Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 24.11.2011 A-7817/2010

24. November 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,999 Wörter·~20 min·1

Zusammenfassung

Zölle | Zoll (Bewilligung zur Nutzung eines unverzollten und unversteuerten Fahrzeugs)

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung I A­7817/2010 Urteil   v om   2 4 .   No v embe r   2011 Besetzung Richter Daniel Riedo (Vorsitz), Richter Pascal Mollard, Richter Markus Metz,    Gerichtsschreiberin Claudia Zulauf. Parteien X._______, …,   Beschwerdeführer,  gegen Oberzolldirektion (OZD),  Hauptabteilung Recht und Abgaben,  Monbijoustrasse 40, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Zoll (Bewilligung zur Nutzung eines unverzollten und  unversteuerten Fahrzeugs).

A­7817/2010 Sachverhalt: A.  Am 24. November 2008 erteilte die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV),  Zollstelle  Kreuzlingen­Autobahn,  X._______  eine  Bewilligung  (Formular  15.30)  zur  Verwendung  eines  unverzollten  Firmenfahrzeugs  […].  Als  Arbeitgeber  wurde  in  der  bis  am  24. November  2009  befristeten  Bewilligung die "Kanzlei Dr. X._______" in […] aufgeführt.  Gleichtags unterzeichnete X._______ eine "Verwendungsverpflichtung für  Firmenfahrzeuge  (Formular  15.31)",  worin  er  sich  verpflichtete,  das  genannte Fahrzeug lediglich wie folgt zu verwenden:  – Fahrten im Zollausland;  – Fahrten  im  Auftrag  des  Arbeitgebers  zwischen  dem  Arbeitsort  im  Zollausland und dem Wohnort im Zollgebiet; – Fahrten  zum  eigenen  Gebrauch  zwischen  dem  Arbeitsort  im  Zollausland und dem Wohnort im Zollgebiet; – Gelegentliche  Fahrten  im  Auftrag  des  Arbeitsgebers  zwischen  dem  Wohnort  und  dem  Arbeitsort  im  Zollgebiet  und  anschliessender  Rückreise ins Zollausland. B.  Am  29.  Oktober  2009  teilte  die  Oberzolldirektion  (OZD)  den  Zollkreisdirektionen  mit,  dass  im  Sinn  des  Gesetzgebers  die  Erleichterungen nach Art. 35 Zollverordnung vom 1. November 2006 (ZV,  SR  631.01)  lediglich  für  angestellte  Personen  vorgesehen  seien.  Somit  dürfe nur diesen, nicht aber den  Inhabern von Geschäften, Firmen usw.  eine  Bewilligung  Formular  15.30  für  Firmenwagen  ausgestellt  werden.  Bereits ausgestellte Bewilligungen müssten nicht zurückgezogen, dürften  jedoch nicht mehr erneuert werden. Die Zollstellen und Grenzübergänge  seien darüber entsprechend zu informieren.  C.  Nachdem  X._______  vom  Zollinspektorat  Kreuzlingen­Autobahn  mit  Schreiben  vom  10. März  2010  darauf  hingewiesen  wurde,  dass  die  vorgenannte  Zollbewilligung  (Formular  15.30)  zwischenzeitlich  verfallen  sei, beantragte er am 12. März 2010 die Erneuerung dieser Bewilligung.  Die  Zollstelle  Kreuzlingen­Autobahn  lehnte  den  Antrag  jedoch  aufgrund 

A­7817/2010 der Weisung vom 29. Oktober 2009 (vgl. Bst. B hiervor) ab. Stattdessen  erteilte  sie X._______ einen  "Vormerkschein  für Strassenfahrzeuge und  Schiffe",  gemäss  welchem  jener  angewiesen  wurde,  das  in  Rede  stehende Fahrzeug bis zum 16. April 2010 auszuführen. D.  Die Zollkreisdirektion Schaffhausen wies das in der Folge von X._______  am  17. März  2010  erneut  gestellte  Gesuch  um  Erneuerung  der  Bewilligung Formular 15.30 mit Verfügung vom 30. März 2010 ebenfalls  ab. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, es dürfe gemäss Art.  35 Abs. 2 Bst. a ZV in casu keine Bewilligung mehr erteilt werden, da kein  Angestelltenverhältnis vorläge.  E.  Gegen  diese  Verfügung  erhob  X._______  mit  Schreiben  vom  23. April  2010 Beschwerde bei der OZD.  In erster Linie machte er dabei geltend,  beim  fraglichen  Fahrzeug  handle  es  sich  um  ein  solches  seines  Arbeitgebers,  sodass  die  Voraussetzungen  zur  Erteilung  der  verlangten  Bewilligung  erfüllt  seien.  Aus  Gründen  des  Vertrauensschutzes  sei  es  sodann "unakzeptabel, eine Verwaltungspraxis zu ändern, bevor sich der  Bürger  darauf  einstellen"  könne.  Schliesslich  widerspreche  die  Verfahrensweise der Zollbehörden den zwischen der EU und der Schweiz  vereinbarten Prinzipien der Freizügigkeit und der Niederlassungsfreiheit.  F.  Die  OZD  wies  die  Beschwerde  vom  23.  April  2010  mit  Beschwerdeentscheid  vom  11. Oktober  2010  ab  und  hielt  fest,  die  Bewilligung Formular 15.30 werde nicht erneuert. Zur Begründung führte  sie  im Wesentlichen aus, dem Beschwerdeführer sei es nicht gelungen,  nachzuweisen,  dass  er  ein  Angestellter  der  in  Rede  stehenden  Partnergesellschaft  Y._______  sei.  Er  verfüge  zwar  formell  über  einen  Anstellungs­  oder Arbeitsvertrag,  aufgrund  der  persönlichen Haftung  für  die Verbindlichkeiten der Partnergesellschaft, der Gewinnbeteiligung und  des Umstandes, dass der  "Arbeitgeber" keine Sozialleistungen erbringe,  sei er jedoch "kein gewöhnlicher Angestellter".  G.  G.a Mit Eingabe vom 2. November 2010 erhebt X._______ (nachfolgend  Beschwerdeführer)  gegen  den  Beschwerdeentscheid  der  OZD  vom  11. Oktober  2010  Beschwerde  ans  Bundesverwaltungsgericht  und  beantragt,  "die  angefochtene  Verfügung  der  Zollkreisdirektion 

A­7817/2010 Schaffhausen vom 30. März 2010  in Gestalt des Beschwerdeentscheids  der  Eidgenössischen  Zollverwaltung  EZV  –  Oberzolldirektion  –  vom  11. Oktober  2010"  sei  (unter  Kosten­  und  Entschädigungsfolgen)  aufzuheben und die Bewilligung Formular 15.30 bis zum 15. April 2011 zu  erneuern.  G.b  Der  Beschwerdeführer  macht  dabei  im  Wesentlichen  dreierlei  geltend: Er  sei  deutscher  Staatsangehöriger  und  habe  seinen  Wohnsitz  in  der  Schweiz.  Von  der  in  Deutschland  ansässigen  Partnergesellschaft  Y._______  werde  ihm  aufgrund  eines  Anstellungsvertrages  das  zur  Diskussion  stehende  Firmenfahrzeug  […]  für  Dienstfahrten  sowie  für  Fahrten  zwischen  seinem Schweizer Wohnsitz  und  der  Dienststelle  zur  Verfügung  gestellt;  das  Fahrzeug  werde  aber  auch  von  den  anderen  Partnern  benutzt.  Insgesamt  seien  alle  Voraussetzungen  zur  Erteilung  der Bewilligung Formular 15.30 gemäss Art. 35 Abs. 2 Bst. a ZV erfüllt.  Insbesondere  sei  auch  das  umstrittene  Kriterium,  wonach  der  Beschwerdeführer  ein  Angestellter  der  Partnergesellschaft  Y._______  sein müsse, gegeben. Der Begriff "Angestellter" sei mangels Definition in  der  Zollgesetzgebung  nach  deutschem  Recht  zu  definieren.  Das  schweizerische Recht diene  in diesem Fall  lediglich dazu, das deutsche  Recht  zu  verstehen,  da  es  sich  vorliegend  um  eine  deutsche  Partnergesellschaft  handle.  Die  Partnergesellschaft  Y._______  sei  eine  juristische  Person  nach  dem  Partnerschaftsgesetz  der  Bundesrepublik  Deutschland.  Es  handle  sich  dabei  um  eine  spezielle  Rechtsform  für  Freiberufler,  die  eine  eigene  Rechtspersönlichkeit  aufweise,  das  heisse  Eigentum  erwerben,  schuldrechtliche  Verpflichtungen  eingehen  und  am  Wirtschaftsverkehr  in gleicher Weise wie  jede andere  juristische Person  teilnehmen  könne.  Entsprechend  seien  die  Partnergesellschaft  und  die  Partner  zwei  unterschiedliche  Rechtssubjekte.  Die  Partnergesellschaft  Y._______  bezwecke,  den  jeweiligen  Partnern  die  sachlichen  und  personellen  Ressourcen  zur  Verfügung  zu  stellen,  die  für  ihre  Tätigkeit  erforderlich  seien.  Demzufolge  miete  sie  Büroräumlichkeiten,  stelle  Fahrzeuge zur Verfügung und beschäftige die Mitarbeiter. Arbeitgeberin  und  Halterin  des  fraglichen  Firmenfahrzeugs  und  Berechtigte  aus  dem  Leasingvertrag sei deshalb ausschliesslich die Partnergesellschaft, nicht  aber die Partner. Die Vorinstanz verkenne, dass nach deutschem Recht  der  Beschwerdeführer  gleichzeitig  Angestellter  und  Gesellschafter  der  Partnergesellschaft  sein  könne  und  diese  beiden  Funktionen  getrennt  voneinander  zu  betrachten  seien.  Aufgrund  des  Anstellungsvertrages 

