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Bundesverwaltungsgericht 19.10.2011 B-5190/2011

19. Oktober 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·471 Wörter·~2 min·1

Zusammenfassung

Öffentliches Beschaffungswesen | Projekt Palettenbewirtschaftung (SIMAP Nr. 535247)

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung II B­5190/2011 Urteil   v om   1 9 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richter Marc Steiner (Vorsitz), Richterin Vera Marantelli, Richter Claude Morvant, Gerichtsschreiberin Laura Melusine Baudenbacher. Parteien A._____,    vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Armin Durrer,  Dorfplatz 6, Postfach 335, 6371 Stans, Beschwerdeführerin,  Gegen Eidgenössisches Departement für Verteidigung,  Bevölkerungsschutz und Sport VBS, armasuisse,  3003 Bern,    Vergabestelle.  Gegenstand Beschaffungswesen – Projekt Palettenbewirtschaftung (SIMAP Nr. 535247).

B­5190/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 16. September 2011 beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  gegen  den  am  1.  September  2011  auf  der  Plattform  simap.ch  unter  der  Mitteilungsnummer  535247  publizierten  Zuschlag  (Projekttitel:  Palettenbewirtschaftung)  vom  10.  August 2011 an die B._____ erhoben hat, dass  die  Beschwerdeführerin  nebst  der  Aufhebung  des  angefochtenen  Zuschlags in der Hauptsache die Rückweisung des Beschaffungsprojekts  an die Vergabestelle verlangt, wobei der Zuschlag eventualiter direkt der  Beschwerdeführerin zu erteilen sei, dass die Zuschlagsempfängerin die ihr mit Verfügung vom 19. September  2011  eingeräumte  Frist  zur  freigestellten  Stellungnahme  unbenutzt  hat  verstreichen lassen, dass  sich  die  Vergabestelle  mit  Eingabe  vom  30.  September  2009  (Eingang  per  Fax  am  3.  Oktober  2011)  dem  Begehren  der  Beschwerdeführerin  betreffend  die  aufschiebende  Wirkung  nicht  widersetzt  hat, worauf  diese mit  Verfügung  vom 4. Oktober  2011  erteilt  worden ist, dass  die  Vergabestelle  mit  derselben  Eingabe  in  der  Hauptsache  beantragt,  dem Begehren  auf  Aufhebung  der  angefochtenen Verfügung  wie  auch  demjenigen  auf  Rückweisung  an  die  Vergabestelle  sei  zu  entsprechen,  wobei  eventualiter  der  Antrag  auf  direkte  Vergabe  durch  das Gericht abzuweisen sei, dass die Vergabestelle in diesem Zusammenhang festhält, sie habe den  relevanten Sachverhalt unrichtig festgestellt, dass  die  Vergabestelle  ausserdem  die  Verweigerung  der  Akteneinsicht  beantragt mit der Begründung, durch die Rückweisung würden die Akten  ein laufendes Verfahren nach dem vierten Abschnitt des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 1994 über das öffentliche Beschaffungswesen (BöB,  SR 172.056.1) betreffen, womit der Anspruch auf Akteneinsicht entfalle, dass  die  Beschwerdeführerin  mit  Eingabe  vom  11.  Oktober  2011  ausführt,  ohne  Akteneinsicht  sei  nicht  nachvollziehbar,  wie  die  Vergabestelle vorliegend den Sachverhalt falsch ermittelt habe, 

