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Bundesverwaltungsgericht 16.03.2011 B-3126/2010

16. März 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,597 Wörter·~18 min·1

Zusammenfassung

Widerspruchssachen | Widerspruchsentscheid Nr. 9473, betreffend IR 446 944 - CC (fig.) / IR 938 741 - Organic Glam OG (fig.)

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung II B­3126/2010 Urteil   v om   1 6 .  Mä r z   2011 Besetzung Richter Francesco Brentani (Vorsitz), Richter Bernard Maitre, Richterin Maria Amgwerd,   Gerichtsschreiberin Miriam Sahlfeld. Parteien The Organic Pharmacy Ltd, 27 Thurloe Street,  GB­London SW7 2LQ United Kingdom,  vertreten durch Rechtsanwälte ZARDI & CO., S.A.,  Via G. B. Pioda 6, 6900 Lugano, Beschwerdeführerin,  gegen  Chanel, 135, avenue Charles de Gaulle,  FR­92200 Neuilly­sur­Seine,  vertreten durch A. W. Metz & Co. AG, Fürsprecher Hans­ Peter Rüfli, Postfach, 8024 Zürich, Beschwerdegegner,  Eidgenössisches Institut für Geistiges Eigentum IGE,  Stauffacherstrasse 65, 3003 Bern,  Vorinstanz.  Gegenstand Widerspruchsentscheid Nr. 9473, betreffend IR 446 944 –  CC (fig.) / IR 938 741 ­ Organic Glam OG (fig.).

B­3126/2010 Sachverhalt: A.  Die  internationale  Registrierung Nr.938'741  "Organic Glam"  (fig.)  wurde  am  15.  November  2007  in  der  "Gazette  OPMI  des  marques  internationales"  Nr.  41/2007  veröffentlicht.  Sie  geniesst  in  der  Schweiz  Schutz für folgende Waren: Klasse  3:  Produits  cosmétiques  et  de  maquillage,  contenant  tous  des  ingrédients naturels ou issus d'un mode production biologique. Die  ohne  Farbanspruch  angemeldete  Internationale  Registrierung  hat  folgendes Aussehen: B.  Die Chanel  S.A.S.  erhob  am  27.  Februar  2008 Widerspruch  gegen  die  Schutzausdehnung dieser Registrierung auf die Schweiz. Sie stützte sich  dabei auf ihre internationale Registrierung Nr. 446'944 "CC" (fig.), welche  für Waren der   Klasse 3: Préparations pour blanchir et autres substances pour  lessiver;  préparations  pour  nettoyer,  polir,  dégraisser  et  abraser,  produits  de  parfumerie,  de  beauté,  savonnerie,  fards,  huiles  essentielles,  cosmétiques, produits pour la chevelure, dentifrices. registriert ist und folgendes Aussehen hat: Zur Begründung machte die Widersprecherin geltend, die Marken würden  für  gleichartige Waren,  namentlich  kosmetische  Produkte  und  Make­up 

B­3126/2010 verwendet. An den Zeichenabstand seien aufgrund der Wechselwirkung  zwischen Warengleichartigkeit  und  Zeichenähnlichkeit  daher  besonders  hohe Anforderungen zu stellen. Das angefochtene Zeichen verbinde die  Buchstaben  O  und  G  so,  dass  sich  daraus  ebenso  eine  symmetrische  Schnittmenge ergebe wie bei den zwei  in einander geschobenen C. Die  Unterschiede  beschränkten  sich  darauf,  dass  beim  O  der  Kreis  nicht  unterbrochen  sei  wie  beim  gespiegelten C  der Widerspruchsmarke  und  man  dem  anderen  C  ein  "–"  hinzugefügt  habe,  so  dass  daraus  ein  G  werde. Der  verbale Zusatz  "Organic Glam" über dem  "Monogramm" sei  rein beschreibend, dränge sich beim Lesen nicht auf und vermöge daher  nicht,  die  entstandene  Zeichenähnlichkeit  zu  kompensieren.  Zu  berücksichtigen  sei  weiter  der  überragende  Schutzumfang  der  Widerspruchsmarke.  Insgesamt  sei  von  einer  unmittelbaren  Verwechslungsgefahr auszugehen. C.  Mit  Schreiben  vom  5.  August  2008  nahm  die  Widerspruchsgegnerin  Stellung.  Sie  erhob  die  Einrede  des  Nichtgebrauchs  der  Widerspruchsmarke und machte weiter geltend, es handle sich nicht um  gleichartige  Waren,  insbesondere  da  Kosmetika  aus  natürlichen  Inhaltsstoffen  und  biologischer  Herstellungsweise  einen  anderen  Konsumentenkreis  ansprächen  und  in  anderen  Geschäften  vertrieben  würden.  Die  Zeichen  unterschieden  sich  klanglich  und  hätten  auch  sinngehaltlich nichts gemein. In visueller Hinsicht sei zu berücksichtigen,  dass OG als  Initialen  für  "Organic Glam"  erkennbar  seien, während  die  beiden  "C"  eher  den  Eindruck  einer  geometrischen  Form  als  den  von  Initialen  vermittelten.  Die  Zeichen  seien  nicht  verwechselbar.  Des  Weiteren wies sie darauf hin, dass Akronyme Marken seien, welche es in  Kauf  nehmen  müssten,  mit  anderen  ähnlichen  Zeichen  den  Markt  zu  teilen. Sie legte eine Liste von eingetragenen Marken mit verschlungenen  Lettern bei.  D.  Nachdem  Vergleichsgespräche  zwischen  den  Parteien  nicht  zustande  gekommen  waren  [intern:  BG  erwähnt,  dass  Verhandlungen  im  Gange  seien  BF  bestreitet  dies,  Inhalt  unbekannt],  replizierte  die  Widersprecherin  innert  erstreckter  Frist mit  Schreiben  vom  4. Mai  2009  und  beantragte  erneut  eine  Sistierung  des  Verfahrens  zu  Vergleichszwecken.  Zum  Nachweis  des  Markengebrauchs  legte  die  Widersprecherin  fünf  Rechnungen  vor  für  die  fünf  Jahre  des  Referenzzeitraums sowie zwei Werbeseiten und verwies  im Übrigen auf 

B­3126/2010 die Berühmtheit der Marke. Da es sich um eine starke Marke handle, falle  der  geschützte  Ähnlichkeitsbereich  grösser  aus  und  erstrecke  sich  namentlich  auf  verschränkte  Buchstabendoppel,  da  der  Konsument  andernfalls  von  Serienmarken  desselben  Inhabers  ausgehe.  Das  Wortelement "Organic Glam" sei ohne Bedeutung.  E.  Mit Schreiben  vom 22. Mai  2009  lehnte  die Widerspruchsgegnerin  eine  Sistierung  zu  Vergleichsverhandlungen  ab  und  duplizierte  mit  Eingabe  vom 24. Juli 2009. Sie machte geltend, dass die Berühmtheit der Marke  gemäss  Art. 15  Markenschutzgesetz  im  Widerspruchsverfahren  keine  Rolle  spiele.  Sie  äusserte  die  Ansicht,  die  Widersprecherin  habe  den  rechtserhaltenden  Gebrauch  nicht  hinreichend  glaubhaft  gemacht.  Im  einzelnen wendete sie ein, die Widersprecherin habe den Zeitraum vom  1. Januar  bis  zum  4.  August  2008  unberücksichtigt  gelassen,  die  Rechnungen  nicht  durch Katalogseiten mit  den  verrechneten Produkten  substanziiert,  für  die  Jahre  2003  und  2004  seien  Rechnungen  für  CHANEL  CHANCE­Produkte  vorgelegt  worden,  welche  sich  von  "ƆC"  Produkten unterschieden. Sie wies darauf hin, dass, auch wenn von der  Rechtsprechung  keine  Umsatzzahlen  verlangt  würden,  so  müsse  der  Absatz aber doch im Verhältnis zu Nachfrage stehen. Schliesslich macht  sie geltend, dass der Rechnungsempfänger ein Unternehmen sei, das vor  allem  sogenannte  Duty­Free­Geschäfte  beliefere,  weswegen  von  einer  Bearbeitung  des  schweizerischen  Marktes  kaum  die  Rede  sein  könne.  Hinsichtlich  der  Zeichenähnlichkeit  verweist  sie  auf  die  bereits  dargelegten  Unterschiede.  Weiter  vertrat  sie  die  Ansicht,  bei  ihren  Produkten handle es  sich um Nischenprodukte, welche  sich  in Vertrieb,  Lagerung und Konsumentenkreis erheblich unterschieden. F.  Die Vorinstanz hiess den Widerspruch mit Verfügung vom 30. März 2010  gut.  Sie  liess  die  zur  Glaubhaftmachung  des  Markengebrauchs  eingereichten  Unterlagen  für  bestimmte  Waren  ausreichen.  Die  Darstellung  des Widerspruchszeichens  auf  diesen  Unterlagen  in  einem  Kreis sei nur als Ausschmückung zu verstehen und führe daher nicht zu  einem  abweichenden  Gebrauch.  Sie  bejahte  die  Gleichartigkeit  der  Waren. Die Festlegung  auf  bestimmte  Inhaltsstoffe  und  eine  besondere  Herstellungsweise  ändere  daran  nichts.  In  Bezug  auf  die  Zeichenähnlichkeit  stellte  die  Vorinstanz  fest,  dass  das  Bildelement  die  angefochtene  Marke  präge,  während  im  mündlichen  Verkehr  der  Wortbestandteil überwiege. Die  in klanglicher Hinsicht auszumachenden 