A­7817/2010 werde  auch  klar,  dass  der  Beschwerdeführer  das  streitbetroffene  Fahrzeug  nur  aufgrund  seines Anstellungsverhältnisses  benutzen  dürfe;  lediglich aufgrund seiner Eigenschaft als Partner sei er dazu nicht befugt.  Im  Übrigen  verfüge  er  noch  über  ein  weiteres  Fahrzeug  –  ein  Geschäftsfahrzeug der Z._______ AG –, das in der Schweiz zugelassen  sei  und  von  ihm  jederzeit  privat  genutzt  werden  könne.  "Die  von  der  Verwaltung  neuerdings  praktizierte  einengende  Interpretation  des  Arbeitgeberbegriffs" sei weder dem Merkblatt noch dem Gesetzeswortlaut  zu entnehmen und stütze sich entsprechend auf keine Rechtsgrundlage. Weiter  rügt  der  Beschwerdeführer  die  Verletzung  des  Vertrauensschutzprinzips. Ab  Inkrafttreten der neuen Zollverordnung am  1. November 2006 bis zur  internen Weisung vom 29. Oktober 2009, das  heisse  über  einen  Zeitraum  von  nahezu  drei  Jahren,  sei  die  Verwaltungspraxis  im Sinn des Beschwerdeführers gehandhabt worden.  Das Fahrzeug sei, da man auf die Verwaltungspraxis vertraut habe und  keine  Anzeichen  für  eine  plötzliche  Änderung  dieser  Handhabung  vorlagen,  lediglich  in  Form  eines  Leasingvertrags  und  nicht  käuflich  erworben worden. Da es bekanntlich unmöglich sei, ein Leasingfahrzeug  zu exportieren, würde es  ihm durch die neue Praxis  verunmöglicht,  das  Fahrzeug  weiterhin  als  Dienstfahrzeug  zu  benutzen.  Aus  dem  Vertrauensschutzprinzip  ergebe  sich  daher,  dass  ihm  die  beantragte  Bewilligung mindestens bis zum Ablauf des Leasingvertrages zu erteilen  sei.  Schliesslich macht  der Beschwerdeführer  geltend,  der Gesetzeswortlaut  von Art. 35 ZV sowie dessen Handhabung durch die Verwaltung verletze  das  Abkommen  vom  21.  Juni  1999  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  einerseits  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  und  ihren  Mitgliedstaaten  andererseits  über  die  Freizügigkeit  (Freizügigkeitsabkommen,  FZA,  SR  0.142.112.681).  Werde  ihm  die  Benutzung  des  Dienstfahrzeugs  untersagt,  würde  dadurch  das  Prinzip  der Freizügigkeit und der Niederlassungsfreiheit verletzt.  H.  In  ihrer  Vernehmlassung  vom  20. Januar  2011  schliesst  die  OZD  auf  kostenfällige  Abweisung  der  Beschwerde  und  hält  an  den  Erwägungen  des Beschwerdeentscheids vom 11. Oktober 2010 fest.  I.  Mit  Schreiben  vom  9. Februar  2011  reicht  der  Beschwerdeführer 

A­7817/2010 unaufgefordert  eine  weitere  Stellungnahme  ein  und  erläutert  erneut  seinen Standpunkt.  J.  Daraufhin  dupliziert  die  OZD mit  Eingabe  vom  15. März  2011  und  hält  weiterhin  an  ihrem Antrag  auf  kostenfällige Abweisung  der Beschwerde  fest.  K.  Mit  Schreiben  vom  31. März  2011  nimmt  der  Beschwerdeführer  erneut  unaufgefordert Stellung.  L.  Auf die weiteren Vorbringen der Parteien wird, soweit entscheidrelevant,  in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Entscheide der OZD können gemäss Art. 31  in Verbindung mit Art.  33  Bst.  d  des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesverwaltungsgericht (Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32)  beim  Bundesverwaltungsgericht  angefochten  werden.  Das  Verfahren  richtet  sich  nach  den  Vorschriften  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021),  soweit  das  VGG  nichts  anderes  bestimmt  (Art.  37  VGG,  Art.  2  Abs.  4  VwVG).  Gemäss  Art.  48  Abs.  1  Bst.  c  VwVG  ist  lediglich  zur  Beschwerde  berechtigt,  wer  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  der  Aufhebung  oder  Änderung  der  angefochtenen  Verfügung  hat.  Weil  dieses  Interesse  aktuell sein muss, ist es im Allgemeinen nur schutzwürdig, wenn es nicht  bloss bei Einreichung der Beschwerde, sondern auch noch  im Zeitpunkt  der Urteilsfällung besteht (aktuelles Rechtsschutzinteresse; vgl. BGE 137  I  23  E. 1.3.1,  BGE  123  II  286  E. 4,  BGE  111  Ib  58  E.  2a;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts A­1671/2006 vom 21. Juni 2007 S. 3; ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Basel  2008,  Rz.  2.70).  Ausnahmsweise  verzichtet  das  Gericht  auf  das  Erfordernis  des  aktuellen  praktischen  Interesses,  falls  sich  die  aufgeworfenen  Fragen  unter  gleichen  oder 

A­7817/2010 ähnlichen  Umständen  jederzeit  wieder  stellen  können,  eine  rechtzeitige  Überprüfung  im  Einzelfall  kaum  je möglich  wäre  und  die  Beantwortung  wegen  deren  grundsätzlicher  Bedeutung  im  öffentlichen  Interesse  liegt  (BGE  135  II  430  E. 2.2,  BGE  135  I  79  E.  1.1,  BGE  131  II  361  E. 1.2;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­8104/2007  vom  12. Juni  2008  E. 2.4,  A­1671/2006  vom  21.  Juni  2007  S. 3;  MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 2.72).  Der  Beschwerdeführer  verlangt  vorliegend  die  Aufhebung  der  "angefochtenen  Verfügung"  und  gleichzeitig  die  Erneuerung  der  Bewilligung Formular 15.30 bis zum 15. April 2011 (vgl. Bst. Ga).  Infolge  Zeitablaufs  kann  diesbezüglich  nicht  mehr  von  einem  aktuellen  Rechtsschutzinteresse  gesprochen werden.  Da  jedoch  eine  rechtzeitige  Überprüfung der Nichterteilung einer solchen Bewilligung Formular 15.30  kaum  je  möglich  wäre  und  auch  die  übrigen  obgenannten  Voraussetzungen  gegeben  sind,  ist  die  Beschwerde  trotzdem  zu  behandeln. Auf die  im Übrigen  form­ und  fristgerecht eingereichte Beschwerde  ist –  unter Vorbehalt von E. 1.4 nachfolgend – einzutreten. 1.2. Für die vorliegend  inhaltlich zur Diskussion stehende Frage, ob die  vom  Beschwerdeführer  am  12. März  2010  beantragte  Bewilligung  (Formular  15.30)  zu  Recht  nicht  erteilt  bzw.  erneuert  wurde,  ist  unbestrittenermassen das Zollgesetz vom 18. März 2005 (ZG, SR 631.0)  sowie die dazugehörige ZV, welche am 1. Mai 2007 in Kraft getreten sind,  anwendbar. 1.3.  Das  Bundesverwaltungsgericht  kann  den  angefochtenen  Beschwerdeentscheid  grundsätzlich  in  vollem  Umfang  überprüfen.  Der  Beschwerdeführer  kann neben der Verletzung von Bundesrecht  (Art. 49  Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder unvollständigen Feststellung des  rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 49 Bst. b VwVG) auch die Rüge der  Unangemessenheit  erheben  (Art.  49  Bst.  c  VwVG;  vgl.  MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,  a.a.O.,  Rz.  2.149;  ULRICH  HÄFELIN/GEORG  MÜLLER/FELIX  UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  6.  Aufl.,  Zürich/St. Gallen 2010, Rz. 1758 ff.). 1.4. Anfechtungsobjekt  im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht  bildet einzig der vorinstanzliche Entscheid  (MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,  a.a.O.,  Rz.  2.7).  Im  vorliegenden  Verfahren  ist  somit  lediglich  der  https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2011&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+131+II+366&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-I-79%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page79 https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2011&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+131+II+366&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-I-79%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page79 https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2011&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+131+II+366&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-I-79%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page79 https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2011&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+131+II+366&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-I-79%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page79 https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2011&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+131+II+366&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-I-79%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page79 https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2011&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+131+II+366&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-I-79%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page79 https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2011&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+131+II+366&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-I-79%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page79

