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Bundesstrafgericht 07.07.2025 CA.2025.7

7. Juli 2025·Deutsch·CH·CH_BSTG·PDF·12,848 Wörter·~1h 4min·1

Zusammenfassung

Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB), quali-fizierte Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 StGB), versuchtes Herstellen, Verbergen, Weiter-schaffen von Sprengstoffen und giftigen Gasen (Art. 226 Abs. 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), strafbare Vor-bereitungshandlungen (Art. 260bis Abs. 1 lit. a, b, c StGB) Berufungen vom 17. und 22. Januar 2024 gegen das Urteil SK.2023.33 der Strafkammer des Bundesstrafge-richts vom 27. Novemb...;;Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB), quali-fizierte Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 StGB), versuchtes Herstellen, Verbergen, Weiter-schaffen von Sprengstoffen und giftigen Gasen (Art. 226 Abs. 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), strafbare Vor-bereitungshandlungen (Art. 260bis Abs. 1 lit. a, b, c StGB) Berufungen vom 17. und 22. Januar 2024 gegen das Urteil SK.2023.33 der Strafkammer des Bundesstrafge-richts vom 27. Novemb...;;Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB), quali-fizierte Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 StGB), versuchtes Herstellen, Verbergen, Weiter-schaffen von Sprengstoffen und giftigen Gasen (Art. 226 Abs. 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), strafbare Vor-bereitungshandlungen (Art. 260bis Abs. 1 lit. a, b, c StGB) Berufungen vom 17. und 22. Januar 2024 gegen das Urteil SK.2023.33 der Strafkammer des Bundesstrafge-richts vom 27. Novemb...;;

Volltext

Urteil vom 7. Juli 2025 Berufungskammer Besetzung Richterinnen Andrea Blum, Vorsitzende Marcia Stucki und Brigitte Stump Wendt Gerichtsschreiberin Flurina Heer Parteien BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch den Leitenden Staatsanwalt des Bundes Nils Eckmann,

Berufungsführerin / Anklagebehörde und C.,

Privatklägerschaft gegen B., amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin Anina Hofer,

Berufungsführer / Beschuldigter

Gegenstand

Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB), qualifizierte Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 StGB), versuchtes Herstellen, Verbergen, Weiterschaffen von Sprengstoffen und giftigen Gasen (Art. 226 Bundesstrafgericht Tribunal pénal fédéral Tribunale penale federale Tribunal penal federal

Geschäftsnummer: CA.2025.7

- 2 - Abs. 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), strafbare Vorbereitungshandlungen (Art. 260bis Abs. 1 lit. a, b, c StGB) Berufungen vom 17. und 22. Januar 2024 gegen das Urteil SK.2023.33 der Strafkammer des Bundesstrafgerichts vom 27. November 2023; Urteil CA.2023.32 der Berufungskammer des Bundesstrafgerichts vom 4. April 2024 Rückweisung des Schweizerischen Bundesgerichts (Urteil 6B_832/2024 vom 2. April 2025)

- 3 - Prozessgeschichte: A. Vorverfahren und erstinstanzliches Urteil A.1 Die Bundesanwaltschaft (nachfolgend: BA) erhob am 17. August 2023 Anklage gegen B. (nachfolgend: Beschuldigter). Sie warf ihm vor, zusammen mit einem Mittäter am 30. März 2022 im Z.-Quartier in Y. einen Sprengstoffanschlag auf eine Villa an der H.-Strasse 15 verübt zu haben, mit dem Ziel, die Opfer einzuschüchtern und von ihnen Geld zu erpressen (Sachverhaltskomplex Z.). Ausserdem sollen er und sein Mittäter am 20. Juni 2022 nach X./Deutschland gereist sein, um dort in verbrecherischer Absicht 500 Gramm Sprengstoff C4 zu erwerben, um damit weitere Anschläge in der Region Y. zwecks Einschüchterung und Erpressung der Opfer durchzuführen, wobei sich der Verkäufer als verdeckter Ermittler entpuppte (Sachverhaltskomplex X.) (TPF pag. 18.100.001 ff.). A.2 Mit Urteil SK.2023.33 vom 27. November 2023 (nachfolgend: Urteil SK.2023.33) verurteilte die Strafkammer des Bundesstrafgerichts (nachfolgend: Vorinstanz oder Strafkammer) den Beschuldigten im Sachverhaltskomplex Z. wegen Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB) und qualifizierter Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 StGB). Im Sachverhaltskomplex X. verurteilte die Strafkammer den Beschuldigten wegen versuchten Herstellens, Verbergens, Weiterschaffens von Sprengstoffen und giftigen Gasen (Art. 226 Abs. 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), sprach ihn hingegen vom Vorwurf der strafbaren Vorbereitungshandlungen in Hinblick auf vorsätzliche Tötung, Mord sowie schwere Körperverletzung (Art. 260bis Abs. 1 lit. a, b, c StGB) frei. Als Gesamtstrafe wurde auf eine Freiheitsstrafe von 74 Monaten erkannt. Dies unter Berücksichtigung des Widerrufs einer bedingt ausgesprochenen einschlägigen Vorstrafe im Umfang von 20 Monaten Freiheitsstrafe (Urteil des Strafgerichts XXXX. vom 20. November 2020) (TPF pag. 18.930.001 ff.). B. Erstes Berufungsverfahren vor der Berufungskammer des Bundesstrafgerichts CA.2023.32 B.1 Auf Berufung der BA und des Beschuldigten hin bestätigte die Berufungskammer des Bundesstrafgerichts (nachfolgend: Berufungskammer) mit Urteil CA.2023.32 vom 4. April 2024 (nachfolgend: Urteil CA.2023.32) die Schuld- und Freisprüche, erhöhte jedoch die Gesamtfreiheitsstrafe auf 84 Monate. Am 16. September 2024 wurden den Parteien die begründete Fassung zugestellt (CA.2023.32 pag. 9.100.105).

- 4 - B.2 Zu den Einzelheiten des Verfahrensgangs bis zur Urteilsfällung im ersten Berufungsverfahren ist auf die entsprechenden Erwägungen des Urteils der Berufungskammer CA.2023.32 vom 4. April 2024 zu verweisen (CA.2023.32 pag. 9.100.013 ff.). C. Bundesgerichtliches Beschwerdeverfahren (Rückweisungsurteil 6B_832/2024 vom 2. April 2025) C.1 Mit Beschwerde vom 15. Oktober 2024 focht der Beschuldigte das Berufungsurteil beim Bundesgericht an und stellte in diesem Zusammenhang folgende Anträge (CA.2023.32 pag. 9.200.003-015): 1. Es sei das Urteil der Vorinstanz vom 4. ApriI 2024 in Bezug auf sämtliche Schuldsprüche des Beschwerdeführers und deren Nebenfolgen aufzuheben und es sei: 1.1. der Beschwerdeführer von den Vorwürfen der Gefährdung durch Sprengstoff und giftige Gase in verbrecherischer Absicht sowie der qualifizierten Sachbeschädigung vollumfänglich und kostenlos freizusprechen; 1.2. in Zusammenhang mit dem Vorwurf des versuchten Herstellens, Verbergens, Weiterschaffens von Sprengstoffen und giftigen Gasen von einer Bestrafung des Beschwerdeführers abzusehen; eventualiter die Angelegenheit zur Neubeurteilung und zur angemessenen Reduktion des Strafmasses an die Vorinstanz zurückzuweisen; 1.3. auf den Widerruf der vom Strafgericht XXXX. bedingt ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 20 Monaten vom 20. November 2020 zu verzichten; 1.4. dem Beschwerdeführer sämtliche beschlagnahmten Gegenstande zurückzugeben; 1.5. dem Beschwerdeführer für die erlittene Überhaft eine Entschädigung von CHF 200.-- pro Hafttag sowie eine angemessene Genugtuung nach Ermessen des Gerichts zuzusprechen. 2. Eventualiter sei das Urteil der Vorinstanz vom 4. ApriI 2024 aufzuheben und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 3. Es sei dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Bundesgericht die unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung mit der Unterzeichneten als Advokatin zu bewilligen. 4. Unter o/e-Kostenfolge zu Lasten des Staates. C.2 Mit Urteil 6B_832/2024 vom 2. April 2025 hiess das Bundesgericht die Beschwerde des Beschuldigten teilweise gut, hob das Urteil CA.2023.32 vom

- 5 - 4. April 2024 (hinsichtlich des Beschuldigten) auf und sprach diesen im Sachverhaltskomplex Z. von den Anklagevorwürfen der Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht und der qualifizierten Sachbeschädigung frei. Im Übrigen, insbesondere bezüglich des Schuldspruchs und der Strafe wegen versuchten Herstellens, Verbergens, Weiterschaffens von Sprengstoffen und giftigen Gasen im Sachverhaltskomplex X. wies es die Beschwerde des Beschuldigten ab und wies die Sache zur Neufestsetzung der Sanktion und der Nebenfolgen an die Berufungskammer zurück (Posteingang bei der Berufungskammer: 29. April 2025 [CAR pag. 1.100.001 ff.]). D. Zweites Berufungsverfahren vor der Berufungskammer des Bundesstrafgerichts CA.2025.7 D.1 Infolge der Rückweisung durch das Bundesgericht nahm die Berufungskammer das Berufungsverfahren am 29. April 2025 unter der neuen Geschäftsnummer CA.2025.7 (CAR pag. 1.200.001) wieder auf. D.2 Gleichentags stellte der Beschuldigte ein Gesuch um Entlassung aus dem vorzeitigen Strafvollzug (CAR pag. 8.101.001 f.). Nachdem die BA der Entlassung nicht widersprochen hatte (CAR pag. 8.101.007 ff.), verfügte die Verfahrensleitung am 2. Mai 2025 aus Verhältnismässigkeitsüberlegungen (Vermeidung von Überhaft) die Entlassung des Beschuldigten aus dem vorzeitigen Strafvollzug (CAR pag. 8.101.009). Zu diesem Zeitpunkt hatte der Beschuldigte bereits 1008 Tage in Haft verbracht. Am selben Tag der Entlassungsverfügung, um 16 Uhr, wurde der Beschuldigte aus der Justizvollzugsanstalt UUU. entlassen (CAR pag. 8.101.014). D.3 Nachdem die Parteien am 14. Mai 2025 fristgerecht zur Berufungsverhandlung in Sachen CA.2025.7 vorgeladen worden waren (CAR pag. 4.301.001 f.), fand diese am 17. Juni 2025 in Anwesenheit des Beschuldigten und seiner amtlichen Verteidigung sowie der BA statt. Der Privatkläger hatte im Vorfeld den Verzicht auf seine Teilnahme erklärt (CAR pag. 5.100.002). D.4 Anlässlich der Verhandlung stellte die BA die folgenden Anträge (CAR pag. 5.200.020 f.):

1. Schuldpunkt, Widerruf und Sanktion 1.1 B. sei des versuchten Herstellens, Verbergens, Weiterschaffens von Sprengstoffen und giftigen Gasen (Art. 226 Abs. 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB) schuldig zu sprechen. 1 .2 B. sei mit einer Freiheitsstrafe von mindestens 41 Monaten zu bestrafen (Gesamtstrafe nach Art. 46 Abs. 1 i.V.m. Art. 49 StGB unter Berücksichtigung des Widerrufs

- 6 des bedingten Strafvollzugs gemäss untenstehender Ziff. 1 .3), unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungs- und Sicherheitshaft bzw. des ausgestandenen vorzeitigen Strafvollzuges. 1.3 Die mit Urteil des Strafgerichts XXXX.vom 20. November 2020 gegen B. wegen versuchter Erpressung (Art. 156 Ziff. 1 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), Gehilfenschaft zu Diebstahl, Sachbeschädigung und Hausfriedenbruch (Art. 139 Ziff. 1 StGB, Art. 144 StGB und Art. 186, jeweils i.V.m. 25 StGB), strafbarer Vorbereitungshandlungen zu Raub (Art. 260bis Abs. 1 Bst. d StGB), mehrfacher Widerhandlung gegen das Waffengesetz (Art. 33 Abs. 1 Bst. a WG), mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz (Art. 19 Abs. 1 BetmG) sowie Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz (Art. 37 Abs. 1 SprstG) bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe in der Höhe von 20 Monaten sei zu widerrufen. 2. Verfahrenskosten und Entschädigung der amtlichen Verteidigung 2.1 Die Verfahrenskosten des neuerlichen Berufungsverfahrens seien B. aufzuerlegen. 2.2 Advokatin Anina Hofer sei für die amtliche Verteidigung von B. in gerichtlich zu bestimmender Höhe aus der Kasse der Eidgenossenschaft zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO). B. sei zu verpflichten, dem Bund diese Entschädigung zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 2.3 Die Festsetzung der erstinstanzlichen Verfahrenskosten und der entsprechenden Rückzahlungspflicht für die Kosten der amtlichen Verteidigung wird in das Ermessen des Gerichts gestellt. 3. Weitere Verfügungen Die weiteren Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen. D.5 Die Verteidigung stellte für den Beschuldigten die folgenden Anträge (CAR pag. 5.200.025 f.): 1. Es sei der Beschuldigte B. wegen Widerhandlung gegen Art. 226 Abs. 2 StGB zu einer Geldstrafe von maximal 120 Tagessätzen à CHF 30.–, eventualiter zu maximal 4 Monaten Freiheitsstrafe zu verurteilen. 2. Es sei auf den Widerruf der bedingten Vorstrafe zu verzichten, eventualiter sei eine Gesamtfreiheitsstrafe von höchstens 14 Monate auszusprechen. 3. Es seien dem Beschuldigten für die ausgestandene Überhaft Entschädigungen von CHF 200.– pro Hafttag sowie Schadenersatzzahlungen gemäss seiner Auflistung zuzusprechen – beides zuzüglich Zins zu 5% seit Beginn der Überhaft (18. Oktober 2022).