B­5190/2011 dass  demnach  übereinstimmende  Anträge  auf  Gutheissung  der  Beschwerde  vorliegen,  welchen  zu  entsprechen  ist,  womit  die  Eventualbegehren nicht zu beurteilen sind, dass  in Bezug auf die Akteneinsicht  festzuhalten  ist, dass das Vorliegen  übereinstimmender  Anträge  dazu  führt,  dass  eine  Verfügung  zum  Nachteil  des  Betroffenen  vor  Bundesverwaltungsgericht  in  der  Hauptsache ausser Betracht fällt, welche aber Voraussetzung ist, um den  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  auszulösen  (vgl.  im  Bezug  auf  das  Äusserungsrecht  Art.  30  Abs.  2  Bst.  c  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR  172.021]  und  zum Ganzen die Verfügung B­6177/2008  vom 30.  Januar  2009, E.  2.2), dass  in  diesem  Sinne  auch  ALBERTINI  festhält,  die  Akteneinsicht  sei  Vorbedingung für eine sachgemässe Stellungnahme "vor Erlass eines für  den  Verfahrensbeteiligten  nachteiligen  Verwaltungsaktes"  (MICHELE  ALBERTINI,  Der  verfassungsmässige  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  im  Verwaltungsverfahren des modernen Staates, Bern 2000, S. 225), dass die Verweigerung der Akteneinsicht zum jetzigen Zeitpunkt auch im  Ergebnis  richtig  erscheint, weil  erstens  im  laufenden Verfahren  gemäss  Art.  26  Abs.  2  BöB  grundsätzlich  keine  Einsicht  gewährt  wird  und  die  Beschwerdeführerin  –  bemerkenswerterweise  offenbar  entgegen  der  Rechtsauffassung  der  Vergabestelle  –  Anspruch  auf  Akteneinsicht  hat,  sobald  der  Zuschlag  im  zweiten  Umgang  nicht  an  sie  erteilt  wird  und  dieser  vor  Bundesverwaltungsgericht  angefochten  wird  (vgl.  dazu  namentlich  die  Zwischenverfügung  B­1172/2011  vom  6.  Mai  2011,  E.  2.5), dass  die  Beschwerdeführerin  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  im  Ergebnis  vollständig  obsiegt,  weshalb  ihr  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG), dass der Vergabestelle keine Verfahrenskosten auferlegt werden (Art. 63  Abs. 2 VwVG), dass der anwaltlich  vertretenen Beschwerdeführerin gestützt  auf Art.  64  Abs.  1 VwVG  i.V.m Art.  7 Abs. 1 des Reglements über die Kosten und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  vom  21.  Februar  2008 (VGKE, SR 173.320.2) eine Parteientschädigung zuzusprechen ist,

B­5190/2011 dass  vorliegend  eine  Kostennote  in  der  Höhe  von  Fr.  2'293.65  (inkl.  MWSt.)  eingereicht  worden  ist,  womit  die  Parteientschädigung  gestützt  auf Art. 14 Abs. 2 VGKE ohne weiteres antragsgemäss festzusetzen ist. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Das Akteneinsichtsbegehren der Beschwerdeführerin wird abgewiesen. 2.  Die Beschwerde wird gutgeheissen, der Zuschlag vom 10. August 2011  aufgehoben  und  die  Sache  zur  Neuerteilung  des  Zuschlags  an  die  Vergabestelle zurückgewiesen. 3.  Es  werden  keine  Verfahrenskosten  erhoben.  Der  geleistete  Kostenvorschuss  in  Höhe  von  Fr.  3'000.­  wird  der  Beschwerdeführerin  nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückerstattet. 4.  Der  Beschwerdeführerin  wird  zulasten  der  Vergabestelle  eine  Parteientschädigung von Fr. 2'293.65 (inkl. MWSt.) zugesprochen. 5.  Dieses Urteil geht an: – die  Beschwerdeführerin  (Rechtsvertreter;  Gerichtsurkunde;  Beilage:  Rückerstattungsformular) – die Vergabestelle (Ref­Nr. SIMAP 535247; Gerichtsurkunde) – die Zuschlagsempfängerin (B­Post) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen.

B­5190/2011 Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Marc Steiner Laura Melusine Baudenbacher Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  [BGG, SR 173.110]), soweit  sich  eine  Rechtsfrage  von  grundsätzlicher  Bedeutung  stellt.  Die  Rechtsschrift  hat  die  Begehren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in  Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand: 19. Oktober 2011

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