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Bundesverwaltungsgericht 01.11.2011 A-8136/2010

1. November 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,475 Wörter·~12 min·1

Zusammenfassung

Mehrwertsteuer | Einfuhrsteuer; Wartung im Ausland

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung I A­8136/2010 Urteil   v om   1 .   No v embe r   2011 Besetzung Richter Daniel Riedo (Vorsitz), Richter Michael Beusch, Richter Pascal Mollard, Gerichtsschreiber Urban Broger. Parteien A._________ AG, Beschwerdeführerin, gegen Oberzolldirektion (OZD), Hauptabteilung Recht und Abgaben, Vorinstanz. Gegenstand Einfuhrsteuer; Wartung im Ausland.

A­8136/2010 Sachverhalt: A.  Die  A._______  AG  bezweckt  gemäss  Eintrag  im  Handelsregister  den  Betrieb  eines  gewerbsmässigen  Taxiflugunternehmens,  die  gewerbsmässige  Ein­  und  Vercharterung  sowie  die  Haltung  und  den  Vertrieb  von  Flugzeugen. Mit  Verfügung  vom  20. Mai  2010  forderte  die  Zollkreisdirektion Schaffhausen von ihr Mehrwertsteuern (Einfuhrsteuern)  in der Höhe von Fr. 71'769.50 nach, was die Oberzolldirektion (OZD) mit  Beschwerdeentscheid  vom  21. Oktober  2010  bestätigte.  Die  Nachforderung betraf die Jahre 2002, 2004, 2006 und 2007. In der Sache  ging es um Einfuhrsteuern,  die  nach Ansicht  der Zollverwaltung bei  der  Wiedereinfuhr der Luftfahrzeuge HB­_______ (Falcon 2000EX) und HB­ _______  (Falcon  900EX)  nach  im  Zollausland  erfolgten  Instandhaltungsarbeiten  angefallen  waren.  Die  beiden  Luftfahrzeuge  standen  im  Eigentum  der  B._______  AG  bzw.  der  C._______  AG  und  wurden von der A._______ AG geleast. Die Zollverwaltung stellte sich auf  den Standpunkt, dass gemäss den Operations­ und Leasingverträgen die  A._______ AG die beiden Luftfahrzeuge für die Eigentümerinnen und für  Charterkunden  verwaltete,  bereithielt  und  betrieb  (sog.  Aircraft­ Management), nicht aber eine generelle Vermietung oder Vercharterung  der Luftfahrzeuge an die A._______ AG stattfand. Dies jedoch hätte nach  Ansicht  der  OZD  die  Voraussetzung  dafür  gebildet,  dass  die  Wiedereinfuhr  der  Luftfahrzeuge  nach  im  Ausland  durchgeführten  Instandhaltungsarbeiten von der Einfuhrsteuer befreit gewesen wäre. B.  Gegen den Beschwerdeentscheid der OZD vom 21. Oktober 2010 erhob  die A._______ AG (Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom 22. November  2010  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht.  Sie  beantragte,  der  angefochtene  Beschwerdeentscheid  sei  unter  Kosten­  und  Entschädigungsfolgen  zu  Lasten  der  OZD  aufzuheben.  Die  Vorinstanz  habe  verkannt,  dass  ihr,  der  Beschwerdeführerin,  das  exklusive  Nutzungsrecht  an  den  streitbetroffenen  Luftfahrzeugen  zugestanden  habe.  Die  Luftfahrzeuge  seien  in  den  Jahren  2006  bis  2009  durchschnittlich  zu  70  bis  80%  für  Flüge  zu  Gunsten  von  Drittcharterkunden eingesetzt und damit für Personen verwendet worden,  die  mit  den  Eigentümerinnen  der  Luftfahrzeuge  nicht  eng  verbunden  gewesen  seien.  Sämtliche  Voraussetzungen  für  die  Befreiung  von  der  Einfuhrsteuer  seien  erfüllt  gewesen.  Im  Übrigen  beschlage  der  vorliegende  Sachverhalt  im  Grunde  eine  Warenbewegung  über  die 

A­8136/2010 Grenze. Die Frage, ob diese Warenbewegung im Rahmen eines Aircraft­ Management­Vertrages erfolgt sei, stelle sich gar nicht. Entscheidend sei  vielmehr, dass die Lieferungen der Flugzeuge durch die Eigentümerinnen  (B._______ AG bzw. der C._______ AG) an die Beschwerdeführerin zum  Zwecke  der  gewerbsmässigen  Vercharterung  an  Kunden  der  Beschwerdeführerin  erfolgt  sei;  nur  solches  sei  von  der  einschlägigen  Befreiungsbestimmung verlangt und dies sei vorliegend denn auch erfüllt. C.  Mit  Vernehmlassung  vom  27. Januar  2011  hielt  die  OZD  an  ihrer  Rechtsauffassung  fest und stellte den Antrag, die Beschwerde sei unter  Kostenfolgen  zu  Lasten  der  Beschwerdeführerin  abzuweisen.  Gemäss  den  vorgelegten  Verträgen  habe  die  Beschwerdeführerin  die  Aufgabe  gehabt,  die  Luftfahrzeuge  auf  Kosten  der  jeweiligen  Eigentümerinnen  bestmöglich zu vermarkten und zu verchartern. Bei Aircraft­Management­ Verträgen  sei  der  Einsatz  des  Luftfahrzeuges  zu  Gunsten  von  Drittpersonen zumindest im Vertragstext in der Regel immer vorgesehen.  Deshalb  könne  der  Einsatz  des  Luftfahrzeuges  für  vom  Eigentümer  unabhängige Drittpersonen kein Ausschlussgrund für das Vorliegen eines  Aircraft­Management­Vertrages sein. Im Wesentlichen unter Berufung auf  das  Urteil  des  Bundesgerichts  2C_904/2008  vom  22. Dezember  2009  E. 5  hielt  die  OZD  fest,  eine  Vercharterung  sei  nur  zu  bejahen,  soweit  tatsächlich Dritte befördert worden seien. Das Bundesgericht selber gehe  nämlich  bei  der  Übergabe  eines  Luftfahrzeuges  an  ein  Luftverkehrsunternehmen  ins  Aircraft­Management  nicht  von  einer  generellen  Vermietung  des  Luftfahrzeuges  an  das  Luftverkehrsunternehmen aus. D.  Auf  weitere  Eingaben  und  Vorbringen  der  Parteien  wird  –  soweit  entscheidwesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss  Art. 31  des  Bundesgesetzes  vom  17. Juni  2005  über  das  Bundesverwaltungsgericht  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Der  angefochtene 

