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Bundesverwaltungsgericht 23.01.2012 A-5110/2011

23. Januar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,138 Wörter·~16 min·1

Zusammenfassung

Mehrwertsteuer | Mehrwertsteuer (1. Quartal 2004 bis 4. Quartal 2008; Umsatzschätzung)

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung I A­5110/2011 Urteil   v om   2 3 .   J a nua r   2012 Besetzung Richter Michael Beusch (Vorsitz), Richter André Moser, Richter Daniel Riedo,    Gerichtsschreiber Stefano Bernasconi. Parteien A._______, …,   vertreten durch …, Beschwerdeführer,  gegen Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV,  Hauptabteilung Mehrwertsteuer, Schwarztorstrasse 50,  3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Mehrwertsteuer (1. Quartal 2004 bis 4. Quartal 2008);  Steuerpflicht, Ermessenseinschätzung.

A­5110/2011 Sachverhalt: A.  A.a A._______  betreibt  in  der  Rechtsform  der  Einzelunternehmung  ein  Taxiunternehmen  in  der Region Basel. Mit  den Schreiben  vom 23.  Juni  2009,  1. September  2009  und  9. Oktober  2009  forderte  die  Eidgenössische  Steuerverwaltung  (ESTV)  A._______  jeweils  auf,  Bilanzen  und  Erfolgsrechnungen,  Aufwand­  und  Ertragskonti,  Fahrtenschreiberkarten und Kontrollkarten  sowie die Servicerechnungen  sämtlicher  Geschäftsfahrzeuge  ab  Aufnahme  der  selbständigen  Geschäftstätigkeit  einzureichen,  um  eine  allfällige  Mehrwertsteuerpflicht  überprüfen zu können. A.b Nach Überprüfung der  in der Folge  (nicht vollständig) eingereichten  Unterlagen  (Fahrtenschreiber­  und  Kontrollkarten  lediglich  eines  von  mehreren  gehaltenen  Geschäftsfahrzeugen)  teilte  die  ESTV  A._______  mit  Schreiben  vom  2. Dezember  2009  mit,  er  werde  rückwirkend  per  1. Januar  2004  ins  Register  der  Mehrwertsteuerpflichtigen  eingetragen.  Auf  Grundlage  der  von  der  Motorfahrzeugkontrolle  (MFK)  Basel­Stadt  (zusätzlich)  einverlangten  Fahrzeugprüfberichte  belastete  die  ESTV  A._______ gleichentags mittels Ergänzungsabrechnung (EA) Nr. […] vom  2. Dezember  2009  betreffend  die  Steuerperioden  1. Quartal  2004  bis  4. Quartal 2008 (Zeit vom 1. Januar 2004 bis 31. Dezember 2008) einen  Steuerbetrag  von  Fr. 26'337.­­  zuzüglich  5 %  Verzugszins  seit  dem  30. April  2007  (mittlerer  Verfall)  nach.  Im  erwähnten  Schreiben  erhielt  A._______ gleichzeitig Gelegenheit zur Stellungnahme. Eine solche liess  A._______  mit  Schreiben  vom  4. Januar  2010  durch  seinen  Rechtsvertreter einreichen unter Beantragung, die EA sei vollumfänglich  aufzuheben,  und  es  sei  festzustellen,  dass  er  nicht  mehrwertsteuerpflichtig und deshalb aus dem Register zu löschen sei. B.  Mit  Verfügung  vom  17. März  2010  hielt  die  ESTV  an  ihrer  Steuerforderung  von  Fr. 26'337.­­  zuzüglich  Verzugszins  fest.  Zur  Begründung verwies sie auf die besagte EA sowie auf das der Verfügung  beigelegte Schreiben gleichen Datums. C.  Gegen  diese  Verfügung  liess  A._______  am  16. April  2010  Einsprache  erheben  mit  dem  sinngemässen  Antrag,  es  sei  in  Aufhebung  der  angefochtenen Verfügung sowie der erwähnten EA festzustellen, dass er  nicht mehrwertsteuerpflichtig sei, weshalb auf die Erhebung des streitigen 

A­5110/2011 Steuerbetrags  zu  verzichten  sei.  Als  Begründung  brachte  A._______  insbesondere vor, die ESTV habe bei ihrer Umsatzschätzung die von ihm  gefahrenen Privatkilometer nicht genügend berücksichtigt.  Mit Schreiben vom 31. Januar 2011 gewährte die ESTV A._______ eine  Nachfrist,  um  unter  anderem  die  gesamte  Buchhaltung  (einschliesslich  Kassabücher,  Tagesrapporte  und  Monatszusammenstellungen  über  sämtliche  Einnahmen)  sowie  die  Fahrtenschreiber­  und  Kontrollkarten  aller  Geschäftsfahrzeuge  für  die  Jahre  2003  bis  2008  einzureichen.  Zudem  wurde  A._______  gebeten,  die  in  der  Einsprache  vorgebrachte  private  Nutzung  der  Fahrzeuge  zu  belegen  bzw.  zu  beziffern.  Dieser  Aufforderung  kam  A._______  laut  Angaben  der  ESTV  –  trotz  mehrmaligen Fristverlängerungen – nicht nach. Mit Einspracheentscheid  vom  4. August  2011  hiess  die  ESTV  die  Einsprache  teilweise  gut  und  setzte  den  geschuldeten  Mehrwertsteuerbetrag  neu  auf  Fr. 25'141.­­  zuzüglich  Verzugszins  (5 %  bis  zum  31. Dezember  2009  und  4,5 %  ab  dem  1. Januar  2010)  ab  30. April  2007  (mittlerer  Verfall)  fest.  Mit  gleichem  Datum  stellte  sie  die  ihre  ursprüngliche  EA  korrigierende  Gutschriftsanzeige (GS) Nr. […] vom 4. August 2011 von Fr. 1'196.­­ aus.  Diese  Korrektur  erfolgte  hauptsächlich,  weil  einem  der  Geschäftsfahrzeuge  von  A._______  im  Rahmen  der  vorgenommenen  Umsatzschätzung  laut  ESTV  "ungerechtfertigterweise"  keine  Privatkilometer angerechnet worden waren. D.  Gegen  den  besagten  Einspracheentscheid  liess  A._______  (Beschwerdeführer)  am  14. September  2011  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht  erheben  und  beantragen,  dieser  sei  vollumfänglich  aufzuheben,  und  es  sei  überdies  festzustellen,  dass  er  vom  1. Quartal  2004  bis  4. Quartal  2008  der  Mehrwertsteuer  nicht  unterliege  –  alles  unter  Kosten­  und  Entschädigungsfolge  zulasten  der  ESTV. Zur Begründung machte er im Wesentlichen geltend, dass er zwar  kein eigentliches Kassabuch und keine detaillierten Aufzeichnungen über  die  von  ihm  erzielten  Umsätze  vorweisen  könne.  Aus  den  vorgelegten  Fahrtenschreiberkarten ergebe sich  jedoch, dass er  in den Jahren 2007  und 2008  (mit 36'698 bzw. 36'739 Kilometern) etwa gleich viel gefahren  sei,  weshalb  diese  Kilometerleistungen  ohne  weiteres  auch  auf  die  Vorjahre  2004,  2005 und 2006 übertragen werden  könnten.  Im Übrigen  seien die ihm durch die ESTV angerechneten Privatfahrten offensichtlich  viel  zu  tief,  zumal  seine  mehrmaligen  Fahrten  nach  Serbien  nicht  berücksichtigt worden seien.

