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Bundesverwaltungsgericht 25.08.2011 A-8047/2010

25. August 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,436 Wörter·~12 min·1

Zusammenfassung

Wasserbau und Wasserwirtschaft | Wasserrechtskonzession, Enteignung

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung I A­8047/2010 Urteil   v om   2 5 .   Augus t   2011 Besetzung Richter André Moser (Vorsitz), Richterin Claudia Pasqualetto Péquignot, Richter Beat Forster, Gerichtsschreiberin Anita Schwegler. Parteien Engiadinalaina SA, 7560 Martina, vertreten durch Rolf Rüdisühli, Industrie Süd,  8573 Siegershausen, Beschwerdeführerin, gegen Gemeinschaftskraftwerk Inn GmbH GKI,  c/o Engadiner Kraftwerke AG, 7560 Martina, vertreten durch Dr. iur. Gieri Caviezel, Rechtsanwalt und  Notar, Masanserstrasse 40, 7000 Chur, Beschwerdegegnerin, und Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr,  Energie und Kommunikation UVEK, Bundeshaus Nord, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Wasserrechtskonzession, Enteignung.

A­8047/2010 Sachverhalt: A.  Mit Schreiben vom 5. April 2007 ersuchte die Gemeinschaftskraftwerk Inn  GmbH (GKI) das Eidgenössische Departement  für Umwelt, Verkehr und  Energie  UVEK  um  Erteilung  einer  Konzession  für  die  Nutzung  der  Wasserkraft  des  Inns  in  einem  Kraftwerk  Martina  –  Prutz,  soweit  sich  dieses  auf  Staatsgebiet  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  erstreckt. Das  Gesuch  um  Erteilung  der  Wasserrechtskonzession  wurde  im  Zeitraum vom 12. November 2007 bis zum 11. Dezember 2007 öffentlich  aufgelegt und publiziert. Gleichzeitig wurden die beabsichtigten baulichen  Massnahmen im betroffenen Gelände ausgesteckt. B.  Mit  Eingabe  vom  10. Januar 2008  erhob  die  Engiadinalaina  SA  sowohl  eine  wasserrechtliche  als  auch  eine  enteignungsrechtliche  Einsprache  gegen  das Gesuch  der GKI.  Sie machte  geltend,  ihr  sei  keine  gemäss  Art. 31  des  Bundesgesetzes  vom  20. Juni 1930  über  die  Enteignung  (EntG, SR 711) vorgesehene persönliche Anzeige gemacht worden. Dies  holte  die  GKI  mit  Schreiben  vom  25. April 2008  nach,  worauf  die  Engiadinalaina SA am 26. Mai 2008 eine weitere Einsprache einreichte. Am 28. Januar 2010  fand  in Martina  unter  der  Leitung des Bundesamts  für  Energie  BFE  ein  Augenschein  mit  einer  anschliessenden  Einigungsverhandlung statt. Dabei verständigten sich die Parteien darauf,  den bestehenden Schnittholzlagerplatz mittels Aufschüttung  anzuheben,  um die Holztrocknung im bisherigen Umfang weiterhin zu gewährleisten.  Ausserdem  wurde  vereinbart,  auf  der  Länge  der  Sägerei  eine  lichte  Durchfahrtsbreite  von  14 m,  gemessen  ab  der  Gebäudefluchtlinie,  zu  belassen.  Diese  Durchfahrtsbreite  sollte  flussabwärts  zusätzlich  soweit  belassen  werden,  dass  die  Zufahrtsrampe  zur  Holzschnitzelverladeanlage funktionstüchtig bleibe. Dabei waren sich die  Parteien  einig,  dass  diese  Massnahmen  unter  Umständen  zu  betrieblichen Anpassungen bei der Rundholzlagerung führen werden. Gestützt  auf  diese  Übereinkunft  nahm  die  GKI  die  entsprechenden  Änderungen  vor  und  stellte  den  Plan  mit  der  Flächenbeanspruchung  durch  die  GKI  (Plan  Nr.  B­SR­21­01­106)  vom  9. März 2010  der  Engiadinalaina  SA  zur  Vernehmlassung  zu.  In  ihrer  Eingabe  vom 

A­8047/2010 25. Juni 2010  verlangte  diese weitere  Anpassungen  des Plans  und  des  Projekts. Darauf ging die GKI jedoch nicht mehr ein. C.  Am  11. Oktober 2010  erteilte  das  UVEK  der  GKI  die  ersuchte  Konzession.  Gleichzeitig  erteilte  es  die  nötigen  weiteren  Bewilligungen.  Auf die wasserrechtliche Einsprache der Engiadinalaina SA  trat es nicht  ein. Weiter wies  es  die  enteignungsrechtliche Einsprache  ab,  soweit  es  darauf eintrat und erteilte der GKI das Enteignungsrecht für die baulichen  Massnahmen  im  Stauraum  gemäss  persönlicher  Anzeige  vom  25. April 2008  und  entsprechend  dem  Flächenbeanspruchungsplan  B­ SR­21­01­106 vom 9. März 2010. D.  Gegen  diese  Verfügung  erhebt  die  Engiadinalaina  SA  (nachfolgend  Beschwerdeführerin)  mit  Eingabe  vom  17. November 2010  Beschwerde  beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragt, auf ihre wasserrechtliche  Einsprache  einzutreten,  den  Entscheid  des  UVEK  (nachfolgend  Vorinstanz) vom 11. Oktober 2010 aufzuheben und der GKI (nachfolgend  Beschwerdegegnerin)  die  Konzession  für  die  Nutzung  der  Wasserkraft  des Inns sowie die Baubewilligung für den Bau des Kraftwerks Martina –  Prutz  und  die  Erteilung  des  Enteignungsrechts  zu  verweigern.  Eventualiter  sei  in  Aufhebung  des  angefochtenen  Entscheids  die  Streitsache  zur  Neuauflage  und  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen. E.  Mit  Beschwerdeantwort  vom  27. Januar 2011  beantragt  die  Beschwerdegegnerin,  die  Beschwerde  abzuweisen,  soweit  darauf  einzutreten sei. Mit Eingabe vom 4. Februar 2010 (recte 2011) reicht das  Bundesamt für Energie BFE in Vertretung der Vorinstanz sämtliche Akten  ein  und  verzichtet  auf  eine  Vernehmlassung  unter  Verweis  auf  die  angefochtene Verfügung. Am  24. März 2011  lässt  die  Beschwerdeführerin  dem  Bundesverwaltungsgericht  eine  Stellungnahme  zukommen.  Darin  bestätigt  sie  ihre  gestellten  Anträge  und  ersucht  um  Einsicht  in  die  Beilagen  11­88.  Nach  Ausübung  des  Akteneinsichtsrechts  reicht  die  Beschwerdeführerin  am  20. Mai 2011  eine  weitere  Stellungnahme  ein,  mit  welcher  sie  wiederum  ihre  ursprünglich  gestellten  Rechtsbegehren  bestätigt.