A­8136/2010 Beschwerdeentscheid der OZD vom 21. Oktober 2010 stellt  eine solche  Verfügung  dar.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  zuständige  Beschwerdeinstanz (Art. 32 VGG e contrario und Art. 33 Bst. d VGG). Auf  die form­ und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 1.2.  Am  1. Januar  2010  ist  ein  neues  Mehrwertsteuergesetz  in  Kraft  getreten  (Bundesgesetz  vom  12. Juni  2009  über  die  Mehrwertsteuer  [MWSTG,  SR 641.20]).  Gemäss  Art. 112  Abs. 1  MWSTG  bleiben  die  bisherigen  gesetzlichen  Bestimmungen  sowie  die  darauf  gestützt  erlassenen  Vorschriften  grundsätzlich  weiterhin  auf  alle  während  ihrer  Geltungsdauer  eingetretenen  Tatsachen  und  entstandenen  Rechtsverhältnisse anwendbar. Der vorliegende Sachverhalt verwirklichte  sich  in  den  Jahren  2002  bis  2007.  Er  ist  damit  noch  nach  dem  Bundesgesetz  vom  2. September  1999  über  die  Mehrwertsteuer  (aMWSTG, AS 2000 1300) zu beurteilen. 1.3.  Die  Beschwerdeführerin  machte  in  ihrer  Eingabe  an  das  Bundesverwaltungsgericht  geltend,  sie  behalte  sich  vor,  weitere  Beweismittel  beizubringen.  Nach  höchstrichterlicher  Rechtsprechung  kann das Beweisverfahren geschlossen werden, wenn die noch im Raum  stehenden Beweisanträge eine nicht erhebliche Tatsache betreffen oder  offensichtlich untauglich sind, etwa weil ihnen die Beweiseignung abgeht  oder  umgekehrt  die  betreffende  Tatsache  aus  den  Akten  bereits  genügend  ersichtlich  ist  (BGE  131 I 153  E. 3  mit  Hinweisen;  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Basel  2008,  N 3.144  mit  Hinweisen).  Das  Bundesverwaltungsgericht  erachtet  aufgrund  der  ihm  vorliegenden  Beweise  den  Sachverhalt  für  genügend  geklärt.  Auf  die  Erhebung  weiterer Beweise wird verzichtet. 2.  2.1.  Der  Bund  erhebt  eine  allgemeine  Verbrauchssteuer  nach  dem  System der Netto­Allphasensteuer mit Vorsteuerabzug  (Mehrwertsteuer;  Art. 130  der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft  vom 18. April 1999 [BV, SR 101]; Art. 1 Abs. 1 aMWSTG). Gemäss Art. 5  aMWSTG  unterliegen  der  Mehrwertsteuer  (Inlandsteuer)  u.a.  im  Inland  durch steuerpflichtige Personen gegen Entgelt erbrachte Dienstleistungen  und  Lieferungen  von  Gegenständen.  Damit  eine  steuerbare  Leistung  vorliegt, muss sie  im Austausch mit einer Gegenleistung, gegen Entgelt,  erfolgen. Die Entgeltlichkeit stellt – vom Eigenverbrauch abgesehen – ein  unabdingbares Tatbestandsmerkmal einer mehrwertsteuerlichen Leistung 

A­8136/2010 dar.  Besteht  zwischen  Leistungserbringer  und  ­empfänger  kein  Austauschverhältnis  in  erwähntem  Sinne,  ist  die  Aktivität  mehrwertsteuerlich  irrelevant  und  fällt  nicht  in  den  Geltungsbereich  der  Mehrwertsteuer  (anstelle  zahlreicher:  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­5745/2008  vom  11. Juni  2010  E. 2.3  mit  Hinweisen). 2.2.  Die  Annahme  eines  Leistungsaustauschs  setzt  voraus,  dass  zwischen  Leistung  und  Gegenleistung  eine  innere  wirtschaftliche  Verknüpfung  gegeben  ist  (BGE  126 II 443  E. 6a  mit  Hinweisen;  IVO  P.  BAUMGARTNER,  in  mwst.com,  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  die  Mehrwertsteuer,  Basel  et  al.  2000  [hiernach:  mwst.com],  N 6  und  8  zu  Art. 33 Abs. 1 und Abs. 2). Die Beantwortung der Frage nach der inneren  Verknüpfung  erfolgt  nicht  in  erster  Linie  nach  zivilrechtlichen,  sondern  nach  wirtschaftlichen,  tatsächlichen  Kriterien.  Insbesondere  ist  für  die  Annahme  eines  Leistungsaustauschs  das  Vorliegen  eines  Vertragsverhältnisses nicht zwingend erforderlich (BGE 126 II 249 E. 4a).  Vielmehr  genügt,  dass  Leistung  und  Gegenleistung  innerlich  derart  verknüpft  sind,  dass  die  Leistung  eine  Gegenleistung  auslöst.  Ausreichend  kann  folglich  sein,  wenn  einer  Leistung  eine  erwartete  (Üblichkeit)  oder  «erwartbare» Gegenleistung  (nach  den Umständen  ist  «erwartbar»,  dass  eine  Leistung  die  Gegenleistung  auslöst)  gegenübersteht,  d.h.  dass nach den Umständen davon auszugehen  ist,  die Leistung löse eine Gegenleistung aus (anstelle zahlreicher und auch  zum Folgenden: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A­5745/2008 vom  11. Juni 2010 E. 2.3 mit Hinweisen). Bei der Beurteilung der Frage nach  dem  wirtschaftlichen  Zusammenhang  zwischen  Leistung  und  Gegenleistung  ist  primär  auf  die  Sicht  des  Leistungsempfängers  abzustellen, was der Konzeption der Mehrwertsteuer als Verbrauchsteuer  entspricht (DANIEL RIEDO, Vom Wesen der Mehrwertsteuer als allgemeine  Verbrauchsteuer  und  von  den  entsprechenden  Wirkungen  auf  das  schweizerische Recht, Bern 1999, S. 230 ff.). 2.3.  Die  Luftfahrzeugmiete  wie  auch  der  «Mietcharter»  sind  mehrwertsteuerlich  als  Lieferungen  zu  qualifizieren  (Art. 6  Abs. 2  Bst. b  aMWSTG).  Hingegen  qualifiziert  das  Bundesgericht  das  sogenannte  Aircraft  Management  als  Dienstleistung  (Urteile  des  Bundesgerichts  2A.40/2007  vom  14. November  2007  E. 2.5  und  2C_904/2008  vom  22.  Dezember  2009  E. 5.2).  In  Anlehnung  an  eine  Branchenbroschüre  der  Eidgenössischen Steuerverwaltung  (ESTV) definierte das Bundesgericht  in den erwähnten Urteilen das Aircraft Management als ein Verwalten und 