A­7817/2010 Beschwerdeentscheid  vom  11. Oktober  2010  Anfechtungsobjekt,  nicht  aber  der  Entscheid  der  Zollkreisdirektion  Schaffhausen  vom  30.  März  2010.  Soweit  der  Beschwerdeführer  die  Aufhebung  der  Verfügung  der  Zollkreisdirektion  Schaffhausen  vom  30.  März  2010  verlangt,  ist  demzufolge auf die Beschwerde nicht einzutreten.  1.5.  Um  den  Sinngehalt  einer  Bestimmung  zu  ermitteln,  ist  diese  auszulegen.  Ausgangspunkt  jeder  Auslegung  bildet  der  Wortlaut  der  Bestimmung.  Ist  der  Text  nicht  ganz  klar  und  sind  verschiedene  Interpretationen  möglich,  so  muss  nach  der  wahren  Tragweite  der  Bestimmung  gesucht  werden,  wobei  alle  Auslegungselemente  zu  berücksichtigen sind (Methodenpluralismus). Dabei kommt es namentlich  auf  den  Zweck  der  Regelung,  die  dem  Text  zugrunde  liegenden  Wertungen  sowie  auf  den  Sinnzusammenhang  an,  in  dem  die  Norm  steht. Die Gesetzesmaterialien sind zwar nicht unmittelbar entscheidend,  dienen  aber  als  Hilfsmittel,  den  Sinn  der  Norm  zu  erkennen.  Vom  Wortlaut darf abgewichen werden, wenn triftige Gründe für die Annahme  bestehen,  dass  dieser  nicht  den wahren Sinn  der Regelung wiedergibt.  Solche  Gründe  können  sich  aus  der  Entstehungsgeschichte,  aus  Sinn  und  Zweck  der  Norm  oder  aus  ihrem  Zusammenhang  mit  anderen  Gesetzesbestimmungen ergeben. Sind mehrere Auslegungen möglich, ist  jene  zu  wählen,  die  den  verfassungsrechtlichen  Vorgaben  am  besten  entspricht.  Eine  verfassungskonforme  Auslegung  findet  dabei  im  klaren  Wortlaut und Sinn einer Gesetzesbestimmung ihre Schranken (BGE 136  II  149  E.  3,  BGE  136  III  373  E.  2.3;  Urteil  des  Bundesgerichts  1C_156/2011 vom 15. Juli 2011 E. 3.5.1). 2.  2.1.  Jede  Einfuhr  von  Waren,  die  über  die  schweizerische  Zollgrenze  befördert  werden,  unterliegt  grundsätzlich  der  Zollpflicht  (Art.  7  ZG).  Waren, die eingeführt werden, müssen nach Tarif verzollt werden (Art. 1  Abs.  1  des  Zolltarifgesetzes  vom  9.  Oktober  1986  [ZTG,  SR  632.10]).  Solche Gegenstände unterliegen zudem grundsätzlich der Einfuhrsteuer  (Art. 50 ff.  des  Bundesgesetzes  vom  12.  Juni  2009  über  die  Mehrwertsteuer [MWSTG; SR 641.20]).  2.2.  Vorbehalten  bleiben  Abweichungen  wie  Zollbefreiungen  und  ­erleichterungen  sowie  Steuerbefreiungen,  die  sich  aus  Staatsverträgen  oder  besonderen  Bestimmungen  von  Gesetzen  oder  Verordnungen  ergeben  (Art.  1  Abs.  2  ZTG,  Art.  53  MWSTG;  vgl.  auch  Urteile  des 

A­7817/2010 Bundesverwaltungsgerichts A­2925/2010 vom 25. November 2010 E. 2.1,  A­1673/2006 vom 20. September 2007 E. 2.1).  2.3.  2.3.1. Auf dem Gebiet der vorübergehenden Verwendung  ist  im Bereich  der  völkerrechtlichen  Regelungen  insbesondere  das  in  Istanbul  abgeschlossene Übereinkommen über die vorübergehende Verwendung  vom  26.  Juni  1990,  das  für  die  Schweiz  am  11.  August  1995  in  Kraft  getreten  ist,  zu  beachten  (SR  0.631.24,  im  Folgenden  "Istanbuler  Abkommen"; vgl. HEINZ SCHREIER in: Martin Kocher/Diego Calvadetscher  [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar Zollgesetz, Bern 2009, Art. 9 N 3).  Die  Bestimmungen  des  Istanbuler  Abkommens  können  von  den  Verwaltungsbehörden  im  Wesentlichen  direkt  angewendet  werden  und  die  Betroffenen  können  sich  unmittelbar  darauf  berufen  (vgl.  Entscheid  der  Eidgenössischen  Zollrekurskommission  [ZRK]  vom  7. Oktober  2002  [ZRK 2001­024], veröffentlicht in Verwaltungspraxis der Bundesbehörden  [VPB]  67.42  E. 6b;  Botschaft  betreffend  das  zollrechtliche  Übereinkommen  über  die  vorübergehende  Verwendung  vom  13. Dezember  1993,  BBl  1994  II  12 f.).  Gemäss  Art.  17  des  Istanbuler  Abkommens setzt dieses aber lediglich Mindesterleichterungen fest, über  welche die Vertragsparteien auch hinausgehen können. Umgekehrt räumt  Art. 29 des  Istanbuler Abkommens den Vertragsparteien die Möglichkeit  ein,  Vorbehalte  zu  den  in  den  Anlagen  enthaltenen  Bestimmungen  zu  machen  (vgl.  auch  REMO  ARPAGAUS,  Zollrecht,  in:  Koller/Müller/Tanquerel/Zimmerli  [Hrsg.],  Schweizerisches  Bundesverwaltungsrecht, 2. Auflage, Basel 2007, Rz. 300). 2.3.2. Gemäss Art. 1 Bst. a und Art. 2 des Istanbuler Abkommens dürfen  bestimmte Waren – u.a. Beförderungsmittel – frei von Eingangsabgaben  für  einen  bestimmten  Zweck  vorübergehend  in  ein  Zollgebiet  verbracht  werden (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 2A.230/2006 vom 9. Oktober  2006 E. 4.1). Als Beförderungsmittel im Sinn des Abkommens gelten u.a.  "Strassenkraftfahrzeuge"  (Art.  1  Bst.  a  der  Anlage  C  zum  Istanbuler  Abkommen).  Für  die  zoll­  und  steuerfreie  Einfuhr  eines  solchen  Fahrzeugs  für die vorübergehende Verwendung zum eigenen Gebrauch  ist  nach  Art. 5  Bst.  b  der  Anlage  C  zum  Istanbuler  Abkommen  erforderlich,  dass  (1)  das  Fahrzeug  in  einem  anderen  Gebiet  als  demjenigen  der  Schweiz  zugelassen  (immatrikuliert)  ist  und  (2)  die  Zulassung  auf  den  Namen  einer  Person,  die  ebenfalls  ihren  Sitz  oder  Wohnsitz  ausserhalb  des Gebiets  der  Schweiz  hat,  erfolgte.  Zudem  (3) 

A­7817/2010 muss das Fahrzeug von Personen eingeführt und verwendet werden, die  in  diesem  Gebiet  (d.h.  ausserhalb  der  Schweiz)  Wohnsitz  haben.  Das  geht  aus  dem  französischen  Originaltext  deutlicher  hervor  als  aus  der  deutschen  und  italienischen  Fassung  (vgl.  auch  Urteil  des  Bundesgerichts 2A.514/2001 vom 29. Juli 2002 E. 2.1). 2.4. Gemäss  Art.  35  Abs.  2  Bst.  a  ZV  kann  die  Zollverwaltung  sodann  Personen  mit  Wohnsitz  im  Zollgebiet  die  vorübergehende  Verwendung  eines  ausländischen  Beförderungsmittels  für  den  eigenen  Gebrauch  bewilligen,  wenn  diese  bei  einer  Person  mit  Sitz  oder  Wohnsitz  ausserhalb des Zollgebiets angestellt  sind und das  ihnen zur Verfügung  gestellte  ausländische  Beförderungsmittel  ausschliesslich  für  grenzüberschreitende  Beförderungen  im  dienstlichen  Auftrag  und  für  solche  zwischen  Wohnort  und  ausländischem  Arbeitsort  benützen.  Die  erforderliche  Bewilligung  zur  vorübergehenden  Verwendung  eines  ausländischen Beförderungsmittels zum eigenen Gebrauch im Zollgebiet  muss  bei  der  ersten  Einfuhr  oder  beim  Erwerb  im  Inland  bei  der  Zollverwaltung beantragt werden (Art. 164 Abs. 2 ZV). Gemäss Art. 164  Abs. 3.  ZV  kann  die  Zollverwaltung  Bewilligungen  nach  Art.  35  Abs.  2  Bst. a ZV sodann erneuern. Indem Art. 35 Abs. 2 Bst. a ZV auch eine Zollbefreiung für Personen mit  Wohnsitz  innerhalb  der  Schweiz  vorsieht,  geht  diese  Bestimmung  über  die  im  Istanbuler  Abkommen  festgesetzten  Mindesterleichterungen  hinaus,  wonach  bezüglich  der  vorübergehenden  Verwendung  von  Beförderungsmitteln  zum  eigenen  Gebrauch  die  Abgabebefreiung  lediglich  für  den  Fall  vorgesehen  ist,  dass  das  Fahrzeug  von Personen  eingeführt  und  verwendet  wird,  die  ausserhalb  der  Schweiz  Wohnsitz  haben  (vgl.  oben  E. 2.3.2).  Diese  in  der  ZV  vorgesehene  zusätzliche  Zollerleichterung  ist  zulässig  und  mit  dem  Istanbuler  Abkommen  vereinbar (vgl. dazu E. 2.3.1). An der Rechtmässigkeit von Art. 35 Abs. 2  Bst.  a  ZV  ändert  nichts,  wenn  diese  Bestimmung  die  zusätzliche  Erleichterung  (Wohnsitz  innerhalb  der  Schweiz)  insofern  wiederum  einschränkt,  als  nur  Personen  betroffen  sind,  die  angestellt  sind.  Denn  auch mit dieser Einschränkung auf "Angestelltenverhältnisse" geht Art. 35  Abs. 2 Bst. a ZV mit Bezug auf das Mass der Erleichterung immer noch  weiter  als  das  Abkommen,  welches  –  wie  gesehen  –  für  die  fraglichen  Beförderungsmittel  keinerlei  Abgabeerleichterung  vorsieht  für  Personen  mit  Sitz  im  Inland.  Der  Beschwerdeführer  macht  denn  auch  zu  Recht  nicht geltend, Art. 35 Abs. 2 Bst. a ZV sei mit dem Istanbuler Abkommen  nicht vereinbar. 