- 7 - 4. Es sei dem Beschuldigten darüber hinaus eine Genugtuung in der Höhe von CHF 8'000.– zuzusprechen, dies zuzüglich Zins zu 5% seit Beginn der Überhaft (18. Oktober 2022). 5. Es seien dem Beschuldigten sämtliche beschlagnahmte Gegenstände herauszugeben. 6. Es sei die Rückerstattungspflicht des Beschuldigten in Zusammenhang mit den Verteidigungs- und Gerichtskosten dem Freispruch entsprechend angemessen zu reduzieren. D.6 Der Beschuldigte stellte anlässlich seiner Einvernahme persönlich folgende Anträge (CAR pag. 5.300.035 ff.):

• Haftentschädigung für 921 Tage, entsprechend CHF 184'200.– • Rückerstattung der Sozialhilfekosten ab dem 23. Dezember 2022 in Höhe von CHF 15'000.– • Gesundheitskosten während der Haft von CHF 6'000.– (in obigem Betrag inbegriffen) • Kündigung des Bankkontos bei der HHH. infolge des Ermittlungsverfahrens Z. sowie Aufwand und Umtriebe für die Eröffnung eines neuen Kontos bei der III.: CHF 300.– • Wertverlust elektronischer Geräte inkl. Datenverlust Beschlagnahmung 23. Dezember 2022 in der Schweiz von CHF 2’500.– • Genugtuung CHF 8’000.– Gesamtsumme der beantragten Entschädigung: CHF 210'000 plus Zins zu 5%. D.7 Die an der Berufungsverhandlung anwesenden Parteien verzichteten auf eine mündliche Eröffnung des Urteils (Art. 84 Abs. 3 Satz 2; Art. 351 Abs. 3 i.V.m. Art. 379 und Art. 405 Abs. 1 StPO; CAR pag. 5.100.016). Ihnen wurde das Urteil am 9. Juli 2025 schriftlich im Dispositiv inkl. Kurzbegründung eröffnet (CAR pag. 9.100.001 ff.).

Die Berufungskammer erwägt: I. Formelles 1. Verfahrensgegenstand 1.1 Vorliegend hat das Bundesgericht die Beschwerde des Beschuldigten teilweise gutgeheissen. Wenn das Bundesgericht eine Beschwerde gutheisst, entscheidet es gemäss Art. 107 Abs. 2 Satz 1 BGG entweder selbst über die Sache

- 8 - (sogenannter «reformatorischer» Entscheid) oder es weist die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurück (sogenannter «kassatorischer» Entscheid). 1.2 Einerseits hat das Bundesgericht in der vorliegenden Sache reformatorisch entschieden und den Beschuldigten von den Vorwürfen der Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB) sowie der qualifizierten Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 StGB) freigesprochen. Dies mit der Begründung, dass die Täterschaft des Beschuldigten im Sachverhaltskomplex Z. nicht erwiesen sei (Urteil des Bundesgerichts 6B_832/2024 vom 2. April 2025 E. 1.4). Dieser Freispruch ist rechtskräftig (Art. 61 BGG). Entsprechend ist davon im neuen Berufungsurteil Vormerk zu nehmen. 1.3 Andererseits hat das Bundesgericht kassatorisch entschieden, indem es das Berufungsurteil CA.2023.32 vom 4. April 2024 aufhob und die Sache an die hiesige Berufungskammer zurückwies. Abgesehen vom rechtskräftigen Freispruch im Sachverhaltskomplex Z. ist daher nochmals umfassend über alles zu entscheiden, was bereits Gegenstand des ersten Berufungsverfahrens war (CAR pag. 1.100.001 ff.). 2. Bindungswirkung bundesgerichtlicher Rückweisungsentscheide 2.1 Die Bindungswirkung bundesgerichtlicher Rückweisungsentscheide ergibt sich aus ungeschriebenem Bundesrecht (BGE 143 IV 214 E. 5.3.3 mit Verweis auf BGE 135 III 334 E. 2.1 S. 335; Urteile des Bundesgerichts 6B_35/2012 vom 30. März 2012 E. 2.2; 6B_372/2011 vom 12. Juli 2011 E. 1.1.1). Sie beruht auf dem Gedanken, dass das Strafverfahren prinzipiell mit dem Urteil der (oberen) kantonalen Instanz abgeschlossen ist (BGE 117 IV 97 E. 4a mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 6B_1431/2017 vom 31. Juli 2018 E. 1.3). 2.2 Heisst das Bundesgericht eine Beschwerde gut und weist es die Angelegenheit zur neuen Beurteilung an das Berufungsgericht zurück, darf sich das Berufungsgericht von Bundesrechts wegen nur noch mit jenen Punkten befassen, die das Bundesgericht kassierte. Die anderen Teile des Urteils haben Bestand und sind in das neue Urteil zu übernehmen. Aufgrund der Aufhebung des Berufungsurteils können die «bestätigten» Urteilspunkte jedoch nicht in Rechtskraft erwachsen und müssen daher formell neu verkündet werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 7B_265/2022 vom 28. Juni 2024 E. 1.2). 2.3 Für die Frage, welche Urteilspunkte Bestand haben, ist irrelevant, dass das Bundesgericht mit seinem Rückweisungsentscheid in der Regel formell das gesamte http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2023&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-III-334%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page334

- 9 angefochtene Urteil aufhebt. Entscheidend ist nicht das Dispositiv, sondern die materielle Tragweite des bundesgerichtlichen Entscheids (BGE 143 IV 214 E. 5.2.1 mit Hinweisen auf die Urteile des Bundesgerichts 6B_765/2015 vom 3. Februar 2016 E. 4 und 6B_372/2011 vom 12. Juli 2011 E. 1.3.2). Die neue Entscheidung der Vorinstanz ist somit auf diejenige Thematik beschränkt, die sich aus den bundesgerichtlichen Erwägungen als Gegenstand der neuen Beurteilung ergibt. Das Verfahren wird nur insoweit neu in Gang gesetzt, als dies notwendig ist, um den verbindlichen Erwägungen des Bundesgerichts Rechnung zu tragen (BGE 143 IV 214 E. 5.2.1; BGE 123 IV 1 E. 1; BGE 117 IV 97 E. 4; Urteile des Bundesgerichts 6B_408/2013 vom 18. Dezember 2013 E. 3.1 und 6B_35/2012 vom 30. März 2012 E. 2.2) bzw. soweit dies zur Umsetzung der bindenden Erwägungen des Bundesgerichts erforderlich erscheint (Urteil des Bundesgerichts 6B_162/2022 vom 9. Januar 2023 E. 1.3.1 mit Verweis auf BGE 143 IV 214 E. 5.2.1; Urteile des Bundesgerichts 6B_231/2021 E. 2.1; 6B_619/2021 E. 2.1.1; 6B_1476/2020 E. 6.1; 6B_718/2020 vom 25. November 2020 E. 1.2). 3. Ausgangslage 3.1 Urteilspunkte mit Bestand 3.1.1 Die Rechtskraft der nicht angefochtenen Urteilspunkte des erstinstanzlichen Urteils SK.2023.33 vom 27. November 2023 betreffend die beschlagnahmten Gegenstände, die Entschädigungen sowie die amtliche Verteidigung ist wie im aufgehobenen Urteil CA.2023.32 erneut vorab festzustellen (vgl. Dispositiv-Ziffern I.III.2, I.V.1, I.VI.2 des Urteils CA.2023.32). Zur Begründung ist auf die Erwägungen I.2, insbesondere I.2.4 des Urteils CA.2023.32 zu verweisen, welche nach wie vor Gültigkeit haben. Die Feststellung der Rechtskraft dieser Dispositiv-Ziffern blieb vor Bundesgericht allseits unangefochten. 3.1.2 Von den bezüglich des Sachverhaltskomplexes X. erhobenen Anklagevorwürfen der strafbaren Vorbereitungshandlungen in Hinblick auf vorsätzliche Tötung, Mord sowie schwere Körperverletzung (Art. 260bis Abs. 1 lit. a, b, c StGB) wurde der Beschuldigte zweitinstanzlich freigesprochen. Dieser Freispruch erwuchs mangels Anfechtung vor Bundesgericht ebenfalls in Rechtskraft (vgl. Erwägungen II.B, insbesondere II.B.6 des Urteils CA.2023.32). 3.1.3 Im Sachverhaltskomplex X. erachtete das Bundesgericht bezüglich des Vorwurfs des versuchten Herstellens, Verbergens, Weiterschaffens von Sprengstoffen und giftigen Gasen (Art. 226 Abs. 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB), am 20. Juni 2022 in X./Deutschland die vom Beschuldigten vorgebrachten Rügen als unbegründet und wies die Beschwerde in diesem Punkt ab (Urteil Bundesgericht 6B_832/2024 http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2023&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F123-IV-1%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page1 http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2023&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F117-IV-97%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page97

- 10 vom 2. April 2025, E 2.2), weshalb der diesbezügliche Schuldspruch der Berufungskammer Bestand hat. 3.2 Neue Entscheidung betreffend Sanktion und Nebenfolgen 3.2.1 Im Sachverhaltskomplex Z. sprach das Bundesgericht den Beschuldigten vom Vorwurf der Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht (Art. 224 Abs. 1 StGB) sowie der qualifizierten Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 StGB) frei und wies die Sache mit der Weisung, die Sanktion und Nebenfolgen neu festzusetzen, an die Berufungskammer zurück (Urteil des Bundesgerichts 6B_832/2024 vom 2. April 2025 E. 3). 3.2.2 Angesichts der dargestellten Erwägungen ist die neu vorzunehmende Strafzumessung nur noch bezüglich des Schuldspruchs des versuchten Weiterschaffens von Sprengstoffen (Art. 226 Abs. 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB) im Sachverhaltskomplex X. vorzunehmen. Ebenso sind die Nebenfolgen (Kosten- und Entschädigungsfolgen sowie Beschlagnahmen) angesichts des Teilfreispruchs erneut zu beurteilen. 3.3 Verbindliche Tatsachenfeststellungen 3.3.1 Die Parteien sind sich uneinig darüber, ob die Sachverhaltsfeststellungen im Sachverhaltskomplex X. gemäss Erwägungen im Urteil CA.2023.32 bereits verbindlich feststehen, insbesondere das Beweisergebnis in dessen Erwägung II.B.4.4. Der Beschuldigte ist diesbezüglich der Ansicht, dass diese Feststellungen nicht eins zu eins übernommen werden können (CAR pag. 5.100.008 f.). Die BA vertritt hingegen die Meinung, dass der Sachverhalt im Urteil verbindlich festgestellt worden sei und keine erneute Beweiswürdigung zu erfolgen habe (CAR pag. 5.200.005 f.). 3.3.2 Die Tragweite von Rückweisungsurteilen des Bundesgerichts hängt von deren Inhalt in Verbindung mit den eingereichten Beschwerdeschriften ab (Urteil des Bundesgerichts 6B_162/2022 vom 9. Januar 2023 E. 1.3.1 mit Verweis auf BGE 143 IV 214 E. 5.2.1 und 5.3.3; 135 III 334 E. 2; Urteil des Bundesgerichts 6B_619/2021 vom 7. Februar 2022 E. 2.1.1). Insbesondere kann das neue Urteil nicht mehr Gegenstand von Rügen sein, die das Bundesgericht im Rückverweisungsurteil nicht zu prüfen hatte, weil die Parteien sie im Beschwerdeverfahren nicht geltend gemacht haben, obwohl sie dies hätten tun können und müssen (Urteil des Bundesgerichts 6B_162/2022 vom 9. Januar 2023 E. 1.3.1 mit Verweis auf BGE 143 IV 214 E. 5.2.1 und 5.3.3; 135 III 334 E. 2; Urteil des Bundesgerichts 6B_619/2021 vom 7. Februar 2022 E. 2.1.1). Entscheidend ist folglich, ob die Rügen bereits im Rahmen des Beschwerdeverfahrens möglich und nach https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/fr/php/aza/http/index.php?lang=fr&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-IV-214%3Afr&number_of_ranks=0#page214 https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/fr/php/aza/http/index.php?lang=fr&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-III-334%3Afr&number_of_ranks=0#page334

- 11 - Treu und Glauben zumutbar gewesen wären (vgl. HEIMGARTNER/WIPRÄCHTIGER, Basler Kommentar, 3. Aufl. 2018, Art. 61 BGG N. 28 mit Hinweis auf BGE 111 II 95). Konsequenterweise muss in den an die Rückweisung anschliessenden Verfahren auch die Grenze der Parteibegehren im Sinne von Art. 107 Abs. 1 BGG berücksichtigt werden: Die Rückweisung soll nicht dazu führen, dass ein Beschwerdeführer bessergestellt wird, als wenn das Bundesgericht reformatorisch entschieden hätte (DORMANN, Basler Kommentar, 3. Aufl. 2018, Art. 107 BGG N. 18). Umgekehrt sind diejenigen Rügen zulässig, zu welchen erst der Rückweisungsentscheid Anlass gab (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_227/2010 vom 5. August 2010 E. 3.2). Die Bindungswirkung steht somit immer unter dem Vorbehalt, dass sich nicht aus dem Rückweisungsverfahren neue Tatsachen oder Beweismittel im Sinne der prozessualen Revision ergeben, welche die sachverhaltliche Grundlage des Rückweisungsurteils erschüttern (Urteil des Bundesgerichts 8C_152/2012 vom 3. August 2012 E. 4.2; DORMANN, a.a.O., Art. 107 BGG N. 18). Der Grundsatz der Bindungswirkung kennt zudem eine Ausnahme für Punkte, die nicht oder nicht rechtswirksam angefochten wurden, aber eng mit den Punkten verbunden sind, gegen die die Beschwerde gutgeheissen wurde (Urteil des Bundesgerichts 6B_1276/2015 E. 1.2.1 vom 29. Juni 2016 mit Verweis auf BGE 117 IV 97 E. 4b). 3.3.3 Der Beschuldigte hat gemäss seiner Beschwerdeschrift vom 15. Oktober 2024 den Sachverhaltskomplex X. vor Bundesgericht angefochten, seine Rügen jedoch ausdrücklich auf eine «unzulässige Tatprovokation» beschränkt. Infolgedessen beantragte er ein Absehen von jeglicher Strafe (vgl. Art. 293 Abs. 4 StPO). Eine Willkürrüge hinsichtlich der Sachverhaltsfeststellungen erhob er hingegen nicht (CA.2023.32 pag. 9.200.003-015 und Urteil des Bundesgerichts 6B_832/2024 vom 2. April 2025 E. 2). Mangels vorgebrachter Rügen überprüfte das Bundesgericht konsequenterweise auch nur die aufgeworfene Frage betreffend die Tatprovokation, verwarf den Standpunkt des Beschuldigten und wies die Beschwerde betreffend die Verurteilung im Sachverhaltskomplex X. bezüglich des Vorwurfs des versuchten Herstellens, Verbergens, Weiterschaffens von Sprengstoffen und giftigen Gasen (Art. 226 Abs. 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB) ab (vgl. Erwägung 3). Ist der Beschuldigte der Meinung, dass aufgrund eines Freispruchs im Sachverhaltskomplex Z. der Sachverhalt bzw. das Beweisergebnis im Sachverhaltskomplex X. infrage gestellt würde, hätte er dies nach Treu und Glauben bereits im bundesgerichtlichen Beschwerdeverfahren vorbringen müssen. Dies gilt umso mehr, als der Beschuldigte selbst von einem Freispruch im Sachverhaltskomplex Z. ausging und diesen vor Bundesgericht sogar selbst beantragte. Entsprechend sind die im vorliegenden zweiten Berufungsverfahren von ihm erhobenen Rügen ebenfalls verspätet. Die Sachverhaltsfeststellungen