A­8047/2010 F.  Auf  weitere  Vorbringen  der  Parteien  und  die  sich  bei  den  Akten  befindlichen  Schriftstücke  wird  –  soweit  entscheidrelevant  –  in  den  nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  beurteilt  gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Das  UVEK  ist  eine  Behörde  im  Sinn  von  Art. 33  Bst. d  VGG  und  daher  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  Ausnahme  gemäss  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor,  weshalb  das  Bundesverwaltungsgericht  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde zuständig ist. 1.2. Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht  richtet sich nach  dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG). 1.3. Die  Beschwerdeführerin  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  des  UVEK  sowohl  formell  als  auch  materiell  beschwert  und  daher  zur  Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). 1.4. Auf die  frist­ und  formgerecht eingereichte Beschwerde  (vgl. Art. 50  und Art. 52 VwVG) ist somit einzutreten. 2.  Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf  Rechtsverletzungen  –  einschliesslich  der  unrichtigen  oder  unvollständigen Feststellung  des Sachverhalts  und Rechtsfehler  bei  der  Ausübung des Ermessens – sowie auf Angemessenheit (Art. 49 VwVG). 3.  3.1.  Die  Beschwerdeführerin  macht  geltend,  die  Vorinstanz  sei  zu  Unrecht  auf  ihre  wasserrechtliche  Einsprache  nicht  eingetreten.  Sie  sei  bis  zum  Ablauf  der  öffentlichen  Auflage  am  11. Dezember 2007  von  niemandem  über  die  Projektauflage  orientiert  oder  persönlich  benachrichtigt  worden.  Art. 62d  des  Bundesgesetzes  vom 

A­8047/2010 22. Dezember 1916  über  die  Nutzbarmachung  der  Wasserkräfte  (Wasserrechtsgesetz,  WRG,  SR 721.80)  verlange  jedoch,  dass  der  Konzessionsbewerber  den  Entschädigungsberechtigten  spätestens  mit  der öffentlichen Auflage des Gesuchs nach Art. 31 EntG eine persönliche  Anzeige über die zu enteignenden Rechte zuzustellen habe. Dies ergebe  sich  auch  aus  dem  Bundesgesetz  über  die  Koordination  und  Vereinfachung  von  Entscheidverfahren.  Diese  Koordinationsverpflichtungen  seien  nicht  grundlos  ins  WRG  aufgenommen worden. Sie hätten zwingenden Charakter. Es sollten nicht  nur gleichzeitig enteignungsrechtliche Ansprüche im Verfahren gegen das  Projekt angemeldet werden können, sondern ein Betroffener sollte auch  in Kenntnis  des Projekts  seine Ansprüche geltend machen  können. Die  von der Vorinstanz  vertretene Ansicht,  die  persönliche Anzeige  im Sinn  von  Art. 62d  WRG  könne  nachträglich  noch  geheilt  werden,  verletze  jedenfalls  dann  Bundesrecht  und  sei  offensichtlich  willkürlich,  wenn  sie  die  nachträgliche  Einsprache  lediglich  für  das  Enteignungsverfahren,  nicht  aber  für  die  wasserrechtlichen  Vorbringen  akzeptiere.  Dadurch  entstünden  der  Beschwerdeführerin  schwerwiegende  Nachteile  und  die  materielle Koordinationspflicht würde ausgehebelt. Die  der  Beschwerdeführerin  durch  diesen  bewussten  Verfahrensfehler  entstandene Benachteiligung wirke  sich  umso  gravierender  aus,  als  die  Beschwerdegegnerin im Jahr 2008 das ursprünglich öffentlich aufgelegte  Projekt  überarbeitet  und  mindestens  für  die  Beschwerdeführerin  noch  wesentlich verschlimmert habe. So sei nach neuer Variante im gesamten  Bereich entlang der Parzellen Nrn. 50 und 584 auf einer Länge von rund  500 m ein  überdimensionierter  Schüttdamm anstelle  der  ursprünglichen  Variante  einer  Betonsperre  vorgesehen.  Für  die  Beschwerdeführerin  bedeute dies insbesondere die Enteignung von noch mehr Land im Halte  von  rund  350  m2  und  eine  wesentliche  Verschlechterung  bzw.  Beeinträchtigung der Betriebsabläufe  im Bereich der Sägerei. So werde  zu Lasten der Grundstücke der Beschwerdeführerin die Dammschüttung  bei Profil Nr. 1 mit rund 7 m und bei den Profilen Nrn. 2 und 3 mit je 5 m  noch verstärkt und zusätzlich ein rund 2 m breiter Uferbegleitdamm in die  Lagerflächen ihres Betriebs geplant. 3.2.  Die  Beschwerdegegnerin  führt  dazu  aus,  die  nachträgliche  Zustellung  der  persönlichen  Anzeige  habe  den  Rechtsweg  gemäss  Art. 31 Abs. 2 EntG ausschliesslich  für enteignungsrechtliche (nicht aber  für wasserrechtliche) Fragen neu geöffnet. Die eigentliche Entschädigung  sei ohnehin Gegenstand des Schätzungsverfahrens.