A­5110/2011 E.  In  ihrer Vernehmlassung vom 11. November 2011 beantragte die ESTV,  die  Beschwerde  sei  unter  Kostenfolge  zulasten  des  Beschwerdeführers  abzuweisen. Zu erwähnen sei – so die Begründung der ESTV –, dass die  Buchhaltung  des  Beschwerdeführers  nachweislich  erhebliche  Mängel  aufweise.  Da  der  Beschwerdeführer  trotz  bargeldintensiven  Geschäftsverkehrs  kein  fortlaufend  addiertes  und  periodisch  saldiertes  Kassabuch  geführt  habe,  sei  sie  nach  den  einschlägigen  gesetzlichen  Bestimmungen  befugt  und  verpflichtet  gewesen,  eine  Ermessenseinschätzung  vorzunehmen.  Dabei  sei  es  nach  der  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  zulässig,  eine  Prüfung  der  Verhältnisse während  eines  Teils  der Kontrollperiode  vorzunehmen  und  in  der  Folge  das  Ergebnis  auf  den  gesamten  kontrollierten  Zeitraum  umzulegen  bzw.  hochzurechnen.  Allein  die  Behauptung  des  Beschwerdeführers, wonach er jährlich nach Serbien gefahren sei, könne  so  nicht  ausreichen,  um  ihre  Schätzung  zu  widerlegen.  Ihren  Berechnungen zufolge erreiche der Beschwerdeführer die massgebende  Umsatzlimite  und  Steuerzahllast  (bereits)  im  Jahr  2003,  womit  die  Voraussetzungen für die Steuerpflicht ab 1. Januar 2004 erfüllt seien. F.  Auf  die  weiteren  Vorbringen  der  Parteien  wird  –  sofern  entscheidwesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern keine  Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist. Eine solche liegt nicht vor, und  die  Vorinstanz  ist  eine  Behörde  im  Sinn  von  Art. 33  VGG.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist daher  für die Beurteilung der vorliegenden  Beschwerde zuständig. Soweit das VGG nichts anderes bestimmt, richtet  sich gemäss dessen Art. 37 das Verfahren nach dem VwVG. Auf die frist­  und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 1.2.  Am  1. Januar  2010  ist  ein  neues  Mehrwertsteuergesetz  in  Kraft  getreten  (Bundesgesetz  vom  12. Juni  2009  über  die  Mehrwertsteuer 

A­5110/2011 [MWSTG, SR 641.20]). Die bisherigen gesetzlichen Bestimmungen sowie  die  darauf  gestützt  erlassenen  Vorschriften  bleiben  grundsätzlich  weiterhin auf alle während  ihrer Geltungsdauer eingetretenen Tatsachen  und  entstandenen  Rechtsverhältnisse  anwendbar  (Art. 112  Abs. 1  MWSTG).  Der  vorliegende  Sachverhalt  –  er  verwirklichte  sich  in  den  Jahren  2004  bis  2008  –  ist  folglich  noch  nach  dem Bundesgesetz  vom  2. September  1999  über  die Mehrwertsteuer  (aMWSTG, AS 2000 1300)  zu beurteilen. Demgegenüber  ist  das  neue  mehrwertsteuerliche  Verfahrensrecht  im  Sinn  von  Art. 113  Abs. 3  MWSTG  auf  sämtliche  im  Zeitpunkt  des  Inkrafttretens hängige und damit grundsätzlich auch auf das vorliegende  Verfahren  anwendbar.  Allerdings  ist  Art. 113  Abs. 3  MWSTG  insofern  restriktiv  zu handhaben,  als  gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung  nur  eigentliche  Verfahrensnormen  sofort  auf  hängige  Verfahren  anzuwenden  sind  und  es  dabei  nicht  zu  einer  Anwendung  von  neuem  materiellen  Recht  auf  altrechtliche  Sachverhalte  kommen  darf  (ausführlich:  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­1113/2009  vom  23. Februar  2010  E. 1.3).  Kein  Verfahrensrecht  in  diesem  engen  Sinn  stellen  im  vorliegenden  Fall  etwa  Themen  wie  die  Buchführungspflicht,  das  Selbstveranlagungsprinzip  oder  die  Ermessensveranlagung  dar,  sodass vorliegend diesbezüglich noch altes Recht anwendbar  ist. Keine  Anwendung  finden  deshalb  beispielsweise  die  Art. 70,  71,  72  oder  79  MWSTG, obwohl sie unter dem Titel "Verfahrensrecht für die Inland­ und  die  Bezugsteuer"  stehen  (statt  vieler:  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts A­1447/2010 vom 11. November 2011 E. 1.3,  auch  zum  Folgenden).  Hingegen  kann  unter  anderem  Art. 81  MWSTG  unter  die  von  Art. 113  Abs. 3  MWSTG  anvisierten  Verfahrensbestimmungen  subsumiert  werden  (PASCAL  MOLLARD/XAVIER  OBERSON/ANNE  TISSOT  BENEDETTO,  Traité  TVA,  Basel  2009,  S. 1235  N. 670).  Art. 81  MWSTG  gilt  damit  grundsätzlich  auch  für  hängige  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (vgl.  dazu  aber  E. 1.3  hiernach). 1.3. Gestützt  auf  die  direkt  aus  der  Verfassung  fliessenden  minimalen  Verfahrensgarantien (insbesondere das rechtliche Gehör gemäss Art. 29  Abs. 2  BV;  vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  2A.110/2000  vom  26. Januar  2001 E. 3b)  und  gestützt  auf  die  nach  Art. 81 MWSTG  neu  unmittelbar  anwendbaren Bestimmungen des VwVG (Art. 12­19, 30­33 VwVG) kann  im Steuerverfahren die Anhörung von Parteien und die Einvernahme von  Zeugen in bestimmten Fällen geboten sein. 

A­5110/2011 Keine  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  liegt  vor,  wenn  eine  Behörde  auf  die  Abnahme  beantragter  Beweismittel  verzichtet,  weil  eine  antizipierte Beweiswürdigung ergibt, dass die angebotenen Beweise eine  nicht  erhebliche  Tatsache  betreffen  oder  offensichtlich  untauglich  sind  oder sich der Sachverhalt auch sonst genügend ermitteln lässt (BGE 131  I 153 E. 3, 124 I 208 E. 4a, 122 II 464 E. 4a, je mit Hinweisen; Urteil des  Bundesgerichts  2C_115/2007  vom  11. Februar  2008  E. 2.2;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­1506/2006  vom  3. Juni  2008  E. 2.1.2;  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 3.144 ff.).  Beispielsweise  kann  auf  eine  Parteibefragung  verzichtet  werden,  wenn  sich daraus offensichtlich keine neuen Tatsachen ergeben würden bzw.  davon  auszugehen  ist,  dass  an  einer  mündlichen  Befragung  nichts  anderes  behauptet  werden  würde,  als  was  sich  bereits  aus  den  bisherigen  Eingaben  ergibt  (Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­ 6299/2009  vom  21. April  2011  E. 3.1,  A­710/2007  vom  24. September  2009 E. 2.2, A­1599/2006 vom 10. März 2008 E. 2.4 mit Hinweis). 2.  2.1.  Der  Mehrwertsteuer  unterliegen  insbesondere  die  Umsätze,  die  durch  steuerpflichtige  Personen  im  Inland  mit  entgeltlich  erbrachten  Lieferungen  von  Gegenständen  und  Dienstleistungen  getätigt  werden  (Art. 5 Bst. a und b aMWSTG). 2.2.  Steuerpflichtig  ist  grundsätzlich,  wer  eine  mit  der  Erzielung  von  Einnahmen  verbundene  gewerbliche  oder  berufliche  Tätigkeit  selbstständig  ausübt,  sofern  seine  Lieferungen  und  seine  Dienstleistungen  im  Inland  jährlich  gesamthaft  Fr. 75'000.­­  übersteigen  (Art. 21 Abs. 1 aMWSTG). Eine Ausnahme von der Steuerpflicht besteht  insofern,  als  die  nach  Abzug  der  Vorsteuer  verbleibende  Steuer  (Steuerzahllast)  regelmässig  nicht  mehr  als  Fr. 4'000.­­  beträgt;  diese  Ausnahme  bleibt  auf  Jahresumsätze  bis  zu  Fr. 250'000.­­  beschränkt  (Art. 25  Abs. 1  Bst. a  aMWSTG;  vgl.  dazu  die  von  der  ESTV  herausgegebene  Spezialbroschüre  Nr. 02,  Steuerpflicht  bei  der  Mehrwertsteuer, gültig mit Einführung des aMWSTG per 1. Januar 2001  bis  31. Dezember  2007,  Ziff. 2.2.3).  Für  bestehende  Betriebe,  bei  welchen  im  Zeitpunkt  der  Aufnahme  der  Tätigkeit  keine  Steuerpflicht  gegeben  war,  beginnt  die  Steuerpflicht  am  1. Januar,  wenn  im  vorangehenden  Jahr  die  oben  erwähnten  Betragsgrenzen  kumulativ  überschritten worden sind (Art. 28 Abs. 1 aMWSTG). Massgebend für die 