B­3126/2010 Unterschiede  und  Differenzen  im  Sinngehalt  sah  sie  als  durch  das  übereinstimmende  Bildelement  zweier  nach  aussen  geöffneter  Kreise  kompensiert  an  und  ging  im Weiteren  von  einer  Ähnlichkeit  der  beiden  Zeichen aus.  Im Rahmen der Prüfung der Verwechslungsgefahr wertete  sie  die  Widerspruchsmarke  als  institutsnotorisch  bekannte  Marke  mit  starker  Kennzeichnungskraft  und  einem  infolge  dessen  erweiterten  Schutzumfang. Das prägende Element der Widerspruchsmarke seien die  Rücken  an Rücken  stehenden C,  die  in  einander  verschoben  seien,  so  dass  eine  symmetrische  Schnittmenge  entstehe.  Diese  übernehme  die  angefochtene  Marke  mit  nur  geringfügigen,  ihrerseits  nicht  kennzeichnungskräftigen  Zusätzen  (schwarzes  Rechteck  und  beschreibendes  Wortelement),  weswegen  im  Ergebnis  die  Verwechslungsgefahr zu bejahen sei. G.  Die  Widerspruchsgegnerin  focht  den  Widerspruchsentscheid  mit  Beschwerde vom 29. April  2010 vor dem Bundesverwaltungsgericht  an.  Sie beantragt sinngemäss (Übersetzung): 1. Angesichts der Haltlosigkeit der Glaubhaftmachung des rechtsgenüglichen  Gebrauchs  der  Widerspruchsmarke  den  Entscheid  der  Vorinstanz  vom  30. März  2010  im  Verfahren  Nr.  9473  aufzuheben  und  den  Widerspruch  abzuweisen; 2.  Für  den  Fall,  dass  die  vorgenannte  Hypothese  verneint  und  der  Markengebrauch der Beschwerdegegnerin als rechtsgenüglich erachtet wird,  den  Entscheid  der  Vorinstanz  vom  30.  März  2010  im  Verfahren  Nr.  9473  aufgrund der fehlenden Verwechselbarkeit der Zeichen, aufzuheben und den  Widerspruch abzuweisen; 3. Die Vorinstanz anzuweisen, der internationalen Registrierung Nr. 938'741  "Organic Glam (fig.)" Schutz für die Schweiz zu gewähren. 4.  Unter  Kosten­  und  Entschädigungsfolge  zu  Lasten  der  Beschwerdegegnerin. Zur Begründung führt sie aus, die Berühmtheit einer Marke im Sinne von  Art.  15  Markenschutzgesetz  habe  keinerlei  Auswirkungen  im  Widerspruchsverfahren. Hinsichtlich des Markengebrauchs kommt sie auf  ihre  im  Widerspruchsverfahren  gemachten  Einwendungen  zurück.  Betreffend  die  Warengleichheit  vertritt  sie  die  Auffassung,  die  Waren  unterschieden  sich  in  Verwendung  und  Zweckbestimmung.  Sie  wendet  sich  des Weiteren  insbesondere  gegen  die  Feststellungen  des  Instituts 

B­3126/2010 die Zeichen seien ähnlich und die Verwechslungsgefahr werde durch den  infolge Berühmtheit erweiterten Schutzumfang begründet. H.  Mit  Beschwerdeantwort  vom  16.  August  2010  beantragt  die  Beschwerdegegnerin,  die  Beschwerde  abzuweisen.  Sie  bestreitet  die  Ausführungen der Beschwerdeführerin, wonach nur eine vergleichsweise  geringe Marktdurchdringung geltend gemacht worden sei. Angesichts der  Bekanntheit der Marke sei es unverhältnismässig von ihr zu verlangen, in  quantitativer Hinsicht Benutzungsbelege im Verhältnis zu ihren Umsätzen  vorzulegen.  Zur  Warengleichartigkeit  weist  sie  darauf  hin,  dass  es  vor  allem  auf  den  Verwendungszweck  ankomme,  der  bei  den  Waren  der  Markeninhaberinnen  in Gestalt  der  Körperpflege  identisch  sei.  Bezogen  auf  die  Zeichenähnlichkeit  übernimmt  die  Beschwerdegegnerin  die  Argumentation der Vorinstanz im Rahmen des Widerspruchsentscheids. I.  Die  Vorinstanz  verzichtete  mit  Schreiben  vom  7.  Juli  2010  auf  eine  Stellungnahme  und  beantragt  unter  Hinweis  auf  die  angefochtene  Verfügung,  die  Beschwerde  unter  Kostenfolge  zu  Lasten  der  Beschwerdeführerin abzuweisen. J.  Auf  die  weiteren  Vorbringen  der  Parteien  wird,  soweit  erforderlich,  im  Rahmen der Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  zur  Beurteilung  von  Beschwerden  gegen  Verfügungen  der  Vorinstanz  in Widerspruchsverfahren  zuständig  (Art. 31,  32,  und  33  Bst.  d  des  Bundesgesetzes  über  das  Bundesverwaltungsgericht  vom  17.  Juni  2005  [VGG,  SR  173.32]).  Die  Beschwerde  wurde  in  der  gesetzlichen  Frist  des  Art.  50  des  Bundesgesetzes  über  das  Verwaltungsverfahren  vom  20.  Dezember  1968 (Verwaltungsverfahrensgesetzes, VwVG; SR 172.021) erhoben und  der  verlangte  Kostenvorschuss  fristgerecht  geleistet.  Die  Beschwerdeführerin  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  durch  den  Entscheid  beschwert  (Art. 48  VwVG).  Auf  die  Beschwerde ist daher einzutreten.

B­3126/2010 2.  Nach Art. 3 Abs. 1 Bst. c des Bundesgesetzes vom 28. August 1992 über  den  Schutz  von  Marken  und  Herkunftsangaben  (Markenschutzgesetz  [MSchG], SR 232.11)  sind Zeichen vom Markenschutz ausgeschlossen,  die einer älteren Marke ähnlich und  für  gleiche oder gleichartige Waren  oder  Dienstleistungen  bestimmt  sind,  so  dass  sich  daraus  eine  Verwechslungsgefahr  ergibt.  Der  Inhaber  einer  älteren  Marke  kann  gestützt  auf Art.  3 Abs.  1 MSchG  innerhalb  von drei Monaten nach der  Veröffentlichung  der Eintragung Widerspruch  erheben  (Art.  31 MSchG).  Ist die Widerspruchsmarke in den fünf Jahren vor Widerspruchserhebung  nicht  rechtserhaltend  gebraucht  worden,  kann  der  Widerspruchsgegner  dies einredeweise geltend machen (Art. 32, Art. 12 Abs. 1 MSchG). 3.  Für  die  Beurteilung  der  Verwechslungsgefahr  ist  ausschlaggebend,  ob  aufgrund  der  Ähnlichkeit  Fehlzurechnungen  zu  befürchten  sind,  welche  das  besser  berechtigte  Zeichen  in  seiner  Individualisierungsfunktion  beeinträchtigen (BGE 127 III 160 E. 2a, S. 166 Securitas/Securicall). Von  einer  Verwechslungsgefahr  ist  nicht  nur  auszugehen,  wenn  die  angesprochenen  Verkehrskreise  zwei  Marken  nicht  auseinander  zu  halten  vermögen  (sogenannte  unmittelbare  Verwechslungsgefahr),  sondern  auch  dann,  wenn  sie  die  Zeichen  zwar  auseinander  halten  können,  aufgrund  der  Markenähnlichkeit  aber  unzutreffende  Zusammenhänge vermuten,  insbesondere an Serienmarken denken, die  verschiedene  Produktlinien  ein  und  desselben  Unternehmens  oder  verschiedener,  wirtschaftlich  miteinander  verbundener  Unternehmen  kennzeichnen (sogenannte mittelbare Verwechslungsgefahr; BGE 128 III  96 E. 2a ORFINA [fig.]/ORFINA). 3.1. Eine Verwechslungsgefahr im Sinne von Art. 3 Abs. 1 lit. c MSchG ist  dann anzunehmen, wenn das  jüngere Zeichen die  ältere Marke  in  ihrer  Unterscheidungsfunktion beeinträchtigt. Eine solche Beeinträchtigung  ist  gegeben,  sobald  zu  befürchten  ist,  dass  die  massgeblichen  Verkehrskreise  sich  durch  die  Ähnlichkeit  der  Marken  irreführen  lassen  und  Waren,  die  das  eine  oder  andere  Zeichen  tragen,  dem  falschen  Markeninhaber  zurechnen  (BGE  127  III  160  E.  2a  S.  165  f.  Securitas/Securicall,  BGE  122  II  382  E.  1  S.  384 Kamillosan/Kamillan,  Kamillon).  Bei  der  Beurteilung  der  Verwechslungsgefahr  ist  auf  die  Ähnlichkeit  der  Zeichen  im  Erinnerungsbild  des  Letztabnehmers  abzustellen  (BGE  121  III  378  E.  2a  BOSS/  BOKS;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  [BVGer]  B­7934/2007  vom  26. August  2009 