- 12 im Sachverhaltskomplex X. gemäss Urteil CA.2023.32 E. II.B.E. 4 stehen mit anderen Worten – grundsätzlich – bereits verbindlich fest und sind für die Strafzumessung ebenfalls heranzuziehen. II. Materielles 1. Schuldpunkt 1.1 Feststeht, dass der Beschuldigte im Sachverhaltskomplex X. wegen versuchten Herstellens, Verbergens, Weiterschaffens von Sprengstoffen und giftigen Gasen am 20. Juni 2022 in X./Deutschland gemäss Art. 226 Abs. 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen ist (vgl. vorstehende Erwägung I.3.1.3) und die Sachverhaltsfeststellungen im Sachverhaltskomplex X. mangels vor Bundesgericht durch den Beschuldigten erhobener Willkürrüge grundsätzlich im Sinne von CA.2023.32 II.B.E. 4 bereits verbindlich feststehen (vgl. vorstehende Erwägung I.3.3). 1.2 1.2.1 Zu Recht weist der Beschuldigte jedoch darauf hin, dass in den Erwägungen des Urteils CA.2023.32 hinsichtlich des Beweisergebnisses zum Sachverhaltskomplex X. auch die H.-Strasse und damit der Sachverhaltskomplex Z. genannt werde. Angesichts des bundesgerichtlichen Urteils ist diesbezüglich neu jedoch von seiner Unschuld auszugehen, da seine Tatbeteiligung nicht schlüssig erwiesen sei (Urteil des Bundesgerichts 6B_832/2024 vom 2. April 2025 E. 1.3.1, 1.3.2 sowie 1.4). Die diesbezüglichen berufungsgerichtlichen Erwägungen zur Rolle des Beschuldigten im Sachverhaltskomplex Z. haben somit angesichts des bundesgerichtlichen Freispruchs keinen Bestand mehr. Sie führen jedoch – entgegen der Auffassung des Beschuldigten – im Sachverhaltskomplex X. zu keinem anderen Beweisergebnis als dem Bisherigen, da diese beiden Sachverhaltskomplexe für das Beweisergebnis nicht derart voneinander abhängig sind, dass aufgrund des Teilfreispruchs auch der Sachverhaltskomplex X. wegfallen oder massgeblich tangiert würde. Als Beweisergebnis zum Sachverhaltskomplex X. ist somit festzuhalten, dass der diesbezügliche Sachverhalt gemäss Anklageziffer 1.2 durch die Akten erstellt ist. Diesbezüglich kann auf die einschlägigen Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. Urteil SK.2023.33 E. 4.3.1 – 4.3.4, 4.3.7). Demnach haben der Beschuldigte und sein Mittäter auf der Grundlage eines gemeinsamen Tatplans ab etwa Mitte April 2022 bis zum 20. Juni 2022 versucht, sich 500 Gramm Sprengstoff C4 zu verschaffen, von Dritten zu übernehmen, aufzubewahren und weiterzuschaffen. Dazu hat der Beschuldigte per Telegram-Chat Kontakt mit einem vermeintlichen Anbieter von Strengstoff aufgenommen und wurde von diesem an

- 13 eine weitere Person vermittelt. In der Folge hat der Beschuldigte vier Blöcke zu je 500 Gramm Sprengstoff C4 sowie einen Fernzünder bestellt. Der Beschuldigte vereinbarte den besagten Sprengstoff gegen den Kaufpreis von rund EUR 2'000.-- in X. zu übernehmen. Am 19. Juni 2022 bzw. 20. Juni 2022 teilte der Beschuldigte seinem Mittäter die Verbindungen für die Zugfahrt von Y. nach X. und zurück mit. Zudem gab er seinem Mittäter im Vorfeld der Reise weitere Anweisungen, was dieser alles mitnehmen soll, so z.B. Javel-Wasser. Der Beschuldigte und sein Mittäter realisierten erst nach der Übernahme einer Sprengstoffattrappe am 20. Juni 2022, dass es sich beim vermeintlichen Anbieter von Sprengstoff um einen verdeckten Ermittler und bei dem übernommenen Gegenstand gar nicht um Sprengstoff C4, sondern um eine Attrappe handelte. Sie hatten in der Folge, d.h. nach dem Weiterschaffen des Sprengstoffs in die Schweiz die Verübung von vier Sprengstoffanschlägen an oder in der Nähe von Liegenschaften von vier als vermögend bekannten Personen im Raum Y. geplant. Dies, um von diesen Personen unter Androhung ernsthafter Nachteile Geldbeträge in Millionenhöhe, d.h. Bargeld oder Bitcoins im Gegenwert von mindestens CHF 1 Mio., zu erpressen. Dieser Tatplan steht – entgegen der Ansicht des Beschuldigten (vgl. CAR pag. 5.100.008 f.) – nach wie vor verbindlich fest. Die Explosionen hätten ihre besondere Gefährlichkeit und ihre ernsthafte Bereitschaft manifestieren sollen, im Falle der Nichtzahlung weitere Explosionen oder ähnliche Anschläge zu verüben. 1.2.2 Entgegen der Vorbringen des Beschuldigten (vgl. CAR pag. 5.100.008 f.) stellt auch die massgebliche Anklageschrift vom 17. August 2023 die beiden Vorwürfe Z. und X. nicht in einer Weise zueinander in Abhängigkeit, als dass der eine Vorwurf vom anderen abhinge (pag. 18.100.001 ff.; vgl. auch die Zusammenfassung des Anklagevorwurfes in CA.2023.32 E. II.B.1). Hinsichtlich des Vorbringens des Beschuldigten, wonach gemäss bisheriger Urteilsbegründung der in X. zu beschaffende Sprengstoff dazu hätte dienen sollen, Sprengstoffanschläge «nach demselben Modus Operandi wie im Sachverhaltskomplex Z. auszuüben» (CAR pag. 5.100.008 f.), ist darauf hinzuweisen, dass das Argument des modus operandi zwar nicht mehr für den Beschuldigten, jedoch nach wie vor hinsichtlich des Mittäters zutrifft. Darauf hat auch die BA berechtigterweise hingewiesen (CAR pag. 5.100.014). Dass beim Sprengstoffanschlag H.-Strasse/Z. zwei vermummte Personen involviert waren bzw. wie sie konkret vorgingen (modus operandi), ist durch die Überwachungskamera festgehalten – der Beschuldigte bestreitet lediglich, einer davon gewesen zu sein. Die Verurteilung des Mittäters im Sachverhaltskomplex Z. ist hingegen nach wie vor rechtskräftig. 1.2.3 Im Übrigen kann betreffend den Anklagevorwurf im Sachverhaltskomplex X., die diesbezüglichen Standpunkte der Parteien, die Beweismittel, die Verwertbarkeit der Ergebnisse aus der verdeckten Ermittlung und das Rechtliche – um eine

- 14 extensive Wiederholung der Erwägungen im aufgehobenen Entscheid zu vermeiden – in sinngemässer Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO auf die Erwägungen II.B.1, 2, 3.1, 3.3, 4.1, 4.2 und 5 des Urteils CA.2023.32 verwiesen werden (zu den verbindlichen Erwägungen zur Abweisung der Rüge in Bezug auf die verdeckte Ermittlung vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_832/2024 vom 2. April 2025 E. 2). 2. Strafzumessung 2.1 Erstes Berufungsurteil CA.2023.32 und Parteistandpunkte Im ersten Berufungsurteil wurde das Tatverschulden des Beschuldigten für das versuchte Weiterschaffen von Sprengstoffen in verbrecherischer Absicht als mittelschwer eingestuft und mit 24 Monaten bewertet (Urteil CA.2023.32 II.E.3.1.1.3). Aufgrund der damals vorliegenden Täterkomponenten wurde die Freiheitsstrafe anschliessend um zwei Monate erhöht (Urteil CA.2023.32 II.E.3.1.2.4). Die BA bringt vor, dass im neuen Berufungsurteil aufgrund der vollen Kognition der Berufungskammer eine Erhöhung der Einzelstrafe für den Sachverhaltskomplex X. zumindest in Betracht gezogen werden sollte. Die festgelegte Einzelstrafe von 24 Monaten für das versuchte Weiterschaffen von Sprengstoffen sei ihres Erachtens zwar zu gering, jedoch vertretbar ausgefallen, da die BA bekanntlich keine Beschwerde erhoben habe (CAR pag. 5.200.008). Der Beschuldigte argumentiert, dass (neu) von einem leichten, statt einem mittelschweren Verschulden auszugehen sei, was eine Geldstrafe von höchstens 180 Tagessätzen bzw. 6 Monaten Freiheitsstrafe zur Folge haben müsse. Da der Tatplan bzw. das Motiv des Handels angesichts des Freispruchs im Sachverhaltskomplex Z. nicht mehr bekannt sei, müsse in dubio pro reo von der leichtesten Tatvariante, also einem leichten Verschulden, ausgegangen werden (CAR pag. 5.100.008 f.). 2.2 Allgemeine Strafzumessungsregeln Wie bereits in Erwägungen II.E.1.1 des Urteils CA.2023.32 festgehalten, misst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt dabei das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB). Dabei ist zwischen Tat- und Täterkomponenten zu

- 15 unterscheiden. Bei der Tatkomponente sind das Ausmass des Erfolges, die Art und Weise der Herbeiführung dieses Erfolges, die Willensrichtung, mit welcher der Täter gehandelt hat, und die Beweggründe des Beschuldigten zu beachten. Die Täterkomponente umfasst das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse sowie das Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren (BGE 141 IV 61 E. 6.1.1.- 6.1.2 [übers. in Pra 104/2015 Nr. 68], BGE 136 IV 55 E. 5.4-5.6 und BGE 134 IV 17 E. 2.1 je mit Hinweisen). Die angemessene Strafe ist dabei grundsätzlich innerhalb des ordentlichen Strafrahmens zu bewerten (BGE 136 IV 55 E. 5.8). 2.3 Verbot der reformatio in peius 2.3.1 Gemäss Art. 391 Abs. 2 darf die Rechtsmittelinstanz Entscheide nicht zum Nachteil der beschuldigten oder verurteilten Person abändern, wenn das Rechtsmittel nur zu deren Gunsten ergriffen wurde. Vorbehalten bleibt eine strengere Bestrafung aufgrund von Tatsachen, die dem erstinstanzlichen Gericht nicht bekannt sein konnten (sog. Verschlechterungsverbot bzw. Verbot der reformatio in peius). Art. 391 Abs. 2 StPO gilt auch bei Rückweisungen durch das Bundesgericht aufgrund der Bindung an die Parteibegehren (Urteil des Bundesgerichts 6B_382/2021 vom 25. Juli 2022 E. 3.4 und SCHMID/JOSITSCH, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 4. Aufl. 2023, Art. 391 StPO N. 4; HEIM- GARTNER/WIPRÄCHTIGER, Basler Kommentar, 3. Aufl. 2018, Art. 60 BGG N. 29). 2.3.2 Die BA hat keine Beschwerde zum Nachteil des Beschuldigten an das Bundesgericht erhoben. Damit blieb es bei der Beschwerde des Beschuldigten zu seinen eigenen Gunsten. Da bei der Frage, ob eine unzulässige reformatio in peius vorliegt, grundsätzlich das Urteilsdispositiv massgebend ist (BGE 148 IV 89 E. 4.3; BGE 142 IV 129 E. 4.5; Urteil des Bundesgerichts 6B_77/2024 vom 2. Juli 2024 E. 1.1.2) bzw. eine Verschlechterung im Gesamtergebnis entscheidend ist (BGE 117 IV 97 E. 4c), wäre (theoretisch) denkbar, dass das Prinzip des Verschlechterungsverbots grundsätzlich bereits dann genügend berücksichtigt wäre, wenn die Berufungskammer trotz Teilfreispruch erneut (maximal) 84 Monate Freiheitsstrafe aussprechen würde, entsprechend der Dispositiv-Ziffer II.2.4 des Urteils CA.2023.32. Wird jedoch die bundesgerichtliche Rechtsprechung berücksichtigt, nach der das Berufungsgericht bei einem Teilfreispruch angesichts des Verbots der reformatio in peius eine besondere Begründungspflicht trifft, wenn es bei einem (neuen) Teilfreispruch dennoch dieselbe Strafe wie die Vorinstanz ausspricht (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_976/2016 vom 12. Oktober 2017 E. 3.3.2), muss diese besondere Begründungspflicht mindestens auch in Rückweisungsverfahren gelten. Zudem handelt es sich vorliegend um dieselbe Kammer, die nochmals grundsätzlich in derselben Spruchkörperbesetzung entscheidet. Es ist nicht der