A­5110/2011 Steuerpflicht  ist  das  vereinnahmte Entgelt  des Vorjahres;  dieses  ist wie  folgt  zu  ermitteln:  Einnahmen  zuzüglich  Entgelt  aus  Verrechnung  und  Warenhingabe an Zahlungs statt (ESTV, Spezialbroschüre Nr. 02, a.a.O.,  Ziff. 3.3;  vgl. Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts  A­2149/2008  und A­ 2170/2008 vom 17. Mai 2010 E. 3.2). 2.3. Die  Veranlagung  und  Entrichtung  der  Mehrwertsteuer  erfolgt  nach  dem  Selbstveranlagungsprinzip  (Art. 46 f.  aMWSTG;  ERNST  BLUMENSTEIN/PETER LOCHER, System des schweizerischen Steuerrechts,  6. Aufl.,  Zürich  2002,  S. 421  ff.;  ALOIS  CAMENZIND/NIKLAUS  HONAUER/KLAUS  A.  VALLENDER,  Handbuch  zum  Mehrwertsteuergesetz  [MWSTG],  Bern  2003,  2. Aufl.,  Rz. 78).  Dies  bedeutet  vorab,  dass  der  Leistungserbringer  bereits  für  die  Feststellung  seiner  Mehrwertsteuerpflicht  selbst  verantwortlich  ist  und  sich  gegebenenfalls  unaufgefordert anzumelden hat (Art. 56 Abs. 1 aMWSTG; vgl. Urteile des  Bundesgerichts  2A.109/2005  vom  10. März  2006  E. 2.1,  2A.304/2003  vom  14. November  2003  E. 3.5;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2149/2008  und  A­2170/2008  vom  17. Mai  2010  E. 3.1,  A­8485/2007  vom 22. Dezember 2009 E. 2.2, A­12/2007 vom 28. Januar 2009 E. 2.7).  Bei  festgestellter  Steuerpflicht  hat  er  sodann  selbst  und  unaufgefordert  über seine Umsätze und Vorsteuern abzurechnen und  innerhalb von 60  Tagen  nach  Ablauf  der  Abrechnungsperiode  den  geschuldeten  Mehrwertsteuerbetrag (Steuer vom Umsatz abzüglich Vorsteuern) an die  ESTV  abzuliefern.  Die  ESTV  ermittelt  die  Höhe  des  geschuldeten  Mehrwertsteuerbetrages nur dann an Stelle der steuerpflichtigen Person,  wenn  diese  ihren  Pflichten  nicht  nachkommt  (Art. 60  aMWSTG;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2998/2009  vom  11. November  2010  E. 2.4, A­4146/2009 vom 9. März 2010 E. 3.1 mit Hinweisen). 2.4.  2.4.1. Zu den Obliegenheiten der steuerpflichtigen Person gehört  insbe­ sondere  die  Buchführungspflicht  (vgl.  dazu  die  Urteile  des  Bundesgerichts  2A.552/2006  vom  1. Februar  2007  E. 3.1,  2A.109/2005  vom  10. März  2006  E. 2.1 f.).  Gemäss  Art. 58  Abs. 1  aMWSTG  hat  die  Mehr­wertsteuerpflichtige  ihre  Geschäftsbücher  ordnungsgemäss  zu  führen und so einzurichten, dass sich aus  ihnen die  für die Feststellung  der Mehrwertsteuerpflicht  sowie  für  die Berechnung der Steuer  und der  ab­ziehbaren  Vorsteuern  massgebenden  Tatsachen  leicht  und  zuverlässig ermitteln lassen.

A­5110/2011 2.4.2.  Die  mehrwertsteuerliche  Buchführungspflicht  knüpft  nach  dem  klaren Wortlaut von Art. 58 Abs. 1 aMWSTG und sachgerechterweise an  eine bestehende Mehrwertsteuerpflicht an.  Insofern missverständlich, da  logisch  nicht  denkbar,  ist  damit  die  Aussage,  das  Mehrwertsteuerrecht  gebiete  die  Führung  von  Geschäftsbüchern  im  oben  erwähnten  Sinn  schon  betreffend  Feststellung  der  Steuerpflicht,  besteht  doch  vor  Entstehung  der  Steuerpflicht  eben  gerade  noch  keine  steuerpflichtige  Person,  welche  unter  den  Anwendungsbereich  von  Art. 58  Abs. 1  aMWSTG  fallen  könnte.  Da  indessen  die  Selbstveranlagung  auch  die  Anmeldepflicht umfasst (Art. 56 aMWSTG), sind auch Unternehmerinnen  und Unternehmer, die noch nicht mehrwertsteuerpflichtig sind, gehalten,  durch  geeignete  Massnahmen  periodisch  zu  überprüfen,  ob  sie  der  Mehrwertsteuerpflicht  unterliegen  (BVGE  2009/60  E. 2.5.1;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2998/2009  vom  11. November  2010  E. 2.5.2,  A­5875/2009  vom  16. Juni  2010  E. 3.2.1,  A­1578/2006  vom  2. Oktober 2008 E. 2.4.1 mit Hinweisen). 2.4.3. Über  die Buchführungspflicht  kann  die ESTV nähere Bestimmun­ gen aufstellen. Von dieser Befugnis hat sie im Rahmen des Erlasses der  Wegleitung  für Mehrwertsteuerpflichtige  (in erster Auflage erschienen  im  Herbst 1994 [neu herausgegeben im Frühling 1997]; als Wegleitung 2001  zur Mehrwertsteuer [Wegleitung 2001] neu herausgegeben per 1. Januar  2001 [und per 1. Januar 2008 als Wegleitung 2008 zur Mehrwertsteuer])  Gebrauch gemacht. In der – vorliegend einschlägigen – Wegleitung 2001  sind  genauere  Angaben  enthalten,  wie  eine  derartige  Buchhaltung  auszugestalten  ist  (Rz. 878 ff.).  Alle  Geschäftsvorfälle  müssen  fortlaufend, chronologisch und lückenlos aufgezeichnet werden (Rz. 884)  und alle Eintragungen haben sich auf entsprechende Belege zu stützen,  sodass  die  einzelnen Geschäftsvorfälle  von  der  Eintragung  in  die Hilfs­  und  Grundbücher  bis  zur  Steuerabrechnung  und  bis  zum  Jahresabschluss  sowie  umgekehrt  leicht  und  genau  verfolgt  werden  können  (sog.  "Prüfspur";  vgl.  Rz. 893 f.;  vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  2A.297/2005 vom 3. Februar 2006 E. 3.1). 2.4.4. Nach der Rechtsprechung ist der Steuerpflichtige selbst bei gerin­ gem  Barverkehr  zur  Führung  zumindest  eines  einfachen  ordentlichen  Kassabuchs verpflichtet. Er ist zwar mehrwertsteuerrechtlich nicht gehal­ ten,  kaufmännische  Bücher  im  Sinn  des  Handelsrechts  zu  führen;  die  Bücher müssen die erzielten Umsätze jedoch lückenlos erfassen und die  entsprechenden  Belege  sind  aufzuheben  (Urteile  des  Bundesgerichts  2A.693/2006  vom  26. Juli  2007  E. 3.1,  2A.569/2006  vom  28. Februar 