B­3126/2010 E.  2.1  Fructa/Fructaid;  B­3578/2007  vom  31. Oktober  2007  E.  2  Focus/Pure  Focus,  B­7492/2006  vom  12. Juli  2007  E. 3  Aromata/Aromathera).  Zwischen  der  Ähnlichkeit  der  Zeichen  und  dem  Mass  an  Gleichartigkeit  zwischen  den  geschützten  Waren  und  Dienstleistungen  besteht  eine  Wechselwirkung:  An  die  Verschiedenheit  der Zeichen sind umso höhere Anforderungen zu stellen, je ähnlicher die  Produkte  sind  und  umgekehrt  (LUCAS  DAVID,  in:  Kommentar  zum  schweizerischen  Privatrecht,  Markenschutzgesetz/Muster­  und  Modellgesetz, Basel 1999, MSchG Art. 3 N. 8). Die Beurteilung im Lichte  von Art. 3 Abs. 1 MSchG richtet sich dabei nach dem Registereintrag der  Marken  (Urteil  des  BVGer  B­5325/2007  vom  12. November  2007  E.  3  Adwista/ad­vista  mit  Hinweisen;  EUGEN  MARBACH,  in:  Roland  von  Büren/Lucas  David  [Hrsg.],  Schweizerisches  Immaterialgüter­  und  Wettbewerbsrecht, Bd. III/1, Markenrecht, 2. Aufl., Basel 2009, N. 705). 3.2.  Neben  dem  Aufmerksamkeitsgrad,  mit  dem  die  Abnehmer  Waren  oder Dienstleistungen nachfragen,  ist auch die Kennzeichnungskraft von  Bedeutung,  da  diese  den  Schutzumfang  einer  Marke  massgeblich  beeinflusst (BGE 122 III 382 E. 2a, S. 385 Kamillosan/Kamillan, Kamillon;  Urteil des BVGer B­4151/2009 vom 7. Dezember 2009 E. 7 Golay/Golay  Spierer  [fig.];  GALLUS  JOLLER,  in:  Michael  Noth/Gregor  Bühler/Florent  Thouvenin  [Hrsg.], Markenschutzgesetz  [MSchG], Bern 2009,  [hiernach:  Bearbeiter,  in:  MSchG],  Art.  3  N.  69  ff.;  CHRISTOPH  WILLI,  in:  Markenschutzgesetz,  Kommentar  zum  schweizerischen  Markenrecht  unter  Berücksichtigung  des  europäischen  und  internationalen  Markenrechts, Zürich 2002, Art. 3, N. 17 ff.). 4.  Im  vorliegenden  Fall  ist  die  Verwechslungsgefahr  aus  Sicht  der  Käuferschaft  von  Kosmetika  zu  prüfen,  die  sich  jedenfalls  auch  an  das  allgemeine Publikum richten. Von einem gesonderten Verkehrskreis von  Konsumenten  für  Kosmetika  aus  natürlichen  Inhaltsstoffen  und  biologischer  Herstellungsweise  ist  nicht  auszugehen  (vgl.  dazu  auch  Urteil  des  BVGer  B­2303/2007  vom  8. September  2010  E.  4.3 Tahitian  Noni et al.). 5.  5.1.  Die  Beschwerdeführerin  hat  einredeweise  geltend  gemacht,  die  Widerspruchsmarke  sei  nicht  rechtserhaltend  gebraucht  worden.  Auf  entsprechende Verfügung der Vorinstanz  legte die Beschwerdegegnerin 

B­3126/2010 zur  Glaubhaftmachung  des  rechtserhaltenden  Gebrauchs  für  den  Zeitraum  vom  5.  August  2003  bis  zum  5.  August  2008  gemäss  Art. 32  MSchG fünf Rechnungen für jedes der Gebrauchsjahre 2003­2007 sowie  Werbeanzeigen  vor  und  bezeichnete  angesichts  der  Bekanntheit  der  Widerspruchsmarke für kosmetische Produkte die Erhebung der Einrede  als mutwillig. Die Vorinstanz erachtete die beigebrachten Unterlagen als  ausreichend,  um  den  ernsthaften  Gebrauch  im  Referenzzeitraum  für  einen Teil der Produkte wie sie in den Rechnungen benannt sind, nämlich  Parfums,  Lippenstifte,  Deos,  Körperlotions,  Abschminksalben,  Make­up,  Duschgels, Gesichtsserum­ und creme (Klasse 3) glaubhaft zu machen.  Der  die  Buchstaben  umgebende  Kreis  stelle  keinen,  von  der  Registrierung abweichenden Gebrauch dar. Die Beschwerdeführerin rügt  wie schon im Widerspruchsverfahren, dass das erste Halbjahr 2008 nicht  berücksichtigt  sei,  in  den Rechnungen  teilweise  auf  eine  andere Marke  des Hauses Chanel (Chanel Chance; 2003 und 2004) Bezug genommen  werde  und  dass  Duty  Free  Shops,  welche  als  Rechnungsempfänger  figurierten, eine Bearbeitung des schweizerischen Marktes nicht glaubhaft  machten.  Ausserdem  fehle  es  an  einem  die  Rechnungen  begleitenden  Bildmaterial (vgl. auch G. hiervor). 5.2.  5.2.1. Die  Vorinstanz  ist  zunächst  zu  Recht  davon  ausgegangen,  dass  der  das  Buchstabendoppel  umgebende  Kreis  nicht  zu  einem  von  der  Registrierung  abweichenden  Gebrauch  führt.  Banale  grafische  Zusätze  wie  der  vorliegend  hinzugefügte  Kreis  vermögen  das  besonders  arrangierte  Buchstabendoppel  als  dominantes  Element  nicht  zu  verändern  (vgl.  als  Gegenbeispiel  Urteil  des  BVGer  B­7508/2006  vom  18. Oktober 2007 E. 9 [ICE/Ice Cream fig.]) 5.2.2.  Der  Vorinstanz  ist  ebenfalls  darin  zuzustimmen,  dass  es  unschädlich ist, dass auf den beigefügten Rechnungen Produkte der Linie  Chanel Chance fakturiert werden. Aus den beigefügten Werbeprospekten  kann geschlossen werden, dass die Widerspruchsmarke – wie auch die  Vorinstanz  festgestellt  hat  –  jeweils  auf  dem Deckel  der  Verpackungen  bzw. Flacons angebracht  ist. Es  ist  davon auszugehen,  dass dies auch  für  die  Produkte  der  Linie  Chanel  Chance  zutrifft.  Im  vorliegenden  Fall  wurden  die mit  der Marke  versehenen Kosmetika  eingeführt  und  in  der  Schweiz vertrieben, die Marke also auch hier benützt (vgl. dazu BGE 102  II 111, E. 3 S. 117 Silva/Silva Thins). Daher sind die Rechnungen für die  Jahre  2003  und  2004  grundsätzlich  als  zur  Glaubhaftmachung  des 