A­8047/2010 Die  Beschwerdegegnerin  macht  weiter  geltend,  die  Behauptungen  der  Beschwerdeführerin  hinsichtlich  der  "wesentlichen  Projektänderung"  im  Juli 2009 seien falsch. Die "prinzipielle Lösung des Hochwasserschutzes  in  Martina  mit  einem  Hochwasserschutzdamm"  sei  gemäss  dem  ursprünglichen  Projekt  2007  beibehalten  worden.  Lediglich  die  Trassierung  und  die  Ausbildung  des  Damms  seien  angepasst  worden  und  dies  ausschliesslich  im  Interesse  und  auf  Wunsch  der  Beschwerdeführerin. Gestützt  auf  die  anlässlich  des  Augenscheins  mit  anschliessender  Einigungsverhandlung  erlangte  Einigung  habe  die  Beschwerdegegnerin  den  Projektplan  mit  dem  daraus  resultierenden  Enteignungsplan  angepasst  und  –  nachdem  der  Vertreter  der  Beschwerdeführerin,  Herr  Rüdisühli, den Anpassungen am 1. März 2010 mündlich zugestimmt habe  – dem  BFE  zur  Genehmigung  eingereicht.  Das  BFE  habe  diese  modifizierten  Pläne  der  Beschwerdeführerin  zur  Stellungnahme  zugestellt. Mit Schreiben vom 25. Juni 2010 habe die Beschwerdeführerin  zusätzliche  Anpassungen  und  Überarbeitungen  des  Projekts,  vor  allem  zusätzliche  Aufschüttungen  im  Bereich  der  Sägerei,  verlangt.  Diese  Forderungen  seien  seitens  der  Beschwerdegegnerin  mit  Eingabe  vom  8. Juli 2010 abgelehnt worden. 3.3.  Die  Vorinstanz  ist  auf  die  wasserrechtliche  Einsprache  vom  10. Januar  2008  mit  der  Begründung  nicht  eingetreten,  die  Beschwerdeführerin habe die Einsprachefrist verpasst. Gemäss Art. 62e  WRG  könne  während  der  Auflagefrist  beim  Bundesamt  Einsprache  erheben, wer nach den Vorschriften des VwVG oder des EntG Partei sei.  Wer keine Einsprache erhebe, sei nach der ausdrücklichen Bestimmung  von Art. 62e Abs. 1 WRG vom weiteren Verfahren ausgeschlossen. Die  enteignungsrechtliche  Einsprache  wies  sie  ab,  soweit  sie  darauf  eintrat.  Dies  mit  der  Begründung,  es  sei  ein  erhebliches  öffentliches  Interesse an der Realisierung des Vorhabens und damit für die Erteilung  des Enteignungsrechts gegeben. Nach  Prüfung  der  gesamten  Unterlagen  –  insbesondere  der  Planergänzungen  vom  17. Februar 2010  und  vom  9. März 2010  (Flächenbeanspruchungsplan  Nr.  B­SR­21­01­106),  welche  die  Minimierung des Eingriffs berücksichtigten – erweise sich das Vorhaben  auch als verhältnismässig  im Sinn des EntG und des WRG. Sowohl die  Behörden des Bundes als auch jene des Kantons Graubünden hätten die 

A­8047/2010 Konformität  des  Projekts  mit  den  gesetzlichen  Vorgaben  bescheinigt.  Insbesondere  entspreche  das  Projekt  auch  hinsichtlich  der  Anforderungen  des  Hochwasserschutzes  den  geltenden  Bestimmungen  im Bereich der Stauanlagen­ und Hochwassersicherheit. Demgegenüber  stehe  die  Forderung  der  Beschwerdeführerin  nach  einer  Redimensionierung  des  Damms  und  die  Ausrichtung  auf  ein  200­ jährliches  Hochwasser  HQ200  im  Widerspruch  zu  den  gesetzlichen  Vorgaben. Eine solche Redimensionierung komme somit nicht  in Frage,  das  Projekt  entspreche  so,  wie  es  geplant  sei,  den  massgeblichen  Sicherheitsvorschriften  und  sei  so  zu  erstellen.  Folglich  sei  der GKI  für  dieses Projekt mit den darin vorgesehenen Dimensionierungen auch das  Enteignungsrecht zu erteilen. Im  Bereich  des  Damms  richteten  sich  die  zu  enteignenden  Flächen  in  erster  Linie  nach  den  Sicherheitsbedürfnissen.  Diese  seien  im  Projekt  richtig  wiedergegeben  und  benötigten  den  dafür  vorgesehenen  Raum.  Ausserdem  sei  das  Projekt,  nicht  zuletzt  auch  aufgrund  der  Einigung  anlässlich  der  Einigungsverhandlung  vom  28. Januar 2010,  derart  angepasst worden, dass es mit einem verhältnismässigen Eingriff  in die  Eigentumsrechte der Beschwerdeführerin realisiert werden könne. Nicht  zu  beanstanden  sei  im  Übrigen  auch  der  Umstand,  dass  das  Sägewerk  nicht  auf  das  gleiche  Niveau  wie  der  Lagerplatz  angehoben  werde.  Abgesehen  davon,  dass  diese  Forderung  anlässlich  der  Einigungsverhandlung  nicht  zur  Diskussion  gestanden  habe,  sei  auch  kein  plausibler Grund  für  eine  derartige  Erhöhung  des  Sägeplatzes  auf  Kosten  der  Beschwerdegegnerin  ersichtlich.  Falls  diesbezüglich  trotz  allem  Nachteile  für  die  Beschwerdeführerin  entstehen  sollten,  wären  diese im Rahmen des Schätzungsverfahrens auszugleichen. 4.  Die Beschwerde ist in mehreren Schritten zu beurteilen: Einerseits ist zu  prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht auf die wasserrechtliche Einsprache  der  Beschwerdeführerin  nicht  eingetreten  ist  (E. 5);  andererseits  ist  zu  klären, ob die Abweisung der enteignungsrechtlichen Einsprache – soweit  darauf eingetreten wurde – und die Erteilung des Enteignungsrechts an  die  Beschwerdegegnerin  rechtmässig  waren  und  ob  dessen  Umfang  verhältnismässig  ist  (E. 6  und  7).  Schliesslich  gilt  es,  noch  auf  zwei  weitere Einwände der Beschwerdeführerin einzugehen (E. 8 und 9). 5. 