- 16 - Sinn eines Rückweisungsverfahrens, nochmals von vorne zu beginnen. Das Verfahren soll nur insoweit neu in Gang gesetzt werden, als dies notwendig ist, um den verbindlichen Erwägungen des Bundesgerichts Rechnung zu tragen. Aufgrund dieser Grundsätze ist davon auszugehen, dass – bei unveränderter Sachlage – für den Sachverhaltskomplex X. keine höhere Strafe als die festgelegte Einzelstrafe von 26 Monaten auszufällen sein wird (vgl. auch SCHMID/JOSITSCH, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 4. Aufl. 2023, Art. 391 StPO N. 4). Dies entspricht der Bewertung des Tatverschuldens gemäss der Erwägung II.E.3.1.1.3 des Urteils CA.2023.32 mit 24 Monaten zuzüglich der Erhöhung um zwei Monaten aufgrund (der damals geltenden) Täterkomponenten (Urteil CA.2023.32 E. II.E.3.1.2.4). Dabei können zumindest neu hinzukommende Strafmilderungs- oder Strafminderungsgründe anders als im ersten Verfahren gewichtet werden (BGE 113 IV 47 E. 4; 110 IV 116 E. 4). In Betracht käme hier allenfalls (neue) aufrichtige Reue (Art. 48 lit. d StGB). Als neu hinzukommende Strafminderungsgründe sind im Rahmen der Täterkomponenten zudem insbesondere die (allenfalls neue) persönliche Situation des Beschuldigten zum Zeitpunkt der neuen Urteilsverkündung zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts 6B_1276/2015 vom 29. Juni 2016 E. 1.2.1 mit Hinweis auf BGE 113 IV 47). Dabei muss es sich gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung jedoch jeweils um zulässige Noven handeln, das heisst um echte Noven oder unechte Noven, falls das Urteil des Bundesgerichts hierzu erst Anlass gab oder es nach Treu und Glauben nicht geboten war, diese vorher vorzubringen. Die strafzumessungsrelevanten Tatumstände, welche diese Voraussetzungen zu erfüllen vermögen, werden nachfolgend im Rahmen der konkreten Strafzumessung gewürdigt. 2.4 Strafrahmen Der Strafrahmen für das Delikt des versuchten Herstellens, Verbergens, Weiterschaffens von Sprengstoffen und giftigen Gasen reicht gemäss Art. 226 Abs. 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB von einem Monat bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe. 2.5 Tatschwere 2.5.1 Objektive Tatschwere

Die Erwägungen in II.E.3.1.1.3 mit Verweis auf II.E.2.1.1.3.a des Urteils CA.2023.32 bezüglich der objektive Tatschwere haben nach wie vor Gültigkeit. Damit ist in Bezug auf die objektive Tatschwere nach wie vor zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte und sein Mittäter den Erwerb und die Einfuhr von 2 kg militärischen Plastiksprengstoffs C4 in vier Blöcken zu je 500 Gramm im Ausland

- 17 geplant hatten. Gemäss FOR hätte bei einer tatsächlichen Umsetzung des Sprengstoffs ein grosses Verletzungs-, Zerstörungs- und Gefährdungspotenzial für fremde Rechtsgüter bestanden, was eine hohe Gefährdung von Menschen und Eigentum zur Folge gehabt hätte. Des Weiteren ist von Relevanz, dass zum Plastiksprengstoff C4 auch ein Fernzünder hätte erworben werden sollen, wodurch eine Zündung aus einer Distanz von bis zu 40 km (!) zum Detonationspunkt möglich gewesen wäre. Es liegt auf der Hand, dass eine für die Täterschaft unkontrollierte Explosion resultiert bzw. keinerlei Möglichkeit mehr bestanden hätte, Einfluss zu nehmen, Personen zu warnen oder zu schützen. Der Beschuldigte und sein Mittäter hatten alles in ihrer Macht Stehende getan, um ihren Tatplan später in die Tat umsetzen zu können. Die Umsetzung scheiterte letztlich nur daran, dass die beiden Täter vom verdeckten Ermittler lediglich eine Sprengstoffattrappe erwarben und bei deren Übergabe in X. verhaftet wurden. In objektiver Hinsicht resultiert hierfür eine Einsatzstrafe von 24 Monaten (vgl. Urteil CA.2023.32 E. II.E.3.1.1.3.a/b mit Verweis auf E. II.E.2.1.1.3.a). 2.5.2 Subjektive Tatschwere In Bezug auf die subjektive Tatschwere befinden sich in der bisherigen Urteilsbegründung in Erwägung II.E.3.1.1.3.a mit Verweis auf Erwägung 2.1.1.3.b des Urteils CA.2023.32 noch Hinweise auf das Delikt im Sachverhaltskomplex Z.: «Nach dem ersten Anschlag auf dem «Z.» […]» und: «Der Beschuldigte B. ist auch bezüglich dieses Delikts […].». Da diese Hinweise keine Auswirkungen auf die Bewertung der subjektiven Tatschwere haben, fallen sie weg. So wurde wie erwähnt das Tatverschulden des Sachverhaltskomplexes X. und Z. separat bewertet. In subjektiver Hinsicht ist damit (nach wie vor) die schwerwiegende verbrecherische Absicht bei der Beschaffung des vermeintlichen Sprengstoffes zu berücksichtigen, die darauf abzielte, durch Erpressung eine hohe Geldsumme (im Millionenbereich) von mindestens vier wohlhabenden Personen im Raum Y. zu erlangen. Der Beschuldigte und sein Mittäter haben durch das versuchte Weiterschaffen des Sprengstoffs C4 die Grundlage für die Realisierung ihrer erpresserischen Pläne geschaffen. Entgegen der Vorbringen der Verteidigung (vgl. CAR pag. 5.100.009) steht dieser Tatplan auf Sachverhaltsebene verbindlich fest (vgl. vorstehende Erwägungen I.3.3. und II.1.2) und ist im Rahmen des subjektiven Tatverschuldens zu bewerten. Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass sich die beiden Täter der zerstörerischen Wirkung des Sprengstoffs bewusst waren. Der Beschuldigte ist als Initiator und treibende Kraft einzustufen, was zusätzlich straferhöhend zu berücksichtigen ist. Er war es, der im Internet die Kontaktaufnahme für den Sprengstoffkauf aufgleiste und die gesamte Kommunikation mit den vermeintlichen Sprengstoffverkäufern führte. Auch wenn von arbeitsteiligen

- 18 - Handlungen beider Beschuldigten auszugehen ist, ragen die Tatbeträge des Beschuldigten heraus, etwa weil er seinem Mittäter auch Anweisungen gab, z.B. welche Materialien zur Spurenbeseitigung dieser besorgen und auf die Fahrt nach X. mitnehmen solle. Aufgrund dieser subjektiven Tatschwere ist die Einsatzstrafe von 24 Monaten Freiheitsstrafe um 6 Monate zu erhöhen (vgl. bereits Urteil CA.2023.32 E. II.E.3.1.1.3a/b und II.E.2.1.1.3.b). 2.5.3 Gesamtverschulden Das Tatverschulden ist insgesamt als mittelschwer zu qualifizieren und mit 30 Strafeinheiten bzw. Monaten Freiheitsstrafe zu gewichten (vgl. bereits Urteil CA.2023.32 E. II.E.3.1.1.3.b). Wie bei seinem Mittäter ist jedoch auch beim Beschuldigten wegen des Einsatzes eines verdeckten Ermittlers sowie des Versuchs eine Strafminderung von rund 25 % bzw. 6 Monate vorzunehmen (vgl. Urteil CA.2023.32 E. II.E.3.1.1.3.b mit Verweis auf E. II.E.2.1.1.3.c), was zu einer Verschuldensbewertung von 24 Monaten führt. Die erneuten Vorbringen des Beschuldigten im Rahmen seiner eigenen Stellungnahme (vgl. CAR pag. 5.300.035), wonach zu berücksichtigen sei, dass kein echter Sprengstoff vorgelegen habe, dass ein verdeckter Ermittler tätig geworden sei und keine konkrete Gefahr für Sachen und Menschen bestanden habe, wurden damit bereits berücksichtigt. 2.5.4 Fazit Tatkomponenten Die objektiven und subjektiven Tatkomponenten sind somit insgesamt mit 24 Monaten zu gewichten (vgl. bereits Urteil CA.2023.32 E. II.E.3.1.1.3.b). 2.6 Täterkomponenten 2.6.1 Persönliche Verhältnisse und Vorleben Bei der Würdigung der Persönlichkeit des Täters sind die zum Zeitpunkt der Beurteilung vorliegenden Umstände massgeblich. Deshalb ist nachfolgend auf die persönlichen Verhältnisse zum aktuellen Urteilszeitpunkt am 7. Juli 2025 einzugehen: Der heute […]-jährige Beschuldigte war damals bei der Verübung des Sachverhaltskomplexes X. […] Jahre alt. Seit seiner Verhaftung in X. befand er sich – mit einer kurzen Unterbrechung (Urteil CA.2023.32 E. A.10) – während knapp drei Jahren in Haft (Auslieferungs-, Untersuchungs-, Sicherheitshaft und vorzeitiger Strafvollzug). Während seiner Haft im Regionalgefängnis XX. vom Dezember 2022 bis Februar 2024 erhielt er regelmässig Besuch von seinen Familienmitgliedern (CA.2023.32 pag. 6.100.110). Anlässlich der ersten

- 19 - Berufungsverhandlung waren Mitglieder seiner Familie anwesend. Nach einer erfolgreichen beruflichen Reintegration hätten durchaus Aussichten auf ein reguläres Erwerbsleben bestanden. Die Leitung der Haftanstalt in XX. stellte B. damals einen positiven Führungsbericht aus, der ihm im Verhalten und Umgang mit Mitarbeitern und anderen Inhaftierten Höflichkeit und Freundlichkeit attestiert. Gemäss Führungsbericht habe er im Regionalgefängnis XX. zudem die Gefängnisbibliothek betreut (CA.2023.32 pag. 6.100.110). Nachdem sich der Beschuldigte anlässlich der ersten Berufungsverhandlung vom 26. März 2024 noch nicht zu seiner Gesundheit geäussert hatte, gab er anlässlich der zweiten Berufungsverhandlung vom 17. Juni 2025 an, dass es ihm gesundheitlich nicht so gut gehe und er in ärztlicher Behandlung sei. Aus dem von der Verteidigung eingereichten Notfallbericht des Ambulatoriums W. der Erwachsenenpsychiatrie XXXX. geht hervor, dass sich der Beschuldigte am 4. Mai 2025, zwei Tage nach seiner Haftentlassung an dem 2. Mai 2025, bei der Zentralen Aufnahme gemeldet und um Aufnahme in eine Klinik gebeten habe. Da die Indikation dafür gemäss Klinik nicht vorhanden und eher sozialpsychiatrische Probleme vorherrschend gewesen seien, wurde er für den Folgetag auf ein Notfallgespräch verwiesen. Gemäss Notfallbericht hatte der Beschuldigte in der Vergangenheit folgende Diagnosen erhalten: Störung des Sozialverhaltens (F91.0), daraus resultierend eine episodisch paroxysmale Angst (Panikstörung) (F41.0), sowie eine Abhängigkeit von Benzodiazepinen, gegenwärtig abstinent (F12.3). Zudem wurde eine leichte Intelligenzminderung mit einem IQ von 79 diagnostiziert (klinisch relevant verminderter Wert bei Sprachverständnis). Damals habe er bei den Eltern gewohnt. Diese würden ihn nun allerdings nicht mehr im Haus haben wollen, da sie ihm nicht mehr trauen würden (CAR pag. 5.300.018 ff.). Die Ärzte der Erwachsenenpsychiatrie attestierten dem Beschuldigten eine Anpassungsstörung (ICD-10: F43.2) mit depressiven Symptomen. Laut den behandelnden Ärzten scheine er mit der abrupten Freilassung stark überfordert und zeige wenig Selbstwirksamkeit und Ressourcen. Im Ergebnis wurde ihm eine ambulante psychiatrische Behandlung mit Fokus auf Sozialpsychiatrie empfohlen, mit dem Ziel der Reintegration in die Gesellschaft (CAR pag. 5.300.018 ff.). Der Beschuldigte gab auf Nachfrage anlässlich der Einvernahme an, dass ihn die «plötzliche Blitzentlassung» überfordert habe, da er ab diesem Moment kein Dach mehr über dem Kopf gehabt habe (CAR pag. 5.300.006). Im Bericht wurde ebenfalls dargelegt, dass er nach der Haftentlassung obdachlos gewesen sei (CAR pag. 5.300.019). Zum Zeitpunkt der Berufungsverhandlung vom 17. Juni 2025 wohnte der Beschuldigte in einer Wohngemeinschaft in ZZZZ., XXXX., wobei er nach eigenen Angaben demnächst auf Wohnungssuche gehen wolle (CAR pag. 5.300.005). Zu seinem beruflichen Werdegang (Schul- und Berufsausbildungen) machte der Beschuldigte auch anlässlich der zweiten Berufungsverhandlung vom 17. Juni 2025 keine eigenen Angaben (CAR pag. 5.300.004). Aus dem von ihm neu

- 20 eingereichten Notfallbericht ergibt sich jedoch, dass er (bereits) vor seinen Gefängnisaufenthalten Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung hatte. So habe er die Lehre abgebrochen und sei anschliessend über einen längeren Zeitraum entweder arbeitsunfähig oder arbeitslos gewesen. Eine IV-Integrationsmassnahme im KV-Bereich sei erfolglos geblieben (CAR pag. 5.300.019). Auf Nachfrage der BA wollte er sich nicht zum Grund des Abbruchs der Lehre äussern. Warum die IV-Integrationsmassnahme gemäss IV nicht zum Erfolg geführt habe, wisse er auch nicht. Danach sei er wieder arbeitslos gewesen (CAR pag. 5.300.006). Auf die Frage der Vorsitzenden nach seinen beruflichen Plänen, verwies der Beschuldigte auf seine aktuelle Krankschreibung (CAR pag. 5.300.005). Er reichte hierzu zwei Atteste eines Arztes für Allgemeinmedizin vom 23. Juni 2025 ein, die ihm (voraussichtlich) vom 1. Mai 2025 bis 31. Juli 2025 eine 100 % Arbeitsunfähigkeit attestieren (CAR pag. 5.200.022 f.). Obwohl der Beschuldigte nach seiner Genesung gemäss eigenen Aussagen die Aufnahme einer Arbeitstätigkeit plante, wollte er dem Gericht anlässlich der Berufungsverhandlung vom 17. Juni 2025 keine Perspektiven angeben – weder bezüglich Tätigkeitskategorie noch Branche – und berief sich stattdessen auf sein Aussageverweigerungsrecht (CAR pag. 5.300.005). Gemäss dem von ihm eingereichten Klientenjournal wurde der Beschuldigte seit seiner Inhaftierung im Januar 2023 mit wirtschaftlicher Sozialhilfe unterstützt (CAR pag. 5.300.025 ff.). Auf Nachfrage gab er an, dass er im Regionalgefängnis XX. keiner Tätigkeit habe nachgehen können (CAR pag. 5.300.004). Bis zu seiner Haftentlassung im April 2025 wurden dem Beschuldigten nachweislich insbesondere seine Krankenkassenprämien übernommen (CAR pag. 5.300.025- 031). Seit dem Zeitpunkt seiner Haftentlassung im Mai 2025 ist im Sozialhilfekontojournal zudem auch ein Grundbedarf ausgewiesen (CAR pag. 5.300.031). Während seiner Inhaftierung in der Justizvollzugsanstalt UUU. vom 15. August 2024 bis am 2. Mai 2025 wurde der Beschuldigte am 20. September 2024 in die Industriemontage eingeteilt und mit dem Zusammenbau von Kabelverschraubungen beauftragt. Gemäss Beurteilung seines Gewerbemeisters sei er täglich an seinem Arbeitsplatz erschienen. Seine Aufgaben habe er in qualitativer Hinsicht gut erledigt, wobei seine Einsatzbereitschaft und sein Interesse an der Arbeit aber eher im unteren Durchschnitt gewesen seien. Die Leiterin des Vollzugs der JVA UUU. beurteilte das Vollzugsverhalten des Beschuldigten als gut. Er habe sich freundlich, korrekt und kooperativ verhalten und sich bescheiden gezeigt. Es seien keine kritischen Zwischenfälle beobachtet worden. Auch in dieser Strafanstalt wurde der Beschuldigte gemäss Bericht in der Regel wöchentlich von seiner Familie besucht. Seit dem 2. April 2025 habe der Beschuldigte an der Bildung im Strafvollzug teilgenommen, welcher aus einem wöchentlichen Unterricht während eines halben Tages bestanden habe (CAR pag. 4.401.022). In der Anstalt