A­7817/2010 Art. 35 ZV stützt sich sodann auf Art. 9 ZG, welcher dem Bundesrat auf  dem  Gebiet  der  vorübergehenden  Verwendung  von  Waren  –  unter  Vorbehalt der internationalen Regelungen (vgl. dazu insbesondere E. 2.3  hiervor) – eine umfassende Regelungskompetenz über die teilweise oder  vollständige Abgabebefreiung  erteilt  (vgl. HEINZ SCHREIER,  a.a.O., Art.  9  N 6 ff.).  3.  3.1.  Vorliegend  ist  in  erster  Linie  zu  klären,  ob  die  Zollverwaltung  zu  Recht  davon  ausging,  die  erforderlichen  Voraussetzungen  gemäss  Art.  35 Abs. 2 Bst. a ZV für die Erteilung der in Rede stehenden Bewilligung  seien  nicht  erfüllt.  Die  Zollverwaltung  stellt  sich  dabei  insbesondere  auf  den Standpunkt, das Kriterium, wonach der Beschwerdeführer "bei einer  Person mit Sitz oder Wohnsitz ausserhalb des Zollgebiets angestellt" sein  müsse, sei nicht gegeben. Während dies der Beschwerdeführer in seiner  Beschwerde  vom  2. November  2010  ausgiebig  behauptet  (vgl.  Bst. G),  führt  er  in  seiner  Replik  vom  9. Februar  2011  dazu  lediglich  aus,  dass  zumindest  "im  Sinne  des  deutschen  Arbeitsrechts"  keine  Arbeitnehmereigenschaft vorliege.  3.2.  3.2.1.  Nach  dem  allgemeinen  Sprachgebrauch  ist  eine  "angestellte  Person"  jemand,  der  in  einem  vertraglichen  Arbeitsverhältnis  mit  monatlicher  Gehaltszahlung  steht  (vgl.  Duden,  Deutsches  Universalwörterbuch,  4. Aufl.,  Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich  2001,  S. 134 f.), mithin eine Arbeitnehmerin, Beschäftigte, Gehaltsempfängerin  (vgl.  Duden,  Das  Synonymwörterbuch,  4. Aufl.,  Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2006, S. 78). Im Gegensatz dazu können  somit  gemäss  dem  klaren  Wortlaut  der  Bestimmung  Arbeitgeber  und  selbständig Erwerbende nicht unter den Begriff des Angestellten fallen. 3.2.2.  Dieses  Begriffsverständnis  nach  dem  klaren  Wortlaut  entspricht  sodann jenem, das sich aus den Bestimmungen anderer eidgenössischer  Gesetze ergibt (systematisches Auslegungselement):  3.2.2.1 Gemäss Art. 10 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil  des Sozialversicherungsrechts  vom 6. Oktober  2000  (ATSG, SR 830.1)  gelten  als  Arbeitnehmerinnen  und  Arbeitnehmer  Personen,  die  in  unselbstständiger Stellung Arbeit  leisten und dafür massgebenden Lohn  nach  dem  jeweiligen  Einzelgesetz  beziehen.  Rechtsprechungsgemäss  (konkret  ging  es  jeweils  um  die Qualifikation  eines Arbeitnehmers  nach 

A­7817/2010 dem  Bundesgesetz  vom  20. März  1981  über  die  Unfallversicherung  [UVG, SR 832.20]) ist demnach als Arbeitnehmer zu bezeichnen, wer um  des  Erwerbes  oder  der  Ausbildung  willen  für  einen  Arbeitgeber,  mehr  oder weniger untergeordnet, dauernd oder vorübergehend tätig  ist, ohne  hierbei  ein  eigenes  wirtschaftliches  Risiko  tragen  zu  müssen.  Die  Arbeitnehmereigenschaft  sei  jeweils  unter  Würdigung  der  gesamten  Umstände  des  Einzelfalles  zu  beurteilen.  Schliesslich  sei  zu  beachten,  dass sich die Frage nach der Arbeitnehmereigenschaft regelmässig nach  der  äusseren  Erscheinungsform  wirtschaftlicher  Sachverhalte  und  nicht  nach  allfällig  davon  abweichenden  internen  Vereinbarungen  der  Beteiligten  beurteile  (vgl.  Urteile  des Bundesgerichts  8C_303/2010  vom  23.  Juni  2010  E. 2,  8C_752/2009  vom  7.  Januar  2010  E. 3,  je  mit  Hinweisen). 3.2.2.2  Eine  gleichartige  Umschreibung  ergibt  sich  sodann  aus  dem  Bundesgesetz  betreffend  die  Ergänzung  des  Schweizerischen  Zivilgesetzbuches  (Fünfter  Teil:  Obligationenrecht)  vom  30. März  1911  (OR,  SR  220).  Demnach  weist  ein  Arbeitsvertrag  im Wesentlichen  vier  Merkmale auf: Es ist Arbeit gegen Entgelt in einem Dauerschuldverhältnis  geschuldet, die  in einer  fremden Arbeitsorganisation und damit  in einem  Unterordnungsverhältnis  geleistet  wird.  Notwendige  Voraussetzung  für  das  Vorliegen  eines  Arbeitsverhältnisses  ist  die  Subordination  des  Arbeitnehmers. Darunter wird die rechtliche Unterordnung in persönlicher,  betrieblicher  und  wirtschaftlicher  Hinsicht  verstanden.  Entscheidend  ist,  dass  der  Arbeitnehmer  in  eine  fremde  Arbeitsorganisation  eingegliedert  ist und damit von bestimmten Vorgesetzten Weisungen erhält (vgl. Urteile  des  Bundesgerichts  4A_553/2008  vom  9. Februar  2009  E. 4  f.,  4C.276/2006 vom 25. Januar 2007 E. 4 und E. 4.3, mit Hinweisen).  3.2.2.3  Die  Frage,  wer  als  selbständig  Erwerbender  gilt  und  wer  unselbständig  tätig und damit Angestellter  ist,  ist  ferner etwa auch  im  Mehrwertsteuerrecht  von  zentraler  Bedeutung  (vgl.  Art.  10 MWSTG).  Die Rechtsprechung hat diesbezüglich Indizien benannt, welche für die  selbständige  Ausübung  einer  Tätigkeit  sprechen.  Es  sind  dies  insbesondere  das  Handeln  und  Auftreten  in  eigenem  Namen  gegenüber  Dritten,  das  Tragen  des  unternehmerischen  Risikos  (Gewinn  und  Verlust),  die  Wahlfreiheit,  eine  Aufgabe  anzunehmen  oder  nicht  und  diese  selbständig  organisieren  zu  können.  Daneben  können  die  Beschäftigung  von  Personal,  die  Vornahme  erheblicher  Investitionen,  eigene  Geschäftsräumlichkeiten,  verschiedene  und  wechselnde  Auftraggeber  sowie  die  betriebswirtschaftliche  und 

A­7817/2010 arbeitsorganisatorische  Unabhängigkeit  eine  Rolle  spielen  (vgl.  Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts A­4011/2010 vom 18. Januar 2011 E.  2.2.1, mit zahlreichen Hinweisen). Die mehrwertsteuerliche Qualifikation  von Vorgängen  hat  nicht  in  erster  Linie  aus  einer  zivil­,  sprich  vertragsrechtlichen  Sicht,  sondern  nach  wirtschaftlichen,  tatsächlichen  Kriterien  zu  erfolgen  (Urteil  des  Bundesgerichts  2A.304/2003  vom  14.  November  2003  E.  3.6.1,  mit  Hinweisen;  BVGE  2007/23  E.  2.3.2;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­5747/2008  vom  17. März  2011  E. 2.5,  A­4011/2010  vom  18.  Januar  2011  E. 2.4,  A­5460/2008  vom  12. Mai  2010  E. 2.4).  Nicht  entscheidend  ist  deshalb  grundsätzlich,  wie  die  Parteien  ihr  Vertragsverhältnis  ausgestalten  (Urteil  des  Bundesgerichts  2A.47/2006  vom  6.  Juli  2006  E.  3.2;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­5747/2008  vom  17. März  2011  E. 2.5,  A­5460/2008  vom  12. Mai  2010  E. 2.4,  A­156/2007  vom  20. April  2009  E. 2.2.3). 3.2.2.4  Im  Wesentlichen  ergibt  sich  aus  diesem  systematischen  Auslegungselement,  dass  eine  angestellte  Person  eine  Arbeitnehmerin  und  damit  eine  Person  ist,  die  einer  unselbständigen  Erwerbstätigkeit  nachgeht. Ausschlaggebend  ist, dass sie dem Arbeitgeber Arbeit gegen  Entgelt  leistet  und  sich  dabei  in  persönlicher,  betrieblicher  und  wirtschaftlicher  Hinsicht  ihrem  Arbeitgeber  unterordnet  und  von  ihren  Vorgesetzten Weisungen erhält. Damit führt die systematische Auslegung  zum gleichen Ergebnis wie die grammatikalische. 3.2.3. Der Sinn und Zweck der Befreiung von der allgemeinen Zollpflicht  gemäss  Art.  35  Abs.  2  Bst  a  ZV  besteht  darin,  Arbeitnehmern  grenzüberschreitende  Beförderungen  im  dienstlichen  Auftrag  ihres  ausländischen Arbeitgebers  zu  ermöglichen  bzw.  zu  erleichtern  und  sie  dadurch  gegenüber  Arbeitnehmern,  die  im  Inland  tätigt  sind,  nicht  zu  benachteiligen.  Da  demgegenüber  selbständig  Erwerbende  ihren  Arbeitsort  frei  wählen  können,  ist  bei  diesen  eine  so  begründete  Erleichterung  nicht  notwendig.  Für  die  enge  Begrenzung  der  Ausnahmebestimmung  spricht  sodann,  dass  eine  Kontrolle  über  die  tatsächliche  Verwendung  solcher  Fahrzeuge  (vgl.  Bst. A)  praktisch  gesehen  eher  schwierig  sein  dürfte.  Durch  die  Beschränkung  auf  Angestellte  kann  vor  allem  verhindert  werden,  dass  selbständig  Erwerbende,  bei  welchen  eine  klare  Trennung  zwischen  Privat­  und  Firmengebrauch  naturgemäss  kaum  möglich  wäre  und  auch  eine 