A­8047/2010 5.1. Seit  Inkrafttreten  des  Bundesgesetzes  vom  18. Juni 1999  über  die  Koordination  und  Vereinfachung  von  Entscheidverfahren  (AS  1999,  3071),  das  die  Verfahrensregelungen  verschiedener  Bundesgesetze  änderte, werden  in bestimmten Sachbereichen bei komplexen Projekten  die  Befugnisse  im  Rahmen  des  Enteignungsverfahrens  einer  sogenannten "Leitbehörde" übertragen. Die jeweiligen Spezialerlasse wie  z.B.  das  WRG  bezeichnen  die  Behörde,  bei  der  alle  erforderlichen  Verfahren  zusammengelegt  sind  und  der  die Verfahrensleitung  bis  zum  Einspracheentscheid obliegt. Die Leitbehörde entscheidet zusammen mit  der  Projektgenehmigung  und  allen  erforderlichen  Bewilligungen  gleichzeitig  auch  über  die  enteignungsrechtlichen  Einsprachen.  Sie  hat  damit  über  die  Zulässigkeit  und  den  Umfang  der  Enteignung  zu  entscheiden.  Es  obliegt  ihr,  zu  prüfen,  ob  die  Voraussetzungen  des  Enteignungsrechts  gegeben  sind,  ob  die  übermässigen  Einwirkungen  zulässig  und  unvermeidbar  sowie  ob  Vorkehrungen  anzuordnen  sind.  Einzig  die  Entschädigungsforderungen  beurteilt  auch  im  konzentrierten  Entscheidverfahren  wie  bisher  die  Schätzungskommission  nach  den  Bestimmungen  des  Enteignungsgesetzes  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­5466/2008  vom  3. Juni  2009 E. 1.2.2  und  A­817/2010  vom  16. Februar 2010  E. 9.2;  ULRICH  HÄFELIN/GEORG  MÜLLER/FELIX  UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  6. Aufl.,  Zürich/St. Gallen 2010, Rz. 2131). 5.2.  Im  konzentrierten  Entscheidverfahren  ist  innerhalb  der  Auflagefrist  nicht nur Einsprache gegen das Ausführungsprojekt zu erheben, sondern  grundsätzlich  sind  auch  sämtliche  enteignungsrechtlichen  Einwände  sowie  Begehren  um  Entschädigung  oder  Sachleistung  innerhalb  derselben  Frist  geltend  zu  machen.  Wer  nicht  fristgerecht  Einsprache  erhebt,  ist  vom  weiteren  Verfahren  ausgeschlossen  (Art. 62e  Abs. 1  WRG; vgl. auch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A­1748/2011 vom  11. Juli 2011  mit  Hinweisen).  Eine  Ausnahme  hierfür  gilt  nur,  wenn  die  persönliche  Anzeige  des  von  der  Enteignung  Betroffenen  verspätet  erfolgt. Für diesen Spezialfall sieht Art. 31 Abs. 2 EntG vor, dass die Frist  zur Geltendmachung enteignungsrechtlicher Einsprachen, Begehren und  Forderungen erst vom Empfang der persönlichen Anzeige an läuft. 5.3.  Der  Beschwerdeführerin  ist  beizupflichten,  dass  mit  dem  Koordinationsgesetz  und  den  damit  eingefügten  Koordinationsbestimmungen  im  WRG  beabsichtigt  wurde,  das  wasserrechtliche  Konzessionierungsverfahren  und  ein  damit  in  Zusammenhang stehendes Enteignungsverfahren zu koordinieren.

A­8047/2010 Sinn  und  Zweck  der  Koordinationsbestimmungen  ist  es,  komplexe  Verfahren  die  (verschiedener)  Bewilligungen  verschiedener  Behörden  bedürften, in einem Verfahren zu konzentrieren und mit einem Entscheid  von einer Behörde zu erledigen. Dieses Vorgehen dient in erster Linie der  Verfahrensökonomie  und  der  Vereinfachung  komplexer  Verfahren.  Die  enteignungsrechtliche  Frage  soll  im  gleichen  Verfahren  wie  die  Konzessionserteilung erledigt werden und der Konzessionärin soll mit der  Konzession  auch  ein  allenfalls  notwendiges  Enteignungsrecht  erteilt  werden. Dies  bedeutet  jedoch  nicht,  dass  bei  verspäteter  persönlicher  Anzeige  und  der  dadurch  später  beginnenden  enteignungsrechtlichen  Einsprachefrist  (vgl.  Art. 31  Abs. 2  EntG)  automatisch  auch  die  wasserrechtliche  Einsprachefrist  neu  zu  laufen  beginnt.  Denn  die  persönliche  Anzeige  ergänzt  die  öffentliche  Bekanntmachung  für  die  öffentliche Planauflage. Sie soll dem Enteigneten erlauben, volle Klarheit  darüber  zu  gewinnen,  welche  Rechte  er  abzutreten  hat  (Art. 31  Abs. 1  EntG; HEINZ HESS/HEINRICH WEIBEL, Das Enteignungsrecht des Bundes,  N 12 zu Art. 31). Andererseits stellt sie eine  formelle Voraussetzung der  Verwirkung  von  Rechtsansprüchen  des  Enteigneten  dar,  indem  der  Enteigner  –  mit  Ausnahme  der  Fälle  gemäss  Art. 39  ff.  EntG  –  vor  nachträglichen  unerwarteten  Entschädigungsforderungen  geschützt  werden  soll. Wird  die  Zustellung  der  persönlichen Anzeige  unterlassen,  so läuft für jene, die nach Art. 31 Abs. 1 EntG ein Anrecht auf sie hätten,  die  Verwirkungsfrist  nicht  (vgl.  BGE 116 Ib 386  E. 3d.aa;  a.M.  HESS/WEIBEL, a.a.O., N 12 zu Art. 31). Weil sich die persönliche Anzeige  somit nur auf die Enteignungsfrage bezieht, kann aus deren Unterlassung  nicht abgeleitet werden, es seien im kombinierten Verfahren nachträglich  auch Einsprachen gegen die Planauflage zuzulassen. Andernfalls würde  eine  rechtmässig  erfolgte  öffentliche  Planauflage  weitgehend  ihres  Sinnes  beraubt.  Die  verschiedenen  Verfahren  werden  zwar  in  einem –  hier dem Konzessionierungsverfahren – zusammengefasst, dennoch sind  die  für  jedes einzelne Verfahren geltenden prozessualen Vorschriften  je  gesondert einzuhalten, sofern keine explizit anderslautende Bestimmung  Platz greift. 5.4.  Das  Konzessionsgesuch  wurde  vorliegend  den  gesetzlichen  Vorschriften  entsprechend  publiziert  und  öffentlich  aufgelegt.  Ebenso  wurden  die  beabsichtigten  baulichen  Veränderungen  im  Gelände  ausgesteckt.  Aufgrund  der  durchgeführten  Publikationen,  der  Aussteckung und der  öffentlichen Auflage  hatte  die Beschwerdeführerin 