- 21 sei er bei stützenden Gesprächen der psychiatrischen Grundversorgung beim Psychiatrisch-Psychologischen Dienst der JVA UUU. insgesamt zehn Mal vorstellig geworden (CAR pag. 4.401.019-023). 2.6.1.1 Insgesamt sind das dargelegte Vorleben des Beschuldigten und seine persönlichen Verhältnisse – wie bereits gemäss Erwägung II.E.3.1.2.1 im Urteil CA.2023.32 – für die Strafzumessung als neutral zu bewerten. 2.6.2 Vorstrafen 2.6.2.1 Vorstrafen sind grundsätzlich straferhöhend zu berücksichtigen (vgl. BGE 136 IV 1 E. 2.6.2; 121 IV 3 E. 1.b, 1.c/dd). Sie bilden Bestandteil des Vorlebens des Täters und dürfen nach Art. 47 Abs. 1 Satz 2 StGB bei der Bemessung der Strafe berücksichtigt werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_258/2015 vom 26. Oktober 2015 E. 1.2.1 mit Hinweis auf BGE 105 IV 225 E. 2) (vgl. bereits CA.2023.32 E. II.E.3.1.2.2. mit Verweis auf II.E.2.1.1.2). 2.6.2.2 Die Staatsanwaltschaft XXXX. verurteilte den Beschuldigten mit Strafbefehl vom 16. Februar 2017 wegen Hehlerei zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen und einer Busse von CHF 100.--. Ferner wurde er mit Urteil Nr. 3 vom 20. November 2020 durch das Strafgericht XXXX. wegen versuchter Erpressung, Gehilfenschaft zu Diebstahl, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch, strafbaren Vorbereitungshandlungen zu Raub, mehrfacher Widerhandlung gegen das Waffengesetz und Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz sowie mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt und mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten und einer bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen à CHF 30.-- bestraft, beides bei einer Probezeit von 4 Jahren, und einer Busse von CHF 900.--. Ausserdem verurteilte die Staatsanwaltschaft XXXX. den Beschuldigten mit Strafbefehl vom 21. Mai 2021 wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und bestrafte ihn mit einer bedingten Geldstrafe von 5 Tagessätzen und einer Busse von CHF 300.-- als Zusatzstrafe zum genannten Urteil des Strafgerichts XXXX. vom 20. November 2020 (Strafregisterauszug vom 21. Februar 2024, CA.2023.32 pag. 4.401.005 ff. sowie Strafregisterauszug vom 9. Mai 2025, CAR pag. 4.401.001 ff.). 2.6.2.3 Damit ist der Beschuldigte (auch) wegen Vermögensdelikten einschlägig vorbestraft. Insbesondere seine Verurteilung vom 20. November 2020 wegen strafbarer Vorbereitungshandlungen zu Raub, Sachbeschädigung und versuchter Erpressung weist einen deutlichen Konnex zur vorliegenden Straftat auf. Die Verurteilungen zu bedingten Freiheits- und Geldstrafen vermochten den Beschuldigten offensichtlich nicht von erneuter Delinquenz abzuhalten. Da es sich um https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2018&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=136+IV+1&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F121-IV-3%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page3 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2018&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=136+IV+1&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F121-IV-3%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page3

- 22 einschlägige Vorstrafen handelt, rechtfertigt sich diesbezüglich eine Straferhöhung um zwei Monate (vgl. bereits Urteil CA.2023.32 E. II.E.3.1.2.2). 2.6.3 Nachtatverhalten 2.6.3.1 Der Beschuldigte verlas anlässlich der Berufungsverhandlung vom 17. Juni 2025 persönlich eine schriftliche Stellungnahme und erklärte dabei, er bereue sein Verhalten zutiefst. Er verstehe heute, dass er sich auf einem «Irrweg» befunden habe (CAR pag. 5.300.009). Auf konkrete Nachfrage konnte er jedoch nicht spontan erklären, worin der Irrweg bestanden habe, oder was er denn heute anders machen würde. Er sagte lediglich aus, dass ihm jetzt nach dem Bundesgerichtsurteil klar geworden sei, dass er eine Straftat begangen habe (CAR pag. 5.300.011 f.). Diese Einsicht habe er damals noch nicht gehabt (CAR pag. 5.300.012). 2.6.3.2 Auch nach der zweiten Berufungsverhandlung vom 17. Juni 2025 kann das Berufungsgericht beim Beschuldigten keine wirkliche Einsicht oder Reue erkennen, welche sich für ihn strafmindernd auswirken würde. Sein vorgebrachtes «Bereuen» wirkt einstudiert, unkonkret und kommt äusserst spät. Nachdem das Bundesgericht seine Rüge betreffend den Schuldspruch im Sachverhaltskomplex X. abwies, blieb dem Beschuldigten im Rückweisungsverfahren denn auch nicht mehr viel anderes übrig, als die Begehung einer Straftat rechtlich nicht mehr infrage zu stellen, da er den Instanzenzug bereits ausgeschöpft hatte. Insgesamt ist beim Beschuldigten damit derzeit nach wie vor keine aufrichtige Reue zu erkennen. Dass er gewillt ist, sich psychologische Hilfe zu holen, ist zu begrüssen und für seine zukünftige Lebensgestaltung hilfreich. Dies führt aber ebenfalls nicht zu einer Strafminderung infolge von Nachtatverhalten. 2.6.3.3 Sein Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren ist damit nach wie vor als neutral zu bewerten (vgl. bereits Urteil CA.2023.32 E. II.E.3.1.2.3). 2.6.4 Vorverurteilung durch Medien / Wirkung der Strafe auf das Leben des Beschuldigten 2.6.4.1 Der Beschuldigte macht geltend, durch die Medienberichterstattung im Sachverhaltskomplex Z., von welchem er nun letztinstanzlich freigesprochen wurde, einer massive Rufschädigung ausgesetzt gewesen zu sein. Er sei medial vorverurteilt und als «Z.» verunglimpft worden. Dadurch sei auch sein Ruf im privaten und familiären Umfeld massiv geschädigt worden (CAR pag. 5.300.036 und CAR pag. 5.100.012).

- 23 - 2.6.4.2 Diese vorgebrachten Umstände ergeben sich aufgrund des Teilfreispruchs im Sachverhaltskomplex Z. und sind damit folglich als zulässige Noven zu hören. Sie wurden insbesondere im Zusammenhang mit möglichen Entschädigungsfolgen vorgebracht, sind jedoch auch im Rahmen der Strafzumessung genauer zu betrachten. Denn nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist eine Vorverurteilung von Tatverdächtigen in der Medienberichterstattung je nach Schwere der Rechtsverletzung als Strafzumessungsgrund zu gewichten (BGE 128 IV 97 E. 3; Urteil des Bundesgerichts 6B_271/2011 vom 31. Mai 2011 E. 2.3). Somit stellt sich die Frage, ob die Belastung durch die Medienberichterstattung und das Strafverfahren für den Beschuldigten einen unzumutbaren Grad erreicht hat, der eine Reduzierung der Strafe verlangt (MATHYS, Leitfaden Strafzumessung, 2. Aufl. 2019, S. 149 N. 389). Jedes Strafverfahren bringt zusätzliche Belastungen mit sich, die aber nur strafmindernd zu berücksichtigen sind, wenn sie über dem durchschnittlichen Mass liegen (WIPRÄCHTIGER/KELLER, Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, Art. 47 StGB N. 160 mit Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts 9X.1/1998 vom 29. Oktober 1999). 2.6.4.3 Recherchen via Google und Swissdox zeigen, dass der Beschuldigte im Rahmen der Berichterstattung über den Sachverhaltskomplex Z. nirgendwo namentlich genannt wird. Mangels konkreter Angaben können Vorbringen bezüglich Rufschädigung im privaten Bereich nicht genauer beurteilt werden. Die Verteidigung macht hierzu geltend, dass er zwar nicht namentlich genannt werde, jedoch klar sei, wer damit gemeint sei. Diese Vorbringen sind nicht substantiiert und daher nicht zu berücksichtigen. Aufgrund des Dargelegten liegen somit keine Belastungen vor, die das zu einer Strafminderung führende sogenannte durchschnittliche Mass hinausgehen würden. 2.6.5 Fazit Täterkomponenten Aufgrund des Gesagten erweist sich in Bezug auf die Täterkomponente insgesamt eine Straferhöhung um 2 Monate als angemessen (vgl. bereits Urteil CA.2023.32 E. II.E.3.1.2.4). 2.7 (Verminderte) Schuldfähigkeit 2.7.1 Anlässlich der zweiten Berufungsverhandlung am 17. Juni 2025 brachte der Beschuldigte in einem persönlichen Statement erstmals vor, zum Tatzeitpunkt betreffend den Sachverhaltskomplex X. angeblich unzurechnungsfähig gewesen zu sein (CAR pag. 5.300.009). Die Verteidigung unterliess es, dies in ihrem Parteivortrag näher zu thematisieren bzw. Anträge zu diesem Thema zu stellen (vgl. CAR pag. 5.200.025 f. und CAR pag. 5.100.011 f.). Die BA entgegnete den persönlichen Vorbringen des Beschuldigten, dass im vorliegenden Verfahren eine

- 24 - Unzurechnungsfähigkeit zu keinem Zeitpunkt, auch nicht nur ansatzweise, festgestellt worden sei, insbesondere auch nicht im Nachgang zur Verhaftung des Beschuldigten (CAR pag. 5.100.005 f.). 2.7.2 Schuldfähigkeit setzt gemäss Art. 19 Abs. 1 StGB Einsichts- und Steuerungsfähigkeit voraus. Einsichtsfähigkeit ist die Fähigkeit, das Unrecht seiner Tat einzusehen. Unter Steuerungsfähigkeit versteht man die Fähigkeit, gemäss der Einsicht in das Unrecht zu handeln (Urteil des Bundesgerichts 6B_1363/2019 vom 19. November 2020 E. 1.2.2 mit Hinweisen). War der Täter zur Zeit der Tat nur teilweise fähig, das Unrecht seiner Tat einzusehen oder gemäss dieser Einsicht zu handeln, so mildert das Gericht die Strafe (Art. 19 Abs. 2 StGB). Besteht ernsthafter Anlass, an der Schuldfähigkeit des Täters zu zweifeln, so ordnet die Untersuchungsbehörde oder das Gericht die sachverständige Begutachtung durch einen Sachverständigen an (Art. 20 StGB). Der Sachverständige muss im Gutachten den «biologisch-psychologischen» Zustand des Täters beurteilen. Das Gutachten soll Klarheit über das Vorliegen einer psychischen Störung geben und die Frage beantworten, ob und wie sich diese auf die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit ausgewirkt hat (Urteil des Bundesgerichts 6B_1363/2019 vom 19. November 2020 E. 1.6.1 mit Hinweisen). 2.7.3 Der Beschuldigte begründete seine Annahme der Schuldunfähigkeit mit der Einnahme von Xanax, einem Benzodiazepin. Xanax wirke wie eine starke Droge. Es sei ihm «nicht wirklich bewusst gewesen, was er mache» (CAR pag. 5.300.009). «Man vergisst dabei einfach, was man macht» (CAR pag. 5.300.014) Es sei einem alles egal in dieser Situation. Es sei alles, sozusagen, unwichtig, spiele keine Rolle. Es gäbe keine Gefahren (CAR pag. 5.300.014). 2.7.4 Grundsätzlich ist nicht anzuzweifeln, dass der Beschuldigte auch im Tatzeitraum ein ihm von Ärzten verschriebenes Xanax bzw. ein Benzodiazepin einnahm. So ergibt sich aus dem eingereichten Notfallbericht, dass der Beschuldigte auch Valium (CAR pag. 5.300.019), ebenfalls ein Benzodiazepin einnahm und in der Vergangenheit offenbar eine Abhängigkeit von Benzodiazepinen und eine episodische Panikstörung bestanden hatte (CAR pag. 5.300.019). Bei einer Bewertung des Tatgeschehens ergaben – und ergeben sich auch nach wie vor – keine Anhaltspunkte, dass der Beschuldigte aufgrund einer Einnahme von Benzodiazepinen schuldunfähig gewesen wäre, weshalb diesbezüglich auch nie ein Gutachten erstellt wurde. Dies zeigt sich insbesondere darin, dass der versuchte Sprengstoffkauf vollständig vom Beschuldigten aufgegleist wurde. Er recherchierte im Internet nach einem Sprengstoffverkäufer, hatte per E-Mail in Englisch Kontakt mit einem australischen Polizeibeamten und führte danach einen intensiven, präzisen und strukturierten Austausch mit dem verdeckten Ermittler. Die Kommunikation ist aktenkundig (vgl. Beilagenordner 1 zur BA Rubrik 2.4 pag. B02-04-001-