A­5110/2011 2007  E. 3.1;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­1634/2006  vom  31. März  2009  E. 3.5,  A­1527/2006  vom  6. März  2008  E. 2.2,  A­ 1406/2006  vom  30. Januar  2008  E. 2.2 mit  weiteren  Hinweisen).  Damit  befinden  sich  die  mehrwertsteuerlichen  Anforderungen  an  die  Aufzeichnungspflicht auch  im Einklang mit den bei den direkten Steuern  geltenden Regelungen. Die detaillierte und chronologische Führung eines  Kassabuches muss besonders hohen Anforderungen genügen. Soll also  ein Kassabuch  für die Richtigkeit des erfassten Bargeldverkehrs Beweis  erbringen,  ist  zu  verlangen,  dass  in  diesem  die  Bareinnahmen  und  ­ ausgaben  fortlaufend,  lückenlos  und  zeitnah  aufgezeichnet  werden  und  durch Kassenstürze regelmässig – in bargeldintensiven Betrieben täglich  – kontrolliert  werden.  Nur  auf  diese  Weise  ist  gewährleistet,  dass  die  erfassten  Bareinnahmen  vollständig  sind,  das  heisst  den  effektiven  Bareinnahmen  entsprechen  (vgl.  Urteile  des  Bundesgerichts  2C_302/2009  vom  15. Oktober  2009  E. 4.2,  2A.693/2006  vom  26. Juli  2007  E. 3.1,  2A.657/2005  vom  9. Juni  2006  E. 3;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2998/2009  vom  11. November  2010  E. 2.5.4,  A­5875/2009  vom  16. Juni  2010  E. 3.3,  A­705/2008  vom  12. April  2010  E. 2.3,  A­746/2007  vom  6. November  2009  E. 2.2.1  mit  weiteren Hinweisen). 2.5.  2.5.1.  Liegen  keine  oder  nur  unvollständige  Aufzeichnungen  vor  oder  stimmen die ausgewiesenen Ergebnisse mit dem wirklichen Sachverhalt  offensichtlich nicht überein, so nimmt die ESTV gemäss Art. 60 aMWSTG  eine Schätzung nach pflichtgemässem Ermessen vor. Diese Bestimmung  ist  auch  heranzuziehen,  falls mangels Aufzeichnungen  – worunter  nicht  nur Geschäftsbücher  im Sinn von Art. 58 Abs. 1 aMWSTG zu verstehen  sind  (vgl.  dazu PASCAL MOLLARD,  TVA et  taxation par  estimation,  veröf­ fentlicht  in  Archiv  für  Schweizerisches  Abgaberecht  [ASA]  69  S. 518) –  die  sachverhaltsmässigen  Grundlagen  zur  Beantwortung  der  Frage,  ob  überhaupt  eine  Steuerpflicht  vorliegt,  nicht  einwandfrei  ermittelt  werden  können  (zur  Ermessensveranlagung  als  Sachverhaltsermittlung  durch  Schätzung vgl. grundlegend BLUMENSTEIN/LOCHER, a.a.O., S. 404). 2.5.2. Art. 60 aMWSTG unterscheidet nach dem Gesagten zwei vonein­ ander unabhängige Konstellationen, welche zu einer Ermessenstaxation  führen. Die erste ist diejenige der ungenügenden Aufzeichnung (Konstel­ lation 1).  In diesem Fall hat eine Schätzung insbesondere auch dann zu  erfolgen, wenn  –  bei  feststehender Steuerpflicht  –  die Verstösse  gegen  die  formellen  Buchhaltungsvorschriften  als  derart  gravierend  zu 

A­5110/2011 qualifizieren  sind,  dass  sie  die  materielle  Richtigkeit  der  Buchhaltungsergebnisse  in  Frage  stellen  (statt  vieler:  BGE  105  Ib  181  E. 4a, Urteile des Bundesgerichts 2C_429/2009 vom 9. November 2009  E. 3,  2A.437/2005  vom  3. Mai  2006  E. 3.1;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts A­4450/2010 vom 8. September 2011 E. 4.1,  A­705/2008 vom 12. April 2010 E. 2.4). Zweitens kann selbst eine formell  einwandfreie  Buchführung  die  Durchführung  einer  Schätzung  erfordern,  wenn  die  ausgewiesenen  Ergebnisse  mit  dem  wirklichen  Sachverhalt  offensichtlich  nicht  übereinstimmen  (Konstellation  2).  Dies  ist  nach  der  Rechtsprechung  der  Fall,  wenn  die  in  den  Büchern  enthaltenen  Geschäftsergebnisse  von  den  von  der  Steuerverwaltung  erhobenen  branchenspezifischen  Erfahrungszahlen  wesentlich  abweichen,  vorausgesetzt  die  kontrollierte  Person  ist  nicht  in  der  Lage,  allfällige  besondere  Umstände,  auf  Grund  welcher  diese  Abweichung  erklärt  werden  kann,  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen  (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A­4450/2010 vom 8. September  2011 E. 4.1, A­2998/2009 vom 11. November 2010 E. 2.6.2, A­705/2008  vom 12. April 2010 E. 2.4). 2.6.  2.6.1. Sind die Voraussetzungen für eine Ermessenstaxation erfüllt, so ist  die  ESTV  nicht  nur  berechtigt,  sondern  verpflichtet,  eine  solche  nach  pflichtgemässem  Ermessen  vorzunehmen.  Die  Fälle,  in  denen  die  Steuerpflichtigen ihre Mitwirkungspflichten nicht wahrnehmen bzw. keine,  unvollständige  oder  ungenügende  Aufzeichnungen  über  ihre  Umsätze  (bzw. hinsichtlich Feststellung oder Überprüfung der Steuerpflicht) führen,  dürfen keine Steuerausfälle zur Folge haben (Urteile des Bundesgerichts  2A.552/2006  vom  1. Februar  2007  E. 3.2,  2A.552/2006  vom  1. Februar  2007 E. 3.2;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­3678/2007  und A­ 3680/2007 vom 18. August 2009 E. 3.2). 2.6.2.  Die  Vornahme  der  Schätzung  nach  pflichtgemässem  Ermessen  bedeutet  insbesondere,  dass  die  ESTV  dabei  diejenige  Schätzungsmethode  zu  wählen  hat,  die  den  individuellen  Verhältnissen  im Betrieb des Steuerpflichtigen soweit  als möglich Rechnung  trägt, auf  plausiblen An­gaben beruht und deren Ergebnis der wirklichen Situation  möglichst  nahe  kommt  (Urteile  des  Bundesgerichts  2C_426/2007  vom  22. November  2007  E. 3.2,  2A.552/2006  vom  1. Februar  2007  E. 3.3;  Urteile  des  Bun­desverwaltungsgerichts  A­1113/2009  vom  23. Februar  2010  E. 2.3,  A­1578/2006  vom  2. Oktober  2008  E. 4.2;  CAMENZIND/HONAUER/VALLENDER, a.a.O., Rz. 1682).  In Betracht kommen 