B­3126/2010 Gebrauchs  geeignet  anzusehen.  Zu  beachten  ist  in  diesem  Zusammenhang,  dass  dem  Erfordernis  des  wirtschaftlichen  Gebrauchs  unter  Umständen  und  wie  nachfolgend  gezeigt  wird,  auch  mit  Rechnungen  des  Grosshändlers  an  einen  unabhängigen  Zwischenhändler  Genüge  getan  werden  kann  (vgl.  hierzu  das  kritische  Urteil  des BVGer B­892/2009  vom 19.  Juli  2010 E.  6.6 Heidiland/Heidi­ Alpen).  Eine  rein  innerbetriebliche  oder  konzerninterne  (vgl.  Urteil  des  BVGer B­763/2007 vom 5. November 2007 E. 7 K.SWISS [fig.]/K SWISS  [fig.])  Verwendung  des  Zeichens  könnte  als  wirtschaftlicher  Gebrauch  nicht anerkannt werden (vgl. MARKUS WANG, in: MSchG, Art. 11 N. 46 ff.). 5.2.3.  Die  von  der  Beschwerdeführerin  zum  Ausdruck  gebrachte  Befremdlichkeit  erscheint  insofern  als  nachvollziehbar,  als  die  Beschwerdegegnerin  zum  rechtserhaltenden  Gebrauch  in  der  Schweiz  ausgerechnet  Rechnungen  vorlegt,  die  an  ein  Unternehmen  gerichtet  sind,  welches  in  der  Schweiz  ausschliesslich  Ladengeschäfte  in  Flughäfen unterhält, wenn es doch auf der Hand zu liegen scheint, dass  die Produkte der Beschwerdegegnerin auch in anderen Geschäften in der  Schweiz  erhältlich  sind.  Sie  rügt  damit  sinngemäss,  die  Beschwerdegegnerin  habe  in  nicht  hinreichender  Weise  glaubhaft  gemacht,  dass  sich  die  aus  dem  Territorialitätsprinzip  ergebende  Voraussetzung  des  Gebrauchs  im  Inland  (zuletzt  Urteil  des  BGer  4A.253/2008  vom  14.  Oktober  2008  E. 2.1 Gallup mit  Hinweisen;  ERIC  MEIER,  L'obligation  d'usage  en  droit  des marques,  Zürich  2005,  S. 107)  erfüllt  sei.  Ob  die  Glaubhaftmachung  des  Gebrauchs  durch  die  Vermarktung  auf  Flughäfen  der  Voraussetzung  des  Inlandgebrauchs  genügt oder ob darauf wegen der Berühmtheit der Marke zu verzichten ist  (vgl.  KARIN  BÜRGI  LOCATELLI,  Der  rechtserhaltende  Markengebrauch  in  der Schweiz, Bern 2008, S. 59; BGer 4C.354/1999 vom 12. Januar 2000  E.  2  Chanel  IV),  kann  vorliegend  offen  bleiben.  Ist  es  doch  als  gerichtsnotorische  Tatsache  anzusehen  (zu  gerichtsnotorischen  Tatsachen vgl. Urteile des BVGer B­7191/2009 vom 8. April 2010 E. 3.3.2  YO/YOG  [fig.],  B­1085/2008  vom  13.  November  2008  E. 7  Redbull/Stierbräu, Bull/ Stierbräu), dass die von der Beschwerdegegnerin  registrierten Waren nicht nur in Flughafenshops, sondern auch in anderen  Verkaufsstätten  auf  dem  Schweizer  Markt  präsent  sind.  Damit  ist  von  einem ernsthaften Gebrauch der Marke in der Schweiz auszugehen. 5.2.4. Gemäss  der  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  ist  ein Gebrauch der Marke über einen längeren Zeitraum erforderlich (Urteil  des BVGer B­7439/2006 vom 6. Juli 2007 E. 4.2.2. Kinder/Kinder Party). 

B­3126/2010 Dem Umstand, dass die Beschwerdegegnerin keine Gebrauchsbelege für  die  ersten  acht  Monate  des  Jahres  2008  eingereicht  hat,  ist,  entgegen  den  Ausführungen  der  Beschwerdeführerin,  keine  Bedeutung  beizumessen.  Die  für  die  Jahre  2003­2007  exemplarisch  eingereichten  Rechnungen  zeichnen  das  Gesamtbild  eines  Gebrauchs  über  einen  längeren Zeitraum. Mit der Vorinstanz  ist der ernsthafte Gebrauch durch  die  vorgelegten  Rechnungen  und  Auszüge  aus Werbemassnahmen  für  die von der Vorinstanz benannten Produkte, Parfums, Lippenstifte, Deos,  Körperlotions,  Abschminksalben,  Make­up,  Duschgels,  Gesichtsserum­  und creme, insgesamt als hinreichend glaubhaft gemacht anzusehen. 6.  Nach der Feststellung,  dass von einem  rechtserhaltenden Gebrauch  für  einen Teil der Waren ausgegangen werden muss, ist nunmehr zu prüfen,  ob die durch die zu vergleichenden Marken zu kennzeichnenden Waren  gleich oder gleichartig sind. 6.1. Für die Frage, ob Warengleichartigkeit bzw. Warenidentität  vorliegt,  ist  auf  die  Waren  abzustellen,  für  welche  die  Widerspruchsmarke  rechtserhaltend  gebraucht worden  ist,  namentlich  Parfums,  Lippenstifte,  Deos,  Körperlotions,  Abschminksalben,  Make­up,  Duschgels,  Gesichtsserum­ und creme (vgl. Urteil des BVGer B­7500/2006 vom 19.  Dezember  2007  E.  3  Diva  Cravatte  [fig.]/DD  Divo  Diva  [fig.]).  Von  Warengleichartigkeit  ist  auszugehen,  wenn  Verbraucherkreise  auf  den  Gedanken kommen können, die unter  ähnlichen Marken angepriesenen  Waren  würden  angesichts  ihrer  üblichen  Herstellungs­  und  Vertriebsstätten  aus  ein  und  demselben  Unternehmen  stammen  oder  doch wenigstens unter der Kontrolle des gemeinsamen Markeninhabers  von  verbundenen  Unternehmen  hergestellt  (LUCAS DAVID,  a.a.O.,  Art. 3  N. 32). Die Rechtsprechung stellt vermehrt auf verschiedene Indizien wie  Klassenzugehörigkeit,  Verwendungszweck,  Austauschbarkeit,  Herstellungsstätte  und  technisches  Know­How,  Vertriebswege  oder  Abnehmerkreise  ab,  um  einen  Ähnlichkeitsgrad  zu  bestimmen  (JOLLER,  in: MSchG, Art. 3 N. 241 ff. mit zahlreichen Hinweisen). Die angefochtene Marke ist zur Kennzeichnung von Kosmetika (Klasse 3)  eingetragen.  Die  Waren,  für  welche  die  Beschwerdegegnerin  den  rechtserhaltenden Gebrauch glaubhaft machen konnte, gehören ebenfalls  dieser  Klasse  an.  Die  sich  gegenüberstehenden  Waren  dienen  dem  übereinstimmenden  Zweck  der  Schönheits­  bzw.  der  Körperpflege  und  sind als austauschbar zu erachten. Da auch aufgrund der weiteren zuvor 

B­3126/2010 genannten  Indizien  keine  erheblichen  Unterschiede  erkennbar  sind,  ist  von  Warenidentität  mindestens  jedoch  hochgradiger  Gleichartigkeit  zwischen  den  genannten  Produkten  der  Beschwerdegegnerin  und  den  Kosmetika  der  Beschwerdeführerin  auszugehen.  Der  von  der  Beschwerdeführerin  geltend  gemachte  Umstand,  dass  das  US­ amerikanische Trademark Office das Zeichen N° 6 für Nagellack als nicht  mit  N°  5  (einer  weiteren  Marke  der  Beschwerdegegnerin)  für  Parfüm  verwechselbar  ansah,  kann  vom  Bundesverwaltungsgericht  nicht  berücksichtigt  werden,  da  der  Entscheid  dem Gericht  nicht  vorliegt  und  zudem  gemäss  höchstrichterlicher  Rechtsprechung  ausländische  Präjudizien das Gericht  nicht  binden  (BGE 130  III  113,  118 Montessori;  kritisch DAVID RÜETSCHI, Beweisrecht, in: MSchG, N. 58). 6.2.  Die  Beschwerdeführerin  macht  geltend  die  Marken  seien  nicht  gleichartig  oder  gar  identisch,  da  sich  der  Registereintrag  der  angefochtenen  Marke  ausdrücklich  auf  Produits  cosmétiques  et  de  maquillage, contenant  tous des  ingrédients naturels ou  issus d'un mode  production biologique beziehe. Diese Nischenprodukte sprächen andere  Konsumenten an und gelangten nicht auf denselben Vertriebswegen wie  industrielle  Produkte  (Beschwerde,  S.  13)  an  den  Konsumenten.  Vorinstanz und Beschwerdegegnerin  vertreten dagegen die Auffassung,  dass  der  übereinstimmende  Verwendungszweck  der  in  beiden  Verzeichnissen aufgeführten Waren dazu führe, dass diese aus Sicht der  Konsumenten  gleichartig  seien  (Beschwerdeantwort,  Ziff.  9).  Auch  die  Rechtsprechung stellt wie erwähnt auf den Verwendungszweck (vgl. dazu  JOLLER,  in: MSchG, Art. 3 N. 249  ff. mit zahlreichen Beispielen) und die  damit verbundene Austauschbarkeit ab. Die von der Beschwerdeführerin  zu  den  Inhaltsstoffen  und  der  Herstellungsweise  ihrer  Produkte  im  Register  gemachten  Angaben  ändern  nichts  daran,  dass  die  beanspruchten  Waren  aus  Sicht  der  Konsumenten  denselben  Verwendungszweck der Schönheitspflege verfolgen. 6.3.  Zu  prüfen  bleibt,  ob  sich  die  Beschwerdeführerin  zum  Nachweis  fehlender  Warengleichartigkeit  auf  weitere  Indizien  wie  Vertriebswege  und Abnehmerkreise stützen kann, weil diese nur natürliche Inhaltsstoffe  enthalten und biologisch hergestellt worden sind. 6.3.1. Während aus einem  identischen Vertriebskanal  (z.B. Supermarkt)  nicht  zwingend  Warengleichartigkeit  abgeleitet  werden  kann,  lässt  sich  aus klar getrennten Vertriebswegen oft auf eine  fehlende Gleichartigkeit  schliessen (Urteil des BGer 4C.392/2000 vom 4. April 2001 in sic! 5/2001 