A­7817/2010 indirekte  Überwachung  der  Verwendung  der  Fahrzeuge  durch  den  Arbeitgeber  fehlt  (anders  als  beim  Angestellten),  ihre  Fahrzeuge  in  missbräuchlicher Weise zollbefreit in die Schweiz einführen könnten.  Auch  die  teleologische  Auslegung  bestätigt  damit  das  bisherige  Auslegungsergebnis  bzw.  rechtfertigt  jedenfalls  kein  Abweichen  vom  klaren Wortlaut der Bestimmung.  3.2.4.  Den  Materialien  ist  bezüglich  der  Entstehungsgeschichte  von  Art. 35 Abs. 2 Bst a ZV nichts zu entnehmen. Folglich kann sich daraus  auch  kein  Widerspruch  zum  Wortlaut  ergeben.  Insgesamt  ergibt  sich  somit,  dass  sämtliche  Auslegungselemente  im Einklang mit  dem  klaren  Wortlaut der Norm stehen.  3.3.  Eine  Partnerschaft  ist  gemäss  dem  deutschen  "Gesetz  über  Partnerschaftsgesellschaften  Angehöriger  Freier  Berufe"  (Partnerschaftsgesellschaftsgesetz,  PartGG)  eine  Gesellschaft,  in  der  sich  Angehörige  Freier  Berufe  zur  Ausübung  ihrer  Berufe  zusammenschließen.  Die  Partnergesellschaft  übt  kein  Handelsgewerbe  aus und ihre Angehörigen können nur natürliche Personen sein (§ 1 Abs.  1  PartGG).  Der  Name  der  Partnerschaft  muss  den  Namen mindestens  eines Partners, den Zusatz "und Partner" oder "Partnerschaft" sowie die  Berufsbezeichnungen  aller  in  der  Partnerschaft  vertretenen  Berufe  enthalten  (§  2  Abs.  1  PartGG).  Die  Partnerschaft  basiert  auf  dem  Partnerschaftsvertrag  und  bedarf  einer  Anmeldung  im  sog.  Partnerschaftsregister (§ 3 und § 4 PartGG). Sie kann unter ihrem Namen  Rechte erwerben und Verbindlichkeiten eingehen, Eigentum und andere  dingliche  Rechte  an  Grundstücken  erwerben,  vor  Gericht  klagen  und  verklagt  werden  (§  7  Abs.  2  PartGG  i.V.m.  Art.  124  Abs.  1  des  Handelsgesetzbuches  [HGB]).  Für  Verbindlichkeiten  der  Partnerschaft  haften  den  Gläubigern  neben  dem  Vermögen  der  Partnerschaft  die  Partner als Gesamtschuldner (§ 8 Abs. 1 PartGG). 3.4.  3.4.1.  Der  Beschwerdeführer  ist  unbestrittenermassen  Partner  der  Y._______  Partnergesellschaft.  Um  zu  belegen,  dass  er  aber  ebenfalls  Angestellter dieser Partnergesellschaft  ist,  reichte der Beschwerdeführer  einen  "Anstellungsvertrag"  vom 15. Januar  2009  ins Recht. Aus diesem  geht im Wesentlichen hervor, dass sich der Beschwerdeführer verpflichte,  seine Arbeitskraft der Partnergesellschaft zur Verfügung zu stellen und er  für  seine  Tätigkeit  eine  Vergütung  von  monatlich  brutto  EUR  6'000.– 

A­7817/2010 erhalte.  Die  Gewinnansprüche  des  Beschwerdeführers  als  Partner  der  Partnergesellschaft  blieben  von  diesem  Anstellungsvertrag  unberührt.  Gemäss Ziffer  7  des Anstellungsvertrages  stelle  die Partnergesellschaft  dem  Beschwerdeführer  die  erforderlichen  Arbeitsräume  sowie  die  gesamte Infrastruktur der Kanzlei zur Verfügung. Darüber hinaus erhalte  er  "ein  Geschäftsfahrzeug  zur  Mitbenutzung,  welches  er  im  Regelfall  nutzen"  könne.  Er  sei  unter  Vorbehalt  entgegenstehender  dienstlicher  Bedürfnisse  berechtigt,  das  Fahrzeug  auch  privat  und  insbesondere  für  Fahrten nach Hause zu nutzen.  3.4.2.  Ob  der  behauptete  "Anstellungsvertrag"  überhaupt  rechtsgültig  zustande  kam,  kann  hier  offen  bleiben.  Denn  faktisch  –  aufgrund  der  massgebenden  wirtschaftlichen  Realität,  welche  auch  im  Zollrecht  zu  beachten  ist,  und  der  äusseren  Erscheinungsform  (vgl.  E. 3.2.2.3  und  E. 3.2.2.1)  –  handelt  es  sich  beim  Beschwerdeführer  nicht  um  eine  "angestellte  Person"  im  Sinn  von  Art.  35  Abs.  2  Bst.  a  ZV.  Dazu  fehlt  insbesondere  die  persönliche,  betriebliche  und  wirtschaftliche  Unterordnung  des  Beschwerdeführers  unter  die  Partnergesellschaft  (vgl. E. 3.2.2.4  ff.). Es kann weder davon gesprochen werden, dass sich  der  Beschwerdeführer  rechtswesentlich  in  eine  fremde  Arbeitsorganisation  eingliedern  muss  noch  dass  er  von  seinem  Arbeitgeber,  das  heisst  faktisch  unter  anderem  von  sich  selbst,  Weisungen  erhält.  Vielmehr  ist  davon  auszugehen,  dass  er  in  der  Organisation seiner Tätigkeit und  in den Entscheiden weitestgehend  frei  ist.  Zudem  tritt  er  gegen aussen  selbständig  als Partner  der Y._______  Partnergesellschaft auf,  ist am Gewinn beteiligt und haftet grundsätzlich  persönlich  für  die  Verbindlichkeiten  der  Partnerschaft;  mit  anderen  Worten trägt er ein eigenes wirtschaftliches Risiko. Selbst wenn also von  der  vom  Beschwerdeführer  in  seiner  Beschwerde  behaupteten  Doppelfunktion  ausgegangen  würde,  ergibt  sich  aufgrund  des  eben  Ausgeführten,  dass  die  Rolle  des  Beschwerdeführers  als  Partner  vorliegend klar im Vordergrund steht. Entsprechend würde es Art. 35 Abs.  2  Bst.  a  ZV  zuwiderlaufen,  wenn  einzig  aufgrund  von  vertraglichen  Teilaspekten  –  wenn  sie  denn  überhaupt  gültig  sind  –  ein  Angestelltenverhältnis  des  Beschwerdeführers  bejaht  würde  (vgl.  E. 3.2.2.1,  E. 3.2.2.3  und  E. 3.2.3).  Demzufolge  kann  auch  nicht  entscheidend  sein,  dass  dem  Beschwerdeführer  gemäss  seiner  Behauptung,  das  Fahrzeug  lediglich  aufgrund  seiner  Funktion  als  Angestellter und nicht aufgrund des Umstandes, dass er Partner  ist, zur  Verfügung steht. 

A­7817/2010 3.5. Das Erfordernis des Anstellungsverhältnisses  ist damit  in Bezug auf  den Beschwerdeführer nicht erfüllt. Demzufolge fehlt es  für die Erteilung  einer Bewilligung zur vorübergehenden abgabefreien Verwendung eines  ausländischen Beförderungsmittels zum eigenen Gebrauch im Zollgebiet  bereits an einer zu erfüllenden Voraussetzung. Demzufolge kann auf die  Prüfung  der  übrigen  Voraussetzungen  verzichtet  werden  und  es  ist  festzuhalten, dass die Zollverwaltung die Bewilligung gestützt auf Art. 35  Abs. 2 Bst. a ZV zu Recht verweigert hat.  4.  4.1.  Der  Beschwerdeführer  beruft  sich  ferner  auf  das  Vertrauensschutzprinzip  und  macht  geltend,  ab  Inkrafttreten  der  neuen  Zollverordnung  am  1.  November  2006  bis  zur  internen  Weisung  vom  29. Oktober  2009,  das  heisse  über  einen  Zeitraum  von  nahezu  drei  Jahren,  sei  die  Verwaltungspraxis  im  Sinn  des  Beschwerdeführers  gehandhabt  worden.  Bereits  vor  dem  hier  streitgegenständlichen  Fahrzeug  sei  er  über  Jahre  hinweg  ein  geleastes  Dienstfahrzeug  gefahren, für das ihm jedes Mal die beantragte Bewilligung erteilt worden  sei. Das  vorliegend  zur Diskussion  stehende Fahrzeug  sei,  da man auf  die  Verwaltungspraxis  vertraut  habe  und  keine  Anzeichen  für  eine  plötzliche Änderung dieser Handhabung vorlagen, lediglich in Form eines  Leasingvertrags und nicht  käuflich erworben worden. Da es bekanntlich  unmöglich sei, ein Leasingfahrzeug zu exportieren, würde  ihm durch die  neue Praxis verunmöglicht, das Fahrzeug weiterhin als Dienstfahrzeug zu  benutzen.  Damit  habe  er  eine  Disposition  getroffen,  die  nicht  ohne  Schaden  wieder  rückgängig  gemacht  werden  könne.  Aus  dem  Vertrauensschutzprinzip  ergebe  sich  daher,  dass  ihm  die  beantragte  Bewilligung mindestens bis zum Ablauf des Leasingvertrages zu erteilen  sei. 4.2.  4.2.1.  Jede  Person  hat  Anspruch  darauf,  von  den  staatlichen  Organen  ohne Willkür und nach Treu und Glauben behandelt zu werden (Art. 9 der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999 [BV, SR 101]). Nach dem Grundsatz des Vertrauensschutzes haben  die  Privaten  Anspruch  darauf,  in  ihrem  berechtigten  Vertrauen  in  behördliche  Zusicherungen  oder  in  anderes,  bestimmte  Erwartungen  begründendes  Verhalten  der  Behörden  geschützt  zu  werden  (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 627).