A­8136/2010 Betreiben von Luftfahrzeugen, die einer anderen Person oder Firma bzw.  einem  anderen  Eigentümer  gehören.  War  die  Betreibergesellschaft  jedoch  berechtigt,  das  Luftfahrzeug  zur  Durchführung  von  Flügen  mit  Dritten  zu  verwenden  und  machte  sie  davon  Gebrauch,  nahm  das  Bundesgericht  (im  Verhältnis  zwischen  Eigentümergesellschaft  und  Betreibergesellschaft) eine Vercharterung oder Vermietung und nicht ein  Aircraft  Management  an  (Urteil  des  Bundesgerichts  2C_904/2008  vom  22. Dezember 2009 E. 5.4). 2.4. Art. 19  aMWSTG  enthält  eine  Liste  mit  Steuerbefreiungen.  Zudem  kann  der  Bundesrat  gemäss  Art. 19  Abs. 3  aMWSTG  zur Wahrung  der  Wettbewerbsneutralität  Beförderungen  im  grenzüberschreitenden  Luft­  und  Eisenbahnverkehr  von  der  Steuer  befreien,  was  er  mit  Erlass  von  Art. 6  der  Verordnung  vom  29. März  2000  zum  Bundesgesetz  über  die  Mehrwertsteuer  (aMWSTGV,  AS 2000 1347)  für  gewisse  Beförderungsleistungen im Luftverkehr getan hat. Obwohl  in diesem Fall  die  Ausgangsumsätze  (z.B.  Beförderungsleistungen  im  Luftverkehr)  befreit sind, können die Steuern auf den Lieferungen und den Einfuhren  von  Gegenständen  sowie  auf  den  Dienstleistungen,  welche  für  die  genannte Tätigkeit verwendet werden, als Vorsteuern abgezogen werden  (Art. 19 Abs. 1 aMWSTG; Art. 38 Abs. 3 aMWSTG). 2.5.  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  mit  Urteil  A­5745/2008  vom  11. Juni  2010  E. 2.5  betreffend  die  gemäss  Art. 19  Abs. 2  Ziff. 2  aMWSTG  befreiten  Vermietungen  und  Vercharterungen  von  Luftfahrzeugen festgehalten, es sei nicht zu übersehen, dass dadurch für  Personen,  die  überwiegend  im  Ausland  ein  Privatflugzeug  nutzen,  ein  erhebliches  Interesse  besteht,  dieses  Luftfahrzeug  über  eine  in  der  Schweiz mehrwertsteuerpflichtige Drittperson zu halten. Dadurch entsteht  grundsätzlich  ein  Leistungsaustausch  zwischen  der  Betreiberin  des  Luftfahrzeuges  und  der  Privatperson  und  es  entstehen  damit  Umsätze,  die  von  der  Mehrwertsteuer  befreit  sind,  aber  zum  Vorsteuerabzug  berechtigen  (echte  Befreiung).  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  auch  festgehalten, dass solche Gestaltungen grundsätzlich hinzunehmen sind,  es  sei  denn,  es  liege  eine  Steuerumgehung  vor,  deren  Vorkommen  im  Bereich  der  Mehrwertsteuer  das  Bundesgericht  ausdrücklich  anerkennt  (Urteil des Bundesgerichts 2C_632/2007 vom 7. April 2008, veröffentlicht  in Archiv für schweizerisches Abgaberecht [ASA] 77 S. 354 ff. E. 4.2). 2.6. Ein Durchgriff durch die Betreibergesellschaft auf den Alleinaktionär  (hier die Privatperson) rechtfertigt sich mit anderen Worten dort, wo eine 