A­5110/2011 einerseits  Schätzungsmethoden,  die  auf  eine  Ergänzung  oder  Rekonstruktion  der  ungenügenden  Buchhaltung  hinauslaufen,  andererseits  Umsatzschätzungen  aufgrund  unbestrittener  Teil­ Rechnungsergebnisse  in  Verbindung  mit  Erfahrungssätzen  (Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts A­4450/2010 vom 8. September 2011 E. 4.2,  A­2184/2008 und A­2185/2008 vom 3. Juni 2010 E. 5.1, A­705/2008 vom  12. April 2010 E. 2.6.2, A­1379/2007 vom 18. März 2010 E. 4.2; vgl. auch  MOLLARD, a.a.O., S. 530 ff.). Die brauchbaren Teile der Buchhaltung und  allenfalls vorhandene Belege sind soweit als möglich bei der Schätzung  mitzuberücksichtigen.  Sie  können  durchaus  als  Basiswerte  der  Ermessenstaxation  fungieren  (Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A­ 4360/2008  und  A­4415/2008  vom  4. März  2010  E. 2.5.2,  A­1578/2006  vom 2. Oktober 2008 E. 4.2). 2.6.3.  Im  Rahmen  einer  Ermessenstaxation  ist  es  nach  der  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  zulässig,  dass  die  ESTV  eine  Prüfung  der  Verhältnisse  während  eines  Teils  der  Kontrollperiode  vornimmt und in der Folge das Ergebnis auf den gesamten kontrollierten  Zeitraum  umlegt  bzw.  hochrechnet  (sog.  Umlageverfahren),  vorausgesetzt  die  massgebenden  Verhältnisse  im  eingehend  kontrollierten  Zeitabschnitt  seien  ähnlich  wie  in  der  gesamten  Kontrollperiode (Urteile des Bundesgerichts 2C_309/2009 vom 1. Februar  2010  E. 2.2  und  2A.437/2005  vom  3. Mai  2006  E. 4.3.2;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2998/2009  vom  11. November  2010  E. 2.7.3,  A­5875/2009  vom  16. Juni  2010  E. 3.6.2,  A­705/2008  vom  12. April  2010  E. 2.6.2,  A­4146/2009  vom  9. März  2010  E. 3.4).  Der  Ermessensveranlagung haftet deshalb eine gewisse Unsicherheit an, die  der  Steuerpflichtige  aufgrund  seiner  Pflichtverletzung  jedoch  selber  zu  vertreten  hat  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts  2A.437/2005  vom  3. Mai  2006 E. 3.2 mit Hinweisen). 2.7.  2.7.1. Die Vorinstanz zieht bei ihrer Arbeit Erfahrungszahlen heran, sei es  im  Rahmen  der  Prüfung  der  Voraussetzungen  der  Ermessensveranlagung oder für die Vornahme der Schätzung. Nach der  Rechtsprechung  ist  das  Abstellen  auf  Erfahrungszahlen  grundsätzlich  nicht  zu  beanstanden  (vgl.  statt  vieler:  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­3678/2007  und  A­3680/2007  vom  18. August 2009 E. 3.1, 4.2).

A­5110/2011 2.7.2.  Erfahrungszahlen  sind  Ergebnisse,  die  aus  zuverlässigen  Buchhaltungen  gewonnen  und  nach  betriebswirtschaftlichen  Gesichtspunkten  statistisch  verarbeitet  werden.  Sie  sind  keine  Rechtssätze  und  auch  keine  Beweismittel  (solange  sie  nicht  z.B.  durch  ein  Sachverständigengutachten  erwiesen  sind),  die  den  Geschäftsbüchern gleichgestellt wären (MARTIN ZWEIFEL/SILVIA HUNZIKER,  Beweis und Beweislast im Steuerverfahren bei der Prüfung von Leistung  und  Gegenleistung  unter  dem  Gesichtswinkel  des  Drittvergleichs  ["dealing at arm's length"], veröffentlicht in ASA 77 S. 658 ff., 665, 679 mit  Hinweisen). 2.7.3.  Erfahrungszahlen  drücken  Gesetzmässigkeiten  in  den  Verdienstverhältnissen  einzelner  Branchen  aus.  Diese  Funktion  kommt  ihnen aber nur dann zu, wenn sie auf einer sicheren Grundlage beruhen  (vgl.  ZWEIFEL/HUNZIKER,  a.a.O.,  S. 679).  Sollen  Erfahrungswerte  Aufschluss  über  durchschnittliche  Umsatzziffern  geben,  müssen  sie  deshalb breit  abgestützt  sein und sollten nebst  der Betriebsstruktur  und  den  regionalen Gegebenheiten auch die Betriebsgrösse berücksichtigen  (MOLLARD,  a.a.O.,  S. 553;  vgl.  zum  Ganzen  ausführlich:  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts A­1447/2010 vom 11. November 2011 E. 2.7  mit Hinweisen). 2.8.  2.8.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  kann  den  angefochtenen  Einspracheentscheid  grundsätzlich  in  vollem  Umfang  überprüfen.  Die  Beschwerdeführerin kann neben der Verletzung von Bundesrecht (Art. 49  Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder unvollständigen Feststellung des  rechts­erheblichen Sachverhalts (Art. 49 Bst. b VwVG) auch die Rüge der  Unangemessenheit erheben (Art. 49 Bst. c VwVG). 2.8.2.  Das  Bundesverwaltungsgericht  überprüft  das  Vorliegen  der  Vor­ aussetzungen  für  die Vornahme einer Ermessenstaxation  –  als Rechts­ frage  –  uneingeschränkt  (statt  vieler:  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­3678/2007  und  A­3680/2007  vom  18. August  2009 E. 5).  Als  ausserhalb  der Verwaltungsorganisation  und  Behördenhierarchie  stehendes,  von  der  richterlichen  Unabhängigkeit  bestimmtes Verwaltungsgericht auf­erlegt dieses sich trotz des möglichen  Rügegrundes  der  Unangemessenheit  bei  der  Überprüfung  von  zulässigerweise erfolgten Ermessensveranlagungen jedoch eine gewisse  Zurückhaltung  und  reduziert  dergestalt  seine  Prüfungsdichte.  Grundsätzlich setzt das Bundesverwaltungsgericht nur dann sein eigenes 

A­5110/2011 Ermessen an die Stelle desjenigen der Vorinstanz, wenn dieser bei  der  Schätzung  erhebliche  Ermessensfehler  unterlaufen  sind  (statt  vieler:  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2184/2008  und  A­2185/2008  vom  3. Juni  2010  E. 5.2,  A­4309/2008  vom  30. April  2010  E. 2.2,  A­ 3678/2007  und  A­3680/2007  vom  18. August  2009  E. 5).  Diese  Praxis  wurde  vom  Bundesgericht  bestätigt  (Urteil  des  Bundesgerichts  2C_426/2007 vom 22. November 2007 E. 4.3). 2.8.3.  Für  das  Vorliegen  der  Voraussetzungen  zur  Vornahme  einer  Ermessenseinschätzung  ist  nach  den  allgemeinen  Beweislastregeln  die  ESTV  beweisbelastet  (Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­ 1960/2007  vom  1. Februar  2010  E. 2.4.2,  A­1578/2006  vom  2. Oktober  2008  E. 5.3,  A­1527/2006  und  A­1528/2006  vom  6. März  2008  E. 2.4).  Gelangt  das  Gericht  somit  in  freier  Beweiswürdigung  nicht  zur  Überzeugung,  eine  der  beiden  tatbestandsmässig  vorausgesetzten  Konstellationen von Art. 60 aMWSTG (vgl. dazu oben E. 2.5.2) habe sich  verwirklicht, ist gemäss der objektiven Beweislastregel zu Ungunsten der  ESTV  zu  entscheiden  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­ 1578/2006  vom  2. Oktober  2008  E. 5.3,  A­1527/2006  und  A­1528/2006  vom 6. März 2008 E. 2.4). Waren die Voraussetzungen für eine Ermessenstaxation im Einzelfall er­ füllt  und  hat  die  ESTV  damit  zulässigerweise  eine  Schätzung  nach  Er­ messen durchgeführt, obliegt es – in Umkehr der allgemeinen Beweislast­ regeln – der steuerpflichtigen Person, den Beweis für die Unrichtigkeit der  Schätzung  zu  erbringen  (statt  vieler:  Urteile  des  Bundesgerichts  2C_171/2008  vom  30. Juli  2008  E. 4.3,  2A.642/2004  vom  14. Juli  2005  E. 5.4; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A­5460/2008 vom 12. Mai  2010 E. 2.5.4, A­1578/2006 vom 2. Oktober 2008 E. 5.3). Sie  kann sich  gegen eine zulässigerweise durchgeführte Ermessenseinschätzung des­ halb  nicht  mit  allgemeiner  Kritik  zur  Wehr  setzen.  Vielmehr  hat  sie  darzulegen,  dass  die  von  der  ESTV  vorgenommene  Schätzung  offensichtlich  fehlerhaft  ist,  und  sie  hat  auch  den  Beweis  für  ihre  vorgebrachten  Behauptungen  zu  erbringen  (anstatt  vieler:  Urteil  des  Bundesgerichts  2A.437/2005  vom  3. Mai  2006 E. 3.3  unter  Verweis  auf  MOLLARD,  a.a.O.,  S. 559  und  die  dort  zitierte  Rechtsprechung;  zum  Ganzen:  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­3123/2008  vom  27. April 2010 E. 2.9.3). 3.  Im vorliegenden Fall  hat die ESTV den Umsatz des Beschwerdeführers 