A­7817/2010 4.2.2. Für die erfolgreiche Geltendmachung des Vertrauensschutzprinzips  bedarf  es  zunächst  eines  Anknüpfungspunktes;  es  muss  eine  Vertrauensgrundlage  vorhanden  sein.  Darunter  ist  das  Verhalten  eines  staatlichen  Organes  zu  verstehen,  das  bei  den  betroffenen  Privaten  bestimmte  Erwartungen  auslöst  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2925/2011 vom 25. November 2010 E. 4.2.2, mit Hinweisen). 4.2.3.  Nebst  einer  Vertrauensgrundlage  müssen  verschiedene  weitere  Voraussetzungen kumulativ erfüllt sein, damit sich der Private mit Erfolg  auf das Vertrauensschutzprinzip berufen kann. Vorausgesetzt wird, dass  diejenige Person, die sich auf Vertrauensschutz beruft, berechtigterweise  auf  diese  Grundlage  vertrauen  durfte  und  gestützt  darauf  nachteilige  Dispositionen getroffen hat, die sie nicht mehr  rückgängig machen kann  (vgl. BGE 131 II 627 E. 6.1, BGE 129 I 161 E. 4.1, BGE 127 I 31 E. 3a;  Urteile des Bundesgerichts 2C_217/2010 vom 16. August 2010 E. 4.2.1,  2C_693/2009 vom 4. Mai 2010 E. 2.1; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O.,  Rz.  655  ff.;  BEATRICE WEBER­DÜRLER,  Vertrauensschutz  im  öffentlichen  Recht, Basel/Frankfurt a.M. 1983, S. 90  ff.). Zwischen dem Vertrauen  in  das  Verhalten  einer  staatlichen  Behörde  und  der  vom  Betroffenen  getätigten  Disposition  muss  also  ein  Kausalzusammenhang  bestehen.  Ein solcher fehlt, wenn anzunehmen ist, dass die Disposition auch ohne  ein  Vertrauen  begründendes  behördliches  Verhalten  bzw.  bei  Kenntnis  der  Mangelhaftigkeit  der  Vertrauensbasis  vorgenommen  worden  wäre  (Urteil  des  Bundesgerichts  2C_453/2009  vom  3. Februar  2010  E. 5;  HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,  a.a.O.,  N.  664).  Schliesslich  scheitert  die  Berufung auf Treu und Glauben dann, wenn ihr überwiegende öffentliche  Interessen gegenüberstehen (vgl. BGE 131 II 627 E. 6.1, BGE 129 I 161  E. 4.1,  BGE  127  I  31  E.  3a;  Urteile  des  Bundesgerichts  2C_217/2010  vom  16. August  2010  E. 4.2.1,  2C_693/2009  vom  4. Mai  2010  E. 2.1;  HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,  a.a.O.,  Rz.  655  ff.;  WEBER­DÜRLER,  a.a.O.,  S. 90 ff.). 4.2.4. Als Folge der Bedeutung des Legalitätsprinzips im Abgaberecht ist  der  Vertrauensschutz  in  diesem  Bereich  zudem  praxisgemäss  nur  mit  Zurückhaltung  zu gewähren  (BGE 131  II  627 E.  6.1). Eine  vom Gesetz  abweichende Behandlung  eines Abgabepflichtigen  kann  nur  in  Betracht  fallen,  wenn  die  Voraussetzungen  des  Vertrauensschutzes  klar  und  eindeutig  erfüllt  sind  (so  schon  BGE  118  Ib  312  E.  3b;  Urteile  des  Bundesgerichts 2C_123/2010 vom 5. Mai 2010 E. 4, 2C_728/2009 vom  15. März 2010 E. 3.2). https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2011&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+129+I+161&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-I-31%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page31 https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2011&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+129+I+161&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-I-31%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page31 https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2011&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+129+I+161&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-I-31%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page31 https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2011&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+129+I+161&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-I-31%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page31 https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2011&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+129+I+161&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-I-31%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page31 https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2011&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+129+I+161&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-I-31%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page31 https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2011&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+129+I+161&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-I-31%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page31 https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2011&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+129+I+161&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-I-31%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page31 https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2011&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+129+I+161&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-I-31%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page31 https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2011&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+129+I+161&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-I-31%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page31 https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2011&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+129+I+161&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-I-31%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page31 https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2011&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+129+I+161&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-I-31%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page31 https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2011&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+129+I+161&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-I-31%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page31 https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2011&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+129+I+161&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-I-31%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page31

A­7817/2010 4.3.  4.3.1. Einer eingelebten Praxis kommt erhebliches Gewicht zu. Allerdings  ist es den Behörden und den Gerichten nicht verwehrt, eine bisher geübte  Praxis  zu ändern bzw. muss eine Praxisänderung sogar erfolgen, wenn  Behörden  und  Gerichte  zur  Einsicht  gelangen,  das  Recht  sei  bisher  unrichtig  angewendet worden oder  eine  andere Rechtsanwendung oder  Ermessensbetätigung  entspräche  dem  Sinn  des  Gesetzes  oder  veränderten  Verhältnissen  besser.  Eine  Änderung  der  Praxis  lässt  sich  jedoch  regelmässig  nur  begründen,  wenn  die  neue  Lösung  besserer  Erkenntnis  der  ratio  legis,  veränderten  äusseren  Verhältnissen  oder  gewandelter  Rechtsanschauung  entspricht;  andernfalls  ist  die  bisherige  Praxis  beizubehalten  (BGE  135  I  79  E. 3,  BGE  132  III  770  E. 4).  Eine  Praxisänderung  muss  sich  deshalb  auf  ernsthafte  sachliche  Gründe  stützen können, die – vor allem aus Gründen der Rechtssicherheit – um  so gewichtiger sein müssen, je länger die als nicht mehr richtig erkannte  bisherige Praxis befolgt wurde (BGE 127 I 49 E. 3c, BGE 126 I 122 E. 5).  Eine zulässige neue Praxis ist grundsätzlich sofort und in allen hängigen  Verfahren anzuwenden.  Im Einzelfall  kann dieser Regel der Schutz  von  Treu  und  Glauben  entgegenstehen.  Von  Bedeutung  sind  in  diesem  Zusammenhang  vor  allem  Grundsatzentscheide,  deren  Ziel  es  unter  anderem  ist,  in  einer  umstrittenen  Frage  Sicherheit  und  Gewissheit  zu  schaffen.  Der  Vertrauensschutz  hat  sich  dabei  insbesondere  bei  verfahrensrechtlichen  Änderungen  im  Bereich  der  Frist­  und  Formvorschriften  sowie  bei  der  Zulässigkeit  von  Rechtsmitteln  durchgesetzt;  dies  falls  darf  die  neue  Praxis  nicht  ohne  vorgängige  Ankündigung Anwendung finden (vgl. BGE 132 II 153 E. 5.1, BGE 122 I  57 E. 3c/bb; Urteil des Bundesgerichts 2C_421/2007 vom 21. Dezember  2007  E. 3.1;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­4785/2007  vom  23. Februar  2010 E. 2.3; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,  a.a.O., Rz.  638  ff.).  Im  Bereich  des  materiellen  Rechts  bestehen  allerdings  zum  Teil  Bedenken,  Vertrauensschutz  ohne  individuell­konkrete  Grundlage  wie  etwa  einer  Auskunft  oder  Zusicherung  einer  Behörde,  sondern  allein  gestützt  auf  das  allgemeine  Vertrauen  in  den  Bestand  einer  Verwaltungspraxis  zu  gewähren  (zum  Ganzen  und  mit  weiteren  Hinweisen  vgl.  BETTINA  BÄRTSCHI,  Die  Voraussetzungen  für  Praxisänderungen  im  Steuerrecht,  in:  Michael  Beusch/ISIS  [Hrsg.],  Steuerrecht  2008,  Best  of  zsis),  Zürich/Basel/Genf  2008,  S. 85 ff.,  insbesondere S.95 ff.).  4.3.2.  Rechtssetzungsakte  stellen  in  der  Regel  keine  Vertrauensgrundlage dar. Das Prinzip des Vertrauensschutzes steht einer 