- 25 - 0076 ff.). Diese darin dokumentierten Chats zeigen keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass der Beschuldigte schuldunfähig gewesen sein könnte, wie er es behauptet. Vielmehr zeugt die Tatausführung von einer Struktur und Planung. Zudem organisierte er die Reise nach X. und gab seinem Mittäter Anweisungen, beispielsweise welche Materialien zur Spurenbeseitigung dieser besorgen und auf die Fahrt nach X. mitnehmen sollte. Die Tatausführung scheiterte schlussendlich einzig an der Tatsache, dass die beiden Mittäter einem verdeckten Ermittler in die Arme liefen. Eine derartige Planung, Vorbereitung und Durchführung wäre bei einer gänzlich oder massgeblich beeinträchtigten Steuerungs- und Einsichtsfähigkeit aufgrund eines übermässigen Konsums von Xanax kaum denkbar. Im Übrigen macht der Beschuldigte selbst auch einen verordneten Gebrauch von Xanax geltend, jedoch keinen Missbrauch bzw. übermässigen Gebrauch. In Übereinstimmung mit der BA lagen – und liegen auch heute – keine Anhaltspunkte weder für eine komplette noch für eine teilweise Schuldunfähigkeit vor. Schliesslich hätte der Beschuldigte diese Vorbringen bereits im Untersuchungsverfahren oder im Vorverfahren, allerspätestens jedoch vor Bundesgericht zu thematisieren gehabt. Das Argument, wonach ihm dies aufgrund seines Plädoyers auf Freispruch nicht möglich gewesen sei bzw. die Abklärungspflicht bezüglich seiner Schuld(un)fähigkeit nicht ihm, sondern dem Staat obliegen würde (CAR pag. 5.300.012 ff.), verfängt nicht. 2.7.5 Wie im Urteil CA 2023.32 bereits angenommen ist im Sachverhaltskomplex X. daher weder von einer Schuldunfähigkeit noch von einer verminderten Schuldfähigkeit des Beschuldigten im Tatzeitraum auszugehen, die sich strafmindernd auswirken könnten. 2.8 Zwischenergebnis Unter Würdigung aller Strafzumessungsgründe bzw. der Tat- und Täterkomponenten des versuchten Weiterschaffens von Sprengstoffen nach Art. 226 Abs. 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB erweist sich eine Freiheitsstrafe von 26 Monaten als angemessen. Dies entspricht rechnerisch der bereits mit Urteil CA.2023.32 vom 4. April 2024 als angemessen erachteten Einsatzstrafe von 24 Monaten (vgl. Urteil CA.2023.32 E. II.E.3.1.1.3.b), vorliegend aufgrund der Täterkomponenten um zwei Monate erhöht (vgl. bereits Urteil CA.2023.32 E. II.E.3.1.2.4).

- 26 - 2.9 Widerruf und Bildung einer Gesamtstrafe 2.9.1 Begeht ein Verurteilter während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er erneut straffällig wird, so widerruft das Gericht die bedingte Strafe oder den bedingten Teil der Strafe (Art. 46 Abs. 1 Satz 1 StGB). Ist nicht zu erwarten, dass der Verurteilte weitere Straftaten begehen wird, so sieht das Gericht vom Widerruf ab (Art. 46 Abs. 2 Satz 1 StGB). Ist zu widerrufen und sind die widerrufene und die neue Strafe gleicher Art, bildet das Gericht in sinngemässer Anwendung von Art. 49 StGB eine Gesamtstrafe (Art. 46 Abs. 1 Satz 2 StGB). Bezüglich der rechtlichen Kriterien für den Widerruf einer bedingten Strafe ist auf die nach wie vor einschlägigen Erwägungen II.E.3.1.4.5 und II.E.3.1.4.8 des Urteils CA.2023.32 zu verweisen. 2.9.2 Der Beschuldigte wurde durch das Strafgericht XXXX. zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten und einer bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen verurteilt, bei einer Probezeit von vier Jahren (Urteil CA.2023.32 E. II.E.3.1.2.2 und BA pag. 18-03-006 f.). Die Probezeit endete folglich am 19. November 2024. Der Beschuldigte delinquierte zwischen April und Juni 2022, womit ein Rückfall vorliegt. Vorliegend kann einzig die bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe widerrufen werden, nicht hingegen die bedingte Geldstrafe (vgl. Urteil CA.2023.32 E. II.E.3.1.4.2, 3.1.4.3 und 3.1.4.4). 2.9.3 Die Parteien sind sich uneinig darüber, ob erneut über den Widerruf der bedingten Strafe zu entscheiden ist oder ob dieser aufgrund des bundesgerichtlichen Entscheids bereits feststehe. Zudem sind sie sich uneinig, ob im Falle eines Widerrufs bei der Gesamtstrafenbildung eine höhere Asperation als im bisherigen Berufungsurteil vorzunehmen sei. 2.9.3.1 Die BA macht geltend, dass die Abweisung der Beschwerde gegen das Absehen des Widerrufs der Vorstrafe in diesem Punkt bundesgerichtlich einen Widerruf impliziere (CAR pag. 5.200.004 und -009 f.). So oder so sei unverändert von einer sehr ungünstigen Legalprognose auszugehen (CAR pag. 5.200.009 ff., -014). Die Asperation sei jedoch neu im Umfang von 15, statt 10 Monaten vorzunehmen. Dabei sei auch entscheidend, dass Annex-Strafen deutlich geringer ausfallen würden, als wenn diese, wie vorliegend, eigenständig zu bemessen seien (CAR pag. 5.200.017). Der Beschuldigte argumentiert, dass keine schlechte Prognose vorliege und daher nicht zu widerrufen sei (CAR pag. 5.100.011). Sollte dennoch widerrufen werden, so sei die Asperation höchstens im Umfang der bisherigen 10 Monate möglich (CAR pag. 5.100.007 f.). Die Argumentationsweise der BA erachtet er hingegen als widersprüchlich. Das Urteil könne nicht einerseits zu Ungunsten des Beschuldigten rechtskräftig sein, unter dem Vorbehalt höherer Strafen, wo die Rechtskraft dann nicht mehr gelte (CAR pag. 5.100.007 f.). Im

- 27 - Übrigen habe die BA weder die Einsatzstrafe für den Sachverhaltskomplex X. noch den Umfang der Asperation angefochten (CAR pag. 5.100.007 f.). 2.9.3.2 Entgegen den Erwägungen der BA wäre ein Absehen vom Widerruf der Vorstrafe bei Veränderungen der Sachlage durchaus denkbar. Im Urteil CA.2023.32 wurde unter Berücksichtigung der zum damaligen Urteilszeitpunkt am 4. April 2024 gestellten Prognose die bedingt ausgefällte Vorstrafe von 20 Monaten Freiheitsstrafe gemäss Urteil des Strafgerichts XXXX. vom 20. November 2020 widerrufen und im Umfang von 10 Monaten bei der Gesamtfreiheitsstrafe berücksichtigt (Erwägung II.E.3.1.4). Für einen Widerruf einer Vorstrafe ist jedoch eine negative Legalprognose jeweils zum Zeitpunkt des Urteils zu stellen (vgl. Art. 46 Abs. 1 StGB). Dieser Zeitpunkt ist neu. Echte Noven sind denn auch im Rückweisungsverfahren zu berücksichtigen. Eine bindende Wirkung, dass die Vorstrafe – auch bei veränderter Sachlage und trotz allenfalls neu bestehender positiver Legalprognose – zwangsläufig zu widerrufen ist, lässt sich zudem auch aufgrund der Weisung des Bundesgerichts im Rahmen der Rückweisung nicht feststellen. So wurde die Sache ausdrücklich zur Neufestsetzung der Sanktion zurückgewiesen. Die Sanktion beinhaltet die Gesamtstrafe an sich, das heisst mit, oder eben ohne Berücksichtigung des Widerrufs. 2.9.3.3 Zur Höhe der Asperation ist anzumerken, dass die BA – wie vom Beschuldigten geltend gemacht – das Berufungsurteil unangefochten in Rechtskraft erwachsen liess. Es gilt daher das vorstehend unter Erwägung 2.3 Gesagte. Eine Erhöhung des Umfangs der bisherigen Asperation in Höhe von 10 Monaten wäre zwar möglich, würde aber einerseits zulässige Noven sowie andererseits eine besondere Begründung erfordern, welche vorliegend – wie sich nachfolgend zeigen wird – nicht bestehen. 2.9.4 2.9.4.1 Auch wenn neu die Verurteilung im Sachverhaltskomplex Z. wegfällt, weist der Sachverhaltskomplex X. bereits für sich alleine erhebliche Parallelen zu den Delikten auf, aufgrund derer der Beschuldigte durch das Strafgericht XXXX. verurteilt wurde. So wurde er mit Urteil Nr. 3 des Strafgerichts XXXX. vom 20. November 2020 wegen versuchter Erpressung und strafbaren Vorbereitungshandlungen zu Raub mit zwei Mittätern zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten verurteilt. Gemäss der begründeten Fassung des Urteils hatte der Beschuldigte unter anderem gemeinsam mit den dortigen Mittätern die vermögenden Grosseltern eines involvierten Mitbeschuldigten mittels fingierter Geiselnahme ihres Enkels und der Androhung einer für diesen lebensgefährlichen Situation zur Zahlung eines Lösegeldes zu verleiten versucht (USB-Stick vor BA pag. 18-03-0018; Band 10, S. 707 f. E. II.2.4b). Nachdem die versuchte Erpressung gescheitert war, wurden planerische und organisatorische Vorkehrungen im Hinblick auf einen Bankraub

- 28 getroffen. Der Beschuldigte war damals vorrangig an der Planung der Delikte beteiligt und wurde (auch dort) als eigentlicher Denker und Lenker der Tat bezeichnet, was auf eine grosse kriminelle Energie schliessen lässt (S. 771 E. III.3.2). Dem Beschuldigten wurde gemäss Urteilsbegründung der bedingte Strafvollzug im Sinne einer letzten Chance gewährt. Die Bedenken bestanden bezüglich der damals fehlenden Einsicht sowie der hohen kriminellen Energie hinsichtlich der versuchten Erpressung. Es wurde beim Beschuldigten von einem bewusst delinquenten Lebenswandel gesprochen. Mit der Anordnung einer verlängerten Probezeit von vier Jahren wurde versucht, den Bedenken entgegenzuwirken (S. 775 E. III.3.5). Nachdem die schriftlich begründete Fassung des Urteils des Strafgerichts XXXX. Ende März 2021 bei den Parteien einging (vgl. S. 1131), delinquierte der Beschuldigte – trotz der Ermahnung, es sei seine letzte Chance – bereits rund ein Jahr später wieder auf ähnliche Weise. Er und der Mittäter versuchten Sprengstoff von Deutschland in die Schweiz zu schaffen, um ihn zu zünden und damit unter Androhung ernsthafter Nachteile wiederum von vermögenden Personen Geld zu erpressen. Der Beschuldigte ist auch in diesem Fall als Initiator und treibende Kraft bei der Deliktsbegehung einzustufen. Er war massgeblich an der Organisation des vermeintlichen Sprengstoffkaufs beteiligt und gab den Mittätern zudem Anweisungen. Bezeichnend ist, dass der Beschuldigte während des Strafverfahrens in XXXX. über ein Luxusleben mit täglichen Taxifahrten, auswärtigen Essen und Dom Pérignon sinnierte (S. 701 E. II.2.4.a, vgl. auch Urteil CA.2023.32 E. II.E.3.1.4.6), und dann im vorliegenden Strafverfahren am 18. Juni 2022, zwei Tage vor dem Treffen mit dem vermeintlichen Sprengstoffverkäufer in X., durch folgende Nachricht an einen Kollegen auffiel: «- Jo besser riskiere - Als bücke läbe lang - Wie jede andere - Vlt hani den vor 30 usgsorgt wo anderi bis 70ig schaffe müend - Den riskiersh lieber alles - Entweder klappt oder klappt nid - Glaub keine wird meh irgendwas us fründeskreis was erreiche... Keine goht risiko ich oder het irgende potenzial was mache ussert labere» (BA pag. 10.01.0956 f.). Als Tatmotivation beider Delikte schien der Beschuldigte folglich einen sozialen Aufstieg zu suchen, ohne dafür legal arbeiten zu müssen. Die fortgesetzte schwere Delinquenz lässt auf eine negative Legalprognose schliessen. 2.9.4.2 Zwar hat sich der Beschuldigte seither bereits knapp über drei Jahren in Haft befunden, worauf die Verteidigung zutreffend hingewiesen hat (CAR pag. 5.100.011). Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Tat ist bei ihm jedoch (noch) nicht erkennbar. Zudem hat sich die Lebenssituation des Beschuldigten seit der letzten Beurteilung am 4. April 2024 nicht verbessert. Im Zeitpunkt der Urteilsfällung am 7. Juli 2025 befand sich der Beschuldigte seit 1036 Tagen, also seit knapp drei Jahren, in Auslieferungs-, Untersuchungs- und Sicherheitshaft sowie im vorzeitigen Strafvollzug. Er konnte bzw. wollte anlässlich der zweiten