B­3126/2010 408  f.  E. 2b  Jaguar/Jaguar;  Urteil  des  BVGer  B­6600/2007  vom  23.  Januar  2009  E.  7.3  Cerezyme/Cerezyme).  Allerdings  muss  bei  der  Bestimmung  der Warenähnlichkeit  nicht  auf  die  tatsächlichen,  aktuellen  Vertriebskanäle abgestellt werden. Vielmehr sind allein die für die Waren  allgemein  üblichen  Vertriebskanäle  zugrunde  zu  legen.  Der  Umstand,  dass die Produkte der Beschwerdeführerin  derzeit  offenbar  vornehmlich  über  das  Internet  vertrieben  werden,  bedeutet  nicht,  dass  dieselben  Produkte – als weiterem allgemein üblichen Vertriebskanal – nicht auch in  Parfümerien,  Drogerien  oder  den  entsprechenden  Abteilungen  von  Warenhäusern  und  damit  Seite  an  Seite  mit  jenen  der  Beschwerdegegnerin  vertrieben werden  könnten  (vgl.  hierzu  etwa Urteil  des  BVGer  B­7437/2006  vom  5. Oktober  2007  E.  4.1  ff. Old  Navy/Old  Navy; vgl. dazu JOLLER, in: MSchG, Art. 3 N. 273 f. mit Hinweisen).  6.3.2.  Auch  die  Abnehmerkreise  können  auf  eine  fehlende  Warengleichartigkeit  hinweisen,  sofern  die Waren  üblicherweise  klar  an  unterschiedliche  Abnehmer  gerichtet  sind  (vgl.  in  diesem  Zusammenhang, Urteil des BVGer B­6600/2007 vom 23. Januar 2009 E.  7.3  Cerezyme/Cerezyme  Brauereipräparate  auf  Enzymbasis  für  Bierbrauer  einerseits  und  Medikamente  auf  gleicher  Basis  für  Gaucherkranke  andererseits).  Vorliegend  ist  nicht  davon  auszugehen,  dass  die  Konsumenten  bzw.  Konsumentinnen  industrieller  Kosmetika  einerseits und auf natürlicher Basis hergestellter Kosmetika andererseits  zwei klar zu trennende Abnehmerkreise bilden (vgl. dazu E. 4 hiervor). 6.4.  Für  den  vorliegenden  Fall  ist  daher  von  hochgradiger  Warengleichartigkeit auszugehen. 7.  Sind  die  zu  vergleichenden  Waren  in  hohem  Mass  gleichartig,  ist  zu  prüfen,  ob  der  zu  verlangende,  entsprechend  höhere  Zeichenabstand  (vgl.  E.  3.1  hiervor)  vorliegt,  um  im  Sinne  der  Beschwerdeführerin  die  Gefahr einer Verwechslung zu bannen. 7.1. Bei der Prüfung der Zeichenähnlichkeit wird auf den Gesamteindruck  von  Wortmarken  abgestellt,  welche  durch  Klang,  Schriftbild  und  Sinngehalt  bestimmt werden  (MARBACH,  a.a.O., N. 872). Den Wortklang  prägen  insbesondere  das  Silbenmass,  die  Aussprachekadenz  und  die  Aufeinanderfolge der Vokale, während das Schriftbild vor allem durch die  Wortlänge  und  durch  die  Eigenheiten  der  verwendeten  Buchstaben  gekennzeichnet wird (BGE 122 III 382 E. 5a S. 388 Kamillosan/Kamillon, 

B­3126/2010 Kamillan; BGE 121 III 377 E. 2b S. 379 Boss/Boks; BVGer B­7442/2006  vom 18. Mai 2007 E. 4.2 Feel'n learn/See'n learn). 7.2.  Sofern  man  Akronyme  oder  geometrische  Formen  überhaupt  zu  Gehör bringen kann (vgl.  jedoch Urteil des BVGer B­3268/2007 vom 25.  Januar  2008  E. 4.3.3 MBR/MR  [fig.]),  lässt  sich  zwischen  den  im  Streit  stehenden  Marken  insoweit  keinerlei  Übereinstimmung  feststellen.  Erkennt man in der Widerspruchsmarke zwei Buchstaben, "C", wäre man  geneigt,  diese  als  "CC"  (tsetse)  auszusprechen,  welches  dem  gänzlich  abweichenden, wesentlich  längeren Wortlaut  "OG Organic Glam",  "OG"  oder "Organic Glam" gegenübergestellt werden müsste. Dies gilt auch bei  einer  englischen  Aussprache  der  Buchstaben,  die  ebenfalls  beim  Zeichenvergleich zu berücksichtigen ist (MARBACH, a.a.O., N. 907). Auch  wenn  vom  Widerspruchszeichen  auf  das  Unternehmen  geschlossen  würde,  wäre  auch  zwischen  CHANEL  und  der  angefochtenen  Marke  keine auch nur annähernde Ähnlichkeit  festzustellen. Die Vorinstanz hat  daher  zu  Recht  eine  Ähnlichkeit  in  klanglicher  Hinsicht  verneint  (Verfügung, III.C.4). 7.3. Auch Akronyme und geometrische Formen können einen Sinngehalt  transportieren  (vgl.  insoweit Urteil des BVGer B­1580/2008 vom 19. Mai  2009 E. 3.4 A – Z). Aus der Widerspruchsmarke ergibt sich kein auf den  ersten  Blick  erkennbarer  Sinngehalt.  Dass  es  sich  um  die  stilisierten  Initialen  der  verstorbenen  Firmengründerin Coco Chanel  handelt,  dürfte  heute  wohl  nur  noch  einem  Bruchteil  der  Konsumenten  bekannt  sein.  Demgegenüber  lässt  sich  aus  dem  verbalen  Zusatz  im  angefochtenen  Zeichen  "Organic Glam" der Hinweis auf die englische Wortkombination  "organic  glamour",  übersetzt  "biologischen  Glanz"  bzw.  "organischen  Zauber"  entnehmen  (vgl.  insoweit  PONS  Grosswörterbuch,  Stuttgart  2002, S. 386), wobei letzterer Sinngehalt anders als der zuerst genannte  möglicherweise  nicht  von allen Konsumenten  ohne weiteres  verstanden  wird.  Da  eine  begriffliche  Ähnlichkeit  voraussetzt,  dass  die  konfligierenden  Marken  einen  für  die  massgebenden  Verkehrskreise  erkennbaren  Sinngehalt  haben  (JOLLER,  in: MSchG,  Art. 3  N. 273  f. mit  Hinweisen),  kann  im  Falle  fehlenden  Sinngehalts  bei  einer  der  Marken  insoweit nicht von Ähnlichkeit ausgegangen werden. 7.4.  Da  aufgrund  der  vorgenannten  Parameter  nicht  von  Zeichenähnlichkeit  auszugehen  wäre,  ist  vorliegend  von  besonderer  Bedeutung, ob die Zeichen sich in schriftbildlicher bzw. visueller Hinsicht  gleichen oder ob der erforderliche Zeichenabstand eingehalten wird.