A­8047/2010 genügend Möglichkeiten, vom geplanten Projekt Kenntnis zu erhalten und  sich fristgerecht dagegen zur Wehr zu setzen. Das  Projekt  war  vom  12. November 2007  bis  zum  11. Dezember  2007  öffentlich  aufgelegt.  Die  Einsprache  wurde  am  10. Januar 2008  eingereicht und mit Eingabe vom 26. Mai 2008 ergänzt. Sie erfolgte nach  Ablauf der Auflagefrist und damit auch nach Ablauf der Einsprachefrist. 5.5. Die Vorinstanz  ist demnach zu Recht auf die verspätet eingereichte  wasserrechtliche Einsprache der Beschwerdeführerin nicht eingetreten. 6.  Betreffend die enteignungsrechtlichen Fragen  ist zunächst zu prüfen, ob  der  Beschwerdegegnerin  das  Enteignungsrecht  erteilt  werden  durfte.  Wird dies bejaht,  ist  zu beurteilen,  ob der Umfang der  zu enteignenden  Fläche bzw. der mit der Enteignung verbundene Eingriff verhältnismässig  ist. 6.1. Gemäss  Art. 1  EntG  kann  das  Enteignungsrecht  geltend  gemacht  werden  für  Werke,  die  im  Interesse  der  Eidgenossenschaft  oder  eines  grossen  Teils  des  Landes  liegen,  sowie  für  andere  im  öffentlichen  Interesse liegende Zwecke, sofern sie durch ein Bundesgesetz anerkannt  sind.  Es  kann  nach  Abs. 2  dieser  Bestimmung  nur  geltend  gemacht  werden, wenn und  soweit  es  zur Erreichung des Zwecks notwendig  ist.  Art. 46 WRG sieht vor, dass die Verleihungsbehörde dem Konzessionär  das  Recht  gewährt,  die  zum  Bau,  zur  Umänderung  oder  Erweiterung  seines  Werks  nötigen  Grundstücke  und  dinglichen  Rechte  sowie  die  entgegenstehenden  Nutzungsrechte  zwangsweise  zu  erwerben,  wenn  Gründe  des  öffentlichen  Wohls  vorliegen.  Abs. 4  dieser  Bestimmung  verweist  betreffend  das  Enteignungsrecht  bei  Konzessionen,  die  vom  Departement erteilt werden, auf das EntG. 6.2. Das  öffentliche  Interesse  am Bau  des  geplanten Wasserkraftwerks  Martina  –  Prutz  geht  –  wie  die  Vorinstanz  in  der  angefochtenen  Verfügung  zu  Recht  ausführt  –  aus  Art. 76  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April 1999  (BV,  SR  101)  und  dem Energiegesetz  vom  26. Juni 1998  (EnG,  SR 730.0)  sowie  aus  dem Abkommen  zwischen  der Schweizerischen Eidgenossenschaft  und  der Republik Österreich vom 29. Oktober 2003 über die Nutzbarmachung  des Inn und seiner Zuflüsse im Grenzgebiet (SR 0.721.809.163.1) hervor.  Die  Nutzung  des  schweizerischen  Anteils  der  Wasserkraft  des  Inns 