- 29 - Berufungsverhandlung keine beruflichen Perspektiven formulieren. Vielmehr betonten er und seine Verteidigung die Schwierigkeiten, die seine schnelle Haftentlassung mit sich gebracht habe. Es steht ausser Frage, dass eine Entlassung aus der Haft nach drei Jahren bzw. die anschliessende Reintegration in die Gesellschaft überfordernd bzw., wie die Verteidigung vorbringt, «schwierig» sein kann (CAR pag. 5.100.010). Insofern wurde ihm von der Erwachsenenpsychiatrie auch eine Anpassungsstörung attestiert, die auf den vorherrschenden «sozialpsychiatrischen Problemen» beruhe. Nicht zu bezweifeln ist auch, dass es dem Beschuldigten zumindest im Regionalgefängnis XX. in Untersuchungs- und Sicherheitshaft erschwert war, einer Arbeit nachzugehen. Diesbezüglich sei erwähnt, dass Insassenarbeit dort unter dem Untersuchungs- bzw. Sicherheitshaftregime offenbar selten möglich ist (vgl. […]; zuletzt besucht am 3. Oktober 2025). Die entsprechend besseren Arbeitsmöglichkeiten veranlassten ihn denn nachweislich zur Stellung eines Gesuchs um Bewilligung des vorzeitigen Strafvollzugs, welches ihm gestattet wurde. Vom 15. August 2024 bis am 2. Mai 2025 befand sich der Beschuldigte daher im vorzeitigen Strafvollzug (CAR pag. 4.401.018). Es wäre dem Beschuldigten in den ganzen letzten rund drei Jahren durchaus möglich gewesen, Zukunftspläne zu schmieden und eine Perspektive aufzubauen, statt erst nach der Haftentlassung damit zu beginnen. Insgesamt hat sich die aktuelle Lebenssituation des Beschuldigten daher im Vergleich zu vor rund einem Jahr nicht verbessert, sondern eher noch verschlechtert. Auch wenn es positiv zu beurteilen ist, dass der Beschuldigte psychologische Hilfe suchte und nicht mehr bei seinen Eltern, sondern allein und damit eigenverantwortlich leben will, wie seine Verteidigung zu seinen Gunsten anbrachte (CAR pag. 5.100.010 f.). Insgesamt ist weiterhin vom Fehlen einer günstigen Prognose auszugehen, weshalb die mit Urteil vom 20. November 2020 durch das Strafgericht XXXX. bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe – wie bereits mit Urteil CA.2023.32 – zu widerrufen ist. 2.9.5 Mit Urteil CA.2023.32 wurde unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips – und vor allem des Umstandes, dass die Vorstrafen bereits straferhöhend berücksichtigt wurden, die Freiheitsstrafe um 10 Monate aspiriert (Erwägung II.E.3.1.4.8). Es sind keine Gründe ersichtlich, die eine plötzliche Erhöhung der Asperation rechtfertigen würden. Insbesondere ist nicht ersichtlich, wieso der Teilfreispruch des Bundesgerichts bzw. die Erwägungen des Bundesgerichts zu einer Verschärfung der Asperation führen sollten. Wie mehrfach betont, soll durch ein Rückweisungsverfahren nicht das ganze Berufungsverfahren erneut in Gang gesetzt bzw. in Zweifel gezogen werden, sondern nur in dem Umfang, um den verbindlichen Erwägungen des Bundesgerichts zu folgen. https://www.ajv.sid.be.ch/de/start/themen/haft/regionalgefaengnis-bern/dienstleistungen-und-produkte.html

- 30 - 2.10 Ergebnis Unter Einbezug der mit Urteil des Strafgerichts XXXX. vom 20. November 2020 bedingt ausgesprochenen Freiheitsstrafe ist vorliegend eine Gesamtstrafe (Art. 46 Abs. 1 Satz 2 StGB) von 36 Monaten Freiheitsstrafe (26 + 10 Monate) angemessen. 3. Strafvollzug 3.1 Vorliegend liegt die verhängte Strafhöhe von 36 Monaten in einem Bereich, in dem eine Strafe gerade noch teilweise aufgeschoben werden kann (Art. 43 Abs. 1 StGB). Grundvoraussetzung ist jedoch, dass eine begründete Aussicht auf Bewährung, d.h. eine positive Prognose besteht. Diese ist vorliegend angesichts des bereits Gesagten zurzeit zu verneinen (vgl. vorstehende Erwägung 2.9.5). Die Freiheitsstrafe von 36 Monaten ist somit vollumfänglich zu vollziehen. 3.2 Für den Vollzug der Freiheitsstrafe ist der Kanton Y. zuständig zu erklären (Art. 74 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 StBOG i.V.m. Art. 31 Abs. 1 StPO). 4. Anrechnung Haft Die bis zum Urteilsdatum ausgestandene Haft (Auslieferungs-, Untersuchungs-, Sicherheitshaft und vorzeitiger Strafvollzug) von 1036 Tagen ist auf die vollziehende Freiheitsstrafe anzurechnen. 5. Beschlagnahmte Gegenstände 5.1 Die BA beschlagnahmte mit Verfügungen vom 9. Januar und 20. Februar 2023 diverse Vermögenswerte des Beschuldigten. Begründet wurde dieser Schritt damit, dass die Vermögenswerte als Beweismittel benötigt würden oder einzuziehen seien (BA pag. 08-02-0059 ff. und BA pag. 08-02-0064 ff.; vgl. auch die Auflistung in der Anklageschrift: TPF pag. 18.100.035-038). 5.2 5.2.1 Gemäss Art. 263 Abs.1 lit. a und d StPO können Gegenstände und Vermögenswerte einer beschuldigten Person oder einer Drittperson beschlagnahmt werden, wenn diese voraussichtlich als Beweismittel gebraucht werden oder einzuziehen sind. Fällt der Grund für die Beschlagnahme weg, so hebt die zuständige Behörde diese auf und händigt die Gegenstände oder Vermögenswerte der berechtigten Person aus (Art. 267 Abs. 1 StPO). Wurde die Beschlagnahme von Gegenständen oder Vermögenswerten jedoch nicht bereits vorher aufgehoben, ist im gerichtlichen Endentscheid über ihre Rückgabe an die berechtigte Person

- 31 oder über ihre Einziehung zu befinden (Art. 267 Abs. 3 StPO). Dabei kann die Beschlagnahme gemäss Art. 267 Abs. 1 StPO e contrario noch aufrechterhalten werden, wenn der Grund dafür noch nicht weggefallen ist. 5.2.2 Die sogenannte Sicherungseinziehung ist in Art. 69 StGB materiell geregelt. Demnach sind Gegenstände, ohne Rücksicht auf die Strafbarkeit einer bestimmten Person, durch das Gericht einzuziehen, wenn sie zur Begehung einer Straftat gedient haben oder bestimmt waren oder wenn sie durch eine Straftat hervorgebracht worden sind, wenn diese Gegenstände die Sicherheit von Menschen, die Sittlichkeit oder die öffentliche Ordnung gefährden. Eine Sicherungseinziehung befasst sich demnach mit Gegenständen, die einen Konnex zu einer Straftat aufweisen und angesichts ihrer Gefährdung für öffentliche Rechtsgüter (Sicherheit, Sittlichkeit, Ordnung) ihrem Inhaber entzogen werden sollen. Sie erfordert gemäss Gesetzeswortlaut kumulativ einen Deliktskonnex sowie eine künftige Gefährdung für öffentliche Rechtsgüter (sog. Gefährdungsprognose). Neu ist einzig ein Deliktskonnex zum Sachverhaltskomplex X. rechtserheblich, da im Sachverhaltskomplex Z. von der Unschuld des Beschuldigten auszugehen ist. 5.2.3 Die Sicherungseinziehung hat keinen Strafcharakter. Vielmehr ist sie eine sachliche Massnahme zum Schutz der Allgemeinheit vor rechtsgutgefährdender Verwendung gefährlicher Gegenstände (Urteil des Bundesgerichts 6B_1115/2023 vom 10. Juli 2024 E. 2.2.2 mit Verweis auf BGE 149 IV 307 E. 2.4.1; 130 IV 143 E. 3.3.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_217/2021 vom 26. Mai 2021 E. 5.1). Mithin stellt sie ein Verfahren gegen Sachen oder Werte dar (Urteil des Bundesgerichts 6B_1115/2023 vom 10. Juli 2024 E. 2.2.2 mit Verweis auf BGE 149 IV 307 E. 2.4.1; 132 II 178 E. 4). Zweck der Wegnahme der Gegenstände ist der Schutz bzw. die Sicherung der Allgemeinheit vor i.w.S. gefährlichen Gegenständen (BAUMANN, Basler Kommentar, 4. Aufl. 2018, Art. 69 StGB N. 2). 5.2.4 An die Gefährdung sind keine überhöhten Anforderungen zu stellen. Es genügt, wenn diese wahrscheinlich ist, sofern die Gegenstände nicht eingezogen werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_1115/2023 vom 10. Juli 2024 E. 2.2.2 mit Verweis auf BGE 127 IV 203 E. 7b; 124 IV 121 E. 2a). 5.3 Da angesichts des Teilfreispruchs durch das Bundesgericht nun zwangsläufig zumindest kein Deliktskonnex der Gegenstände betreffend den Sachverhaltskomplex Z. mehr bestehen kann, sind die beschlagnahmten Vermögenswerte beim Entscheid über deren Schicksal neu zu triagieren. Die Verteidigung beantragte, dem Beschuldigten seien sämtliche beschlagnahmten Gegenstände herauszugeben, ohne nähere Begründung (CAR pag. 5.200.026; CAR pag. 5.100.007 ff.). Der Beschuldigte selbst bezeichnete bestimmte Gegenstände und nannte das «Samsung Schwarz», das «Iphone […] beschädigt […] von Tigris», http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F149-IV-307%3Ade&number_of_ranks=0#page307 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F130-IV-143%3Ade&number_of_ranks=0#page143 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F130-IV-143%3Ade&number_of_ranks=0#page143 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F149-IV-307%3Ade&number_of_ranks=0#page307 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F149-IV-307%3Ade&number_of_ranks=0#page307 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F132-II-178%3Ade&number_of_ranks=0#page178 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-IV-203%3Ade&number_of_ranks=0#page203 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F124-IV-121%3Ade&number_of_ranks=0#page121

- 32 das «Mac book pro, laptop», ein «Lenovo HP, laptop», ein «Trezor Crypto Wallet», «4 simkarten» (CAR pag. 5.300.038), welche er in einem eingereichten Sicherstellungsverzeichnis markierte (CAR pag. 5.300.033 f.). Er macht damit insbesondere an diesen bezeichneten Asservaten ein Interesse geltend. Es handelt sich um die folgenden: Asservaten-ID 30525, 30526, 30527, 30529, 30530, 30538, 30539, 30543, 30544. Die BA ist der Ansicht, dass das Bundesgericht über die beschlagnahmten Gegenstände bereits verbindlich abschlägig entschieden und die Herausgabe an den Beschuldigten abgewiesen habe (CAR pag. 5.200.004). Mit der Formulierung des Bundesgerichts: «Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen» (vgl. Dispositiv-Ziffer 1, Satz 3; CAR pag. 1.100.012) ist jedoch gemeint, dass die Beschwerde hinsichtlich des Schuldpunkts in Sachen X. abgewiesen wurde. Bei einer Auslegung, wie sie die BA vornimmt (vgl. CAR pag. 5.200.003), hätte sich das Bundesgericht auf eine Rückweisung zur Regelung der Entschädigungs- und Kostenfolgen beschränken können. Es hat die Sache aber generell zur Neufestsetzung der «Nebenfolgen» zurückgewiesen, worunter auch der Entscheid über die beschlagnahmten Vermögenswerte fällt. Es ist daher neu über die beschlagnahmten Vermögenswerte zu befinden. 5.4 Mangels Vorliegens einer Gefährdungslage sind zunächst die folgenden Gegenstände an den Beschuldigten herauszugeben: Asservat-ID 51193 (Notizzettel mit Nummern), 51192 (Notizzettel mit Passwörtern WIFI), 51190 (Auszahlungsbeleg HHH.), 51185 (Einzahlungsbeleg HHH.), 51186 (1 leerer DIN A5 Umschlag), 51187 (Quittung Kiosk W.), 51188 (Quittung Kiosk W.), 51189 (Kopie 9-Euro-Ticket), 51610 (Notizzettel mit Code), 51611 (Zins- und Kapitalausweis HHH.), 51613 (Kontounterlagen VISA-Karte HHH.), 50663 (Lieferschein, Quittungen, Notizbüchlein), 30528 (Vertrag Salt), 30531 (AB SEB Bankas), 30532 (Diverse Notizen und Zeitungsartikel), 30533 (Notizbuch mit diversen Adressen), 30537 (Diverse Notizen), 30542 (Zettel mit verschiedenen Passwörtern von e-banking, Kreditkarte und Portemonnaie schwarz u.a. mit ID). 5.5 Neben diesen Gegenständen wurden beim Beschuldigten unter anderem zahlreiche Handys und SIM-Karten beschlagnahmt. Es handelt sich um 10 Handys, namentlich um das Handy Samsung schwarz (Asservat-ID 46318), Handy Samsung weiss (Asservat-ID 46317), Nokia Smartphone schwarz (Asservat-ID 51612), iPhone (Asservat-ID 50664), Mobiltelefon Nokia und SIM-Karte Lycamobile (Asservat-ID 50668), Mobiltelefon, schwarz, LG (Asservat-ID 30541), Mobiltelefon, SAMSUNG, schwarz (Asservat-ID 30525), Iphone, beschädigt (Asservat-ID 30526), Mobiltelefon schwarz Alcatei (Asservat-ID 30536), Mobiltelefon Samsung schwarz (Asservat-ID 30540). Zudem wurden die folgenden SIM-Karten beschlagnahmt: SIM Karte Lycamobile (Asservat-ID 30529), SIM Karte

- 33 - Lebara (Asservat-ID 30530), SIM Karte Lycamobile (Asservat-ID 30543), SIM Karte Idemia (Asservat-ID 30544) und 5 SIM Karten Lycamobile (Asservat-ID 50666). Lebara und Lycamobile stellen Anbieter von Prepaid SIM-Karten dar. Auf diese 10 Handys und zahlreichen SIM-Karten ist genauer einzugehen: Hinsichtlich des Deliktskonnexes ist anzumerken, dass der Besitz der grossen Anzahl von 10 Mobiltelefonen per se – insbesondere in Verbindung mit den ebenfalls vorgefundenen diversen Prepaid-SIM-Karten – auffällig ist (vgl. in diesem Sinne bereits das Urteil des Bundesgerichts 6B_1115/2023 vom 10. Juli 2024 E. 2.3.1). Der Beschuldigte konnte in diesem Strafverfahren den Besitz derart vieler Mobiltelefone und SIM-Karten im Tatzeitraum nicht glaubhaft erklären. Aus den Akten ergibt sich, dass der Beschuldigte seine wechselnden Mobiltelefone und SIM-Karten im Sachverhaltskomplex X. zur Koordination mit seinem Mittäter für die Reise nach X. sowie zur Kommunikation mit dem vermeintlichen Sprengstoffanbieter nutzte. Mit anderen Worten nutzte er sie zur Planung und Abwicklung der versuchten Tatbegehung. Dabei verwendete er generell absichtlich Plattformen wie Telegram oder Snapchat, um einer Strafverfolgung zu entgehen. Die Mobiltelefone sollten zudem später auch für die beabsichtigte Sprengstoffdetonation benutzt werden: Das schwarze Handy Samsung (Asservat-ID 46318) nutzte er, um die Reise nach X. mit seinem Mittäter zu koordinieren. Er sandte diesem die möglichen Zugverbindungen nach X. und gab ihm die Anweisung, eine Flasche Javel und Latex Handschuhe mitzubringen, welche er in dieser Tasche bereits vorbereitet habe, wobei er die Handschuhe am besten im Karton lassen soll, da sie «nid anderi sache ufneh düend» (Beilagenordner 1 zur BA Rubrik 2.4 pag. B02-04- 001-0030, -0333 und pag. B02-04-001-0347 ff.). Der Beschuldigte und sein Mittäter unterschieden in ihrer Kommunikation bei den Handys zwischen «Bullenhandys» und «sauberen Handys». So bat der Mittäter den Beschuldigten am Tag der Reise nach X., dem 20. Juni 2022, er solle, «wenn er ein zweites Handy habe, dies mitbringen, aber nicht eins, das die «Bullen» hatten, sondern eins, das «sauber» sei. Dass er (A.) noch bis «WTP» zu Fuss gehen muss und nur das «Bullenhandy» hat und sonst kein «sauberes», er sei noch das wegen Twint am machen und müsse noch zur Bank das Geld wechseln gehen.» (BA pag. 10-01- 0101). In X. wurden beim Beschuldigten folglich dann auch zwei Mobiltelefone sichergestellt: ein weisses Mobiltelefon Samsung und ein schwarzes Mobiltelefon Samsung (Beilagenordner 1 zur Rubrik BA 2.4 pag. B02-04-001-0030). Das schwarze Samsung (Asservat-ID 46318) benutzte er für die Deliktsplanung (vgl. vorstehend), weshalb in Abgrenzung hierzu davon auszugehen ist, dass es bei dem Weissen (Asservaten ID 46317) um das «saubere» Handy» handelte.