A­8136/2010 Steuerumgehung  vorliegt  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­5745/2008  vom  11. Juni  2010  E. 2.6;  Urteil  des  Bundesgerichts  2C_742/2008  vom  11. Februar  2009,  veröffentlicht  in  ASA 79  S. 260  ff.  E. 5.5  und  5.6;  BGE 132 III 489  E. 3.2;  PASCAL  MOLLARD/XAVIER  OBERSON/ANNE  TISSOT  BENEDETTO,  Traité  TVA,  Basel  2009,  S. 433  f.).  Wird  solcherart  durch  die  bisher  mehrwertsteuerpflichtige  Gesellschaft  auf  die  dahinter  stehende  Person  durchgegriffen,  entfällt  der  Leistungsaustausch  zwischen  Gesellschaft  und  Privatperson  und  damit  der  (steuerbare)  Umsatz,  womit  unter  Umständen  die  Mehrwertsteuerpflicht  wegfällt,  da  diese  regelmässig  an  die  Höhe  des  Umsatzes  anknüpft  (nachfolgend  E. 3.1;  Art. 21  Abs. 1  aMWSTG  und  Art. 25 Abs. 1 Bst. a aMWSTG). 2.7.  2.7.1.  Nicht  folgen  kann  das  Bundesverwaltungsgericht  hingegen  der  (isolierten)  Aussage  des  Bundesgerichts,  dass  dort,  wo  die  Nutzung  ausschliesslich  durch  den  wirtschaftlichen  Eigentümer  für  seinen  Privatbereich oder durch Personen, die diesem zuzurechnen sind, erfolgt,  es  einen  Leistungsaustausch  regelmässig  verneine  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts 2C_904/2008 vom 22. Dezember 2009 E. 7.1, allerdings  zum  liechtensteinischen  Mehrwertsteuerrecht  und  erst  noch  zu  verbundenen Gesellschaften). Lediglich aufgrund der Tatsache, dass der  wirtschaftliche  Eigentümer  das  sich  in  einer  separaten  Betreibergesellschaft  befindende  Luftfahrzeug  privat  und  als  einziger  nutzt,  kann das Vorliegen eines Leistungsaustauschs zwischen  ihm und  der  Betreibergesellschaft  nicht  generell  verneint  werden.  Für  das  Vorliegen eines Leistungsaustauschs  ist  nämlich nicht  entscheidend,  an  wen und in welchem Umfang geleistet wird, sondern ob die Leistung und  die Gegenleistung innerlich wirtschaftlich verknüpft sind, wobei primär die  Sicht des Leistungsempfängers einzunehmen ist (oben E. 2.2). 2.7.2.  Zur  Stützung  der  eben  zitierten  Aussage  berief  sich  das  Bundesgericht  auf  seine  Urteile  2C_463/2008  vom  27. Januar  2009  E. 2.1 und 2A.748/2005 vom 25. Oktober 2006 E. 3.2. In letztgenanntem  Entscheid ging es um die Frage, ob die Steuerverwaltung zur Abklärung  der  Steuerpflicht  von  der  betroffenen  Person  weitere  Unterlagen,  insbesondere solche zur Identität der Leistungsbezüger, einfordern kann.  Das  Bundesgericht  hielt  fest,  dies  sei  zulässig,  denn  nur  so  könne  die  Steuerverwaltung  prüfen,  ob  zu  erwarten  sei,  dass  das  Luftfahrzeug  durch unabhängige Dritte genutzt werde und damit die Voraussetzungen  für  die  Begründung  eines  Leistungsaustauschs  gegeben  seien.  Unter  http://links.weblaw.ch/2C_742/2008

A­8136/2010 Verweis  auf  ALOIS  CAMENZIND/NIKLAUS  HONAUER/KLAUS  A. VALLENDER,  Handbuch  zum Mehrwertsteuergesetz, Bern  2003,  2. Aufl., N 171,  fügte  das Bundesgericht bei, der Leistungsgegenstand müsse die betriebliche  Sphäre  verlassen  und  sich  an  einen  Leistungsempfänger  richten,  damit  von  einer  Leistung  und  mithin  von  einem  steuerbaren  Umsatz  gesprochen  werden  könne.  Hieraus  kann  allerdings  nicht  geschlossen  werden,  dass  –  wo  die  Nutzung  ausschliesslich  durch  den  wirtschaftlichen  Eigentümer  für  seinen  Privatbereich  oder  durch  Personen, die diesem zuzurechnen sind, erfolgt – ein Leistungsaustausch  generell verneint werden muss. 2.7.3.  Im Urteil des Bundesgerichts 2C_463/2008 vom 27. Januar 2009,  auf welches ebenfalls verwiesen wird, war nicht der Leistungsaustausch,  sondern die Vorsteuerabzugskürzung strittig. Die betroffene Gesellschaft  diente  einem  verdeckten  Zweck,  nämlich  der  Liebhaberei  ihres  Alleinaktionärs. Die umstrittenen Eingangsleistungen dienten mit anderen  Worten  privaten  Bedürfnissen  des  Aktionärs  und  flossen  damit  nicht  in  steuerbare  Ausgangsumsätze,  was  zu  einer  entsprechenden  Kürzung  des  Vorsteuerabzuges  führte  (Urteil  des  Bundesgerichts  2C_463/2008  vom  27. Januar  2009  E. 2.2;  vgl.  auch  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts A­1630/2006 vom 13. Mai 2008 E. 3.5). 2.7.4.  Im  Übrigen  bejahte  das  Bundesgericht  in  einer  Konstellation,  in  welcher  eine  Aktiengesellschaft  ihrem  Alleinaktionär  Beförderungsleistungen  im Bereich der Luftfahrt erbrachte und dafür ein  Entgelt erhielt, das Vorliegen eines Leistungsaustauschs ausdrücklich. Es  hielt  fest,  ein  Leistungsaustausch  liege  unabhängig  davon  vor,  ob  die  Flüge  zu  geschäftlichen  oder  zu  privaten  Zwecken  des  Dienstleistungsempfängers  erfolgten  (Urteil  des  Bundesgerichts  2C_632/2007  vom  7. April  2008,  ASA 77  S. 354 ff.  E. 2).  Hingegen  bejahte  es  im  konkreten  Fall  eine  Steuerumgehung  (Urteil  des  Bundesgerichts 2C_632/2007 vom 7. April  2008, ASA 77 S. 354 ff. E. 4;  kritisch  hierzu:  XAVIER  OBERSON/JACQUES  PITTET,  La  jurisprudence  du  Tribunal  fédéral en matière de TVA, ASA 79 S. 149 ff., S. 164; vgl. auch  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­5745/2008  vom  11. Juni  2010 E. 2.6). 2.8.  Demnach  ist  festzuhalten,  dass  der  Leistungsaustausch  nicht  generell  verneint  werden  kann,  wo  die  Nutzung  des  Luftfahrzeuges  ausschliesslich  durch  den  wirtschaftlichen  Eigentümer  für  seinen  Privatbereich erfolgt. Ebenfalls ist festzuhalten, dass das Bundesgerichts 