A­8047/2010 entspricht der Zielsetzung dieser Bestimmungen. Die Beschwerdeführerin  bringt denn auch nichts Gegenteiliges vor. 7.  Nachdem  das  öffentliche  Interesse  bejaht  wurde,  ist  zu  prüfen,  ob  der  Eingriff  ins Eigentum der Beschwerdeführerin  auch verhältnismässig  ist.  Dies  ist  dann der Fall, wenn die nachfolgenden Voraussetzungen erfüllt  sind:  Erstens muss  der  Eingriff  geeignet  sein,  die  gewünschte Wirkung  herbeizuführen.  Zweitens  muss  er  erforderlich  sein,  d.h.  es  muss  das  mildest mögliche Mittel angewandt werden. Und drittens muss der Eingriff  im  Sinn  einer  angemessenen  Zweck­Mittel­Relation  im  Einzelfall  zumutbar  sein  (vgl.  BGE 131 V 107  E. 3.4.1;  BVGE  2009/43  E. 4.5  S. 615;  PIERRE  TSCHANNEN/ULRICH  ZIMMERLI/MARKUS  MÜLLER,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  3. Aufl.,  Bern  2009,  § 21  Rz. 1  ff.).  Für  das  Enteignungsrecht  ist  der  Verhältnismässigkeitsgrundsatz  ausdrücklich in Art. 1 Abs. 2 EntG festgehalten. 7.1.  Die  Beanspruchung  von  im  Baurecht  der  Beschwerdeführerin  stehenden  Teilen  der  Parzellen  Nrn. 50  und  584  zur  Errichtung  eines  Hochwasserschutzdamms  ist  geeignet,  das  Erstellen  und  den  sicheren  Betrieb eines Wasserkraftwerks zu gewährleisten. 7.2. Der Damm muss nach den geltenden Sicherheitsvorschriften einem  1000­jährlichen Hochwasser HQ1000 standhalten können. Dies geht unter  anderem  aus  den  Stellungnahmen  des  Bundesamts  für  Energie  BFE,  Sektion Talsperren, vom 14. Juni 2007 (pag. 42) und vom 19. November  2009  (pag. 67)  hervor.  Der  Hochwasserschutzdamm  ist  daher  in  der  projektierten Dimensionierung zu erstellen. 7.3.  Die  Beschwerdeführerin  macht  geltend,  die  Beschwerdegegnerin  habe  im  Jahr  2008  das  ursprünglich  öffentlich  aufgelegte  Projekt  überarbeitet  und  mindestens  für  die  Beschwerdeführerin  wesentlich  verschlimmert. So sei nach neuer Variante im gesamten Bereich entlang  der  Parzellen  Nrn. 50  und  584  auf  einer  Länge  von  rund  500  m  ein  überdimensionierter  Schüttdamm  anstelle  der  ursprünglichen  Variante  einer Betonsperre vorgesehen. Für die Beschwerdeführerin bedeute dies  insbesondere die Enteignung von noch mehr Land im Halte von rund 350  m2  und  eine  wesentliche  Verschlechterung  bzw.  Beeinträchtigung  der  Betriebsabläufe im Bereich der Sägerei, dem eigentlichen Herzstück des  Betriebs. Die Dammschüttungen bewirkten, dass die erwähnten Flächen  überhaupt  nicht  mehr  für  den  Betrieb  der  Beschwerdeführerin  genutzt 

A­8047/2010 werden  könnten,  weder  als  Manövrier­  noch  als  Lagerfläche  für  das  Trocknen des Holzes. Mit der massiven Aufschüttung verbunden sei eine  ungenügende  Durchlüftung  der  Trocknungslager,  was  zu  Schimmelbildung und Fäulnis beim Lagerholz führen würde. 7.3.1.  Die  Beschwerdeführerin  scheint  bei  ihrer  Argumentation  zu  verkennen,  dass  die  Projektanpassungen  im  sie  betreffenden  Gebiet  einzig  aufgrund  ihrer  Wünsche  und  Anliegen  und  damit  auch  zu  ihren  Gunsten  erfolgten.  Vergleicht  man  den  Plan  "Baumassnahmen  im  Stauraum, Massnahmen  in Martina, Profile  1­2­3" Plan­Nr. B­SR­21­02­ 106 vom 7. September 2009 mit demjenigen vom 22. Januar 2007 (Plan­ Nr. B­SR­20­02­002­2) wird ersichtlich,  dass einerseits  der Schüttdamm  im  Vergleich  zum  Auflageprojekt  weiter  zum  Inn  hin  verschoben  wurde  (Profil 1).  Im Bereich des Sägewerks  (Profil 2)  ist  andererseits  an Stelle  einer  senkrecht  stehenden  Betonsperre  eine  Mischung  zwischen  Stützmauer und Schüttdamm vorgesehen. Der Fuss der Stützmauer soll  etwas näher zum Inn zu liegen kommen (bei ca. ­27,5 ab Staatsgrenze),  als  die  ursprünglich  geplante  Betonsperre  (diese  war  bei  ca.  ­28,5  vorgesehen).  Zudem  wird  die  Krone  des  Uferbegleitdamms  weiter  zum  Inn  hin  verschoben.  Die  geplante  Stützmauer  wird  zudem  nicht  bis  zur  Höhe der Krone des Uferbegleitdamms errichtet, sondern fällt  tiefer aus,  wobei  vom  höchsten  Punkt  der  Stützmauer  bis  zur  Krone  des  Uferbegleitdamms  ein  abgeschrägter  Damm  vorgesehen  ist.  Dadurch  gewinnt die Beschwerdeführerin  im Bereich des Sägewerks zusätzlichen  Manövrierraum. 7.3.2.  Um  die  Massnahme  weiter  abzumildern,  hat  sich  die  Beschwerdegegnerin bereit erklärt, das Gelände der Beschwerdeführerin  im Bereich der Holztrocknung mittels Aufschüttung insgesamt fast auf die  Höhe  des  Schüttdamms  anzuheben.  Dadurch  wird  einerseits  die  flächenmässige  Beanspruchung  durch  den  Enteigner  minimiert,  indem  das Gelände  fast bis an den zwei Meter breiten Uferweg heran genutzt  werden  kann,  und  andererseits  werden  die  Durchlüftung  und  die  Besonnung des Holzlagerplatzes optimiert. Auf  der  Höhe  des  Sägewerks  wurde  eine  lichte  Durchfahrtsbreite  von  14 m,  gemessen  ab  der  Gebäudefluchtlinie,  vereinbart.  Damit  wird  gewährleistet, dass ein ausreichender Manövrierraum für den Betrieb des  Sägewerks  bestehen  bleibt.  Diese  Projektänderung  erfolgte  allein  zu  Gunsten der Beschwerdeführerin und kann als milderes als das zunächst  geplante Mittel  verstanden werden.  Eine Aufschüttung  des Geländes  in 