B­3126/2010 7.4.1. Die Vorinstanz geht davon aus, dass die angefochtene Marke den  aus einem Buchstabendoppel bestehenden Teil, welchen sie als prägend  bezeichnet,  vollständig  übernimmt,  nur  durch  schwache  Bestandteile  ergänzt  und  daher  von  einer  visuellen  Ähnlichkeit  auszugehen  sei.  Die  Beschwerdeführerin hingegen bezeichnet den Schriftzug "Organic Glam"  als  gut  lesbar  und  auffällig  positioniert,  wodurch  sich  die  Zeichen  klar  unterschieden (Beschwerde, S. 15 oben). 7.4.2.  Das  Widerspruchszeichen  kann  sowohl  als  Verquickung  zweier  Buchstaben (C) als auch als geometrische Form angesehen werden. Die  angefochtene  Marke  weicht  von  dieser  Grundform  insoweit  ab,  als  die  von  ihr  registrierten  grossen  ebenfalls  verquickten  Buchstaben  klar  als  solche nämlich O und G zu erkennen sind. Darüber hinaus stehen diese  Lettern in weisser Schrift auf einem schwarzen Rechteck. Über diesem ist  in  schwarzer  Schrift  das  Wortelement  "Organic  Glam"  angebracht.  Insgesamt  verwendet  die  Widerspruchsmarke  einen  sichtlich  fetteren  Schrifttyp. 7.4.3. Für die Beurteilung der visuellen Ähnlichkeit  ist zu beachten, dass  die  Widerspruchsmarke  mit  der  Verwendung  zweier  Buchstaben  als  Buchstabenmarken  erscheint,  ebenso  aber  als  Bildmarke,  nämlich  eine  geometrische  Form  angesehen  werden  kann,  während  es  sich  bei  der  angefochtenen  Marke  klar  um  eine  grafisch  gestaltete  Wortmarke  handelt.  Die  Vorinstanz  lehnt  bei  einem  Vergleich  kombinierter  Marken  schematische  Regeln  ab  und  hält  den  Gesamteindruck  für  ausschlaggebend. Von den üblichen Parametern des Schriftbildvergleichs  können  richtigerweise  schon  der  Sache  nach  jedenfalls  nicht  alle,  etwa  die  Wortlänge  oder  Vergleich  von  Wortanfang  und  Wortende,  herangezogen  werden.  Nicht  vernachlässigt  werden  kann  indessen,  dass  nach  übereinstimmender  Rechtsprechung  und  Lehre  Kurzzeichen  und  Akronyme leichter erfasst werden und sich besser einprägen als längere  Wörter  (BGE  121  III  377,  379  E.  BOSS/BOKS;  Urteil  des  BVGer  B­ 1656/2008 vom 31. März 2009 E. 9 F1/F1H2O, B­7466/2006 vom 4. Juli  2007  E. 10  AZ/6AZ  [fig.],  B­3268/2007  vom  25.  Januar  2008  E. 4.3.1  MBR/  MR  [fig.]  mit  Hinweisen;  JOLLER,  in:  MSchG,  Art. 3  N. 134;  MARBACH,  a.a.O.,  N. 905  ff.).  Der  Verkehr  ist  sich  bei  solchen  Zeichen  gewohnt  auf  kleine  Abweichungen  zu  achten.  Nur  bei  identischen  Buchstabenfolgen  (vgl. Urteil des BVGer B­7431/2006 vom 3. Mai 2007  E.  7  EA  [fig.]/EA  [fig.])  oder  Abweichungen  nur  in  klanglich  oder 

B­3126/2010 schriftbildlich  ähnlichen  Chiffren  (z.B.  D  und  P,  vgl.  Eidgenössische  Rekurskommission  für Geistiges Eigentum  [RKGE]  vom 2. August 2001  E.  3 MDC/MPC  by  TENSON  [fig.];  MARBACH,  a.a.O.,  N. 907,  Fn.  1145  und  1146)  ist  von  Zeichenähnlichkeit  auszugehen.  Danach  wären  die  Konsumenten  ohne  Weiteres  in  der  Lage  eine  Kombination  aus  zwei  verquickten  C  einerseits  von  einem  mit  einem  O  verquickten  G  andererseits  zu  unterscheiden.  Nach  Auffassung  Marbachs  ist  bei  der  Annahme  von  Zeichenähnlichkeit  ohnehin  Zurückhaltung  angezeigt,  sobald ein Akronym in der Marke selbst erklärt wird. Der Verkehr sei sich  bewusst,  dass  identische  Akronyme  sehr  Verschiedenes  bedeuten  könnten.  Werde  der  Sinngehalt  der  Buchstabenfolge  aufgelöst  könne  damit unter Umständen ein genügender Zeichenabstand gewahrt werden  (a.a.O., N.  909). Betrachtet man die Widerspruchsmarke anders als  die  Vorinstanz  primär  als  grafisch  gestaltetes  Akronym  ist  daher  entgegen  deren  Auffassung  nicht  von  einer  Ähnlichkeit  in  visueller  bzw.  schriftbildlicher Hinsicht auszugehen. 7.4.4. Aus  Sicht  der  Beschwerdegegnerin  und  der  Vorinstanz  steht  bei  der  Betrachtung  der  Widerspruchsmarke  indessen  offenbar  nicht  der  Wort­  bzw.  Akronymcharakter  im  Vordergrund.  Zentral  ist  nach  ihrer  Auffassung  das  Bildelement,  bzw.  die  Bildwirkung  zwei  in  einander  geschobener, jeweils nach aussen geöffneter Kreise, die sie als prägend  erachten  und  in  der  angefochtenen  Marke  wiederfinden.  Zu  prüfen  ist  demnach wie die Zeichenähnlichkeit zu beurteilen ist, wenn in Bezug auf  die  Widerspruchsmarke  nicht  von  Buchstaben,  sondern  einem  Bildelement auszugehen ist. Grundsätzlich  wird  bei  Übernahme  eines  Hauptbestandteils  der  älteren  Marke die Zeichenähnlichkeit bejaht (statt vieler JOLLER, in: MSchG, Art. 3  N. 127  f. und 191 mit Hinweisen). Nun verhält es sich so, dass es ohne  Weiteres  möglich  erscheint,  prägende  Bestandteile  einer  Marke  zu  übernehmen  ohne,  dass  aufgrund  dessen  zwingend  von  einer  Zeichenähnlichkeit  auszugehen wäre  (vgl. Urteil  des BVGer B­789/2007  vom  27. November  2007  E.  5.2  Jack  Wolfskin  Pfotenabdruck  [fig.]/Tuc  Tuc  [fig.];  MARBACH,  a.a.O.,  N.  869).  So  hat  das  Bundesverwaltungsgericht die Übernahme des Motivs "Pfotenabdruck" in  abgewandelter Form und mit dem Schriftzug "Tuc Tuc" als nicht ähnlich  beurteilt  und  eine  Verwechslungsgefahr  abgelehnt.  Ähnlich  verhält  es  sich im vorliegenden Fall. Die angefochtene Marke übernimmt zwar in der  Tat integral eine auch in der Widerspruchsmarke enthaltende Form, weist  aber  gleichzeitig  durch  die  weiteren  Gestaltungsmerkmale  wie  andere 

B­3126/2010 Lettern,  schwarzer  Hintergrund  und  Erklärung  des  Akronyms  "OG",  zahlreiche  abweichende  Gestaltungselemente  auf.  So  hat  die  Rechtsprechung anerkannt, dass die Übernahme zulässig  ist, wenn das  Übernommene derart mit einer neuen Marke verschmolzen wird, dass es  seine Eigenständigkeit verliert und nur noch als untergeordneter Teil des  jüngeren  Zeichens  erscheint  (Urteile  des  BVGer  B­1656/2008  vom  31.  März  2009  E. 10  F1/F1H2O;  B­5477/2007  vom  28.  Februar  2008  E.  7  Regulat/H2O3ph­Regulat;  stark  kritisiert  insoweit:  RKGE  vom  14.  März  2000  E. 4  DK/dk  Daniel  Kramer  Cosmetics  [fig.],  vgl.  STEFAN  DAY,  Ausgedehnter Schutz für Akronyme? Gedanken zu Entscheid der RKGE  DK/dk Daniel Kramer Cosmetic (fig.) vom 14. März 2000,  in: sic! 6/2000  S.  546  f.;  MARBACH,  a.a.O.,  N. 909,  Fn.  1151).  Danach  geht  das  Widerspruchszeichen als Minus zur angefochtenen Marke  in dieser auf,  ohne  als  eigenständiges  Element  erkennbar  zu  bleiben,  weshalb  nach  diesem Prüfungsmassstab eine Zeichenähnlichkeit zu verneinen wäre. 7.4.5.  Zu  bedenken  ist  indessen,  dass  es  nach  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts bei einer schwächeren älteren Marke zur Vermeidung der  Zeichenähnlichkeit  ausreichen  kann,  wenn  der  älteren  ein  starkes  Element hinzugefügt wird (vgl. beispielsweise Urteil des BGer 4C.3/1999  vom  18. Januar  2000  E. 4c Campus/UBS  Campus).  Im  Umkehrschluss  bedeutet dies, dass die Zeichenähnlichkeit zu bejahen sein könnte, wenn  einer  starken  älteren  Marke  nur  schwächere  Elemente  hinzugefügt  werden.  Von  diesem  Szenario  gehen  Beschwerdegegnerin  und  Vorinstanz aus. Sie  sind der Auffassung, dass die anderen Majuskeln –  OG  –,  weisse  Schrift  auf  einem  schwarzen  Rechteck  und  die  zusätzlichen,  das  Akronym  erklärenden  Worte  "Organic  Glam",  gegenüber  dem  prägenden  Element  der  Widerspruchsmarke,  der  in  einander  verschlungenen  Halbkreise,  in  den  Hintergrund  träten.  Dieser  Auffassung  wäre  möglicherweise  dann  beizupflichten,  wenn  die  Widerspruchsmarke,  wie  Vorinstanz  und  Beschwerdegegnerin  behaupten, einen entsprechend erweiterten Schutzumfang aufwiese. 7.5.  Im  Ergebnis  ist  damit  grundsätzlich  nicht  bzw.  allenfalls  von  nur  geringer  Zeichenähnlichkeit  auszugehen,  was  bereits  eine  Verneinung  der  Verwechslungsgefahr  nahe  legen würde. Ob  jedoch  der  angesichts  bestehender Warenidentität  zu  verlangende  erhöhte  Zeichenabstand  zu  verzeichnen  ist,  ist  abhängig  davon,  welcher  Schutzumfang  der  Widerspruchsmarke  zuzubilligen  ist,  was  im  Folgenden  zu  prüfen  sein  wird.