A­7817/2010 Änderung  des  geltenden  Rechts  grundsätzlich  nicht  entgegen.  Die  Privaten  können  nicht  ohne  Weiteres  auf  den  Fortbestand  eines  geltenden  Rechts  vertrauen,  sondern  müssen  mit  dessen  Revision  rechnen.  Die  Gewährung  des  Vertrauensschutzes  kommt  höchstens  dann  in  Betracht,  wenn  die  Privaten  durch  eine  unvorhersehbare  Rechtsänderung  in  schwer  wiegender  Weise  in  ihren  gestützt  auf  die  bisherige gesetzliche Regelung getätigten Dispositionen getroffen werden  und  keine  Möglichkeit  der  Anpassung  an  die  neue  Rechtslage  haben.  Hier  ergibt  sich  aus  dem  Prinzip  des  Vertrauensschutzes  unter  Umständen  ein  Anspruch  auf  eine  angemessene  Übergangsregelung  (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,  a.a.O.,  Rz.  641  f.,  mit  zahlreichen  Hinweisen). 4.3.3.  Die  vorübergehende  Duldung  eines  rechtswidrigen  Zustandes  hindert die Behörde grundsätzlich nicht an der späteren Behebung dieses  Zustandes. Nur in Ausnahmefällen wird durch die behördliche Untätigkeit  eine  Vertrauensgrundlage  geschaffen,  die  der  Wiederherstellung  der  Rechtmässigkeit ganz oder teilweise entgegensteht; namentlich wenn die  Behörden den rechtswidrigen Zustand zuvor über Jahre hinweg geduldet  hatten,  obschon  ihnen  die Gesetzwidrigkeit  bekannt  war  oder  sie  diese  bei Anwendung der gebotenen Sorgfalt hätten kennen müssen (vgl. BGE  107  Ia  121  E.  1c;  Urteile  des  Bundesgerichts  1C_176/2009  vom  28.  Januar  2010 E.  2.2,  1A.19/2001  vom  22.  August  2001,  veröffentlicht  in  Schweizerisches Zentralblatt  für Staats­ und Verwaltungsrecht  [ZBl]  103  [2002]  582  E.  4b;  HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,  a.a.O.,  Rz.  652;  WEBER­ DÜRLER, a.a.O., S. 231 f.). 4.4.  4.4.1.  Art.  35  Abs.  2  Bst. a  ZV  hält  neu  ausdrücklich  fest,  dass  die  vorübergehende  Verwendung  eines  ausländischen  Beförderungsmittels  für den eigenen Gebrauch lediglich dann bewilligt wird, wenn die Person,  welche eine solche Bewilligung verlangt,  "bei einer Person mit Sitz oder  Wohnsitz  ausserhalb  des  Zollgebiets  angestellt"  ist.  Obwohl  sich  diese  Rechtslage  bereits  seit  dem  Inkrafttreten  der  Zollverordnung  am  1. Mai  2007  so  präsentiert,  wurde  dies  von  der  fraglichen  Zollstelle  bis  zu  der  internen Weisung  vom  29. Oktober  2009  offenbar  nicht  so  gehandhabt  und  sie  erteilte  dem  Beschwerdeführer  am  24. November  2008  erneut  eine solche Bewilligung, obgleich er die erforderlichen Voraussetzungen  nicht erfüllte (vgl. E. 3.5). 

A­7817/2010 4.4.2. Die Änderung der Praxis der Zollbehörden basiert ursprünglich auf  einer Gesetzesänderung. Einer solchen Änderung des geltenden Rechts  steht  das  Prinzip  des  Vertrauensschutzes  grundsätzlich  nicht  entgegen  (vgl.  E. 4.3.2).  Insofern  ist  von  vornherein  irrelevant,  wenn  dem  Beschwerdeführer  –  wie  er  behauptet  –  unter  dem  alten  Zollrecht  in  Bezug auf ein anderes Dienstfahrzeug über Jahre hinweg die beantragte  Bewilligung erteilt wurde.  4.4.3. Die vorliegende Änderung bzw. Neuerung in der Zollordnung wurde  von der Zollbehörde – wie soeben erläutert – offenbar nicht von Beginn  weg korrekt umgesetzt. Aus dem Umstand, dass die Zollverwaltung  ihre  Praxis  fortan  aber  den  gesetzlichen  Vorschriften  anpasste,  kann  der  Beschwerdeführer  nichts  zu  seinen  Gunsten  ableiten.  Von  einer  jahrelangen Duldung  des  rechtswidrigen  Zustandes,  die  gegebenenfalls  zur Gewährung  des  Vertrauensschutzes  führen würde,  kann  vorliegend  nicht die Rede sein (vgl. E. 4.3.3, vgl. auch E. 4.4.4 hiernach). 4.4.4.  In  casu  sind  sämtliche  Voraussetzungen  für  eine  zulässige  Praxisänderung  erfüllt  (vgl.  E. 4.3.1):  Art.  35  Abs.  2  Bst.  a  ZV  wurde  vorerst  offenbar  falsch,  das  heisst  entgegen  der  darin  ausdrücklich  enthaltenen Vorschriften angewandt. Die Anpassung der Praxis beruhte  entsprechend  auf  der  Erkenntnis  der  ratio  legis  der  genannten  Norm.  Auch kann, da die entsprechende Norm erst im Mai 2007 in Kraft getreten  ist, nicht von einer  langjährigen Praxis gesprochen werden. Damit stützt  sich  die  Praxisänderung  auf  ernsthafte  und  sachliche  Gründe  und  das  Interesse an der richtigen Rechtsanwendung überwiegt gegenüber jenem  an der Rechtssicherheit. Die Änderung erfolgte zudem in grundsätzlicher  Weise.  Bezüglich  des  zu  beachtenden  Grundsatzes  von  Treu  und  Glauben  ist  sodann  in  erster  Linie  fraglich,  ob  im  Bereich  des  materiellen  Rechts  Vertrauensschutz  ohne  individuell­konkrete Grundlage – welche  in  casu  unbestrittenermassen  nicht  vorliegt  –  und  allein  gestützt  auf  das  allgemeine Vertrauen in den Bestand einer Verwaltungspraxis überhaupt  gewährt  werden  kann  (vgl.  E. 4.3.1).  Die  Zollbehörde  fällte  im  Zusammenhang  mit  der  Erteilung  der  Bewilligung  zudem  keinen  Grundsatzentscheid, dessen Ziel es gewesen wäre, in einer umstrittenen  Frage Sicherheit und Gewissheit zu schaffen. Vielmehr handhabte sie die  Bewilligungserteilung über eine Zeitspanne von rund zweieinhalb Jahren  offenbar  schlichtweg  falsch.  Es  ist  somit  keine  Grundlage  ersichtlich,  woraus  der  Beschwerdeführer  schliessen  durfte,  die  in  Rede  stehende 

A­7817/2010 Bewilligung  werde  ihm  Jahr  für  Jahr  einfach  wieder  erteilt.  Schliesslich  bleibt  zu  erwähnen,  dass  auf  der  Bewilligung  ausdrücklich  festgehalten  wird,  dass  diese  jederzeit  widerrufen  werden  könne  und  die  Zollverwaltung von dieser Möglichkeit lediglich keinen Gebrauch machte.  Vielmehr setzte sie dem Beschwerdeführer, nachdem dessen Bewilligung  am  24.  November  2009  verfiel,  Frist  bis  zum  16. April  2010  um  das  Fahrzeug definitiv aus dem Zollgebiet auszuführen. Entsprechend wurde  dem Beschwerdeführer sogar genügend Zeit eingeräumt, um sich auf die  neue Situation einzustellen.  Da  es  bereits  an  einer  Vertrauensgrundlage  mangelt,  kann  auf  die  Prüfung  der  weiteren  Voraussetzungen  des  Vertrauensschutzes  verzichtet  werden.  Irrelevant  bleibt  damit  insbesondere  die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachte  nachteilige  Disposition,  das  heisst  der  Abschluss  des  Leasingvertrages.  Das  Verhalten  der  Zollbehörden  stellt keinen Verstoss gegen den Grundsatz von Treu und Glauben dar.  5.  5.1.  Ferner macht  der  Beschwerdeführer  geltend,  der  Gesetzeswortlaut  von  Art. 35 ZV sowie dessen Handhabung durch die Verwaltung verletze das  Freizügigkeitsabkommen. Werde ihm die Benutzung des Dienstfahrzeugs  untersagt, würde dies einen entscheidenden Eingriff  in seine, durch das  Abkommen  garantierte  berufliche  und  private  Mobilität  darstellen  und  dadurch  das  Prinzip  der  Freizügigkeit  verletzt.  Grundvoraussetzung  der  aufgeführten  Mobilität  sei  nun  mal,  dass  er  "hierzu  seinen  Personenwagen  benutzen"  könne.  Es  sei  mit  dem  Zweck  des  obgenannten  Abkommens  nicht  vereinbar,  dass  ihm  aufgrund  seines  Wohnsitzes in der Schweiz die Benutzung seines Dienstfahrzeugs in der  Schweiz untersagt werde. Selbständig Erwerbenden werde es durch die  neue Praxis  unangemessen  erschwert,  von  der  vertraglich  vereinbarten  Freizügigkeit Gebrauch  zu machen  und  sie würden  dadurch  gegenüber  Angestellten benachteiligt. Weiter würde durch die neue Praxis auch das  Prinzip  der  Niederlassungsfreiheit  verletzt,  da  er  bei  Nichterteilung  der  Bewilligung mit dem Dienstfahrzeug weder das Zweigbüro in […] noch die  von  ihm betreute Firma  in  […] noch die Kanzlei  in  […] anfahren könne.  Für seine Tätigkeit im Bereich der grenzüberschreitenden, internationalen  Rechtsberatung sei es aber notwendig, dass Termine auf beiden Seiten  der Grenze wahrgenommen werden  könnten.  Lediglich  aufgrund  seines  Wohnsitzes  in  der Schweiz  sei  es  ihm nun nicht mehr  erlaubt, mit  dem  fraglichen  Firmenfahrzeug  Geschäftsfahrten  in  der  Schweiz 