A­8136/2010 solches  in  Tat  und Wahrheit  auch  nicht  tut,  obschon  es  dies  im  Urteil  2C_904/2008 vom 22. Dezember 2009 so apodiktisch zu verstehen gibt. 3.  3.1.  Die  Steuer  auf  dem  Umsatz  im  Inland  (Inlandsteuer;  2. Titel  des  aMWSTG)  wird  ergänzt  durch  eine  Steuer  auf  den  Einfuhren  (Einfuhrsteuer;  3. Titel  des  aMWSTG).  Die  Einfuhrsteuer  unterscheidet  sich von der  Inlandsteuer  in wesentlichen Punkten,  insbesondere gilt  für  sie gemäss Art. 72 aMWSTG die Zollgesetzgebung, soweit die Art. 73 ff.  aMWSTG  nichts  anderes  anordnen.  Zuständig  für  die  Erhebung  der  Einfuhrsteuer  ist  die  Eidgenössische  Zollverwaltung  (Art. 82  Abs. 1  aMWSTG)  und  nicht  die  ESTV,  die  jedoch  für  die  Erhebung  der  Inlandsteuer  zuständig  ist  (Art. 52  aMWSTG).  Steuerobjekt  der  Einfuhrsteuer  sind  nicht  Umsätze,  sondern  ist  die  Einfuhr  von  Gegenständen (Art. 73 Abs. 1 aMWSTG). Im Gegensatz zur Inlandsteuer  und  zum  Bezug  von  Dienstleistungen  aus  dem  Ausland  ist  bei  der  Einfuhrsteuer  keine  Entgeltlichkeit  vorausgesetzt  (CAMENZIND/HONAUER/VALLENDER,  a.a.O.,  N 1839).  Weiter  hat  sie  ein  anderes Steuersubjekt als die Inlandsteuer. Inlandsteuerpflichtig wird, wer  eine  mit  der  Erzielung  von  Einnahmen  verbundene  gewerbliche  oder  berufliche  Tätigkeit  selbständig  ausübt  –  auch wenn  die Gewinnabsicht  fehlt  –  sofern  seine  Lieferungen,  seine  Dienstleistungen  und  sein  Eigenverbrauch  im  Inland  jährlich  gesamthaft  Fr. 75'000.­­  übersteigen  (Art. 21 Abs. 1  aMWSTG).  Steuersubjekt  der Einfuhrsteuer  hingegen  ist  nicht  der  Leistungserbringer,  sondern  der  Zollzahlungspflichtige  (Art. 75  Abs. 1 aMWSTG). Während schliesslich bei der Inlandsteuer das Entgelt  Bemessungsgrundlage  bildet  (Art. 33  Abs. 1  aMWSTG),  wird  die  Einfuhrsteuer,  wenn  der Gegenstand  in  Erfüllung  eines Veräusserungs­  oder  Kommissionsgeschäfts  eingeführt  wird,  zwar  ebenfalls  auf  dem  Entgelt erhoben (Art. 76 Abs. 1 Bst. a und Bst. c ff. aMWSTG), ansonsten  jedoch  und  getreu  der  Tatsache,  dass  die  Entgeltlichkeit  keine  Voraussetzung  der  Einfuhrsteuer  ist,  auf  dem Marktwert  (Art. 76  Abs. 1  Bst. b aMWSTG). 3.2.  Allerdings  kennt  auch  das  Einfuhrsteuersteuerrecht  verschiedene  Steuerbefreiungstatbestände  (vgl.  Art. 74  aMWSTG;  zum  Ganzen:  CAMENZIND/HONAUER/VALLENDER,  a.a.O.,  N 1861 ff.).  Von  der  Steuer  befreit  ist u.a. die Einfuhr von Gegenständen, die nachweislich aus dem  freien inländischen Verkehr zur Instandsetzung oder zur Lohnveredelung  im Rahmen eines Werkvertrages vorübergehend ausgeführt und an den  Absender in der Schweiz zurückgesandt werden. Ausnahme bildet dabei 

A­8136/2010 das Entgelt für die im Ausland besorgten Arbeiten an den Gegenständen  (Art. 74  Ziff. 7  aMWSTG  [in  der  per  1. Januar  2001  in  Kraft  getretenen  Fassung, AS 2000 1336] und Art. 74 Abs. 1 Ziff. 6 aMWSTG  [in der auf  den 1. Mai 2007  in Kraft getretenen Fassung, AS 2007 1457],  jeweils  in  Verbindung  mit  Art. 76  Abs. 1  Bst. f  aMWSTG;  CAMENZIND/HONAUER/VALLENDER, a.a.O., N 1884 ff.). Weiter  sind Gegenstände  von  der Einfuhrsteuer  befreit,  deren Umsätze  im Inland nach Art. 19 Abs. 2 Ziff. 7 aMWSTG von der Steuer befreit sind  (Art. 74 Ziff. 11 aMWSTG  [in der per 1. Januar 2001  in Kraft getretenen  Fassung, AS 2000 1336] und Art. 74 Abs. 1 Ziff. 10 aMWSTG [in der auf  den 1. Mai 2007 in Kraft getretenen Fassung, AS 2007 1458]). Unter die  verwiesene  Steuerbefreiung  von  Art. 19  Abs. 2  Ziff. 7  aMWSTG  fallen  Lieferungen, Umbauten,  Instandsetzungen, Wartungen, Vercharterungen  und Vermietungen von Luftfahrzeugen, die von Unternehmen verwendet  werden,  die  gewerbsmässige  Luftfahrt  im  Beförderungs­  oder  Charterverkehr betreiben und deren Umsätze aus internationalen Flügen  jene  aus  dem  Binnenluftverkehr  überwiegen.  Auch  sind  Lieferungen,  Vermietungen,  Instandsetzungen  und  Wartungen  der  in  diese  Luftfahrzeuge eingebauten Gegenstände oder der Gegenstände für ihren  Betrieb  von  der  Steuer  befreit,  sodann  Lieferungen  von  Gegenständen  zur Versorgung dieser Luftfahrzeuge sowie Dienstleistungen, die für den  unmittelbaren Bedarf dieser Luftfahrzeuge und  ihrer Ladungen bestimmt  sind. 3.3. Erfüllt  demnach ein Unternehmen die  subjektiven Voraussetzungen  von  Art. 19  Abs. 2  Ziff. 7  aMWSTG  (1. Betreiben  von  gewerbsmässiger  Luftfahrt  im  Beförderungs­  oder  Charterverkehr;  2. Die  Umsätze  aus  internationalen  Flügen  überwiegen  jene  aus  dem  Binnenluftverkehr),  können  ihm  gewisse  Leistungen,  insbesondere  Instandsetzungen  und  Wartungen  von  Luftfahrzeugen, mehrwertsteuerfrei  erbracht werden.  Zu  beachten  ist,  dass  trotz  der  Verweisung  auf  eine  Bestimmung  des  Inlandsteuerrechts bei der Einfuhrsteuer Gegenstände und nicht Umsätze  bzw. Leistungen befreit werden (Art. 74 aMWSTG spricht denn auch von  Gegenständen,  nicht  von  Leistungen).  Die  Befreiung  von  der  Einfuhrsteuer setzt – anders an jene von der Inlandsteuer – nicht voraus,  dass  die  einfuhrsteuerpflichtige  Person  Umsätze  erzielt  hätte  bzw.  gar  inlandsteuerpflichtig  wäre.  Denn  die  Verweisung  aus  dem  Einfuhr­  ins  Inlandsteuerrecht  erfolgt  nicht  zum  Zwecke,  das  Steuersubjekt  der  Einfuhrsteuer  zu  umschreiben,  sondern  um eine Art  von Gegenständen  zu  bestimmen,  welche  von  der  Einfuhrsteuer  befreit  sein  soll.  Insofern  http://www.admin.ch/ch/d/as/2007/1411.pdf http://www.admin.ch/ch/d/as/2007/1411.pdf http://www.admin.ch/ch/d/as/2007/1411.pdf http://www.admin.ch/ch/d/as/2007/1411.pdf http://www.admin.ch/ch/d/as/2007/1411.pdf