A­5110/2011 ermessensweise  ermittelt  und  dessen  Steuerpflicht  seit  dem  1. Januar  2004  festgestellt.  In einem ersten Schritt  ist darüber zu befinden, ob die  ESTV  zu  Recht  das  Vorliegen  der  Voraussetzungen  für  eine  Ermessenseinschätzung bejaht hat (E. 3.1). Erst und nur falls dies zutrifft,  gilt  es  in  einem  zweiten  Schritt  zu  überprüfen,  ob  sich  die  Ermessensveranlagung in ihrer Höhe als korrekt erweist (E. 3.2 bis 3.3). 3.1. Die ESTV begründet die Vornahme der Ermessenseinschätzung mit  fehlenden  Kassabüchern  und  weiteren  erheblichen  Mängeln  in  der  Buchhaltung  des  Beschwerdeführers.  Insbesondere  lägen  ihr  für  die  Jahre  2004  bis  2008  nur  Erfolgsrechnungen  (welchen  lediglich  der  jeweilige  Gesamtertrag  zu  entnehmen  sei),  die  betreffenden  Steuererklärungen  sowie  die  Fahrtenschreiber­  und  Kontrollkarten  lediglich eines von jeweils mehreren bei der MFK Basel Stadt gemeldeten  Fahrzeuge vor, und dies auch nur für die Jahre 2007 und 2008. Von der  Möglichkeit  der  Verfolgung  einzelner  Geschäftsfälle  –  auch  stichprobenweise – sowohl vom Einzelbeleg über die Buchhaltung bis zur  Mehrwertsteuerabrechnung  als  auch  in  umgekehrter  Richtung  könne  keine  Rede  sein.  Diese  Ausführungen  der  ESTV  bestreitet  der  Beschwerdeführer  nicht  weiter.  Nach  der  Rechtsprechung  war  er  gehalten, durch geeignete Massnahmen periodisch zu überprüfen, ob er  die Voraussetzungen der Steuerpflicht erfüllt (E. 2.4.2). Zu beachten ist in  diesem  Zusammenhang,  dass  der  vorliegende  Taxibetrieb  einen  bargeldintensiven  Betrieb  darstellt  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2998/2009  vom  11. November  2010  E. 3.2.1, A­281/2009 vom 14. Oktober 2010 E. 6.1.2, A­2149/2008 und A­ 2170/2008  vom  17. Mai  2010  E. 6.1.2),  weshalb  für  diese  Prüfung  die  Führung  eines  tagfertigen  Kassabuches  zwingend  erforderlich  ist/gewesen  wäre.  Die  Bareinnahmen  und  Barausgaben  müssen  in  diesem  fortlaufend,  lückenlos  und  zeitnah  aufgezeichnet  und  durch  Kassenstürze  kontrolliert  werden  (E. 2.4.4;  vgl.  auch  Urteil  des  Bundesgerichts  2A.109/2005  vom  10. März  2006  E. 2.2  und  E. 4.3  mit  insoweit  ähnlicher  Sachverhaltskonstellation).  Aufgrund  des  Fehlens  eines solchen Kassabuches  ist die Buchführung des Beschwerdeführers  bereits  deshalb  mangelhaft.  Es  fehlen  die  sachverhaltsmässigen  Grundlagen zur Beantwortung der Frage, ob eine Steuerpflicht gegeben  ist. Bei diesem Resultat erübrigt es sich, auf die weiteren von der ESTV  genannten  Gründe  für  die  Vornahme  der  Ermessenseinschätzung  einzugehen.

A­5110/2011 Die  Voraussetzungen  für  eine  Ermessenseinschätzung waren  demnach  gegeben (E. 2.5) und die ESTV war deshalb nicht nur berechtigt, sondern  auch verpflichtet, eine solche vorzunehmen. 3.2.  Grundlage  für  die  Umsatzkalkulation  bildeten  laut  ESTV  die  Kilometerangaben auf den einverlangten Fahrzeugprüfberichten der MFK  Basel­Stadt  der  Fahrzeuge  Honda  Jazz  1.4  sowie  Cadillac  Concours,  beide  auf  die  Kennnummer  "[…]"  lautend.  Die  damit  berechneten  jährlichen  Fahrleistungen  seien  –  infolge  fehlender  verwertbarer  Unterlagen – auf  die  gesamten Steuerperioden umgelegt worden. Nach  Abzug der privat gefahrenen Kilometer (100 Kilometer pro Arbeitswoche)  bzw.  Multiplikation  mit  dem  auf  Richtwerten  basierenden  Ansatz  von  "Fr. 2.10  Umsatz  pro  geschäftlich  gefahrenem  Kilometer  (Nachtfahrer)"  habe sich der jeweilige kalkulierte Jahresumsatz ergeben.  In  teilweiser  Gutheissung  der  Einsprache  des  Beschwerdeführers  korrigierte die ESTV  ihre Umsatzschätzung dahingehend, dass sie auch  betreffend  das  Fahrzeug  Cadillac  Concours  entsprechende  Privatkilometer  anrechnete.  Dabei  könne  allerdings  aufgrund  der  im  Vergleich  zum  Honda  Jazz  1.4  (48'000  km)  geringeren  jährlichen  Fahrleistung  (6'000  km)  nicht  davon  ausgegangen  werden,  dass  der  Cadillac  Concours  während  des  ganzen  Jahres  (52  Arbeitswochen)  im  Einsatz  gewesen  sei.  Deshalb  könne  sie  (die  ESTV)  auch  nicht  den  Maximalabzug  von  5'200  Privatkilometern  pro  Jahr  gewähren,  sondern  habe den Abzug verhältnismässig zu kürzen. Bei ihrer Berechnung gehe  sie  davon  aus,  dass  der  Beschwerdeführer  in  52  Arbeitswochen  rund  48'000 Kilometer (vgl. Fahrleistung Honda Jazz 1.4) zurücklege. Für eine  Fahrleistung von 6'000 Kilometern (mit dem Cadillac Concours) benötige  der Beschwerdeführer dementsprechend 6,5 Arbeitswochen. Somit seien  diesem  bezüglich  des  Fahrzeugs  Cadillac  Concours  Privatkilometer  im  Umfang von 650 Kilometern pro Jahr anzurechnen. Die  ESTV  führt  ferner  aus,  sie  habe  bei  den  in  der  Stadt  Basel  vorgenommenen Kontrollen  im Nachhinein feststellen müssen, dass den  Taxifahrern, welche ausserhalb der Stadt wohnhaft  seien,  ein  zu  langer  Arbeitsweg  zum  Abzug  zugestanden  worden  sei,  indem  die  Strecke  "Wohnort ­ Bahnhof Basel SBB" und zurück (anstatt die Strecke "Wohnort  ­  Stadtgrenze"  und  zurück)  für  die  Berechnung  des  jeweiligen  kalkulatorischen  Umsatzes  verwendet  worden  sei.  Aus  diesem  Grund  lasse  sie  im  Sinn  eines  unpräjudiziellen  Entgegenkommens  zur  Sicherstellung  der  Rechtsgleichheit  und  Wahrung  der 