A­8047/2010 diesem  Bereich  auf  Kosten  der  Beschwerdegegnerin  wäre  nicht  verhältnismässig, da sie der Beschwerdeführerin höchstens einen minim  grösseren Nutzen bringen würde, der  in keinem Verhältnis zu den damit  verbundenen  Kosten  stünde.  Damit  ist  auch  die  Voraussetzung  des  mildesten Mittels gegeben. 7.4. Das  öffentliche  Interesse  an  der  Nutzbarmachung  der Wasserkraft  des  Inns  überwiegt  das  Interesse  der  Beschwerdeführerin  an  der  ungestörten  Ausübung  ihres  Baurechts  auf  den  Parzellen  Nrn. 50  und  584.  Dies  insbesondere  deshalb,  weil  die  dauerhafte  Enteignung  aufgrund der Einspracheverhandlungen auf ein den Sägereibetrieb nicht  oder  nicht  wesentlich  einschränkendes  Minimum  reduziert  werden  konnte.  In  diesem  Zusammenhang  ist  zu  erwähnen,  dass  die  Argumentation  der  Beschwerdeführerin  widersprüchlich  ist:  Einerseits  verlangt  sie,  der  ganze  Hochwasserdamm  im  Bereich  der  Parzellen  Nrn. 50  und  584  sei  luftseitig  als  Betonsperre  auszugestalten,  während  sie  andererseits  bemängelt,  dass  durch  eine  Betonsperre  die  Durchlüftung  der  Holztrocknung  nicht  mehr  gewährleistet  wäre.  Mit  der  Aufschüttung des Geländes in den Bereichen der Holztrocknung können  sowohl  die  flächenmässige  Beanspruchung  minimiert  wie  auch  die  Durchlüftung  optimiert  werden.  Zudem  wird  auf  der  Höhe  der  Sägerei  eine  lichte  Durchfahrtsbreite  von  14 m  belassen,  wodurch  genügend  Manövrierraum  für  die  Beschwerdeführerin  bestehen  bleibt.  Die  Beeinträchtigung  des  Sägereibetriebs  wird  damit  auf  ein  zumutbares  Minimum beschränkt.  7.5.  Insgesamt  erweist  sich  die  gemäss  Flächenbeanspruchungsplan  vom 9. März 2010 (Plan­Nr. B­SR­21­01­106) zu enteignende Fläche als  verhältnismässig. 7.6.  Die  Höhe  der  Enteignungsentschädigung  ist  durch  die  zuständige  Enteignungsschätzungskommission  im  separat  zu  führenden  Schätzungsverfahren zu bestimmen (vgl. Art. 57 EntG). 8.  Die  Beschwerdeführerin  macht  weiter  geltend,  die  Auswirkungen  der  vorgenommenen Projektänderungen seien sowohl für sie als auch für alle  anderen  Beteiligten  im  Bereich  des  Konzessionsperimeters  derart  gewichtig, dass solches nicht ohne nochmalige öffentliche Auflage hätte  erfolgen dürfen. Ins Gewicht falle  insbesondere, dass für die Stauanlage  Martina­Prutz  ein  komplett  neues  Sicherheitsdispositiv  mit  einem  viel 

A­8047/2010 wuchtigeren  und  platzraubenderen  Schüttdamm  an  Stelle  der  öffentlich  aufgelegten  Betonsperre  vorgesehen  sei.  Gestützt  auf  diese  Planänderungen  hätte  eine  erneute  Planauflage  mit  erneuter  Einsprachemöglichkeit erfolgen müssen. 8.1.  Im  Gegensatz  zu  anderen  Genehmigungsverfahren  für  öffentliche  Werke  (vgl.  Art. 15  der  Nationalstrassenverordnung  vom  7. November  2007  [NSV,  SR 725.111],  Art. 5  der  Verordnung  vom  2. Februar 2000  über  das  Plangenehmigungsverfahren  für  Eisenbahnanlagen  [VPVE,  SR 742.142.1],  Art. 7  der  Verordnung  vom  2. Februar 2000  über  das  Plangenehmigungsverfahren  für  elektrische  Anlagen  [VPeA,  SR 734.25]  oder Art. 5 der Verordnung vom 23. November 1994 über die Infrastruktur  der  Luftfahrt  [VIL,  SR  748.131.1])  enthalten  die  Erlasse  über  die  Nutzbarmachung der Wasserkräfte keine Spezialbestimmungen darüber,  wie bei Projektänderungen vorzugehen ist. Art. 5 VPVE und gestützt auf  den  Verweis  in  Art. 62  Abs. 2  WRG  auch  Art. 56  EntG  –  der  im  Wesentlichen  eine  zu  den  genannten  Erlassen  analoge  Bestimmung  enthält – können  jedoch ohne weiteres sinngemäss angewandt werden.  Danach  ist  eine  erneute  Planauflage  nur  dann  erforderlich,  wenn  die  rechtskräftige Erledigung der Einsprachen eine Änderung der Pläne  zur  Folge  hat  und  wenn  diese  Änderung  neue  Belastungen  für  die  Enteigneten oder Drittpersonen nach sich ziehen. 8.2. Dies ist hier – wie aus den vorstehenden Ausführungen hervorgeht –  nicht  der  Fall.  Die  dauernd  zu  enteignende  Fläche  wird  durch  die  Planänderung  im  Vergleich  zum  ursprünglichen  Auflageprojekt  flächenmässig reduziert. Ebenso werden die weiteren Beeinträchtigungen  des  Sägereibetriebs  durch  die  Planänderungen  minimiert.  Insgesamt  entstehen  weder  der  Beschwerdeführerin  noch  Drittpersonen  neue  Belastungen  im  Sinn  von  Art. 56  EntG,  weshalb  keine  neue  öffentliche  Auflage notwendig war. 9.  9.1. Die Beschwerdeführerin bringt schliesslich vor, die Vorinstanz habe  Bundesrecht  verletzt,  indem  sie  kantonales  Recht  an  Stelle  von  Bundesrecht  angewandt  habe.  Mit  Bezug  auf  die  Erhöhung  des  Sägeplatzes  führe sie nämlich aus, dass das Amt  für Natur und Umwelt  (ANU) des Kantons Graubünden im Schreiben vom 15. Januar 2010 eine  gesamthafte  Anhebung  des  Geländes  sowohl  aus  landschaftlicher  als  auch  naturkundlicher  Sicht  abgelehnt  habe.  Es  bedürfe  keiner  langen 