A­8136/2010 wäre  es  sachwidrig,  würde  bei  der  Frage,  ob  ein  Gegenstand  von  der  Einfuhrsteuer  befreit  sei,  zusätzlich  geprüft,  ob  die  betroffene  Person  auch  die  Voraussetzungen  der  Steuersubjektivität  der  Inlandsteuer  erfülle. Dies zeigt sich im Übrigen auch darin, dass die Bestimmungen zur  Steuerpflicht der  Inlandsteuer  (Art. 21 ff.  aMWSTG) von der Verweisung  in  Art. 74  aMWSTG  nicht  erfasst  sind.  Das  bedeutet  nichts  weiter,  als  dass  im  Rahmen  von  Art. 19  Abs. 2  Ziff. 7  aMWSTG  auch  ein  Unternehmen  von  der  Einfuhrsteuer  befreit  sein  kann,  das  nicht  inlandsteuerpflichtig ist.

A­8136/2010 4.  4.1.  Vorliegend  ist  nicht  strittig,  dass  die  Beschwerdeführerin  zur  fraglichen Zeit  in dem vom Bundesamt  für Zivilluftfahrt  (BAZL) geführten  Luftfahrzeugregister  als  Halterin  der  Luftfahrzeuge  HB­_______  und  HB­_______  eingetragen  war.  Nicht  strittig  ist  auch,  dass  sie  über  ein  sogenanntes  Air  Operator  Certificate  (AOC)  und  seit  1988  über  eine  Betriebsbewilligung  des  BAZL  (gemäss  Art. 27  ff.  des  Bundesgesetzes  vom  21. Dezember  1948  über  die  Luftfahrt  [Luftfahrtgesetz,  LFG,  SR 748.0]) verfügte, was sie zur Durchführung gewerbsmässiger Luftfahrt  berechtigte. Unbestritten ist auch, dass die Beschwerdeführerin am Markt  auftrat und gewerbsmässig Charterflüge anbot. Letzteres ergibt sich nicht  nur aus den ins Recht gelegten Broschüren, sondern lässt sich auch den  (von  der  OZD  nicht  bestrittenen)  Geschäftszahlen  der  Beschwerdeführerin  entnehmen,  wonach  seit  dem  Jahre  2006  rund  70  bis 80% des mit den betroffenen Luftfahrzeugen erzielten Umsatzes auf  Drittkunden  zurückzuführen  war.  Die  Beschwerdeführerin  hat  zudem  glaubwürdig  dargelegt,  dass  in  den  früheren  Jahren  der  Anteil  an  Drittkunden  gleich  hoch  oder  höher  gewesen  war.  Nicht  strittig  ist  schliesslich,  dass  die Beschwerdeführerin  in  den  Jahren  2002  bis  2007  beide  Luftfahrzeuge  zum  Teil  im  Ausland  in  Stand  setzen  liess,  für  die  Wiedereinfuhr  der  Luftfahrzeuge  zollzahlungspflichtig  und  damit  Steuersubjekt der Einfuhrsteuer war. 4.2.  Während  die  Einfuhrsteuerbefreiung  der  zur  Instandsetzung  vorübergehend  ausgeführten  Luftfahrzeuge  nicht  in  Frage  steht  (oben  E. 3.2  erster  Absatz),  ist  umstritten,  ob  die  im  Ausland  an  den  Luftfahrzeugen  besorgten  Wartungsleistungen  ebenfalls  einfuhrsteuerbefreit  waren  (oben  E. 3.2  zweiter  Absatz).  Die  OZD  verneinte  dies  mit  dem  Argument,  die  Beschwerdeführerin  habe  sogenanntes  Aircraft  Management  betrieben.  Die  Hinweise  der  Beschwerdeführerin  auf  luftfahrtrechtliche  Vorgaben  des  BAZL,  internationale Vorschriften,  ihr Nutzungsrecht  an beiden Luftfahrzeugen,  ihre  Tätigkeit  als  Taxiflugunternehmen  im  gewerbsmässigen  internationalen  Nichtlinienverkehr,  ihr  Interesse  an  einem  ertragreichen  Einsatz  der  Luftfahrzeuge,  ihre  Verwendung  der  Luftfahrzeuge  für  internationale  Beförderungen  und  Vercharterungen  und  der  Einsatz  derselben sowohl für Drittpersonen als auch für die Eigentümerinnen und  diesen  nahe  stehende  Personen  vermöchten  am  Ergebnis  nichts  zu  ändern.  Massgebend  sei  der  Kerngehalt  der  Verträge,  mit  denen  die  Luftfahrzeuge  der  Beschwerdeführerin  übergeben worden  seien.  Es  sei  unbestritten,  dass  die  Überlassung  der  Luftfahrzeuge  durch  die 