A­5110/2011 Wettbewerbsneutralität  in  der  Stadt  Basel  im  vorliegenden  Fall  ausnahmsweise  (rückwirkend)  den  Arbeitsweg  vom  Wohnort  bis  zum  Bahnhof  Basel  SBB  und  zurück  als  Privatfahrt  zu.  Dementsprechend  seien  dem  Beschwerdeführer  pro  Arbeitstag  2  x  2,7  km  als  Privatkilometer zu gewähren. Den eingereichten Kontrollkarten der Jahre  2007 und 2008 (betreffend Honda Jazz 1.4) könne entnommen werden,  dass der Beschwerdeführer  jeweils 254 bzw. 259 Arbeitstage ausweise.  Um  auch  den  Arbeitsweg  des  Cadillac  Concours  angemessen  zu  berücksichtigen, gehe die ESTV von jährlich insgesamt 290 Arbeitstagen  aus.

A­5110/2011 Im  Einzelnen  wird  die  soeben  erläuterte  (korrigierte)  Umsatzkalkulation  durch die ESTV wie folgt dargestellt: 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 Kilometerstände gemäss MFK­Prüfberichten  ([…]): Honda Jazz 1.4 31. Januar 100 km 3. Februar 146'745 km Total zurückgelegte Kilometer / Zeitraum 146'645 km (1'099 Tage) Umrechnung 1 Jahr (365 Tage); Umlage 48'000 km 48'000 km 48'000 km 48'000 km 48'000 km 48'000 km Cadillac Concours 13. November 58'068 km 2. November 66'814 km Total zurückgelegte Kilometer / Zeitraum 8'746 km (355 Tage) 29. November 73'643 km Total zurückgelegte Kilometer / Zeitraum 6'829 km (392 Tage) 1. November  79'039 km Total zurückgelegte Kilometer / Zeitraum 5'396 km (337 Tage) Umrechnung auf jeweils 1 Jahr (365 Tage) 8'992 km 6'359 km 5'844 km Umlage (gerundet) 6'000 km 6'000 km 6'000 km 6'000 km 6'000 km 6'000 km Total 54'000 km 54'000 km 54'000 km 54'000 km 54'000 km 54'000 km Übrige private Verwendungen (pro Arbeitswoche  100 km) Honda Jazz 1.4 (52 Arbeitswochen) 5'200 km 5'200 km 5'200 km 5'200 km 5'200 km 5'200 km Cadillac Concours (6.5 Arbeitswochen) 650 km 650 km 650 km 650 km 650 km 650 km Ferien (mangels Belegen: 0 km) 0 km 0 km 0 km 0 km 0 km 0 km Arbeitsweg (290 Arbeitstage à 2 x 2.7 km) 1'566 km 1'566 km 1'566 km 1'566 km 1'566 km 1'566 km Total private Verwendungen 7'416 km 7'416 km 7'416 km 7'416 km 7'416 km 7'416 km Geschäftlich gefahrene Kilometer 46'584 km 46'584 km 46'584 km 46'584 km 46'584 km 46'584 km Kalk. Umsatz mit Fr. 2.10/km Fr. 97'826 Fr. 97'826 Fr. 97'826 Fr. 97'826 Fr. 97'826 Fr. 97'826 Steuerbarer Umsatz Fr. 97'826 Fr. 97'826 Fr. 97'826 Fr. 97'826 Fr. 97'826 Fr. 97'826 MWST (gerundet) (mittels Saldosteuersatz von  4.6 % bzw. 5.2 %) Fr. 4'500 Fr. 4.793 Fr. 5'087 Fr. 5'087 Fr. 5'087 Fr. 5'087 3.3.  Sind  wie  im  vorliegenden  Fall  die  Voraussetzungen  einer  Ermessenstaxation erfüllt, obliegt es dem Mehrwertsteuerpflichtigen, den  Beweis  für die Unrichtigkeit der Schätzung zu erbringen. Er hat sich mit  den Elementen der vorgenommenen Ermessenstaxation im Einzelnen zu 

A­5110/2011 befassen  und  aufzuzeigen,  dass  und  inwiefern  die  Schätzung  nicht  auf  haltbaren  Grundlagen  beruht  (vgl.  oben  E. 2.8.3).  Das  Bundesverwaltungsgericht  auferlegt  sich  –  wie  bereits  ausgeführt  (E. 2.8.2)  –  bei  der  Überprüfung  von  Ermessensveranlagungen  eine  gewisse Zurückhaltung, soweit die Zweckmässigkeit der Entscheidung in  Frage steht. 3.3.1. Gegen die Umsatzberechnung bringt der Beschwerdefürer vor, aus  den  eingereichten  Fahrtenschreiberkarten  für  die  Jahre  2007  und  2008  ergebe  sich,  dass  er  im  Jahr  2007  36'698  Kilometer  gefahren  sei,  während  sich  die  Kilometerleistung  im  Jahr  2008  auf  36'739  belaufen  habe.  Hieraus  ergebe  sich,  dass  er  jedes  Jahr  etwa  gleich  viel  fahre,  sodass  diese  Kilometerleistungen  ohne  weiteres  auch  auf  die  Vorjahre  2004,  2005  sowie  2006  übertragen  werden  könnten.  Zu  beachten  sei,  dass  es  sich  bei  diesen  Kilometerleistungen  um  sämtliche  Kilometer  handle, welche  er mit  "diesem Fahrzeug"  gefahren  sei.  Enthalten  seien  somit  auch  sämtliche  privat  gefahrenen  Kilometer  und  Leerfahrten  etc.  Entgegen  den  Angaben  im  angefochtenen  Entscheid  (insb.  die  Umsatzkalkulation  der  ESTV,  s.  dazu  E. 3.2)  sei  somit  nicht  von  einer  jährlichen Kilometerleistung  von  54'000,  sondern  von  einer  solchen  von  maximal 37'000 auszugehen. Dem hält die ESTV zu Recht entgegen, dass sich im Vergleich zwischen  den  Kilometerständen  gemäss  den  Fahrtenschreiberkarten  (zum  Fahrzeug  Honda  Jazz  1.4)  für  die  Jahre  2007  (36'698  km)  und  2008  (36'735  km)  und  jenen  gemäss  den  Servicerechnungen  bzw.  den  Fahrzeugprüfberichten (umgerechnet auf 1 Jahr: 48'000 km) für dasselbe  Fahrzeug eine Diskrepanz  von  rund 11'000  km ergibt. Da die  besagten  Fahrtenkartenschreiber  somit  offensichtlich  nicht  sämtliche  Fahrten  des  Beschwerdeführers mit dem Honda Jazz 1.4 enthalten, konnte die ESTV  auch nicht auf diese abstellen. Sie hat deshalb zu Recht die Angaben auf  den  Servicerechnungen  bzw.  auf  den  Fahrzeugprüfberichten  als  Grundlage  für  die  kalkulatorische  Umsatzermittlung  verwendet.  Kommt  hinzu,  dass  der  Beschwerdeführer  lediglich  die  Fahrtenschreiberkarten  und Kontrollkarten für ein Fahrzeug (Honda Jazz 1.4, beschränkt auf die  Jahre  2007  und  2008)  einreichte,  in  den  vorliegend  zu  beurteilenden  Steuerperioden  aber  unbestrittenermassen  immer  mindestens  zwei  Fahrzeuge bei der MFK des Kantons Basel­Stadt gemeldet hatte. Es  ist  somit  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  jährlich  mit  mindestens  zwei  Fahrzeugen  Taxiumsätze  erzielte.  Damit  erweist  sich  auch die Umlage der auf ein Jahr umgerechneten Kilometerleistungen auf 