A­8047/2010 Ausführungen  darüber,  dass  in  casu  die  entscheidende  Behörde  in  Erfüllung einer Bundesaufgabe handle. Mit Bezug auf  den Landschafts­  und Heimatschutz seien nicht die Ansichten eines kantonalen Amtes und  auch  nicht  kantonales  Recht  massgeblich,  sondern  es  sei  klarerweise  Bundesrecht anzuwenden. 9.2. Diese Ausführungen tun hier nichts zur Sache, da die vorstehenden  Erwägungen  aufgezeigt  haben,  dass  kein  Anlass  zur  Anhebung  des  gesamten Areals der Beschwerdeführerin besteht. Daher ist auch nicht zu  prüfen,  ob  einer  Anhebung  landschaftschützerische  Gesichtspunkte  entgegen  stünden.  Am  Rand  sei  jedoch  bemerkt,  dass  auch  bei  von  Bundesbehörden  erteilten  Konzessionen  kantonales  Recht  zu  beachten  ist,  solange  dieses  den  bundesrechtlichen  Bestimmungen  nicht  widerspricht (vgl. Art. 62 Abs. 4 WRG). 10.  Auf die Durchführung eines Augenscheins kann verzichtet werden, da der  massgebliche  Sachverhalt  hinreichend  aus  den  Verfahrensakten  hervorgeht (vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A­6082/2008 vom  24. Februar 2009  E. 5.2  und  A­5491/2010  vom  27. Mai 2011  E. 4.7.2).  Der  entsprechende  Antrag  der  Beschwerdeführerin  wird  somit  abgewiesen. 11.  Wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt,  ist  die Beschwerde  vollumfänglich abzuweisen. 12.  Betreffend die Kostentragung  ist das Beschwerdeverfahren  in zwei Teile  zu gliedern: 12.1. Der erste Teil betrifft die Frage, ob die Vorinstanz zu Recht auf die  wasserrechtliche Einsprache der Beschwerdeführerin nicht eingetreten ist  und  bezieht  sich  damit  auf  das  wasserrechtliche  Konzessionsverfahren  an  sich.  Diesbezüglich  werden  die  Verfahrenskosten  in  der  Höhe  von  Fr. 2'000.­­  in  Anwendung  des  Unterliegerprinzips  der  Beschwerdeführerin  auferlegt  (vgl.  Art. 63  VwVG)  und  mit  dem  geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe verrechnet. 12.2. Für den "wasserrechtlichen" Teil des Verfahrens wird der anwaltlich  vertretenen obsiegenden Beschwerdegegnerin gestützt auf Art. 64 VwVG  i.V.m.  Art. 7  ff.  des  Reglements  über  die  Kosten  und  Entschädigungen 

A­8047/2010 vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR 173.320.2)  eine  Parteientschädigung  zu  Lasten  der  Beschwerdeführerin  zugesprochen.  Die Beschwerdegegnerin hat  keine Kostennote eingereicht, weshalb die  Entschädigung  in  Anwendung  von  Art. 14  Abs. 2  VGKE  auf  Grund  der  Akten auf Fr. 3'000.­­ (inkl. MWSt) festzusetzen ist. 12.3.  Der  zweite  Teil  betrifft  die  Frage  der  Rechtmässigkeit  der  Enteignung.  Wird  im  Rahmen  der  Verleihung  einer  Wasserrechtskonzession  dem  Konzessionär  das  Enteignungsrecht  gewährt,  richtet  sich  das  Enteignungsverfahren  nach  dem EntG,  sofern  das WRG keine abweichenden Bestimmungen enthält (vgl. Art. 47 WRG).  Das  Enteignungsgesetz  weicht  betreffend  die  Kostentragung  vom  generell geltenden Unterliegerprinzip ab. Die Kosten des Verfahrens vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  einschliesslich  einer  Parteientschädigung  an  den  Enteigneten,  trägt  gestützt  auf  Art. 116  Abs. 1 EntG der Enteigner. Werden die Begehren der Enteigneten ganz  oder zum grösseren Teil abgewiesen, so können die Kosten auch anders  verteilt werden. Insbesondere kann die Parteientschädigung gekürzt oder  gänzlich  von  ihr  abgesehen  werden  (Art. 116  Abs. 1  Satz 2  EntG;  BGE 119 Ib 458  E. 15;  Urteil  des  Bundesgerichts  1E.16/2005  vom  14. Februar 2006  E. 6;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­ 3726/2010 vom 28. Juli 2010 E. 3). 12.4.  Betreffend  das  enteignungsrechtliche  Verfahren  rechtfertigt  sich  eine  Abweichung  vom  Grundsatz  der  Kostentragung  durch  die  Enteignerin  nicht,  auch  wenn  die  Begehren  der  Beschwerdeführerin  abgewiesen werden. Denn die Beschwerde wurde weder missbräuchlich  noch mutwillig erhoben. Die Kosten für den auf die enteignungsrechtliche  Fragestellung entfallenden Verfahrensteil werden ebenfalls auf Fr. 2'000.­ ­ festgesetzt und der Beschwerdegegnerin auferlegt. 12.5. Von  einer  Parteientschädigung  an  die  nicht  durch  einen  externen  Anwalt  vertretene  Beschwerdeführerin  ist  abzusehen,  während  die  anwaltlich  vertretene Beschwerdegegnerin  aufgrund  von Art. 116 Abs. 1  EntG keinen Anspruch auf Entschädigung hat.

A­8047/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  2.1.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 2'000.­­  für  die  Beurteilung  der  wasserrechtlichen  Fragestellung  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt  und  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  in  gleicher  Höhe  verrechnet. 2.2.  Die  Beschwerdeführerin  hat  der  Beschwerdegegnerin  eine  Parteientschädigung  in  der  Höhe  von  Fr. 3'000.­­  (inkl.  MWSt)  zu  bezahlen. 3.  3.1.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 2'000.­­  für  die  Beurteilung  der  enteignungsrechtlichen  Fragen  werden  der  Beschwerdegegnerin  auferlegt. Dieser Betrag  ist  innert 30 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft  dieses  Urteils  zu  Gunsten  der  Gerichtskasse  zu  überweisen.  Die  Zustellung des Einzahlungsscheins erfolgt mit separater Post. 3.2. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 4.  Dieses Urteil geht an: – die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) – die Beschwerdegegnerin (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Gerichtsurkunde) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: André Moser Anita Schwegler

A­8047/2010 Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000 Lausanne 14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

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