A­8136/2010 Eigentümerinnen an die Beschwerdeführerin  für Flüge mit Drittpersonen  als  Vermietung  und  damit  als  Lieferung  im  Sinne  des  Mehrwertsteuergesetztes  gelte.  Es  liege  in  solchen  Fällen  jedoch  keine  generelle Vermietung des Luftfahrzeuges an die Beschwerdeführerin vor,  sondern immer nur eine Vermietung oder Vercharterung für die konkrete  Flugleistung,  welche  die  Beschwerdeführerin  gegenüber  der Drittperson  erbringe. Diese Lieferungen  im Einzelfall hätten keine Auswirkungen auf  die  Einfuhrsteuer,  sondern  allenfalls  auf  die  Inlandsteuer,  sofern  eine  Inlandlieferung vorliege. Für die Einfuhrsteuer sei allein massgebend, ob  die  Eigentümerinnen  ihre  Luftfahrzeuge  seit  der  Überführung  in  den  zollrechtlich freien Verkehr generell an die Beschwerdeführerin vermietet  bzw. verchartert hätten. Die Begründung  der OZD  rechtfertigt  Ausführungen  zu  zwei  Bereichen.  Der erste betrifft die Ein­ und Ausgangsumsätze der Beschwerdeführerin  (E. 4.3),  der  zweite  deren Einfuhrsteuerpflicht  bzw.  die Befreiung  davon  (E. 4.4). 4.3.  Bezüglich  den  Umsätzen  der  Beschwerdeführerin  ist  vorab  festzuhalten,  dass  die  OZD  einzig  für  die  Erhebung  und  damit  für  die  Beurteilung  der  Einfuhrsteuer,  nicht  aber  für  die  Erhebung  der  Inlandsteuer  und  damit  grundsätzlich  auch  nicht  für  die  Beurteilung,  ob  Leistungsaustausche  vorlagen,  zuständig  ist  (oben  E. 3.1).  Mit  ihrer  Argumentation,  die  Eigentümerinnen  hätten  der  Beschwerdeführerin  die  Luftfahrzeuge  zum  Verwalten  und  Betreiben  übergeben  und  nicht  generell vermietet oder verchartert, begründet die OZD ihren Standpunkt,  das  heisst  die  Verweigerung  der  Einfuhrsteuerbefreiung,  jedoch  sinngemäss  mit  einem  fehlenden  Leistungsaustausch  bei  den  Eingangsumsätzen  der  Beschwerdeführerin.  Abgesehen  davon,  dass  in  erster Linie die ESTV und nicht die OZD solcherlei Fragen hätte abklären  müssen,  könnte  das  Bundesverwaltungsgericht  dieser  Argumentation  auch aus folgenden Gründen nicht folgen:  Das  Urteil  des  Bundesgerichts  2C_904/2008  vom  22. Dezember  2009,  auf  das  sich  die  OZD  in  ihrer  Begründung  beruft,  erging  im  Zusammenhang mit der Inland­ und nicht der Einfuhrsteuer. Es betraf  sodann die Ausgangsumsätze einer Gesellschaft, die eine andere im  Rahmen  eines  «Rent  and  Operation  Agreement»  mit  dem  Betrieb  eines  Flugzeuges  betraute.  Vorliegend  aber  ist  nicht  eine  Eigentümer­, sondern eine Betreibergesellschaft betroffen.

A­8136/2010  Zudem erachtet das Bundesverwaltungsgericht eine Rechtsprechung  ohnehin  für  fraglich,  bei  welcher  der  mehrwertsteuerliche  Leistungsaustausch  bei  einer  Nutzung  des  Luftfahrzeuges  «ausschliesslich  durch  den  wirtschaftlichen  Eigentümer  für  seinen  Privatbereich  oder  für  Personen,  die  diesem  zuzurechnen  sind»,  generell aberkannt wird  (oben E. 2.7). Gemäss der Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  fällt  der  Leistungsaustausch  allenfalls  dann  in  sich  zusammen,  wenn  aufgrund  des  Vorliegens  einer Steuerumgehung ein Durchgriff durch die Betreibergesellschaft  auf  die  dahinter  stehende  Person  stattfindet  (oben  E. 2.6)  oder  mangels  rechtsgenügender  Verknüpfung  von  Leistung  und  Gegenleistung  der  mehrwertsteuerliche  Leistungsaustausch  zu  verneinen ist (oben E. 2.8).  Sodann  ist  der  Sachverhalt  des  vorliegenden  Verfahrens  (die  Beschwerdeführerin  erbrachte  unbestrittenermassen  Leistungen  an  Dritte und fakturierte auch dort zu Drittpreisen, wo sie Leistungen an  nahe stehende Personen erbrachte) nicht mit  jenem zu vergleichen,  welcher dem erwähnten Urteil des Bundesgerichts 2C_904/2008 vom  22. Dezember 2009 zu Grunde lag, und dies selbst dann nicht, wenn  es  dort  ebenfalls  um  die  Einfuhr­  und  nicht  die  Inlandsteuer  gegangen  wäre.  Im  vom  Bundesgericht  beurteilten  Fall  liess  sich  nämlich  den  ins  Recht  gelegten  Passagierlisten  kein  einziger  Flug  entnehmen,  bei  welchem  die  Betreibergesellschaft  unabhängige  Dritte befördert hätte. Ohnehin verfügte sie zuerst nicht über ein AOC  und  als  sie  eines  hatte,  konnte  sie  noch  immer  keine  Flüge  für  Drittpersonen  nachweisen  (Urteil  des  Bundesgerichts  2C_904/2008  vom 22. Dezember 2009 E. 5.4 und E. 6.2). Damit ist Folgendes festzuhalten: Auch wenn die Beschwerdeführerin im  hier  zu beurteilenden Fall  einen Teil  ihrer Umsätze mit  nahe stehenden  Personen  erzielte,  zwingt  dies  nicht  zum  Schluss,  dass  kein  Leistungsaustausch vorlag (betrifft ohnehin die Ausgangsumsatzseite der  Beschwerdeführerin).  Und  selbst  im  Fall,  da  auf  der  Ausgangsumsatzseite  kein  Leistungsaustausch  vorgelegen  hätte,  wäre  daraus  für  die hier  zu beurteilende Frage der Einfuhrsteuerpflicht  nichts  abzuleiten  (oben  E. 3.3  in  fine).  Ebenso  wenig  von  Belang  ist  für  den  vorliegenden Fall die mehrwertsteuerliche Qualifikation des Verhältnisses  zwischen  den  Eigentümergesellschaften  und  der  Beschwerdeführerin  (betrifft  die  Eingangsumsatzseite  der  Beschwerdeführerin).  Dazu  ist  immerhin  festzuhalten,  dass  entgegen  der  Auffassung  der  OZD  kein 