A­5110/2011 die kontrollierten Steuerperioden als rechtens (vgl. oben E. 2.6.3). Gegen  die  Umrechnung  der  zurückgelegten  Kilometer  auf  ein  Jahr  sowie  die  Umlage  auf  die  einzelnen  Jahre  an  sich  vermag  der  Beschwerdeführer  denn  auch  nichts  vorzubringen.  Vielmehr  beruht  die  von  der  ESTV  gewählte  Schätzungsmethode  grundsätzlich  auf  plausiblen,  nachvollziehbaren  Grundlagen  und  trägt  damit  den  individuellen  Verhältnissen des Beschwerdeführers soweit als möglich Rechnung. 3.3.2.  Der  Beschwerdeführer  bringt  schliesslich  vor,  dass  die  von  der  ESTV  gewährten  5'200  Privatkilometer  viel  zu  tief  seien.  Völlig  unberücksichtigt  bleibe  nämlich,  dass  er mit  "seinem Fahrzeug"  jährlich  mehrmals  nach  Serbien  gefahren  sei,  wobei  eine  solche  Reise  allein  mindestens  5'000  Kilometer  Fahrleistung  zur  Folge  habe.  Da  er  jedes  Jahr  nach  Serbien  gefahren  sei  bzw.  fahre,  seien  –  zusätzlich  zur  Pauschale  von  5'200  km  –  pro  Jahr mindestens  10'000  Privatkilometer  (Hin­  und Rückfahrt)  in Abzug  zu  bringen. Die mehrmaligen Reisen mit  seiner Ehefrau nach Serbien können somit – so der Beschwerdeführer –  durch  entsprechende  Stempel  in  den  Reisepässen  von  ihm  und  seiner  Ehefrau (Beschwerdebeilagen 4 bis 7) nachgewiesen werden. Diese  Behauptung  des  Beschwerdeführers  bleibt  trotz  mehrmaliger  Aufforderung  seitens  der  ESTV  auch  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  unbelegt.  Daran  vermögen  auch  die  dem  Bundesverwaltungsgericht  vorgelegten  Reisepasskopien  des  Beschwerdeführers  und  seiner  Ehefrau  nichts  zu  ändern.  Denn  aus  diesen  ist  –  worauf  die  ESTV  zu  Recht  hinweist  –  lediglich  ersichtlich,  dass  der  Beschwerdeführer  und  seine  Ehefrau  Reisen  nach  Serbien  unternommen haben, nicht  jedoch, mit welchem Fahrzeug. Diese Frage  ist  auch  insofern  von  Bedeutung,  als  der  Beschwerdeführer  laut  unbestrittenen Angaben der ESTV gemäss der MFK Basel­Stadt während  den vorliegend  relevanten Steuerperioden neben der Schildnummer  […]  – welche  als  Taxifahrzeug  eingesetzt  wurde  –  noch  weitere,  privat  verwendete  Fahrzeuge  unter  der  Schildnummer  […]  (VW  Passat  und  Toyota  MR2  1.8),  […]  (Yamaha  XV  1600)  und  […]  (Honda  AC  04)  gemeldet hatte. Es  ist damit nicht erwiesen, dass der Beschwerdeführer  tatsächlich mit dem Fahrzeug Honda Jazz 1.4 nach Serbien gefahren ist,  weshalb  an  der  vorgenommenen  Umsatzkalkulation  der  ESTV  festzuhalten  ist.  Im  Sinn  einer  antizipierten  Beweiswürdigung  (E. 1.3)  kann  diesbezüglich  auf  die  vom  Beschwerdeführer  beantragte  Parteibefragung verzichtet werden.

A­5110/2011 3.3.3. Die Schätzung der ESTV erweist sich damit sowohl hinsichtlich der  ermittelten  Kilometer  als  auch  der  Umlage  auf  die  kontrollierten  Steuerperioden  als  korrekt  bzw.  sachgerecht.  Der  dabei  von  der  ESTV  als  Erfahrungswert  (oben  E. 2.7)  angewendete  Ansatz  von  Fr. 2.10/km  wurde  vom  Beschwerdeführer  nicht  bemängelt.  Weil  er  aufgrund  der  vorgenommenen Schätzung  sowohl  die Umsatzgrenze  von  Fr. 75'000.­­  als auch die Steuerzahllast von Fr. 4'000.­­  in den Jahren 2003 bis 2008  überschreitet  (vgl.  dazu  die  Tabelle  in  E. 3.2),  ist  die  Steuerpflicht  des  Beschwerdeführers ab dem 1. Januar 2004 gegeben (E. 2.2). Im  Weiteren  ist  anzumerken,  dass  die  ESTV  nicht  nur  bei  der  Bestimmung  der  Steuerzahllast,  sondern  auch  bei  der  Berechnung  der  Steuerschuld  die  Saldosteuersatzmethode  angewendet  hat.  Sie  hat  bei  der  Ermessenseinschätzung  somit  Vorsteuern  berücksichtigt  und  ist  damit  dem  Beschwerdeführer  entgegengekommen.  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  keinen  Anlass,  dieses  Entgegenkommen  in  Frage  zu  stellen  (vgl.  dazu  auch  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts A­2998/2009 vom 11. November 2010 E. 3.6,  A­281/2009  vom  14. Oktober  2010  E. 6.2.4,  A­2184/2008  vom  3. Juni  2010 E. 6.3,  A­2149/2008  und A­2170/2008  vom 17. Mai  2010 E. 6.2.7,  A­1614/2006 vom 1. Oktober 2008 mit dem Hinweis, dass die ESTV auch  andere gleichgelagerte Fälle rechtsgleich zu behandeln hat). 3.4. Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  die  ESTV  angesichts  der  unvollständigen  Aufzeichnungen  des  Beschwerdeführers  zur  Vornahme  einer  Ermessenseinschätzung  berechtigt  und  verpflichtet  war.  Den  Nachweis, dass er in den fraglichen Steuerperioden mit den betreffenden  Fahrzeugen weniger Kilometer gefahren ist, als von der ESTV geschätzt,  vermochte  der  Beschwerdeführer  im  vorliegenden  Verfahren  nicht  zu  erbringen. Dasselbe gilt mit Bezug auf die – über den Pauschalabzug von  100 Kilometern pro Woche hinaus – anrechenbaren Privatkilometer. Die  von  der  ESTV  angewandte  Umsatzkalkulation  und  namentlich  die  Umlage der Schätzung auf die gesamte Kontrollperiode ist deshalb nicht  zu  beanstanden.  Weil  infolgedessen  sowohl  die  Umsatzgrenze  von  75'000.­­  als  auch  die  Steuerzahllast  von  4'000.­­  seit  dem  Jahr  2003  überschritten  wurden,  erweist  sich  auch  der  Mehrwertsteuerregistereintrag des Beschwerdeführers ab 1. Januar 2004  durch die ESTV als rechtens. 4.  Demzufolge ist die Beschwerde abzuweisen. Die Verfahrenskosten in der 

A­5110/2011 Höhe  von Fr. 3'000.­­  sind dem Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1 VwVG) und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe  zu  verrechnen.  Eine  Parteientschädigung  an  den  Beschwerdeführer  ist  nicht zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 3'000.­­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt  und  mit  dem  von  ihm  in  gleicher  Höhe  geleisteten  Kostenvorschuss verrechnet. 3.  Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen. 4.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref­Nr. […]; Gerichtsurkunde) Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Michael Beusch Stefano Bernasconi Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des 

A­5110/2011 Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren,  deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu  enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit  sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

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