B­3126/2010 8.  Bei  dieser  Ausgangslage  kommt  es  für  die  Frage  der  Verwechslungsgefahr  darauf  an,  welcher  Schutzumfang  der  Widerspruchsmarke zuzubilligen ist. 8.1.    Die  Verwechslungsgefahr  kann  etwa  dann  ausgeschlossen  sein,  wenn die Widerspruchsmarke nur über eine geringe Kennzeichnungskraft  verfügt  und  aufgrund  dessen  nur  einen  kleineren  geschützten  Ähnlichkeitsbereich  beanspruchen  kann  (BGE  122  III  385  E. 2a  Kamillosan/Kamillon,  Kamillan;  Urteile  des  BVGer  B­2235/2008  vom  2. März  2010  E.  4.3  Dermoxane/Dermasan,  B­7492/2006  vom  12. Juli  2007 E. 6 Aromata/Aromathera). Von einem erweiterten Schutzbereich ist  insbesondere  für starke Zeichen auszugehen (JOLLER,  in: MSchG, Art. 3  N. 74  f.;  MARBACH,  a.a.O.,  N.  976  ff.,  979  mit  Hinweisen  auf  die  Rechtsprechung).  Als  stark  sind  Zeichen  anzuerkennen,  welche  für  bestimmte  Produkte  aufgrund  ihres  fantasiehaften  Gehaltes  besonders  unterscheidungskräftig  wirken,  oder  aber  aufgrund  ihres  intensiven  Gebrauchs  überdurchschnittliche  Bekanntheit  geniessen  (BGE  128  III  441 E. 3.3 Appenzeller  für Käse; BVGer; Entscheid der RKGE vom 26.  Oktober 2006 in sic! 7+8/2007, 531 E. 7 Red Bull [fig.]/Red, Red Devil für  Energy Drinks; JOLLER, in: MSchG, Art. 3 N. 102 mit weiteren Beispielen). 8.2.  In  Bezug  auf  Akronyme  wie  sie  zumindest  nach  einer  Betrachtungsweise  vorliegend  betroffen  sind,  hat  sich  die  frühere  Rekurskommission  entgegen  der  Auffassung  der  Beschwerdeführerin  (Beschwerde,  S.  17)  dahingehend  geäussert,  dass  diese  nicht  per  se  über  einen  eingeschränkten,  sondern  grundsätzlich  über  einen  durchschnittlichen  Schutzumfang  verfügen  (vgl.  insoweit  RKGE  vom  14. März  2000  E. 4  DK/dk  Daniel  Kramer  Cosmetics,  RKGE  vom  2. August 2001 E. 3 MDC/MPC by TENSON [fig.]). Von einem geringeren  Schutzumfang  sei  allenfalls  dann  auszugehen,  wenn  das  Akronym  im  Zusammenhang mit dem Firmennamen verwendet wird  (RKGE vom 30.  Januar  2004 E. 4 K  [fig.]/K  [fig.],  K  kaucuk  [fig.])  und  das Akronym aus  dessen  Initialen  besteht.  Letzteres  ist  indessen  bei  der  Widerspruchsmarke  nicht  der  Fall.  Eine  Schwächung  der  Marke  wird  auch  nicht  durch  im  relevanten  Produktbereich  gängige  Abkürzungen  verursacht, und ist auch sonst nicht als beschreibend anzusehen, wie die  Vorinstanz  zu  Recht  feststellt.  Damit  ist  der  Widerspruchsmarke  jedenfalls ein durchschnittlicher Schutzumfang zuzuerkennen.

B­3126/2010 8.3.  Die  Vorinstanz  ist  indessen  davon  ausgegangen,  dass  die  Widerspruchsmarke  für  den  fraglichen  Warenbereich  auch  aufgrund  eines Entscheids des Bundesgerichts BGer 4C.354/1999 vom 12. Januar  2000  (Chanel  IV)  institutsnotorisch  bekannt  sei  und  diese  somit  über  einen  erweiterten  Schutzumfang  verfüge.  In  diesem Zusammenhang  ist  festzuhalten,  dass  das  erwähnte  Bundesgerichtsurteil  annimmt,  dass  berühmte Marken des Hauses einen erweiterten Schutz genössen (E. 2),  sich  aber  nicht  ausdrücklich  mit  der  hier  streitgegenständlichen  internationalen  Registrierung  Nr.  446'944,  sondern  nur  mit  "Chanel  Marken"  allgemein  befasst.  Schliesslich  verbietet  sich  nach  einhelliger  Meinung  ohnehin  die  Berücksichtigung  der  Berühmtheit  im  Widerspruchsverfahren  (statt  vieler  FLORENT  THOUVENIN,  in:  Handkommentar MSchG, Art. 15 N. 68).  8.4. Geht  man  mit  der  Beschwerdegegnerin  und  der  Vorinstanz  davon  aus, dass die Marke der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Berühmtheit  bzw.  ihrer  Gerichts­  oder  Institutsnotorität  einen  erweiterten  Schutzumfang  aufweist,  bleibt  indessen  weiterhin  offen,  auf  welchen  Ähnlichkeitsbereich  sich  dieser  erweiterte  Schutzumfang  allenfalls  erstrecken würde. Die Vorinstanz ist der Ansicht, dass die symmetrische  Schnittmenge  wie  sie  aus  den  spiegelbildlich  zueinanderstehenden  in  einander  verschobenen  Buchstaben  entsteht,  als  ungewöhnliche  Anordnung  von  Buchstaben  in  diesen  Ähnlichkeitsbereich  fällt.  Ihrer  Ansicht  nach  reichen  die  weiteren  Elemente  der  angefochtenen  Marke  nicht aus um von der ebenfalls in der angefochtenen Marke enthaltenen,  aber aus anderen Buchstaben gebildeten Schnittmenge abzulenken.  8.5. Folgt man der Vorinstanz, so billigt man der Widerspruchsmarke  im  Ergebnis  einen  erheblichen  Schutzumfang  zu,  der  ohne  Ansehen  der  verwendeten  Buchstaben  das  Gestaltungsmuster  zweier  in  einander  geschobener – nicht einmal  identischer Grossbuchstaben monopolisiert.  Davon wären unter Berücksichtigung der spiegelverkehrten Schreibweise  zahlreiche  Buchstabenkombinationen  betroffen,  die  ein  solches  in  einander schieben ermöglichen: neben CC, OO, GG, QQ, ÖÖ, OC, CO,  GO,  OG,  CG,  GC,  OQ,  QO,  CQ,  QC,  GQ,  QG,  ÖO,  etc.  kann  die  identische Schnittmenge ausserdem aus den Zahlen (5 und 6) sowie bei  einer  entsprechend  runden  Schreibweise  sogar  mit  dem  E  gebildet  werden.  Die  Beschwerdegegnerin  hat  die  eine  symmetrische  Schnittmenge  bildenden  Halbkreise  nur  teilweise  verteidigen  können  (illustrativ  dazu  Entscheid  des  Harmonisierungsamtes  für  den  Binnenmarkt  [HABM]  N° B 1 299 686  vom  30. März  2010  CC  [fig.]/OG 