A­8136/2010 Aircraft Management  im Sinne der  bundesgerichtlichen Rechtsprechung  (oben  E. 2.3)  vorlag,  und  zwar  schon  deshalb  nicht,  weil  die  Beschwerdeführerin  die  Luftfahrzeuge  nicht  für  die  Eigentümerinnen,  sondern für ihre eigenen Kunden (Drittkunden) verwaltete, bereithielt und  betrieb  und  die  Eigentümerinnen  dann,  wenn  sie  die  Luftfahrzeuge  verwenden wollten, keine Vorrechte geltend machen konnten. 4.4. Für die Frage nach der Befreiung von der Einfuhrsteuerpflicht kommt  es  hingegen  –  wie  bereits  mehrfach  erwähnt  –  auf  zwei  subjektive  Eigenschaften  der  Beschwerdeführerin  an:  Vorausgesetzt  ist,  dass  sie  (1.)  gewerbsmässige  Luftfahrt  im  Beförderungs­  oder  Charterverkehr  betrieb  und  (2.)  ihre Umsätze  aus  internationalen Flügen  jene  aus  dem  Binnenluftverkehr  überwogen  (oben  E. 3.2  und  3.3).  Beide  Tatbestandsmerkmale  sind  vorliegend  erfüllt.  Die  Beschwerdeführerin  setzte  die  Luftfahrzeuge HB­_______  und HB­_______  nachweislich  zu  mehr als 70% für Flüge mit Personen ein, die von ihr – aber auch von den  jeweiligen  Eigentümergesellschaften  –  unabhängig  waren.  Selbst  Kunden, die der Beschwerdeführerin bzw. den Eigentümergesellschaften  nahe  standen,  mussten  eine  marktkonforme  «Charter  Fee»  bezahlen.  Der Auftritt am Markt, die Organisation der Beschwerdeführerin aber auch  das  gültige  AOC  bzw.  die  Betriebsbewilligung  des  BAZL  zwingen  zum  Schluss,  dass  die  Beschwerdeführerin  gewerbsmässige  Luftfahrt  im  Beförderungs­ oder Charterverkehr betrieb, wie dies Art. 19 Abs. 2 Ziff. 2  aMWSTG verlangt (vgl. oben E. 4.1). Dass ein Grossteil des finanziellen  Risikos  bei  den  Eigentümerinnen  lag,  dass  diesen  praktisch  sämtliche  Kosten weiter belastet wurden und sie  im Gegenzug auch den Grossteil  des  mit  den  Luftfahrzeugen  erzielten  Umsatzes  erhielten,  ist  nicht  relevant, denn dies alles betrifft die Frage, wer das wirtschaftliche Risiko  trug  und  nicht  die  hier  einzig  relevante  Frage  der  Gewerbsmässigkeit.  Dass  schliesslich  die  Umsätze  der  Beschwerdeführerin  aus  internationalen  Flügen  jene  aus  dem  Binnenluftverkehr  überwogen,  wie  dies  Art. 19  Abs. 2  Ziff. 2  aMWSTG  als  zweites  Kriterium  verlangt,  wird  von der OZD nicht bestritten.  Im Übrigen hatte die ESTV mit Schreiben  vom  15. Juni  2001  der  Beschwerdeführerin  ausdrücklich  bestätigt,  sie  gelte  als  Luftverkehrsunternehmen  im  Sinne  von  Art. 19  Abs. 2  Ziff. 2  aMWSTG  (vgl.  Aktenverzeichnis  zur  Vernehmlassung  der  Vorinstanz,  act. 18). Die streitbetroffenen Wartungsleistungen sind in Anwendung von  Art. 74  Ziff. 11  aMWSTG  [in  der  per  1. Januar  2001  in  Kraft  getretenen  Fassung, AS 2000 1336] und Art. 74 Abs. 1 Ziff. 10 aMWSTG [in der auf  den  1. Mai  2007  in  Kraft  getretenen  Fassung,  AS 2007 1458]  von  der  Einfuhrsteuer zu befreien.

A­8136/2010 5.  Nach dem Gesagten ist die Beschwerde vollumfänglich gutzuheissen und  es  erübrigt  sich,  auf  die  weiteren  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin,  etwa  bezüglich  der  Verletzung  von  Treu  und  Glauben  durch  die  OZD,  einzugehen.  Der  angefochtene  Beschwerdeentscheid  der  OZD  vom  21. Oktober  2010  ist  aufzuheben.  Ausgangsgemäss  sind  der  obsiegenden  Beschwerdeführerin  und  der  unterliegenden  Vorinstanz  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen  (Art. 63  VwVG).  Der  geleistete  Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 4'000.— ist der Beschwerdeführerin  zurückzuerstatten.  Die  Vorinstanz  hat  der  obsiegenden  Beschwerdeführerin  eine  Parteientschädigung  auszurichten  (Art. 64  Abs. 1 und 2 VwVG). Sie wird praxisgemäss auf gesamthaft Fr. 6'000.—  (MWST inbegriffen) festgesetzt

A­8136/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2.  Der  Beschwerdeentscheid  der  Oberzolldirektion  vom  21. Oktober  2010  wird aufgehoben. 3.  Es  werden  keine  Verfahrenskosten  erhoben.  Der  von  der  Beschwerdeführerin  einbezahlte  Kostenvorschuss  in  der  Höhe  von  Fr. 4'000.— wird ihr zurückerstattet. 4.  Die  Vorinstanz  wird  verpflichtet,  der  Beschwerdeführerin  eine  Parteientschädigung  in  der  Höhe  von  gesamthaft  Fr. 6'000.—  zu  bezahlen. 5.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref­Nr. _______; Gerichtsurkunde) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Daniel Riedo Urban Broger

A­8136/2010 Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

A-8136/2010 — Bundesverwaltungsgericht 01.11.2011 A-8136/2010 — Swissrulings