A­7817/2010 durchzuführen.  Würde  er  in  Deutschland  wohnen,  wäre  es  dagegen  unproblematisch,  den  Wagen  sowohl  in  Deutschland  als  auch  in  der  Schweiz  zu  benutzen.  Ausschlaggebend  sei  jedoch  die  Tatsache,  dass  der Dienstwagen  von  einer  in Deutschland  ansässigen Gesellschaft  zur  Verfügung  gestellt  werde  und  es  für  den  Benutzer  keinen  Unterschied  machen dürfe, ob er seinen Wohnsitz in Deutschland oder in der Schweiz  habe.  Durch  die  neue  Verfahrensweise  der  Zollbehörden  werde  die  grenzüberschreitende Berufsausübung verkompliziert und verteuert, da er  so zwei unterschiedliche Geschäftsfahrzeuge, eines für Deutschland und  eines für die Schweiz, nutzen müsse.  5.2. Das Freizügigkeitsabkommen ist am 1. Juni 2002 in Kraft getreten. In  Art.  1  FZA  werden  die  Ziele  des  Abkommens  festgelegt.  Demnach  beinhaltet  die  Freizügigkeit  das  Recht,  in  das  Hoheitsgebiet  des  Aufnahmestaats  einzureisen,  sich  darin  überall  aufzuhalten  und  eine  Arbeitsstelle  anzunehmen,  sich  dort  als  selbständig  Erwerbstätiger  niederzulassen und eventuell in der Schweiz oder einem EU­Mitgliedstaat  zu  verbleiben. Das Recht  auf Einreise und dauerhaften Aufenthalt  steht  auch Personen zu, die keine Erwerbstätigkeit ausüben. Ausserdem sieht  das  Abkommen  eine  Liberalisierung  der  von  natürlichen  Personen  erbrachten  kurzzeitigen  Dienstleistungen  vor.  Bei  der  Ausübung  dieser  Rechte  ist stets der Grundsatz der Nichtdiskriminierung (vgl. Art. 2 FZA)  zu  beachten,  der  den  Staatsangehörigen  der  Schweiz  und  der  Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft das Recht gewährleistet,  in  der  Anwendung  des Abkommens  nicht  schlechter  gestellt  zu werden  als  die  Angehörigen  des  Staates,  der  das  Abkommen  handhabt  (vgl.  DIETER  W.  GROSSEN/CLAIRE  DE  COULON,  in:  Thürer/Weber/Kellerhals/Portmann  [Hrsg.],  Bilaterale  Verträge  I  &  II  Schweiz­EU, Zürich 2007 S. 139; ferner: Yvo Hangartner, Der Grundsatz  der  Nichtdiskriminierung  wegen  der  Staatsangehörigkeit  im  Freizügigkeitsabkommen  der  Schweiz  mit  der  Europäischen  Gemeinschaft, Aktuelle Juristische Praxis [AJP] 2003 S. 260).  5.3.  Der  Beschwerdeführer  verkennt  bei  seiner  –  grundsätzlich  sehr  allgemein gehaltenen – Rüge in erster Linie, dass ihm – entgegen seinen  Ausführungen  –  die  Benutzung  des  in  Rede  stehenden  Fahrzeugs  in  keiner Weise untersagt wird. Es wurde ihm lediglich nicht mehr bewilligt,  dieses Fahrzeug weiterhin unverzollt und unversteuert in der Schweiz zu  verwenden.  Es  blieb  dem  Beschwerdeführer  jedoch  unbenommen,  das  Fahrzeug (allenfalls nach vorzeitiger Auflösung des Leasingvertrages) zu  verzollen  und  zu  versteuern  und  danach  weiterhin  in  der  Schweiz  zu 

A­7817/2010 benutzen. Wie die Vorinstanz  in  zutreffender Weise ausführt,  regelt  das  Freizügigkeitsabkommen  grundsätzlich  die  Personen­  und  nicht  die  Güterfreizügigkeit. Der Beschwerdeführer kann sich demnach nicht unter  Berufung  auf  das  Freizügigkeitsabkommen  der  allgemein  geltenden  Zollpflicht  (vgl.  E. 2.1)  entziehen.  Art.  35  Abs.  2  Bst.  a  ZV  verhindert  weder,  dass der Beschwerdeführer  in  der Schweiz bzw.  in Deutschland  einer  Erwerbstätigkeit  nachgehen,  noch  dass  er  sich  in  der  Schweiz  niederlassen kann. Ebenso wenig kann davon gesprochen werden, dass  dadurch  seine  durch  Art.  8  Anhang I  FZA  garantierte  berufliche  oder  geographische Mobilität im "Hoheitsgebiet des Aufnahmestaates" verletzt  würde. Die Probleme, die sich allenfalls aus dem Umstand ergaben, dass  es sich beim streitbetroffenen Fahrzeug um ein Leasingobjekt gehandelt  hatte  (der  Leasingvertrag  endete  gemäss  den  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  am  16. April  2011),  vermögen  ebenfalls  keine  Verletzung des Freizügigkeitsabkommens zu begründen. Der Abschluss  des  Leasingvertrages  war  eine  freie  privatrechtliche  Entscheidung  des  Beschwerdeführers bzw. der Y._______ Partnergesellschaft, die nicht  in  den  Schutzbereich  des  Freizügigkeitsabkommens  fallen  kann.  Schliesslich  bleibt  zu  erwähnen,  dass  die  in  Rede  stehenden  Zollvorschriften unabhängig von der Staatsangehörigkeit gleichermassen  auch  für  einen  Schweizer  Staatsangehörigen  gelten  würden  und  damit  die  vom  Freizügigkeitsabkommen  bezweckte  Nichtdiskriminierung  ohnehin gewahrt bleibt. Die rechtliche Gleichstellung von selbständig und  unselbständig  Erwerbstätigen  gehört  dagegen  nicht  zum  Schutzbereich  des Freizügigkeitsabkommens. Insgesamt ist vorliegend keine Verletzung  des Freizügigkeitsabkommens ersichtlich.  6.  6.1.  Schliesslich  macht  der  Beschwerdeführer  –  im  Wesentlichen  unsubstantiiert  –  geltend,  die  unterschiedliche  Behandlung  von  angestellten und selbständigen Anwälten sei willkürlich, unbegründet und  verstosse  gegen  den Gleichheitsgrundsatz.  Die Merkmale  "selbständig"  und "unselbständig" seien für Fragen des Güterverkehrs überhaupt nicht  relevant.  6.2. Ein  Erlass  verstösst  gegen  das Willkürverbot  (Art.  9  BV),  wenn  er  sich  nicht  auf  ernsthafte  sachliche Gründe  stützen  lässt  oder  sinn­  und  zwecklos ist. Er verletzt das Gebot der Rechtsgleichheit (Art. 8 BV), wenn  er rechtliche Unterscheidungen trifft, für die ein vernünftiger Grund in den  zu  regelnden  Verhältnissen  nicht  ersichtlich  ist,  oder  Unterscheidungen  unterlässt,  die  sich  aufgrund  der  Verhältnisse  aufdrängen.  Das 

A­7817/2010 Rechtsgleichheitsgebot  ist  insbesondere  verletzt,  wenn  Gleiches  nicht  nach  Massgabe  seiner  Gleichheit  gleich  oder  Ungleiches  nicht  nach  Massgabe  seiner  Ungleichheit  ungleich  behandelt  wird.  Allerdings  kann  eine Regelung, die Gleiches ungleich oder Ungleiches gleich behandelt,  dann  zulässig  sein,  wenn  die  Gleich­  oder  Ungleichbehandlung  notwendig ist, um das Ziel der Regelung zu erreichen, und die Bedeutung  des Ziels die Gleich­ oder Ungleichbehandlung rechtfertigt (vgl. BGE 136  II 120 E. 3.3.2; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 497). 6.3.  Wie  bereits  ausgeführt,  geht  die  von  Art.  35  Abs.  2  Bst.  a  ZV  gewährte  Ausnahme  von  der  allgemeinen  Zollpflicht  –  selbst  mit  den  darin enthaltenen Einschränkungen – über die vom Istanbuler Abkommen  garantierten  Erleichterungen  hinaus  (vgl.  E. 2.4).  Wird  also  die  Abgabebefreiung  lediglich  angestellten  Personen  gewährt,  kann –  solange sämtliche Angestellten diesbezüglich gleich behandelt werden –  nicht  von  einer  Rechtsungleichheit  gesprochen  werden.  So  müssen  selbständig  Erwerbende  –  wie  alle  anderen  Personen  auch,  die  nicht  explizit  unter  eine  der Ausnahmebestimmungen  fallen  – Fahrzeuge,  die  sie  in  die  Schweiz  einführen,  entsprechend  den  gesetzlichen  Bestimmungen  verzollen  und  versteuern.  Die  vom  Verordnungsgeber  getroffene  Unterscheidung  zwischen  Angestellten  und  selbständig  Erwerbenden beruht  dabei  auf  ernsthaften,  sachlichen und  vernünftigen  Gründen  (vgl.  dazu  vorn  E. 3.2.3).  Art.  35  Abs.  2  Bst.  a  ZV  verstösst  demzufolge weder  gegen  das Willkürverbot  noch  gegen  den Grundsatz  der Rechtsgleichheit.  7.  Insgesamt  ergibt  sich,  dass  die  Zollverwaltung  unter  keinem  Titel  gehalten war, dem Beschwerdeführer die verlangte Bewilligung Formular  15.30  erneut  zu  erteilen  und  die  OZD  die  Beschwerde  in  ihrem  Beschwerdeentscheid vom 11. Oktober 2010 zu Recht abgewiesen hatte.  Damit  erübrigt  es  sich  auch,  auf  das  Begehren  um  Erneuerung  der  Bewilligung Formular 15.30 bis zum 15. April 2011 näher einzugehen. 8.  Ausgangsgemäss  ist  die  Beschwerde  abzuweisen,  soweit  darauf  einzutreten ist. Die Verfahrenskosten im Betrag von Fr. 3'000.– sind dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  und  mit  dem  von  ihm  geleisteten  Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).  Eine  Parteientschädigung  an  den  Beschwerdeführer  ist  nicht  zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG a contrario).

A­7817/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  3'000.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von  Fr. 3'000.– verrechnet. 3.  Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen. 4.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref­Nr. _______; Gerichtsurkunde) Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Daniel Riedo Claudia Zulauf Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG).

A­7817/2010 Versand:

A-7817/2010 — Bundesverwaltungsgericht 24.11.2011 A-7817/2010 — Swissrulings