ist, sind die  diesbezüglichen  Kosten  neu  zu  verteilen.  Die  Beschwerdeführerin  hat  drei  Viertel  der  von  der  Beschwerdegegnerin  geleisteten  und  von  der  Vorinstanz  zurückbehaltenen  Widerspruchsgebühr  (Fr.  800.–)  zu  bezahlen  (Fr.  600.–).  Zusätzlich  ist  der  Beschwerdegegnerin  für  das  erstinstanzliche  Verfahren  zu  Lasten  der  Beschwerdeführerin  eine  reduzierte Parteientschädigung von Fr. 500.– (exkl. MWSt), basierend auf  der ursprünglich von der Vorinstanz für einen einfachen Schriftenwechsel  auferlegten Parteientschädigung von Fr. 1'000.–, zuzusprechen. 12.  Gegen dieses Urteil steht keine Beschwerde an das Bundesgericht offen 

B­6665/2010 (Art.  73  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]). Es ist daher rechtskräftig.

B­6665/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  1.1.  Die  Beschwerde  wird  teilweise  gutgeheissen.  Ziffer  1  und  2  der  Verfügung der Vorinstanz vom 16. August 2010 betreffend CH­Marke Nr.  545'552  "HOME  BOX  OFFICE"  /  CH­Marke  Nr.  587'370  "Box  Office"  werden  insoweit aufgehoben, als der Widerspruch hinsichtlich  "Erstellen  von Internetseiten; Programmieren von Internetseiten" (Klasse 42) sowie  "Erziehung, Ausbildung" (Klasse 41) gutgeheissen wurde. Die Vorinstanz wird angewiesen, der CH­Marke Nr. 587'370 "Box Office"  zusätzlich  für  die  Dienstleistungen  "Erstellen  von  Internetseiten;  Programmieren  von  Internetseiten"  (Klasse  42)  sowie  "Erziehung,  Ausbildung" (Klasse 41) den Markenschutz für zu gewähren.  Soweit weitergehend wird die Beschwerde abgewiesen. 1.2.  Ziffer  5  der  Verfügung  der  Vorinstanz  vom  16.  August  2010  wird  aufgehoben. Die  Beschwerdeführerin  hat  der  Beschwerdegegnerin  die  Kosten  des  erstinstanzlichen  Widerspruchsverfahrens  in  der  Höhe  von  Fr.  600.−  sowie  eine  Parteientschädigung  für  das  erstinstanzliche  Verfahren  von  insgesamt Fr. 500.− (exkl. MWSt) zu bezahlen. 2.  Die Verfahrenskosten von Fr. 4'000.− werden der Beschwerdeführerin im  Umfang  von  Fr.  3'000.−  auferlegt  und  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von  Fr.  4'000.−  verrechnet.  Der  Beschwerdeführerin  sind  daher  Fr.  1'000.−  aus  der  Gerichtskasse  zurückzuerstatten.  Der  verbleibende  Verfahrenskostenanteil  von  Fr.  1'000.−  wird  der  Beschwerdegegnerin  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Eröffnung dieses Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen 3.  Die  Beschwerdeführerin  hat  die  Beschwerdegegnerin  für  das  Beschwerdeverfahren  mit  insgesamt  Fr.  3'000.−  (exkl.  MWSt)  zu  entschädigen. 4.  Dieses Urteil geht an:

B­6665/2010 – die  Beschwerdeführerin  (Einschreiben;  Beilage:  Rückerstattungsformular; Beschwerdebeilagen zurück) – die Beschwerdegegnerin  (Einschreiben;  Beilage:  Einzahlungsschein;  Akten zurück) – die  Vorinstanz  (Ref­Nr. WV  10666;  Einschreiben;  Beilage:  Vorakten  zurück) Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Maria Amgwerd Kathrin Bigler Schoch Versand: 21. Juli 2011

B-6665/2010 — Bundesverwaltungsgericht 21.07.2011 B-6665/2010 — Swissrulings