- 34 - Auch für den geplanten deliktischen Gebrauch des Sprengstoffs waren zwei Mobiltelefone erforderlich. So entschied sich der Beschuldigte für eine Fernzündung mittels zweier Mobiltelefone, wie sich aus dem Chatverlauf zwischen dem Beschuldigten und dem verdeckten Ermittler ergibt (vgl. Urteil SK.2023.33 E. 4.3.2; Beilagenordner 1 zur BA Rubrik 2.4 pag. B02-04-001-0073, B02-04-001-0051, B02-04-001-0099). Im Rahmen dieses Chats strich der Beschuldigte gegenüber dem vermeintlichen Sprengstoffanbieter hervor, dass er die erforderlichen SIM- Karten (Mehrzahl) dafür denn auch bereits habe (Beilagenordner 1 zur Rubrik 2.4 pag. B02-04-001-0100). Die Verwendung gerade von Prepaid-SIM-Karten diente grundsätzlich dazu, Straftaten zu verschleiern. Im Rahmen der kurzen Haftentlassung gab der Beschuldigte gegenüber dem Mittäter Anweisungen zum Verhalten im Strafverfahren und zum Umgang mit Kommunikationsmitteln. Am 22. Dezember 2022 schrieb er diesem über sein Mobiltelefon iPhone (Asservaten ID 30526) per Snapchat: «müend unbedingt rede — treffe mr uns — und verzell keinem — ha keinem verzellt» (BA pag. 10-01-0951 mit Verweis auf BA pag. 10- 01-0438 f.). Schliesslich schrieb er: «Jo pass of mit telefoniere — bulle lose dich und mich ab...» (BA pag. 10-01-0952 mit Verweis auf BA pag. 10-01-0043 f.). Schliesslich wies der Beschuldigte den Mittäter an, wie er sich am Mobiltelefon verhalten solle, um einer möglichen Überwachung zu entgehen: - «Und ebe schaf nur no mit prepaid...». A.: jo machi....B.: ha nid mol simkartene...A.: Morn holi alles.... Handy Prepaid Koks....Und den goht's los ... B.: und mach face idi und finger print weg und 10 stellige code den bekömme sie handy nid uf» (BA pag. 10-01-0951 mit Verweis auf BA pag. pag. 10-01-0482 f.). Auch im Strafverfahren in XXXX. hatte der Beschuldigte, um nicht entdeckt zu werden, bei den versuchten Erpressungshandlungen bzw. den Erpresseranrufen zuvor mit verschiedenen SIM-Karten hantiert (vgl. USB-Stick vor BA pag. 18-03-0018; Band 10, S. 1175). Aufgrund des Dargelegten ist ein erforderlicher Deliktskonnex der zahlreichen Handys und Prepaid-SIM-Karten (abgesehen vom «sauberen Handy» Samsung weiss, Asservat-ID 46317) zum Sachverhaltskomplex X. im Sinne von Art. 69 StGB erstellt. Hinsichtlich der Gefährdungsprognose ist anzuführen, dass dem Beschuldigten eine negative Legalprognose zu attestieren ist (vgl. vorstehende Erwägung 3.1 mit Verweis auf Erwägung 2.9.5). Er ist einschlägig vorbestraft, insbesondere aufgrund des Urteils des Strafgerichts XXXX. vom 20. November 2020. Im Falle einer Rückgabe der zahlreichen Handys und SIM-Karten an den Beschuldigten wäre damit die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet, was durch Einziehung zu vermeiden ist. Abgesehen vom Handy der Marke Samsung mit der Asservaten ID 46317 sind daher die folgenden Handys und SIM-Karten einzuziehen und der Lagerbehörde

- 35 nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids zur gutscheinenden Verwendung oder Vernichtung zu überlassen: Asservaten ID 46318 (Handy Samsung schwarz), 51612 (Nokia Smartphone schwarz), 50664 (iPhone), 50666 (5 SIM- Karten Lycamobile), 50668 (Mobiltelefon Nokia inkl. SIM-Karte etc.), 30541 (Mobiltelefon, schwarz, LG), 30525 (Mobiltelefon, SAMSUNG, schwarz), 30526 (Iphone, beschädigt), 30529 (SIM Karte Lycamobile), 30530 (SIM Karte Lebara), 30536 (Mobiltelefon schwarz Alcatel), 30540 (Mobiltelefon Samsung schwarz), 30543 (SIM Karte Lycamobile), 30544 (SIM Karte Idemia). Hinsichtlich der Asservaten ID 46317 und 46318 hat somit gegenüber dem am 9. Juli 2025 schriftlichen eröffneten Urteilsdispositiv eine Berichtigung zu erfolgen. So wurde in Dispositiv-Ziffer II.2.3 statt der Asservaten ID 46318, welche das schwarze Samsung-Handy betrifft – fälschlicherweise die Asservaten ID 46317 genannt, welche jedoch das weisse Samsung-Handy bezeichnet. Die Asservaten-ID 46318, also das Handy Samsung schwarz, wurde schliesslich in Dispositiv-Ziffer II.2.1 genannt. Die Asservaten-ID wurden mit anderen Worten vertauscht. Dieser Widerspruch zwischen dem Dispositiv und der vorliegenden Begründung wird vorliegend in Anwendung von Art. 83 Abs. 1 StPO von Amtes wegen entsprechend berichtigt. 5.6 Neben den erwähnten Handys wurden beim Beschuldigten in X. weitere Gegenstände sichergestellt, bei denen ebenfalls ein Deliktskonnex besteht und eine Rückgabe aufgrund einer Gefährdung öffentlicher Rechtsgüter ausgeschlossen ist. Sie sind demnach einzuziehen und der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids zur gutscheinenden Verwendung oder Vernichtung zu überlassen: Asservat-ID 51196 (2x DM Papiertüten leer, 1x Plastiktüte leer), 51195 (1 Tüte und 1 Gefriertüte mit Gummihandschuhen), 51194 (Colaflasche mit unbekannter, farbloser Substanz) [bei der PET-Flasche mit der durchsichtigen Flüssigkeit handelt es sich um ein wässriges Bleichmittel auf Hypochlorit-Basis, mit welchem DNA-Material vernichtet werden kann, B02-04-001- 0031 f.]; 46319 (Pfefferspray pro-tect). 5.7 Ebenfalls einzuziehen sind aufgrund von Art. 69 StGB die Asservat-ID 50665 (Minigrip mit weissem Pulver) und 50667 (Plastik mit Tabak, evtl. Marihuana). Diese sind der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids zur gutscheinenden Verwendung oder Vernichtung zu überlassen. 5.8 Auf dem ebenfalls beschlagnahmten Laptop Lenovo IdealPad 5 (Asservat-ID 30538), an dem der Beschuldigte ein Interesse geltend macht, war ein Tor-Browser installiert. Dieser wird benötigt, um sich im Darknet zu bewegen und um die Identität zu verschleiern (BA pag. 10-01-0958). Aufgrund der negativen Legalprognose des Beschuldigten wird ihm der Laptop daher erst nach Löschung der

- 36 - Daten und nach Eintritt der Rechtskraft innert drei Monaten auf erstes Verlangen zurückgegeben. Nach unbenutztem Ablauf dieser Frist wird auch dieser Gegenstand der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung oder Vernichtung überlassen. 5.9 Der Laptop MacBook Pro (Asservat-ID 30527) und die Trezor Crypto wallet (Asservat-ID 30539) sind dem Beschuldigten demgegenüber ohne vorherige Löschung der Daten herauszugeben, da in den Akten keine konkrete Deliktsverstrickbarkeit bzw. keine Gefährdung erkennbar ist. 5.10 Schliesslich sind der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids die folgenden beim Forensischen Institut Zürich als Beweismittel lagernden Tatortspuren zur gutscheinenden Verwendung oder Vernichtung überlassen: Asservat-ID 5100, 51014-51026, 100843, 51001, 51003-51012. Die forensischen Datensicherungen mit den Asservat-ID 100835, 100834, 100833, 100832, 100831 und 100830 sind als Beweismittel bei den Akten zu belassen. 6. Kosten-, Entschädigungs- und Genugtuungsfolgen Angesichts des bundesgerichtlichen Teilfreispruchs sind auch der Umfang der Kosten des Vorverfahrens, des erstinstanzlichen Verfahrens SK.2023.33, der beiden Berufungsverfahren CA.2023.32 und CA.2025.7 sowie der Umfang des Rückzahlungsvorbehalts bezüglich des Verteidigungshonorars neu zu regeln. Ebenso ist die Höhe der Entschädigung der amtlichen Verteidigung für das zweite Berufungsverfahren CA.2025.7 festzusetzen. Des Weiteren sind die Entschädigungen bzw. Genugtuungen, welche der Beschuldigte aufgrund einer vorgebrachten (Überhaft-)Haft geltend macht (Wertverlust beschlagnahmter Vermögenswerte, Sozialhilfe etc.), zu beurteilen. 6.1 Verfahrenskosten 6.1.1 Rechtsgrundlagen Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 StPO). Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 Satz 1 StPO). Fällt die Rechtsmittelinstanz selbst einen neuen Entscheid, so befindet sie darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO). Die Verlegung der Kosten richtet sich nach dem Grundsatz, wonach die Kosten trägt, wer sie verursacht hat (BGE 138 IV 248 E. 4.4.1 mit Hinweisen). Erforderlich ist ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem zur Verurteilung führenden strafbaren Verhalten und den durch die Abklärung

- 37 entstandenen Kosten (Urteil des Bundesgerichts 6B_744/2020 vom 26. Oktober 2020 E. 4.3 mit Hinweisen). Wird die beschuldigte Person nur teilweise schuldig gesprochen, so sind ihr die Verfahrenskosten lediglich anteilsmässig aufzuerlegen. Es hat in diesem Fall folglich eine quotenmässige Aufteilung zu erfolgen. 6.1.2 Vorverfahren und erstinstanzliches Verfahren SK.2023.33 Die Verfahrenskosten des Vorverfahrens und des erstinstanzlichen Verfahrens belaufen sich auf CHF 78'379.55 (inkl. einer Gerichtsgebühr von CHF 5'000.--; vgl. Erwägungen II.G.2.1 des Urteils CA.2023.32). Die Auferlegung dieser Kosten an den Beschuldigten gemäss dem ersten Berufungsurteil im Umfang von lediglich CHF 25'000.-- blieb seitens BA unangefochten. Darüber wurde folglich bereits entschieden. Neu ist hingegen der Freispruch im Sachverhaltskomplex Z. zu berücksichtigen. Dieser Sachverhaltskomplex ist insgesamt mit rund 2/3 zu gewichten und der Sachverhaltskomplex X. mit rund 1/3. In der Gesamtbetrachtung sind dem Beschuldigten folglich nur noch rund 1/3 von CHF 25'000.--, folglich CHF 8'000.-- aufzuerlegen. Diese Bemessung berücksichtigt auch den Teilfreispruch im Sachverhaltskomplex X. vom Vorwurf der strafbaren Vorbereitungshandlungen nach Art. 260bis StGB. Die übrigen Verfahrenskosten des Vorverfahrens und erstinstanzlichen Verfahrens SK.2023.33 sind demgegenüber vom Staat zu tragen. 6.1.3 Erstes Berufungsverfahren CA.2023.32 Die Gebühr für das erste Berufungsverfahren ist in Anwendung von Art. 73 Abs. 1 lit. a und b StBOG und Art. 3 lit. c StBOG; Art. 1, 5, 7 und 9 des Reglements des Bundesstrafgerichts über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren (BStKR; SR.173.713.162) auf CHF 5’000.-- (inkl. Auslagen) zu veranschlagen (vgl. Urteil CA.2023.32 E. G.3.1). Die Auferlegung dieser Kosten an den Beschuldigten und seinen Mittäter im Umfang von gemeinsam CHF 4'000.--, bzw. je CHF 2'000.-- (vgl. Urteil CA.2023.32 E. II.G.3.1) blieb seitens der BA unangefochten. Dem Mittäter wurden sodann mit Dispositiv-Ziffer III.1, zweiter Absatz, des Urteils CA.2023.32 bereits CHF 2'000.-- rechtskräftig auferlegt. Angesichts des neuen Verfahrensausgangs sind dem Beschuldigten gemäss vorstehender Erwägung 6.1.2 von den genannten CHF 2’000.-- noch rund 1/3, das heisst CHF 700.--, aufzuerlegen. Die verbleibenden Kosten des ersten Berufungsverfahrens CA.2023.32 von CHF 2'300.-- gehen demgegenüber zu Lasten der

CA.2025.7 — Bundesstrafgericht 07.07.2025 CA.2025.7 — Swissrulings