B­3126/2010 [fig.]  ohne  weitere  grafische  Zusätze;  Directeur  général  de  l'Institut  national  de  la  propriété  industrielle  [INPI]  OPP  04­519/NG  vom  28. Juli  2004  CC  [fig.]/CE  Cercle  Elite  [fig.]  keine  Gefahr  der  Verwechslung  hingegen  INPI OPP 06­0320/PIC vom 7.  Juli  2006 CC  [fig.]/GG Giorgio  Galiani  [fig.]),  was  sich  auch  durch  die  Freihaltebedürftigkeit  der  Grundelemente erklärt  (vgl. MARBACH, a.a.O., N. 975). Nach Auffassung  des Bundesverwaltungsgerichts  liegt die vorliegend angefochtene Marke  ausserhalb  des  schützenswerten  Ähnlichkeitsbereichs,  da  sie  zwei  von  der  Widerspruchsmarke  abweichende  und  als  solche  klar  erkennbare  Buchstaben,  hier  O  und  G,  enthält.  Anders  als  bei  der  Widerspruchsmarke wird kein Buchstabe gespiegelt. Vielmehr stehen die  Buchstaben O und G, wenn auch in einander verschoben in der üblichen  Leserichtung,  weswegen  sie  als  "OGe",  "o  dsché"  (französisch,  phonetisch  "o  ᴣe")  oder  "o  tschi"  (englisch)  gelesen  und  gesprochen  werden. Zusätzlich wird der Buchstabencharakter des zentralen Elements  "OG"  noch  durch  die  erklärende  Überschrift  "Organic  Glam"  verstärkt  (DAY,  a.a.O.,  S.  548;  MARBACH,  a.a.O.,  N.  909,  der  ebenfalls  den  einschlägigen Entscheid der RKGE vom 14. März 2000 E. 4 DK/dk Daniel  Kramer  Cosmetics  [fig.]  für  problematisch  hält).  Da  es  sich  bei  den  Konsumenten  in  der  Regel  um  des  Lesens  kundige  Personen  handelt,  wird  von  diesen  nicht  das  O  als  gegenüber  dem  verkehrten  C  vollständiger  Kreis  und  das  G  nicht  als  geöffneter  Kreis  mit  einem  zusätzlichen  Querstrich  nach  innen,  sondern  als  das  Aliud  OG  wahrgenommen,  das  mit  der  Widerspruchsmarke  nur  zufällig  eine  Gemeinsamkeit  hat.  Eine  einseitige  Fokussierung  auf  einen  möglicherweise  schutzverletzenden Gebrauch  der  in  der  angefochtenen  Marke  auch  enthaltenen  geometrischen  Form  bzw.  des  Akronyms  OG  wird dem Gesamteindruck dieser, Marke wie sie registriert ist, mithin nicht  gerecht. Nach Auffassung  des Bundesverwaltungsgerichts  ist  daher  der  Zeichenabstand  zwischen  den  streitgegenständlichen  Marken  so  erheblich,  dass  auch  bei  einem  erweiterten  Schutzumfang  der  Widerspruchsmarke nicht von einer Verwechslungsgefahr auszugehen ist  (vgl.  insoweit  auch  B­1085/2008  vom  13. November  2008  E. 7  Redbull/Stierbräu,  Bull/Stierbräu,  wonach  keine  Verwechslungsgefahr  besteht,  obwohl  Red  Bull  als  gerichtsnotorisch  bekannt  angesehen  wurde).  Ob  das  Zeichen  der  Beschwerdegegnerin  durch  weitere,  ein  Doppel­C  enthaltende  im  schweizerischen  Markenregister  eingetragene  Marken  verwässert  würde  (vgl.  Beschwerde,  S.  18,  Beilage  11),  kann  daher an dieser Stelle offen bleiben.

B­3126/2010 9.  Nach  dem  Gesagten  ist  die  Beschwerde  gutzuheissen  und  der  angefochtenen  Marke  für  die  beanspruchten  Waren  Schutz  in  der  Schweiz zu gewähren. 10.  10.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten der  Beschwerdegegnerin  aufzuerlegen.  Der  von  der  Beschwerdeführerin  geleistete  Kostenvorschuss  in  Höhe  von  Fr.  4'000.–  wird  ihr  aus  der  Gerichtskasse  zurückerstattet. Die Gerichtsgebühr  ist  nach Umfang und  Schwierigkeit der Streitsache, Art der Prozessführung und der finanziellen  Lage der Parteien festzulegen (Art. 63 Abs. 4bis VwVG, Art. 2 Abs. 1 des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Im  Beschwerdeverfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  ist  dafür  ein  Streitwert  zu  veranschlagen  (Art. 4  VGKE),  wobei  dafür  im  Widerspruchsbeschwerdeverfahren das Interesse der Widersprecherin an  der  Löschung,  beziehungsweise der Widerspruchsgegnerin  am Bestand  der  angefochtenen Marke  zu  veranschlagen  ist.  Es würde  allerdings  zu  weit  führen  und  könnte  im  Verhältnis  zu  den  geringen  Kosten  des  erstinstanzlichen  Verfahrens  abschreckend  wirken,  wenn  dafür  im  Einzelfall  stets  konkrete  Aufwandsnachweise  verlangt  würden.  Bei  eher  unbedeutenden Zeichen darf von einem Streitwert zwischen Fr. 50'000.–  und  Fr. 100'000.–  ausgegangen  werden  (BGE  133  III  492  E.  3.3  Turbinenfuss  mit  Hinweisen).  Von  diesem  Erfahrungswert  ist  auch  im  vorliegenden Verfahren auszugehen. Nach dem Gesagten rechtfertigt es  sich, die Verfahrenskosten insgesamt auf Fr. 4'000.– festzulegen. 10.2.  Im  vorinstanzlichen  Verfahren  ist  die  Beschwerdeführerin  unterlegen.  Aufgrund  des  Verfahrensausgangs  vor  Bundesverwaltungsgericht  hat  sie  auch  mit  Bezug  auf  die  vorinstanzlichen  Kosten  als  obsiegend  zu  gelten.  Da  die  Vorinstanz  indessen  verfügt  hat,  dass  die  von  der  Widersprecherin  geleistete  Widerspruchsgebühr  von  Fr. 800.–  dem  Institut  verbleibt,  kann  auf  die  Aufhebung von Ziffer 3 des angefochtenen Entscheids verzichtet werden,  um  so  die  Tragung  der  erstinstanzlichen  Verfahrenskosten  durch  die  Widersprecherin und Beschwerdegegnerin sicherzustellen. 11.  Der  obsiegenden  Partei  kann  von  Amtes  wegen  oder  auf  Antrag  eine 

B­3126/2010 Entschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen Kosten zulasten der  Beschwerdegegnerin  zugesprochen  werden  (Art. 64  Abs. 1  VwVG  in  Verbindung  mit  Art. 7  Abs. 1  VKGE.).  Die  Parteientschädigung  umfasst  die  Kosten  der  Vertretung  sowie  allfällige weitere  notwendige  Auslagen  der  Partei  (Art. 8  VGKE).  Die  Parteientschädigung  zugunsten  der  Beschwerdeführerin  ist  mangels  Kostennote  auf  Grund  der  Akten  festzusetzen  (Art. 14  Abs. 2  Satz 2  i.V.m.  Art. 7  Abs. 1 VGKE).  Angesichts  eines  einfachen  Schriftenwechsels  erscheint  eine  Parteientschädigung  in  Höhe  von  insgesamt  Fr.  3'500.–  (inkl.  MWSt),  gerechtfertigt. Gemäss Art. 34 MSchG bestimmt die Vorinstanz  in welchem Masse die  Kosten der obsiegenden Partei von der unterliegenden zu ersetzen sind.  Die Vorinstanz hatte der Beschwerdegegnerin als der im vorinstanzlichen  Verfahren  obsiegenden  Partei  eine  Entschädigung  in  Höhe  von  Fr. 2'800.–  zulasten  der  Beschwerdeführerin  zugesprochen  (Ziffer  4  der  angefochtenen Verfügung). Angesichts des Verfahrensausgangs ist Ziffer  4  der  Verfügung  aufzuheben  und  die  Beschwerdegegnerin  hat  der  Beschwerdeführerin  gemäss  Art. 34  MSchG  für  das  erstinstanzliche  Verfahren eine Parteientschädigung zu zahlen. Die Vorinstanz spricht pro  Schriftenwechsel praxisgemäss eine Parteientschädigung von Fr. 1'000.–  zu  (Richtlinien  der  Vorinstanz  in  Markensachen,  Teil 5,  Ziff. 9.4  [Stand:  1. Juli 2008]). Im vorliegenden Fall wurde ein doppelter Schriftenwechsel  durchgeführt,  weswegen  der  Beschwerdeführerin  insoweit  eine  Parteientschädigung  in  Höhe  von  Fr. 2'000.–  zulasten  der  Beschwerdegegnerin zuzusprechen ist. 12.  Gegen  dieses Urteil  steht  keine  Beschwerde  an  das  Bundesgericht  zur  Verfügung  (Art. 73  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, SR 173.110]). Es ist deshalb rechtskräftig. Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen: Ziffern 1, 2 und 4 der Verfügung vom  30. März  2010 werden  aufgehoben  und  die Vorinstanz  angewiesen  der  Internationalen Registrierung Nr. 938'741 OG Organic Glam (fig.)  für die  beanspruchten Waren Schutz für die Schweiz zu gewähren.

B­3126/2010 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 4'000.–  werden  der  Beschwerdegegnerin  auferlegt. Der von der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss in  Höhe von Fr. 4'000.– wird dieser aus der Gerichtskasse zurückerstattet. 3.  Die  Beschwerdegegnerin  hat  der  Beschwerdeführerin  für  das  vorinstanzliche Verfahren eine Parteientschädigung von Fr. 2'000.– (inkl.  MWSt) zu bezahlen. 4.  Die  Beschwerdegegnerin  hat  der  Beschwerdeführerin  für  das  Beschwerdeverfahren  eine  Parteientschädigung  von  Fr. 3'500.–  (inkl.  MWSt) auszurichten. 5.  Dieses Urteil geht an: – die  Beschwerdeführerin  (Rechtsvertreter;  Gerichtsurkunde;  Beilage  Rückerstattungsbeleg) – die  Beschwerdegegnerin  (Rechtsvertreter;  Gerichtsurkunde;  Beilage  Einzahlungsschein) – die Vorinstanz (Ref­Nr. No° 9473; Gerichtsurkunde) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Francesco Brentani Miriam Sahlfeld

B­3126/2010 Versand: 21. März 2011

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